Beiträge von Thomas

    61.

    Wer verwunderte sich nun nicht hierüber? Wer verfluchte nicht die Ketzerei und ihre Vertheidiger? Wer erkannte nicht, daß die Arianer wilder, als die wilden Thiere seyen? Und doch erreichten die Verruchten nicht, was sie hiedurch zu erreichen suchten; sondern sie vermehrten bei Allen den Haß gegen sich nur noch mehr. Sie hofften nämlich Einige durch Nachstellung und Schrecken für die Ketzerei mit Gewalt zu gewinnen, so daß sie mit ihnen Kirchengemeinschaft hätten. Aber es widerfuhr ihnen das Gegentheil; denn die, welche Verfolgung litten, ertrugen das, was ihnen von jenen zugefügt wurde, als ein Märtyrer-Leiden; sie verriethen nicht und verläugneten nicht den frommen Glauben an Christus. Diejenigen aber, welche in der Umgebung zusahen, ja die Heiden selbst, welche es sahen, verwünschten sie als Antichristen und Henker; denn das menschliche Geschlecht liebte die Armen und ist zum Mitleide geneigt. Diese aber haben sogar den Menschen-Verstand verloren; denn sie ließen denjenigen, welche im Leiden von Andern eine Wohlthat gewünscht hätten, diese von den Andern nicht zukommen, weil sie sich auf die Unmenschlichkett und die Macht der Richter, und vorzüglich auf die des Dux verließen.

    62.

    Denn was sie auch gegen die Priester und Diakonen verübten, wie sie dieselben unter dem Schutze des Dux und der Richter vertrieben, und die Verwandten derselben aus ihren Häusern jagten, mittelst der Soldaten und des Feldherrn Gorgonius, welcher sie mit Schlägen zerfleischen ließ, wie sie, was das Allergrausamste ist, die Brode der schon Verstorbenen, und mit welcher Ausgelassenheit sie dieselben raubten, läßt sich mit Worten nicht aussprechen, weil ihre Grausamkeit jede Darstellung durch Worte übersteigt. Denn was könnte Jemand sagen, daß er Etwas gesagt zu haben schiene? Oder was könnte er zuerst erwähnen, ohne das Zweite ärger als das Erste, und das Folgende grausamer als das Zweite zu finden? Denn alle ihre Unternehmungen und Verbrechen sind voll von Mord und Gottlosigkeit; und sie haben eine so arglistige Gesinnung, und einen so verschlagenen Charakter, daß sie durch Verheißung ihres Schutzes und durch Bestechung mit Geld zu verführen suchen, um wenigstens hiedurch, da es ihnen an einer Empfehlung aus vernünftigen Gründen gebricht, den Einfältigern ein Blendwerk vorzumachen.

    63.

    Wer mochte nun diese noch auch nur Heiden, geschweige Christen nennen? Wer sollte ihren Charakter für menschlich, und nicht vielmehr für thierisch ansehen wegen der Gefühllosigkeit und Grausamkeit ihres Verfahrens? Denn sie sind schlechter als Henker und verwegener als die übrigen Sekten; ja, sie sind viel schlechter als die Heiden, und stehen ihnen sehr weit nach. Denn ich habe von den Vätern vernommen, und halte ihre Worte für wahr, daß bei der frühern Verfolgung unter Maximianus, dem Großvater des Constantius, die Heiden unsere christlichen Brüder, als man sie aufsuchte, verbargen, und oft Geldstrafen bezahlten und sich in das Gefängniß führen ließen, um nur an den Fliehenden keine Verräther zu werden. Denn wie sich selbst beschützten sie die, welche zu lhnen flohen, und trugen kein Bedenken, sich für sie Gefahren auszusetzen. Jetzt aber thun diese wunderlichen Menschen, diese Erfinder der neuen Ketzerei, welche man aus nichts anderm, als aus den Nachstellungen kennt, in Allem gerade das Gegentheil. Denn sie sind aus eigenem Antriebe Henker geworden, suchen Alle zu verrathen, und bereiten denen, welche dieselben verbergen, Nachstellungen, indem sie den Verberger eben so wie den Verborgenen für ihren Feind halten; so mordlustig sind diese Bösewichte, und so sehr wetteifern sie in der Bosheit mit dem Judas.

    64.

    Und es ist nicht möglich, auf eine ihren schlechten Handlungen angemessene Weise zu sprechen, ausser nur so, wie es mir, während ich schreibe und ihre Gräuelthaten aufzählen will, eben einfällt; ob nicht die vierte Tochter des Blutigels, von welchem in den Sprüchen54 Meldung geschieht, diese Sekte ist, welche nach so vielen Ungerechtigkeiten und nach so vielen Mordthaten noch nicht gesagt hat: Es ist genug. Denn noch tobt sie, und noch geht sie umher, Menschen aufzusuchen, welche sie noch nicht kennt; diejenigen aber, welche sie schon früher mißhandelt hat, sucht sie abermals zu mißhandeln. Denn sieh! nach dem nächtlichen Ueberfalle, nach den daraus entstandenen Uebeln, nach der von Heraklius verübten Verfolgung hören sie noch nicht auf, bei dem Könige zu verleumden. Denn sie hoffen zuversichtlich, daß ihre Gottlosigkeit bei ihm Gehör findet, damit noch etwas mehr, als die Verbannung, verhängt werde, und dann diejenigen, welche ihren Gottlosigkeiten nicht gehorchen, getödtet werden. Denn so haben jetzt die verwegenen Menschen, nämlich der höchst lasterhafte Secundus von Pentapolis, und sein Mitverschworner Stephanus, weil sie wußten, daß sie, wenn sie auch Unrecht thun, ihre Ketzerei zur Vertheidigung haben, da sie den Priester in Barka, Sekundus mit Namen, ihnen nicht gehorchen sahen, diesen, der zwar gleichen Namen, aber nicht gleichen Glauben mit dem Ketzer hatte, mit den Füssen todt gestossen. Er ahmte, als er getödtet wurde, den Heiligen nach und sprach: Keiner räche mich bei den Richtern, ich habe den Herrn zum Rächer, wegen dessen ich auch dieses von ihnen erdulde. Jene erbarmten sich aber seiner nicht, da er so sprach, und hatten auch keine Scheu vor den Tagen; denn selbst in der Fasten stießen sie den Mann mit den Füssen und tödteten ihn.

    65.

    O der neuen Sekte, die in ihrer Gottlosigkeit und ihrem Betragen ganz den Teufel angezogen hat; denn vor Kurzem ist dieses Uebel zum ersten Male ausgesonnen worden; sollten aber Einige früher über diese Ketzerei nachgedacht zu haben scheinen, so verbargen und verheimlichten sie es doch, daß sie dieses dachten. Eusebius und Arius aber spien, nachdem sie wie Schlangen aus ihrer Höhle hervorgekommen waren, das Gift dieser Gottlosigkeit aus; und Arius übernahm die freche Rolle, offenbar zu verleumden, Eusebius aber nahm die Vertheidigung der Ketzerei auf sich. Er vermochte dieselbe jedoch nicht eher zu schirmen, als bis er, wie ich oben gesagt habe, den Schutz des Königes für sie erhalten hatte. Unsere Väter veranstalteten daher eine allgemeine Synode; mehr oder weniger als dreihundert kamen zusammen, verdammten die arianische Ketzerei, und erklärten insgesammt, daß dieselbe dem Glauben der Kirche fremd sey und zuwider laufe. Da aber die Vertheidiger derselben sich endlich beschämt sahen, und keinen trifftigen Grund vorbringen konnten, ersannen sie einen andern Ausweg, und suchten dieselbe durch fremde Macht zu vertheidigen. Und man wird sich über ihr neues und boshaftes Bestreben hierin und darüber noch mehr wundern, wie sie die übrigen Sekten übertreffen. Denn der Unsinn dessen, was die übrigen Sekten ersinnen, beruht auf der Wahrscheinlichkeit ihrer Worte, um die Unvorsichtigen zu hintergehen. Die Griechen suchen, wie der Apostel sagt55, durch die Erhabenheit und Beredtheit ihrer Worte und durch wahrscheinliche Sophismen zu überreden; die Juden aber haben, wie der Apostel sagt56, die göttlichen Schriften bei Seite gesetzt, und streiten mit Hülfe von Sagen und endlosen Genealogien. Denn die Manichäer und die Valentinianer und mit ihnen Andere verfälschten die göttlichen Schriften, und erzählen in ihren erdichteten Reden Fabeln; die Arianer aber sind verwegener, als die übrigen Sekten, und erklären dieselben für ihre kleinern Schwestern, indem sie gottloser sind, als jene, wie oben gesagt wurde, und mit Allen, vorzüglich aber mit den Juden, in der Bosheit wetteifern. Denn wie jene den Paulus, da sie ihn der ihm zur Last gelegten Verbrechen nicht überweisen konnten, sogleich zum Kriegstribun und zum Landpfleger führten, so bedienen sich diese, indem sie noch mehr als jene ersinnen, nur der Macht der Richter; und sobald ihnen Jemand auch nur widerspricht, wird er zu dem Landpfleger oder dem Dux geschleppt.

    66.

    Die übrigen Sekten schweigen, sobald sie sich von der Wahrheit selbst durch Beweisgründe überführt sehen, indem sie, ohne etwas Weiteres zu thun, über die Widerlegung sich schämen; die neue. und abscheuliche Sekte dieser Menschen aber sucht, wann sie durch Vernunftgründe widerlegt wird, wann sie von der Wahrheit selbst beschämt stürzt, dann diejenigen, welche sie durch Worte nicht überreden konnte, durch Gewalt, Schläge und Kerker an sich zu reissen, und gibt dadurch zu erkennen, daß sie Alles eher, als gottesfürchtig sey. Denn es ist der Gottesfurcht eigen, nicht zu zwingen, sondern zu überzeugen, wie wir gesagt haben. Der Herr selbst sagte ja, indem er nicht Gewalt brauchte, sondern es dem Willen eines Jeden frei stellte, zu Allen:57 „Wenn mir Jemand nachfolgen will;“ und zu seinen Jüngern:58 „Wollet ihr nicht auch weggehen?“ Da nun diese Sekte mit der Ehrfurcht vor Gott ganz unbekannt ist, was mußte sie da anders thun, als das Entgegengesetzte von dem, was der Heiland that, da sie zum Führer der Gottlosigkeit in dem Kampfe gegen Christum den Constantius, gleichsam den Antichrist selbst genommen hat. Denn der Ketzerei wegen strebte er zuerst dem Saul in der Grausamkeit nachzueifern; denn jener ließ ja, da die Priester dem David Nahrung reichten, alle, dreihundert fünf an der Zahl, tödten; dieser aber erklärte, da Alle die Ketzerei flohen, und das Bekenntniß des gesunden Glaubens an den Herrn abgelegt wurde, die Synode von dreihundert Bischöfen für ungültig, verwies die Bischöfe selbst aus dem Lande, hinderte die Völker, der Gottseligkeit obzuliegen und zu Gott zu beten, und störte ihre Versammlungen. Und wie Saul Nobe, die Priesterstadt, zerstörte, so übergab dieser, indem er die Bosheit noch vergrößerte, die Kirchen den Gottlosen; und wie jener den Verleumder Doeg den wahren Priestern vorzog, den David aber verfolgte und den Ziphäern Gehör gab, so zieht dieser die Ketzer den Frommen vor, verfolgt diejenigen, welche vor ihm fliehen, und schenkt seinen Eunuchen Gehör, welche die Rechtgläubigen verleumden, ohne daß er einsieht, daß Alles, was er immer für die arianische Ketzerei thut und schreibt, gegen den Heiland selbst gerichtet ist.

    67.

    Nicht einmal Achab war gegen die Priester Gottes so grausam, wie dieser gegen die Bischöfe zu seyn gewagt hat; denn jener war nach der Ermordung des Naboth bestürzt, und fürchtete sich, als er den Elias sah; dieser aber scheute sich nicht vor dem so ehrwürdigen Hosius, und wurde durch die Verbannung so vieler Bischöfe nicht befriedigt oder betrübt; sondern er wird, wie ein zweiter Pharao, je mehr er bedrängt wird, desto mehr verhärtet, und sinnt täglich auf Schlimmeres. Und das Unbegreifliche seiner Gottlosigkeit ist Folgendes; als nämlich die Bischöfe verbannt wurden, traf es sich, daß einige Andere wegen des Verbrechens des Mordes, des Aufruhres oder des Raubes nach der Schwere des Vergehens verurtheilt wurden; und diese ließ er nach wenigen Monaten, als er gebeten wurde, wie Pilatus den Barrabas, frei; die Diener Christi aber ließ er nicht nur nicht frei, sondern verurtheilte sie in der Verbannung nur noch unbarmherziger, indem er ein unsterbliches Uebel für sie wurde. Denn jenen war er wegen ihres Wandels Freund, den Rechtgläubigen aber war er wegen ihrer Ehrfurcht gegen Christum Feind. Hat er also hiedurch nicht Allen deutlich bewiesen, daß auch damals die Juden, als sie den Barrabas verlangten, den Herrn aber an das Kreuz schlugen, eben so beschaffen waren, wie jetzt die sind, welche mit Constantius gegen Christum kämpfen? Und vielleicht ist jener grausamer, als Pilatus; denn dieser wusch, als er die Ungerechtigkeit sah, doch wenigstens die Hände; jener aber knirscht, während er die Heiligen verbannt, nur noch mehr mit den Zähnen.

    68.

    Was Wunder aber, wenn er, in die Gottlosigkeit verirrt, so gegen die Bischöfe wüthet, da er nicht einmal seiner eigenen Verwandten wie ein Mensch schonte? Denn er hat seine Oheime gemordet, seine Vettern aus dem Wege geräumt, und seines Schwiegervaters, dessen Tochter er schon geheurathet hatte, und seiner unglücklichen Verwandten sich nicht erbarmt; ja er ist auch gegen Alle immer eidbrüchig gewesen. Denn so wagte er es auch, gegen seinen Bruder gottlos zu verfahren. Er nimmt zwar den Schein an, daß er ihm ein Grabmal errichten wolle, hat aber die Verlobte desselben, Olympias, den Barbaren ausgeliefert, welche jener bis an seinen Tod bei sich behalten, und wie seine Gattin erzogen hatte. Auch versuchte er es, die Willensmeinung desselben ungültig zu machen, da er doch dessen Erbe zu seyn sich rühmt, indem er Dinge schrieb, über welche Jemand, der auch nur ein wenig Gefühl hätte, sich schämen würde. Denn wenn ich seine Briefe mit einander vergleiche, finde ich, daß er keinen natürlichen Verstand habe, sondern sich bloß nach dem Willen der Einflüsterer richte, einen eigenen Verstand aber durchaus nicht habe. Salomon sagt:59 „Wenn ein König ein ungerechtes Wort anhört, werden alle seine Untergebenen Uebertreter seyn.“ Dieser beweiset nun durch seine Handlungen, daß er der Ungerechte, seine Untergebenen aber Uebertreter des Gesetzes seyen.

    69.

    Wann also kann dieser, der so beschaffen ist, und an solchen Menschen sein Vergnügen findet, etwas Gerechtes oder Vernünftiges denken? ein Mensch, gefesselt an die Schlechtigkeit seiner Umgebung, und zwar einer solchen, die aus Zauberern besteht, welche in der That ein mit den Füssen zertretenes Gehirn haben. Denn darum schreibt er und bereut, was er schreibt; darum wird er, sobald er seine Meinung ändert, aufgebracht, bricht dann wieder in Weheklagen aus, und beweiset, da er nicht weiß, was er thun soll, daß seine Seele keinen Verstand hat. Daher möchte man ihn bei dieser Beschaffenheit vielmehr mit Recht bedauern, daß er bei dem Ansehen und dem Namen eines Freien ein Sklave solcher Menschen ist, welche ihn zu ihrer Freude an der Gottlosigkeit hinreißen. Es ist gewiß unverständig und leichtsinnig, wie die Schrift sagt60, daß er sich, während er Andern schmeicheln wollte, selbst dem zukünftigen Gerichte zur Verdammung und dem Feuer zur Verzehrung Preis gegeben hat; da er bereits Alles thut, was jene wollen, und ihnen die Macht gibt, den Bischöfen nachzustellen, nebst der Gewalt über die Kirchen. Denn sieh! auch jetzt hat er die Kirchen in Alexandrien wieder verwirrt, so wie jene in Aegypten und ganz Libyen, und öffentlich den Befehl ergehen lassen, die Bischöfe, welche der katholischen Kirche und dem frommen Glauben anhängen, aus den Kirchen zu vertreiben, und diese sämmtlich den arianisch Gesinnten zu übergeben. Dieses zu thun hat der Feldherr bereits angefangen; Bischöfe sind gebunden, Priester und Mönche in eiserne Fesseln geschlagen, und nachdem sie fast bis zum Tode geschlagen worden waren, verbannt worden. Ueberall ist Alles in Verwirrung; ganz Aegypten und Libyen schwebt in Gefahr, weil die Völker über diesen gesetzwidrigen Befehl aufgebracht sind und die Vorbereitung des Antichristus sehen, weil sie sehen, daß ihr Eigenthum von jenen geraubt und den Ketzern ausgeliefert ist.

    70.

    Wann nun hat man von einer solchen Ungerechtigkeit gehört? Wann ist ein solches Unheil, selbst zur Zeit der Verfolgung, verübt worden? Heiden waren die frühern Verfolger; aber sie brachten ihre Götzen nicht in die Kirchen. Eine Jüdin war Zenobia, und die Beschützerin des Paulus von Samosate; sie übergab aber nicht die Kirchen den Juden zu Synagogen. Unerhört ist dieses abscheuliche Verfahren; und es ist nicht bloß eine Verfolgung, sondern mehr als eine Verfolgung, nämlich ein Vorspiel und eine Vorrüstung des Antichristus. Denn es sey, daß sie gegen den Athanasius und gegen die übrigen Bischöfe, welche sie verbannten, falsche Beschuldigungen erdichteten; wozu denn nun ausserdem dieser neue Frevel? Was für einen Vorwand haben sie gegen ganz Aegypten, Libyen und Pentapolis vorzubringen? Denn sie haben nicht einem jeden einzeln nachzustellen angefangen, so daß sie daraus eine Gelegenheit zu lügen schöpfen könnten; sondern sie haben Alle insgesammt angegriffen, so daß sie, wenn sie auch eine Lüge aussinnen wollten, der Unwahrheit überführt würden. Hierin verblendete also die Bosheit ihren Verstand, und sie wollten überhaupt alle Bischöfe ohne Grund vertreiben, damit sie dadurch an den Tag legten, daß sie wider den Athanasius und wider die andern Bischöfe, welche sie verbannten, falsche Beschuldigungen erdichteten, aus keiner andern Ursache, als wegen der abscheulichen Ketzerei der Arianer, dieser Feinde Christi. Denn dieses ist nicht mehr verborgen, sondern Allen vorzüglich jetzt offenbar geworden. Denn er befahl, den Athanasius aus der Stadt zu vertreiben, und übergab jenen die Kirchen. Und die Priester und Diakonen desselben, welche von Petrus und Alexander ordinirt worden sind, werden verstossen und vertrieben; die wirklichen Arianer aber, welche nicht aus äussern Gründen wirklich im Verdachte standen, sondern welche schon Anfangs mit dem Arius wegen der Ketzerei von dem Bischofe Alexander abgesetzt wurden, nämlich in Ober-Libyen Secundus, zu Alexandria aber Euzoius der Chananäer, Julius, Ammon, Markus, Irenäus, Zosimus und Serapion mit dem Beinamen Pelycon61, in Libyen endlich Sisinnius, und mit ihm einige Jüngere, welche mit ihnen gleich gottlos denken, diese, sage ich, haben die Kirchen in Besitz genommen.

    71.

    Und der Dux Sebastianus ließ an alle Vorgesetzte und Kriegspräfekten Schreiben ergehen. Da wurden die wahren Bischöfe vertrieben, die Gottlosgesinnten aber anstatt jener eingeführt. Ja, Bischöfe verbannten sie, welche im Klerus Greise geworden waren, und von dem Bischofe Alexander ordinirt, viele Jahre die Bischofswürde bekleidet hatten, nämlich den Ammonius, den Hermes, den Anagamphus, und den Markus in die obere Oase, den Muis aber, den Psenosiris, den Nilammon, den Plenes, den Markus und den Athenodorus nach Ammoniaka, aus keiner andern Absicht, als damit sie auf ihrer Wanderung durch die Wüsten das Leben verlieren möchten. Denn nicht einmal der Kranken erbarmten sie sich, sondern vertrieben sie, obwohl sie dieselben wegen der Krankheit mit Mühe fortbrachten, so daß dieselben auf Tragen fortgeschleppt wurden, und wegen der schweren Krankheit ihnen der Leichenzug nachfolgte. Es starb daher Einer aus ihnen, und sie gestatteten nicht einmal den Seinigen, daß sie den Leichnam wegtrugen. Deßwegen verbannten sie auch den Bischof Drakontius in die Wüsten um Clysma62, den Philo aber nach Babylon, den Adelphius nach Psinabla in der Thebais, die Priester Hiearax und Dioscorus nach Syene63; deßwegen vertrieben sie den Ammonius, den Agathus, den Agathodämon, den Apollonius, den Eulogius, den Apollo, den Paphnutius, den Gajus und den Flavius, alte Bischöfe, den Dioscorus, den Ammonius, den Heraklides und den Psais, gleichfalls Bischöfe; die Einen lieferten sie in Steinbrüche, Andere verfolgten sie, um sie zu tödten, und viele Andere beraubten sie. Vierzig Laien, und Jungfrauen, welche sie zuvor zum Feuer gestellt hatten, verbannten sie, nachdem sie die Letztern mit Palmruthen so heftig geschlagen hatten, daß Einige nach fünf Tagen starben, Andere, weil die Stacheln der Palmruthen in den Gliedern stacken, der ärztlichen Hülfe bedurften, und Schmerzen, welche schwerer als der Tod waren, ertrugen. Und was für noch grausamer, wenigstens von jedem Verständigen gehalten wird, den Gottlosen aber vollkommen entspricht, ist dieses, daß sie, während jene unter den Schlägen Christum anriefen, noch mehr mit den Zähnen gegen dieselben knirschten. Ja, sie übergaben nicht einmal die Leiber der Dahingeschiedenen den Ihrigen zur Beerdigung, sondern sie verbargen dieselben, um ihre Mordthaten zu verbergen. Allein sie blieben nicht verborgen; denn die ganze Stadt war Augenzeuge, und Jedermann verabscheute sie als Mörder, als Missethäter und Räuber. Ja, sie zerstörten auch Klöster, und suchten Mönche in das Feuer zu werfen; sie plünderten Häuser, nahmen anvertraute Güter, welche von dem Bischofe in das Haus freier Einwohner gebracht worden, indem sie in dieses eindrangen, mit Gewalt weg, stießen die Wittwen mit den Füssen, und verhinderten die Spendung des Almosens.

    72.

    Von dieser Art sind die Frevelthaten der Arianer. Wen möchte nicht ein Schauder ergreifen, welcher vernimmt, wie die Unternehmungen ihrer Gottlosigkeit beschaffen sind? Denn sie bewirkten, daß so ehrwürdige Greise und so vieljährige Bischöfe in das Elend verwiesen wurden; anstatt dieser fanden sie für gut, jüngere, ausschweifende Heiden, welche nicht einmal Catechumenen waren, sogleich anzupreisen, und andere, welche zwei Weiber zugleich hatten und noch größerer Vergehen beschuldigt waren; solche Menschen stellten sie, nur weil sie Vermögen und im Staate Macht besassen, und Geld hergaben, gleichsam von dem Verkauf-Platze weg auf und solchen gaben sie den Namen Bischöfe. Und nun trat für die Gläubigen eine noch ärgere Bedrängniß ein; da sie nämlich die Miethlinge jener Menschen und ihnen ganz fremde Menschen verabscheuten, wurden sie geschlagen, in die Acht erklärt, und von dem Heerführer in die Gefängnisse geworfen. Denn dieses that er als Manichäer mit großer Bereitwilligkeit, damit sie ihre vorigen Bischöfe nicht aufsuchen, sondern diejenigen, welche sie verabscheuten, aufnehmen möchten, Leute, die solche Possen sich erlauben, wie sie vorher bei den Götzen gespielt hatten.

    73.

    Wer sollte nun, wenn er dieses sieht, oder hört, wer sollte, wenn er die Ausgelassenheit der Gottlosen und eine solche Ungerechtigkeit erblickt, welcher Gerechte sollte da nicht seufzen? Denn an den Orten der Gottlosen seufzen die Gerechten64. Wer sollte bei solchen Ereignissen, und da die Gottlosigkeit eine solche Unverschämtheit sich erlaubte, es noch wagen, den Costyllius65 einen Christen zu nennen, und nicht vielmehr das Ebenbild des Antichristus? Denn welches Kennzeichen desselben fehlt ihm noch? Oder warum sollte er nicht allenthalben für denselben gehalten, und warum sollte jener nicht für eben so angesehen werden, wie dieser ist? Haben nicht in der großen Kirche, welche im Cäsarium ist, auf seinen Befehl die Arianer und die Heiden Opfer gebracht und Christum gelästert? Bezeichnet nicht das Gesicht des Daniel den Antichristus dadurch66, daß er die Heiligen bekriegen und sie überwältigen werde, daß er Alle, die vor ihm waren, an Schlechtigkeit übertreffen, drei Könige erniedrigen, gegen den Allerhöchsten lästern, und den Wahn hegen werde, er könne die Zeit und das Gesetz ändern? Wer hat nun sonst jemals etwas solches zu thun sich erfrecht, als nur allein Constantius? Denn dieser ist so beschaffen, wie wohl auch jener seyn mag. Denn er lästert gegen den Allerhöchsten, indem er die gottlose Sekte begünstigt; er führt Krieg gegen die Heiligen, indem er die Bischöfe in das Elend verweiset, obschon er nur auf kurze Zeit und zu seinem eigenen Verderben diese Macht besitzt. Denn dieser hat alle seine Vorgänger an Bosheit übertroffen, indem er eine neue Verfolgungs-Art erdachte; und nachdem er drei Könige, den Vetranio, Magnentius und Gallus entsetzt hatte, nahm er sogleich die Gottlosigkeit in Schutz, und wagte es, wie ein Riese gegen den Allerhöchsten mit Uebermuth sich zu erheben. Er ließ sich einfallen, das Gesetz zu verändern, indem er die vom Herrn durch die Apostel gegebenen Vorschriften aufhob, die Gebräuche der Kirche umänderte, und eine neue Weise der Einsetzungen ersann. Denn aus fremden Oertern, welche sogar fünfzig Tagreisen entfernt sind, schickt er Bischöfe mit Soldaten zu den Gläubigen, welche dieselben nicht wollen; und diese bringen, anstatt einer Empfehlung an die Gläubigen, Drohungen und Schreiben an die Richter. So hat er den Gregorius aus Kappadocien nach Alexandrien geschickt; so hat er den Germinius von Cyzicus nach Sirmium gesendet; so hat er den Cecropius von Laodicea nach Nikomedien befördert.

    74.

    Einen gewissen Auxentius aber, welcher mehr ein Freund des Streites als ein Christ ist, ließ er aus Kappadocien nach Mailand kommen, um diesen, nachdem er den Bischof Dionysius, einen frommen Mann, verbannt hatte, daselbst einzusetzen, einen Menschen, welcher nicht einmal der lateinischen Sprache, sondern nur der Gottlosigkeit kundig ist. Jetzt aber hieß er wieder einen gewissen Georgius, einen Menschen aus Kappadocien, welcher zu Constantinopel Proviantverwalter war, alles Geld gestohlen und deßhalb die Flucht ergriffen hatte, mit militärischem Gepränge und der Gewalt des Dux in Alexandrien einziehen. Dann fand er einen gewissen Neophyten Epictetus, einen verwegenen jungen Menschen, und nahm ihn unter seine Freunde auf, weil er ihn zu aller Schlechtigkeit bereit sah; mit dessen Hülfe stellt er nun allen Bischöfen nach, welchen er will; denn dieser Mensch ist bereit, Alles zu thun, was der König wünscht. Dieses Gehülfen also sich bedienend hat er zu Rom eine unerwartete That verübt, welche wirklich das Gepräge der Bosheit des Antichristus an sich trägt. Er richtete nämlich den Palast wie eine Kirche ein, ließ anstatt des Volkes drei seiner Verschnittenen erscheinen, und nöthigte dann drei schlechtgesittete Katascopen (Spione), denn Bischöfe darf man sie nicht nennen, einen gewissen Felix, welcher ihrer würdig war, als Bischof im Palaste zu ordiniren. Denn die Gläubigen, welche die gesetzwidrige Denkart der Ketzer kannten, gestatteten denselben nicht, in die Kirchen einzutreten, sondern wichen alle weit von ihnen zurück.

    75.

    Was hat er also von dem, was für den Antichristus paßt, unterlassen? oder was wird jener, wann er kommt, mehr thun? oder wie wird jener bei seiner Ankunft den Weg zur leichten Verführung nicht schon von diesem vorbereitet finden? Denn er beruft, anstatt in die Kirchen, in die Paläste die kirchlichen Gerichte zu sich, und führt dabei selbst den Vorsitz. Das Auffallendste aber ist, daß er, wann er die Ankläger in Verlegenheit sieht, selbst die Anklage übernimmt, damit es den ungerecht Behandelten nicht einmal mehr möglich sey, sich zu vertheidigen, in Folge seiner gewaltthätigen Verfahrungsweise. Und dieses that er gegen Athanasius, denn als er die Freimüthigkeit der Bischöfe, nämlich die des Paulinus, des Lucifer, des Eusebius und des Dionysius gewahr wurde und sah, wie diese durch die Rede des Ursacius und Valens die Gegner des Bischofes widerlegten, und riethen, man sollte dem Valens und seinen Anhängern nicht mehr glauben, weil sie das, was sie jetzt sagen, bereuet hätten, stand er sogleich auf und sprach: Ich bin jetzt Ankläger des Athanasius, um meinetwillen glaubet, was diese sagen. Als dann jene erwiederten: Wie kannst du Ankläger seyn, da der Angeklagte nicht da ist? denn obschon du Ankläger bist, kann doch jener in seiner Abwesenheit nicht gerichtet werden. Denn nicht römisch ist das Gericht, so daß du als Kaiser Glauben fändest; sondern über einen Bischof wird Gericht gehalten, und gleiches Recht muß dem Ankläger und dem Beklagten zu Theil werden. Wie aber klagest du an? du konntest ja mit dem Manne, welcher fern von dir lebte, nicht in nähere Berührung kommen; sagest du aber, was du von diesen gehört hast, so ist es gerecht, daß du auch dasjenige glaubest, was jener sagt. Glaubest du aber jenem nicht, und schenkest du diesen Glauben, so scheinen diese vielmehr deinetwegen dieses zu sagen, und dir zu Liebe den Athanasius anzuklagen. Da er dieses hörte, und das, was mit Recht gesagt worden war, für eine Kränkung hielt; verbannte er jene, und ließ, aufgebracht gegen den Athanasius, ein heftigeres Schreiben mit dem Befehle ergehen, ihn so zu mißhandeln, wie er wirklich mißhandelt wurde, den Arianern die Kirchen zu übergeben, und ihnen zu erlauben; Alles zu thun, was sie wollten.

    76.

    Hart also, und mehr als hart sind diese Dinge; doch geziemt dieses Verfahren demjenigen, welcher die Rolle des Antichristus spielt. Denn wer wird, wenn er ihn an der Spitze derjenigen, welche für Bischöfe gehalten werden, und bei den kirchlichen Gerichten den Vorsitz führen sieht, nicht mit Recht sagen, dieß sey der vom Daniel verkündete Gräuel der Verwüstung67? Denn unter dem Vorwande des Christenthumes geht jener in die heiligen Oerter, nimmt in denselben Platz und verheeret die Kirchen, indem er die Kanone derselben aufhebt, und seine Beschlüsse mit Gewalt durchsetzt. Wer getraut sich noch zu sagen, dieses sey die Zeit des Friedens für die Christen, und nicht vielmehr Verfolgung? Und zwar stellen uns die Feinde Christi das Bild einer Verfolgung dar, wie sie noch nie geherrscht hat, und wie vielleicht Niemand je eine herbeiführen wird, den Sohn der Gottlosigkeit ausgenommen. Daher müssen wir auch mit größter Wachsamkeit unsern Blick darauf richten, ob nicht diese Ketzerei, welche eine solche Unverschämtheit besitzt, und welche, wie in den Sprüchen geschrieben steht68, ihr Gift wie ein Basilisk ausgießt und eine den Heiland bekämpfende Ansicht aufstellt, eben jener Abfall sey, nach welchem sich der Antichrist offenbaren wird, indem er durchaus zu seinem Vorläufer den Constantius hat. Denn warum wüthet er sonst so gegen die Gottesfürchtigen? Warum streitet er wie für seine eigene Ketzerei? Warum nennt er den seinen eigenen Feind, welcher dem Unsinne des Arius nicht gehorcht? Warum nimmt er das, was von den Feinden Christi gesagt wird, bereitwillig auf, und warum hält er so viele und so große Synoden für nichts? Warum hat er befohlen, die Kirchen den Arianern zu übergeben? Nicht deßwegen, damit jener bei seiner Ankunft Gelegenheit finde, in dieselben einzugehen, und ihm freundlich seinen Beifall gebe, weil er ihm den Weg in diese Orte gebahnt hat? Denn die vom Alexander und von dessen Vorfahrer Achillas, und ferner die von dem Vorfahrer des Letztern, Petrus, ordinirten hochbejahrten Bischöfe wurden vertrieben, und dagegen wurden diejenigen eingeführt, welche die Begleiter der Soldaten vorschlugen; diese schlugen aber solche vor, welche versprachen, mit ihnen gleiche Gesinnung zu haben.

    77.

    Dieses war für die Meletianer eine leichte Aufgabe. Denn die meisten jener Menschen, ja vielmehr alle, haben keine religiöse Erziehung, sie kennen den gesunden Glauben an Christum nicht, und wissen überhaupt nicht, was Christenthum sey, oder welche Schriften wir Christen haben. Denn die Einen von ihnen kamen aus der Abgötterei, die Andern aus dem Senate und von der höchsten Staatsverwaltung, um nur die elende Freiheit von Staatslasten und Begünstigung zu erhalten; und sie gelangten dadurch, daß sie die Meletianer, welche älter als sie sind, mit Geld bestachen, zu dieser Würde, ohne jemals einer Christenlehre beigewohnt zu haben. Aber wenn sie es auch scheinbar gethan hätten, welche Unterweisung in den Anfangsgründen des Christenthumes gibt es bei den Meletianern? Doch sie kamen, ohne auch nur dem Scheine nach unterwiesen worden zu seyn, plötzlich und erhielten sogleich, wie Kinder einen Namen erhalten, den Namen Bischöfe. Weil sie nun von dieser Art sind, legten sie kein Gewicht auf die Sache, und meinten, daß es zwischen Frömmigkeit und Gottlosigkeit keinen Unterschied gebe. Gern und schnell wurden sie daher aus Meletianern Arianer; würde aber der Kaiser auch etwas Anderes befehlen, so wären sie auch wieder zu diesem bereit. Denn die Unkunde der Gottesverehrung führt sie schnell zu ihrer gewohnten und anfänglichen Thorheit, welche sie gelernt haben. Denn es gilt ihnen für nichts, durch jeden Wind und jede Welle sich hin und her tragen zu lassen, wenn sie nur von Abgaben frei sind und menschlichen Schutz genießen; es gilt ihnen für nichts, sich in solche zu verwandeln, welche sie zuvor waren, und wieder in solche welche sie gewesen sind, als sie noch Heiden waren. Ja, weil sie in ihrem Charakter so wandelbar waren und glaubten, die Kirche sey ein bürgerlicher Rath, und weil sie, als Heiden, abgötterisch gesinnt waren, befleckten sie, nachdem sie den schönen Namen des Erlösers zum Deckmantel genommen hatten, ganz Aegypten, indem sie bewirkten, daß die arianische Ketzerei in demselben auch nur genannt wurde. Denn bisher durfte man nur in Aegypten allein noch überall die Rechtgläubigkeit freimüthig aussprechen; und darum suchten die Gottlosen auch gegen dieses Neid zu erregen, vielmehr aber nicht sie, sondern der Teufel, welcher sie anreizte, damit, wenn sein Herold der Antichrist kommt, auch schon in Aegypten Kirchen finde, welche ihm geweiht sind, und die Meletianer, welche bereits in seiner Lehre unterrichtet sind, und damit er in denselben sich schon abgebildet sehe.

    78.

    Ein so gottloser Befehl wurde also vom Constantius erlassen; groß aber war die Bereitwilligkeit der Völker zum Märtyrerthume, und noch größer der Haß gegen die höchst gottlose Ketzerei; Trauer herrschte jedoch in den Kirchen, und Alle seufzten, indem sie zu dem Herrn riefen:69 „Schone, Herr! deines Volkes, und gib dein Erbtheil nicht zur Schmach deinen Feinden;“ sondern eile uns zu retten aus der Hand der Gottlosen. Denn sieh! sie haben deiner Diener nicht geschont, und bereiten dem Antichristus den Weg. Denn diesem werden sich die Meletianer niemals widersetzen, sie werden sich um die Wahrheit nicht bekümmern, und die Verleugnung Christi für keine Sünde halten; Menschen, welche nicht mit aufrichtigem Herzen zum Worte getreten sind, welche, wie das Chamäleon, alle Farben annehmen, und welche Miethlinge derjenigen sind, welche von ihrer Hülfe Gebrauch machen. Denn sie haben nicht die Wahrheit zum Ziele, sondern ziehen ihr das augenblickliche Vergnügen vor, und sagen nur:70 „Lasset uns essen „und trinken, denn morgen sterben wir.“ Dieser Vorsatz und dieser treulose Wandel geziemt mehr Epikritianischen Schauspielern, als Meletianern. Allein die getreuen Diener des Heilandes.und die wahren Bischöfe, welche den ächten Glauben haben, und nicht sich, sondern dem Herrn leben, welche den frommen Glauben an unsern Herrn Jesus Christus bewahren und gar wohl wissen, daß, wie gesagt, jene Beschuldigungen gegen die Wahrheit falsch und offenbar zu Gunsten der arianischen Ketzerei erdichtet worden sind, (denn aus der Reue des Ursacius und Valens erkannten sie, daß die Verleumdung gegen den Athanasius nur deßwegen angestiftet wurde, um denselben aus dem Wege zu räumen, und die Gottlosigkeit der Feinde Christi in die Kirchen einzuführen;) diese, sage ich, wollten, indem sie dieses einsahen, als Verfechter und Herolde der Wahrheit lieber Schmach und Verbannung erdulden, und erduldeten sie auch, als gegen den Athanasius unterschreiben, und mit den Arianern in Kirchengemeinschaft treten. Denn sie vergassen nicht, was sie gelehrt hatten, sondern wissen vielmehr gar wohl, daß den Verräthern viele Schande, den Bekennern der Wahrheit aber das Himmelreich werde zu Theil werden; daß ferner den Sorglosen und vor Constantius sich Scheuenden nichts Gutes, denen aber, welche diese Drangsale erduldet haben, wie den Schiffern nach einem Sturme ein sicherer Hafen, und wie den Athleten nach dem Wettkampfe ein Kranz zu Theil wird, auf gleiche Weise eine große und ewige Freude und Wonne im Himmel verliehen werde, wie Joseph nach jenen Drangsalen, wie der große Daniel nach den Versuchungen und den vielen Nachstellungen der Hofleute hatte, wie jetzt Paulus, bekränzt von dem Erlöser, genießt, in deren Erwartung überall alle Völker Gottes, indem sie diese Dinge sahen, ihren Muth nicht sinken ließen, sondern vielmehr im Glauben bestärkt wurden, und ihre Bereitwilligkeit noch mehr vergrößerten. Denn vollkommen überzeugt von der Verleumdung und der Gottlosigkeit der Ketzer verdammen sie den Verfolger, und wetteifern mit den Verfolgten in Gesinnung und Uebereinstimmung, damit auch sie die Krone des Bekenntnisses erlangen.

    79.

    Noch vieles könnte man zwar sagen gegen diese abscheuliche und Christo widerstreitende Ketzerei; noch viele Verbrechen des Constantius könnte man aufweisen, welche Vorboten des Antichristus sind; allein da, wie der Prophet sagt71, von den Füssen bis zum Kopfe nichts Vernünftiges an dieser Ketzerei ist, sondern da sie von allem Unrathe und aller Gottlosigkeit strotzt, so daß man sie schon bei dem blossen Hören fliehen muß, wie den Auswurf eines Hundes und wie das Gift der Drachen; da ferner Costyllius offenbar das Bild des Widersachers an sich trägt, so möge, damit ich nicht zu weitschweifig werde, die göttliche Schrift uns genügen, und wir alle wollen ihr gehorchen, indem sie nicht nur über die andern Ketzereien, sondern vorzüglich über diese die Vorschrift gibt;72 „Zurück! Zurück! Hinaus von da! Rühret nichts Unreines an! Gehet aus ihrer Mitte hinweg und sondert euch ab, die ihr die Gefässe des Herrn traget.“ Denn dieses genügt Allen zur Belehrung, damit, wenn Jemand von ihnen verführt worden ist, dieser gleichsam aus Sodoma ziehe und nicht mehr zu ihnen umkehre, damit ihm nicht etwa begegne, was dem Weibe des Lot widerfuhr. Ist aber Jemand von dieser gottlosen Ketzerei vom Anfange an rein geblieben, so mag er sich in Christo rühmen und sagen:73 „Wir haben unsere Hände zu keinem andern Gotte ausgestreckt;“ wir haben die Werke unserer Hände nicht angebetet, und kein Geschöpf verehrt anstatt deiner, o Gott, du Schöpfer aller Dinge, durch dein Wort, den eingebornen Sohn unsern Herrn Jesus Christus, durch welchen dir, Vater, und zugleich mit dem Worte in dem heiligen Geiste der Ruhm und die Macht sey von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

    Des Bischofes Athanasius Schrift an sämmtliche Einsiedler aller Orte über die von den Arianern unter Constantius verübten Frevel. Diese ganze Schrift ist von dem Bischofe gegen den Constantius verfaßt worden.74

    Zweites Zeugniß.

    75Dieses bezeugt öffentlich durch die am Ende Unterzeichneten das Volk der katholischen Kirche zu Alexandrien, welche unter dem ehrwürdigsten Bischofe Athanasius steht.

    Wir haben bereits unser Zeugniß abgelegt über den nächtlichen Angriff, durch welchen wir und die Kirche gelitten haben, obwohl kein Zeugniß nothwendig war, über Dinge, welche die ganze Stadt wußte und noch weiß. Denn die aufgefundenen Leichname der Gemordeten wurden öffentlich ausgesetzt, und die Waffen und Geschosse in dem Tempel verkündigten laut die Gräuelthat. Weil aber doch auch nach der Ablegung des Zeugnisses der berühmte Dux Syrianus Alle mit Gewalt zwingt, ihm beizustimmen, als wenn keine Unordnung vorgefallen und Niemand um das Leben gekommen wäre; (was kein geringer Beweis ist, daß dieses wider den Willen des höchst menschenfreundlichen Augustus Constantius geschah; denn er würde sich wegen dieser Handlungen nicht fürchten, wenn er dieselben in Folge eines Befehles vollbracht hätte; denn er ließ uns, da wir zu ihm gingen und ihn baten, gegen Niemanden Gewalt zu gebrauchen und das Geschehene nicht zu läugnen, obwohl wir Christen waren, mit Knitteln schlagen, wodurch er zeigte, daß der nächtliche Krieg gegen die Kirche geführt wurde; deßwegen bezeugen wir dieses auch jetzt, während Einige aus uns schon im Begriffe sind, zu dem höchst frommen Augustus abzureisen. Wir beschwören aber bei dem allmächtigen Gott, zur Wohlfahrt des höchst frommen Augustus Constantius, den Präfekten Aegyptens Maximus und die Kontrolleure, daß sie Alles vor die Frömmigkeit des Augustus und vor die Gewalt der berühmten Präfekten bringen mögen. Wir beschwören auch alle Schiffs-Inhaber, dieses allenthalben kund zu machen und es sowohl zu den Ohren des frömmsten Augustus zu bringen, als auch zur Kenntniß der Statthalter und Richter aller Orte, damit der gegen die Kirche geführte Krieg und dieses bekannt werde, daß Syrianus in den Zeiten des Augustus Constantius Jungfrauen und viele Andere zu Märtyrern gemacht hat. Denn mit Anbruch des achten Februar, das ist am vierzehnten des Monates Mechir, da wir in der Kirche wachten und den Gebeten oblagen, (denn am Charfreytage sollte eine Versammlung gehalten werden,) stürzte um Mitternacht plötzlich über uns, und die Kirche der hochberühmte Dux Syrianus her mit vielen Legionen Soldaten, welche mit Waffen, entblößten Schwertern, Geschossen und anderm Kriegsgeräthe und mit Helmen versehen waren. Während wir eben innig beteten und vorgelesen wurde, erbrachen jene die Thüren. Nachdem durch die Gewalt der Menge die Thüren erbrochen waren, gab er den Befehl, und die Einen schossen Pfeile ab, Andere erhoben ein Kriegsgeschrei, es ertönte das Geklirr der Waffen, und die Schwerter funkelten am Lampenlichte. Hierauf wurden Jungfrauen getödtet, Viele wurden zertreten und stürzten, da die Soldaten über sie herfielen, mit einander zu Boden, und viele Männer gaben, von Pfeilen durchbohrt, den Geist auf. Einige Soldaten aber wandten sich zur Plünderung und entblößten die Jungfrauen, für welche schon dieses, daß sie Einige auch nur überhaupt berührten, ein größerer Schrecken, als der Tod, war. Und der Bischof saß auf seinem Stuhle und ermahnte Alle zum Gebete. Der Dux aber führte die Rotte, begleitet von dem Notar Hilarius, welcher das betrieb, was der Ausgang zeigte. Denn der Bischof wurde fortgeschleppt und beinahe zerrissen. Er fiel nun in eine große Ohnmacht, und entzog sich, dem Tode nahe, wir wissen nicht wie, ihren Augen; denn sie suchten ihn zu tödten. Als sie dann viele Todte erblickten, gaben sie den Soldaten den Befehl, die Leichname der Getödteten wegzuschaffen und zu verbergen. Die heiligen Jungfrauen aber, welche todt zurückgelassen wurden, begrub man in den Grabstätten, sie, welche den Ruhm erlangten, daß sie in den Zeiten des frömmsten Constantius Blutzeugen Christi wurden. Die Diakone hingegen wurden in dem Hause des Herrn durch Schläge verwundet und eingesperrt. Aber auch hier blieb ihr Frevel nicht stehen; sondern nachdem dieses geschehen war, erbrach ein Jeder, welcher wollte, eine Thüre, die er erbrechen konnte, öffnete sie, und durchsuchte und plünderte, was durch dieselbe verschlossen war; ja sie drangen bis in diejenigen Oerter, in welche nicht einmal allen Christen zu gehen erlaubt ist. Dieses weiß auch der Dux der Stadt, Gorgonius, denn er war dabei anwesend. Und es ist kein geringer Beweis dieses feindlichen Ueberfalles, daß diejenigen, welche eingefallen waren, ihre Waffen, Geschosse und Schwerter in dem Hause des Herrn zurückließen; denn noch sind sie in der Kirche aufgehängt, damit jene es nicht läugnen können. Denn schon oft schickte er den Dynamius des Heeres76 und den Dux, um dieselben wegnehmen zu lassen; wir gestatteten es aber nicht, bis die Sache Jedermann bekannt ist. Wenn nun der Befehl erlassen ist, uns zu verfolgen, so sind wir Alle bereit den Märtyrertod zu sterben; ist dieses aber nicht der Wille des Augustus, so ersuchen wir den Präfekten Aegyptens Maximus und alle Obrigkeiten, ihn zu bitten, er möchte etwas solches nicht mehr verüben lassen. Zugleich bitten wir, daß ihm auch dieses unser Gesuch vorgelegt werde, sie möchten hier keinen andern Bischof einzuführen versuchen; denn bis zum Tode widersetzen wir uns, indem wir nur den höchstehrwürdigen Athanasius sehnlich verlangen, welchen uns Gott Anfangs gegeben hat, nach der Reihenfolge unserer Väter, den auch der fromme Constantius selbst mit Schreiben und eidlichen Versicherungen hieher geschickt hat. Denn wir hoffen, daß, wenn seine Frömmigkeit dieses erfährt, er über das Geschehene zürnen und nichts wider seine eidlichen Zusicherungen thun, sondern abermals befehlen werde, daß unser Bischof Athanasius bei uns bleibe.

    Den Consuln, welche nach dem Consulate des hochberühmten Arbäthio und Collianus77 das Amt antreten werden, am siebenzehnten des Monats Mechir, welches ist der zwölfte Februar.

    31.

    Diese also zwang er in den einzelnen Städten zuerst, ihre Meinung zu ändern; als er aber nach Arelas21 und Mailand kam, handelte er, in allen Stücken, wie die Ketzer es ihm riethen und angaben, ja sie handelten vielmehr selbst so, und fielen, nachdem sie die Macht dazu erhalten hatten, über Alle her. Nun ergingen sogleich Schreiben und Befehle an den Präfekten, man sollte indessen das Getreide dem Athanasius nehmen, und den arianisch Gesinnten geben; und einem jeden, welcher wollte, sollte es erlaubt seyn, diejenigen zu mißhandeln, welche mit demselben Kirchengemeinschaft hätten. Man drohte auch den Richtern, wenn sie nicht mit den Arianern den kirchlichen Versammlungen beiwohnen würden. Dieses war aber nur ein Vorspiel dessen, was nachmals durch den Dux Syrianus verübt wurde. In die äussern Theile wurden wieder Befehle, Notare und Hofbeamte mit Drohungen in die einzelnen Städte zu den Bischöfen und Richtern geschickt, damit die Richter darauf dringen, die Bischöfe aber entweder mit den Arianern in Kirchengemeinschaft treten und gegen den Athanasius unterschreiben, oder die Strafe der Verbannung erdulden, die Laien aber, welche mit diesen sich versammeln würden, wissen möchten, daß sie Fessel, Schmach, Schläge und Beraubung ihrer Güter zu erwarten hätten. Und der Befehl wurde nicht vernachläßigt; denn die Abgeordneten hatten Kleriker des Ursacius und Valens bei sich, damit diese die Erstern aneifern, und die saumseligen Richter bei dem Könige anzeigen sollten. Und sie ließen die übrigen Sekten als ihre kleinern Schwestern wider den Herrn lästern, nur den Christen allein stellten sie nach, weil sie es nicht ertragen konnten, fromme Reden über Christum zu hören. Wie viele Bischöfe wurden daher, wie geschrieben steht22, zu den Statthaltern und Königen geführt und hörten von den Richtern Folgendes: Entweder unterschreibet, oder verlasset die Kirchen, denn der Kaiser befahl euere Absetzung? Wie viele wurden von ihnen von Stadt zu Stadt getrieben, damit sie dieselben nicht als Freunde der Bischöfe anklagen möchten? Denn es wurde auch an die Stadtobrigkeiten geschrieben, und ihnen mit Geldstrafe gedroht, wenn nicht eine jede den Bischof ihrer Stadt zur Unterschrift zwingen würde, und überhaupt war jeder Ort und jede Stadt mit Furcht und Verwirrung erfüllt, indem die Bischöfe fortgeschleppt wurden, und die Richter die Thränen und Seufzer der Völker sahen.

    32.

    Solche Dinge wurden von den abgesandten Hofbeamten verübt. Jene wunderbaren Menschen aber gaben, im Vertrauen auf den erhaltenen Schutz, sich alle Mühe, beschieden daher einige Bischöfe zu dem Könige, hintergingen Andere durch ihre Schreiben und erdichteten Beschuldigungen, damit die Einen die Gegenwart des Constantius fürchten, die Andern aber aus Furcht vor den Gesandten und den auf erdichtete Verleumdung gestützten Drohungen ihre richtige und fromme Ansicht ändern möchten. So nun zwang der König eine so große Anzahl von Bischöfen, theils durch Drohungen, theils durch Versprechungen, zu sagen: Wir haben mit Athanasius keine Kirchengemeinschaft mehr. Denn diejenigen, welche zu ihm kamen, wurden nicht eher vorgelassen, und es wurde ihnen überhaupt keine Freiheit gestattet, oder aus ihrer Wohnung zu gehen erlaubt, ehe sie entweder unterschrieben hatten, oder, wenn sie dieses zu thun sich weigerten, verbannt worden waren. Dieses aber that er darum, weil er sah, daß die Ketzerei von Allen gehaßt werde; weßwegen er auch so Viele nöthigte, sich den Wenigen beizählen zu lassen. Und er bemühte sich einen Haufen Namen zusammen zu bringen, theils aus Neid gegen den Bischof, theils um der arianischen Gottlosigkeit, deren Beschützer er war, einen Schein von Ansehen zu verschaffen, in dem Wahne, daß er, wie die Menschen, so auch die Wahrheit stürzen könne, indem er nicht wußte, noch gelesen hatte, daß die Sadducäer und Herodianer, obgleich sie die Pharisäer auf ihre Seite gebracht hatten, doch die Wahrheit nicht zu verbergen vermochten; denn sie kommt auf diese Weise nur desto heller an den Tag. Diese aber sind, obschon sie schreien:23 „Wir haben keinen König, als den Kaiser,“ und das Urtheil des Pilatus haben, nichts desto weniger verlassen, und erwarten, daß sie, wenn sie ihren Beschirmer sterben sehen, mit aller Schande, wie jenes Rebhuhn24, beinahe entblößt seyn werden.

    33.

    Wenn es aber auch durchaus ungeziemend ist, daß einige Bischöfe aus Furcht vor diesen ihre Meinung geändert haben; so ist es noch weit ungeziemender, und ein Zeichen, daß sie auf die Wahrheit ihrer Ansichten kein Vertrauen setzen, wenn sie Gewalt gebrauchen und diejenigen zwingen, welche nicht wollen. So macht zwar der Teufel, weil er keine Wahrheit hat, seinen Angriff mit dem Beile und der Axt, und zersprengt die Thüren derjenigen, welche ihn aufnehmen; der Heiland aber ist so sanftmüthig, daß er sagt:25 „Wenn mir Jemand nachfolgen will;“ und: „Wenn Jemand mein Jünger seyn will;“ und daß er, wenn er zu Jemanden geht, keine Gewalt braucht, sondern vielmehr anklopft und spricht:26 „Öffne mir, meine Schwester, meine Freundin!“ und wenn man öffnet, geht er hinein; wenn man aber zaudert und nicht will, geht er hinweg. Denn nicht mit Schwertern und Spießen, nicht durch Soldaten wird die Wahrheit verkündet, sondern durch Ueberzeugung und Rath. Was ist aber dort für eine Ueberzeugung, wo Furcht vor dem Kaiser ist? Oder was ist dort für ein Rath, wo der Widersprechende am Ende verbannt oder getödtet wird? David hat, obschon er König war, und den Feind in seiner Gewalt hatte, die Soldaten, welche den Feind tödten wollten, nicht durch seine Macht gehindert, sondern David hat, wie die Schrift sagt27, seine Beute durch Worte beredet und ihnen nicht die Vollmacht gegeben, den Saul zu tödten. Dieser aber hat keine Vernunft, und verfährt mit seiner Macht gegen Alle gewaltthatig, damit es Allen einleuchte, daß die Klugheit jener Menschen nicht nach Gott sich richte, sondern menschlich sey, und daß die Anhänger des Arms wirklich keinen andern König haben, als den Kaiser; denn auf sein Ansehen gestützt verüben die Feinde Christi Alles, was ihnen beliebt. Während sie aber durch ihn Vielen Nachstellungen zu bereiten glauben, bemerken sie nicht, daß sie dadurch bewirken, daß Viele Bekenner werden. Zu diesen gehören diejenigen, welche jetzt ein herrliches Bekenntniß abgelegt haben, fromme Männer und vortreffliche Bischöfe, nämlich Paulinus, Bischof von Trier, der Hauptstadt Galliens, Lucifer, Bischof der Hauptstadt Sardiniens, Eusebius von Vercelli in Italien, Dionysos von Mailand, welches ebenfalls eine Hauptstadt Italiens ist. Denn diese ließ der Kaiser kommen und befahl ihnen, gegen den Athanasius zu unterschreiben, und mit den Ketzern Kirchengemeinschaft zu machen. Da sich dann diese über dieses neue Verfahren verwunderten und erwiederten, dieses sey kein kirchlicher Kanon, sprach jener sogleich: Aber was ich will, das muß für einen Kanon gehalten werden; denn so lassen mich die sogenannten Bischöfe Syriens sprechen. Entweder gehorchet also, oder auch ihr werdet verbannt werden.

    34.

    Als dieses die Bischöfe hörten, wunderten sie sich sehr, hoben ihre Hände zu Gott empor, und sprachen gegen jenen mit vieler Freimüthigkeit, indem sie lehrten, die Herrschaft sey nicht sein, sondern ein Eigenthum Gottes, welcher sie ihm übergeben habe; und sie baten ihn auch, daß er Gott fürchten sollte, damit er ihm dieselbe nicht plötzlich nehmen möchte; sie drohen ihm mit dem Tage des Gerichtes, und riethen ihm, die Lage der Kirche nicht zu verschlimmern, das römische Reich nicht mit den Satzungen der Kirche zu vermischen, und die arianische Ketzerei nicht in die Kirche einzuführen. Er hörte sie aber nicht an und ließ sie nicht weiter reden, sondern drohte heftiger, zog sein Schwert gegen sie, und befahl sogar, Einige von ihnen zum Tode hinwegzuführen; änderte aber, wie Pharao, seine Gesinnung wieder. Die Heiligen schüttelten nun den Staub von den Füssen, erhoben ihre Augen zu Gott, fürchteten die Drohungen des Königes nicht, und verriethen, als das Schwert gegen sie gezückt wurde, die Wahrheit nicht, sondern hielten die Verbannung für eine Obliegenheit ihres Amtes. Denn als sie durch Oerter und Städte zogen, predigten sie, obgleich sie gefesselt waren, dennoch das Evangelium, und verkündeten den frommen Glauben, indem sie die arianische Ketzerei verfluchten, und die Reue des Ursacius und Valens an den Pranger stellten. Dieses geschah aber gegen die Erwartung der Nachstellenden; denn je weiter der Ort der Verbannung entlegen war, desto mehr vergrößerte sich der Haß gegen dieselben, und die Wanderung dieser heiligen Manner war eine Verkündigung gegen die Gottlosigkeit jener Menschen. Denn wer bewunderte sie, als er sie durchziehen sah, nicht als Bekenner im hohen Grade, und wer verabscheute und verwünschte dagegen nicht die Arianer als Gottlose, und als Henker und Mörder, wer nannte sie da nicht lieber Alles, als Christen?

    35.

    Besser wäre es nun, wenn Constantius gleich Anfangs überhaupt an dieser Ketzerei gar keinen Theil genommen hätte, oder wenn er, nachdem er dieses gethan hatte, den Gottlosen nicht so viele Macht eingeräumt hätte, oder wenn er, nachdem er sie ihnen eingeräumt hatte, mit ihnen wenigstens hiebei stehen geblieben wäre, damit sie nur für die bisher verübten Verbrechen gemeinschaftlich gerichtet würden. Allein da sie sich, wie man sieht, wie Unsinnige mit den Banden der Gottlosigkeit umstricken, ziehen sie sich ein schwereres Gericht zu. Denn sie verschonten Anfangs nicht einmal den römischen Bischof Liberius, sondern dehnten ihre Wuth sogar bis auf die dortigen Bewohner aus; und sie scheuten sich nicht, weil dort der apostolische Stuhl ist; sie fürchteten sich nicht, weil Rom die Hauptstadt des römischen Reiches ist; sie erinnerten sich nicht, daß sie dieselben früher in ihren Schreiben apostolische Männer genannt hatten; sondern sie vermischten Alles mit einander, vergassen Alles zusammen, und waren nur auf ihren Eifer für die Gottlosigkeit bedacht. Denn als sie sahen, daß derselbe rechtgläubig sey, die arianische Ketzerei hasse, und sich beeifere, Alle zu bereden, dieselbe zu verabscheuen und zu verlassen, glaubten die Gottlosen, daß sie, wenn sie den Liberius überredeten, Alle schnell besiegen würden; daher verleumdeten sie ihn bei dem Könige. Dieser nun schickte in der Hoffnung, durch den Liberius schnell Alle auf seine Seite zu bringen, einen gewissen Verschnittenen, Namens Eusebius, mit einem Schreiben und mit Geschenken an ihn ab, um ihm durch die Geschenke zu schmeicheln, durch das Schreiben aber zu drohen. Der Verschnittene reiste also nach Rom ab, und forderte zuerst den Liberius auf, gegen den Athanasius zu unterschreiben, und mit den Arianern in Kirchengemeinschaft zu treten, mit dem Beisatze: Der König will dieses und befiehlt dir, es zu thun. Hierauf zeigte er die Geschenke vor, ermahnte ihn, nahm ihn bei den Händen und sagte: Gehorche dem Kaiser, und nimm diese!

    36.

    Der Bischof aber machte seine Gegenvorstellung und belehrte ihn mit den Worten: Wie kann dieses gegen den Athanasius geschehen? Denn wie können wir den, welchen nicht bloß Eine Synode, sondern auch eine zweite, welche aus allen Welttheilen sich versammelt hatte, mit Recht als unschuldig erklärte, und welchen die römische Kirche mit Frieden erließ, wie können wlr diesen verdammen? Oder wer wird uns Beifall geben, wenn wir denjenigen, welchen wir bei seiner Anwesenheit freundlich empfangen, und zur Kirchengemeinschaft gelassen haben, in seiner Abwesenheit verabscheuen? So lautet nicht der kirchliche Kanon, und eine solche Ueberlieferung haben wir von den Vätern nicht erhalten, obwohl diese von dem seligen und großen Apostel Petrus Ueberlieferungen empfangen haben. Allein wenn dem Könige der Friede der Kirche am Herzen liegt, wenn er befiehlt, das aufzuheben, was bei uns hinsichtlich des Athanasius geschrieben wurde, so werde auch das aufgehoben, was von jenen gegen ihn geschah, so werde aufgehoben, was gegen alle Andere verübt wurde; und dann werde eine Kirchenversammlung fern von dem Palaste veranstaltet, in welcher weder der König zugegen, ist, noch ein Comes Zutritt hat, noch ein Richter droht, sondern die Furcht Gottes allein genügt, und die Anordnung der Apostel, damit auf diese Weise vor Allem der kirchliche Glaube bewahrt werde, wie die Väter in der zu Nicäa gehaltenen Synode bestimmt haben. Die Anhänger des Arius aber sollen hinausgestossen und ihre Ketzerei soll verflucht werden. Dann erst halte man Gericht über dasjenige, weßwegen Athanasius, und etwa auch mancher Andere beschuldiget wird, und über die Klagen, welche gegen jene erhoben werden; dann verstosse man die Schuldigen, lasse aber die Unschuldigen in Sicherheit leben. Denn man darf diejenigen der Synode nicht beizählen, welche hinsichtlich des Glaubens gottlos sind, und es schickt sich nicht, der Untersuchung über den Glauben die Untersuchung über irgend einen andern Gegenstand vorzuziehen. Denn zuerst muß alle Uneinigkeit in Betreff des Glaubens abgeschnitten, und dann erst über die andern Gegenstände eine Untersuchung angestellt werden. Denn unser Herr Jesus Christus heilte die Kranken nicht eher, als bis sie zeigten und erklärten, was für einen Glauben sie an ihn hätten. Dieses haben wir von den Vätern vernommen; dieses berichte dem Könige; denn dieses ist sowohl ihm, als auch dem Baue der Kirche zuträglich. Dem Ursacius und Valens sollte man kein Gehör geben; denn sie haben ihre frühern Vergehen bereut, und ihre Worte verdienen auch jetzt keinen Glauben.

    37.

    So nun sprach der Bischof Liberius. Der Verschnittene aber ward aufgebracht nicht so fast, weil jener nicht unterschrieb, als vielmehr deßwegen, weil er fand, daß jener ein Feind der Ketzerei sey; er vergaß, daß er vor einem Bischofe stand, entfernte sich unter heftigen Drohungen mit den Geschenken, und erlaubte sich eine gesetzwidrige Handlung, welche schon von Christen ferne seyn sollte, von Verschnittenen aber noch verwegener ist. Denn er ahmte das Vergehen des Saul nach, ging zum Tempel des Apostels Petrus, und legte daselbst die Geschenke nieder. Als aber Liberius dieses erfuhr, zürnte er heftig über den Bewacher des Platzes, weil er denselben nicht verhindert hatte, und warf das Opfer als ein unerlaubtes weg, was den Verschnittenen noch mehr zum Zorne reizte. Er hetzte daher den König auf und sprach: Wir dürfen nicht mehr darum bekümmert seyn, daß Liberius unterschreibe; sondern deßwegen müssen wir besorgt seyn, weil er gegen die Ketzerei so gesinnt ist, daß er namentlich die Arianer mit dem Fluche belegt. Hiezu bewog er auch noch die übrigen Verschnittenen; es sind aber in der Umgebung des Constantius viele, ja lauter Verschnittene,28 und sie vermögen Alles bei ihm, und ohne diese kann bei ihm nichts geschehen. Der König schrieb also nach Rom, und es wurden wieder Hofbediente, Notare, Comes und Schreiben an den Statthalter abgeschickt, damit sie den Liberius entweder durch List hintergehen, von Rom hinweg führen und zu ihm in das Lager bringen, oder denselben mit Gewalt verfolgen möchten.

    38.

    Da nun solches geschrieben worden war, entstand dort Furcht und Verfolgung in der ganzen Stadt. Gegen wie viele Familien wurden nun Drohungen ausgestossen? Wie viele erhielten Versprechungen, wenn sie gegen den Liberius handelten, und welche Versprechungen erhielten sie? Wie viele Bischöfe verbargen sich, als sie dieses sahen? Wie viele Freie des weiblichen Geschlechtes zogen sich wegen der Verleumdungen der Christusfeinde in die Dörfer zurück? Wie vielen Asceten bereiteten sie Nachstellungen? Wie Vielen, welche dort sich aufhielten, und dort ihren Wohnsitz hatten, zogen sie nicht die Vertreibung zu? Wie oft und wie sehr bewachten sie den Hafen und die Eingänge der Thore, damit ja kein Rechtgläubiger hinein käme und den Liberius besuchte? Da erfuhr auch Rom die Wuth der Christusfeinde, und erkannte endlich, was es bei dem frühern Hörensagen nicht geglaubt hatte, wie sehr auch die übrigen Kirchen in sämmtlichen Städten von jenen verheert wurden. Verschnittene aber waren es, welche sowohl dieses, als auch Anderes gegen Andere verübten; und das Auffallendste bei der Nachstellung ist dieß, daß die arianische Ketzerei, welche den Sohn Gottes läugnet, von Verschnittenen ihre Unterstützung erhält, welche, wie von Natur, so auch an der Seele unfähig sind, Tugend zu erzeugen, und überhaupt von einem Sohne gar nichts hören können. Der Eunuche aus Aethiopien glaubte, da er nicht verstand, was er las, dem Philippus, welcher ihn über den Heiland belehrte29; die Verschnittenen des Constantius aber geben nicht einmal dem Petrus Gehör, wenn er sein Bekenntniß ablegt, ja sie wenden sich sogar von dem Vater hinweg, wenn er seinen Sohn offenbart, und wüthen gegen diejenigen, welche sagen, er sey der wirkliche Sohn Gottes, indem sie so die Ketzerei der Verschnittenen aufrecht zu erhalten suchen, welche behauptet, daß es nichts Wirkliches und Wahres aus dem Vater gebe. Denn darum verbietet auch das Gesetz, dieselben zu einer Kirchenberathung zuzulassen; und doch sieht man diese jetzt als die Herren der kirchlichen Gerichte an; nach ihrem Gutdünken richtet Constantius, und die sogenannten Bischöfe sehen dabei heuchlerisch zu. O! wer wird wohl diese Dinge beschreiben? Wer wird sie einem andern Menschengeschlechte erzählen? Wer wird es glauben, wenn er hört, daß Verschnittene, welchen man kaum die häuslichen Verrichtungen anvertrauen möchte,30 daß diese jetzt in kirchlichen Angelegenheiten befehlen, und daß der ihnen untergebene Constantius Allen nachstellte, und den Liberius verbannte?

    39.

    Denn da er häufig nach Rom schrieb, drohte, Abgeordnete sandte, und Nachstellungen bereitete, brach endlich zu Alexandrien die Verfolgung aus, Liberius wurde zum Könige geschleppt und sprach da mit vieler Freimüthigkeit Folgendes: „Laß einmal ab, die Christen zu verfolgen, suche nicht durch uns die Gottlosigkeit in die Kirche einzuführen. Wir sind bereit, lieber Alles zu erdulden, als Ariomaniten genannt zu werden. Zwinge uns, die wir Christen sind, nicht, Christi Feinde zu werden. Auch dieses rathen wir dir: Kämpfe nicht gegen denjenigen, welcher dir diese Herrschaft übergeben hat; zolle ihm statt des Dankes nicht Gottlosigkeit; verfolge die nicht, welche an ihn glauben, damit nicht auch du hörest:31 Es ist dir schwer, gegen den Stachel auszuschlagen. Doch nein, sondern du sollst es hören, damit du gehorchest, wie der selige Paulus. Sieh! wir sind da, wir sind gekommen, ehe jene eine Beschuldigung erdichtet haben; denn darum haben wir uns beeilt, indem wir wußten, daß uns von dir die Verbannung bevorstehe, damit wir vor der erdichteten Anschuldigung leiden, und es Allen deutlich gezeigt werde, daß auch alle Uebrigen auf dieselbe Weise, wie wir, gelitten haben, daß die wider sie vorgebrachten Beschuldigungen von den Feinden erdichtet wurden, und daß alles, was gegen sie gesagt wurde, nur Verleumdung und Lüge ist.“

    40.

    So sprach nun damals Liberius, und wurde von Allen bewundert; jener aber befahl, anstatt zu antworten, und verbannte, indem er, was er auch bei den Frühern gethan hatte, einen Jeden von dem Andern trennte. Denn diese Weise zu verbannen hat er selbst erfunden, um in den Strafen noch grausamer, als die Wütheriche und Verfolger vor ihm, zu seyn. Denn bei der frühern Verfolgung ließ Maximianus mehrere Bekenner zugleich mit einander verbannen und milderte durch den Trost der Gesellschaft die Strafe. Dieser aber wurde grausamer als jener, und trennte die von einander, welche beisammen mit Freimüthigkeit sprachen und bekannten; er schied die von einander, welche durch den Glauben vereint waren, damit sie auch sterbend nicht einander sehen möchten, in dem Wahne, daß die körperliche Trennung durchaus auch die Gesinnung der Seele trenne, oder daß sie, von einander abgesondert, der gegenseitigen Eintracht und Einmüthigkeit vergessen würden. Er weiß nämlich nicht, daß, wenn auch ein Jeder abgesondert lebt, doch ein Jeder den Herrn bei sich hat, welchen sie in Gemeinschaft miteinander bekannt haben, und welcher bewirken wird, daß mehr bei einem Jeden sind, (wie er es bei dem Propheten Elisäus gethan hat32, als bei dem Constantius Soldaten sind. Wirklich blind ist die Bosheit! denn indem sie die Bekenner dadurch zu betrüben glaubten, daß sie dieselben von einander trennten, haben sie hiedurch vielmehr sich selbst gar sehr geschadet. Denn wären jene beisammen und an einem und demselben Orte, so würde das Verbrechen der Gottlosen nur von Einem Platze aus bekannt. Nun aber haben sie, da sie dieselben trennten, bewirkt, daß der Ruf von ihrer gottlosen Ketzerei und Bosheit überall sich verbreitet und bekannt wird.

    41.

    Denn wer soll, wenn er diese ihre verübten Gräuelthaten hört, nicht glauben, daß sie Alles eher als Christen seyen? Denn da Liberius den Priester Eutropius33 und den Diakon Hilarius mit einem Schreiben an den König abgeschickt hatte, zur nämlichen Zeit, als auch Lucifer und seine Gefährten ihr Bekenntniß ablegten, verbannten jene den Priester sogleich, den Diakon Hilarius aber entblößten sie zuerst, schlugen ihm den Rücken mit Geißeln, und verbannten ihn dann, indem sie dabei ausriefen: Warum hast du dich dem Liberius nicht widersetzt, sondern dessen Schreiben überbracht? Dieses thaten aber Ursacius und Valens mit ihren Verschnittenen. Der Diakon pries während der Geißelung den Herrn, eingedenk der Worte desselben.34 „Meinen Rücken bot ich zur Geißelung hin.“ Jene aber verspotteten und verhöhnten geißelnd den Mann, und errötheten nicht, daß sie einen Leviten mißhandelten; sie hegten lachend die Gesinnungen, welche ihnen geziemten, jener aber verharrte in der Lobpreisung. Denn geschlagen zu werden ist den Christen eigen, Christen zu geißeln aber ist der Verwegenheit des Pilatus und des Kaiphas eigen. So versuchten sie also auch Anfangs die römische Kirche zu stürzen, und versuchten auch dieser ihre Gottlosigkeit einzuflössen. Der verbannte Liberius aber fiel nach einer Zeit von zwei Jahren, und unterschrieb, durch die Androhung des Todes erschreckt. Allein auch dieses beweist eines Theils die Gewaltthätigkeit jener Menschen, andern Theils den Haß des Liberius gegen die Ketzerei, und seine Stimme zu Gunsten des Athanasius, so lange er frei und nach eigenem Gutdünken handeln durfte. Denn was durch die Foltern gegen die anfängliche Meinung entlockt wird, das ist nicht der Wille der Erschreckten, sondern der Wille der Folternden. Sie versuchten also Alles für ihre Ketzerei zu thun. In allen Kirchen aber bewahren die Völker den Glauben, welchen sie gelernt haben, erwarten ihre Lehrer, und verabscheuen insgesammt die gegen Christum kämpfende Sekte, welche sie gezwungen annahmen, wie eine Schlange.

    42.

    Nach so großen und so vielen Verbrechen glaubten die Gottlosen noch nichts gethan zu haben, so lange der große Hosius ihre Bosheit nicht gefühlt hätte. Denn auch auf diesen so ehrwürdigen Greis suchten sie ihre Wuth auszudehnen; es erfüllte sie nicht mit Scheu der Umstand, daß er der Vater der Bischöfe war, nicht mit Verehrung die Rücksicht darauf, daß er Bekenner war, nicht mit Achtung die lange Dauer seiner Amtsführung, weil er mehr als sechzig Jahre das Amt eines Bischofes verwaltet hatte; sondern sie setzten Alles hintan, und hatten nur die Ketzerei im Auge, als Menschen, welche wirklich weder Gott fürchten, noch vor einem Menschen sich scheuen. Sie gingen also zum Constantius, und bedienten sich abermals folgender Worte: Wir haben Alles gethan; wir haben den römischen Bischof verbannt, und vor ihm sehr viele andere Bischöfe; wir haben alle Gegenden mit Furcht erfüllt. Aber deine so großen Thaten nützen uns nichts, und es ist von uns noch nichts zu Stande gebracht, so lange Hosius übrig ist. Denn so lange dieser unter den Seinigen ist, verbleiben Alle in ihren Kirchen; denn er kann durch sein Wort und seinen Glauben Alle gegen uns verleiten. Dieser führt auch den Vorsitz bei den Synoden, und seinen Schreiben gehorcht man überall. Dieser hat das nicäische Glaubensbekenntniß verfaßt, und überall verkündet, daß die Arianer Ketzer seyen. Wenn also dieser bleibt, so ist die Verbannung der Uebrigen vergebens; denn unsere Sekte wird verdrängt. Beginne also auch diesen zu verfolgen, und habe mit ihm, obschon er Greis ist, kein Mitleid; denn unsere Sekte weiß auch die grauen Haare der Greise nicht zu ehren.

    43.

    Nachdem der König dieses vernommen hatte, zauderte er nicht, sondern befahl, weil er den Mann und das Ansehen des Greises wohl kannte, ihm durch ein Schreiben, zu ihm zu kommen zu der Zeit, als35 er auch den Liberius anfangs versuchte. Als nun derselbe gekommen war, ersuchte und ermahnte er ihn mit den gewöhnlichen Worten, durch welche er auch die Andern zu hintergehen hoffte, daß er gegen uns schreiben und mit den Arianern Kirchengemeinschaft haben sollte. Der Greis aber, welcher dieses mit Widerwillen angehört hatte und darüber betrübt war, daß er so etwas auch nur sagte, erschütterte ihn, beredete ihn, und kehrte so in sein Vaterland und in seine Kirche zurück. Da aber die Ketzer sich darüber beklagten, und wieder aufheizten, auch die Verschnittenen ermahnten und immer mehr aufregten, schickte endlich der König ein Schreiben mit Drohungen ab, und Hosius wurde mißhandelt, aber durch die Furcht vor der Nachstellung nicht von seiner Meinung abgebracht; sondern er blieb fest auf seiner Gesinnung und sprach, weil er das Haus seines Glaubens auf den Felsen gebaut hatte, mit Freimüthigkeit gegen die Ketzerei, indem er die Drohungen in den Briefen für Wassertropfen und für Windstösse hielt. Da nun Constantius öfter schrieb, indem er ihm bald wie einem Vater schmeichelte, bald drohte und die Verbannten nannte mit den Worten: Du bist noch der Einzige, welcher der Ketzerei widerstrebt. Gehorche und schreibe gegen den Athanasius; denn wer wider diesen schreibt, der wird ganz arianisch mit uns denken; bebte Hosius nicht, sondern schrieb, obgleich er Mißhandlungen erduldete, Folgendes; wir haben den Brief gelesen, und fügen eine Abschrift davon bei.

    Hosius wünscht dem Könige Constantius Freude in dem Herrn.

    44.

    Ich habe mein Bekenntniß zum ersten Male abgelegt, als unter deinem Anherrn Maximianus die Verfolgung wüthete. Wenn aber auch du mich verfolgst, so bin ich auch jetzt bereit, eher Alles, was es nur immer sey, zu erdulden, als unschuldiges Blut zu vergießen und an der Wahrheit ein Verräther zu werden. Deine Worte finden, wenn du solches schreibest und drohest, bei mir keinen Eingang. Höre auf solches zu schreiben, und sey nicht arianisch gesinnt, höre die Orientalen nicht an, und schenke dem Ursacius und Valens keinen Glauben. Denn was diese reden, sagen sie nicht wegen des Athanasius, sondern wegen ihrer Ketzerei. Glaube mir, Constantius! mir, der ich dem Alter nach dein Großvater seyn könnte. Ich wohnte der Synode zu Sardica bei, als ihr, du und dein Bruder Constans seligen Andenkens, uns alle zusammenberiefet. Und ich selbst forderte die Feinde des Athanasius auf, als sie in die Kirche kamen, in welcher ich mich befand, sie sollten, wenn sie etwas gegen ihn hätten, es vorbringen. Ich versprach ihnen Sicherheit, und versicherte sie, daß sie nichts anders zu erwarten hätten, als in Allem ein gerechtes Urtheil. Dieses that ich aber nicht ein Mal, sondern zwei Mal, indem ich sie aufforderte, sie sollten, wenn sie nicht vor der ganzen Synode wollten, wenigstens vor mir allein die Sache vorbringen; und ich fügte wieder die Versicherung bei: Wenn Athanasius schuldig gefunden wird, so wird er auch von uns gänzlich ausgestossen werden, wird er aber unschuldig gefunden, überführt er euch als Verleumder, und ihr weiset den Mann dennoch zurück, so werde ich selbst den Athanasius bereden, mit mir nach Spanien zu reisen. Und diesen Bedingungen unterwarf sich Athanasius ohne Widerspruch. Jene aber verweigerten, weil sie von Allem, was sie zu sagen hatten, keinen guten Erfolg sich versprachen, dieses gleichfalls. Athanasius aber begab sich wieder an dein Hoflager, da du ihn durch ein Schreiben dahin beschiedest, und stellte die Bitte, seine Feinde, welche eben in Antiochien zugegen waren, entweder alle mit einander, oder einen Jeden von ihnen einzeln rufen zu lassen, damit entweder sie ihn überführten, oder selbst überführt würden, und sie ihn entweder in seiner Gegenwart als einen solchen, wie sie ihn geschildert hatten, darstellten, oder in seiner Abwesenheit nicht verleumdeten. Du aber achtetest auf seine Worte nicht, und jene lehnten dieses ab. Warum gibst du also seinen Verleumdern noch Gehör? Wie kommt es, daß du den Ursacius und Valens noch geduldig anhörst, da sie doch Buße gethan und ihre Verleumdung schriftlich bekannt haben? Sie haben ja bekannt, ohne daß sie Gewalt litten, wie sie vorgeben, ohne daß sie von Soldaten genöthiget wurden, ohne daß dein Bruder etwas davon wußte; denn so etwas, wie jetzt geschieht, geschah unter ihm nicht, dieß sey ferne! sondern sie kamen freiwillig nach Rom, und schrieben dieses in Gegenwart des Bischofes und der Priester nieder, nachdem sie zuvor auch dem Athanasius einen freundschaftlichen und friedlichen Brief geschrieben hatten. Geben sie aber vor, daß man gewalthätig verfahren sey, sehen sie dieses für unerlaubt an, und billigest auch du es nicht; so höre auf, Gewalt zu gebrauchen, und schicke keine Briefe, keine Comes mehr; sondern rufe die Verbannten zurück, damit nicht, während du die Anwendung der Gewalt tadelst, jene eine noch größere Gewaltthätigkeit verüben. Denn was hat Constans gethan, welches diesem ähnlich wäre? Welcher Bischof wurde verbannt? Wann erschien er bei einer kirchlichen Untersuchung mitten in der Versammlung? Welcher seiner Hofbeamten zwang jemals Einen, gegen Jemanden zu unterschreiben, daß Valens und seine Anhänger so etwas aussagen? Höre auf, ich beschwöre dich, und bedenke, daß du ein sterblicher Mensch bist. Fürchte den Tag des Gerichtes, und bleibe rein von Schuld bis zu jenem Tage. Mische dich nicht in kirchliche Dinge, und gib uns über solche keine Befehle; sondern lerne sie vielmehr von uns. Gott hat dir die Regierung des Reiches übergeben, uns die Verwaltung der Kirche anvertraut. Und wie derjenige, welcher deine Herrschaft an sich zieht, der Anordnung Gottes sich widersetzt, so hüte auch du dich, die Gerechtsame der Kirche an dich zu reißen, und dich dadurch eines schweren Vergehens schuldig zu machen:36 „Gebet,“ steht geschrieben, „dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.“ Eines Theils ist es also uns nicht erlaubt, über die Erde zu herrschen, andern Theils hast du, o König! keine Gewalt in geistlichen Dingen. Dieses nun schreibe ich nur aus Sorgfalt für dein Heil; was aber den Inhalt deines Schreibens betrifft, habe ich folgende Gesinnung: Ich trete mit den Arianern in keine Gemeinschaft, sondern verfluche ihre Ketzerei, und gegen den Athanasius schreibe ich nicht, welchen wir und die römische Kirche und die ganze Synode als unschuldig erklärt haben. Daß er unschuldig sey, hast auch du eingesehen; deßwegen hast du den Mann zu dir beschieden, und ihm erlaubt, mit Ehren in sein Vaterland und in seine Kirche zurückzukehren. Was ist nun die Ursache der so großen Veränderung? Denn seine Feinde sind noch dieselben, welche sie früher waren; und was sie jetzt murmeln, denn in seiner Gegenwart sagen sie nichts, das haben sie auch schon früher, ehe du den Athanasius zu dir beschiedest, gesagt, das haben sie, als sie zur Synode kamen, verbreitet, davon konnten sie aber, als sie, wie ich oben sagte, von mir aufgefordert wurden, keine Beweise vorbringen; denn hätten sie solche gehabt, so wären sie nicht so schimpflich entflohen. Wer also hat dich verleitet, daß du nach einer so langen Zeit deiner Schreiben und deiner Worte vergaßest? Halte ein, und folge den schlechten Menschen nicht, damit du nicht wegen ihrer Verbindung unter einander dich selbst strafbar machest. Denn was du ihnen jetzt gestattest, darüber wirst du am Tage des Gerichtes allein Rechenschaft geben müssen. Diese wollen ihrem Feinde vermittelst deiner Hülfe Unrecht zufügen, und dich wollen sie zum Diener ihrer sträflichen Absichten machen, um durch dich die abscheuliche Ketzerei in der Kirche auszusäen. Es ist aber nicht klug, wegen des Vergnügens Anderer sich in eine augenscheinliche Gefahr zu stürzen. Laß also ab, ich beschwöre dich, und gehorche mir, o Constantius! denn es steht mir zu, dieses zu schreiben, und dir, es nicht zu verachten.

    45.

    So nun dachte und schrieb der abrahamische Greis, der wahrhaft Heilige (Osioj). Jener aber ließ von seinen Nachstellungen nicht ab, und hörte nicht auf, einen Anlaß wider ihn ausfindig zu machen, sondern fuhr mit seinen furchtbaren Drohungen fort, um ihn entweder durch Gewalt zur Aenderung seiner Meinung zu verleiten, oder wenn er nicht gehorchen würde, des Landes zu verweisen. Wie nun die babylonischen Anführer und Satrapen gegen den Daniel keinen Anlaß fanden, ausser in den Gesetzen seines Gottes, so konnten auch die jetzigen Satrapen der Gottlosigkeit keinen andern gegen den Greis ersinnen. Denn Jedermann kannte den wahrhaft Heiligen, und sein Lebenswandel war untadelhaft, wenn man nicht seinen Haß gegen die Ketzerei tadeln wollte. Sie verleumdeten ihn also, nicht wie jene den Daniel bei dem Darius, denn Darius hörte die Anklage gegen den Daniel mit Mißvergnügen, sondern wie Jezabel den Naboth, und wie die Juden bei dem Herodes, indem sie sprachen: Er unterschreibt nicht nur nicht gegen den Athanasius, sondern verdammt uns sogar wegen desselben, und haßt die Ketzerei so sehr, daß er auch an Andere schreibt, sie sollten lieber den Tod erdulden, als an der Wahrheit Verräther werden. Denn wegen derselben (sagt er) wird unser lieber Athanasius verfolgt, und wegen derselben wird dem römischen Bischöfe Liberius und allen Andern nachgestellt. Da Constantius, der Beschirmer der Gottlosigkeit und der König der Sekte, dieses und besonders, daß in Spanien auch noch Andere mit dem Hosius gleiche Meinung haben, gehört hatte, versuchte er auch diese, ob sie nicht unterschreiben möchten, und da er sie dazu nicht zwingen konnte, ließ er den Hosius kommen, und hielt ihn, anstatt ihn zu verbannen, ein ganzes Jahr zu Sirmium gefangen, indem der Gottlose Gott nicht fürchtete, der Ruchlose die freundschaftliche Gesinnung seines Vaters gegen den Hosius nicht ehrte, und der Unmensch das hohe Alter37 nicht achtete. Denn dieses Alles hielt er um der Ketzerei willen für nichts, er, der neue Achad, und ein zweiter Balthasar unserer Zeit. Denn er verfuhr so gewaltthätig gegen den Greis, und hielt ihn so lange gefangen, bis er endlich den Leiden unterlag, und mit harter Mühe mit Valens und Ursacius Gemeinschaft machte, aber wider den Athanasius nicht unterschrieb. Allein auch dieses ließ der Greis nicht unbeachtet, denn da er dem Tode nahe war, bezeugte er die gegen ihn gebrauchte Gewalt wie in einem Testamente, verfluchte die arianische Ketzerei, und sprach die Warnung aus, daß dieselbe Niemand annehmen sollte.

    46.

    Wer wird, wenn er dieses sieht, oder auch nur hört, nicht von Staunen ergriffen, und nicht zum Herrn rufen mit den Worten:38 „Willst du denn Israel zur Vernichtung hingeben?“ Wer wird, wenn er dieses erwägt, nicht zur rechten Zeit zum Herrn aufrufen:39 „Dinge geschahen in diesem Lande, über welche man erstaunen und sich verwundern muß,“ und:40 „Es erstaunte der Himmel darüber, und die Erde entrüstete sich sehr.“ Die Väter der Völker und Lehrer des Glaubens werden weggenommen, und die Gottlosen in die Kirchen eingeführt. Wem wurde es, wenn er sah, wie der römische Bischof Liberius des Landes verwiesen wurde, und der Vater der Bischöfe, der große Hosius, so vieles erduldete, oder wem wurde es, da er sah, daß so viele Bischöfe aus Spanien und andern Gegenden verbannt wurden, wenn er auch nur ein wenig Verstand hatte, nicht einleuchtend, daß auch die Beschuldigungen gegen den Athanasius und die Andern erdichtet seyen, und daß Alles voll Verleumdung sey? Denn darum wollten auch jene gerne Alles erdulden, weil sie einsahen, daß die Nachstellung nur eine Folge der Verleumdung der Ketzer sey. Denn welches ist das Verbrechen des Liberius? Oder welches ist die Beschuldigung gegen den Greis Hosius? Wer hat gegen den Paulinus, den Lucifer, den Dionysius und den Eusebius auch nur eine unwahre Anklage vorgebracht ? Oder welches ist das Vergehen der übrigen verbannten Bischöfe, Priester und Diakonen? Es gibt keines, dieses sey ferne! Denn nicht wegen Verbrechen wurden die Ränke angesponnen, und nicht einer Anklage wegen wurde ein Jeder verbannt; sondern dieses ist nur ein Angriff der Gottlosigkeit auf die Frömmigkeit, und ein Eifer für die arianische Ketzerei, aber auch ein Vorspiel der Ankunft des Antichristen, welchem Constantius den Weg vorbereitet.

    47.

    Denn nachdem er Alles, was er wollte, wider die Kirchen Italiens und anderer Länder verübt, nachdem er die Einen des Landes verwiesen, die Andern aber durch Gewalt gezwungen, und überall Alles mit Schrecken erfüllt hatte, kehrte er endlich, wie eine Krankheit, seine Wuth gegen Alexandrien. Schlau aber wurde dieses von den Feinden Christi angefangen; denn damit sie die Unterschriften vieler Bischöfe aufweisen könnten, und damit der verfolgte Athanasius keinen Bischof mehr hätte, bei dem er sich doch wenigstens beklagen könnte, erfüllten sie im Voraus überall Alles mit Schrecken, und diesen Schrecken behielten sie im Rückhalte zu ihren Nachstellungen auf, indem sie nicht einsahen, die Unverständigen, daß sie nicht den freien Willen der Bischöfe, sondern die von ihnen verübte Gewalt vorzeigten, und daß, wenn auch Brüder verlassen, wenn auch Freunde und Verwandte sich weit zurückziehen, und wenn Niemand mehr gefunden wird, welcher Mitleid hätte und tröstete, doch bei Gott eine hinlängliche und Alles übertreffende Zufluchtsstätte sey. Denn allein war auch Elias, als er verfolgt wurde, und Gott war dem Heiligen Alles in Allem41. Dieses Vorbild hat auch der Heiland aufgestellt, welcher, nachdem er ergriffen worden, den Nachstellungen der Feinde allein Preis gegeben war, damit wir, wenn auch wir bei der Verfolgung von den Menschen verlassen werden, den Muth nicht verlieren, sondern auf ihn hoffen und die Wahrheit nicht verrathen, welche, wenn sie auch Anfangs unterdrückt zu werden scheint, doch in der Folge auch die Verfolger anerkennen werden.

    48.

    Sie reizten also den König auf, und dieser schrieb zuerst, und schickte Drohungen an den Dux und die Soldaten. Ferner wurden Diogenius und Hilarius als Notare, und mit ihnen Palatine abgesendet. Und nun geschahen jene so argen und grausamen Dinge wider die Kirche, welche kurz vorher in wenigen Worten geschildert worden sind, und die Alle aus den Zeugnissen kennen, welche die Völker gegeben haben, und welche am Schlusse dieser Schrift beigefügr sind, und die ein Jeder lesen kann. Nach diesen Gräuelthaten des Syrian, nach den so großen Verbrechen und den Mißhandlungen der Jungfrauen ließ jener, solche Schandthaten und Vergehen billigend, abermals ein Schreiben an den Senat und an das Volk zu Alexandrien ergehen, in welchem er die jungen Leute aufreizte, damit sie entweder Alle mit einander vereint den Athanasius verfolgen, oder wissen möchten, daß sie seine Feinde würden. Aber dieser hatte sich, ehe noch diese Dinge hereinbrachen, seitdem Syrianus über die Kirche hergefallen war, entfernt, weil er wußte, daß geschrieben steht:42 „Verbirg dich auf eine kurze Weile, auf einen Augenblick, bis der Zorn vorüber ist.“ Der Ueberbringer dieser Schreiben aber war ein gewisser Heraklius, mit der Würde eines Comes, der Vorläufer eines gewissen Georgius, welcher von dem Könige als Spion43 gesandt wurde; denn der von ihm Geschickte war kein Bischof; dieses sey ferne! wie es auch die Vorfälle und das Vorspiel seines Einzuges beweisen.

    49.

    Er machte also die Schreiben öffentlich bekannt, und diese gereichten dem Verfasser derselben zu einer großen Schande. Denn da er, wie der große Hosius geschrieben hatte, keinen wahrscheinlichen Vorwand für seine Umänderung finden konnte, erdachte er einen für ihn und seine Rathgeber noch weit ungeziemendern; denn er sagte: „Aus Achtung für die Freundschaft meines Bruders, göttlichen und frommen Andenkens, gestattete ich dem Athanasius auf eine bestimmte Zeit zu euch zu kommen.“ Dieses beweist aber, daß er in seinen Versprechungen täusche, und gegen seinen Bruder nach dessen Tode unbillig sey. Ferner nennt er ihn eines göttlichen und frommen Andenkens, wie er es auch wirklich ist, würdig, dessen Befehl und Freundschaft er, wie er schrieb, wenn er auch des Athanasius Rückkehr nur zu Gunsten des Constans, seligen Andenkens, gestattet hätte, nicht hätte unbeachtet lassen und gegen welchen er sich nicht pflichtvergessen hätte zeigen sollen, damit er, wie seines Reiches, so auch seiner Gesinnung Erbe wäre. Allein er setzte, da er, was gerecht ist, fordern wollte, den Vetranio ab, mit den Worten: Wem gehört nach dem Tode der Brüder das Erbe? Wegen der abscheulichen gegen Christum kämpfenden Ketzerei aber weiß er nicht, was gerecht ist, sondern wird sogar gegen seine Brüder unbillig. Wegen dieser Ketzerei fiel es ihm auch nicht einmal ein, die Ansicht seines Vaters unverletzt zu bewahren; sondern er nimmt zwar, in so weit es den Gottlosen gefällt, den Schein an, sich an dieselbe halten zu wollen; sobald ihnen aber dieses mißfällt, weiß er nicht einmal die dem Vater schuldige Ehrfurcht zu beobachten. Denn dieser schickte zwar der Verleumdung des Eusebius und seiner Anhänger zu Folge den Bischof auf einige Zeit nach Gallien, wegen der Grausamkeit seiner Verfolger;44 er gehorchte aber den Eusebianern nicht, und schickte nicht den Bischof, welche jene dahin senden wollten, sondern verhinderte sie vielmehr in ihrem Vorhaben, und hielt sie, da sie es versuchten, durch heftige Drohungen ab.

    50.

    Warum hat er nun, wenn er den Willen seines Erzeugers, wie er schreibt, beachten wollte, zuerst den Gregorius, jetzt aber den Räuber Georgius geschickt? Oder warum bestrebt sich dieser die Arianer, welche jener Porphyrianer45 nannte, in die Kirche einzuführen, und warum verweiset er, während er diese begünstiget, Andere aus dem Lande? Denn obgleich sein Vater den Arius vor sein Angesicht hatte kommen lassen, so verlor doch Arius, als er falsch geschworen hatte, und mitten entzwei geborsten war, das Wohlwollen des Vaters; denn sobald er den Vorfall vernommen hatte, verabscheute er fortan den Arius als einen Ketzer. Warum hat er, da er um den kirchlichen Kanon sich zu bekümmern heuchelte, Alles wider den Kanon zu thun versucht? Denn welcher Kanon befiehlt, einen Bischof vom Palaste aus zu senden? Welcher Kanon sagt, daß Soldaten in die Kirchen einfallen sollen? Oder von wem rührt die Ueberlieferung her, daß Comes und unverständige Verschnittene in kirchlichen Angelegenheiten gebieten und durch einen Befehl das Urtheil so genannter Bischöfe bekannt machen? Jede Lüge erlaubt er sich der verruchten Sekte zu Liebe; denn eines Theils schickte er wider die Ansicht seines Vaters damals den Philagrius zum zweiten Male als Präfekten, andern Theils wurden jetzt diese Gräuelthaten verübt, und er redet hinsichtlich seines Bruders nicht die Wahrheit; denn er schrieb nach dem Tode desselben nicht ein Mal, nicht zwei Mal, sondern drei Mal an den Bischof, und gab ihm wiederholt die Zusicherung, daß er seine Gesinnung nicht ändern werde; ja, er ermunterte ihn, die zuversichtliche Hoffnung zu hegen, daß er von Niemanden beunruhiget, sondern ganz ungestört in seiner Kirche bleiben werde. Und er schickte durch den Comes Asterius und den Notar Palladius dem damaligen Dux Felicissimus und dem Präfekten Nestorius Befehle zu, daß sie, wenn der Präfekt Philippus oder irgend ein Anderer es wagen sollte, dem Athanasius nachzustellen, diesen hieran hindern sollten.

    51.

    Denn darum haben auch, als Diogenes ankam, und Syrianus Nachstellungen bereitete, jener, wir und das Volk ein Schreiben des Königes verlangt, in der Meinung, daß, wie geschrieben steht: „Keine Lüge soll dem Könige aus dem Munde kommen,“ so der König, da er seine Zusicherung gegeben hatte, weder die Unwahrheit reden, noch seine Gesinnung ändern werde. Warum hat er nun, wenn er uns bloß wegen des Bruders die Rückkehr gestattete, auch nach dessen Tode geschrieben? Wenn er aber auch damals wegen der Erinnerung an jenen schrieb, warum vergaß er ihn nachher so ganz und gar, daß er den Mann verfolgte, und warum handelt er, obwohl er in seinen Schreiben das Urtheil der Bischöfe zum Vorwande gebraucht, doch in Allem so, wie es ihm gut dünkt, da er es doch nicht verbergen kann, und da die Beweise seiner Verschmitztheit nahe liegen? Denn ist es das Urtheil der Bischöfe, was geht es dann den König an? Ist es aber die Drohung des Königes, wozu sind dann da die sogenannten Bischöfe nöthig? Denn wann ist zu irgend einer Zeit so etwas gehört worden? Wann hat ein Beschluß der Kirche von dem Könige Rechtskraft erhalten, oder wann ist überhaupt sein Urtheil hierin als gültig anerkannt worden? Viele Synoden sind vor dieser Zeit gehalten, viele Beschlüsse der Kirche sind gefaßt worden, aber niemals haben die Väter den König zur Beistimmung beredet, und nie hat sich ein König in die ausser seiner Sphäre liegenden Angelegenheiten der Kirche gemischt. Der Apostel Paulus hatte Freunde aus dem Hause des Kaisers, in deren Namen er die Philipper in seinem Sendschreiben grüßte46; aber er zog sie nie als Theilnehmer zur Fassung der Beschlüsse. Jetzt aber haben wir ein neues Schauspiel, und dieses ist eine Erfindung der arianischen Sekte. Denn die Ketzer und der König Constantius sind mit einander darin übereingekommen, daß einerseits dieser unter dem Vorwande der Bischöfe gegen alle, gegen welche er wollte, frei verfahren, und obschon er verfolgte, doch nicht Verfolger genannt werden sollte, andererseits aber die Ketzer, mit der Macht des Königes bekleidet, allen, welchen sie wollten, Nachstellungen sollten bereiten dürfen/; sie wol-len aber denjenigen nachstellen, welche nicht gottlos sind, wie sie. Dieses kann man sie aber wie auf einem Theater als eine Komödie aufführen sehen, indem nämlich die sogenannten Bischöfe die Schauspieler machen, Constantius aber ihr Spiel leitet und wie Herodes der Herodias Versprechungen macht; jene dagegen sieht man im pantomimischen Tanze ihre Verleumdungen vorstellen, welche die Verbannung und den Mord derjenigen zum Zwecke haben, welche gegen den Herrn ehrfurchtsvolle Gesinnungen hegen.

    52.

    Wem haben sie nun durch ihre Verleumdungen nicht geschadet? Wem haben jene Christusfeinde nicht nachgestellt? Wen, der von ihnen angeklagt worden war, hat Constantius nicht des Landes verwiesen? Wann hat er ihnen nicht freudig Gehör gegeben? Und was das Auffallendste ist, wen, der gegen jene sprach, hat er jemals angehört, und hat er nicht vielmehr jene, was sie auch immer vorbrachten, gerne vorgelassen? Welche Kirche betet jetzt Christum mit Freiheit an? Denn ist sie fromm, so schwebt sie in Gefahr; verstellt sie sich aber, so schwebt sie in Furcht. Er hat Alles, so viel in seiner Macht stand, mit Heuchelei und Gottlosigkeit erfüllt. Denn wenn noch irgendwo ein frommer und Christum liebender Mensch ist, (es sind aber überall viele solche, wie die Propheten und der große Elias waren,) so verbergen sie sich, wenn auch sie irgendwo einen treuen Mann, wie den Abdias, finden, oder wenn sie in eine Höhle und in die Schluchten der Erde sich zurückziehen, oder in Wüsten herumirren und verweilen können. Denn jene Wahnsinnigen bringen solche Verleumdungen vor, wie Jezabel gegen den Naboth, und die Juden wider den Heiland erdichtet haben. Und da er ein Begünstiger der Ketzerei ist, und die Wahrheit stürzen will, so wandelt er, wie Achab, den Weinberg in einen Gemüsegarten um, und thut, was jene wollen, weil auch er, was er wünschte, von ihnen gehört hat.

    53.

    So hat er, wie ich oben gesagt habe, die wirklichen Bischöfe, weil sie nicht, wie er wollte, gottlos waren, verbannt; so hat er jetzt auch gegen den Athanasius den Comes Heraklius geschickt, welcher die Befehle öffentlich vorlegte und die Aufträge des Königes bekannt machte, daß, wenn sie dem Schreiben nicht Folge leisteten, das Brod weggenommen, die Götzenbilder umgestürzt, und viele Staatsbeamte und Leute aus dem Volke schlechthin verhaftet werden sollten. Nach diesen Drohungen schämte er sich nicht öffentlich mit lauter Stimme auszurufen: Der König verabscheut den Athanasius und hat befohlen, den Arianem die Kirchen zu übergeben. Da Alle sich hierüber wunderten, einander winkten und sagten: Ist denn Constantius ein Ketzer geworden? hätte sich jener schämen sollen, er aber nöthigte vielmehr die Senatoren, die heidnischen Obrigkeiten und die Aufseher der Götzentempel, dieses zu unterschreiben und zu erklären, daß sie denjenigen als Bischof aufnehmen wollten, welchen der König schicken würde. Indem Constantius dieses thun ließ, hat er allerdings die kirchlichen Kanone beobachtet; denn anstatt der Kirche forderte er den Marktplatz, anstatt der Kirchengemeinden die Tempelaufseher zur Unterschrift auf; er wußte nämlich, daß er nicht den Christen einen Bischof, sondern denen, welche unterzeichneten, einen streitsüchtigen Menschen schicke.

    54.

    Heiden also, welche gleichsam durch diese Unterschrift die Unverletzbarkeit ihrer Götzen erkauften, und Einige von den Landleuten haben, als wenn es sich um einen abgeschickten Dux oder irgend einen andern Richter handelte, obwohl ungerne, doch aus Furcht vor seinen Drohungen unterschrieben. Denn was wollten sie, da sie Heiden waren, anders thun, als das, was dem Könige gefällt? Nachdem aber die Gläubigen in der großen Kirche sich versammelt hatten, es war nämlich Samstags um 4 Uhr, nahm am folgenden Tage der Comes Heraklius den Präfekten Aegyptens Kataphronius, den Procurator Faustinus und den Ketzer Bithynus mit sich, und diesem hetzten die jungen Leute auf dem Marktplatze und die Götzendiener auf, indem sie sagten, dieses sey der Befehl des Königes, daß sie in die Kirche hineinstürzen und die Gläubigen steinigen sollten. Als nun bereits die Meisten von dem Volke nach der Entlassung sich entfernt hatten, und nur wenige Weibspersonen zurückgeblieben waren, geschah das, was sie befohlen hatten, und es war ein trauriger Auftritt. Denn so eben hatten sich Einige nach der Beendigung des Gebetes niedergesetzt, da stürzten plötzlich jene junge Leute mit Steinen und Prügeln nackt herein, steinigten die Einen, zerfleischten in ihrer Gottlosigkeit die geweihten Leiber der Jungfrauen, rissen ihnen die Schleier herab, entblößten ihre Häupter, und stießen sie, da sich dieselben sträubten, mit den Füssen, die Ruchlosen. Zwar war dieses schon arg und sehr grausam; aber was darauf folgte, war noch ärger und unerträglicher, als jede Schmach. Da sie nämlich die Ehrbarkeit und die Reinheit der Ohren der Jungfrauen kannten, und wußten, daß dieselben lieber Steine und Schwerter, als anstößige Worte ertragen würden, bedienten sie sich solcher, als sie über dieselben herfielen; diese Worte legten aber die Arianer den jungen Leuten in den Mund; denn über solche Worte und Schandthaten lachten sie. Die heiligen Jungfrauen und andere ehrbare Frauen aber flohen vor solchen Worten, wie vor Schlangen-Bissen; die Feinde Christi hingegen unterstützten die jungen Leute, ja sie sagten vielleicht Aehnliches, wie diese; denn sie fanden an den schmutzigen Reden derselben Vergnügen.

    55.

    Hierauf schleppten sie, um den Befehl ganz zu vollziehen, (denn dahin ging ihr Streben, dieses hatten der Comes und der Procurator befohlen,) die Bänke, den Bischofsstuhl, den Tisch, denn er war von Holz, die Vorhänge der Kirche, und alles Uebrige, was sie konnten, hinaus, verbrannten es auf der großen Straße vor dem Thore, und warfen Weihrauch in das Feuer. O! wer sollte, wenn er dieses hört, nicht weinen, ja vielmehr nicht seine Ohren verschließen, damit er nicht einmal einen Andern, wenn er solches erzählt, anhöre, in der Meinung, daß auch schon das Anhören einer solchen Sache ihm schaden werde? Denn die Heiden priesen ihre Götzen und sagten: Constantius ist ein Heide geworden, und die Arianer geben unserer Religion Beifall; denn sie tragen kein Bedenken, sich wie Heiden zu betragen, damit nur ihre Sekte Bestand erhält. Denn sie hatten sogar im Sinne, das junge Rind, welches in dem Cäsarium die Gärten bewässerte, zu opfern, und hätten es auch geopfert, wenn es nicht weiblichen Geschlechtes gewesen wäre; denn solche, sagten sie, sey ihnen nicht erlaubt zu opfern.

    56.

    Solche Gräuelthaten also verübten die gottlosen Arianer mit den Heiden, in der Meinung, daß uns diese zur Schmach gereichen. Allein die göttliche Strafe wies ihre Gottlosigkeit nach, und wirkte ein großes und ausnehmendes Wunder, durch welches sie Allen deutlich zeigte, daß, wie sie in ihrer Gottlosigkeit keinen Andern, als den Herrn bekämpfen, so sie auch durch diese Vergehen wieder über ihn Schmach zu bringen suchten. Und dieses wurde durch das geschehene Wunder noch klarer erwiesen. Denn ein junger Mensch aus den Unverschämten drang hinein, wagte es, sich auf den Bischofsstuhl zu setzen, und nachdem er sich gesetzt hatte, näselte der Elende gewisse unzüchtige Töne her, stand dann auf, und versuchte den Stuhl mit Gewalt wegzureissen, und an sich zu ziehen; er wußte aber nicht, daß er die göttliche Strafe an sich ziehe. Denn wie die ehemaligen Bewohner von Azot47, als sie es gewagt hatten, die Bundeslade zu berühren, welche auch nur anzuschauen ihnen nicht erlaubt war, von derselben sogleich vernichtet wurden, nachdem sie vorher durch die Schmerzen am Steiß gequält worden waren48, ebenso wagte es auch dieser Elende, den Stuhl wegzureissen, riß, was er wegriß, zu seinem eigenen Verderben an sich, verwundete, wie wenn die Strafe das Holz gegen ihn lenkte, mit demselben seinen eigenen Unterleib, trug anstatt des Stuhles die der Verwundung zu Folge hervorgetretenen Eingeweide, und der Stuhl nahm vielmehr sein Leben hinweg, als daß er von ihm hinweggenommen worden wäre. Herausgefallen sind also, wie von dem Judas geschrieben steht49, seine Eingeweide, er stürzte zusammen, wurde weggetragen, und starb einen Tag hernach eines elenden Todes. So wurde auch ein Anderer, welcher mit Oelzweigen hineintrat, als Heide dieselben mit der Hand bewegte und ein Hohngelächter ausstieß, plötzlich von Finsterniß umgeben; er sah nichts mehr, und wußte nicht, wo in der Welt er wäre; und da auch dieser im Begriffe war niederzustürzen, wurde er von seinen Gefährten an der Hand geführt und unterstützt, und ging so hinaus; als er aber am folgenden Tage mit Mühe zum Bewußtseyn gekommen war, wußte der Frevler weder, was er verübt hatte, noch in welchem Zustande er gewesen war.

    57.

    Als die Heiden dieses sahen, fürchteten sie sich, und wagten nichts weiteres mehr; die Arianer hingegen schämten sich auch jetzt noch nicht, sondern glaubten wie die Juden, obschon sie Zeichen sahen, dennoch nicht, die Ungläubigen! denn sie waren vielmehr, wie Pharao, verhärtet, indem auch sie ihre Hoffnungen auf Abgründe setzten, auf den König nämlich und seine Eunuchen. Die Heiden also, ja vielmehr der Auswurf der Heiden, ließen sie die eben angegebenen Frevelthaten verüben; denn sie hatten für sich hiezu einen Schauspieler, der die Heiden aufreizte, den Faustinus, welcher zwar dem Namen nach Procurator, seinem Wandel nach aber ein Pflastertreter und ausschweifender Mensch war. Die Arianer aber suchten durch sich selbst etwas Aehnliches, wie diese, zu verüben, um, wie sie ihre Ketzerei aus den andern Ketzereien geschöpft haben, so auch ihre Schlechtigkeit mit den Ausgelassenem zu theilen. Das Uebrige also verübten sie, wie ich oben sagte, mit Hülfe jener Menschen; ihre eigenen Frevelthaten aber, wie übertreffen diese nicht alle Schlechtigkeit, wie übersteigen sie nicht die Bosheit eines jeden Henkers? Denn welche Wohnung haben sie nicht zerstört? Welches Haus haben sie unter dem Vorwande, Nachforschungen anzustellen, nicht geplündert? Welchen Garten haben sie nicht zertreten? welches Grab nicht geöffnet? zwar unter dem Vorwande, den Athanasius aufzusuchen, im Ganzen aber aus keiner andern Absicht, als zu rauben und die ihnen Begegnenden auszuplündern. Wie viele Häuser wurden versiegelt? Von wie Vielen gaben sie das, was in den Hospitälern war, den Soldaten, ihren Gehülfen? Wer hat ihre Bosheit nicht erfahren? Wer ist ihnen begegnet, und hat sich nicht auf dem Marktplatze versteckt? Wer hat wegen dieser Menschen nicht sein Haus verlassen, nicht die Nacht in der Wüste zugebracht? Wer hat nicht, da er seine Habe vor ihnen sichern wollte, das Meiste verloren? Wer wollte, obwohl er der Seefahrt unkundig war, nicht lieber auf das Meer sich begeben und den Gefahren desselben sich aussetzen, als sie drohen sehen? Viele haben auch ihre Wohnungen verändert, und sind von einer Gasse in eine andere, und von der Stadt in die Vorstädte gezogen? Wie Vielen wurden Geldstrafen und welche Geldstrafen wurden ihnen auferlegt, und wie Viele mußten, da sie das Geld nicht hatten, es von Andern auf Zinsen borgen, um nur den Nachstellungen dieser Menschen zu entgehen?

    58.

    Denn Allen zeigten sie sich furchtbar, und bei Allen prahlten sie, indem sie Allen den Kaiser nannten, und indem sie mit dem Zorne desselben drohten, zu Gehülfen ihrer Bosheit aber den Dux Sebastianus, einen Manichäer und ausschweifenden jungen Mann, den Präfekten, den Comes, und zum Schauspieler den Procurator hatten. Ja, viele Jungfrauen, welche die Gottlosigkeit jener Menschen verdammten und die Wahrheit bekannten, verstießen sie aus ihren Häusern; andere mißhandelten sie auf dem Wege, und ließen die Häupter derselben von ihren jüngern Begleitern entblößen; ihren Weibern aber gaben sie die Vollmacht, eine Jede, welche sie wollten, zu mißhandeln. Die züchtigen und gläubigen Frauen wichen daher aus, und räumten jenen den Weg ein. Jene aber liefen wie Bacchantinen und Furien herum, und hielten es für ein Unglück, wenn sie keine fanden, welche sie mißhandeln konnten; sie brachten jenen Tag mit Trauer zu, an welchem sie keiner etwas Schlimmes zufügen konnten, Sie waren überhaupt gegen Alle so unbändig und grausam, daß sie Henker, Mörder, Gottlose, Streitsüchtige, Missethäter und alles eher, als Christen, von Allen genannt wurden.

    59.

    Sie ahmten wahrhaft die Scythen nach, und schleppten den Subdiakon Eutychius, einen frommen Diener der Kirche, fort, ließen ihn mit Ochsensehnen auf den Rücken fast bis zum Tode schlagen, und trugen dann darauf an, daß er in die Bergwerke geschickt werden sollte, und zwar nicht in gewöhnliche Bergwerke, sondern in die von Phäno,50 wo ein verurtheilter Mörder kaum wenige Tage leben kann. Und erstaunlich ist es, nicht einmal wenige Stunden ließen sie seine Wunden heilen, sondern bewirkten unverzüglich seine Abführung, indem sie sagten: Wenn dieses geschieht, werden sich Alle fürchten, und in der Folge mit uns sich verbinden. Allein er kam nicht weit, und starb, da er wegen des Schmerzens der Wunden die Bergwerke nicht erreichen konnte, auf dem Wege. Und zwar mit Freuden endete er, weil er den Ruhm des Märtyrerthumes erlangte; die Gottlosen aber schämten sich auch jetzt noch nicht, sondern verübten, weil sie, wie geschrieben steht51, ein grausames Herz haben, nachdem sie dieses ausgesonnen hatten, abermals einen teuflischen Frevel. Da nämlich die Gläubigen für den Eutychius sich verwendeten und für ihn baten, ließen sie vier rechtschaffene und freie Männer ergreifen, unter welchen auch Hermias war, welcher den Bettlern die Füße wusch; diese ließ der Dux zuvor durch viele Schläge verwunden, und dann in das Gefängniß werfen. Da aber die Arianer, welche grausamer als die Scythen sind, sahen, daß dieselben durch die Streiche nicht umkamen, schalten und drohten sie mit den Worten: Wir schreiben den Eunuchen, daß er nicht geißelt, wie wir es wollen. Als jener dieses hörte, gerieth er in Furcht, und wurde durch diese veranlaßt, die Männer zum zweiten Male schlagen zu lassen. Diese aber sagten, während man sie schlug, indem sie wußten, weßwegen sie geschlagen wurden, und von wem sie verleumdet worden waren, nichts anders, als: „Wir werden der Wahrheit wegen geschlagen, und wir treten nicht in Kirchengemeinschaft mit den Ketzern; schlage nur zu, wie du willst, Gott wird dich darüber richten.“ Die Gottlosen wollten nun, man sollte sie auch in dem Kerker der Gefahr Preis geben und dort umkommen lassen; allein das Volk Gottes verwendete sich, indem es den günstigen Zeitpunkt, wahrnahm, für dieselben, und nach ungefähr sieben Tagen, oder mehr, wurden sie frei gelassen.

    60.

    Allein jene versuchten, hierüber gleichsam betrübt, wieder einen verruchten und noch grausamern Frevel zu verüben, welcher zwar bei Allen für grausam galt, aber ihrer Christo widerstrebenden Ketzerei entsprach. Der Herr hat nämlich befohlen, für die Armen zu sorgen, indem er sprach:52 „Verkauft, was ihr besitzet; und gebet Almosen!“ und:53 „Ich war hungrig, und ihr habet mir zu essen gegeben; „ich war durstig, und ihr habet mich getränkt. Denn so viel ihr einem dieser Geringsten gethan habet, das habet ihr mir gethan.“ Diese hingegen haben, weil sie in Wahrheit feindliche Gesinnungen gegen Christum hegen, auch hierin seinem Willen entgegen zu handeln gewagt. Denn da sie die Armen erblickten, und die Wittwen, welche, nachdem der Dux den Arianern die Kirchen übergeben hatte, in diesen nicht mehr bleiben konnten, wie sie an den Orten saßen, die ihnen die Kleriker, welchen die Obsorge für die Wittwen anvertraut war, angewiesen hatten; als sie die Brüder sahen, wie sie denselben bereitwillig das Almosen austheilten, und den Wittwen Nahrung reichten; stießen sie die Wittwen mit den Füssen fort, und verklagten die Spender bei dem Dux. Dieses geschah durch einen gewissen Soldaten Dynamius, und es war dem Sebastianus sehr angenehm; denn bei den Manichäern ist kein Mitleid, sondern es ist bei ihnen sogar etwas verhaßtes, mit einem Armen Mitleid zu haben. Eine ungewöhnliche Anklage, und ein ungewöhnlicher Richterstuhl wurde also damals von ihnen zuerst erdacht. Denn wegen einer Wohlthat wurde man vor Gericht gefordert; und wer Almosen gab, wurde angeklagt, wer eine Wohlthat empfing, wurde geschlagen; und

    sie wollten lieber den Armen Hunger leiden lassen, als jenem, welcher sich erbarmen wollte, gestatten, ein Almosen zu geben. Aber auch dieses haben sie, die neuen Juden,

    von jenen alten Juden gelernt; denn auch jene erhoben, da sie sahen, daß der Blindgeborne endlich sein Gesicht erhielt, und daß der lange Zeit Gichtbrüchige gesund wurde, gegen den Herrn, welcher eine Wohlthat erwiesen hatte, eine Anklage, und richteten über die, welche eine Wohlthat empfangen hatten, wie über Verbrecher.

    1.

    1Jene aber haben das, weßwegen sie diese Ränke geschmiedet hatten, nicht lange nachher vollbracht. Denn sogleich, nachdem sie ihre Nachstellungen bereitet hatten, nahmen sie den Arius in die Gemeinschaft auf. Und indem sie so viele Urtheile gegen sich gering achteten, schützten sie abermals die königliche Macht für sich vor, und scheuten sich nicht, in ihren Schreiben zu sagen: „Nachdem Athanasius gedemüthigt worden ist, hat der Neid aufgehört, lasset uns nun die Arianer aufnehmen;“ und zum Schrecken der Zuhörer setzten sie hinzu: „Denn dieses hat der König befohlen.“ Ferner schämten sie sich nicht beizufügen: „Diese Menschen denken rechtgläubig,“ und sie fürchteten sich nicht vor dem, was geschrieben steht:2 „Wehe euch, die ihr das Bittere süß nennet, und die Finsterniß für Licht haltet!“ Denn für die Ketzerei sind sie bereit Alles zu erdulden. Ist es also nicht auch hieraus Allen sonnenklar, daß nicht einem Urtheile der Kirche, sondern der Drohung des Königes zu Folge, einerseits wir wegen unserer Ehrfurcht vor Christo damals gelitten haben, andererseits ihr jetzt verfolget? Denn auch andern Bischöfen haben sie auf diese Weise nachgestellt, und auch gegen jene haben sie Verleumdungen ersonnen, von welchen nun die Einen in der Verbannung entschlafen und des Ruhmes des Bekenntnisses Christi theilhaftig geworden find, die Andern aber auch jetzt noch in der Verbannung leben, und nur noch muthiger gegen die Ketzerei derselben kämpfen, indem sie sagen:3„Nichts wird uns scheiden von der Liebe Christi.“

    2.

    Aber auch hieraus kann man wieder dieselbe Ketzerei erkennen und Gründe gegen sie schöpfen. Denn wer ihr Freund und ein Genosse ihrer Gottlosigkeit ist, der wird, sollte er auch anderer Verbrechen schuldig und mit tausend Anklagen belastet seyn, und sollten auch die augenscheinlichsten Beweise und Belege gegen ihn vorliegen, bei ihnen rechtschaffen, und sogleich ein Freund des Königes, weil ihn seine Gottlosigkeit empfiehlt; und nachdem er sich sehr viel Geld erworben hat, erhält er von den Richtern auch die Erlaubniß, nach Belieben zu handeln. Wer hingegen ihre Gottlosigkeit widerlegt, und Christi Sohn aufrichtig vertheidigt, der wird, wenn er auch in Allem rein, wenn er sich keiner Schuld bewußt ist, wenn er auch keinen Ankläger hat, dennoch, indem jene mancherlei Vorwände erdichten, sogleich ergriffen, und nach dem Urtheile des Königes verbannt, als wenn er der Verbrechen schuldig wäre, welche ihm jene aufbürden wollen, oder als wenn er den Kaiser geschmäht hätte, wie bei Naboth geschah4. Wer aber ihre Ketzerei begünstiget, der wird aufgesucht und sogleich in die Kirche des Widerlegers derselben geschickt, und zuletzt werden Verbannungen, Mißhandlungen und alle Uebel über diejenigen verhängt, welche den Eingedrungenen nicht aufnehmen. Und was das Auffallendste ist, wen die Völker wollen und als untadelhaft kennen, diesen entsetzt der König und schickt ihn über die Grenzen; einen solchen aber, welchen sie nicht wollen und nicht kennen, schickt er aus weiter Ferne mit seinen Soldaten und Schreiben; und dann werden sie mit vieler Gewalt gezwungen, denjenigen zu hassen, welchen sie als ihren Religionslehrer und Vater lieben; jenen aber zu lieben, welchen sie nicht wollen; und dem ihre Kinder anzuvertrauen, dessen Wandel und Sitten sie nicht kennen, und von dem sie nicht wissen, wer er sey; oder eine Strafe zu erleiden, wenn sie dem Könige nicht gehorchen.

    3.

    Dieses verüben jetzt die Gottlosen, wie sie es schon früher verübt haben, gegen die Rechtgläubigen; wodurch sie die Beweise ihrer Bosheit und Gottlosigkeit überall bei Allen verbreiten. Denn gesetzt, sie haben den Athanasius angeklagt, was haben denn die übrigen Bischöfe verbrochen? Welche Veranlassungen gaben sie, oder welcher Arsenius wurde bei ihnen todt gefunden? Was für ein Priester Makarius, oder welcher zerbrochene Kelch fand sich bei ihnen? Welcher Meletianer spielte eine Rolle? Aber wie aus ihren Handlungen erhellet und es sich zeigt, daß ihre Aussagen gegen den Athanasius falsch sind; so erhellet auch aus ihrem Verfahren gegen den Athanasius, daß auch die Beschuldigungen wider Andere erdichtet sind. Ein großes Ungeheuer ist über die Erde ausgegangen, nämlich diese Ketzerei; denn sie verletzt nicht bloß durch Worte wie durch Zähne die Unschuldigen, sondern miethete auch um Geld die äussere Gewalt zur Nachstellung. Und das Auffallende dabei ist, daß, wie ich schon sagte, Niemand aus ihnen angeklagt, oder wenn er angeklagt wird, nicht gerichtet wird, oder daß, wenn man ihn auf den Schein zur Rede stellt, diejenigen, welche ihn überführen, verurtheilt werden, und daß demjenigen, welcher überweiset, nachgestellt, der Schuldige aber nicht einmal beschämt wird. Bei ihnen also strotzen Alle von Unflath, und ihre kataskopoi (Spione), denn episkopoi (Bischöfe) dürfen sie nicht genannt werden, sind unfläthiger, als Alle. Und wenn bei ihnen Jemand Bischof werden will, so hört er nicht die Worte:5 „Ein Bischof muß untadelhaft seyn;“ sondern nur: Denke feindselig gegen Christum und kümmere dich nicht um den Wandel; denn dieses ist hinreichend, um dich zu empfehlen und ein Freund des Kaisers zu werden. So viel von denen, welche mit Arius gleiche Gesinnung haben. Die Eiferer für die Wahrheit aber werden, obschon sie heilig und rein sich zeigen, wie ich oben gesagt habe, dennoch für schuldig gehalten, wenn jene es wollen, und nach ihrem Gutdünken Verbrechen ersinnen. Dieses kann man, wie ich gesagt habe, aus ihren Handlungen ersehen.

    4.

    Ein gewisser Eustathius6 war Bischof zu Antiochien, ein Bekenner und frommgläubiger Mann. Dieser wurde, weil er für die Wahrheit sehr eifrig wirkte, die arianische Ketzerei aber haßte und ihre Anhänger nicht aufnahm, bei dem Könige Constantinus verleumdet, und es wurde die Beschuldigung erdichtet, daß er dessen Mutter gelästert habe; und sogleich wurde er und mit ihm eine große Anzahl Priester und Diakonen des Landes verwiesen; diejenigen aber, welche er wegen ihrer Gottlosigkeit unter den Klerus nicht aufnahm, führten sie hierauf, nachdem der Bischof verbannt worden war, nicht nur in die Kirche ein, sondern stellten sie sogar größtentheils als Bischöfe auf, um sie zu Mitverschwornen in ihrer Gottlosigkeit zu haben. Zu diesen gehört Leontius der Verschnittene, jetzt Bischof zu Antiochien, und sein Vorfahrer Stephanus, Georgius zu Laodicea, Theodosius, weiland Bischof von Tripolis, Eudoxius zu Germanicia, und Eustathius, jetzt zu Sebaste.

    5.

    Blieben sie nun bei diesem stehen? Nein. Denn Eutropius, einst Bischof zu Adrianopel, ein braver und in Allem vollkommener Mann, hat, weil er den Eusebius öfter überführte und den daselbst Durchreisenden rieth, den gottlosen Worten des Eusebius nicht zu folgen, dasselbe wie Eustathius zu erdulden, und ist aus der Stadt und aus seiner Kirche vertrieben; denn Basilina7 ward heftig wider ihn aufgebracht. Auch Euphration von Balanea, und Cymatius von Paltus, ein anderer Cymatius von Taradus, Asklepas von Gaza, Cyrus von Beröa in Syrien, Diodorus in Asien, Domnion zu Sirmium, und Hellanicus zu Tripolis wurden, sobald man erfuhr, daß sie die Ketzerei hassen, theils wegen erdichteter Verbrechen, theils ohne solche, durch kaiserliche Schreiben versetzt, und aus der Stadt vertrieben; und anstatt ihrer wurden Andere, deren Gottlosigkeit bekannt war, in die Kirchen derselben eingesetzt.

    6.

    Was aber den Marcellus8, Bischof von Galatien betrifft, ist es vielleicht überflüssig, eine Erwähnung zu machen; denn es weiß Jedermann, daß die Eusebianer, zuvor von ihm der Gottlosigkeit beschuldiget, dagegen auch ihn anklagten und die Verbannung des Greises bewirkten. Dieser aber reiste nach Rom, wo er sich rechtfertigte, und auf ihr Verlangen seinen Glauben schriftlich übergab, welchen auch die Synode zu Sardica guthieß. Die Eusebianer aber vertheidigten sich nicht, und schämten sich nicht, daß sie aus ihren eigenen Schriften der Gottlosigkeit überwiesen wurden; sondern sie betrugen sich vielmehr noch frecher gegen Alle. Denn sie waren bei dem Könige von den Weibern empfohlen, und Allen furchtbar. —

    7.

    Was aber den Paulus, Bischof von Constantinopel, betrifft, das glaube ich, wird Niemandem unbekannt seyn; denn je berühmter bie Stadt ist, desto weniger bleiben die dortigen Begebenheiten verborgen. Auch gegen diesen ward also eine Beschuldigung erdichtet. Denn sein Ankläger Macedonius, welcher ihn in unserer Gegenwart anklagte und welcher jetzt statt seiner Bischof geworden ist, stand mit ihm in Kirchengemeinschaft, und war unter demselben Paulus Priester; und doch dauerte, als Eusebius aus neidischer Begierde das Bisthum dieser Stadt an sich reißen wollte, (denn auf dieselbe Weise versetzte er sich auch von Berytus nach Nikomedien,) diese Anklage gegen den Paulus fort, und jene ließen von ihren Nachstellungen nicht ab, sondern beharrten bei ihren Verleumdungen. Zuerst wurde Paulus von Constantinus nach Pontus verwiesen; dann wurde er von Constantius, mit eisernen Ketten gefesselt, nach Singara in Mesopotamien verbannt; von dort aber wurde er nach Emesa, und viertens nach Cucusa in Cappadocien, in den Wüsten des Taurus, geschleppt, wo er, nach dem Berichte derer, welche bei ihm waren9, von ihnen erdrosselt seinen Geist aufgab. Nachdem sie nun dieses verübt hatten, schämten sie sich selbst nach dem Tode nicht, denn sie reden in nichts die Wahrheit, abermals den Vorwand zu erdichten, derselbe sey an einer Krankheit gestorben, obwohl alle Bewohner jener Gegend die Sache genau wußten. Denn Philagrius, der damalige Stellvertreter des Statthalters jener Gegenden, und welcher, wie nämlich jene meinten, alle ihre Rollen spielte, ertheilte, weil er vielleicht darüber in Staunen und Trauer versetzt wurde, daß nicht er, sondern ein Anderer dieses Verbrechen verübt hätte, sehr Vielen und darunter auch einigen unserer Bekannten, ja selbst dem Bischofe Serapion die Nachricht, Paulus sey von ihnen in einen sehr engen und finstern Ort eingeschlossen worden, damit er daselbst durch Hunger umkäme; als sie aber nach sechs Tagen hineintraten, und ihn noch athmend fanden, seyen sie endlich über den Mann hergefallen und haben ihn erdrosselt, und dieses sey das Ende seines Lebens gewesen. Der Vollzieher dieses Mordes aber, sagten sie, sey gewesen der ehemalige Präfekt Philippus. Allein Gottes Gerechtigkeit ließ diese That nicht unbestraft; denn es war noch kein Jahr verflossen, als Philippus mit vieler Schande der Präfektur entsetzt wurde, so daß er als Privatmann denen, welchen er am wenigsten wollte, zum Gespötte wurde. So nun ging er, sehr betrübt, und wie Kain seufzend und bebend, und täglich erwartend, wer ihn fern von dem Vaterlande und den Seinigen durchbohren würde, gleichsam ausser sich, weil er nicht so sterben wollte, zu Grunde. Aber sie schonen diejenigen, gegen welche sie im Leben Beschuldigungen erdichteten, auch nach dem Tode nicht; denn sie suchen sich auf diese Weise Allen furchtbar zu machen, daß sie die Lebendigen aus dem Lande verweisen, und der Todten sich nicht erbarmen; ja, sie sind die einzigen unter allen Sterblichen, welche die Verstorbenen hassen und den Anverwandten derselben nachstellen, sie, die in Wahrheit Unmenschen, Hasser der Guten, und grausamer, als die unmenschlichsten Feinde, wegen ihrer Gottlosigkeit sind, indem sie nicht mit Wahrheit, sondern mit erdichteten Beschuldigungen uns und allen Uebrigen nachzustellen suchen.

    8.

    Da dieses die drei Brüder, Constantinus, Constantius und Constans, einsahen, ließen sie, nach dem Tode ihres Vaters, Alle in ihr Vaterland und in ihre Kirche zurückkehren; indem sie in Bezug auf die andern Bischöfe an die Kirchengemeinde eines Jeden, hinsichtlich des Athanasius aber folgendes schrieben, was wieder die hiebei eingetretene Gewaltthätigkeit beweiset, und die blutdürstige Absicht der Eusebianer darthut.

    Abschrift des Briefes des Kaisers Constantinus an das Volk der katholischen Kirche der Stadt Alexandrien.

    Ich glaube nicht, daß es der Kenntniß euerer heiligen Einsicht entgangen ist, daß Athanasius, der Ausleger des anbetungswürdigen Gesetzes deßwegen u. s. w.10

    Dieses ist also das Schreiben; wer aber wäre wohl ein so glaubwürdiger Zeuge ihrer Verschwörung, wie er? Denn weil er dieses wußte, schrieb er auch so.

    9.

    Da nun die Eusebianer sahen, daß ihre Ketzerei an Macht verliere, schrieben sie nach Rom, schrieben sie auch an die Könige Constantinus und Constans gegen den Athanasius. Als aber die Abgeordneten des Athanasius die in ihren Schreiben enthaltene Unwahrheit nachwiesen, wurden jene von den Königen mit Schande abgewiesen. Der römische Bischof Julius aber schrieb, es müsse eine Synode versammelt werden, wo wir wollten; auf daß jene ihre Beschuldigungen erweisen, sich aber hinsichtlich der ihnen gemachten Anklagen ohne Scheu rechtfertigen könnten. Denn um dieses hatten auch die von ihnen gesandten Priester, da sie sich überwiesen sahen, gebeten. Nachdem nun dieses geschehen war, begaben sich jene, die in Allem mißtrauisch waren, weil sie sahen, daß sie bei dem kirchlichen Gerichte unterliegen würden, zu dem Constantius allein, und weinten bei ihm, als dem Beschützer ihrer Sekte, indem sie sagten: „Erbarme dich der Sekte; du siehst, daß von uns Alle abgefallen sind; nur in geringer Anzahl sind wir noch übrig; beginne die Verfolgung, weil wir sonst auch von den Wenigen verlassen werden und keine Anhänger haben. Denn diejenigen, welche wir nach der Verbannung jener Bischöfe durch Gewalt auf unsere Seite gebracht hatten, haben diese nach ihrer Rückkehr beredet, wider uns gesinnt zu seyn. Laß also gegen Alle ein Schreiben ergehen, und übersende es dem Philagrius, welcher zum zweiten Male Präfekt von Aegypten ist; denn dieser kann auf geeignete Weise verfolgen, wovon er schon Proben abgelegt hat, besonders da er ein Abtrünniger ist. Schicke auch den Bischof Gregorius nach Alexandrien, denn auch dieser ist im Stande, unserer Sekte Ansehen zu verschaffen.

    10.

    Constantius ließ demnach damals ein Schreiben ergehen, verfolgte Alle, und sendete den Präfekten Philagrius, und einen gewissen Eunuchen Arsacius. Er schickte auch den Gregor mit bewaffneter Mannschaft; und es geschahen solche Dinge, wie schon früher. Sie sammelten einen Haufen von Rinderhirten und Schafhirten, und andern Müssiggängern und ausgelassenen Jungen, und stürzten mit Schwertern und Keulen in die sogenannte Kirche des Cyrinus, wo sie Einige tödteten, Andere mit Füssen traten, wieder Andere durch Schläge zerfleischten, in das Gefängniß warfen, und verbannten, viele Weiber ergriffen und öffentlich zum Gerichte schleppten, bei den Haaren zogen und mißhandelten, Andere in die Acht erklärten und wieder Andern ihr Brod wegnahmen, aus keiner andern Ursache, als damit sie an die Arianer sich anschließen und den von dem Könige geschickten Gregorius aufnehmen möchten.

    11.

    Athanasius schiffte nun, ehe dieses geschehen war, sobald er nur davon Kunde erhielt, nach Rom, theils weil er die Wuth der Ketzer genau kannte, theils damit, wie beschlossen war, die Synode gehalten würde. Julius aber schickte die Priester Elpidius und Philoxenus mit einem Schreiben ab, und setzte ihnen eine Zeit fest, damit sie entweder erscheinen, oder wissen sollten, daß sie in Allem verdächtig seyen. Als aber die Eusebianer auch nur gehört hatten, daß dort ein kirchliches Gericht gehalten werde, wobei weder ein Comes zugegen sey, noch Soldaten vor den Thüren stünden, und daß die Verhandlungen der Synode nicht nach einem königlichen Befehle gestaltet würden, (denn hiedurch hatten sie immer ein Uebergewicht über die Bischöfe erhalten, und ohne diese Dinge getrauen sie sich nicht einmal zu sprechen;) geriethen sie in einen solchen Schrecken, daß sie die Priester über die bestimmte Zeit zurückhielten, und die unpassende Entschuldigung erdachten, daß sie wegen des Perser-Krieges nicht erscheinen könnten. Dieses war aber nicht wahr; sondern Gewissensangst hielt sie zurück. Denn was geht der Krieg die Bischöfe an? Oder warum hätten sie wegen der Perser nicht nach Rom sollen kommen können, obschon es weit entfernt ist und über dem Meere liegt, da sie doch die östlichen Gegenden und die Grenzländer der Perser wie Löwen durchreisten, indem sie nachforschten, wer sich ihnen widersetzte, damit sie denselben verleumden und verbannen konnten?

    12.

    Ja, nachdem sie die Priester mit jener Entschuldigung, welche keinen Glauben verdiente, entlassen hatten, besprachen sie sich auf folgende Weise mit einander: Da wir durch die kirchliche Untersuchung nicht siegen können, so wollen wir die gewohnte Verwegenheit zeigen. Die schrieben daher an den Philagrius und bewirkten, daß er mit Gregor in kurzer Zeit nach Aegypten kam; hierauf wurden nun Bischöfe gegeißelt und grausam gefesselt; den Bischof und Bekenner Sarapammon verbannten sie; den Bischof und Bekenner Potammon aber, welcher bei der Verfolgung ein Auge verlor, schlugen sie mit so vielen Streichen auf das Genick, daß sie nicht eher aufhörten, als bis sie den Mann für todt hielten. So wurde er nun hingeworfen, und kam kaum nach einigen Stunden durch ärztliche Behandlung und durch Zufächern, indem Gott ihm das Leben schenkte, wieder zu Athem. Allein kurz darnach starb er an den Schmerzen der Wunden, und erlangte in Christo den Ruhm eines zweiten Märtyrertodes. Wie viele andere Mönche wurden mit Ruthen gepeitscht, während Gregor und der sogenannte Dux Balacius den Vorsitz führten! Wie viele Bischöfe wurden verwundet! Wie viele Jungfrauen geschlagen!

    13.

    Dann forderte der elende Gregor Alle auf, mit ihm in Kirchengemeinschaft zu treten. Allein, wenn du die Kirchengemeinschaft derselben verlangtest, so verdienten sie die Schläge nicht; wenn du sie aber zerfleischtest, weil sie schlecht waren, warum riefest du sie als Heilige herbei? Er hatte jedoch keinen andern Vorsatz, als den Auftrag seiner Sender zu vollziehen, und die Ketzerei zu befestigen. Deßwegen wurde der Thor auch ein Mörder, ein Henker, ein Gewaltthätiger, ein Betrüger, ein Ruchloser, und, mit Einem Worte, ein Feind Christi. Die Tante des Bischofes verfolgte er so sehr, daß er nach ihrem Tode nicht einmal ihre Beerdigung gestattete; und sie wäre unbeerdigt geblieben, und unbestattet hingeworfen worden, wenn nicht diejenigen, welche sie aufhoben, den Leichnam als ihnen gehörig weggetragen hätten; so verrucht war in dieser Beziehung sein Betragen. Ueberdieß befahl er, da Wittwen und andere Bettler Almosen erhielten, das Ausgetheilte wegzunehmen und die Gefäße, worin sie das Oel und den Wein trugen, zu zerbrechen, auf daß er nicht nur durch das Rauben gottlos handelte, sondern auch durch Werke den Herrn entehrte, indem er bald von ihm hören wird: So viel du diese da entehrt hast, hast du auch mich entehrt.

    14.

    Auch vieles Andere verübte er, wofür es gar keine Worte gibt, und was Jemand, wenn er es hörte, für unglaublich hielte. Zu diesem Verfahren aber veranlaßte ihn der Umstand, weil er weder nach dem Kanon der Kirche eingesetzt, noch nach der apostolischen Ueberlieferung zum Bischöfe ernannt, sondern aus dem Palaste mit militärischer Begleitung und militärischem Gepränge geschickt war, als wenn er ein weltliches Amt erhalten hätte. Daher wünschte er auch mehr ein Freund der weltlichen Obrigkeiten, als der Bischöfe und Mönche zu seyn. Wenn ihm also einmal der Vater Antonius vom Berge aus schriebe, würde, wie die Verehrung Gottes dem Sünder ein Gräuel ist, so das Schreiben des heiligen Mannes ihn aneckeln. Sendete dagegen einmal der König, oder ein Feldherr oder irgend ein anderer Richter ein Schreiben an ihn, so würde er sich so sehr freuen, wie die in den Sprüchen, von welchen die Schrift nicht ohne Unwillen sagt:11 „Wehe denen, welche die geraden Wege verlassen, welche sich freuen über das Böse, und frohlocken über den Umgang mit den Bösen.“ Gewiß würde er diejenigen, welche ihm ein solches Schreiben brächten, mit Geld beschenken; als ihm aber Antonius einmal schrieb, vermochte er den Dux Balacius dazu, daß er auf den Brief spuckte, und ihn wegwarf. Aber die göttliche Gerechtigkeit ließ dieses nicht unbestraft; denn als nicht lange darauf der sogenannte Dux sich zu Pferde setzte, und zur nächsten Station reiten wollte, wandte sich das Pferd und biß ihn so sehr in den Ober - Schenkel, daß er herabfiel und nach drei Tagen starb.

    15.

    Auf diese Weise nun verfuhren jene gegen Alle. Die zu Rom versammelten Bischöfe aber, gegen fünfzig an der Zahl, nahmen den Eusebius und seine Anhänger, weil sie verdächtig waren und zu kommen sich scheuten, nicht auf, sondern erklärten auch die Schreiben derselben für kraftlos; uns aber nahmen sie auf, und traten freudig in Kirchengemeinschaft mit uns. Während aber dieses geschah, wurde der König Constans sowohl von der zu Rom gehaltenen Synode, als auch von den Dingen, welche zu Alexandrien und im ganzen Morgenlande gegen die Kirchen verübt wurden, in Kenntniß gesetzt; hierauf schrieb er seinem Bruder Constantius, und beide beschlossen, daß eine Synode gehalten, und die Sache untersucht werden sollte, damit diejenigen, welche Unrecht erlitten, nicht ferner dulden, und die, welche Unrecht zufügten, etwas solches nicht mehr wagen möchten. Es versammelten sich nun aus dem Morgenlande und dem Abendlande in der Stadt Sardika ungefähr hundert und siebenzig Bischöfe; die abendländischen Bischöfe waren allein, und hatten den Vater Hosius bei sich; die morgenländischen aber führten Jugendlehrer und Wortführer, den Comes Musonianus und den Hesychius von dem kaiserlichen Hoftager mit sich; und im Vertrauen auf diese erschienen sie wohlgemuth, in der Meinung, daß sie durch die Macht derselben wieder Alles durchsetzen würden. Denn so und mittelst dieser haben sie allzeit, welchen sie wollten, sich furchtbar gezeigt, und denen nachgestellt, welchen nachzustellen ihnen beliebte. Da sie aber bei ihrem Eintritte sahen, daß nur ein kirchliches Gericht, ohne Comes und Soldaten, gehalten werde; da sie die Ankläger aus jeder Gemeinde und Stadt erblickten, und die Beweise gegen sie; da sie die ehrwürdigen Bischöfe Arius12 und Asterius sahen, welche zwar mit ihnen gekommen, aber von ihnen abgefallen und zu uns übergetreten waren, und welche ihre Verschlagenheit schilderten und sagten, wie argwöhnisch sie bei ihren Handlungen wären, wie sehr sie sich vor der Untersuchung fürchteten und besorgten, sie möchten von uns als Verleumder überwiesen, und es möchte von den Anklägern, welche sie bestellt hatten, verrathen werden, daß sie selbst ihnen Alles, was sie sagen sollten, vorgesagt und diese Ränke ersonnen hätten; da sie dieses sahen, verschlossen sie, obgleich sie voll Eifer gekommen waren, in der Meinung, wir würden aus Furcht vor ihnen nicht einmal erscheinen, sobald sie unsere Zuversicht bemerkten, sich in den Pallast, denn dort wohnten sie. Und dann sprachen sie so mit einander: Wir sind unter andern Voraussetzungen gekommen, Anderes sehen wir; wir sind mit einem Comes erschienen, und ohne Comes wird das Gericht gehalten; wir werden gewiß verurtheilt. Ihr alle kennet die Befehle; Athanasius hat die Akten über die Vorfälle in Mareotis, durch welche er gerechtfertiget, wir aber beschämt werden. Warum zögern wir also? Warum verschieben wir die Sache? Lasset uns Vorwände ersinnen und hinweggehen, damit wir nicht, wenn wir hier bleiben, verurtheilt werden. Es ist besser zu fliehen und zu erröthen, als der Verleumdung überführt und so beschämt zu werden. Fliehen wir, so können wir doch wenigstens auf irgend eine Weise die Ketzerei begünstigen; und wenn sie auch, da wir fliehen, uns verurtheilen, so haben wir doch den Kaiser zu unserm Beschirmer, welcher nicht gestattet, daß wir von den Völkern aus den Kirchen verstossen werden.

    16.

    So nun sprachen sie zu einander. Hosius aber und alle andere Bischöfe meldeten ihnen öfter die Zuversicht des Athanasius und seiner Gefährten, und wie bereit sie seyen zur Vertheidigung und zur Widerlegung ihrer Verleumdungen; sie sagten auch: Wenn ihr das Gericht fürchtet, warum seyd ihr erschienen? Denn ihr hättet entweder nicht kommen sollen, oder ihr solltet, nachdem ihr gekommen seyd, nicht fliehen. Als jene dieses hörten, wurden sie noch mehr bestürzt, bedienten sich einer noch ungereimtern Entschuldigung, als früher zu Antiochien, nämlich daß ihnen der König seinen Sieg über die Perser schriftlich gemeldet hätte, und suchten zu fliehen. Diese Entschuldigung überschickten sie, ohne sich zu schämen, durch Eustathius, einen Priester der Kirche zu Sardika. Allein nicht einmal so ging ihnen die Flucht nach Wunsch von Statten; denn sogleich machte ihnen die heilige Synode, in welcher der große Hosius den Vorsitz führte, öffentlich durch ein Schreiben kund: Entweder erscheinet und rechtfertiget euch wegen der gegen euch vorgebrachten Beschuldigungen, und wegen der Verleumdungen, die ihr ausgesonnen habet, oder wisset, daß die Synode euch als Schuldige verurtheilt, den Athanasius und seine Gefährten aber für frei und von aller Schuld rein erklärt. Allein jene ließen sich durch ihre Gewissensangst mehr zur Flucht antreiben, als durch das Schreiben bewegen, demselben Folge zu leisten. Denn da sie die von ihnen Mißhandelten erblickten, achteten sie nicht einmal auf die Abgeordneten, sondern beschleunigten ihre Flucht nur desto mehr.

    17.

    Auf eine so schimpfliche und schändliche Weise also ging ihre Flucht vor sich. Die heilige Synode aber, aus mehr als fünf und dreißig Provinzen versammelt, ließ, nachdem sie die Bosheit der Arianer erkannt hatte, den Athanasius und seine Genossen zur Rechtfertigung gegen die Anklagen jener Menschen, wegen deren Verleumdungen sie so viel erduldet hatten, zu; nahm sie, nachdem sie sich so, wie wir in dem Vorhergehenden sagten, gerechtfertiget hatten, auf, und fühlten eine solche Hochachtung gegen sie, daß sie dieselben und ihre Kirchengemeinschaft mit Vergnügen sah, und es nicht nur sonst allenthalben schriftlich kund that, sondern auch in die Diöcese eines Jeden schrieb, und vorzüglich nach Alexandrien, nach Aegypten, und nach Libyen, daß nämlich Athanasius und seine Begleiter rein und von allem Vorwurfe frei, ihre Widersacher aber Verleumder, Bösewichte und Alles mehr, als Christen, seyen. Jene entließen sie nun im Frieden; den Stephanus, Menophantus, Acacius, Georgius von Laodicea, Ursacius, Valens, Theodorus und Narcissus aber setzten sie ab. Denn hinsichtlich des Gregorius, welcher von dem Könige nach Alexandrien geschickt worden war, erklärten sie, daß er weder jemals Bischof gewesen sey, noch auch nur Christ genannt werden solle. Auch die Ordinationen, welche er vorgenommen zu haben schien, erklärten sie für ungültig, indem sie befahlen, daß sie in den Kirchen nicht einmal genannt werden sollen, wegen der unerhörten Uebertretung des Gesetzes. So nun wurden Athanasius und seine Gefährten im Frieden entlassen. Ihre Schreiben aber werden wegen der Länge des Briefes am Ende beigefügt13; und die Synode wurde geschlossen.

    18.

    Die Abgesetzten aber, welche schon damals sich ruhig hätten verhalten sollen, und welche nach dieser so schändlichen Flucht nach Hause gegangen waren, verübten solche Dinge, daß ihre frühern Gräuelthaten im Vergleiche mit diesen gering zu seyn schienen. Da nämlich die Bürger von Adrianopel mit ihnen als solchen, welche von der Synode geflohen und mit Verbrechen belastet waren, nicht in Kirchengemeinschaft treten wollten, berichteten sie hierüber an den König Constantius und bewirkten, daß aus der dortigen sogenannten Waffenschmiede zehn Laien enthauptet wurden, wobei ihnen Philagrius, damals Comes daselbst, behülflich war. Die Grabmäler derselben sind ausserhalb der Stadt, und wir sahen sie im Vorbeireisen. Dann befahl der König, als wenn sie recht gethan hätten, daß sie deßwegen entflohen waren, damit sie nicht als Verleumder überwiesen würden, alles, was sie wollten. Sie bewirkten daher, daß von Alexandria zwei Priester und drei Diakonen nach Armenien verwiesen wurden; den Arius und Asterius aber, von welchen der Erstere Bischof zu Petra in Palästina, der Letztere Bischof in Arabien war, verbannten sie, weil sie von ihnen abgefallen waren, nicht nur nach Oberlibyen, sondern sie bewirkten auch, daß sie mißhandelt wurden.

    19.

    Den Lucius aber, Bischof von Adrianopel, ließen sie, da sie ihn mit vieler Freimüthigkeit gegen sie sprechen und ihre Gottlosigkeit widerlegen sahen, abermals, wie schon früher, an dem Halse und den Händen mit eisernen Banden fesseln, und verbannten ihn so, worauf er auch starb, wie sie wohl wissen. Auch den Bischof Diodorus vertreiben sie von seinem Sitze. Den Olympius von Aenos aber und den Theodulus von Trajanopolis, beide Bischöfe aus Thrazien, rechtschaffene und rechtgläubige Männer, verleumdeten sie, weil sie sahen, daß dieselben ihre Ketzerei haßten; dieses hatten zwar zuerst die Eusebianer gethan, und der König Constantius hatte ein Schreiben erlassen, jene aber erneuerten die Verleumdungen. Das Schreiben aber verordnete, sie sollten nicht nur aus ihren Städten und Kirchen vertrieben, sondern, wenn man sie irgendwo antreffen würde, mit dem Tode bestraft werden. Obschon aber dieses auffallend ist, so liegt es doch nicht ausser ihrem Plane; denn da sie dieses von den Eusebianern gelernt haben, und gleichsam Erben der Gottlosigkeit und der Absichten derselben sind; wollten, wie ihre Väter in Thrazien, so auch sie zu Alexandria sich furchtbar zeigen; und sie wirkten ein Schreiben aus, welchem zu Folge die Häfen und Eingänge der Städte bewacht wurden, damit nicht diejenigen, welche die Erlaubniß dazu von der Synode erhalten hatten, in ihre Kirchengemeinden zurückkehrten. Auch bewirkten sie, daß den Richtern zu Alexandrien durch ein Schreiben, welches sich auf den Athanasius und einige namentlich aufgeführte Priester bezog, angedeutet wurde, daß es, wenn entweder der Bischof oder Einer von jenen, nachdem er die Stadt oder die Gränzen derselben betreten hätte, angetroffen würde, dem Richter erlaubt sey, die Angetroffenen zu enthaupten. So läugnet diese neue jüdische Sekte nicht nur den Herrn, sondern sie hat auch morden gelernt.

    20.

    Allein nicht einmal so begaben sie sich zur Ruhe; sondern wie der Vater ihrer Sekte, wie ein Löwe, umhergeht, suchend, wen er verschlinge; so gingen auch sie, nachdem sie die Erlaubniß öffentlich umherzugehen erhalten hatten, umher, und wenn sie irgend einen fanden, der ihre Flucht tadelte, und die arianische Ketzerei verabscheute, so geißelten, fesselten und zwangen sie ihn, aus seinem Vaterlande sich zu verbannen; und sie machten sich so furchtbar, daß sie Viele zu Heuchlern bildeten, Viele aber lieber in die Wüsten fliehen, als mit ihnen auch nur überhaupt zusammentreffen wollten. Dieses waren die Gräuelthaten dieser wüthenden Menschen nach der Flucht. Ja sie verübten noch ein neues Verbrechen, welches ihrer Ketzerei ganz entspricht, früher aber noch nie gehört worden ist, ja vielleicht nie mehr geschehen wird, nicht einmal bei den ausgelassensten Heiden, geschweige denn bei Christen. Denn da die heilige Synode Bischöfe als Abgeordnete geschickt hatte, nämlich den Vincentius, Bischof von Capua, welches die Hauptstadt von Campanien ist, und den Euphrates, Bischof von Köln, der Hauptstadt von Ober-Gallien, damit, wie die Synode beschlossen hatte, der König die Bischöfe in ihre Kirchengemeinden zurückkehren lassen möchte, da er dieselben auch vertrieben hatte; und da der sehr gottesfürchtige Constans zu Gunsten der Bischöfe an seinen Bruder ein Empfehlungsschreiben geschickt hatte; ersannen die sonderbaren und zu Allem tollkühnen Menschen, sobald sie dieselben zu Antiochia erblickt hatten, gemeinschaftlich einen Plan, und Stephanus übernahm, als der hiezu Tauglichste, allein die Rolle. Sie mietheten also eine öffentliche feile Dirne, selbst in den Tagen des hochheiligen Osterfestes, entblößten sie, und schickten sie Nachts zum Bischofe Euphrates hinein. Die Hure nun, welche glaubte, ein junger Mann habe sie gerufen, folgte Anfangs mit größter Bereitwilligkeit; als sie aber, von jenen hineingedrängt, sah, daß der Mann schlafe und von dem, was geschehe, nichts wisse; als sie dann das Angesicht eines Greises und die Gestalt des Bischofes erblickte und betrachtete, schrie sie sogleich laut auf und beklagte sich über Gewalt. Jene aber baten sie zu schweigen, und die Sache fälschlich dem Bischofe aufzubürden. Als es nun Tag geworden war, wurde der Vorfall durch die Sage bekannt, und die ganze Stadt lief zusammen. Auch die aus dem Palaste geriethen in Bewegung, indem sie über das Gerücht staunten, und verlangten, es sollte dieses nicht mit Stillschweigen übergangen werden. Die Sache kam also vor Gericht, und der Hurenwirth verrieth die, welche zur Buhlerin gekommen waren, diese aber gaben den Stephanus an; denn sie waren Kleriker von ihm. Stephanus wurde daher abgesetzt, und der Verschnittene Leontius ward an seiner Statt Bischof, damit ja der arianischen Ketzerei kein Beschützer fehlen möchte

    21.

    Der König Constantius wurde ein wenig betroffen, und ging in sich; indem er aus dem, was sie dem Euphrates gethan hatten, schloß, daß auch ihre Unternehmungen gegen die übrigen Bischöfe so beschaffen seyen, befahl er, die von Alexandria nach Armenien verbannten Priester und Diakone sogleich in Freiheit zu setzen. Er schickte auch den schriftlichen Befehl nach Alexandrien, daß die Kleriker und das Volk des Arhanasius nicht mehr verfolgt werden sollten. Dann ließ er beiläufig zehn Monate nach dem Tode des Gregorius, den Athanasius selbst mit vieler Ehre zu sich kommen, und schrieb ihm nicht ein oder zwei, sondern drei Male sehr freundliche Briefe, in welchen er ihn ermahnte, mit Zuversicht zu erscheinen. Er schickte auch einen Priester und einen Diakon ab, auf daß er mit noch größerem Vertrauen kommen möchte; denn er meinte, ich würde aus Furcht wegen der frühern Ereignisse auf die Rückkehr keinen Werth legen. Er schrieb auch an seinen Bruder Constans, damit auch dieser mich zur Rückkehr ermuthigen sollte. Denn er behauptete, er habe schon ein ganzes Jahr den Athanasius erwartet, und nie zugegeben, daß irgend eine Neuerung oder Ordination vorgenommen werde, weil er dem Bischofe Athanasius seine Kirchengemeinden aufbehalten wolle.

    22.

    Da er also auf diese Weise geschrieben und ihn durch viele Worte aufgefordert hatte, (denn auch seine Comes ließ er an ihn schreiben, den Polemius, Datianus, Bardion, Thalassus, Taurus und Florentius, welchen man auch mehr glauben konnte,) stellte Athanasius die ganze Sache Gott anheim, welcher das Herz des Constantius hiezu gelenkt hatte, und ging mit den Seinen zu demselben, der ihm einen freundlichen Blick gewährte, und ihn entließ, damit er heimkehrte in sein Vaterland, und zu seinen Kirchen; auch schrieb er an die dortigen Richter, denen er zuvor die Eingänge zu bewachen befohlen hatte, daß sie ihn ungehindert dahin gelangen lassen sollten. Als sich hierauf der Bischof über die erlittenen Unbilden beklagte, so wie über das von dem Könige gegen ihn erlassene Schreiben, und beisetzte, er möchte nach seiner Abreise den Verleumdungen seiner Feinde kein Gehör schenken, und sagte: Laß sie kommen, wenn du willst; denn von uns aus dürfen sie zugegen seyn, und wir überführen sie; that er dieses zwar nicht, befahl aber Alles, was zuvor aus Verleumdung gegen denselben geschrieben worden war, zu vertilgen und auszulöschen, mit der Versicherung, er wolle in Zukunft die Verleumdungen nicht mehr anhören, sondern dieser sein Vorsatz sey fest und unerschütterlich. Und dieses sagte er nicht so geradeweg, sondern er versiegelte seine Worte durch Eide, indem er Gott dabei zum Zeugen anrief. Ueberdieß ermunterte er denselben auch durch viele andere Worte, hieß ihn Vertrauen hegen, und schrieb an die Bischöfe und Richter Folgendes.

    23.

    Der siegreiche Constantius Maximus Augustus an die Bischöfe und Kleriker der katholischen Kirche.

    Nicht verlassen von Gottes Gnade ist der höchst ehrwürdige u. s. w.14

    Zweiter Brief des Constantius an das Volk zu Alexandria.

    Da wir uns euere Ruhe in Allem zum Ziele machen u. s. w.15

    Dritter Brief.

    Der siegreiche Constantius Augustus an den Nestorius, den Präfekten Aegyptens.

    Es ist bekannt, daß wir früher einen Befehl erlassen haben, so daß Schreiben gegen die Ehre des wohlehrwürdigen Bischofes Athanasius sich vorfinden; diese aber befinden sich, wie bekannt, in dem Verzeichnisse deiner Heiligkeit. Wir wollen nun, daß deine von uns erprobte Vorsicht alle Schreiben, welche sich in Bezug auf den Namen des Obengenannten in dem dir anvertrauten Commentare vorfinden, diesem unserm Befehle zufolge an unser Hoflager übersende.

    24.

    Das Schreiben aber, welches er nach dem Tode des seligen Constans ergehen ließ, lautet, wie folgt, und wurde zuerst in lateinischer Sprache verfaßt, dann aber in das Griechische übertragen.

    Der siegreiche Constantius Augustus an den Athanasius.

    Daß es immer mein Wunsch war, es möchte meinem verstorbenen Bruder Constans Alles nach seinem Sinne gehen, war deiner Einsicht nicht verborgen. In welche Trauer ich aber versetzt wurde, als ich erfuhr, daß er von einigen höchst ruchlosen Menschen ermordet worden sey, vermag deine Klugheit ebenfalls zu beurtheilen. Weil es nun Einige gibt, welche dich in der gegenwärtigen so traurigen Zeit zu schrecken versuchen; deßwegen hielt ich es für billig, dieses Schreiben an deine Standhaftigkeit ergehen zu lassen, und ich ermahne dich, daß du, wie es einem Bischöfe geziemt, das Volk in dem zur Gottesverehrung Nöthigen unterrichtest, mit ihm, wie gewöhnlich, den Gebeten obliegest, und nicht leeren Gerüchten, welche sie immer seyn mögen, Glauben schenkest. Denn wir haben den festen Beschluß in der Seele gefaßt, daß du unserm Willen zufolge immer Bischof in deinem Sitze seyn solltest.

    Die göttliche Vorsehung beschirme dich viele Jahre, liebster Vater!

    25.

    Nachdem dieses so geschehen war, und nachdem Athanasius Abschied genommen, und sich auf den Weg gemacht hatte, freuten sich die Freunde, als sie den Freund sahen; von den Andern aber schämten sich Einige bei seinem Anblicke, Andere hatten den Muth nicht vor ihm zu erscheinen und verbargen sich, wieder Andere aber bereuten das, was sie gegen den Bischof geschrieben hatten. Alle Bischöfe von Palästina also, zwei oder drei16 und zwar verdächtige Männer ausgenommen, nahmen den Athanasius so auf, und freuten sich so sehr über die Kirchengemeinschaft mit ihm, daß sie sich schriftlich damit entschuldigten, sie hätten das, was sie vormals geschrieben hatten, nicht aus eigenem Antriebe, sondern durch Gewalt gezwungen geschrieben. Denn von den Bischöfen in Aegypten und Libyen, und von den Völkern in jenen Ländern und zu Alerandria zu sprechen ist überflüssig; Alle liefen nämlich zusammen und hatten eine unaussprechliche Freude, nicht allein weil sie die Ihrigen unverhofft lebendig wieder erhielten, sondern auch weil sie von den Ketzern als Wütherichen und wüthenden Hunden befreit wurden. Ungemein groß also war die Freude der Völker, welche in den Versammlungen sich gegenseitig zur Tugend ermunterten. Wie viele unverheurathete vorher zur Heurath bereitwillige Mädchen blieben Jungfrauen, indem sie Christo sich weihten? Wie viele Jünglinge widmeten sich nach dem Beispiele Anderer dem einsamen Leben? Wie viele Väter ermunterten ihre Kinder? Wie viele Väter wurden von den Kindern gebeten, sie möchten ihre Uebung in Christo nicht hindern? Wie viele Gattinen beredeten ihre Männer, wie viele Ehefrauen wurden von ihren Männern beredet, dem Gebete obzuliegen, wie der Apostel sagt17? Wie viele Wittwen und wie viele Waisen, welche zuvor Hunger litten und keine Kleider hatten, litten in Folge des großen Tugendeifers der Völker nachher nicht nur keinen Hunger mehr, sondern traten auch gekleidet hervor? So groß war überhaupt der Wetteifer in der Tugend, daß man eine jede Wohnung und ein jedes Haus wegen der Liebe zum Guten, welche die Bewohner erfüllte, und wegen des Gebetes zu Gott für eine Kirche halten konnte. Tiefer und bewunderungswürdiger Friede herrschte in den Kirchengemeinden, indem die Bischöfe von allen Seiten her dem Athanasius schrieben, und von ihm die gewöhnlichen Friedensschreiben erhielten.

    26.

    Denn sogar Ursacius und Valens änderten, wie von Gewissensbissen gefoltert, ihre Gesinnung18, und schrieben dem Bischofe selbst einen freundschaftlichen und friedfertigen Brief, obschon sie von ihm kein Schreiben erhalten hatten. Auch reisten sie nach Rom, thaten Buße, und bekannten, daß Alles, was sie wider denselben verübt und gesagt hätten, falsch und bloße Verleumdung sey. Und sie begnügten sich noch nicht mit diesem; sondern sie verfluchten auch die arianische Ketzerei, und übergaben ihre Reue schriftlich, indem sie dem Bischofe Julius lateinisch schrieben, welches Schreiben aber in das Griechische übertragen wurde, und auf folgende Weise lautet. Eine Abschrift davon in lateinischer Sprache wurde uns von Paulus, dem Bischofe von Trier, überschickt.

    Uebersetzung aus dem Lateinischen.

    An meinen seligsten Herrn, den Pabst Julius, Ursacius und Valens.

    Weil wir, wie bekannt, früher Vieles und Arges u. s. w.19

    Meinem Herrn Bruder, dem Bischofe Athanasius, die Bischöfe Ursacius und Valens.

    Es bot sich uns eine Gelegenheit dar durch den Bruder und Mitpriester u. s. w.20

    Dieses schrieben sie, und unterzeichneten auch das friedfertige Schreiben, als des Athanasius Priester Petrus und Irenäus, und der Laie Ammonius zu ihnen kamen, obgleich er ihnen auch durch diese nicht geschrieben hatte.

    27.

    Wer verwunderte sich nun nicht, da er dieses und einen solchen Frieden der Kirchengemeinden sah? Wer freute sich nicht, da er die Eintracht so vieler Bischöfe schaute? Wer pries den Herrn nicht, da er in den Versammlungen die Freude der Völker erblickte? Wie viele von den Feinden thaten Buße? Wie viele aus den frühern Verleumdern rechtfertigten sich? Wie viele von denen, welche ihn frühe haßten, gewannen ihn nachher lieb? Wie viele von denen, welche gegen ihn geschrieben hatten, widerriefen? Wieviele aus denjenigen, welche nicht aus eigenem Antriebe, sondern dem Zwange zu Folge es mit den Arianern hielten, kamen bei Nacht, entschuldigten sich, verfluchten die Ketzerei, und baten um Verzeihung, weil sie wegen der Ränke und Verleumdungen, welche sich jene erlaubten, nur dem Körper nach ihren Versammlungen beigewohnt hätten, im Herzen aber mit Athanasius in Kirchengemeinschaft gestanden wären, und es immer mit ihm gehalten hatten? Ja, so ist es, glaubet mir!

    28.

    Als nun die Erben der Meinung und der Gottlosigkeit des Eusebius, nämlich Leontius der Verschnittene, welcher nicht einmal als Laie zur Kirchengemeinschaft hätte gelassen werden sollen, weil er sich selbst entmannt hatte, um nachher ungehindert bei einer gewissen Eustolium schlafen zu dürfen, welche durch ihn ein Weib war, aber doch Jungfrau genannt wurde, ferner Georgius, Acacius, Theodorus und Narcissus, welche in.der Synode abgesetzt wurden, dieses hörten und sahen, schämten sie sich sehr. Da sie dann sahen, daß mit Athanasius mehr als vierhundert Bischöfe in einträchtiger und friedlicher Verbindung standen, aus dem großen Rom nämlich, aus dem ganzen Italien, aus Calabrien, Campanien, Bruttien, Sicilien, Sardinien, Korsika, aus ganz Afrika, aus Gallien, Britannien und Spanien, mit Einschluß des großen Bekenners Hosius; ferner die Bischöfe aus Pannonien, Noricum, Siscia, Dalmatien, Dardanien, Dacien, Mysien, Macedonien, Thessalien, und ganz Achaia, aus Creta, Cypern und Lycien, auch sehr viele aus Palästina, Isaurien, Aegypten, Thebais, ganz Libyen und Pentapolis; da jene dieses sahen, sage ich, wurden sie von Neid und Furcht ergriffen, von Neid nämlich wegen der kirchlichen Verbindung mit so vielen Bischöfen, von Furcht aber, weil sie besorgten, es möchten die von ihnen Betrogenen der Eintracht so Vieler sich anschließen, und es möchte dann ihre Ketzerei lächerlich gemacht, als besiegt zur Schau ausgestellt und überall gebrandmarkt werden.

    29.

    Zuerst suchten sie nun den Ursacius und Valens zu überreden, ihre Gesinnung zu ändern, und wie die Hunde zu ihrem eigenen Auswurfe zurückzukehren, wie die Schweine in dem frühern Unflathe der Gottlosigkeit sich wieder zu wälzen, und zum Vorwande ihrer Reue zu erdichten, sie hätten dieses aus Furcht vor dem höchst gottesfürchtigen Constans gethan. Wenn sie aber auch sich gefürchtet hätten, so hätten sie doch, wenn sie ihre Handlungen für gut gehalten hätten, an denselben nicht zu Verräthern werden sollen. Hegten sie aber keine Furcht, sondern sagten sie die Unwahrheit, wie sind sie dann nicht aller Verdammung würdig? Denn es war kein Soldat zugegen, es waren keine Hofbeamten oder Notare geschickt, es geschah nichts von dem, was sie jetzt thun, es war auch der König nicht gegenwärtig, und sie waren von Niemanden aufgefordert worden, als sie dieses schrieben; sondern sie reisten selbst freiwillig nach Rom, thaten in der Kirche, wo kein äusserlicher Zwang Statt fand, wo nur die Furcht vor Gott herrscht, und wo ein Jeder seinen freien Willen hat, aus eigenem Antriebe Buße und legten den Ausdruck ihrer Sinnesänderung schriftlich nieder. Dessen ungeachtet schämen sie sich, da sie nun zum zweiten Male Arianer geworden sind, keineswegs, abermals einen so unpassenden Vorwand zu erdichten.

    30.

    Hierauf gingen sie gemeinschaftlich zum Könige Constantius, und baten ihn mit folgenden Worten: Da wir zum ersten Male an dich unsere Bitte stellten, wurde uns nicht geglaubt; wir sagten nämlich, als du den Athanasius zu dir beschiedest, du werdest dadurch, daß du diesen herbeiriefst, unsere Sekte verdrängen. Denn dieser war vom Anbeginn ihr Gegner, und hört nicht auf, dieselbe mit dem Fluche zu belegen. Er hat nun schon alle Gegenden mit seinen Schreiben gegen uns angefüllt, und die Meisten stehen mit ihm in Kirchengemeinschaft; von denjenigen aber, welche es mit uns zu halten schienen, haben sich die Einen schon an ihn angeschlossen, die Andern aber sind im Begriffe, es zu thun; wir sind allein übrig. Und es ist zu befürchten, daß die Ketzerei erkannt werde, und daß dann sowohl wir, als auch du mit dem Namen Ketzer belegt werden; und würde dieses geschehen, so siehe zu, daß wir nicht zu den Manichäern gerechnet werden. Beginne also die Verfolgung wieder, und beschirme die Sekte! denn auch diese hat dich zum Könige. Dieses nun waren ihre arglistigen Worte. Er aber änderte, da er bei seinem Eilmarsche gegen den Magnentius durchzog, und die Kirchengemeinschaft der Bischöfe mit Athanasius sah, wie vom Feuer entflammt, seine Gesinnung, dachte nicht mehr an seine Schwüre, vergaß sogar dasjenige, was er geschrieben hatte, und erinnerte sich nicht mehr seiner Verpflichtungen gegen seinen Bruder. Denn sowohl in seinem Schreiben an denselben, als auch bei dem Anblicke des Athanasius gab er die eidliche Versicherung, er wolle nicht anders handeln, als wie das Volk wünsche, und wie es dem Bischofe genehm sey. Allein der Eifer für die Gottlosigkeit bewirkte, daß er Alles zugleich vergaß. Und man darf sich nicht wundern, daß Constantius nach so vielen Schreiben und nach so vielen Schwüren sich umänderte, da ja auch Pharao, weiland Beherrscher von Aegypten, obwohl er oft Versprechungen machte und deßwegen Befreiung von den Strafen erlangte, seine Gesinnung änderte, bis er am Ende mit denjenigen, welche dieselben Gesinnungen, wie er hatte, zu Grunde ging.

    51.

    Als Dieß der fromme Kaiser Constantius vernommen hatte, rief er uns herbei, indem er eigenhändig an seinen Bruder, den seligen Constans, schrieb, und einmal an uns, und auch ein zweites und drittes Mal, in folgender Weise:

    Constantius Augustus der Siegreiche an Athanasius

    Die Menschenfreundlichkeit unserer Milde gab nicht zu, daß du von den wilden Wogen des Meeres lange umtost und bestürmt werdest. Unsere unermüdliche Frömmigkeit nahm es nicht gleichgiltig hin, daß du des heimathlichen Heerdes verlustig und der Deinigen beraubt in unwegsamen, von wilden Thieren bewohnten Gegenden umherirrtest. So lange ich daher auch zögerte, den Entschluß meines Herzens dir schriftlich mitzutheilen, indem ich warten wollte, bis du aus eigenem Antrieb zu uns kämest und uns bätest, deinen Mühsalen zu steuern, so haben wir, da vielleicht die Furcht der Ausführung deines Willens im Wege stand, deßhalb an deine Standhaftigkeit ein Schreiben gesandt, das mit reichem Geschenke gefüllt ist, damit du dich bestrebest, ohne Furcht bald unsere Augen mit deiner Gegenwart zu erfreuen, und du, indem dein Verlangen gestillt wird und du unsere <s 120> Menschenfreundlichkeit erfahrest, den Deinigen zurückgegeben werdest. Denn deßhalb habe ich auch meinen Herrn und meinen Bruder Constans, den siegreichen Augustus, für dich gebeten, er möge dir erlauben zu kommen, damit du mit unserer beiderseitigen Zustimmung deiner Heimath wieder zurückgeben werdest und Dieß als Unterpfand unserer Gnade besitzest.

    Zweiter Brief.

    Haben wir wohl schon im ersten Schreiben dir zu verstehen gegeben, du mögest unbesorgt dich an unsern Hof verfügen, weil es unser innigster Wunsch ist, dich in die Heimath zu entsenden, so haben wir auch jetzt diesen Brief an deine Standhaftigkeit gesendet und laden dich in demselben ein, du mögest, frei von jedem Mißtrauen und jeder Furcht, die öffentlichen Fuhrwerke besteigen und zu uns eilen, damit du dein Verlangen befriedigen könnest.

    Dritter Brief.

    Als wir in Edessa70 weilten, beschloßen wir in Anwesenheit deiner Priester, an dich einen Priester zu senden, damit du schnell an unsern Hof kämest und, nachdem du unser Angesicht gesehen, sogleich nach Alexandria reisen möchtest. Da aber eine sehr lange Zeit verstrichen war, seit du den Brief von uns empfingst, und du nicht gekommen bist, so wollten wir deßhalb auch jetzt dich erinnern, damit du doch jetzt dich bestrebest, uns mit deiner baldigen Gegenwart zu beehren, und du so deinem Vaterland zurückgegeben und deines Wunsches theilhaftig werden könnest. Um dir die Sache umständlicher auseinanderzusetzen, haben wir den <s 121> Diakon Achitas abgesandt, der dir mittheilen kann, was wir in unserm Herzen beabsichtigen, und daß du deine Wünsche wirst erreichen können.

    So also schreibt der Kaiser. Ich aber ging nach Empfang des Briefes nach Rom, um mich von der Kirche und dem Bischof zu verabschieden. Ich befand mich nämlich, als das an mich geschrieben wurde, in Aquileja. Und die Kirche war von unendlicher Freude erfüllt. Der Bischof Julius theilt die Freude über unsere Rückkehr und schreibt an die Kirche. Und wo wir später durchreisten, begleiteten uns die Bischöfe in Frieden. Folgendes ist der Inhalt des Briefes.

    Julius an die Priester, Diakonen und das Volk, das in Alexandria wohnt.

    52.

    Auch ich nehme an euerer Freude Antheil, geliebte Brüder, weil ihr die Frucht eueres Glaubens nun vor Augen sehet. Denn das kann man in Wahrheit an meinem Bruder und Mitbischof Athanasius sich vollziehen sehen, den wegen der Unschuld seines Lebens und wegen eueres Gebetes Gott euch zurückgibt. Daraus kann man ersehen, daß ihr immer reine liebeerfüllte Gebete zu Gott emporgeschickt habt. Denn da ihr der himmlischen Verheissungen und der Leitung zu denselben eingedenk seid, die euch durch die Lehre meines genannten Bruders zu Theil geworden ist, so erkanntet ihr wahrhaft und habt im rechten Glauben, den ihr besitzet, begriffen, daß der nicht beständig von euch getrennt sein werde, der in eueren gottesfürchtigen Seelen euch immer als gegenwärtig vor Augen geschwebt ist. Ich brauche, indem ich an euch schreibe, nicht viele Worte zu machen. Denn Alles, was ich euch sagen mag, hat euer Glaube im Voraus erfaßt und hat in der Gnade Gottes die gemeinsamen Wünsche von uns allen erfüllt. Ich freue mich also mit euch, ich sage es noch einmal, daß ihr euere Seelen lm Glauben unerschüttert bewahrt habt, und nicht minder freue ich mich mit meinem Bruder Athanasius, daß er, obschon <s 122> er viel Schmerzliches litt, nicht eine Stunde lang euere Liebe und euere Sehnsucht vergessen hat. Denn wenn er auch dem Leibe nach auf eine Zeit lang von euch getrennt zu sein schien, so lebte er doch im Geiste beständig in Gemeinschaft mit euch.

    53.

    Er kehrt also jetzt in größerem Glanze zu euch zurück, als da er euch verließ. Denn wenn die kostbaren Stoffe wie Gold und Silber in Bezug auf die Reinigkeit das Feuer prüft, welche Worte sind wohl eines so großen Mannes würdig, der, nachdem er so viele Drangsale siegreich bestanden hat, euch zurückgegeben wird, nicht bloß von uns, sondern auch von der ganzen Synode für unschuldig erklärt? Nehmt also, geliebte Brüder, mit aller Ehre und Freude in Gott euern Bischof Athanasius und mit ihm Alle auf, die mit ihm so viele Mühe getheilt haben, und freuet euch, daß der Gegenstand euerer Wünsche euch zu Theil geworden ist, die ihr eueren Hirten, der nach euerer Gottesfurcht, so zu sagen, sich sehnte und dürstete, mit heilsamen Schreiben getränkt und genährt habt. Denn ihr seid ihm bei seinem Aufenthalte in der Fremde ein Trost geworden und habt den Verfolgten durch euere treuen Seelen und Herzen erquickt. Ich aber empfinde bereits Freude, indem ich euere gemeinsame Freude über seine Rückkehr mir vorstelle und sie in Gedanken vorhersehe, sowie das gottesfürchtige Entgegengehen der Menge und die herrliche Festfeier der Herbeiströmenden. Was für ein herrlicher Tag wird das für euch sein, wenn mein Bruder zurückkommt, wenn die früheren Zustände aufhören und die hochgefeierte und erwünschte Rückkehr gleichsam zum frohen Genuß der ungetrübtesten Freude Alle vereinigt! Diese Freude berührt im höchsten Grade auch uns, da gewiß von Gott auch das uns gewährt wurde, daß wir einen so großen Mann konnten kennen lernen. Es geziemt sich nun, den Brief mit einem Gebete zu schließen. Der allmächtige Gott und sein Sohn, unser Herr und Heiland Jesus Christus, möge euch ununterbrochen seine Gnade verleihen und euerem bewundernswerthen Glauben, den ihr an euerem Bischof durch <s 123> rühmliches Zeugniß an den Tag gelegt habt, den Kampfpreis gewähren, damit er euch und eueren Nachkommen hier und im künftigen Leben das Beste gewähre, was kein Auge gesehen, kein Ohr gehört hat, und was in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben, durch unsern Herrn Jesus Christus, durch den dem allmächtigen Gotte die Herrlichkeit sei von Ewigkeit zu Ewigkeit Amen. Ich sage euch Lebewohl im Herrn, geliebte Brüder!

    54.

    Als ich mit diesem Schreiben angekommen war, nahm mich der Kaiser zuvorkommend auf und entließ mich in die Heimath und zur Kirche, indem er an die Bischöfe, Priester und Laien Folgendes schrieb.

    Der siegreiche Constantius, der Größte, Durchlauchtigste, an die Bischöfe und Priester der katholischen Kirche.

    Nicht wurde der ehrwürdigste Athanasius von der Gnade Gottes verlassen, sondern wenn er auch auf kurze Zeit der Prüfung unter den Menschen ausgesetzt war, so wurde ihm doch durch die Vorsehung, welche über Alles wacht, das verdiente Loos zu Theil, und er gelangte durch den Willen des Höchsten und unsere richterliche Entscheidung zugleich in den Besitz der Heimath und der Kirche, deren Vorsteher er nach dem Willen Gottes war. Es mußte ihm auch das Geziemende von unserer Milde zu Theil werden, so daß Alles, was früher gegen die beschlossen worden ist, welche mit ihm Gemeinschaft gepflogen haben, jetzt der Vergessenheit anheimfallen und jeder Verdacht gegen sie für die Zukunft aufhören und die Abgabenfreiheit, die früher seine Kleriker genossen, ihnen in gebührender Weise bestätigt sein soll. Wir beschlossen nämlich auch dadurch unsere Gewogenheit gegen ihn zu zeigen, so daß Alle, die auf der Liste der Religionsdiener verzeichnet sind, erkennen, daß allen seinen Anhängern Sicherheit gewährt sei, seien es Bischöfe oder Kleriker. Ein genügendes Kennzeichen der rechten <s 124> Geistersrichtung eines Jeden wird die Vereinigung mit ihm sein. Denn Alle, welche dem besseren Urtheil und Antheil sich anschließen und die Gemeinschaft mit ihm wählen, sollen, wie uns beliebt hat, nach dem Beispiel der früheren Fürsorge auch jetzt die von uns nach dem Willen des Höchsten gewährte Gnade genießen. Gott möge euch erhalten!

    Zweiter Brief.

    Der siegreiche Constantius, der Größte, Durchlauchtigste, an das Volk der katholischen Kirche in Alexandria.

    55.

    Da uns am Herzen liegt, daß bei euch in Allem gute Ordnung herrsche, und da wir wissen, daß ihr schon lange der Fürsorge eines Bischofs beraubt seid, so haben wir uns entschlossen, den Bischof Athanasius, einen durch seine Rechtschaffenheit und die Unbescholtenheit seiner Sitten bei Allen bekannten Mann, wieder zu euch zu senden. Nehmet diesen nach euerer Gewohnheit in geziemender Weise auf, und habt ihr ihn zum Helfer in eueren Gebeten zu Gott angenommen, so bestrebet euch, Friede und Eintracht, wie es euch geziemt und es für uns am besten ist, nach dem Gesetze der Kirche beständig zu bewahren. Denn es ist auch nicht entsprechend, daß irgend ein Zwiespalt oder eine Unruhe unter euch erregt werde, und es steht in Widerspruch mit dem Glücke unserer Zeiten. Und wir wollen, daß das von euch gänzlich ferne sei, und ermahnen euch, daß ihr, indem ihr ihn, wie schon gesagt, zum Vorsteher und Helfer habt, nach euerer Gewohnheit in eueren Gebeten zur Gottheit beständig verharret. So werden dann, wenn ihr in dieser Willensrichtung den Wünschen Aller entsprechet, auch die Heiden, die auch jetzt noch in der Verirrung des Götzendienstes stecken, zur Kenntniß der heiligen Gottesverehrung mit großer Bereitwilligkeit herbeieilen. Geliebte! Wir ermahnen euch also nochmals, euch an das bereits Gesagte stets zu halten. Nehmet den Bischof, der <s 125> durch den Rathschluß des Höchsten und unsern Willen abgesendet worden ist, liebreich auf und bringet ihm euere ganze Seele und Zuneigung entgegen. Denn das geziemt sich für euch und kommt gewiß auch unserer Milde zu. Um daher den Übelgesinnten jede Lust zu Aufruhr und Ruhestörung zu benehmen, haben wir euere Richter schriftlich beauftragt, gegen alle Ruhestörer, von denen sie Kenntniß erhielten, die Strafgesetze in Anwendung zu bringen. Indem ihr also Beides im Auge behaltet, sowohl unsern Beschluß, den wir in Verbindung mit dem Allerhöchsten gefaßt haben, und die Rücksicht für euch und euere Eintracht, als auch die Züchtigung der Widerspenstigen, und indem ihr beobachtet, was sich geziemt und der Vorschrift der heiligen Religion entspricht, befleißt euch mit aller Ehrfurcht und Hochachtung gegen den Genannten die Gebete in Verbindung mit ihm für euch und die gute Einrichtung des ganzen Lebens zu Gott dem Allvater emporzusenden.

    56.

    Nachdem er Dieß geschrieben hatte, befahl er, daß die früher von ihm in Folge der Verleumdung der Eusebianer gegen mich gefaßten Beschlüsse aufgehoben und aus den Archiven des Dux und des Eparchen von Ägypten entfernt werden sollten. Der Decurio Eusebius wurde abgesendet und nahm sie aus den Archiven. Das Schreiben lautet, wie folgt.

    Der siegreiche Constantius Augustus an Nestorius. Gleichlautend auch an die Präfekten in Augustamnica,71 Thebais und Libyen.

    Wenn sich irgend ein Befehl vorfindet, der früher einmal zum Nachtheil und zur Beeinträchtigung derer erlassen wurde, die mit dem Bischof Athanasius Gemeinschaft pflegen, so wollen wir, daß ein solcher jetzt vernichtet werde. Wir wollen daher auch, daß die Abgabenfreiheit, welche seine <s 126> Kleriker hatten, ebendieselben auch jetzt wieder haben sollen. Und wir wollen, daß dieser unser Auftrag beobachtet werde, so daß, nachdem der Bischof Athanasius der Kirche zurückgegeben ist, die, welche mit ihm Gemeinschaft haben, die Abgabenfreiheit besitzen, welche sie immer besaßen, welche auch die übrigen Kleriker besitzen, damit so auch sie dieses Besitzes sich erfreuen.

    57.

    Als ich in dieser Weise entlassen durch Syrien reiste, kam ich zu den Bischöfen in Palästina. Diese hielten eine Synode in Jerusalem und nahmen mich zuvorkommend auf. Auch sie entließen uns in Frieden und schrieben an die Kirche und die Bischöfe, wie folgt:

    „Die heilige Synode, die in Jerusalem versammelt ist, den Amtsgenossen in Ägypten und Libyen, den Priestern, Diakonen und Laien in Alexandria, den geliebten und heißersehnten Brüdern, Gruß im Herrn!

    Wir vermögen dem Gott aller Dinge nicht nach Verdienst zu danken, Geliebte, für die Wunder, die er immer that, und die er auch jetzt an euerer Kirche that, indem er euch eueren Hirten und Herrn, unsern Amtsgenossen Athanasius, zurückgibt. Denn wer hätte gehofft, das jemals mit Augen zu sehen, was euch jetzt in der That zu Theil wird! In der That fanden euere Gebete bei dem Gott aller Dinge Erhörung, der für seine Kirche Sorge trägt und auf euere Thränen und Seufzer sah und deßhalb euere Gebete erhörte. Denn ihr waret wie vernachlässigte und bedrängte Schafe, die keinen Hirten haben. Deßhalb sah der wahre Hirt vom Himmel auf euch herab, der für seine Schafe sorgt, und gibt euch den zurück, nach dem ihr verlanget. Denn sehet, auch wir, die wir Alles für den kirchlichen Frieden thun und mit euerer Liebe zusammenstimmen, haben ihn vor euch umfangen, und indem wir durch ihn mit euch in Gemeinschaft treten, senden wir euch dieses Begrüßungsschreiben und unsere Dankgebete, damit ihr wisset, daß auch wir durch das Band der Liebe mit ihm vereinigt sind. Ihr müsset aber für die Gottesfurcht der frommen Kaiser beten, die, weil sie gleichfalls euere Sehnsucht nach ihm und seine <s 127> Unschuld kannten, sich entschlossen, ihn euch mit allen Ehren zurückzugeben. Empfangt ihn also mit offenen Armen und beeilet euch, die seinetwegen schuldigen Dankgebete Gott darzubringen, der euch das gewährt hat, damit ihr immer mit Gott euch freuet und unsern Herrn verherrlichet in Christus Jesus unserm Herrn, durch welchen dem Vater die Herrlichkeit sei von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

    Die Unterschriften aber will ich, wenn ich sie auch früher schon anführte, auch jetzt hersetzen. Es sind nämlich unterschrieben: Maximus, Aetius, Arius, Theodorus, Germanus, Silvanus, Paulus, Patricius, Elpidius, Germanus, Eusebius, Zenobius, Paulus, Makrinus, Petrus, Claudius.

    58.

    Als das Ursacius und Valens sahen, sprachen sie sich nun selbst das Urtheil, gingen nach Rom und legten gleichfalls ein reumüthiges Bekenntniß ab, baten um Verzeihung und schrieben an Julius, den Bischof des alten Rom, und an uns Folgendes. Die Abschrift wurde mir von Paulinus, Bischof von Trier, zugesendet.

    Brief an Julius über die Sinnesänderung des Ursacius und Valens.

    Aus dem Römischen übersetzt.

    An den hochseligen Herrn, den Vater Julius, Ursacius und Valens.72

    Da bekannt ist, daß wir ehemals Vieles, was schwer verletzend ist, über den Bischof Athanasius schriftlich <s 128> ausgesagt haben, in Betreff der Sache aber, über die wir Mittheilung gemacht hatten, von deiner Güte schriftlich um näheren Aufschluß angegangen keine Rechenschaft geben konnten, so bekennen wir vor deiner Güte in Gegenwart aller Priester, unserer Brüder, daß Alles, was bisher über den Namen des genannten Athanasius euch zu Ohren gekommen, erdichtet und erlogen ist und nicht im Entferntesten ihn trifft. Deßhalb schließen wir uns gerne der Gemeinschaft des genannten Athanasius an, zumal deine Gottesfurcht in ihrer angebornen Rechtschaffenheit unserer Verirrung Verzeihung zu gewähren sich würdigte. Auch erklären wir Dieß, daß wir, wenn jemals die Morgenländer oder Athanasius73 selbst deßhalb in böser Gesinnung uns sollten vor Gericht laden wollen, ohne deine Einwilligung nicht erscheinen werden. Den Arius aber und seine Vertheidiger, welche sagen: Es war einmal, da der Sohn nicht war, und der Sohn ist aus dem Nichtseienden, und welche läugnen, daß Christus Gott und Gottes Sohn vor den Zeiten gewesen sei, belegen wir, wie in unserer ersten Erklärung, die wir in Mailand übergeben haben,74 auch jetzt und immer mit dem Anathem. Indem wir Dieß eigenhändig schreiben, bekennen wir nochmals, daß wir die arianische <s 129> Häresie, wie wir bereits ausgesprochen haben, und ihre Urheber auf ewig verurtheilt haben. Ich Ursacius habe diese meine Erklärung eigenhändig unterschrieben, ebenso auch Valens.

    An den Herrn und Bruder Athanasius, den Bischof, die Bischöfe Ursacius und Valens.

    „Da wir, geliebter Bruder, Gelegenheit gefunden haben, durch unsern Bruder und Mitpriester Musäus, der sich zu deiner Liebe begibt, so entbieten wir dir durch ihn aus Aquileja herzlichen Gruß und wünschen, du mögest unsern Brief bei guter Gesundheit lesen. Denn du wirst uns Freude machen, wenn du unser Schreiben erwiderst. Denn wisse, daß wir mit dir Frieden haben und in kirchlicher Gemeinschaft stehen. Und zum Beweise hiefür diene dir die Begrüssung in diesem Briefe. Die göttliche Vorsehung bewahre dich, o Herr und geliebter Bruder!“

    So also lautet der Brief, und das ist das Urtheil und der Richterspruch der Bischöfe zu unsern Gunsten. Um aber zu zeigen, daß sie nicht aus Wohldienerei gehandelt haben noch von Jemand gegen sie ein Zwang geübt wurde, will ich mit euerer Zustimmung die Sache ganz von Anfang erzählen, damit ihr einsehet, daß die Bischöfe freiwillig mit Fug und Recht Dieß geschrieben und Ursacius und Valens, wenn auch spät, die Wahrheit bekannt haben.

    59.

    Petrus ist bei uns vor der Verfolgung Bischof gewesen und hat in der Verfolgung den Martyrertod gelitten. Dieser setzte den Melitius in Ägypten, der Bischof genannt wurde und vieler Verbrechen und des Götzenopfers überführt war, in einer gemeinsamen Synode der Bischöfe ab. Melitius aber suchte keinen Schutz bei einer andern Synode, noch suchte er sich vor der Nachwelt zu rechtfertigen, sondern veranlaßte eine Spaltung. Und seine Parteigenossen heissen seitdem nicht mehr Christen, sondern Melitianer. Zugleich begann er die Bischöfe zu schmähen und verleumdete zuerst den Petrus selbst, dann seinen <s 130> Nachfolger Achillas und nach Achillas den Alexander. Und darin handelte er schlau und wählte sich den Absalon zum Vorbild, damit er, weil er sich der Absetzung schämte, wenigstens durch seine Verleumdungen die Einfältigen einigermaßen hintergehen könnte. Während Melitius Dieß that, tauchte auch die arianische Häresie auf. Doch in der Synode von Nicäa wurde die Häresie mit dem Anathem belegt, und die Arianer wurden ausgeschlossen, die Melitianer in gewisser Weise aufgenommen, und es ist jetzt nicht mehr nöthig, hievon die Ursache anzugeben. Es waren nun noch nicht fünf Monate verflossen, als der selige Alexander starb.75 Die Melitianer aber, welche sich hätten ruhig verhalten und welche hätten dankbar sein sollen, daß sie überhaupt aufgenommen worden waren, setzten, da sie nach Art der Hunde nicht vergaßen, was sie ausgespieen hatten, wieder die Kirchen in Verwirrung. Als nun Eusebius hievon Kenntniß erhalten hatte, so sendete er, da er das Haupt der Arianer war, an die Melitianer und erkaufte sie mit vielen Versprechungen, schloß mit ihnen insgeheim Freundschaft und setzte mit ihnen auch eine bestimmte Zeit fest. Anfangs nun sendete er an mich und bat mich, ich möchte die Arianer aufnehmen, so zwar, daß er mündlich drohte, schriftlich aber bat. Als ich mich aber weigerte und erklärte, daß die nicht aufgenommen werden könnten, die eine der Wahrheit widersprechende Häresie erfunden hätten und von der ökumenischen Synode mit dem Anathem belegt worden wären, veranlaßte er auch den Kaiser, den seligen Constantin, an mich zu schreiben, der die Drohung aussprach, es <s 131> sollte mir, wenn ich die Arianer nicht aufnähme, das zustoßen, was mir früher und jetzt zugestoßen ist. Hier folgt der betreffende Theil des Briefes. Die Überbringer des Briefes waren Synkletius und Gaudentius aus dem Palaste.

    Abschnitt aus dem Briefe des Kaisers Constantin.

    „Da du also meinen Willen kennst, so gewähre Allen, die in die Kirche eintreten wollen, ungehinderten Eintritt. Denn wenn ich erfahre, daß du Jemand von denen, welche die Kirchengemeinschaft suchen, nicht aufgenommen oder ihm den Eintritt verwehrt hast, so werde ich sogleich Jemand schicken, der auf meinen Befehl dich absetzen und aus deinem Wohnsitze vertreiben wird.“

    60.

    Als ich nun auch den Kaiser in einem Briefe überzeugte, daß die christusfeindliche Häresie mit der katholischen Kirche keine Gemeinschaft haben könne, da erklärte endlich Eusebius, daß die mit den Melitianern verabredete Zeit gekommen sei, und überredete sie in einem Briefe, einen Vorwand zu erfinden, um, wie sie gegen Petrus, Achillas und Alexander es gehalten haben, so auch gegen uns Dichtungen zu verbreiten. Nachdem sie nun lange gesucht hatten, ohne Etwas zu finden, einigen sie sich zuletzt mit den Eusebianern und erfinden eine erste Anklage durch Ision, Eudämon und Kallinikus in Betreff leinener Kleidungsstücke, als hätte ich den Ägyptiern eine Abgabe auferlegt und sie von den Genannten zuerst gefordert. Da aber Priester von uns sich dort befanden und der Kaiser sie vernahm, wurden sie zurückgewiesen. Die Priester aber waren Apis und Makarius. Der Kaiser aber schrieb einen Brief, worin er den Ision verurtheilte und mich einlud, zu ihm zu kommen. Der Brief lautet, wie folgt. (Der Brief ist verloren gegangen.)76

    <s 132> Als aber Eusebius hievon Kenntniß erhalten hatte, überredete er sie zu bleiben, und als ich gekommen war, klagten sie den Makarius wieder in Betreff des Kelches an, gegen mich aber sprachen sie nicht eine gewöhnliche Verleumdung, sondern die höchste von allen aus, daß ich als ein Feind des Kaisers gehandelt und an einen gewissen Philumenus eine Kiste Goldes gesendet habe. Der Kaiser vernahm uns auch hierüber in Psamathia;77 und sie wurden wie gewöhnlich überführt und abgewiesen. Als wir wieder zurückkehrten, richtete er folgendes Schreiben an das Volk.

    Constantin der Größte, Durchlauchtigste, an das Volk der katholischen Kirche in Alexandria.78

    61.

    „Geliebte Brüder! Ich grüsse euch, indem ich Gott als den höchsten Zeugen meines Willens anrufe und den eingebornen Schöpfer unseres Gesetzes, der über das Leben Aller herrscht und die Zwistigkeiten haßt. Doch was soll ich sagen? Daß wir in guter Gesundheit uns befinden? Aber wir könnten uns eines besseren Wohlbefindens erfreuen, wenn ihr euch gegenseitig lieben und den Haß abschütteln würdet, in Folge dessen wir den Wogen der Zänker den Hafen der Liebe überlassen haben. Wehe über diese Ungereimtheit ! Wie viele Unfälle entspringen täglich aus dem unruhigen Neide! So hat der üble Ruf beim Volke Gottes seinen Wohnsitz aufgeschlagen. Wohin hat also der Glaube an die Gerechtigkeit sich zurückgezogen? Wir sind ja so sehr in dunkle Finsterniß gehüllt, nicht bloß wegen des vielverflochtenen Irrthums, sondern auch wegen der Gebrechen der Undankbaren, wir ertragen die, welche dem Unverstande Belohnungen zuerkennen, und lassen es ungeahndet, wenn <s 133> wir Solche wahrnehmen, die der Gerechtigkeit und Wahrheit widerstreben. Wie schrecklich zeigt sich hierin unsere Verkehrtheit! Wir stellen die Feinde nicht zur Rede, sondern lassen sie in ihrem Räuberhandwerke unbehelligt, wodurch der verderbliche Betrug ohne irgend einen Widerstand sich, so zu sagen, leicht einen Weg bahnte. Gibt es also keine Empfindung, nicht einmal nach dem Zuge der gemeinsamen Natur Aller, wenn wir die Vorschriften des Gesetzes vernachlässigt haben? Aber man wird sagen: Nach der Natur wird die Liebe gefunden. Warum also ertragen wir, da wir ausser der guten Naturanlage das Gesetz Gottes besitzen, die Belästigung und das Geschrei der Feinde, die, wie es den Anschein hat, Alles gleichsam mit Feuerbränden in Brand stecken, und sehen nicht, da wir Augen haben, und empfinden nicht, da wir von den Sinneswerkzeugen des Gesetzes umschlossen sind? Welche Leidenschaft hat also unser Leben ergriffen, da wir uns selbst so sehr vernachlässigen und trotzdem, daß Gott uns daran erinnert? Denn ist das Übel nicht unerträglich? Muß man diese nicht für Feinde halten statt für das Haus und Volk Gottes? Jene grundverdorbenen Menschen wüthen gegen uns und beschuldigen uns, und gehen von entgegengesetzten Seiten auf uns los.

    62.

    Mit welch großem Unverstande sie aber das thun, bitte ich euch selbst zu erwägen. Denn bei den Thoren ruht die Bosheit auf ihrer Zunge.79 Diese tragen nun gleichsam bleiernen Groll herum, um sich gegenseitig zu verwunden und uns den Gewinn ihrer eigenen Züchtigung finden zu lassen, und der gute Belehrung ertheilt, wird für einen Feind gehalten. Wer aber die Bosheit des Neides zur Schau trägt, der behandelt die Gutmüthigkeit des Volles nicht in geziemender Weise, verheert es und zehrt es auf, schmückt und verherrlicht sich selbst mit übelwollendem <s 134> Lobspruch, stürzt die Wahrheit über den Haufen, verletzt die Treue, bis er für sein Gewissen eine Höhle und einen Schlupfwinkel gesucht und gefunden. Diese Verkehrtheit macht sie also unglücklich, wenn sie sich, obschon sie unwürdig sind, vorschnell loben und sagen: „Wehe über das Unheil! Der ist zu alt, Jener ein Kind. Mir gebührt die Ehre, mir ist man sie schuldig, Jener hat sie eingebüßt. Denn ich werde Alle an mich ziehen und sie mit Gewaltanwendung zu vernichten suchen.“ Gewiß ein trefflicher Ausruf des Wahnsinns! Man kann Truppen, aufgebotene Mannschaften, oder so zu sagen die ganze Vorstandschaft des Rudererpersonals bei diesen ihren seltsamen Aufwiegelungen sehen. O über unsere Verkehrtheit! In der Kirche Gottes tragen wir so zu sagen unsern Unverstand zur Schau. Und doch schämen sie sich nicht? Sie tadeln nicht sich selbst? Und es empfindet ihre Seele keinen Schmerz, daß sie wenigstens jetzt gegenüber dem Betruge und dem Zanke etwas Würdiges zu denken scheinen? Es ist bloße Gewaltthat des Neides, gestützt auf die ihm eigenen Zaubermittel. Es vermochten die Bösen Nichts gegen eueren Bischof. Glaubet mir, Brüder, sie sind um nichts Anderes besorgt, als unsere Zeiten zu bedrängen und in diesem Leben keine Zeit zur Reue mehr zu haben. Helfet also euch selbst, ich bitte euch, laßt euch von unserer Liebe fesseln und verfolgt mit aller Kraft die, welche das Glück unserer Eintracht zu zerstören wünschen, und indem ihr auf Gott schauet, liebet euch selbst. Denn ich habe eueren Bischof Athanasius gerne aufgenommen und habe mit ihm geredet wie mit einem Manne, von dem ich überzeugt bin, daß er ein Mann Gottes ist. Euch kommt es zu, Dieß einzusehen, nicht mir, darüber zu urtheilen. Meinen Gruß aber glaubte ich euch durch den ehrwürdigsten Athanasius selbst überbringen lassen zu müssen. Ich erwog nämlich die mit seiner Gerechtigkeitsliebe verbundene Sorgsamkeit, die in einer meines friedfertigen Glaubens nicht unwürdigen Weise immer auf die Wohlthat der heilsamen Lehre gerichtet ist und eindringliche <s 135> Mahnworte finden wird. Gott möge euch beschützen, geliebte Brüder!“ So weit Constantin.

    63.

    [Forts. v. <s 135>] Nach diesen Vorgängen ruhten die Melitianer auf kurze Zeit. Dann aber lassen sie sich wieder erhitzen und fassen zuletzt, indem sie denen zu gefallen suchen, von denen sie gedungen waren, folgenden Plan. Die Mareotis ist eine Landschaft im alexandrinischen Gebiet. In dieser hatte Melitius dem Schisma keinen Eingang verschaffen können. Da nun Kirchen an bestimmten Orten vorhanden waren und alle Priester in denselben zu den Versammlungen kamen und das Volk in Frieden lebte, so unternahm es ein Mann, Namens Ischyras, kein Kleriker, zudem bösgeartet, die Bewohner seines Dorfes zu verführen, indem er sich für einen Kleriker ausgab. Da der Priester am Orte das in Erfahrung gebracht hatte, theilte er es mir, als ich die Kirchen visitirte, mit, und ich sandte mit ihm den Priester Makarius ab, den Ischyras vorzuladen. Da sie ihn aber krank und im Zimmer liegend antrafen, so trugen sie seinem Vater auf, den Sohn zu ermahnen, Nichts der Art mehr zu thun, als man ihm zur Last gelegt habe. Als er aber von der Krankheit wieder aufgestanden war und von den Seinigen und seinem Vater abgehalten wurde, floh er zu den Melitianern, und diese verständigten sich mit den Eusebianern. Und da nun vereinbaren sie die Verleumdung, daß Makarius einen Kelch zerbrochen habe, und von uns ein gewisser Bischof Arsenius ermordet worden sei. Den Arsenius verbargen sie, damit man wegen seines Nichterscheinens ihn ermordet glauben sollte. Und eine Hand, heißt es, trugen sie von ihm herum, wie wenn er zerstückelt worden wäre. Von Ischyras aber, den sie nicht kannten, begannen sie auszubreiten, daß er ein Priester sei, damit er, wenn er von einem Kelche sprach, täuschen konnte. Ischyras nun kam, da die Seinigen ihm Vorwürfe machten, weinend zu uns und sagte, daß Nichts der Art von Makarius geschehen sei, wie sie ausposaunten, er sei von den Melitianern angestiftet worden, eine solche Schmähung aus der Luft zu greifen. Und er gab folgende schriftliche Erklärung.

    <s 136> Dem seligen Vater Athanasius Ischyras

    Gruß im Herrn.

    64.

    [Forts. v. <s 136>] „Da ich zu dir gekommen bin, o Herr und Bischof, und die Aufnahme in die Kirche nachsuchte, du mir aber vorgeworfen hast, was ich früher ausgesagt habe, als ob ich das aus freiem Antrieb gethan hätte, so übergebe ich dir deßhalb gegenwärtige schriftliche Erklärung, damit du wissen mögest, daß mir Gewalt angethan wurde und ich Schläge empfing von Isaak und Heraklides und von Isaak von Letopolis und von ihren Anhängern. Ich nehme aber Gott hiefür zum Zeugen und erkläre zur Rechtfertigung, daß mir nicht bekannt ist, daß du Etwas von dem gethan habest, was Jene ausgesagt haben. Denn es ist kein Kelch zerbrochen worden, noch ein heiliger Tisch umgestürzt worden, sondern zu allen diesen Aussagen haben mich Jene durch Anwendung von Gewalt veranlaßt. Dieß habe ich zur Rechtfertigung bei dir vorzubringen und habe es dir schriftlich überreicht, indem ich wünsche und das Bittgesuch stelle, mich jenen anschließen zu dürfen, die zu deiner Kirchengemeinschaft gehören. Ich wünsche dir Wohlbefinden im Herrn. Ich habe dieses mein eigenhändiges Schreiben dir, dem Bischof Athanasius, übergeben in Gegenwart der Priester Ammonas von Dikella, Heraklius von Phasko, Bokkon von Chenebri, Achillas von Myrsine, Didymus von Taphosiris und Justus von Bomotheus, und der Diakonen: aus Alexandria Paulus, Petrus und Olympius, aus der Mareotis Ammonius, Pistus, Demetrius und Cajus.“

    65.

    Obschon nun selbst Ischyras Dieß schriftlich erklärt hatte, so verbreiteten sie gleichwohl wieder überall diese Anklage und brachten sie sogar vor den Kaiser Constantin. Dieser hatte bereits zuvor von dem Kelche in Psamathia in unserer Gegenwart vernommen und die Verleumdungssucht der Feinde verurtheilt und schrieb an den Censor Dalmatius in Antiochia, in Betreff des Mordes Untersuchung einzuleiten. Der Censor schrieb daher an mich, ich sollte zur Vertheidigung gegen die Anklage meine Vorkehrungen <s 137> treffen. Obschon ich nun Anfangs, weil ich wußte, daß sie nichts Wahres sagten, mich nicht rührte, so schrieb ich gleichwohl, da der Kaiser aufgeregt war, nach Empfang dieses Schreibens an meine Amtsgenossen in Ägypten und sendete einen Diakon hin, weil ich in Betreff des Arsenius Nachrichten einholen wollte. Denn ich hatte den Mann seit fünf bis sechs Jahren nicht gesehen. Kurz, um nicht Das alles ausführlich zu erzählen, es wurde in Erfahrung gebracht, daß Arsenius versteckt sei, Anfangs in Ägypten, später erfuhren die Unsrigen auch wieder, daß er sich in Tyrus verborgen halte. Und in seltsamer Weise gestand er nicht einmal, als man ihn gefunden hatte, daß er Arsenius sei, bis er vor dem Richterstuhl des Paulus, des damaligen Bischofs von Tyrus, überführt wurde und beschämt weiter nicht mehr läugnete. Das aber that er, weil er dem mit den Eusebianern geschlossenen Vertrage nachkam, damit nicht, wenn er gefunden war, ihre Komödie dann in Nichts zerflöße, wie es auch geschehen ist. Denn als ich an den Kaiser schrieb, daß Arsenius gefunden sei, und ihn an das erinnerte, was er in Psamathia in Betreff des Priesters Makarius gehört hatte, ließ er die richterliche Untersuchung des Censors einstellen, sprach in einem Schreiben gegen die Verleumdungssucht unserer Feinde das Verdammungsurtheil und hieß die Eusebianer, die in feindlicher Absicht gegen uns auf einer Reise nach dem Morgenlande begriffen waren, zurückkehren. Daß sie mich nun beschuldigten, als hätte ich den Arsenius getödtet, genügt es, um nicht alle von Vielen an mich gerichteten Briefen hier anzuführen, nur den des Bischofs Alexander von Thessalonich zu bringen; denn aus diesem kann man sich auch von denen der Übrigen ein Urtheil bilden. Dieser nun schrieb, da er wußte, was Archaph, der auch Johannes80 heißt, gegen uns in Betreff des Mordes verbreitet hatte, und da er Kenntniß erhalten hatte, daß Arsenius lebe, wie folgt:

    <s 138> Dem geliebten Herrn und Sohne, dem gleichgesinnten Amtsgenossen Athanasius, der Bischof Alexander Gruß im Herrn.

    66.

    [Forts. v. <s 138>] „Ich freue mich mit dem besten Sarapion, der so sehr bestrebt ist, sich mit heiligen Sitten zu schmücken, und dem Andenken des Vaters höheren Ruhm bereitet. „Denn sein Vater ist“, wie die heilige Schrift sagt, „gestorben und ist gleichsam nicht gestorben.“81 Denn er hat ein Andenken im Leben zurückgelassen. Was nun die Gesinnung betrifft, die wir gegen den des Andenkens würdigen Sohon hegten, so ist dir, o Herr, die heilige Erinnerung an ihn und die im Jüngling wohnende Bescheidenheit selbst wohl bekannt. Ich habe einen einzigen Brief durch diesen Jüngling von deiner Ehrwürdigkeit empfangen. Eben das habe ich dir also mitgetheilt, damit du, o Herr, es wissen mögest. Unser geliebter Diakon Makarius hat mir Freude bereitet, da er mir von Konstantinopel schrieb, wie sehr der Verleumder Archaph beschämt wurde, indem er von Einem, der noch lebt, überall verbreitete, daß er gemordet worden sei. Daß er aber mit dem gleichgesinnten Troß für seine anmassenden Handlungen von dem gerechten Richter den verdienten Lohn ernten wird, spricht die Schrift aus, die nicht lügt. Der Herr aller Dinge möge dich möglichst lange erhalten, o Herr, der du Allen großen Nutzen bringst.“

    67.

    Daß aber Arsenius sich deßhalb verborgen hielt, damit diese das Mährchen von seinem Tode erfinden könnten, das bezeugen die, welche mit ihm umgingen. Denn als wir nach ihm forschten, fanden wir ihn, und Pinnes schrieb an Johannes, der diese Intrigue spielte, wie folgt:

    Dem geliebten Bruder Johannes / der Priester Pimes [cor.: Pinnes] im Kloster Ptemencyrcis82 im Nomos [„Landschaft, Gegend“] Anteopolis Gruß83

    „Ich will dir zu wissen machen, daß Athanasius einen <s 139> seiner Diakonen in die Thebais gesendet hat, um Alles in Betreff des Arsenius zu erforschen. Die er nun zuerst traf, der Priester Pecysius und Silvanus, der Bruder des Elias, Tapenacerameus und der Mönch Paulus von Hypsele gestanden, daß Arsenius bei uns ist. Wir aber, als wir hievon Kenntniß erhielten, ließen ihn auf ein Schiff bringen und mit dem Mönche Elias in die unteren Gegenden schiffen. Unmittelbar hernach kam der Diakon wieder mit Einigen und verfügte sich in unser Kloster wegen des nämlichen Arsenius. Ihn selbst fanden sie nun zwar nicht, weil wir ihn, wie gesagt, nach den unteren Gegenden weiter befördert hatten. Mich aber und den Mönch Elias, der ihn übernommen hatte, brachten sie nach Alexandria und führten uns vor den Dux, und ich vermochte es nicht zu leugnen, sondern gestand es ein, daß er lebe und nicht getödtet worden sei. Das Nämliche gestand auch der Mönch, der ihn übernommen hatte. Deßhalb mache ich dir das zu wissen, Vater, damit es dir nicht in den Sinn komme, den Athanasius anzuklagen. Denn ich habe gesagt, daß er lebe und bei uns verborgen war, und Das alles ist in Ägypten bekannt, und es läßt sich nicht mehr verbergen. Der Mönch Paphnutius im nämlichen Kloster schrieb den Brief. Unter herzlichem Gruße wünsche ich dir Wohlergehen.“

    Was aber der Kaiser schrieb, als er erfuhr, daß Arsenius lebendig aufgefunden wurde, ist Folgendes:

    Der siegreiche Constantin der Größte, Durchlauchtigste, an den Vater Athanasius.

    68.

    Nachdem ich das Schreiben deiner Einsicht gelesen hatte, entschloß ich meinerseits mich dazu, deiner Standhaftigkeit zu antworten und dich zu ermahnen, du mögest das Volk Gottes zur Ordnung und zum Mitleide anzuhalten bestrebt sein. Denn das halte ich in meiner Seele als das Wichtigste fest, die Wahrheit hoch zu halten und immer im Herzen die Gerechtigkeit zu bewahren und zumeist an denen Freude zu haben, die den rechten Weg des Lebens <s 140> wandeln. In Betreff jener ganz fluchwürdigen Männer aber, der ganz verkommenen und verruchten Melitianer nämlich, die nunmehr von Verrücktheit strotzen und nur aus Mißgunst unter Lärm und Getöse unsinnige Dinge treiben und ihren lasterhaften Sinn an den Tag legen, will ich Folgendes sagen. Du siehst nämlich, daß die Männer, von denen Jene sagten, daß sie mit dem Schwerte getödtet worden seien, jetzt mitten unter uns wandeln und sich des Lebens freuen. Was könnte es da nun für ein schlimmeres Präjudiz geben, das so klar und deutlich gegen ihre Sache gerichtet ist, als daß die, von denen sie sagten, daß sie ermordet worden seien, am Leben sind und sich wohl befinden, so daß sie offenbar für sich selbst werden das Wort führen können? Es brachten aber die Melitianer unter ihren Anschuldigungen auch Folgendes vor. Sie behaupteten nämlich, du wärest mit gesetzwidriger Gewalt eingedrungen, hättest einen an der heiligsten Stätte aufbewahrten Kelch an dich gerissen und zerbrochen. Das wäre fürwahr die schwerste Beschuldigung und der größte Verstoß, wenn das wirklich so vollbracht und begangen worden wäre. Aber was ist denn das für eine Anklage? Was ist das für eine Unbeständigkeit, was für ein Hin- und Herschwanken, was für eine Ungleichheit in Betreff der That, daß sie jetzt diese Schuld einer andern Person aufbürden? Es ist daher die Sache offenbar klarer als selbst die Sonne, daß sie deiner Klugheit Nachstellungen zu bereiten suchten. Wer sollte nun da noch es mit diesen Menschen halten wollen, die so viel Nachtheiliges ausgebrütet haben, zumal sie sich selbst ins Verderben stürzen und wissen, daß sie wegen erdichteter und erlogener Thaten als Ankläger auftreten? Wer also wird sich ihnen, wie gesagt, anschließen und unaufhaltsam den Weg des Verderbens betreten, jenen nämlich, auf dem nur sie die Hoffnung auf Rettung und auf Hilfe finden zu können glauben? Denn wollten sie ein reines Gewissen suchen und an die beste Meinung denken und einen gesunden Sinn annehmen, so würden sie leicht erkennen, daß ihnen keine Hilfe von der Vorsehung in Aussicht stehe, da sie in solchen <s 141> Dingen ihren Eifer zeigen und zum eigenen Verderben Solches unternehmen. Das möchte ich nun mit Recht nicht Härte, sondern Wahrheit nennen. Zum Schluß füge ich aber noch hinzu, daß wir wollen, es möge Dieß von deiner Klugheit oft öffentlich vorgelesen werden, daß Alle davon Kenntniß erlangen und vorzugsweise die es erfahren können, welche so handeln und solche Umtriebe machen, daß das, was wir in geraden Worten sagen, der Ausdruck des wahren Sachverhaltes ist. Da also in dieser Sache so viel Ungerechtes vorkommt, so sollen sie wissen, daß ich mich dahin entschieden und diesen Vorsatz gefaßt habe, wenn sie solche Umtriebe machen, dann nicht mehr nach den Gesetzen der Kirche, sondern nach den Staatsgesetzen in eigener Person die Sache zu untersuchen. Und dann werde ich finden, daß sie nicht bloß als Räuber gegenüber dem Menschengeschlecht, sondern auch gegenüber der göttlichen Lehre selbst sich herausstellen. Gott möge dich erhalten, geliebter Bruder!“

    69.

    Damit aber noch mehr die Schlechtigkeit der Verleumder ans Licht komme, sieh da, so schrieb auch Arsenius, nachdem er in seinem Verstecke aufgefunden worden war. Wie nämlich Ischyras schriftlich die Verleumdung eingestand, so überführt auch Arsenius durch sein Schreiben sie noch mehr ihrer Bösartigkeit.

    Arsenius, Bischof der einst unter Melitius stehenden Bewohner der Stadt Hypsele, mit den Priestern und Diakonen dem seligen Vater Athanasius herzlichen Gruß im Herrn.

    „Auch wir lieben den Frieden und die Vereinigung mit der katholischen Kirche, über die du mit der Gnade Gottes gesetzt bist, und indem wir entschlossen sind, dem Kirchengesetze in der alten Weise uns unterzuordnen, schreiben wir dir, geliebter Vater, und erklären uns im Namen des Herrn bereit, nicht mehr mit denen in Gemeinschaft stehen zu wollen, die noch in der Spaltung beharren und mit der katholischen Kirche noch nicht in Frieden leben, Bischöfen, <s 142> Priestern und Diakonen, und es nicht mit ihnen zu halten, wenn sie in einer Synode Etwas erreichen wollen, weder Friedensbriefe zu senden, noch von ihnen anzunehmen, noch ohne Rücksicht auf deine Ansicht, da du der Bischof der Metropole bist, irgend eine Bestimmung über Bischöfe oder sonst über ein gemeinsames kirchliches Gesetz zu erlassen, sondern uns in alle früher aufgestellten Gesetze zu fügen wie die Bischöfe Ammonianus, Tyrannus, Plusianus und die übrigen Bischöfe. Ausserdem bitten wir deine Güte, du möchtest bald an uns schreiben, so wie auch an die Amtsgenossen in Betreff unserer Person, daß wir bereits auf dem angegebenen Punkte angelangt sind, und in Frieden mit der katholischen Kirche leben und mit den Amtsgenossen unserer Gegend in Verbindung stehen. Wir glauben aber, daß dein Gebet, da es leicht Erhörung findet, bewirken wird, daß dieser Friede fest und unauflöslich bis an das Ende dauern werde nach dem Willen Gottes des Herrn aller Dinge, durch Jesus Christus unsern Herrn. Die gesammte dir untergeordnete Priesterschaft grüßen wir mit den Unsrigen. Bald werden wir, wenn es Gott gefällt, mit deiner Güte zusammentreffen. Ich Arsenius wünsche dir Wohlergehen im Herrn für viele Jahre, seligster Vater!“

    70.

    Ein größerer und offenbarer Beweis, daß wir verleumdet worden sind, ist die Reue des Johannes. Und dafür ist Zeuge der gottesfürchtige Kaiser Constantin seligen Andenkens. Denn da er wußte, welche Anklage Johannes gegen sich selbst erhoben, und da er vom Reumüthigen einen Brief erhalten hatte, schrieb er Folgendes:

    Constantin der Größte, Durchlauchtigste, an Johannes.

    „Ganz erwünscht ist mir das von deiner Klugheit mir zugekommene Schreiben. Denn ich erfuhr daraus, was ich vorzugsweise zu erfahren wünschte, du habest alle niedrige Denkungsart abgelegt, seiest mit der Kirche, wie es sich <s 143> geziemte, in Gemeinschaft getreten und habest dich vorzugsweise mit dem ehrwürdigen Bischof Athanasius ausgesöhnt. Wisse also, daß ich dir deßhalb besonderes Lob spende, daß du jeden Zank aufgegeben und, was Gott lieb war, gethan hast, indem du die Vereinigung mit der Kirche suchtest. Damit du nun auch das erlangt zu haben glaubest, wornach du Verlangen hast, so glaubte ich dir gestatten zu müssen, ein öffentliches Fuhrwerk zu besteigen und ins Lager meiner Milde zu eilen. Deine Sache wird es also sein, nicht zu zögern, sondern da dieser Brief dir ein öffentliches Fuhrwerk zur Verfügung stellt, sogleich zu uns zu kommen, damit du dein Verlangen befriedigest und, indem du uns siehst, die entsprechende Freude genießest. Gott möge dich bewahren, geliebter Bruder!“

    71.

    Das war also der Ausgang des Intriguenspiels, und die Melitianer wurden mit Beschämung zurückgewiesen. Die Eusebianer ruhten selbst jetzt noch nicht, denn es lagen ihnen nicht die Melitianer, sondern die Arianer am Herzen, und sie fürchteten, es möchte ihnen, wenn Jene ruhten, an Schauspielern fehlen, durch die sie ihr Intriguenspiel aufführen könnten. Sie hetzen also neuerdings die Melitianer an und bewegen den Kaiser neuerdings,84 eine Synode in Tyrus zu veranstalten, und es wird der Comes Dionysius abgesendet und den Eusebianern eine Militärbedeckung gegeben. Makarius wird von Soldaten gefesselt nach Tyrus gebracht, an mich aber schreibt er und drängt mich, daß wir auch gegen unsern Willen kommen sollten. Das ganze Intriguenspiel kann man nun aus dem abnehmen, was die Bischöfe von Ägypten schrieben. Wie sie es aber von Anfang an in Bewegung setzten, davon muß man wohl reden, denn darin kann man die Bosheit und Verschlagenheit wahrnehmen, die sie gegen uns in Anwendung brachten. Es gibt in Ägypten, Libyen, der Pentapolis nahezu hundert <s 144> Bischöfe. Keiner von diesen beschuldigte uns, kein Priester erhob Klage gegen uns, kein Laie sagte etwas Nachtheiliges über uns aus, sondern es waren die von Petrus excommunicirten Melitianer und die Arianer, die sich in die Verfolgung theilten, und die Einen nahmen die Anklage, die Anderen die richterliche Entscheidung für sich in Anspruch. Wir lehnten nun die Eusebianer ab, weil sie in Folge ihrer Häresie unsere Feinde seien. Dann bewiesen wir, daß der genannte Ankläger ganz und gar kein Priester sei, auf folgende Weise. Als Melitius aufgenommen wurde, (und wäre das nur niemals geschehen!) verlangte der selige Alexander, weil er seine Verschlagenheit kannte, von ihm ein Verzeichniß der Bischöfe, die er in Ägypten zu haben vorgab, und der Priester und Diakonen in Alexandria selbst, und die er etwa im Gebiete von Alexandria hätte. Das aber that der Vater Alexander, damit Melitius sich nicht zu frei in der Kirche bewege, bei Vielen einen Kauf eingehe und täglich einschmuggle, wen es ihm beliebe. Von den ägyptischen machte er folgendes Verzeichniß.

    Verzeichniß, das Melitius dem Bischof Alexander übergeben.

    Ich Melitius in Lykopolis, Lucius in Antinoopolis, Phasileus in Hermopolis, Achilles in Cusä, Ammonius in Diospolis.

    In Ptolemais Pachymes in Tentyrä.

    In Maximianopolis Theodor in Koptus.

    In der Thebais Kales in Hermethes, Kolluthus im oberen Cynos, Pelagius in Oxyrynchus, Petrus in Herakleopolis, Theon in Nilopolis, Isaak in Letopolis, Heraklides in Nikiopolis, Isaak in Kleopatris, Melas in Arsenoites.

    In Heliopolis Amos in Leontopolis, Ision in Athribi.

    In Pharbethus Harpokration in Bubastus, Moses in Phakusä, Kallinikus in Pelusium, Eudämon in Tanis, Ephraim in Thmuis.

    In Sais Hermäon in Cynus und Busiris, Soterichos <s 145> in Sebennytus, Pininuthes in Phthenegys, Kronius in Metelis, Agathammon im alexandrinischen Gebiete.

    In Memphis Johannes, vom Kaiser dem Erzbischof85 beigegeben. Das sind die in Ägypten.86

    Die Kleriker aber, die er in Alexandria hatte, sind der Priester Apollonius, der Priester Irenäus, der Priester Dioskorus, der Priester Tyrannus.

    Diakonen: der Diakon Timotheus, der Diakon Antonius, der Diakon Hephästion und Makarius, Priester in Parembole.

    72.

    Diese übergab Melitius in ihrer persönlichen Anwesenheit dem Bischof Alexander. Von Einem, Namens Ischyras, machte er weder eine Erwähnung, noch gab er zu, daß er überhaupt in der Mareotis jemals welche gehabt habe. Gleichwohl gaben die Feinde nicht nach und der kein Priester war, wurde zu einem Priester gestempelt. Denn der Comes wendete Gewalt an, und wir wurden von Soldaten fortgeschleppt. Aber trotzdem hat die Gnade Gottes gesiegt. Denn sie überführten nicht nur den Makarius wegen des Kelches nicht, sondern auch Arsenius, von dem sie ausgebreitet, daß wir ihn getödtet hätten, zeigte sich noch am Leben und bewies, daß sie Verleumder seien. Da nun die Eusebianer den Makarius nicht überführen konnten, waren sie ungehalten, weil ihnen ihre Beute entronnen war, und sie bewogen den auf ihrer Seite stehenden Comes Dionysius, nach der Mareotis zu senden, ob sie nicht etwa gegen den Priester dort Etwas ausfindig machen könnten, oder vielmehr, um nach ihrer Abreise in unserer Abwesenheit alles Beliebige anzuzetteln. Denn das war es, was ihnen am Herzen lag. Wir sagten allerdings, daß die Relse nach der Mareotis überflüssig wäre. Sie sollten nämlich keine Ausflüchte gebrauchen, als hätten sie in dem, was sie seit langer Zeit <s 146> bei sich herumgetragen, noch Etwas zu ergänzen, und sollten keinen Aufschub suchen. Denn was sie vorbringen zu können glaubten, hätten sie vorgebracht, und nun gebrauchten sie aus Verlegenheit Ausflüchte. Oder wenn sie die Mareotis noch brauchten, so sollten sie keine verdächtigen Männer schicken. Der Comes stimmte mir in Betreff der verdächtigen Männer bei. Sie aber haben Alles eher als Dieß gethan. Denn die wir wegen der arianischen Häresie ablehnten, gingen schnell fort, Diognius, Maris, Theodor, Macedonius, Ursacius, Valens. Dann wieder ein Schreiben an den Eparchen von Ägypten und militärische Bedeckung. Das Auffallendste aber, und was den höchsten Verdacht erregen mußte, war, daß sie den angeklagten Makarius unter militärischer Bedeckung zurückließen, den Kläger aber mit sich fortnahmen. Wer erkennt nun hieraus das Intriguenspiel nicht? Wer nimmt nicht deutlich die Schlechtigkeit der Eusebianer wahr? Wenn es nämlich in der Mareotis zu einem Richterspruch kommen sollte, so hätte auch der Angeklagte abgesendet werden sollen. Wenn sie aber nicht wegen eines Richterspruches abgingen, warum nahmen sie den Kläger mit? Denn es hätte genügt, wenn er keinen Beweis führen konnte. Sie haben Dieß eben gethan, damit sie, weil sie den Priester in seiner Gegenwart nicht hatten überführen können, gegen den Abwesenden intriguiren und alles Beliebige gegen ihn in Bewegung setzen könnten. Denn auch den Priestern in Alexandria und in dessen ganzer Umgebung, die darüber ihre Mißbilligung aussprachen, daß sie allein erschienen wären, und die das Gesuch stellten, daß auch sie bei ihren Verhandlungen erscheinen dürften, — denn sie hätten, sagten sie, Kenntniß von der Sache und von den Vorgängen mit dem vielgenannten Ischyras, — gestatteten sie das nicht. Vielmehr untersuchten sie in Begleitung des abgefallenen Eparchen von Ägypten, Philagrius, und heidnischer Soldaten, was nicht einmal den Katechumenen zu schauen erlaubt war. Die Kleriker aber ließen sie nicht zu, damit sie nicht auch dort, wie in Tyrus, Leute fänden, die sie überführten.

    73.

    <s 147> Aber selbst auf diese Weise konnten sie sich nicht in der Verborgenheit halten. Denn als die Priester der Stadt und von der Mareotis ihre Ränke erfuhren, schrieben und bezeugten sie Folgendes:

    An Theognius, Maris, Macedonius,Theodor, Ursacius und Valens, die Bischöfe, die von Tyrus gekommen sind, die Priester und Diakonen der katholischen Kirche in Alexandria unter dem ehrwürdigsten Bischof Athanasius.

    Es hätte sich geziemt, daß ihr, als ihr hieher ginget und den Kläger mit euch führtet, auch den Priester Makarius mit euch gebracht hättet. Denn so werden die gerichtlichen Verhandlungen nach der heiligen Schrift eingerichtet, daß der Kläger mit dem Angeklagten erscheint. Da ihr aber weder den Makarius gebracht habt, noch unser ehrwürdigster Bischof Athanasius mit euch gekommen ist, so haben wir das Gesuch gestellt, es möchten wenigstens wir bei der gerichtlichen Verhandlung anwesend sein dürfen, damit die Untersuchung durch unsere Gegenwart an Sicherheit gewänne und auch wir uns überzeugen könnten. Da ihr aber das nicht zugegeben habt, sondern allein in Verbindung mit dem Eparchen von Ägypten und dem Ankläger thun wolltet, was euch beliebte, so bekennen wir, daß wir in der Sache einen schlimmen Verdacht schöpften und auf den Gedanken kamen, daß euere Ankunft nur auf Intrigue und Verfolgung abzielt. Deßhalb übergeben wir euch diesen Brief, der einer wahren Synode zum Zeugniß dienen soll, damit Alle erkennen, daß ihr unter einseitigem Vorgehen thatet, was euch beliebte, und daß ihr nur gegen uns intriguiren wolltet. Wir haben das gleiche Schreiben auch dem Palladius, dem Curiosus87 des Kaisers, übergeben, damit <s 148> es nicht von euch geheim gehalten werde. Denn was ihr gethan habt, läßt uns ja so Etwas von euch argwöhnen und muthmaßen.

    Ich Priester Dionysius habe Dieß übergeben. Priester Alexander, Priester Nilaras, Priester Longus, Priester Aphthonius, Priester Athanasius, Priester Amyntius, Priester Pistus, Priester Plution, Priester Dioskorus, Priester Apollonius, Priester Sarapion, Priester Ammonius, Priester Cajus, Priester Rhinus, Priester Äthales.

    Diakonen: Diakon Marcellinus, Diakon Appianus, Diakon Theon, Diakon Timotheus und ein zweiter Diakon Timotheus.

    74.

    So lautet also das Schreiben der Kleriker aus der Stadt mit ihren Namen. Der Brief aber, den die Kleriker aus der Mareotis schrieben, welche die Lebensweise des Anklägers kannten und mich auf der Rundreise begleiteten, lautet, wie folgt:

    Der heiligen Synode der seligen88 Bischöfe der katholischen Kirche alle Priester und Diakonen in der Mareotis Gruß im Herrn.

    Indem wir die Worte der Schrift kennen: „Was deine Augen sahen, das rede,“89 und: „Ein falscher Zeuge wird nicht ohne Strafe bleiben,“90 bezeugen wir, was wir gesehen haben, zumal da dieß Zeugniß die gegen den Bischof Athanasius gesponnenen Intriguen uns abnöthigten. Denn es nimmt uns Wunder, daß Ischyras überhaupt nach dem Maßstab der Kirche gemessen wurde, und davon glauben wir zuerst reden zu müssen. Ischyras ist niemals Diener der Kirche gewesen. Er nannte sich wohl vordem einen <s 149> Priester des Kolluthus, aber Niemand glaubte es ihm mit Ausnahme seiner Verwandten. Denn er hatte weder jemals eine Kirche, noch wurde er überhaupt jemals in der nächsten Umgebung seines Dorfes von Jemand als Priester angesehen, ausser, wie gesagt, von seinen Verwandten. Aber da er sich einmal diesen Namen beilegte, so wurde er auf der in Alexandria versammelten Synode in Gegenwart unsers Vaters Hosius abgesetzt und unter die Laien versetzt, und diese Stellung behielt er in der Folge bei, und man war von dem falschen Glauben an seine Priesterwürde abgekommen. Wir halten es für überflüssig, von seinen Sitten zu reden, da Jedermann von denselben sich Kenntniß verschaffen kann. Da er aber unsern Bischof Athanasius wegen der Zerbrechung eines Kelches und Tisches verleumdet hat, so sind wir genöthigt, auch hierüber euch Aufschluß zu geben. Wir haben schon im Vorhergehenden gesagt, daß er niemals in der Mareotis eine Kirche hatte. So sei auch Gott unser Zeuge, daß von unserm Bischof kein Kelch zerbrochen und kein Tisch umgestürzt wurde, noch auch von irgend einem Andern aus seiner Begleitung. Vielmehr ist Alles, was man gesagt hat, Verleumdung. Das können wir sagen, da wir in der Nähe des Bischofs waren; denn wir begleiten ihn alle, wenn er in der Mareotis eine Rundreise macht, und er macht die Rundreise niemals allein, sondern er wird von uns Priestern und Diakonen insgesammt und einer ziemlichen Anzahl von Laien begleitet. Darum können wir auch, da wir während der ganzen Rundreise, die er bei uns gemacht hat, in seiner Begleitung uns befanden, Dieß sagen und bezeugen, daß weder ein Kelch zerbrochen worden ist, noch ein Tisch umgestürzt wurde, sondern daß er in Allem lügt, wie er selbst in einem eigenhändigen Schreiben bezeugt. Denn da er, nachdem er zu den Melitianern abgefallen war und bereits diese Aussagen gegen unsern Bischof Athanasius gemacht hatte, wieder in die Kirchengemeinschaft aufgenommen werden wollte, nahmen sie ihn nicht auf, obschon er in einem eigenhändigen Schreiben eingestand, daß hievon Nichts geschehen, sondern daß <s 150> er von gewissen Leuten angestiftet worden sei, Dieß zu sagen.

    75.

    Als daher Theognius, Theodor, Maris, Macedonius, Ursacius und Valens nach der Mareotis kamen und nichts Wahres fanden, sondern die Sache ans Licht zu kommen drohte, daß sie gegen unsern Bischof Athanasius Intriguen gesponnen hätten, so ließen Theognius und seine Begleiter als Feinde seine Verwandten und einige Ariomaniten aussagen, was ihnen beliebte. Denn Niemand aus dem Volke hat sich ungünstig über den Bischof ausgesprochen, sondern sie selbst haben in Folge der Furcht vor Philagrius, dem Eparchen von Ägypten, so wie der Drohungen und des Schutzes der Ariomaniten gethan, was ihnen beliebte. Denn als wir kamen, die Verleumdung nachzuweisen, gestatteten sie uns keinen Zutritt. Vielmehr wiesen sie uns zurück; die sie aber zu ihren Ränken brauchen konnten, nahmen sie an und zogen sie durch die Furcht vor dem Eparchen Philagrius auf ihre Seite, wegen dessen sie uns nicht einmal zu erscheinen gestatteten, damit wir wenigstens die von ihnen vorgeschlagenen Zeugen hätten prüfen können, ob sie der Kirche angehören oder Ariomaniten sind. Es wißt aber auch ihr, geliebte Väter, daß ihr uns lehret, es habe das Zeugniß der Feinde keine Kraft. Daß wir aber die Wahrheit sagen, bezeugt die Handschrift des Ischyras, bezeugen die Thatsachen selbst, weil sie, während uns nicht bekannt war, daß so Etwas geschehen sei, den Philagrius mit sich nahmen, um durch die Furcht vor dem Schwerte und durch ihre Drohungen alle beliebigen Ränke zu schmieden. Dieß bezeugen wir vor Gott. Dieß sagen wir aus, indem wir wohl wissen, daß wir vor dem Richterstuhl Gottes werden erscheinen müssen, indem wir wohl alle zu euch zu kommen wünschten, uns aber mit der Absendung einer Deputation begnügen müssen. So möge denn das Schreiben die Stelle der Abwesenden vertreten.

    Ich Priester Ingenius wünsche euch Wohlergehen im Herrn, geliebte Väter, Priester Theon, Priester Ammonas, Priester Heraklius, Priester Bokko, Priester Trypho, Priester <s 151> Petrus, Priester Hierax, Priester Sarapion, Priester Markus, Priester Ptollarion, Priester Cajus, Priester Dioskorus, Priester Demetrius, Priester Thyrsus.

    Diakonen: Diakon Pistus, Diaton Apollos, Diakon Serras, Diakon Pistus, Diakon Polynikus, Diakon Ammonius, Diakon Maurus, Diakon Hephästus, Diakon Apollos, Diakon Metopas, Diakon Apollos, Diakon Serapas, Diakon Meliphthongus, Diakon Lucius, Diakon Gregoras.

    Die Nämlichen an den Curiosus und an Philagrius, der damals Eparch von Ägypten hieß.

    Dem Flavius Philagrius und Flavius Palladius, dem Ducenarius Palatinus, dem Curiosus,91 dem Flavius Antonius, dem Proviantmeister, dem Centenarius meiner Herrn, der erlauchtesten Eparchen des heiligen Prätoriums, übergeben wir Dieß von den Priestern und Diakonen in der Mareotis, einem Nomos der katholischen Kirche, die unter dem ehrwürdigsten Bischof Athanasius steht, und geben Zeugniß durch die beigefügten Unterschriften.

    76.

    Theognius, Maris, Macedonius, Theodor, Ursacius uud Valens, als Abgesandte sämmtlicher in Tyrus versammelten Bischöfe, kamen in unsere Diöcese und sagten, sie hätten Auftrag erhalten, gewisse kirchliche Angelegenheiten zu untersuchen, wobei sie auch von einem zerbrochenen Kelche des Herrn sprachen, von dem ihnen Ischyras Mittheliung gemacht hatte, den sie mit sich führten, der sich für einen Priester ausgibt, aber kein Priester ist. Denn er wurde von dem Priester Kolluthus geweiht, der sich die bischöfliche Würde anmaßte und später von der gemeinsamen Synode des Hosius und der mit ihm vereinigten Bischöfe wieder in die Stellung eines Priesters versetzt wurde, wie er es zuvor <s 152> war. Dem zufolge wurden alle von Kolluthus Geweihten wieder in den nämlichen Rang versetzt, den sie zuvor eingenommen hatten, so daß auch Ischyras wieder als Laie galt. Und die Kirche, die er zu haben vorgibt, war nie eine Kirche, sondern ein kleines Wohnhaus eines Waisenknaben, Namens Ision. Und deßhalb nun legen wir dieses Zeugniß ab und beschwören dich bei dem allmächtigen Gotte und bei unsern Gebietern, dem Kaiser Constantin und seinen Söhnen, den erlauchtesten Cäsaren, daß du eben Dieß ihrer Frömmigkeit zu wissen machest. Denn er ist weder ein Priester der katholischen Kirche, noch hat er eine Kirche, noch wurde jemals ein Kelch zerbrochen, sondern Das alles lügt und erfindet er. Unter dem Consulate des Julius Constantius, des erlauchtesten Patriciers, des Bruders des gottesfürchtigen Kaisers Constantin Augustus, und des Rufinus Albinus, der erlauchtesten Männer, am zehnten Thoth (7. Sept.). So viel die Priester.

    77.

    Was aber die Bischöfe, die mit uns nach Tyrus gegangen waren, als sie ihre Ränke und Anschläge wahrnahmen, schrieben und bezeugten, ist Folgendes:

    Den in Tyrus versammelten Bischöfen, den hochgeehrten Herren, die Bischöfe der katholischen Kirche, die aus Ägypten mit Athanasius gekommen sind, Gruß im Herrn.

    Wir glauben, daß die von Eusebius, Theognius, Maris, Narcissus, Theodor und Patrophilus gegen uns geschmiedeten Ränke nicht mehr unbekannt seien. Denn schon Anfangs protestirten wir insgesammt durch unsern Amtsgenossen Athanasius dagegen, daß in ihrer Gegenwart das Verhör stattfinde. Denn wir wußten, daß die Gegenwart eines einzigen Feindes, geschweige denn die Gegenwart vieler, das Verhör verwirren und beeinflussen könne. Auch ihr selbst kennt nun ihre Feindschaft, die sie nicht nur auf uns, sondern auf alle Rechtgläubigen geworfen haben, da sie wegen der Wuth des Arius und wegen seiner gottlosen Lehre auf <s 153> Alle losstürzen und gegen Alle Ränke schmieden. Da wir aber im Vertrauen auf die Wahrheit die von den Melitianern gegen die Kirche geschmiedeten Ränke nachweisen wollten, so wissen wir nicht, warum die Eusebianer gegen unsere Aussagen Wirren zu stiften suchten und sich gar sehr bemühten, unsere Aussagen sich vom Halse zu schaffen, indem sie den redlichen Richtern drohten, Andere mißhandelten, nur um an uns ihre Absicht zu erreichen; und vielleicht kannte, hochgeehrte Herren, euere gottergebene Gewissenhaftigkeit die von ihnen geschmiedeten Ränke nicht. Jetzt aber, glauben wir, sind sie ans Licht gekommen. Denn sieh, deutlich haben sie selbst ihre Ränke verrathen. Denn sie wollten aus ihrer Mitte verdächtige Männer nach der Mareotis schicken, um, während wir abwesend waren und hier zurückblieben, das Volk in Verwirrung zu bringen und alles Beliebige durchzusetzen. Denn sie sahen, daß die Ariomaniten, Kolluthianer und Melitianer Feinde der katholischen Kirche sind. Deßhalb drangen sie darauf, daß diese abgesendet würden, damit sie, wenn die Feinde anwesend wären, alles Beliebige gegen uns anzetteln könnten. Denn die hiesigen Melitianer sendeten Einige aus ihrer Mitte ab, und vor vier Tagen ließen sie, da sie wußten, daß diese Untersuchung vor sich gehen würde, Abends berittene Couriere abgehen, um Melitianer aus Ägypten nach der Mareotis zu bringen, weil sich daselbst kein einziger befand, sowie Kolluthianer und Ariomaniten aus andern Gegenden, und sie aufzufordern, gegen uns Ränke zu schmieden. Denn auch euch ist ja bekannt, daß Ichyras selbst in euerer Gegenwart eingestand, daß nur sieben Personen mit ihm Gemeinschaft hätten. Da wir also, nachdem sie alles Beliebige angeordnet und verdächtige Leute abgesendet hatten, vernahmen, daß sie zu Jedem von euch kommen und zur Unterschrift auffordern, damit es den Anschein gewinne, als wäre es nach eurem einstimmigen Beschluß geschehen, so fühlten wir uns deßhalb gedrängt, an euch zu schreiben und euch dieses Zeugnlß zu übergeben. Wir bezeugen also, daß sie gegen uns intriguiren, und daß wir von ihnen und durch sie <s 154> Verfolgung zu leiden haben, und wir bitten euch, daß ihr, indem ihr die Furcht Gottes im Auge behaltet und erwäget, daß sie ohne uns schickten, welche ihnen beliebten, nicht unterschreibet, damit sie nicht vorgeben, als ob das, was sie auf eigene Faust anspinnen, von euch ausgehe. Denn für Christen geziemt es sich, nicht auf das Menschliche zu schauen und die Wahrheit Allem vorzuziehen. Fürchtet daher weder eine Drohung, wie sie solche gegen Alle ausstoßen, noch eine Intrigue, sondern vielmehr Gott. Denn wenn es überhaupt angezeigt gewesen wäre, Gesandte in die Mareotis zu schicken, so hätten auch wir dabei sein sollen, um die Feinde der Kirche zu überführen und die Fremden zu bezeichnen, damit eine gewissenhafte Untersuchung der Sache geführt worden wäre. Denn ihr wißt, daß die Eusebianer in Taschenspielermanier einen Brief übergeben ließen, wie wenn er von den Kolluthianern, Melitianern und Arianern käme, der gegen uns geschrieben war, und es ist offenbar, daß gerade die Feinde der katholischen Kirche über uns nichts Wahres, sondern Alles zu unserm Nachtheil aussagen. Das Gesetz Gottes aber will weder, daß ein Feind Zeuge, noch daß er Richter sei. Im Übrigen nehmt dieses Zeugniß hin im Bewußtsein, daß ihr am Tage des Gerichtes Rechenschaft geben werdet, und indem ihr die gegen uns geschmiedeten Ränke merket, nehmt euch in Acht, auch wenn ihr aufgefordert werdet, Etwas gegen uns zu thun und die Pläne der Eusebianer zu unterstützen. Denn ihr wißt ja, wie gesagt, daß sie unsere Feinde sind, und warum Eusebius von Cäsarea im vorigen Jahre unser Feind geworden ist. Wir wünschen euch Wohlergehen, heißgeliebte Herren!

    An Flavius Dionysius, den erlauchtesten Comes, die Bischöfe der katholischen Kirche in Ägypten, die nach Tyrus gekommen sind.92

    78.

    Wir glauben, daß die von Eusebius, Theognius, <s 155> Maris, Narcissus, Theodor und Patrophilus gegen uns geschmiedeten Ränke nicht mehr unbekannt seien. Denn schon Anfangs protestirten wir insgesammt durch unsern Amtsgenossen Athanasius dagegen, daß in ihrer Gegenwart das Verhör stattfinde. Denn wir wußten, daß auch die Anwesenheit eines einzigen Feindes, geschweige denn vieler, das Verhör verwirren und beeinflussen könne. Denn offenkundig ist ihre Feindschaft, die sie nicht nur auf uns, sondern auf alle Rechtgläubigen geworfen haben, da sie auf Alle losstürzen und gegen Alle Ränke schmieden. Da wir aber im Vertrauen auf die Wahrheit die von den Melitianern gegen die Kirche geschmiedeten Ränke nachweisen wollen, so wissen wir nicht, warum die Eusebianer gegen unsere Aussagen Wirren zu stiften suchten und sich gar sehr bemühten, unsere Aussagen sich vom Halse zu schaffen, indem sie den redlichen Richtern drohten, andere mißhandelten, nur um an uns ihre Absicht zu erreichen; und vielleicht kannte deine Güte die gegen uns geschmiedeten Ränke nicht. Jetzt aber, glauben wir, sind sie ans Licht gekommen. Denn sieh, deutlich haben sie selbst ihre Ränke verrathen. Denn sie wollten aus ihrer Mitte verdächtige Männer nach der Mareotis schicken, um, während wir abwesend waren und hier zurückblieben, das Volk in Verwirrung zu bringen und alles Beliebige durchzusetzen. Denn da sie wußten, daß die Ariomaniten, Kolluthianer und Melitianer Feinde der Kirche sind, so drangen sie deßhalb darauf, daß diese abgesendet würden, damit sie, wenn die Feinde anwesend wären, alles Beliebige gegen uns anzetteln könnten. Denn die hiesigen Melitianer sendeten bereits Einige aus ihrer Mitte ab, und vor vier Tagen ließen sie, da sie wußten, daß diese Untersuchung vor sich gehen würde, Abends zwei berittene Couriere abgehen, um Melitianer aus Ägypten nach der Mareotis zu bringen, weil sich daselbst kein einziger befand, sowie Kolluthianer und Ariomaniten aus andern Gegenden, und sie aufzufordern, gegen uns Ränke zu schmieden. Es ist ja deiner Güte bekannt, daß er selbst in deiner Gegenwart eingestand, daß nur sieben Personen mit ihm Gemeinschaft <s 156> hätten. Da wir also, nachdem sie alles Beliebige angeordnet und verdächtige Leute abgesendet hatten, vernahmen, daß sie zu jedem einzelnen Bischof kommen und zur Unterschrift auffordern, damit es den Anschein gewinne, als wäre es nach ihrem einstimmigen Beschluß geschehen, so fühlten wir uns deßhalb gedrängt, an deine Durchlaucht (λαμπρότητα [lamprotēta]) uns zu wenden und dir dieses Zeugniß zu übergeben. Wir bezeugen also, daß sie gegen uns intriguiren, und daß wir von ihnen und durch sie Verfolgung zu leiden haben, und wir bitten dich, daß du, indem du die Furcht Gottes und die frommen Aufträge des gottesfürchtigsten Kaisers vor Augen hast, in Erwägung, daß sie ohne uns schickten, welche es ihnen zu schicken beliebte, ihnen nicht willfahrest.

    Ich Bischof Adamantius habe es übergeben. Ischyras, Ammon, Petrus, Ammonian, Tyrannus, Taurinus, Sarapammon, Ailurion, Harpokration, Moses, Optatus, Anubion, Saprion, Apollonius, Ischyrion, Arbäthion, Potamon, Paphnutius, Heraklides, Theodor, Agathammon, Cajus, Pistus, Athas, Nikon, Pelagius, Theon, Paninuthus, Nonnus, Ariston, Theodorus, Irenäus, Blastammon, Philippus, Apollos, Dioskorus, Timotheus von Diospolis, Makarius, Heraklammon, Kronius, Muis, Jakobus, Ariston, Artemidor, Phinees, Psais, Heraklides.

    Und noch einmal die Nämlichen.

    An Flavius Dionysius, den erlauchtesten Comes, die aus Ägypten nach Tyrus gekommenen Bischöfe der katholischen Kirche.

    79.

    Da wir sehen, daß viele Ränke und Verfolgungen gegen uns im Gange sind, und zwar auf Anstiften des Eusebius, Narcissus, Flacillus, Theognius, Maris, Theodor, Patrophilus, die wir Anfangs ablehnen wollten, aber nicht durchdrangen, so sehen wir uns genöthigt, vorliegenden Protest einzulegen. Denn wir sehen, daß zu Gunsten der Melitianer Vieles in Bewegung gesetzt und die katholische <s 157> Kirche in Ägypten unsertwegen verfolgt werde. Deßhalb übergeben wir dir diesen Brief und bitten dich, du mögest den allmächtigen Gott vor Augen haben, der die Herrschaft des frömmsten und gottesfürchtigsten Kaisers Constantin aufrecht hält, und die Vernehmung unserer Sache dem gottesfürchtigsten Kaiser selbst vorbehalten. Denn es ist naturgemäß, daß du, da du der Abgesandte seiner kaiserlichen Macht bist, wenn wir an seine Gottesfurcht appelliren, die Sache ihm vorbehältst. Denn die Ränke und Verfolgungen der genannten Eusebianer werden uns unerträglich, und deßhalb bitten wir, es möge die Sache dem gottesfürchtigsten und frömmsten Kaiser vorbehalten werden, bei dem wir unser und der Kirche Recht auseinandersetzen können. Denn wir vertrauen, daß seine Gottesfurcht, wenn sie uns vernimmt, uns nicht verurtheilen wird. Daher beschwören wir dich nochmals bei dem allmächtigen Gotte, sowie bei dem gottesfürchtigsten Kaiser, der noch viele Jahre hindurch siegreich und gesund leben möge mit den Söhnen seiner Gottesfurcht, du mögest weiter Nichts thun und dir nicht erlauben, in der Synode in unserer Angelegenheit Etwas zu unternehmen, sondern die Vernehmung seiner Gottesfurcht vorbehalten. Das Nämliche haben wir meinen Herrn,93 den rechtgläubigen Bischöfen, mitgetheilt.

    80.

    Als Alexander, Bischof von Thessalonich, Dieß erfuhr, schrieb er Folgendes an den Comes Dionysius:

    An meinen Herrn Dionysius Alexander, Bischof.

    Ich sehe deutlich, daß gegen Athanasius Ränke geschmiedet worden sind. Denn es beliebte ihnen in unbegreiflicher Weise, Alle, welche er ablehnte, abzusenden, ohne uns auch nur eine Mittheilung zu machen. Denn es war beschlossen worden, gemeinsam zu berathen, welche abgesendet <s 158> werden sollen. Ertheile also den Rath, daß keine Unbesonnenheit begangen werde, — denn sie sind in großer Aufregung zu mir gekommen und sagten, die wilden Thiere seien schon voll Feuer und in Begriff auf sie loszugehen, weil nämlich das Gerücht zu ihnen gedrungen war, daß Johannes Einige abgesendet habe, — und daß sie nicht im Voraus alle beliebigen Intriguen spielen. Denn du weißt, daß sowohl die Kolluthianer als auch die Arianer und Melitianer Feinde der Kirche sind und, wenn diese alle miteinander übereinstimmen, sie der Kirche große Übel zufügen können. Erwäge also, was nützlich ist, damit kein Unglück geschehe und uns nicht die Beschuldigung treffe, als hätten wir nicht gerecht gerichtet. Jene hat man vorzugsweise in Verdacht, sie möchten durch die Kirchen, deren Bischöfe hier sind, ihren Weg nehmen, sie in Schrecken setzen und ganz Ägypten verwirren, da sie den Melitianern ergeben sind. Denn sie sehen Das größtentheils jetzt schon vor sich gehen.

    Darauf richtete der Comes Dionysius an die Eusebianer folgendes Schreiben:

    81.

    Das war es, worüber ich mit meinem Herrn Flacillus sprach, daß Athanasius Beschwerde führte und sagte, daß die abgesendet würden, die er abgelehnt habe, und über erlittenes Unrecht und Rechtsverkümmerung schrie. Das hat mir auch Alexander, der Herr meiner Seele, geschrieben, und damit ihr einsehet, daß das, was mir von seiner Güte geschrieben wurde, vernünftig sei, habe ich es beigelegt, damit ihr es lesen könnet. Denn ihr erinnert euch dessen, was ich früher schrieb. Ich schrieb nämlich an euere Güte, o Herren, daß die Abgesandten nach gemeinsamem Urtheil und Beschluß abgesendet werden sollen. Seht also zu, daß das, was geschieht, keine Schuld mit sich führe, und daß wir denen, die uns anschuldigen wollen, keine Veranlassung zu gerechtem Tadel geben. Denn wie der Partei der Kläger nicht wehe geschehen soll, so auch nicht der der Angeklagten. Ich glaube aber, daß es keine geringe Veranlassung zum Tadel gegen uns sei, wenn es den Anschein gewinnt, daß mein Herr Alexander mit dem, was vorgeht, nicht übereinstimmt.

    82.

    <s 159> Als Dieß in dieser Weise vor sich ging, zogen wir uns von ihnen zurück als vor einer Synode der Abtrünnigen.94 Denn sie thaten, was sie wollten. Daß aber das, was unter einseitigem Vorgehen geschieht, keine Kraft hat, ist Jedermann bekannt. Denn Dieß befiehlt das göttliche Gesetz, das verlangte auch der selige Apostel, der, als er eine ähnliche Verfolgung erlitt, vor dem Richter sagte: „Es hätten die Juden aus Asien vor dir erscheinen und Klage stellen sollen, wenn sie Etwas vorzubringen hatten,“95 bei welcher Gelegenheit auch Festus, als die Juden eine ähnliche Verfolgung bereiten wollten, wie diese jetzt gegen mich unternommen haben, sagte: „Es ist nicht Sitte bei den Römern, aus Gefälligkeit einen Menschen auszuliefern, bevor die Ankläger dem Angeklagten vorgeführt wurden und er Gelegenheit fand, sich gegen die Anklage zu vertheidigen.“96 Aber die Eusebianer erkühnten sich, auch das Gesetz zu umgehen, und haben die Ungerechten an Ungerechtigkeit übertroffen. Denn sie handelten von Anfang an nicht für sich allein. Als sie aber in unserer Gegenwart Nichts ausrichten konnten, da gingen sie endlich wie die Juden fort und hielten für sich allein Rath, um uns zu verderben und der Häresie Eingang zu verschaffen, wie jene den Barabbas losbaten. Denn daß sie deßwegen Das alles gethan haben, haben sie selbst zugestanden.

    83.

    Und wenn das auch zur vollständigen Rechtfertigung genügt, so fällt es, um ihre Bosheit und die Freiheit der Wahrheit noch mehr zu beweisen, gleichwohl nicht lästig, ferners in Erinnerung zu bringen und zu zeigen, daß sie in Widerspruch mit sich selbst handelten und, indem sie im Dunkel rathschlagten, auf ihre eigenen Leute stießen und, indem sie uns tödten wollten, gleich Rasenden sich selbst verwundeten. Denn als sie wegen der Geheimnisse nachforschten, wendeten sie sich an Juden und fragten bei Katechumenen: Wo waret ihr, als Makarius kam und den Tisch umstürzte? <s 160> Und diese antworteten: Wir waren drinnen. Es fand also kein Opfer statt, wenn die Katechumenen drinnen waren. Da sie ferner überallhin geschrieben hatten, daß Makarius, während der Priester stand und opferte, gekommen sei und Alles umgestürzt habe, fragten sie, welche es ihnen zu fragen beliebte: Wo war Ischyras, als Makarius erschien? Und diese erwiderten, daß er in einer Kammer krank darnieder lag. Es stand also der nicht, welcher lag, und es opferte der nicht, der in einer Kammer krank darniederlag. Da ausserdem Ischyras sagte, es seien von Makarius Bücher verbrannt worden, behaupteten die beigebrachten Zeugen, daß nichts Solches geschehen sei, sondern daß Ischyras lüge. Und sonderbar, obschon sie wieder überallhin geschrieben hatten, wir hätten die, welche Zeugniß ablegen konnten, auf die Seite geschafft, stellten sie an dieselben vor aller Welt Fragen und schämten sich nicht, wenn sie sahen, daß von allen Seiten an den Tag trete, daß sie Verleumder seien und Das alles für sich allein ins Werk setzten, wie es ihnen beliebte. Denn sie winkten den Zeugen, der Eparch drohte, die Soldaten führten Hiebe, der Herr aber enthüllte die Wahrheit und bewies, daß sie Verleumder seien. Deßhalb hielten sie auch die Akten geheim, und da sie selbst in deren Besitz waren, befahlen sie den Schreibern, sie zu verstecken und ganz und gar Niemandem mitzutheilen. Aber sie gingen auch hierin irre. Denn der sie schrieb, ist Rufus, der jetzige Speculator in Augustaliane,97 und er kann Zeugniß geben. Die Eusebianer aber schickten sie durch die Ihrigen nach Rom, und der Bischof Julius schickte sie mir zu. Und sie geberden sich jetzt wie Wahnsinnige, daß in den Besitz dessen, was sie geheim halten wollten, wir gelangten und es lasen.

    84.

    Indem sie Dieß und Ähnliches trieben, verriethen sie auch bald die Ursache, warum sie das thaten. Denn sie gingen fort und führten die Arianer mit sich nach <s 161> Jerusalem und nahmen sie dort in die Gemeinschaft auf, indem sie in Betreff derselben einen Brief schrieben, von dem ein Theil von Anfang an also lautet

    Die heilige Synode, die in Jerusalem durch die Gnade Gottes versammelt ist, der Kirche Gottes in Alexandria und den Bischöfen, Priestern und Diakonen in ganz Ägypten, Thebais, Libyen, Pentapolis und auf dem ganzen Erdkreis Gruß im Herrn.

    „Uns allen, die wir aus den verschiedenen Eparchieen an dem nämlichen Orte zur großen Festversammlung uns eingefunden haben, die wir zur Einweihung des Martyriums des Heilandes,98 das durch den Eifer des gottesfürchtigen Kaisers Constantin dem König der Welt, Gott und seinem Gesalbten, errichtet worden ist, veranstaltet haben, hat die Gnade Gottes große Freude bereitet. Der gottesfürchtigste Kaiser Canstantin selbst aber mahnte uns durch ein persönliches Schreiben, was wir zu thun hätten, indem er aus der Kirche Gottes jede Mißgunst verscheuchen und allen Neid weit weg verbannen wollte, durch den die Glieder Gottes früher getrennt waren, daß wir nämlich mit einfältigem und friedfertigem Herzen die Arianer aufnehmen sollten, die seit einiger Zeit die gegen das Gute feindselige Mißgunst aus der Kirche ausgeschlossen hielt. Der gottesfürchtige Kaiser bezeugte den Männern durch seinen Brief ihre Rechtgläubigkeit, die er auf gestellte Frage durch ihr lebendiges Wort mit eigenen Ohren vernahm, ihr seinen Beifall gab und uns von derselben überzeugte. Denn er fügte das rechte <s 162> Gaubensbekenntniß der Männer schriftlich seinem Briefe an.“

    85.

    Wer sieht nicht, wenn er Dieß vernimmt, ihre Ränke? Denn sie verbergen nicht, was sie gethan haben, oder gestehen vielmehr gegen ihren Willen die Wahrheit ein. Denn wenn ich es war, der den Arianern den Eintritt verweigerte, und sie Aufnahme fanden, als ich unter ihren Ränken zu leiden hatte, worauf anders geht das hinaus, als daß das ihretwegen99 geschehen ist und sie ihretwegen Alles gegen uns thaten, und daß sie sowohl die Zerbrechung des Kelches als auch die Ermordung des Arsenius erdichtet haben, um nur der Gottlosigkeit Eingang in der Kirche zu verschaffen und nicht für Häretiker zu gelten? Denn das war es, was der Kaiser auch früher mir in einem Drohbriefe schrieb.100 Und sie schämten sich nicht, das zu schreiben und zu behaupten, daß die die richtige Ansicht hätten, welche die ganze ökumenische Synode mit dem Anathem belegte. Und sie scheuten sich nicht, eine so große Synode, so weit es von ihnen abhing, in einer Winkelsynode kraftlos zu machen, sie, die leichthin Alles sagen und thun. Und der Lohn der Verleumdung zeigt noch mehr ihre Niedertracht und gottlose Absicht. Die Mareotis ist, wie bereits gesagt, eine alexandrinische Landschaft. Es war noch niemals in dieser Landschaft ein Bischof, noch ein Landbischof,101 sondern dem Bischof von Alexandria sind die Kirchen des ganzen Landes unterworfen. Die einzelnen Priester haben die eigenen großen Dörfer, der Zahl nach wohl zehn und darüber.102 Das Dorf aber, wo Ischyras seinen Wohnsitz hat, ist ganz klein und hat eine geringe Einwohnerzahl, so zwar, daß es <s 163> dort keine Kirche gab, sondern im nächstgelegenen Dorfe. Und obschon er in diesem Dorfe nicht einmal Priester war, so beschloßen sie dennoch, gegen die alte Überlieferung ihn Bischof zu nennen, indem sie wohl selbst es für unpassend hielten, aber durch das Versprechen für die Verleumdung genöthigt sich gleichwohl auch dazu verstanden, damit nicht jener Erzbösewicht wegen erlittenen Undanks die Wahrheit aussagte und die Bosheit der Eusebianer verriethe. Es ist ausgemacht, daß er weder eine Kirche hat noch Laien ihm anhängen, sondern er vielmehr von Allen wie ein Hund verfolgt wird. Dessenungeachtet haben sie den Kaiser bewogen, an den Katholikus zu schreiben (denn es ist ihnen Alles erlaubt), es möge ihm eine Kirche verschafft werden, damit er im Besitze einer solchen Glauben fände, wenn er von einem Kelche und Altare sprach. Denn sie ließen ihn sogleich auch Bischof nennen, weil es, wenn er keine Kirche hatte und gar nicht einmal Priester war, deutlich hervorgetreten wäre, daß er ein Verleumder sei und Alles erfinde. Gewiß hilft ihm, da das Volk und selbst die Seinigen sich ihm nicht anschließen, wie der leere Name so auch der folgende Brief Nichts, den er zum Beweise für seine und der Eusebianer ganz verkehrte Richtung vorzeigt.

    Brief des Katholikus.

    Flavius Hemerius dem Exactor in der Mareotis Gruß.

    Da der Priester Ischyras die Gottesfurcht unserer durchlauchtigsten Herren und Kaiser gebeten hat, es möge ihm an der Stelle des Friedens des Sekontarurus eine Kirche gebaut werden, so befahl ihre göttliche Würde, es möge das möglichst schnell geschehen. Sei also darauf bedacht, wenn du die Abschrift des göttlichen Schreibens, das mit der gebührenden Verehrung an erster Stelle niedergelegt ist, sowie die unter meiner geheiligten Auktorität aufgenommenen Aktenstücke empfangen hast, sie schnell zu copiren und im <s 164> Archiv zu hinterlegen, damit der von göttlicher Seite gekommene Auftrag seine Erledigung finden könne.“

    86.

    In dieser Weise nun gingen Jene listig zu Werke und schmiedeten Ränke. Wir aber gingen zum Kaiser und entdeckten ihm die Ungerechtigkeiten der Eusebianer, da ja auch er es war, der die Abhaltung der Synode angeordnet hatte, und sein Comes dieselbe leitete. Da nun dieser mich vernommen hatte, ging es ihm zu Herzen, und er schrieb Folgendes:

    Der siegreiche Constantin, der Größte, Erlauchteste, an die in Tyrus versammelten Bischöfe.

    „Ich weiß nicht, was für Dinge von euerer Synode unter Lärm und Geräusch entschieden worden sind. Es scheint aber wohl durch eine gewisse geräuschvolle Unordnung die Wahrheit verkehrt worden zu sein, da ihr offenbar wegen eueres Haders mit eueren Nächsten, in dem ihr unerschütterlich beharren wollt, nicht auf das schauet, was Gott gefällt. Aber es wird ein Werk der göttlichen Vorsehung sein, die Übel solcher Zwietracht handgreiflich nachzuweisen und zu beseitigen und uns augenscheinlich zu beweisen, ob ihr bei euerer dortigen Versammlung auf die Wahrheit irgend eine Rücksicht genommen und ob ihr euere Entscheidungen ohne irgend welche Gunst und Feindschaft getroffen habt. Deßhalb will ich, daß ihr alle vor meiner Gottesfurcht schnell euch einstellet, damit ihr persönlich über euere Thaten genaue Rechenschaft gebet. Warum ich aber für gut fand, Dieß an euch zu schreiben, und euch schriftlich zu mir vorlade, werdet ihr aus Folgendem ersehen. Als ich nämlich in der nach uns genannten hochbeglückten Vaterstadt Konstantinopel mich herumtrieb, — ich befand mich aber damals zu Pferde, — da begegnete mir plötzlich mitten auf der Gasse Bischof Athanasius mit einigen Andern, die ihn begleiteten, und zwar so unvermuthet, daß ich davon nicht wenig überrascht war. Gott ist mein Zeuge, der Alles sieht, <s 165> daß ich auf den ersten Anblick nicht einmal zu erkennen vermocht hätte, wer er sei, wenn nicht Einige von den Unsrigen auf unsere Anfrage, wie es zu geschehen pflegt, uns gemeldet hätten, wer er sei, und welche Ungerechtigkeit er erlitten habe. Ich unterredete mich nun in jenem Zeitpunkte weder mit ihm, noch trat ich mit ihm in irgend einen Verkehr. Als er aber um Audienz bat, wies ich ihn ab und war nahe daran, seine Entfernung zu befehlen. Da bat er mit größerem Freimuth, es möge ihm von uns weiter Nichts gewährt werden, als euere Ankunft, damit er in euerer Gegenwart über Das Beschwerde erheben könnte, was er habe erdulden müssen. Da mir das vernünftig und zweckdienlich zu sein schien, so ließ ich bereitwillig Dieß an euch schreiben, damit ihr alle, die ihr bei der in Tyrus gehaltenen Synode versammelt waret, unverzüglich ins Lager meiner Milde euch verfüget, um aus den Thaten selbst die Gewissenhaftigkeit und Unbestechlichkeit bei euerem Richterspruche zu beweisen, in meiner Gegenwart nämlich, da wohl auch ihr nicht in Abrede stellen dürftet, daß ich ein wahrer Diener Gottes bin. Es wird daher durch meine Gottesverehrung überall Friede gestiftet und selbst bei den Barbaren der Name Gottes in geeigneter Weise gepriesen, die bisher die Wahrheit nicht kannten. Offenbar aber kennt der, dem die Wahrheit unbekannt ist, auch Gott nicht. Es haben aber auch, wie gesagt, jetzt durch mich, den wahren Diener Gottes, die Barbaren Gott kennen und verehren gelernt, da sie an den Thaten selbst wahrnahmen, daß er überall für mich kämpfe und sorge. Dadurch ist ihnen zumeist Gott bekannt geworden, den sie aus Furcht vor uns verehren. Wir aber, die wir die heiligen Geheimnisse seiner Güte an uns zu tragen scheinen, denn ich möchte nicht sagen, daß wir sie bewahren, wir, sage ich, thun Nichts, als was auf Zwietracht und Haß abzielt und, um es gerade herauszusagen, auf den Untergang des menschlichen Geschlechtes hinarbeitet. Beeilet euch also, wie gesagt, und kommt alle möglichst schnell zu uns. Ihr könnt überzeugt sein, daß ich meine ganze Kraft einsetzen werde, um es dahin zu bringen, daß im Gesetze Gottes <s 166> vorzugsweise das unversehrt erhalten bleibe, was weder einem Tadel noch einem üblen Rufe je ausgesetzt sein kann, wenn nämlich die Feinde des Gesetzes beseitigt, von Grund aus zermalmt und ganz und gar vernichtet sind, die unter dem Scheine des heiligen Namens mannigfaltige und verschiedene Lästerungen vorbringen.“

    87.

    [Forts. v. <s 166>] Die Eusebianer, die hievon in Kenntniß gesetzt wurden, und die nebenbei wußten, was sie gethan hatten, hielten die übrigen Bischöfe von der Reise ab, und nur solche von ihrer Partei, nämlich Eusebius, Theognius, Patrophilus, ein zweiter Eusebius, Ursacius und Valens reisten hin und sprachen nicht mehr von einem Kelche und von Arsenius, denn sie hatten hiezu nicht mehr den Muth. Dagegen erfanden sie eine andere Anklage, die den Kaiser berührte. Sie sagten nämlich dem Kaiser selbst: Athanasius drohte, das Getreide, das von Alexandria nach deiner Vaterstadt gesendet wird, aufhalten zu wollen. Das vernahmen die anwesenden Bischöfe Adamantus, Anubion, Agathammon, Arbethion und Petrus. Auch die Erbitterung des Kaisers bestätigte es. Denn er, der den angeführten Brief geschrieben und ihrer Ungerechtigkeit das Urtheil gesprochen hatte, gerieth, als er diese Verleumdung vernahm, sogleich in Zorn und sendete uns, statt uns zu vernehmen, nach Gallien. Aber auch das beweist noch mehr ihre Schlechtigkeit. Denn der selige Constantin der Jüngere schrieb, als er uns in die Heimath sendete und an das Schreiben seines Vaters sich erinnerte, gleichfalls folgenden Brief.

    Kaiser Constantin an das Volk der katholischen Kirche in der Stadt Alexandria.

    „Ich glaube nicht, daß es euerer heiligen Einsicht unbekannt geblieben ist, daß Athanasius, der Verkünder des anbetungswürdigen Gesetzes, deßhalb auf eine Zeit lang nach Gallien gesendet worden sei, damit er, da von der Grausamkeit seiner blutgierigen und erbitterten Feinde seinem heiligen Haupte Gefahr drohte, nicht von der Verkehrtheit <s 167> der Bösewichte Unsägliches zu leiden hätte. Um nun dieser auszuweichen, wurde er dem Rachen der ihn bedrängenden Männer entrissen und ihm der Auftrag ertheilt, im Gebiete meiner Herrschaft sich aufzuhalten, so daß er in dieser Stadt, in der er lebte, an allem Nöthigen Überfluß hatte, wenn auch seine rühmliche Tugend im Vertrauen auf den göttlichen Beistand die Schläge eines harten Schicksals für Nichts achtet. Wenn nun schon unser Herr, der durchlauchtigste Constantin, mein Vater, entschlossen war, aus Rücksicht für euere geliebteste Gottesfurcht den nämlichen Bischof dem ihm zugehörigem Sitze zurückzugeben, so hielt ich es in gleicher Weise für entsprechend, da er vom menschlichen Loose vorher ereilt wurde und vor Erfüllung seines Wunsches zur Ruhe einging, das Vorhaben des Kaisers göttlichen Andenkens als Erbschaft zu übernehmen und auszuführen. Wenn ihr ihn nun wieder seht, werdet ihr erkennen, welche Ehrfurcht ich ihm zollte. Denn es ist nicht zu verwundern, wenn ich für ihn Etwas gethan habe. Denn meine Seele wurde durch die Vorstellung euerer Sehnsucht und durch die Erscheinung eines so großen Mannes hiezu bewogen und veranlaßt. Die göttliche Vorsehung möge euch bewahren, geliebte Brüder! Gegeben in Trier am fünfzehnten vor den Kalenden des Juli (17. Juni).“

    88.

    Da wir also aus diesem Grunde nach Gallien gesendet wurden, wer erkennt nicht wieder die Gesinnung des Kaisers und die Blutgier der Eusebianer, und daß der Kaiser Dieß gethan hat, damit sie nicht noch mehr Ränke schmiedeten? Er gab ihnen nämlich einfach nach. So also verfuhren die Eusebianer, solche Hebel setzten sie gegen uns in Bewegung. Wer möchte, wenn er Dieß wahrnimmt, nicht sagen, daß Nichts für uns aus Gunst geschehen sei, sondern daß mit Fug und Recht eine so große Menge von Bischöfen einzeln und in Gesammtheit Solches zu unserer Vertheidigung geschrieben und die Ränkesucht der Feinde verurtheilt hat? Wer sollte, wenn er Solches erwägt, nicht zugeben, daß Ursacius und Valens mit Recht sich das Urtheil sprachen und aus Reue Solches zu ihrer <s 168> Verurtheilung schrieben, indem sie lieber auf kurze Zeit beschämt werden als ewig die Strafe der Verleumder leiden wollten?

    89.

    Deßhalb nun handelten auch unsere seligen Amtsgenossen regelrecht und in kirchlichem Geiste, als Einige unsere Sache für zweifelhaft erklärten und die günstige Entscheidung in unserer Sache gewaltsam wieder umzustoßen suchten, wenn sie da lieber Alles dulden wollten und es vorzogen in die Verbannung zu gehen, als die Entscheidungen so vieler Bischöfe umgestoßen zu sehen. Wenn nun denen gegenüber, welche gegen uns zu Rathe gingen und, was zu unsern Gunsten entschieden war, wieder umstoßen wollten, die wahren Bischöfe bei bloßen Worten stehen geblieben wären, oder wenn es die nächstbesten Männer gewesen wären und nicht die Bischöfe von hervorragenden Städten und die Häupter von so großen Kirchen, so könnte man argwöhnen, daß sie wieder aus Gunst handelten und auch jetzt von Parteigeist sich leiten ließen. Da sie aber nicht nur durch Gründe zu überzeugen suchten, sondern auch die Verbannung sich gefallen ließen, und da Liberius, der Bischof von Rom, sich darunter befindet, — denn wenn er auch nicht bis an sein Ende die Trübsal der Verbannung zu ertragen hatte, so mußte er doch, da er die gegen uns geschmiedeten Ränke wohl kannte, zwei Jahre an einem andern Wohnsitz leben, — und da sich darunter der große Hosius mit denen von Italien, Gallien, und andern von Spanien, von Ägypten, Libyen und sämmtlichen aus der Pentapolis befindet, — denn wenn er auch einige Zeit, weil er die Drohungen des Constantius fürchtete, ihnen nicht zu widersprechen schien, so beweisen doch der große Zwang und die tyrannische Gewalt des Constantius, sowie die zahlreichen Mißhandlungen und Schläge, daß er nicht, weil er uns für schuldig hielt, sondern wegen Altersschwäche, weil er die Schläge nicht ertragen konnte, ihnen auf einige Zeit nachgab, — so ist es um so mehr gerechtfertigt, daß Alle hievon überzeugt die Ungerechtigkeit und die an uns verübte Gewaltthat hassen und verabscheuen, zumal da feststeht, daß <s 169> wir aus keinem andern Grunde als wegen der arianischen Gottlosigkeit Dieß erduldet haben.

    90.

    Wenn also Jemand in unserer Sache, sowie über die Ränkesucht der Eusebianer sich Aufschluß verschaffen will, so möge er lesen, was zu unserer Vertheidigung geschrieben wurde, und es mögen ihm nicht einer oder zwei oder drei, sondern eine so große Menge Bischöfe als Zeugen dienen. Zu Zeugen hievon möge er ferner den Liberius und Hosius mit ihren Anhängern nehmen, welche, da sie sahen, was gegen uns geschah, lieber Alles erduldeten, als daß sie der Wahrheit und der günstigen Entscheidung in unserer Sache untreu wurden. Und das haben sie in guter und heiliger Absicht gethan. Denn was Diese gelitten, zeigt den Zwang, den auch die übrigen Bischöfe gelitten haben, und es dient als Denkmal und zur Brandmarkung der arianischen Häresie und der Bosheit der Verleumder, zugleich als Richtschnur und Vorbild für die Nachkommen, für die Wahrheit bis in den Tod zu kämpfen, die arianische Häresie als christusfeindlich und als Vorläuferin des Antichrist zu verabscheuen und denen keinen Glauben zu schenken, die gegen uns zu sprechen suchen. Denn ein glaubwürdiges und hinlängliches Zeugniß ist es, daß so viele treffliche Bischöfe uns in Schutz genommen und zu unsern Gunsten gestimmt haben.

    @book{Athanasius,

    title={Des hl. Athanasius Schutzschrift gegen die Arianer (Apologia contra Arianos [seu Apologia secunda]) },

    author={Athanasius}}

    31.

    Auch das glaube ich euch mittheilen zu müssen, daß Athanasius versicherte, Makarius sei in Tyrus unter einer Bewachung von Soldaten geblieben, und nur der Ankläger sei mit denen, die nach der Mareotis gingen, abgegangen, den Priestern, die bei der Untersuchung anwesend zu sein wünschten, sei Dieß nicht gestattet worden, die Untersuchung über den Kelch und Tisch habe stattgefunden vor dem Eparchen und seiner Mannschaft in Gegenwart von Heiden und Juden. Das kam mir Anfangs unglaublich vor, wenn es nicht aus dem Beweismaterial hervorgegangen wäre, und das erregte unser Staunen und wird auch, glaube ich, euer Staunen erregen, Geliebte! Den Priestern wird die Anwesenheit nicht gestattet, die doch die Diener der Geheimnisse sind, aber vor einem auswärtigen Richter, in Gegenwart von Katechumenen, und was das Schlimmste ist, vor Heiden und Juden, die in Bezug auf ihre Stellung zum Christenthum nicht wohl angeschrieben sind, findet eine Untersuchung über des Blut Christi und den Leib Christi statt. Denn wäre überhaupt irgend ein Verbrechen vorgekommen, so hätten solche Dinge in der Kirche von Klerikern in gesetzlicher Weise untersucht werden sollen, und nicht von Heiden, die das Wort verabscheuen und die Wahrheit nicht kennen. Ich glaube, daß es euch und Allen einleuchten werde, was das für ein großer und schwerer Verstoß ist. So viel von Athanasius.

    32.

    In Betreff des Marcellus54 aber, da ihr auch von ihm schreibt, als ob er gegen Christus gottlos sei, will ich euch mittheilen, daß er, als er hier war, betheuerte, es sei das, <s 93> was ihr über ihn geschrieben habt, nicht wahr. Als wir gleichwohl ihn aufforderten, über den Glauben sich auszusprechen, da sprach er selbst mit solcher Unbefangenheit sich aus, daß wir erkannten, daß er nur die Wahrheit bekenne. Denn er bekannte, in Bezug auf unsern Herrn und Heiland Jesus Christus so gottesfürchtig zu denken, wie die katholische Kirche denkt, und er betheuerte, nicht bloß jetzt, sondern von jeher so zu denken. (Ebenso gaben unsere Priester, die einst auf der Synode zu Nicäa gewesen waren,55 seiner Rechtgläubigkeit Zeugniß.) Er versicherte nämlich, sowohl damals als auch jetzt mit der Häresie der Arianer nicht in Übereinstimmung gewesen zu sein. (Deßhalb muß ich auch euch ermahnen, daß Niemand eine solche Häresie aufnehme, sondern als abweichend von der gesunden Lehre verabscheue.) Da er also richtig denkt und ihm seine Rechtgläubigkeit bezeugt wird, was hätten wir auch mit ihm wieder anfangen sollen, als daß wir ihn, wie wir thaten, als einen Bischof betrachteten und ihn nicht aus unserer Gemeinschaft ausschloßen? Das nun habe ich geschrieben, nicht um sie zu vertheidigen, sondern damit ihr euch überzeuget, daß wir nach Recht und Gesetz die Männer aufnahmen, und daß ihr ohne Grund hadert. Ihr aber müßt bestrebt sein und euch in jeder Weise bemühen, daß das, was gegen das Gesetz geschehen ist, wieder recht gemacht werde, die Kirchen Frieden haben, damit der uns verliehene Friede des Herrn von Dauer sei, die Kirchen nicht gespalten werden und euch nicht der Vorwurf treffe, als wäret ihr Urheber der Spaltung. Denn ich gestehe euch zu, daß das Geschehene nicht eine Veranlassung des Friedens, sondern der Spaltung ist.

    33.

    Denn nicht nur die Bischöfe Athanasius und Marcellus haben sich hieher begeben und Klage erhoben, daß ihnen Unrecht geschehen sei, sondern auch sehr viele andere Bischöfe aus Thracien, Cölesyrien, Phönicien, Palästina, <s 94> und viele Priester theils von Alexandria, theils aus andern Gegenden kamen hieher zur Synode und beschwerten sich vor allen versammelten Bischöfen ausser Anderm, was sie vorbrachten, auch darüber, daß den Kirchen Gewalt und Ungerechtigkeit widerfahren, und erhärteten, daß Ähnliches, wie in Alexandria vorgefallen, auch ihren und andern Kirchen begegnet sei, nicht bloß mit Worten sondern auch durch Thatsachen. Auch aus Ägypten und Alexandria kamen neuerdings wieder Priester mit Briefen und klagten, daß viele Bischöfe und Priester, die zur Synode hätten kommen wollen, daran mit Gewalt verhindert worden seien. Sie behaupteten nämlich, daß auch jetzt noch trotz der Abreise des Bischofs Athanasius Bischöfe, die Bekenner waren, mit Schlägen mißhandelt, andere ins Gefängniß geworfen, und sogar schon alte, die schon überaus lange Zeit die bischöfliche Würde inne hätten, in die öffentlichen Steinbrüche geschickt und fast alle Kleriker und Laien der katholischen Kirche bedrängt und verfolgt würden. Ferner sagten sie, daß einige Bischöfe und einige Brüder aus keinem andern Grunde verbannt worden seien, als weil man sie gegen ihren Willen zwingen wollte, mit Gregor und seinen Arianern in Gemeinschaft zu treten. Auch daß zu Ancyra in Galatien Vieles geschehen und das Nämliche, was in Alexandria geschah, hörten wir nicht nur von Andern, sondern es wurde uns auch von Bischof Marcellus bezeugt. Ausserdem haben die, welche ankamen, gegen Einige von euch, um nicht ihre Namen zu nennen, so große und schreckliche Anklagen erhoben, daß ich es nicht über mich bringen konnte, sie niederzuschreiben. Aber vielleicht habt ihr sie von Andern vernommen. Denn deßhalb habe ich euch zumeist in meinem Schreiben eingeladen zu kommen, damit ihr anwesend es vernähmet und Alles wieder recht gemacht und geheilt werden könnte. Aus diesem Grunde hätten die Eingeladenen bereitwilliger kommen und nicht ablehnen sollen, damit sie sonst, wenn sie nicht kämen, nicht wegen ihrer Behauptungen in Verdacht geriethen, als könnten sie nicht beweisen, was sie geschrieben haben.

    34.

    Da also Dieß in dieser Weise hinterbracht wurde <s 95> und in dieser Weise die Kirchen litten und verfolgt wurden, wie die Boten versicherten, wer hat das Feuer der Zwietracht angefacht? Wir, die wir hierüber Schmerz empfinden und mit den leidenden Brüdern Mitleid fühlen, oder die, welche Solches gethan haben? Denn ich wundere mich, wie ihr, obschon dort eine so großartige Verwirrung in jeder Kirche war, daß wegen derselben die, welche kamen, hieher gegangen sind, dennoch schreiben konntet, daß in den Kirchen Eintracht geherrscht habe. So Etwas geschieht aber nicht zur Erbauung der Kirche, sondern zu ihrer Vernichtung, und die hierüber sich freuen, sind nicht Söhne des Friedens, sondern der Verwirrung. Unser Gott aber ist nicht ein Gott der Verwirrung, sondern des Friedens. Deßhalb, Gott und der Vater unsers Herrn Jesus Christus weiß es, weil ich für euern Ruf besorgt war und wünschte, daß in den Kirchen nicht Verwirrung herrsche, sondern daß sie in der Weise fortbeständen, wie sie von den Aposteln eingerichtet wurden, erachtete ich es für nöthig, Dieß an euch zu schreiben, damit ihr endlich einmal die verabscheut, welche durch ihre gegenseitige Gehässigkeit die Kirchen in einen solchen Zustand versetzen. Denn ich vernehme, daß einige Wenige an Allem die Schuld tragen. Bestrebet euch als Solche, die ein mitleidiges Herz haben, wie schon gesagt, das, was gegen die Kirchengesetze gefehlt wurde, wieder recht zu machen, damit, wenn auch Etwas im Voraus übersehen wurde, Dieß durch euern Eifer geheilt werde. Schreibet nicht: Du hast die Gemeinschaft mit Marcellus und Athanasius der unsrigen vorgezogen. Denn das sind nicht Kundgebungen des Friedens, sondern des Zankes und Bruderhasses. Deßhalb habe ich ja auch das Vorhergehende geschrieben, damit ihr euch überzeuget, daß wir sie nicht mit Unrecht aufgenommen haben, und ihr einmal diesem Gezänke ein Ende macht. Denn wäret ihr gekommen, und wären sie, falls sie keine gründlichen Beweise für sich hätten vorbringen können, verurtheilt worden, so hättet ihr so Etwas mit Recht geschrieben.56 Da wir <s 96> aber, wie gesagt, in gesetzmäßiger und nicht in ungerechter Weise mit ihnen in Gemeinschaft traten, so bitte ich euch um Christi willen, lasset die Glieder Christi nicht zerreissen und laßt euch nicht von Vorurtheilen einnehmen, sondern ziehet den Frieden des Herrn vor. Denn es ist nicht erlaubt und nicht gerecht, wegen der Engherzigkeit Einiger die, welche nicht verurtheilt worden sind, von sich zu weisen und dadurch den Geist zu betrüben. Glaubt ihr aber, daß ihr gegen sie einen Beweis führen und sie offen überführen könnt, so sollen die kommen, welche es wollen. Denn sie selbst erklärten sich bereit, das, worüber sie uns Mittheilung machten, darzulegen und zu beweisen.

    35.

    Benachrichtigt uns also hierüber, Geliebte, damit wir sowohl an Jene als auch an die Bischöfe schreiben, die wieder zusammenkommen sollen, damit in Gegenwart Aller die Schuldigen verurtheilt werden und nicht mehr Verwirrung in den Kirchen herrsche. Denn es genügt das Geschehene. Es genügt, daß in Gegenwart von Bischöfen Bischöfe verbannt wurden. Darum soll man hierüber auch nicht viele Worte machen, damit es nicht scheine, als wollte man denen, welche damals anwesend waren, nahe treten. Denn wenn man die Wahrheit sagen soll, so hätte man es nicht so weit treiben und hätte die Engherzigkeit nicht so weit gehen sollen. Doch sei es so! Athanasius und Marcellus sind, wie ihr schreibt, aus ihren Sitzen entfernt worden. Was soll man von den Übrigen sagen, über die, wie gesagt, aus verschiedenen Gegenden hieher gekommenen Bischöfe und Priester? Denn auch sie sagten wieder, daß sie fortgeschleppt worden seien und Solches erduldet hätten. O Geliebte, nicht mehr in Übereinstimmung mit dem Evangelium, sondern zum Zwecke der Verbannung und Hinrichtung werden nunmehr die gerichtlichen Untersuchungen in der Kirche veranstaltet! Denn wenn sie überhaupt, wie ihr sagt, Etwas verbrochen haben, so hätte nach dem Kirchengesetze und nicht in solcher Weise das Urtheil gefällt werden sollen. Es hätte an uns Alle geschrieben werden sollen, damit dann von Allen über das Recht entschieden worden wäre. <s 97> Denn Bischöfe waren es, die duldeten, und nicht die nächstbesten Kirchen duldeten, sondern die, an deren Spitze die Apostel selbst persönlich gestanden waren.57 Warum wurde uns aber gerade über die alexandrinische Kirche nicht geschrieben? Oder ist euch unbekannt, daß es Sitte war, zuerst an uns zu schreiben und dann von hier aus über das Recht entscheiden zu lassen? Wenn also gegen den dortigen Bischof ein solcher Verdacht bestand, so hätte an die hiesige Kirche geschrieben werden sollen. Nun aber verlangen die, welche uns keine Einsicht gestattet haben und selbst willkürlich verfahren sind, gar von uns, daß wir mit ihnen stimmen, die wir an der Untersuchung nicht Theil genommen haben. Nicht so lauten die Vorschriften des Paulus, nicht so die Überlieferung der Väter. Eine andere Gestalt ist das und eine neue Einrichtung. Ich bitte, tragt es gerne, es trägt zum gemeinen Besten bei, was ich schreibe. Denn was wir vom seligen Apostel Petrus überkommen haben, das theile ich euch mit, und ich würde es nicht geschrieben haben, da ich glaube, daß es Allen bekannt sei, hätte uns das Vorgefallene nicht bestürzt gemacht. Bischöfe werden weggeschleppt und vertrieben. Andere von einer andern Gegend werden dafür aufgestellt, und andere werden verfolgt, so daß sie wegen der fortgeschleppten trauern, wegen der gesendeten aber Zwang erleiden, damit sie die, welche sie wollen, nicht suchen, die sie aber nicht wollen, aufnehmen. Ich bitte euch, daß Solches nicht mehr geschehen möge. Schreibet vielmehr gegen die, welche so Etwas unternehmen, damit den Kirchen nichts Solches mehr begegne, noch ein Bischof oder Priester Mißhandlung erdulde, oder Jemand, wie sie uns mittheilten, genöthigt werde, gegen seinen Willen Etwas zu thun, damit wir nicht den Heiden zum Gespötte dienen, und vor Allem, damit wir Gott nicht erzürnen. Denn Jeder <s 98> von uns wird am Tage des Gerichtes Rechenschaft ablegen müssen über das, was er hier gethan hat. Möchten aber Alle in ihrer Gesinnung mit Gott übereinstimmen, damit die Kirchen ihre Bischöfe wieder erhalten und sich beständig in Christus Jesus unserm Herrn freuen, durch den dem Vater die Herrlichkeit sei von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Ich wünsche, daß es euch wohl ergehe im Herrn, geliebte und heißersehnte Brüder!

    36.

    Das hatte die Synode in Rom durch Julius, den Bischof in Rom, geschrieben. Als nun die Eusebianer wieder unverschämt waren und die Kirchen in Verwirrung setzten und Viele verfolgten, so ließen die gottesfürchtigen Kaiser Constantius und Constans, als sie hievon Kenntniß erhalten hatten, an die Bischöfe des Abendlandes und Morgenlandes die Aufforderung ergehen, sich in der Stadt Sardica zu versammeln. Eusebius war nun inzwischen gestorben. Als daher von allen Seiten sehr Viele zusammengekommen waren, so forderten wir die Anhänger des Eusebius vor Gericht. Sie aber, da ihnen ihre Thaten vor Augen schwebten, und da sie ihre Ankläger erscheinen sahen, fürchteten den Richterspruch. Denn da Alle ohne Begleitung kamen, führten sie wieder zwei Comites mit sich, den Musonianus und den Hesychius Castresius, um nach ihrer Gewohnheit mit Hilfe ihrer Macht durchzusetzen, was sie wollten. Als aber die Synode ohne Comites gehalten wurde und kein Soldat zu derselben Zutritt erhielt, da erschracken sie, weil sie von ihrem Gewissen gefoltert wurden. Denn nicht mehr, wie ihnen beliebte, wurde über sie Gericht gehalten, sondern wie die Wahrheit es verlangte. Wir luden sie nun oft vor und die Synode der Bischöfe lud sie vor und sagte: Ihr seid gekommen, um gerichtet zu werden; warum also, nachdem ihr gekommen seid, macht ihr Anstände? Denn ihr hättet entweder nicht kommen oder, nachdem ihr gekommen seid, euch nicht entziehen sollen. Denn dadurch sprechet ihr euch am meisten das Urtheil. Sehet, es ist Athanasius da mit seinen Anhängern, die ihr in ihrer Abwesenheit anklagtet, damit ihr sie, wenn <s 99> ihr Etwas gegen sie zu haben glaubt, in ihrer Gegenwart überführet. Könnt ihr das aber nicht und stellt ihr euch, als ob ihr es nicht wolltet, so seid ihr offenkundige Intriguanten, und es wird euch von der Synode dieser Urtheilsspruch zu Theil werden. Da, als sie das hörten und ihr Unrecht nicht in Abrede stellen konnten, — denn sie wußten, was sie gethan und gegen uns erdichtet hatten — scheuten sie sich zu kommen und verriethen ihre vielen schändlichen Intriguen gegen uns. Die heilige Synode mißbilligte also ihr ungeziemendes und verdächtiges Wegbleiben und ließ uns zur Vertheidigung zu. Und als wir mit Zeugen und Beweisen darlegten, was gegen uns geschehen war, da wurden sie mit Staunen erfüllt, und Alle erkannten, daß sie deßhalb mit Recht die Synode fürchteten, um nicht offen überführt zu werden. Und sie sagten: Vielleicht kamen sie in der Voraussetzung vom Morgenlande, daß Athanasius und seine Anhänger nicht erscheinen würden, weil sie die Flucht ergreifen, sobald sie sehen, daß sie ihrer Sache vertrauen und auf richterliche Entscheidung dringen. Uns also nahmen sie auf als Solche, denen Unrecht zugefügt worden, und die ohne Grund angeklagt wurden, und bekräftigten noch mehr die Gemeinschaft und das Liebesverhältniß mit uns. Die Theilnehmer an der Bosheit des Eusebius aber, die sich besonders anmaßend gezeigt hatten, verurtheilten sie: den Theodor von Heraklea, den Narcissus von Neronias, den Acacius von Cäsarea, den Stephanus von Antiochia, den Ursacius und Valens von Pannonien, den Menophantus von Ephesus, den Georgius von Laodicea, und sie schrieben an alle Bischöfe des Erdkreises und an die Diöcese eines Jeden der Gekränkten Folgendes.

    Sendschreiben der in Sardica versammelten Synode.

    Die heilige Synode, die durch Gottes Gnade in Sardica versammelt ist, aus Rom, Spanien, Gallien, Italien, Campanien, Calabrien, Apulien, Afrika, Sardinien, <s 100> Pannonien, Mysien, Dacien, Noricum, Siscien, Dardanien, dem zweiten Dacien, Macedonien, Thessalien, Achaia, Epirus, Thracien, Rhodope, Palästina, Arabien, Kreta, Ägypten, den Priestern, Diakonen und der ganzen heiligen Kirche Gottes, die in Alexandria ihren Sitz hat, den geliebten Brüdern, Gruß im Herrn!

    37.

    Auch bevor wir das Schreiben eurer Frömmigkeit empfingen, war uns nicht unbekannt, sondern wir wußten sehr wohl, daß die Häupter der verrufenen Häresie der Arianer viele schreckliche Dinge wohl mehr zum Verderben ihrer Seele als zum Nachtheil der Kirche unternahmen. Denn darin bestand ihre Kunst und Verschlagenheit, und diesen todbringenden Vorsatz haben sie beständig in sich getragen, daß sie sich bemühten, Alle, welche wo nur immer dem rechten Glauben angehören und sich an die von den Vätern ihnen überlieferte Lehre der katholischen Kirche halten, zu vertreiben und zu verfolgen. Denn gegen die Einen erhoben sie erdichtete Beschuldigungen, Andere schickten sie in die Verbannung, wieder Andere suchten sie durch die verhängten Strafen aufzureiben. Gewiß waren sie auch bestrebt, der Unschuld unseres Bruders und Mitbischofes Athanasius mit Gewalt und Tyrannei beizukommen, und deßhalb ist ihr Richterspruch weder sorgfältig noch zuverlässig noch überhaupt gerecht gewesen. Weil sie also deßhalb weder ein Vertrauen auf ihre Possenspiele setzten noch auf das, was sie gegen ihn ausbreiteten, sondern vielmehr sahen, daß sie hiefür keine richtigen Beweise führen könnten, wenn sie in der Stadt Sardica wären, so wollten sie zur Synode aller heiligen Bischöfe nicht kommen. Daraus ergibt sich deutlich, daß die Entscheidung unseres Bruders und Mitbischofs Julius gerecht war. Denn nicht unüberlegt hat er den Ausspruch gethan, sondern unter Anwendung großer Sorgfalt entschieden, so daß wir nicht das geringste Bedenken haben konnten, mit unserm Bruder Athanasius in Gemeinschaft zu treten. Denn er hatte achtzig Bischöfe als zuverlässige Zeugen. Auch darin handelte er <s 101> nach dem Rechte, daß er mit Hilfe seiner Priester, unserer geliebten Brüder, und auf schriftlichem Wege mit den Eusebianern verhandelte, die sich nicht auf eine richterliche Entscheidung, sondern vielmehr auf Gewalt verließen. Deßhalb befestigten alle Bischöfe von allen Seiten ihre Gemeinschaft mit Athanasius wegen seiner Unschuld. Auch den folgenden Umstand möge euere Liebe beherzigen. Als er zur heiligen in Sardica versammelten Synode gekommen war, da richteten wir, wie gesagt, schriftlich und ungeschriebene Mahnungen an die Orientalen und luden sie ein, zu erscheinen. Jene aber begannen, weil ihr Gewissen sie verurtheilte, unter ungeziemenden Vorwänden die richterliche Untersuchung abzulehnen. Denn sie verlangten, wir sollten den Unschuldigen gleich einem Schuldigen aus unserer Gemeinschaft ausschließen, ohne zu bedenken, wie ungeziemend, ja geradezu unmöglich das war. Auch von dem in der Mareotis aufgenommenen Beweismaterial stand fest, daß es von ganz verworfenen und verkommenen jungen Leuten, denen man nicht den niedrigsten Grad im Klerus hätte anvertrauen mögen, einseitig gesammelt worden war. Denn weder unser Bruder, Bischof Athanasius, noch der von ihnen angeklagte Priester Makarius waren zugegen. Zudem war ihre Frageweise oder vielmehr ihr Zuflüstern voll von jeder Schmach. Denn es wurden theils Heiden theils Katechumenen gefragt, nicht, damit sie sagten, was sie wußten, sondern damit sie logen, was ihnen von denselben beigebracht worden war. Denn von euch Priestern, die ihr wegen der Abwesenheit eueres Bischofs die Sorge auf euch nahmet und bei der Untersuchung zugegen sein, die Wahrheit beweisen und die Lüge widerlegen wolltet, ist keine Erwähnung geschehen. Denn sie duldeten euere Anwesenheit nicht, sondern trieben sogar unter Hohn euch fort. Obschon zumeist auch hieraus das Intriguengewebe Allen klar war, so fanden wir gleichwohl, als die Untersuchungsakten vorgelesen wurden, daß Ischyras, der Erzbösewicht, der zum Lohn für seine Verleumdung von ihnen den leeren Namen eines Bischofs erhielt, selbst bewies, daß er ein Verleumder sei. <s 102> Denn Ischyras selbst plaudert in diesen Akten aus, daß er gerade zur Zeit, da nach seiner Versicherung Makarius in seine Kammer kam, krank darnieder lag. Und dennoch wagten die Eusebianer zu schreiben, daß Ischyras damals stand und opferte, als Makarius erschien.

    38.

    Auch jene Intrigue und Verleumdung wurde Allen offenbar, welcher sie ferner sich gegen ihn bedienten. Sie sagten nämlich und schlugen Lärm, Athanasius habe einen Mord vollbracht und einen gewissen Arsenius, einen melitianischen Bischof, getödtet. Darüber stießen sie wie Schauspieler verstellte Seufzer aus und vergoßen falsche Thränen und verlangten, es solle der Leichnam des Gemordeten herausgegeben werden, da er doch am Leben war. Aber es waren ihre Schliche nicht unbekannt. Denn Alle wußten, daß der Mann lebe und unter den Lebenden zu finden sei. Und als sie, die zu Allem schnell bereit waren, sahen, daß diese ihre Lügen entdeckt werden würden, — denn der lebende Arsenius selbst bewies, daß er nicht gemordet und nicht todt sei, — so ruhten sie dessen ungeachtet nicht, sondern ersannen neue Ränke zu den frühern Ränken, um mit neuen Kunstgriffen den Mann zu verleumden. Wozu führte nun das, Geliebte? Unser Bruder Athanasius ließ sich nicht aus der Fassung bringen, sondern mit festem Vertrauen forderte er sie auch deßhalb in die Schranken, und wir baten sie und munterten sie auf, sie möchten zur Untersuchung kommen und, wenn sie könnten, den Beweis führen. O große Anmassung, o schrecklicher Übermuth, oder vielmehr, wenn man die Wahrheit sagen soll, o schlechtes und schuldiges Gewissen! Denn das ist Allen klar geworden. Deßhalb, geliebte Brüder, erinnern und ermahnen wir euch, vor Allem am rechten Glauben der katholischen Kirche fest zu halten. Denn ihr habt viel Schreckliches und Hartes gelitten, und die katholische Kirche duldete viel Schmach und Ungerechtigkeit; „aber wer ausharrt bis ans Ende, wird gerettet werden.“58 Wenn sie es also wagen sollten, <s 103> noch Etwas gegen euch zu thun, so soll die Trübsal euch Freude machen. Denn solche Leiden sind ein theilweises Martyrium, und diese euere Bekenntnisse und Qualen sind nicht ohne Lohn, sondern ihr werdet von Gott den Kampfpreis erhalten. Kämpfet deßhalb vorzugsweise für den gesunden Glauben und für die Unschuld eueres Bischofs, unseres Amtsgenossen Athanasius. Denn auch wir schwiegen nicht und waren nicht unbesorgt, um euch der Sorgen zu überheben. Vielmehr trugen wir Sorge und haben gethan, was die Liebe fordert. Denn wir tragen Mitleid mit unsern leidenden Brüdern und halten ihre Leiden für die unsrigen.

    39.

    Deßhalb wendeten wir uns an die frommen und gottesfürchtigen Kaiser und baten sie, sie möchten in ihrer Menschenfreundlichkeit befehlen, daß die, welche noch von Leiden bedrängt würden, frei gelassen werden sollten, und möchten den Auftrag geben, daß keiner der Richter, die bloß für die Angelegenheiten des Staates zu sorgen haben, weder Kleriker richte noch überhaupt ferners unter dem Vorwande der Kirchen Etwas gegen die Brüder unternehme, damit Jeder, ohne irgend eine Verfolgung, ohne eine Gewaltthat oder Übervortheilung zu erleiden, nach Wunsch und Willen lebe und in Ruhe und Frieden dem katholischen und apostolischen Glauben sich hingebe. Gregorius aber, von dem man sagt, daß er widerrechtlich von den Häretikern eingesetzt und von ihnen in euere Stadt gesendet wurde, davon möge euere Eintracht Kenntniß nehmen, ist durch den Richterspruch der ganzen heiligen Synode abgesetzt worden, oder besser gesagt, er ist überhaupt niemals als Bischof betrachtet worden. Freuet euch also, daß ihr euern Bischof Athanasius wieder zurückerhaltet. Denn deßhalb haben wir ihn in Frieden entlassen. Deßhalb ermahnen wir Alle, die entweder aus Furcht oder durch die Umtriebe gewisser Leute veranlaßt mit Gregorius in Gemeinschaft getreten sind, sie mögen auf unsere Ermunterung, Ermahnung und unser Zureden die abscheuliche <s 104> Gemeinschaft mit ihm aufgeben und nunmehr mit der katholischen Kirche in Verbindung treten.

    40.

    [Forts. v. <s 104>] Da wir aber erfahren haben, daß Apthonius, Athanasius, der Sohn des Capito, Paulus und Plution, unsere Mitpriester, gleichfalls von den Eusebianern mit Intriguen verfolgt wurden, so daß die Einen in der Verbannung schmachteten, die Andern den Drohungen des Todes sich durch die Flucht entzogen, so erachteten wir es deßhalb für nothwendig, auch hierüber euch aufzuklären, damit ihr erkennet, daß wir auch Diese aufnahmen und als unschuldig freisprachen, indem wir wußten, daß Alles, was von den Eusebianern gegen die Rechtgläubigen geschah, denen zur Ehre und Empfehlung gereiche, gegen die ihre Intriguen gerichtet waren. Es hätte wohl nun eurem Bischof, unserm Amtsgenossen Athanasius, geziemt, hierüber als über seine Angelegenheiten euch als die Seinigen zu benachrichtigen. Da er aber, um ein gewichtigeres Zeugniß zu bringen, wünschte, daß die heilige Synode euch schreiben möchte, so zögerten wir deßhalb nicht, sondern beeilten uns, euch zu verständigen, damit auch ihr, wie wir, sie aufnehmet. Denn auch sie verdienen Lob, weil sie gleichfalls wegen ihrer Frömmigkeit gegen Christus gewürdigt wurden, von den Häretikern Schmach zu leiden. Was aber von der heiligen Synode gegen die Häupter der arianischen Häresie beschlossen wurde, welche gegen euch und gegen die übrigen Kirchen gefehlt haben, werdet ihr aus dem erkennen, was wir beigelegt haben. Denn wir senden es euch, damit ihr auch daraus erkennet, daß die katholische Kirche es nicht gleichgiltig hinnimmt, wenn Jemand gegen sie fehlt.

    Die heilige Synode, die durch Gottes Gnade in Sardica versammelt ist, den Bischöfen in Ägypten und Libyen, den gellebten Amtsgenossen und Brüdern, Gruß im Herrn!59

    41.

    <s 105> Auch bevor wir das Schreiben euerer Frömmigkeit empfingen, war uns nicht unbekannt, sondern wir wußten sehr wohl, daß die Häupter der verrufenen Häresie der Arianer viele schreckliche Dinge wohl mehr zum Verderben ihrer Seele als zum Nachtheil der Kirche unternahmen. Denn darin bestand ihre Kunst und ihre Verschlagenheit, diesen todbringenden Vorsatz haben sie stets in sich getragen, daß sie sich bemühten, Alle, welche wo nur immer dem katholischen Glauben angehören und sich an die von den Vätern ihnen überlieferte Lehre der katholischen Kirche halten, zu vertreiben und zu verfolgen. Denn gegen die Einen erhoben sie erdichtete Beschuldigungen, Andere schickten sie in die Verbannung, wieder Andere suchten sie durch die verhängten Strafen aufzureiben. Gewiß waren sie auch bestrebt, der Unschuld unseres Bruders und Mitbischofs Athanasius mit Gewalt und Tyrannei beizukommen, und deßhalb ist ihr Richterspruch weder sorgfältig noch zuverlässig noch überhaupt gerecht gewesen. Weil sie also deßhalb weder ein Vertrauen auf ihre Possenspiele setzten, noch auf das, was sie gegen ihn ausbreiteten, sondern vielmehr sahen, daß sie hiefür keine richtigen Beweise führen könnten, wenn sie in der Stadt Sardica wären, so wollten sie zur Synode aller heiligen Bischöfe nicht kommen. Daraus ergibt sich deutlich, daß die Entscheidung unsers Bruders und Mitbischofs Julius gerecht war. Denn nicht unüberlegt hat er den Ausspruch gethan, sondern unter Anwendung großer Sorgfalt entschieden, so daß wir nicht das geringste Bedenken haben konnten, mit unserm Bruder Athanasius in Gemeinschaft zu treten. Denn er hatte achtzig Bischöfe als zuverlässige Zeugen. Auch darin handelte er nach dem Rechte, daß er mit Hilfe seiner Priester, unserer geliebten Brüder, und auf schriftlichem Wege mit den Eusebianern verhandelte, die sich nicht auf eine richterliche Entscheidung, sondern vielmehr auf Gewalt verließen. Deßhalb befestigten alle Bischöfe von allen Seiten ihre Gemeinschaft mit Athanasius wegen seiner Unschuld. Auch den folgenden Umstand möge euere Liebe beherzigen. Als er zur heiligen in <s 106> Sardica versammelten Synode gekommen war, da richteten wir, wie gesagt, schriftliche und ungeschriebene Mahnungen an die Orientalen und luden sie ein, zu erscheinen. Jene aber begannen, weil ihr Gewissen sie verurtheilte, unter ungeziemenden Vorwänden die richterliche Untersuchung abzulehnen. Denn sie verlangten, wir sollten den Unschuldigen gleich einem Schuldigen aus unserer Gemeinschaft ausschließen, ohne zu bedenken, wie ungeziemend, ja geradezu unmöglich das war. Auch von dem in der Mareotis aufgenommenen Beweismaterial stand fest, daß es von ganz verworfenen und verkommenen jungen Leuten, denen man nicht den niedrigsten Grad im Klerus hätte anvertrauen mögen, einseitig gesammelt worden war. Denn weder unser Bruder, Bischof Athanasius, noch der von ihnen angeklagte Priester Makarius waren zugegen. Zudem war ihre Frageweise oder vielmehr ihr Zuflüstern voll von jeder Schmach. Denn es wurden theils Heiden theils Katechumenen gefragt, nicht um zu sagen, was sie wußten, sondern um zu lügen, was ihnen von denselben beigebracht worden war. Denn von euch Priestern, die ihr wegen der Abwesenheit eueres Bischofs die Sorge auf euch nahmet und bei der Untersuchung zugegen sein, die Wahrheit beweisen und die Lüge widerlegen wolltet, ist keine Erwähnung geschehen. Denn sie duldeten euere Anwesenheit nicht, sondern trieben sogar unter Hohn euch fort. Obschon zumeist auch hieraus das Intriguengewebe Allen klar war, so fanden wir gleichwohl, als die Untersuchungsakten vorgelesen wurden, daß Ischyras, der Erzbösewicht, der zum Lohn für seine Verleumdung von ihnen den leeren Namen eines Bischofs erhielt, selbst bewies, daß er ein Verleumder sei. Denn Ischyras selbst plaudert in diesen Akten aus, daß er gerade zur Zeit, da Makarius nach seiner Versicherung in seine Kammer kam, krank darnieder lag. Und dennoch wagten die Eusebianer zu schreiben, daß Ischyras damals stand und opferte, als Makarius erschien.

    42.

    Auch jene Intrigue und Verleumdung wurde Allen offenbar, welcher sie ferner gegen ihn sich bedienten. Sie <s 107> sagten nämlich und schlugen Lärm, Athanasius habe einen Mord vollbracht und einen gewissen Arsenius, einen melitianischen Bischof, getödtet. Darüber stießen sie wie Schauspieler verstellte Seufzer aus und vergoßen falsche Thränen und verlangten, es solle der Leichnam des Gemordeten herausgegeben werden, da er doch am Leben war. Aber es waren ihre Schliche nicht unbekannt. Denn Alle wußten, daß der Mann lebe und unter den Lebenden zu finden sei. Und als sie, die zu Allem schnell bereit waren, sahen, daß diese ihre Lügen entdeckt werden würden, — denn der lebende Arsenius selbst bewies, daß er nicht gemordet und nicht todt sei, — so ruhten sie dessen ungeachtet nicht, sondern ersannen neue Ränke zu den frühern Ränken, um mit neuen Kunstgriffen den Mann zu verleumden. Wozu führte nun das, Geliebte? Unser Bruder Athanasius ließ sich nicht aus der Fassung bringen, sondern mit festem Vertrauen forderte er sie auch deßhalb in die Schranken, und wir baten sie und munterten sie auf, sie möchten zur Untersuchung kommen und, wenn sie könnten, den Beweis führen. O große Anmassung, o schrecklicher Übermuth, oder vielmehr, wenn man die Wahrheit sagen soll, o schlechtes und schuldiges Gewissen! Denn das ist Allen klar geworden. Deßhalb, geliebte Brüder, erinnern und ermahnen wir euch, vor Allem am rechten Glauben der katholischen Kirche festzuhalten. Denn ihr habt viel Schreckliches und Hartes gelitten, und die katholische Kirche duldete viel Schmach und Ungerechtigkeit, aber wer ausharret bis ans Ende, der wird gerettet werden.60 Wenn sie es also wagen sollten, noch Etwas gegen euch zu thun, so soll die Trübsal euch Freude machen. Denn solche Leiden sind ein theilweises Martyrium, und diese euere Bekenntnisse und Qualen sind nicht ohne Lohn, sondern ihr werdet von Gott den Kampfpreis erhalten. Kämpfet deßhalb vorzugsweise für den gesunden Glauben und für die Unschuld eueres Bischofs, unseres <s 108> Amtsgenossen Athanasius. Denn auch wir schwiegen nicht und waren nicht unbesorgt, um euch der Sorgen zu überheben. Vielmehr trugen wir Sorge und haben gethan, was die Liebe fordert. Denn wir tragen Mitleid mit unsern leidenden Brüdern und halten ihre Leiden für die unsrigen, und wir vermischten unsere Thränen mit eueren Thränen. Nicht ihr allein habt gelitten, Brüder, sondern auch viele andere unserer Amtsgenossen haben bei ihrer Ankunft solchen Jammer erhoben.

    43.

    Deßhalb wendeten wir uns an die frommen und gottesfürchtigen Kaiser und baten sie, sie möchten in ihrer Menschenfreundlichkeit befehlen, daß die, welche noch von Leiden bedrängt würden, freigelassen werden sollten, und möchten den Auftrag geben, daß keiner der Richter, die bloß für die öffentlichen Angelegenheiten zu sorgen haben, weder Kleriker richte noch überhaupt ferners unter dem Vorwande der Kirchen Etwas gegen die Brüder unternehme, damit Jeder, ohne irgend eine Verfolgung, ohne eine Gewaltthat oder Übervortheilung zu erleiden, nach Wunsch und Willen lebe und in Ruhe und Frieden dem katholischen und apostolischen Glauben sich hingebe. Gregorius aber, von dem man sagt, daß er widerrechtlich von den Häretikern eingesetzt und von ihnen in euere Stadt gesendet wurde, davon möge euere Eintracht Kenntniß nehmen, ist durch den Richterspruch der ganzen heiligen Synode abgesetzt worden, oder besser gesagt, er ist überhaupt niemals als Bischof betrachtet worden. Freuet euch also, daß ihr euern Bischof Athanasius wieder zurückerhaltet. Denn deßhalb haben wir ihn in Frieden entlassen. Deßhalb ermahnen wir Alle, die entweder aus Furcht, oder durch die Umtriebe gewisser Leute veranlaßt, mit Gregorius in Gemeinschaft getreten sind, sie mögen auf unsere Ermunterung, Ermahnung und unser Zureden die abscheuliche Gemeinschaft mit ihm aufgeben und nunmehr mit der katholischen Kirche in Verbindung treten. Was aber von der heiligen Synode gegen Theodor, Narcissus, Stephanus, Acacius, Menophantus, Ursacius, Valens, Georgius, die Häupter der arianischen Häresie, <s 109> beschlossen wurde, welche gegen euch und gegen die übrigen Kirchen gefehlt haben, werdet ihr aus dem erkennen, was wir beigelegt haben. Denn wir senden es euch, damit auch euere Gottesfurcht unsern Beschlüssen beistimme und ihr daraus erkennet, daß die katholische Kirche es nicht gleichgiltig hinnimmt, wenn Jemand gegen sie fehlt.

    Die heilige Synode, die durch Gottes Gnade in Sardica versammelt ist, sämmtlichen Bischöfen und Amtsgenossen der katholischen Kirche, den geliebten Brüdern, Gruß im Herrn!

    44.

    Vieles wagten oft die Ariomaniten gegen die Knechte Gottes, die den rechten Glauben bewahren. Denn indem sie eine falsche Lehre einschmuggelten, suchten sie die Rechtgläubigen zu verdrängen. Sie erhoben sich bereits so heftig gegen den Glauben, daß es auch der Gottesfurcht der frommen Kaiser nicht verborgen blieb. Unter der Mitwirkung der Gnade Gottes versammelten uns also die gottesfürchtigen Kaiser selbst aus verschiedenen Eparchieen und Städten, und sie ermöglichten es, daß diese heilige Synode in der Stadt Sardica gehalten wurde, damit jeder Zwist gehoben und nach Beseitigung jedes Irrglaubens von Allen die Gottesfurcht allein bewahrt werde. Denn es kamen auch die orientalischen Bischöfe, gleichfalls von den gottesfürchtigen Kaisern veranlaßt, vorzugsweise wegen ihrer oftmaligen Ausstreuungen über unsere geliebten Brüder und Amtsgenossen Athanasius, Bischof von Alexandria, und Marcellus, Bischof von Ankyrogalatien. Denn vielleicht sind ihre Verleumdungen auch zu euch gedrungen, und vielleicht haben sie auch euere Ohren zu erschüttern gesucht, damit ihr glaubet, was sie gegen die Unschuldigen sagen, und sie dem Verdacht ihrer bösen Häresie vorbauen. Aber es war ihnen nicht gestattet, das lange zu treiben. Denn der Herr ist das Haupt der Kirchen, der für sie und uns alle den Tod litt und durch sich uns allen den Zugang zum Himmel gewährt hat. Da also die Eusebianer bei Julius, unserm Amtsgenossen, dem Bischof der römischen Kirche, gegen unsere vorgenannten Amtsgenossen, nämlich <s 110> Athanasius, Marcellus und Asklepas, schriftlich ihre Anklagen vorgebracht hatten, schrieben auch die Bischöfe der übrigen Gegenden und bezeugten die Unschuld unseres Amtsgenossen Athanasius, und daß die Unternehmungen der Eusebianer nur auf Lüge beruhten und voll Verleumdung wären. Wenn nun ihre Verleumdung vorzugsweise daraus, daß sie dem Rufe unseres geliebten Amtsgenossen Julius nicht folgten, offenkundig geworden ist, so ist sie auch aus dem offenkundig geworden, was Julius selbst schrieb. Denn sie wären gekommen, wenn ihre Thaten ihnen Zutrauen eingeflößt hätten, sowie das, was sie gegen unsere Amtsgenossen unternommen haben. Zugleich bewiesen sie mit dem, was sie in dieser heiligen und großen Synode thaten, noch augenscheinlicher ihre Intriguen. Denn als sie nach ihrer Ankunft in der Stadt Sardica unsere Brüder Athanasius, Marcellus, Asklepas und die Übrigen sahen, fürchteten sie sich zur richterlichen Untersuchung zu kommen. Und nicht ein Mal, oder zwei Mal, sondern oft eingeladen, hörten sie auf die Einladungen nicht. Und obschon wir Bischöfe alle gekommen waren, und sogar der hochbetagte Hosius, der wegen seines Alters und als Bekenner und wegen Ertragung so vieler Mühsal aller Verehrung würdig ist, und wir auf sie warteten und sie aufforderten, sich an der richterlichen Untersuchung zu betheiligen, damit sie, was sie in Abwesenheit unserer Amtsgenossen gegen dieselben verbreitet und geschrieben hatten, das jetzt anwesend beweisen könnten, so folgten sie, wie gesagt, der Einladung doch nicht und zeigten hierin ihre Ränke, indem sie fast laut durch ihre Ablehnung die Verfolgung und Hinterlist zu erkennen gaben, deren sie sich schuldig gemacht haben. Denn die auf ihre Aussagen vertrauen, können ihren Gegnern auch vor die Augen treten. Da sie aber nicht kamen, so glauben wir, es könne nunmehr Keinem unbekannt sein, mögen sie auch wieder Kniffe machen wollen, daß sie, ohne einen Beiweis zu haben, unsere Amtsgenossen in ihrer Abwesenheit verleumden, den anwesenden aber ausweichen.

    45.

    Sie wichen aber, geliebte Brüder, nicht bloß aus, <s 111> weil sie Diese verleumdet hatten, sondern auch, weil sie sahen, daß Solche, die verschiedene Anklagen gegen sie erhoben, angekommen waren. Denn es kamen Fesseln und Ketten zum Vorschein und Menschen, die aus der Verbannung zurückgekehrt waren. Von denen, die noch in der Verbannung zurückgehalten wurden, waren Amtsgenossen gekommen, sowie Verwandte und Freunde derer erschienen, die durch sie den Tod gefunden hatten. Aber das Wichtigste war, daß Bischöfe zugegen waren, von denen einer Eisen und Ketten zeigte, die er ihretwegen getragen hatte, die andern aber von dem Tode Zeugniß gaben, auf den ihre Verleumdung es absah. Denn so weit gingen sie in ihrem Wahnsinn, daß sie Bischöfe zu tödten versuchten und getödtet hätten, wenn sie ihren Händen nicht entronnen wären. Den Tod fand61 wenigstens unser Amtsgenosse, der selige Theodulus, der ihrer Verleumdung sich durch die Flucht entzog; denn wegen ihrer Verleumdung war seine Hinrichtung befohlen worden. Andere aber zeigten Verwundungen mit Schwertern, wieder Andere erhoben Klagen, daß sie durch sie Hunger gelitten hätten, und das bezeugten nicht die nächstbesten Menschen, sondern es gab ganze Kirchen, in deren Auftrag die Ankömmlinge und Gesandten uns Nachricht gaben von Soldaten mit Schwertern bewaffnet, von Volkshaufen, die Keulen trugen, von Drohungen der Richter, von Unterschiebung erdichteter Schreiben. Denn es wurde ein erdichtetes Schreiben des Theognius gegen unsere Amtsgenossen Athanasius, Marcellus und Asklepas vorgelesen, um auch die Kaiser <s 112> gegen sie zu reizen. Und das bewiesen die damaligen Diakonen des Theognius. Ausserdem hörten wir von Entblößungen der Jungfrauen, Niederbrennen von Kirchen, Einsperren von Kirchendienern, und das aus keinem andern Grunde, als wegen der verrufenen Häresie der Ariomaniten. Denn die sich der Gemeinschaft mit ihnen weigerten, mußten sich Solches gefallen lassen. Als sie nun das merkten, waren sie unschlüssig, was sie thun sollten. Denn sie schämten sich, ihre Thaten einzugestehen. Da aber diese nicht mehr verborgen bleiben konnten, so gingen sie nach der Stadt Sardica, um durch ihre Ankunft den Schein und die Muthmassung zu erregen, als hätten sie sich Nichts zu Schulden kommen lassen. Als sie aber die sahen, welche von ihnen waren verleumdet worden, und denen sie Unbilden zugefügt hatten, und die Ankläger, die sie überführen konnten, vor Augen hatten, so wollten sie auf die Einladung nicht kommen, obschon unsere Amtsgenossen Athanasius, Marcellus und Asklepas sehr freimüthig zu Werke gingen, sich beschwerten und in sie drangen und sie herausforderten und sich anheischig machten, nicht nur die Verleumdung zu widerlegen, sondern auch nachzuweisen, wie viele Vergehungen sie sich gegen ihre Kirchen hätten zu Schulden kommen lassen. Sie aber wurden wegen ihres schlechten Gewissens von so großer Furcht ergriffen, daß sie flohen und durch ihre Flucht sich als Verleumder enthüllten und ihre Vergehungen durch die Flucht eingestanden.

    46.

    Wenn nun auch sowohl aus dem Früheren als auch hieraus ihre Bösartigkeit und Ränkesucht hervorgeht, so haben wir uns gleichwohl entschlossen, damit sie in ihrer Flucht nicht Veranlassung zu einem weiteren Schelmenstreiche finden können, mit Berücksichtigung der Wahrheit ihre Thaten zu untersuchen, und indem wir diesen Vorsatz ausführten, fanden wir in ihren Thaten, daß sie Intriguanten seien, und daß sie unseren Amtsgenossen nur Nachstellungen bereitet haben. Denn Arsenius, von dem sie gesagt hatten, daß Athanasius ihn getödtet habe, lebt und wird unter den Lebenden gefunden. Daher besteht offenbar auch <s 113> das, was sie über die übrigen Punkte ausgesprengt haben, aus Dichtungen. Und da sie auch in Betreff eines Kelches aussprengten, daß er von Makarius, dem Priester des Athanasius, zerbrochen worden sei, so bezeugten die, welche von Alexandria, der Mareotis und den übrigen Gegenden kamen, daß nichts Solches geschehen ist. Und die Bischöfe, welche von Ägypten an Julius, unsern Amtsgenossen schrieben, versicherten zur Genüge, daß dort auch nicht im Entferntesten nur so ein Verdacht bestanden habe. Ausserdem steht fest, daß das Beweismaterial, welches sie gegen ihn zu haben vorgeben, einseitig aufgenommen worden sei. Und selbst bei dieser Aufnahme wurden Heiden und Katechumenen gefragt. Und Einer von diesen, ein Katechumen, sagte bei dem Verhöre, er sei drinnen gewesen, als Makarius an der Stätte ankam. Und ein Anderer sagte, als man ihn verhörte, daß der von ihnen oft genannte Ischyras damals krank in einer Kammer lag. So wird daraus klar, daß überhaupt kein Geheimniß gefeiert wurde, weil die Katechumenen drinnen waren und Ischyras nicht zugegen war, sondern krank daniederlag. Ja auch der Erzbösewicht Ischyras selbst, der lügenhafter Weise ausgesagt hatte, Athanasius habe etliche göttliche Bücher verbrannt und sei überführt worden, gab zu, daß er damals, als Makarius ankam, krank war und zu Bette lag, so daß er auch hieraus als Verleumder erscheint. Gewiß haben sie dem Ischyras selbst zum Lohne für diese Verleumdung den bischöflichen Namen gegeben, da er doch nicht einmal Priester war. Denn zwei angekommene Priester, ehemalige Anhänger des Melitius, die später vom seligen Alexander, dem ehemaligen Bischof von Alexandria, aufgenommen wurden und jetzt sich bei Athanasius befinden, bezeugten, daß dieser niemals ein Priester des Melitius gewesen sei und Melitius überhaupt in der Mareotis keine Kirche und keinen Kirchendiener gehabt habe. Und dessenungeachtet führten sie den, der nicht einmal Priester war, jetzt als Bischof vor, um wahrscheinlich mit Hilfe dieses Namens durch ihre Verleumdung Diejenigen zu erschrecken, welche ihn vernahmen.

    47.

    <s 114> Es wurde auch die Schrift unseres Amtsgenossen Marcellus vorgelesen, und es kam die Arglist der Eusebianer ans Licht. Denn was Marcellus als Gegenstand der Untersuchung hingestellt hat, davon haben sie fälschlich behauptet, daß es von ihm zugegeben würde. Man las also das Folgende und das, was den Untersuchungen vorherging, und man fand, daß der Mann rechtgläubig sei. Denn er schrieb weder, wie sie behaupteten, dem Worte Gottes den Ursprung aus Maria zu, noch schrieb er, daß seine Herrschaft ein Ende habe, sondern daß seine Herrschaft ohne Anfang und Ende sei, und der Amtsgenosse Asklepas wies die Akten vor, die in Antiochia in Anwesenheit der Kläger und des Eusebius von Cäsarea waren aufgenommen worden. Aus den Urtheilssprüchen der richtenden Bischöfe bewies er, daß er unschuldig sei. In begreiflicher Weise also, geliebte Brüder, folgten sie der oftmaligen Einladung nicht, in begreiflicher Weise ergriffen sie die Flucht. Denn von ihrem schlechten Gewissen verfolgt, bestätigten sie durch die Flucht ihre Ränke und haben so bewirkt, daß man von ihnen glaubte, was die anwesenden Ankläger aussagten und vorbrachten. Haben sie ja sogar, von all dem abgesehen, die, welche einst wegen der Häresie des Arius abgesetzt und excommunicirt worden waren, nicht bloß aufgenommen, sondern sogar zu einem höheren Range befördert, die Diakonen zu Priestern und die Priester zu Bischöfen, aus keinem andern Grunde, als um die Gottlosigkeit aussäen und verbreiten zu können und den gottesfürchtigen Glauben zu vernichten.

    48.

    Es sind aber jetzt nach Eusebius62 ihre Häupter: Theodor von Heraklea, Narcissus von Neronias in Cilicien, Stephanus von Antiochia, Georgius von Laodicea, Acacius von Cäsarea in Palästina, Menophantus von Ephesus in Asien, Ursacius von Singidonum in Mysien,63 Valens von <s 115> Mursa64 in Pannonien. Diese nun gestatteten denen, die mit ihnen vom Orient gekommen waren, weder zur heiligen Synode zu gehen, noch überhaupt in die Kirche Gottes zu treten.65 Und als sie nach Sardica kamen, hielten sie an verschiedenen Orten gesonderte Zusammenkünfte und schloßen ein Bündniß unter Drohungen. So unterzogen sie sich, da sie nach Sardica gekommen waren, keineswegs einer richterlichen Entscheidung, noch verbanden sie sich zu dem nämlichen Zwecke mit der heiligen Synode, sondern kaum angekommen, eilten sie, nachdem sie ihr Erscheinen der Formalität wegen angezeigt hatten, rasch wieder fort. Denn das haben wir von unsern Amtsgenossen Makarius aus Palästina und Asterius von Arabien in Erfahrung gebracht, die mit ihnen gekommen sind und ihrem Unglauben entsagt haben. Denn diese erschienen vor der heiligen Synode, bejammerten die erlittene Gewalt und erklärten, daß bei ihnen Nichts in der rechten Weise vor sich gehe. Sie fügten auch Dieß bei, daß es dort Viele gebe, die dem rechten Glauben anhängen und von ihnen gehindert werden hieher zu gehen, weil sie gegen die, welche sich von ihnen trennen wollen, Drohungen ausstoßen. Deßhalb sorgten sie auch dafür, daß sie alle in einem einzigen Hause blieben, und gestatteten ihnen nicht, auch nur kurze Zeit von den Andern getrennt zu leben.

    49.

    Da wir also ihre Verleumdungen, die Fesseln, Mordthaten, Schläge, die Ränke mit den erdichteten Briefen, die Mißhandlungen, die Entblößungen der Jungfrauen, die Verbannungen, die Verheerungen der Kirchen, die Brandstiftungen, die Versetzungen aus kleinen Städten in größere Diöcesen und vor Allem die verrufene arianische Häresie nicht mit Stillschweigen übergehen und ungemeldet lassen durften, die durch ihre Veranlassung sich gegen den rechten Glauben erhoben hat, so haben wir deßhalb unsere geliebten Brüder und Amtsgenossen Athanasius, Marcellus und <s 116> Asklepas und ihre Genossen im Dienste des Herrn für unschuldig und makellos erklärt und in die Diöcese eines Jeden geschrieben, damit das Volk einer jeden Kirche die Unschuld seines Bischofs erkennt und diesen für seinen Bischof hält und als solchen erwartet, die aber, welche in ihre Kirchen nach Art der Wölfe eindrangen, den Gregor in Alexandria, den Basilius in Ancyra, den Quintian in Gaza weder Jemand Bischöfe nenne, noch überhaupt Jemand mit ihnen in Gemeinschaft trete, noch Jemand von ihnen Briefe annehme, noch an sie schreibe. Den Theodor dagegen, sowie Narcissus, Acacius, Stephanus, Ursacius, Valens, Menophantus und Georgius, wenn er auch aus Furcht nicht vom Oriente kam, hat gleichwohl die heilige Synode weil er vom seligen Alexander abgesetzt worden ist, und weil sowohl er als auch die Ersteren es mit der Raserei des Arius hielten, wegen der gegen sie erhobenen Beschuldigungen einstimmig der bischöflichen Würde entsetzt, und wir haben entschieden, daß sie nicht bloß für keine Bischöfe gelten, sondern nicht einmal der Gemeinschaft mit den Gläubigen gewürdiget werden sollen. Denn die vom Vater den Sohn trennen und das Wort sondern, müssen sich von der katholischen Kirche trennen und ausser Verbindung mit dem Christennamen stehen. Ihr sollt sie also verfluchen,66 weil sie das Wort der Wahrheit gefälscht haben. Das befiehlt der Apostel: „Wenn Jemand ein anderes Evangelium verkündet, als ihr empfangen habt, so sei er verflucht.“67 Ermahnet, daß Niemand mit Diesen Gemeinschaft habe; denn es besteht keine Gemeinschaft zwischen Licht und Finsterniß. Diese alle haltet ferne von euch; denn es besteht keine Übereinstimmung zwischen Christus und Belial. Auch nehmt euch in Acht, Geliebte, daß ihr an sie weder schreibet noch von ihnen Briefe annehmet. Bemühet vielmehr auch ihr euch, <s 117> Brüder und Amtsgenossen, als wenn ihr mit dem Geiste bei unserer Synode gegenwärtig wäret, durch euere Unterschrift mit uns zu stimmen, damit die Uebereinstimmung aller Amtsgenossen an allen Orten bewahrt bleibe. Die göttliche Vorsehung möge euch in Heiligung und Freude erhalten, geliebte Brüder! Ich Hosius Bischof habe unterschrieben, und so Alle.

    Das schrieb die Synode von Sardica und sandte es an die, welche nicht kommen konnten, und auch sie gaben ihre Zustimmung zu den Beschlüssen. Die Namen der Bischöfe, die auf dieser Synode schrieben, und der übrigen sind folgende :

    50.

    Hosius von Spanien, Julius von Rom durch die Priester Archidamus und Philoxenus, Protogenes von Sardica, Gaudentius, Macedonius, Severus, Prätextatus, Ursicius, Lucillus, Eugenius, Vitalius, Kalepodius, Florentius, Bassus, Vincentius, Stercorius, Palladius, Domitian, Chalvis, Gerontius, Protasius, Eulogus, Porphyrius, Dioskorus, Zosimus, Januarius, Zosimus, Alexander, Eutychius, Sokrates, Diodorus, Martyrius, Eutherius, Eukarpus, Athenodorus, Irenäus, Julianus, Alypius, Jonas, Aetius, Restitutus, Marcellinus, Aprianus, Vitalius, Valens, Hermogenes, Castus, Domitian, Fortunatius, Marcus, Annianus, Heliodor, Musäus, Asterius, Paregorius, Plutarch, Hymenäus, Athanasius, Lucius, Amantius, Arius, Asklepius, Dionysius, Maximus, Tryphon, Alexander, Antigonus, Älianus, Petrus, Symphorus, Musonius, Eutychus, Philologius, Spudasius, Zosimus, Patricius, Adolius, Sapricius.

    Aus Gallien Maximian, Verissimus, Victurus, Valentinus, Desiderius, Eulogius, Sarbatius, Dyskolius, Superior, Mercurius, Declopetus, Eusebius, Severinus, Satyrus, Martinus, Paulus, Optatianus, Nikasius, Viktor, Sempronius, Valerinus, Pacatus, Jesses, Ariston, Simplicius, Metianus, Amantus, Amillianus, Justinianus, Viktorinus, Saturnilus, Abundantius, Donatian, Maximus.

    <s 118> Aus Afrika Nessus, Gratus, Megasius, Coldäus, Rogatianus, Consortius, Rufinus, Manninus, Cessilianus, Herennianus, Marianus, Valerius, Dynamius, Myzonius, Justus, Cölestinus, Cyprian, Viktor, Honoratus, Marinus, Pantagathus, Felix, Baudius, Liber, Capito, Minervalis, Kosmus, Viktor, Hesperion, Felix, Severianus, Optantius, Hesperus, Fidentius, Salustius, Paschasius.

    Aus Ägypten Liburnius, Amantius, Felix, Ischyrammon, Romulus, Tiberinus, Consortius, Heraklides, Fortunatius, Dioskorus, Fortunatianus, Bastamon, Datyllus, Andreas, Serenus, Arius, Theodorus, Evagoras, Elias, Timotheus, Orion, Andronikus, Paphnutius, Hermias, Arabion, Psenosiris, Apollonius, Muis, Sarapampon, Philon, Philippus, Apollonius, Paphnutius, Paulus, Dioskorus, Nilammon, Serenus, Aquila, Aotas, Harpokration, Isaak, Theodorus, Apollos, Ammonianus, Nilus, Heraklius, Arion, Athas, Arsenius, Agathammon, Theon, Apollonius, Elias, Paninuthius, Andragathius, Nemesion, Sarapion, Ammonius, Ammonius, Xenon, Gerontius, Quintus, Leonides, Sempronianus, Philon, Heraklides, Hierakys, Rufus, Pasophius, Macedonius, Apollodorus, Flavianus, Psaes, Syrus, Apphus, Sarapion, Isaias, Paphnutius, Timotheus, Elurion, Gaius, Musäus, Pistus, Heraklammon, Hero, Elias, Anagamphus, Apollonius, Gaius, Philotas, Paulus, Tithoes, Eudämon, Julius.

    Im Canal Italiens68 Probatius, Viator, Facundinus, Joseph, Numedius, Sperantius, Severus, Heraklianus, Faustinus, Antoninus, Heraklius, Vitalius, Felix, Crispinus, Paulianus.

    In Cypern Auxibius, Photius, Gerasius, Aphrodisius, Irenikus, Nunechius, Athanasius, Macedonius, Triphyllius, Spyridon, Norbanus, Sosikrates.

    In Palästina Maximus, Aetius, Arius, Theodosius, <s 119> Germanus, Silvanus, Paulus, Claudius, Patricius, Elpidius, Germanus, Eusebius, Zenobius, Paulus, Petrus.

    Das sind also die, welche die Beschlüsse der Synode unterschrieben haben. Es gibt aber auch sehr viele Andere, die vor dieser Synode für uns geschrieben haben, aus Asien, Phrygien und Isaurien, und ihre Namen sind in ihren besonderen Briefen enthalten, nahezu dreiundsechzig, im Ganzen dreihundert vierundvierzig.69

    Vorwort

    1. Einleitende Notizen: Schutzschrift gegen die Arianer1

    Josef Fisch

    Einleitende Notizen: Schutzschrift gegen die Arianer <k> <s 47>2Die vorliegende Apologie des heiligen Athanasius gegen die Arianer ist umfangreicher als seine übrigen Apologien in der nämlichen Sache, auch die Geschichte der Arianer an die Mönche eingeschlossen, so weit letztere noch erhalten ist. Sie besteht größtentheils aus Aktenstücken, Briefen und Synodalschreiben und hat deßhalb auch einen hohen Werth für die Kirchengeschichte. Sie zerfällt in zwei größere Theile, von denen der erste sich auf die Kämpfe bezieht, die der Heilige von seiner Rückkehr aus der Verbannung nach Gallien (337) bis zur Rückkehr aus seiner zweiten Verbannung nach dem Concil von Sardica (343) zu bestehen hatte. Dieser Theil umfaßt die Kapitel 3 ― 58. Der zweite Theil von K. 59 ― 88 bringt die Geschichte des Arianismus von seinem Ursprung bis zur Rückkehr des Athanasius aus seiner Verbannung in Gallien. Das erste und zweite Kapitel bilden die Einleitung. Die letzten Kapitel 89 und 90 werden von Montfaucon als späterer Zusatz erklärt. Es <s 48> ist nämlich daselbst von der zweijährigen Verbannung des Liberius, sowie von der Verbannung des Hosius und dem gegen ihn geübten Zwang die Rede, so daß also diese zwei Kapitel vor 357 nicht geschrieben sein können. Es ist auf den ersten Blick allerdings auffallend, daß in diesen zwei letzten Kapiteln auf so späte Vorgänge Bezug genommen wird, während sonst in der ganzen Schrift Nichts Erwähnung findet, was später läge als der Widerruf der Ursacius und Valens, der bald nach der Rückkehr des Athanasius aus seiner zweiten Verbannung (345) stattfand. Das könnte aber auch darin seinen Grund haben, daß Athanasius zu seiner Rechtfertigung sich auf spätere Vorgänge, namentlich auf die Entscheidungen der Synoden zu Arles (353) und Mailand (355) nicht berufen konnte, da auf denselben die Mehrzahl der versammelten Bischöfe sein Verdammungsurtheil unterschrieb. Zudem erschien die Erwähnung dieser Synoden auch deßhalb überflüssig, weil auf denselben keine neuen Beschuldigungen gegen Athanasius mehr vorgebracht wurden und man auf denselben überhaupt keine Untersuchung pflog, sondern Alles mit Gewalt entschied.

    Die Abfassungszeit der Schrift setzt Montfaucon vor das Jahr 352, in dem Ursacius und Valens ihren Widerruf, den sie auf einem Concil in Mailand und vor Papst Julius geleistet hatten, wieder zurücknahmen. Montfaucon findet es nämlich unwahrscheinlich, daß, wenn diese Apologie nach dem Rückfalle der genannten Bischöfe verfaßt worden wäre, Athanasius gesagt haben würde, sie hätten aus Reue widerrufen, zumal sie bei der Zurücknahme jenes Widerrufes ausdrücklich erklärten, sie hätten den Widerruf nur aus Furcht vor Kaiser Constans geleistet. Sehr überzeugend finde ich nun das gerade nicht. Athanasius konnte auch nach der Zurücknahme des Widerrufes nachweisen, daß sie zum Widerrufe alle Ursache hatten und, weil kein Zwang geübt wurde, ihr Widerruf nur als eine Folge ihrer Reue über das ihm zugefügte Unrecht angesehen werden könne. Beruft sich ja doch Athanasius auch in K. 1 der Apologie an Constantius, die vor 356 nicht abgefaßt wurde, <s 49> auf eben diesen Widerruf des Ursacius und Valens als ein besonders wichtiges Zeugniß für seine Unschuld. Ein nicht minder unbefriedigendes Argument ist es, wenn Montfaucon zur Aufrechthaltung seiner Ansicht sich auf K. 59 dieser Apologie beruft, wo Athanasius sagt: „was ich jetzt gelitten habe,“ und diese Worte auf seine zweite Verbannung von 339 — 345 bezieht, da man dieselben auch auf seine dritte Verbannung von 356 — 361 beziehen kann.

    Was mich vorzugsweise in der Ansicht bestärkt, daß unsere Apologie in der Zeit vom Widerrufe des Ursacius und Valens bis zur dritten Verbannung des Athanasius, von 345 — 356 verfaßt wurde, ist die gleich im ersten Kapitel ausgesprochene Verwahrung des Athanasius gegen eine neue Untersuchung. Eine solche Verwahrung wäre nach der genannten Zeit höchst überflüssig gewesen, wo seine Feinde einen vollständigen Sieg über ihn erfochten hatten und an eine neue Untersuchung gewiß nicht dachten, da ihnen eine solche keinen Vortheil mehr bringen konnte. Übrigens ist es möglich, daß Athanasius seine Apologie vor den in den zwei letzten Kapiteln erwähnten Vorfällen nicht veröffentlicht und dieselben selbst beigefügt habe. Sie schließen sich sehr natürlich an trotz der chronologischen Lücke.

    Die Urkunden, welche die Apologie enthält, sind folgende:

    1) Ein Synodalschreiben der in Alexandria versammelten Bischöfe an Papst Julius und sämmtliche katholische Bischöfe der Erde, K. 3 — 19;

    2) Schreiben des Papstes Julius an Eusebius, K. 21 — 35;

    3) Drei Synodalschreiben der Synode von Sardica, darunter zwei fast durchgehends gleichlautende an die Alexandriner und die ägyptischen Bischöfe, und eines an sämmtliche Bischöfe der Erde, K. 37 — 50;

    4) Drei Schreiben des Kaisers Constantius an Athanasius, K. 51;

    5) Brief des Papstes Julius an die Alexandriner (Empfehlungsschreiben), K. 52 und 53;

    6) Drei Empfehlungsschreiben des Kaisers Constantius, K. 54 — 56;

    7) Synodalschreiben der Bischöfe in Jerusalem, K. 57;

    8) Zwei Widerrufserklärungen der Bischöfe Ursacius und Valens, an Julius und Athanasius <s 50> gerichtet, K. 58;

    9) Abschnitt aus einem Briefe Constantin des Großen, K. 59;

    10) Schreiben des Nämlichen an die Kirche in Alexandria, K. 61 und 62;

    11) Schreiben des vorgeblichen Priesters Jschyras an Athanasius, K. 64;

    12) Brief des Bischofs Alexander von Thessalonich an Athanasius, K. 66;

    13) Brief des Priesters Pinnes an Bischof Johannes, K. 67;

    14) Brief Constantin des Großen an Athanasius, K. 68;

    15) Brief des Bischofs Arsenius an Athanasius, K. 69;

    16) Brief Constantin des Großen an Bischof Johannes, K. 70;

    17) Verzeichniß der dem Bischof Melitius unterworfenen Kleriker, K. 71;

    18) Schreiben der Kleriker in Alexandria an die Eusebianer; K. 73;

    19) Schreiben der nach Tyrus gekommenen ägyptischen Bischöfe an die Synode zu Tyrus, K. 77;

    20) Zwei Schreiben der nämlichen Bischöfe an den Comes Flavius Dionysius, K. 78. 79;

    21) Schreiben des Bischofs Alexander von Thessalonich an den Nämlichen, K. 80;

    22) Schreiben des Comes Dionysius an die Eusebianer, K. 81;

    23) Schreiben der Synode in Jerusalem an die Kirche in Alexandria und die Kleriker der ganzen Kirche, K. 84;

    24) Schreiben des Katholikus an den Exactor in der Mareotis, K. 85;

    25) Schreiben Constantin des Großen an die Synode in Tyrus, K. 86;

    26) Schreiben des Nämlichen an die Kirche in Alexandria, K. 87.

    ― Die Zahl sämmtlicher Aktenstücke beträgt sechsunddreissig.

    Athanasius (295-373)

    Des hl. Athanasius Schutzschrift gegen die Arianer

    (Apologia contra Arianos [seu Apologia secunda])

    <s 51> Ich glaubte, es würden nach so vielen Beweisführungen für unsere Sache unsere Feinde sich nicht mehr hervorwagen und in den Punkten, in denen sie die Übrigen verleumdeten, vielmehr sich selbst für schuldig erkennen. Da sie aber nicht einmal erröthen, obschon sie in dieser Weise sich entpuppt haben, sondern in ihrer Verblendung feindselige Reden verbreiten, in der Meinung, es müsse über Alles neu entschieden werden, nicht als wollten sie sich selbst dem Richterspruch unterziehen, ― denn davon wollen sie Nichts wissen, sondern um uns und die Seelen der Arglosen zu beunruhigen, so hielt ich es für nothwendig, mich bei euch zu rechtfertigen, damit ihr auf ihr Murren nicht mehr achtet und euch von ihrer Bosheit und Ränkesucht überzeuget. Vor euch als rechtlich gesinnten Menschen führe ich meine Vertheidigung; gegen meine Gegner aber flößen mir die Beweise Muth ein, die mir gegen dieselben zu Gebote stehen. Denn unsere Sache bedarf keines Richterspruches mehr, denn sie ist nicht einmal oder zweimal, sondern oft entschieden worden. Zum ersten Mal geschah es in einer Versammlung unserer Provinz von nahezu hundert Bischöfen, <s 52> zum zweiten Mal in Rom, als Eusebius geschrieben hatte, da wir selbst vorgeladen und dort mehr als fünfzig Bischöfe versammelt waren, und zum dritten Mal auf der großen Synode zu Sardica, die sich im Auftrag der gottesfürchtigen Kaiser Constantius und Constans versammelt hatte, auf welcher unsere Widersacher als Verleumder verurtheilt wurden. Dem uns freisprechenden Urtheile stimmten mehr als dreihundert Bischöfe bei, aus den Eparchien von Ägypten, Libyen, der Pentapolis, Palästina, Arabien, Isaurien, Cypern, Pamphylien, Lycien, Galatien, Dacien, Mysien, Thracien, Dardanien, Macedonien, Epirus, Thessalien, Achaia, Kreta, Dalmatien, Siscien, Pannonien, Noricum, Italien, Picenum, Tuscien, Campanien, Calabrien, Apulien, Bruttium, Sicilien, ganz Afrika, Sardinien, Spanien, Gallien, Britanien. Ihnen schloßen sich auch Ursacius und Valens an, die zuerst auf Seite der Ankläger standen, später aber ihre Gesinnung änderten. Denn sie stimmten nicht nur dem über uns gefällten Urtheile bei, sondern gaben auch zu, daß sie selbst und unsere übrigen Gegner uns verleumdet hätten. Denn da sie in dieser Weise ihre Ansicht geändert und in dieser Weise geschrieben haben, so überführen sie offenbar auch die Anhänger des Eusebius. Denn gemeinsam mit ihnen schmiedeten sie Ränke gegen uns. Es wird nun Jedermann zugeben, daß es überflüssig sei, das, was von so vielen und so großen Bischöfen geprüft, entschieden und klar bewiesen wurde, noch einmal entscheiden zu lassen, damit es nicht, wenn es auch jetzt noch untersucht wird, wieder entschieden und nochmals untersucht werde, und so ihre übertriebene Geschäftigkeit kein Ende finde.

    2.

    Es hätte das Urtheil so vieler Bischöfe genügt, um die Leute zu beschämen, die gegen uns auch nur zum Scheine noch Etwas vorbringen wollten. Da aber sogar die Feinde für uns und gegen sich selbst Zeugniß geben, indem sie das, was gegen uns geschehen ist, für Ränke erklären, wer schämt sich nicht, jetzt noch einen Zweifel zu hegen? Denn während das Gesetz befiehlt, daß die Urteilssprüche auf der Aussage von zwei oder drei Zeugen beruhen <s 53> sollen,3 so haben wir eine so große Menge Zeugen für uns, zu der auch noch die Erklärung unserer Feinde hinzutritt, daß auch die Übrigen sich nicht mehr auf ihren willkürlichen Urteilsspruch berufen, sondern sich genöthigt sehen, uns, von denen sie überführt werden, mit Beleidigungen statt mit Gründen zu bekämpfen. Denn das macht ihnen den größten Kummer, daß das, was sie selbst heimlich thaten und in einem verborgenen Winkel unter sich abmachten, von Valens und Ursacius ausgeredet und ans Licht gezogen wurde. Auch ist ihnen wohl bekannt, daß deren Sinnesänderung ihnen zum Verdammungsurtheil wird, denen aber, die von ihnen gekränkt wurden, zur Rechtfertigung dient. Deßhalb wurden sie auch auf der Synode in Sardica, wie ich vorhin gemeldet, verurtheilt, und zwar mit Recht. Denn in dieser Weise vertheidigten einst auch die Pharisäer den Paulus und verriethen ihre und der Juden Verschwörung gegen ihn.4 So wurde bewiesen, daß der selige David ohne Grund verfolgt wurde, als sein Verfolger das Geständniß machte: „Ich habe gefehlt, Sohn David!“5 So wollten auch diese es machen, indem sie von der Wahrheit sich besiegen ließen, und übergaben dem Julius, Bischof von Rom, ein Schreiben. Sie schrieben auch an uns und verlangten in Frieden mit uns zu leben, da sie doch so großen Lärm geschlagen hatten und wohl jetzt noch erröthen, weil sie die, welche sie zu tödten gesucht hatten, durch die Gnade des Herrn noch am Leben sehen. Und über Arius und seine Häresie sprachen sie das Verdammungsurtheil aus und handelten hierin folgerichtig. Denn da sie wußten, daß die Anhänger des Eusebius uns lediglich wegen ihrer eigenen Gottlosigkeit verfolgten, so sagten sie sich, nachdem sie einmal zum Geständniß sich entschlossen hatten, uns verleumdet zu haben, zugleich auch von der christusfeindlichen Häresie los, wegen welcher sie auch <s 54> auf uns gelogen hatten. Was nun von den Bischöfen zu unserer Vertheidigung in verschiedenen Synoden geschrieben worden ist, und zuerst von den ägyptischen, ist Folgendes.

    Die heilige Synode in Alexandria, versammelt aus Ägypten, der Thebais,6 Libyen und der Pentapolis,7 entbietet allen Bischöfen der katholischen Kirche, den geliebten und heißersehnten Brüdern im Herrn ihren Gruß.

    3.

    Wir hätten bereits, geliebte Brüder, im Anfang als man gegen unsern Amtsgenossen Athanasius Ränke zu schmieden begann, oder nachdem er nach Alexandria gekommen war,8 ihn gegen die Ränke der Anhänger des Eusebius vertheidigen und über die von denselben ihm zugefügten Leiden Beschwerde erheben und alle gegen ihn vorgebrachten Verleumdungen enthüllen können. Da es aber damals die Umstände nicht erlaubten, wie ihr selbst wißt, wir aber jetzt nach der Rückkehr des Bischofs Athanasius glaubten, sie würden wegen ihrer so offenkundigen Ungerechtigkeiten sich schämen und erröthen, so wollten wir deßhalb schweigen. Da sie aber nach so vielen Leiden des Mannes, nachdem er nach Gallien verbannt war und statt im heimathlichen Lande in einem fremden weit entfernten Lande sich aufhielt, nachdem er in Folge ihrer Verleumdungen bald getödtet worden wäre, wenn er nicht einen gütigen Kaiser gefunden hätte, was doch jedem andern wenn auch noch so grausamen Feinde genügt hätte, dennoch nicht erröthen, sondern gegen die Kirche und den Mann wieder übermüthig anstürmen, und weil sie über seine Freilassung ungehalten sind, neuerdings Schlimmeres wagen und leichtsinnige Anklagen erheben, ohne die Worte der heiligen Schrift zu fürchten: „Ein <s 55> lügenhafter Zeuge wird nicht ungestraft bleiben,“9 und: „Ein Mund, der lügt, tödtet die Seele,“10 so können wir aus diesem Grunde nicht mehr schweigen und sind erstaunt über ihre Bosheit und ihren unersättlichen Wetteifer, Ränke zu schmieden. Denn siehe, sie hören nicht auf, von Neuem die Ohren des Kaisers gegen uns zu stacheln, hören nicht auf, zur Beseitigung eines Bischofes unheilschwangere Briefe zu schreiben, der ein Feind ihrer Gottlosigkeit ist. Denn wieder haben sie in einem Schreiben an die Kaiser ihn angegriffen, wieder wollen sie gegen ihn intriguiren, indem sie ihm Mordthaten zur Last legen, die nicht vorgekommen sind. Wieder wollen sie ihn tödten, indem sie Todschläge ihm aufbürden, die nicht stattfanden. Denn auch damals hätten sie ihn durch ihre Verleumdungen getödtet, wenn wir nicht einen gütigen Kaiser gehabt hätten. Wieder suchen sie ihn, damit wir das Geringere sagen, in die Verbannung zu schicken, und stellen sich, als ob ihnen die Unfälle derer zu Herzen gingen, die durch ihn das Loos der Verbannung getroffen habe. Sie äussern ihren Schmerz über das, was bei uns nicht vorkam, begnügen sich aber nicht mit dem, was gegen ihn bereits geschah. Vielmehr wollen sie neuerdings noch Schlimmeres hinzufügen, so groß ist ihre Milde und Güte, so menschenfreundlich sind ihre Sitten, oder vielmehr, um die Wahrheit zu sagen, so verkommen und grausam sind sie, da sie mehr in Schrecken und Drohungen als in Gottesfurcht und Milde, wie es sich für Bischöfe geziemt, ihre Ehre suchen. Denn sie haben solche Reden in ihren Schreiben an die Kaiser vorzubringen gewagt, wie sie nicht einmal irgend ein ausserhalb der Kirche stehender Prozeßkrämer aussprechen möchte, und so vieler Mordthaten und Todschläge beschuldigten sie ihn nicht vor einem Statthalter, noch vor sonst irgend einem Hochgestellten, sondern vor den drei Kaisern. Und sie schracken vor keiner noch so weiten Reise zurück, damit nur alle hohen Gerichtshöfe <s 56> von ihrer Anklage erfüllt würden. Denn eine Anklage ist es in der That, Geliebte, was von ihnen geschah, eine Anklage, die alle andern weit übertrifft, da auch die Gerichtshöfe alle andern menschlichen Gerichtshöfe weit übertreffen. Denn auf was Anderes zielt diese Untersuchung ab, als durch Aufreizung der Kaiser ihm den Tod zu bereiten?

    4.

    Nicht also die Thaten des Athanasius, sondern ihre eigenen sind geeignet, Thränen und Wehklagen hervorzurufen. Mit Recht möchte man also vielmehr über sie weinen. Denn über sie muß man Thränen vergießen, da ja geschrieben steht: „Weinet nicht über den Todten und erhebet keine Wehklage um ihn. Vergießet Thränen über den, der fortzieht, weil er nicht mehr zurückkehren wird.“11 Denn ihr ganzer Brief ist auf nichts Anderes als auf den Tod gerichtet, und sie gehen darauf aus, zu morden, wenn ihnen nachgegeben wird, und in die Verbannung zu schicken. Denn es wurde ihnen vom gottesfürchtigen Vater der Kaiser nachgegeben, der ihren Groll statt mit Hinrichtung durch Veränderung des Aufenthaltsortes befriedigte. Wir glauben nun, es werde euer Gewissen in Christus begreifen, daß diese Thaten nicht einmal für einfache Christen, ja kaum für Heiden, am allerwenigsten aber für Bischöfe sich geziemen, von denen man voraussetzt, daß sie Andere zur Gerechtigkeit anleiten. Denn wenn sie Andere von Anklägereien abzuhalten suchen, warum treten sie selbst als Ankläger und sogar vor Kaisern auf? Warum geben sie sich, da sie Mitleid mit dem Unglück lehren, nicht einmal nach unserer Verbannung zufrieden? Denn als gemeinsam erachteten wir Bischöfe die Verbannung, und Alle glaubten wir verbannt und jetzt mit Athanasius der Heimath zurückgegeben und statt der früheren Thränen und Klagen jetzt in die höchste Freude und Glückseligkeit versetzt zu sein, die der Herr erhalten und durch die Anhänger des Eusebius nicht möge vernichten lassen. Das würde selbst dann einen Tadel <s 57> verdienen, wenn ihre Anschuldigungen gegen ihn wahr wären, weil sie im Widerspruch mit dem Gebote des Christenthums auch nach den Leiden der Verbannung neuerdings auf ihn losgehen und Anklagen auf Mordthaten, Todschläge und andere Vergehen erheben und damit in feindseliger Gesinnung gegen die Bischöfe die Ohren der Kaiser umtönen. Wenn sie aber durchweg lügen und durchweg Ränke schmieden und keine Wahrheit in ihrem Munde noch in ihren Schriften ist, wie weit verzweigt ist ihre Bosheit? Oder was müßt ihr von diesen Menschen halten? Wollen wir nunmehr an die Sache selbst gehen und uns mit ihren gegenwärtigen Anklagen befassen. Denn wir werden hieraus nachweisen, daß auch das, was sie früher als Synodalbeschluß verbreiteten, nicht in der rechten Weise zu Stande gekommen sei, ja sogar nicht einmal richtig dargestellt werde, und sie werden auch hierin wieder sich verurtheilt sehen.

    5.

    Wir schämen uns wohl, in Betreff solcher Dinge uns zu vertheidigen. Da jedoch die vermessenen Ankläger vor Nichts zurückschrecken und die Beschuldigung vorbringen, daß nach der Rückkehr des Athanasius Mordthaten und Todschläge geschehen seien, so bitten wir, über die Rechtfertigung nicht ungeduldig zu werden, wenn sie auch etwas weitschweifig wird, denn die Umstände machen es nothwendig. Eine Mordthat ist nun weder durch Athanasius geschehen, noch seinetwegen, da uns denn die Ankläger, wie wir vorhin gesagt haben, auf dieses schmähliche Gebiet der Vertheidigung führen. Denn Hinrichtungen und Gefängniß sind unserer Kirche fremd. Dem Scharfrichter hat Athanasius keinen Menschen überliefert, und das Gefängniß wurde durch ihn, so weit er einen Einfluß üben konnte, niemals bevölkert. Unsere Heiligthümer waren wie immer so auch jetzt unbefleckt, und nur durch das Blut Christi und die fromme Gesinnung gegen ihn ehrwürdig. Kein Priester, kein Diakon wurde von Athanasius getötet. Keine Hinrichtung, keine Verbannung wurde von dem Manne bewerkstelligt. Aber hätten nur auch sie gegen ihn Dieß in Wahrheit nicht gethan und ihn nicht Dieß zu leiden genöthigt! <s 58> Denn hier ist seinetwegen Niemand verbannt worden, sondern nur durch sie der Bischof Athanasius von Alexandria. Und da dieser aus der Verbannung zurückgekehrt ist, suchen sie ihn neuerdings in die nämliche oder in eine noch schlimmere Lage zu versetzen, indem sie ihre Zunge zu allen lügenhaften und todbringenden Worten in Bewegung setzen. Denn sieh, nun schreiben sie auch die Thaten der Richter ihm zu, und obschon sie im Briefe offen zugeben, daß der Eparch von Ägypten gegen Einige das Urtheil gesprochen habe, so scheuen sie sich dessenungeachtet nicht, für diese Urtheile den Athanasius verantwortlich zu machen, und zwar als er noch nicht einmal nach Alexandria gekommen, sondern auf der Rückreise aus der Verbannung begriffen war und sich in Syrien aufhielt, wenn man anders auch eine weite Abwesenheit zur Rechtfertigung vorbringen soll, daß man für das nicht verantwortlich sein könne, was ein Feldherr oder Eparch in Ägypten thut. Denn wenn er auch in Alexandria gewesen wäre, was haben die Thaten des Eparchen mit Athanasius zu schaffen? Aber gleichwohl war er in der Gegend nicht anwesend, und was geschah, ist nicht in kirchlichen Angelegenheiten vom Eparchen in Ägypten unternommen worden, sondern aus gewissen Veranlassungen, die ihr aus den Akten ersehen werdet, die wir, nachdem wir von ihrem Schreiben Kenntniß bekommen haben, zum Überfluß euch übersenden.12 Da sie also auch jetzt laut schreien, daß das geschehen sei, was nicht geschehen und weder durch ihn, noch seinetwegen geschehen ist, und betheuern, daß sie von so vielen Übelthaten volle Gewißheit haben, so sollen sie sagen, aus welcher Synode sie auch diese Kenntniß erlangt haben, durch welche Beweise, durch welchen Richterspruch. Wenn sie aber, ohne einen Anhaltspunkt zu haben, so Etwas schlechtweg behaupten, so stellen wir es euch anheim, zu ermessen, wie das Frühere geschehen ist, oder wie sie es darstellen. Denn es ist nichts Anderes als <s 59> Ränkesucht, feindliche Verfolgung, ein unaufhaltsam hervortretender Groll, eine Gottlosigkeit, die gegen die Gottesfurcht im Kampfe für die Ariomaniten wüthet, damit die Rechtgläubigen auf die Seite geschafft werden und die Fahnenträger der Gottlosigkeit von nun an, was ihnen beliebt, ohne Scheu predigen können. Wahrlich so verhält es sich.

    6.

    Als der gottlose Arius, von dem auch die Häresie der Ariomaniten den Namen trägt, vom seligen Bischof Alexander aus der Kirche ausgestoßen worden war, glaubten die Anhänger des Eusebius, da sie Jünger und Genossen seiner Gottlosigkeit waren, gleichfalls ausgestoßen zu sein und wendeten sich schriftlich mit dringenden Bitten an den Bischof Alexander, er möge den Häretiker Arius nicht aus der Kirche ausschließen. Da aber Alexander wegen seiner Frömmigkeit gegen Christus den Gottlosen nicht aufnahm, so grollten sie auf Athanasius, der damals Diakon war, weil sie ausspionirt hatten, daß er mit dem Bischof Alexander sehr viel verkehre und bei ihm in Ansehen stehe. Da sie auch auf der in Nicäa versammelten Synode seine Frömmigkeit gegen Christus kennen gelernt hatten, wo er gegen die Gottlosigkeit der Ariomaniten unerschrocken aufgetreten war, so wurde ihr Haß noch größer. Als ihn aber Gott zur bischöflichen Würde berief, wurde die lange genährte Bosheit von Neuem angefacht, und da sie seine Rechtgläubigkeit und seinen Widerstand gegen die Gottlosigkeit fürchteten und Eusebius noch mehr von seinem schlechten Gewissen beunruhigt wurde, so verfolgten und bedrängten sie den Mann auf alle mögliche Weise. Sie reizten gegen ihn den Kaiser auf, drohten oft mit Synoden und versammelten sich schließlich in Tyrus. Und selbst jetzt hören sie noch nicht auf, gegen ihn zu schreiben, und sie sind so unversöhnlich, daß sie auch seine Erhebung zur bischöflichen Würde begeifern und überall ihre Feindseligkeit und ihren Haß gegen den Mann zu erkennen geben und Lügen verbreiten, um nur durch ihre Lügenhaftigkeit ihn in üblen Ruf zu bringen. Aber gerade mit diesen ihren Lügen beweisen sie, <s 60> daß das, was sie früher sagten, erlogen und ränkevoll war. Sie sagen nämlich: „Nach dem Tode des Bischofs Alexander, da einige Wenige des Athanasius Erwähnung thaten, wählten ihn sechs oder sieben Bischöfe heimlich und an einem verborgenen Orte.“ Das schrieben sie auch an die Kaiser, da sie jede Lüge zu schreiben bereit sind. Daß aber die ganze Menge und das ganze Volk der katholischen Kirche wie in einer Seele und in einem Leibe sich versammelte und rief und schrie und den Athanasius zum Bischof der Kirche verlangte, um das öffentlich zu Christus flehte und uns viele Tage und Nächte hindurch beschwor, hierin zu willfahren, und weder selbst die Kirche verließ, noch uns gestattete, uns zu entfernen, das können sowohl wir bezeugen als auch die ganze Stadt und Eparchie. Und sie brachten nicht, wie Jene schrieben, etwas Ungünstiges gegen ihn vor, sondern nur Gutes, indem sie ihn eifrig, fromm, einen Christen, einen Asceten, einen wahren Bischof nannten. Daß aber die Mehrzahl von uns im Angesichte und unter den Zurufen Aller ihn wählte, dafür sind wiederum wir, die wir ihn wählten, bessere Zeugen als die, welche abwesend waren und lügen. Gleichwohl weiß Eusebius an der Einsetzung des Athanasius Etwas auszusetzen, ein Mensch, der vielleicht gar keine Einsetzung gehabt hat und, wenn er sie hatte, sie selbst ungiltig machte. Anfangs war er in Berytus,13 dann verließ er Berytus und ging nach Nikomedien,14 indem er ersteres im Widerspruch mit dem Gesetze verließ und letzteres gegen das Gesetz in Besitz nahm. Und seine eigene Kirche verließ er lieblos, in die fremde aber ist er unberechtigt eingedrungen. Und indem er die Liebe zur ersten in Folge der Begierde nach der fremden ausser Acht ließ, bewahrte er sie nicht einmal der zweiten, obschon sie aus Begierde entsprungen war. Denn sieh, auch diese verließ er und hat wieder eine fremde in Besitz,15 indem er überall auf fremde <s 61> Städte seine Augen wirft und in den Reichthum und in die Größe der Städte die Gottesfurcht setzt und die Auserwählung Gottes, durch die Einer eingesetzt wurde, für Nichts achtet und nicht weiß, daß, wo zwei oder drei im Namen des Herrn versammelt sind,16 dort der Herr mitten unter ihnen ist, und nicht die Worte des Apostels erwägt: „In fremden Mühen werde ich mich nicht rühmen,“17 nicht achtet auf seine Mahnung: „Bist du an ein Weib gebunden, so suche nicht, dich zu scheiden.“18 Wenn der Ausspruch von einem Weibe gilt, um wie viel mehr von einer Kirche und von dem nämlichen bischöflichen Sitze? Denn wer an einen solchen gebunden ist, muß nicht einen andern suchen, damit er nicht nach den göttlichen Schriften als Ehebrecher erfunden werde.

    7.

    Aber obschon er solche Dinge auf seinem Gewissen hatte, hat er es doch gewagt, die Einsetzung des Athanasius, die bei Allen ein gutes Zeugniß hat, anzugreifen, und wagt es, ihm die Absetzung vorzuwerfen, und ist doch selbst abgesetzt worden, wie die statt seiner vorgenommene Einsetzung bezeugt. Wie konnten nun er oder Theognius einen Andern absetzen, da sie selbst abgesetzt worden sind und durch die statt ihrer vorgenommenen Einsetzungen überführt werden? Denn es ist euch wohl bekannt, daß Amphion in Nikomedien, Chrestus in Nicäa statt ihrer sowohl wegen ihrer eigenen Gottlosigkeit eingesetzt wurden, als auch wegen ihrer Gemeinschaft mit den von der ökumenischen Synode verurtheilten Ariomaniten. Und indem sie jene wahre Synode ausser Kraft setzen wollen, bemühen sie sich, ihrer eigenen rechtswidrigen Zusammenrottirung den Namen einer Synode zu verschaffen, und indem sie die Beschlüsse der ersteren nicht gelten lassen wollen, verlangen sie, daß ihre eigenen Beschlüsse gelten, und reden von einer Synode, da sie einer so großen Synode nicht gehorchen. In dieser Weise haben sie sich nicht um eine Synode gekümmert, sondern sie geben <s 62> sich den Anschein, als ob sie sich darum kümmerten, um die Rechtgläubigen aus dem Wege zu schaffen und die von der wahren und großen Synode gegen die Arianer gefaßten Beschlüsse umzustoßen. Indem sie diese, wie immer, so auch jetzt in Schutz nehmen, wagen sie es, den Bischof Athanasius mit Lügen zu verfolgen. Denn ähnlich ist auch das, was sie jetzt lügen, daß es bei seinem Einzuge Aufstände, Thränen und Wehklagen gegeben habe, weil das Volk über seine Aufnahme ungehalten war. Denn nicht so Etwas hat stattgefunden, sondern gerade das Gegentheil, Freude und Fröhlichkeit und Zusammenströmen des Volkes, das zum ersehnten Anblick herbeieilte. Voll Jubel waren die Kirchen, und überall wurden dem Herrn Dankgebete dargebracht. Alle Kirchendiener und Kleriker wurden bei seinem Wiedersehen in ihren Herzen mit Freude erfüllt und erachteten jenen Tag für den schönsten Tag ihres Lebens. Und was brauchen wir die unaussprechliche Freude zu schildern, die wir Bischöfe empfanden? Wir haben ja schon vorhin gesagt, daß wir mit ihm zu leiden glaubten.

    8.

    Da Dieß also in dieser Weise als ausgemacht erscheint und von ihnen in entgegengesetzter Weise vorgebracht wird, was für eine Zuversicht gewährt die von ihnen vielgenannte Synode19 oder richterliche Entscheidung? Denn wie können die, welche in dieser Weise es wagen, sich mit dem zu befassen, was sie nicht sahen, worüber sie nicht zu richten hatten, wozu sie nicht zusammenkamen, und darüber zu schreiben, wie wenn sie überzeugt wären, in dem einen Glauben finden, was sie als Zweck ihrer Zusammenkunft bezeichnen? Wird man nicht glauben, daß sie das Eine wie das Andere in feindseliger Gesinnung gethan haben? Denn was für eine Synode von Bischöfen gab es damals auch? was für eine Versammlung, der es um die Wahrheit zu thun war? War nicht die Mehrzahl derselben gegen uns feindlich gesinnt? Lagen nicht wegen der Raserei des Arius <s 63> die Anhänger des Eusebius mit uns im Kampfe? Verleiteten sie nicht die Andern, die mit ihnen gleicher Ansicht waren? Schrieben wir nicht beständig gegen sie, als gegen Meinungsgenossen des Arius? Wurde nicht Eusebius zu Cäsarea in Palästina von den Bekennern auf unserer Seite des Götzenopfers beschuldigt? Wurde Georgius nicht überwiesen, daß er von dem seligen Alexander abgesetzt worden sei? Wurden nicht Andere wegen verschiedener anderer Dinge angeklagt? Warum wollten sie also, um über uns zu richten, zusammenkommen? Und wie können sie sich erdreisten, von einer Synode zu reden, bei der ein Comes20 präsidirte, ein Spekulator21 anwesend war und ein Commentarius22 statt der Diakonen der Kirche uns einführte? Jener sprach, und die Anwesenden schwiegen oder gehorchten vielmehr dem Comes. Und die Bischöfe wurden durch sein Eingreifen gehindert, der Meinung ihres Herzens zu folgen.23 Jener commandirte, wir aber wurden von den Soldaten fortgeschleppt, oder er war vielmehr auf Befehl der Eusebianer ihrem Willen zu Diensten. Überhaupt aber, Geliebte, was ist das für eine Synode, wo der Ausgang Verbannung und Hinrichtung war, wenn es dem Kaiser gefiel? Was waren es aber auch für Beschuldigungen? Denn man muß sich hierin noch mehr über sie wundern. Es war ein gewisser Arsenius, dessen Ermordung sie zum Vorwurf machten, und sie sprachen die Verleumdung wegen eines zerbrochenen heiligen Kelches aus. Aber Arsenius lebt und wünscht mit <s 64> uns in Gemeinschaft zu treten und erwartet keine anderen Zeugnisse, um zu beweisen, daß er lebt, sondern bekennt selbst, daß er lebt, und schreibt einen eigenhändigen Brief an unsern Mitbischof Athanasius, den sie als seinen Mörder erklärten. Die Gottlosen schämten sich nicht, die Anklage zu erheben, daß ein Mann trotz des großen Zwischenraumes, da er zu Wasser und zu Land eine gar weite Strecke entfernt war, von ihm getödtet worden sei. Und man wußte in jenen Zeiten nicht einmal seinen Aufenthaltsort, sondern sie haben sich sogar erkühnt, ihn unsichtbar zu machen, ohne daß ihm Etwas begegnet war. Und wäre es möglich gewesen, so hätten sie ihn in eine andere Welt versetzt oder ihn vielmehr wirklich aus der Welt geschafft, um nur, sei es durch einen wirklichen, sei es durch einen erdichteten Mord den Athanasius in Wahrheit zu morden. Aber der göttlichen Vorsehung sei auch in dieser Beziehung Dank gesagt, daß sie kein Unrecht gedeihen ließ, sondern den Arsenius in lebendem Zustand Allen vor Augen führte und ihre damaligen Intriguen und Ränke offen bewies. Denn er flieht uns nicht als Mörder, noch haßt er uns, als ob wir ihm ein Unrecht angethan hätten. Denn es ist ihm ganz und gar Nichts geschehen. Vielmehr will er mit uns in Gemeinschaft stehen und zu uns gezählt werden, wie er uns schreibt.

    9.

    Gleichwohl wurde von ihnen gegen Athanasius intriguirt, als hätte er den Lebenden getödtet, und er wurde von ihnen sogar verbannt. Denn nicht der Vater der Kaiser verbannte ihn, sondern ihre Verleumdungen. Denn sehet, ob es sich nicht so verhält. Als an unserm Amtsgenossen Athanasius Nichts erfunden wurde, der Comes aber Gewalt anwendete und Vieles gegen ihn in Bewegung setzte, entzog sich der Bischof Athanasius der Anwendung von Gewalt und ging zum gottesfürchtigen Kaiser, wo er zugleich gegen den Comes und ihre Intriguen protestirte und verlangte, es möchte eine rechtmäßige Synode von Bischöfen berufen werden, oder er selbst gestatten, daß er sich gegen die ihm gemachten Vorwürfe vertheidige. Und der Kaiser, von <s 65> Unmuth ergriffen, ladet sie schriftlich vor und erklärt, er wolle sie selbst hören, da er auch den Zusammentritt der Synode veranstaltet hätte. Die Eusebianer reisten hin und brachten über Athanasius nicht mehr die Anklagen vor, mit denen sie in Tyrus so viel Lärm geschlagen hatten, sondern wegen des Zurückhaltens des Getreides und der Schiffe, wie wenn Athanasius erklärt hätte, er könne die Ausfuhr des Getreides von Alexandria nach Konstantinopel verhindern. Das haben Einige von den Unsrigen, die mit Athanasius im Palaste waren, vernommen, als der Kaiser darob ihn anfuhr. Als hierauf Athanasius über die Anklage einen großen Jammer aufschlug und betheuerte, daß dieselbe nicht auf Wahrheit beruhe, denn ein armer Privatmann hätte keine so große Macht, da schwor Eusebius, indem er nicht einmal die öffentliche Verleumdung scheute, Athanasius sei reich und mächtig und vermöge Alles, um so glauben zu machen, daß Athanasius auch das gesagt habe. Solche Anklagen erhoben die ehrwürdigen Bischöfe. Die Gnade Gottes freilich hat sich stärker erwiesen als ihre Bosheit. Denn sie hat die Gottesfurcht des Kaisers zur Milde bewogen und setzte an die Stelle des Todes die Verbannung. Es sind also ihre Verleumdungen daran Schuld und nichts Anderes. Denn der Kaiser tadelte in einem frühern Schreiben ihre Ränkesucht, beschuldigte sie der Verfolgungssucht, verurtheilte die Melitianer, indem er sie in seinem Schreiben als ungerecht, fluchwürdig und mit den schrecklichsten Namen bezeichnete. Er wurde nämlich aufgebracht, als er von einem getödteten Menschen hörte, der am Leben war; er wurde aufgebracht, als er von der Ermordung eines Lebenden hörte, der des Lebens nicht beraubt war. Den Brief haben wir euch zugesendet.24

    10.

    Die sonderbaren Eusebianer schützen gleichwohl, damit es den Anschein gewinne, als ob sie dadurch die Wahrheit, und was geschrieben vorliegt, entkräften könnten, den Namen einer Synode vor, setzen aber an die Stelle <s 66> derselben den Kaiser. Und es findet sich dabei ein Comes ein, und Soldaten finden sich dabei ein als Trabanten der Bischöfe, und ein kaiserliches Schreiben ruft die zur Versammlung, welche sie dazu beiziehen wollten. Betrachtet hier ihre ausserordentliche Verfolgungssucht und die Widersprüche in ihrem kecken Verfahren, um in jeder Weise, sei es wie nur immer, uns den Mann zu entreissen. Denn wenn sie als Bischöfe sich allein das Recht der Entscheidung zuerkannten, wozu hatten sie einen Comes und Soldaten nöthig? Oder warum versammelten sie sich auf ein kaiserliches Schreiben hin? Und wenn sie des Kaisers bedurften und sich seines Ansehens bedienen wollten, warum ließen sie seine Entscheidung nicht gelten? Oder warum, da Jener die Melitianer in seinem Schreiben für verruchte Intriguanten, den Athanasius aber für ganz unschuldig erklärt und die Erdichtung von dem Morde an Einem, der noch am Leben ist, höchlich mißbilligt hatte, haben sie entschieden, daß die Melitianer die Wahrheit sprechen, Jener aber schuldig sei, und haben sie ohne Scheu aus dem Lebenden einen Todten gemacht, der noch nach der richterlichen Entscheidung des Kaisers lebte, und noch als sie zusammentraten, und der bis jetzt noch unter uns weilt? So viel von Arsenius.

    11.

    Welcher heilige Kelch aber und wo ist ein solcher von Makarius zerbrochen worden? Denn das verbreiten sie und sprengen es nach allen Richtungen aus. Aber den Athanasius haben nicht einmal die Ankläger zu beschuldigen gewagt, wenn sie nicht von ihnen angestiftet wurden. Gleichwohl richten sie den Tadel gegen ihn, da er doch nicht einmal den Makarius hätte treffen sollen, wenn er nicht überführt war. Und sie schämen sich nicht, mit diesen Geheimnissen vor den Katechumenen, ja was das Schlimmste ist, vor den Heiden Scandal zu erregen, da man doch, wie geschrieben steht, das Geheimniß des Königs verbergen soll,25 wie auch der Herr befahl: „Gebet das Heilige nicht den Hunden, und werfet die Perlen nicht den Schweinen vor!“26 <s 67> Denn man muß nicht die Geheimnisse den Uneingeweihten zum Besten geben, damit nicht die unwissenden Heiden darüber lachen, den Katechumenen aber, indem sie zur Neugierde gereizt werden, Ärgerniß gegeben werde. Gleichwohl, was für ein Kelch oder wo oder von wem ist ein solcher zerbrochen worden? Melitianer sind ja die Ankläger, die durchaus keinen Glauben verdienen; denn sie sind Schismatiker und Feinde der Kirche, nicht erst jetzt, sondern seit dem seligen Petrus, dem Bischof und Martyrer, da sie ja auch den Petrus selbst verfolgten, den Achillas, seinen Nachfolger, verleumdeten und den Alexander sogar beim Kaiser anklagten. Denn nachdem sie so in dieser Weise verfahren waren, machten sie sich zuletzt auch an Athanasius und thaten Nichts, was mit ihrer Bosheit nicht in Einklang stand. Denn wie gegen die Früheren, so intriguirten sie auch gegen ihn, nur haben erst jetzt und nicht früher ihre Intriguen und Verleumdungen Erfolg gehabt, weil sie die Eusebianer zu Gehilfen und Führern hatten, wegen der den Ariomaniten eigenen Gottlosigkeit, in welcher sie wie gegen viele Bischöfe so auch gegen Athanasius Ränke schmiedeten. Denn der Ort, an dem nach ihrer Angabe der Kelch zerbrochen wurde, war keine Kirche, kein Priester bewohnte den Ort. Der Tag, an dem Makarius das gethan haben soll, war kein Sonntag. Da also dort weder eine Kirche war noch ein Priester, noch auch der Tag es mit sich brachte, was für ein heiliger Kelch oder wann oder wo ist er zerbrochen worden? Denn es gibt offenbar auch viele Kelche in den Häusern und mitten auf dem Markte, und wer einen von diesen bricht, handelt nicht gegen die Gottesfurcht.27 Der heilige Kelch aber, durch dessen absichtliche Zerbrechung der, welcher es unternimmt, als gottlos erscheint, ist nur bei den rechtmäßigen Vorständen zu finden. Dieß Verhältniß allein hat es mit diesem Kelche, kein anderes. Diesen reicht ihr dem Volke vorschriftsmäßig zum Genusse, diesen habt ihr von der kirchlichen Anordnung überkommen, dieser <s 68> gehört denen allein, die der katholischen Kirche vorstehen. Denn euch allein kommt es zu, das Blut Christi auszuspenden, ausserdem Keinem. Aber so gottlos der ist, der den heiligen Kelch zerbricht, so ist doch der noch gottloser, der das Blut Christi verhöhnt. Diese Verhöhnung begeht aber der, welcher das gegen die kirchliche Vorschrift thut.28 Und das sagen wir, nicht als ob von Makarius auch nur ein Kelch von Schismatikern zerbrochen worden wäre, da ja vielmehr ganz und gar kein Kelch dort war. Denn wie wäre es möglich gewesen, da dort keine kirchliche Stätte, kein Diener der Kirche, und da nicht einmal die Zeit für die Feier der Geheimnisse war?29 Es war dieß der vielgenannte Ischyras, der nicht einmal von der Kirche gewählt war noch, als Alexander die von Melitius eingesetzten Priester aufnahm, unter jener Zahl sich befand, also nicht einmal bei dieser Gelegenheit eingesetzt wurde.

    12.

    Wie ist also Ischyras Priester? Wer hat ihn denn geweiht? Etwa Kolluthus ?30 Denn das allein bleibt noch übrig. Es ist aber offenbar und unterliegt keinem Zweifel, daß Kolluthus als Priester starb und seine beiden Hände ohne Kraft waren und alle von ihm im Schisma Geweihten Laien sind und in dieser Eigenschaft in den Versammlungen erscheinen. Wie kann man also glauben, daß ein Privatmann, der ein Privathaus bewohnt, einen heiligen Kelch habe? Aber damals nannten sie den Privatmann einen Priester und gaben ihm diesen Namen aus Ungerechtigkeit gegen uns, und jetzt lassen sie ihm zum Lohne für seine Anklage eine Kirche bauen. Es hatte eben der Mann keine Kirche, sondern zum Lohn seiner schlechten Handlungsweise <s 69> und dafür, daß er sich zur Anklage brauchen ließ, empfängt er jetzt, was er nicht hatte. Und sie haben ihm vielleicht sogar die bischöfliche Würde zum Lohn gegeben. Denn das breitet er ringsherum aus, und mit solchem Stolze tritt er gegen uns auf. Solche Preise werden nun also von den Bischöfen an die Ankläger und Verleumder ausgetheilt, und mit Recht. Denn die, welche ihn zur Erreichung ihrer Zwecke benützt hatten, verschafften ihm, da er an ihren Thaten Theil genommen, die gleiche bischöfliche Würde. Doch laßt uns hievon noch schweigen und merket auf das, was damals von ihnen geschah.

    13.

    Da sie gegen die Wahrheit, obschon sie sich gegen dieselbe gerüstet hatten, nicht aufzukommen vermochten und Ischyras zu Tyrus Nichts beweisen konnte, sondern ihm nachgewiesen wurde, daß er ein Verleumder sei, und ihre Intriguen an der Verleumdung scheiterten, so setzten sie zum Zwecke der Beweisführung die Verhandlung aus und erklärten, Einige aus ihrer Mitte nach der Mareotis31 zur genaueren Untersuchung schicken zu wollen, und die, welche wir aus vielen Gründen, weil sie es mit Arius hielten und deßhalb unsere Feinde waren, offen zurückwiesen, sandten sie unter eigenmächtigem Vorgehen heimlich ab, den Diognius, Maris, Theodor, Macedonius und zwei Jüngere an Alter und Sitte, den Ursacius und Valens von Pannonien. Diese also begaben sich, nachdem sie schon eine so weite Reise unternommen hatten, um ihren Feind zu richten, wieder von Tyrus nach Alexandria. Dabei verschmähten sie es, obschon sie Richter waren, nicht, als Zeugen aufzutreten, vielmehr trieben sie offen jede Art der Verfolgung und scheuten keine Anstrengung und keine Reise, um ihr unternommenes Intriguenspiel zu einem günstigen Ausgang zu führen. Den Bischof Athanasius hielten und ließen sie in <s 70> fremdem Lande zurück, sie selbst aber gingen in die Stadt des Feindes, als wollten sie die Kirche und das Volk verheeren. Und was noch sonderbarer ist, während sie den Ankläger Ischyras mit sich führten, gestatteten sie dem angeklagten Makarius nicht, sie zu begleiten, sondern ließen ihn gefangen in Tyrus zurück. Denn nach allen Seiten hin wurde von ihnen der alexandrinische Priester Makarius angeschuldigt.

    14.

    Sie kamen also allein mit dem Ankläger nach Alexandria, indem sie mit diesem gemeinsam wohnten, aßen und tranken, und gingen in Begleitung des Philagrius, des Eparchen von Ägypten, nach der Mareotis ab, und dort führten sie allein mit dem Genannten die Untersuchung, wie es ihnen beliebte. Den Priestern, die inständig baten, daß man sie zulassen möchte, wurde die Bitte nicht gewährt. Es wünschten aber viele Priester in der Stadt und in der ganzen Provinz zugelassen zu werden, um zu zeigen, was für Leute die von Ischyras vorgeschlagenen Zeugen und woher sie seien. Und während sie die Diener der Kirche zurückwiesen, forschten sie bei den Heiden über Kirche, Kelch, Tisch und heilige Dinge nach. Und was noch ärger ist, bei der Untersuchung über einen heiligen Kelch luden sie Heiden als Zeugen vor, und die, von denen sie bei der Vorladung durch den Katholikus32 erklärt hatten, sie seien von Athanasius auf die Seite geschafft worden, und sie wüßten um ihren Aufenthaltsort nicht, die ließen sie nur zu sich und zum Eparchen kommen, und schämten sich der Behauptung nicht, daß die von Athanasius auf die Seite geschafft worden seien, auf deren Zeugenaussagen sie sich beriefen, wie es kein Geheimniß war, sondern auch hier geben sie wieder, da sie nur tödten wollen, in Nachahmung ihres Verfahrens bei Arsenius die Lebenden für todt aus. Denn Menschen, die <s 71> noch am Leben sind und in ihrem Heimathsland gesehen werden können, lassen sie für euch, die ihr ferne seid, unter großen Jammerrufen verschwinden, um unsern Amtsbruder, weil die Beweise ferne sind, zu verleumden, als ob er äusseren Zwang und äussere Gewalt in Anwendung brächte, da doch sie selbst Alles mit Hilfe äusserer Gewalt und des weltlichen Armes vollbringen. Denn man verfuhr auch in der Mareotis wieder in ähnlicher Weise wie in Tyrus. Wie sich nämlich dort ein Comes mit militärischer Bedeckung befand, der nicht gestattete, daß Etwas gesagt oder gethan wurde, ausser was Jene beschlossen, ebenso befand sich auch hier der Eparch von Ägypten mit einer Abtheilung Soldaten, der alle Diener der Kirche in Schrecken setzte und Niemandem ein wahres Zeugniß abzulegen gestattete. Und in noch auffallenderer Weise wohnten sie am Orte und im Hause des Klägers selbst, und man wußte, daß sie untersuchten, wie es ihnen beliebte, da sie als Richter oder als Zeugen oder, was wahrscheinlicher ist, als Diener für ihre eigenen oder für des Eusebius Wünsche erschienen waren.

    15.

    Und was sie in Alexandria sich zu thun unterfangen haben, das ist euch, glauben wir, nicht unbekannt. Denn es hat sich überall verbreitet. Man griff mit entblößten Schwertern die heiligen Jungfrauen und die Brüder an und geißelte die bei Gott in Ehren stehenden Leiber. In Folge der Wunden wurden die an den Füßen gelähmt, die an der Seele in Keuschheit und in allen Tugenden unversehrt waren. Es wurden Handwerker und heidnische Haufen gegen sie in Bewegung gesetzt, um sie zu entblößen, zu schlagen, übermüthig zu behandeln, ihnen mit Altären und Darbringung von Opfern zu drohen. Ein übermüthiger Mann faßte, wie wenn nunmehr der Eparch aus Nachgiebigkeit gegen die Bischöfe dazu Erlaubniß gegeben hätte, eine Jungfrau bei der Hand und schleppte sie an einen nahen Altar, indem er den Zwang bei der Darbringung von Opfern und bei der Verfolgung nachahmte.33 Und <s 72> während das vorging und die Jungfrauen flohen und die Kirche von den Heiden verhöhnt wurde, befanden sich drinnen die Bischöfe und wohnten in dem Hause, wo das vorging, und von dem aus die Jungfrauen, weil man ihnen gefällig sein wollte, mit entblößten Schwertern, mit jeder Gefahr, mit Mißhandlungen und übermüthiger Behandlung Bekanntschaft gemacht haben. Und das duldeten sie fastend von denen, die drinnen mit den Bischöfen schmausten.

    16.

    [Forts. v. <s 72>] Da wir das vorhersahen, daß die Ankunft von Feinden nicht ein geringer Nachtheil wäre, lehnten wir sie ab. So dachte auch Alexander, Bischof von Thessalonich, der in einem Schreiben an die, welche dort zurückgeblieben waren, ihre Intriguen nachwies und von ihrer Verfolgungssucht Zeugniß gab. Wenn sie diesen nun auch zu den Ihrigen rechnen und als einen Teilnehmer an ihrer Verfolgung aufzählen, so beweisen sie damit nur, daß sie gegen ihn Gewalt gebraucht haben. Denn auch der Erzbösewicht Ischyras hat sich nicht ohne Furcht und Anwendung von Gewalt dazu verstanden, sondern ist zur Anklage durch Zwang getrieben worden. Beweis dafür ist, daß Ischyras selbst an seinen Mitbischof34 Athanasius schrieb, daß dort nichts Solches vollbracht worden sei, sondern daß er angestiftet wurde, es zu erdichten. Und das schrieb er, da er nicht von ihm als Priester aufgenommen war, nicht einen solchen Namen aus Gnade empfangen, nicht den Bau einer Kirche zur Belohnung erhalten hatte, nicht als Lohn die bischöfliche Würde ihm in Aussicht gestellt war, was er alles wegen seiner Anklage von ihnen bekam. Ja es pflog sogar seine ganze Verwandtschaft Umgang mit uns, den sie gewiß nicht gepflogen hätte, wenn ihnen das geringste Unrecht zugefügt worden wäre.

    17.

    <s 73> Daß das nicht eine leere Rede, sondern Thatsache ist, dafür sind Zeugen alle Priester in der Mareotis, die den Bischof immer auf seinen Rundreisen begleiten, und die damals gegen Ischyras schrieben. Aber weder gestattete man in Tyrus denen aus ihnen die Wahrheit zu sagen, die gekommen waren, noch erlaubte man denen, die in der Mareotis geblieben waren, dem Ischyras nachzuweisen, daß er ein Verleumder sei. Zeugniß geben auch die Abschriften der Briefe des Alexander, der Priester und des Ischyras. Wir schicken euch auch den Brief des Vaters der Kaiser.35 Darin zeigt er sich nicht bloß wegen des Arsenius ungehalten, daß man Anklage über die Ermordung eines Menschen erhebe, der noch lebt, sondern er drückte auch in Betreff des Kelches seine Verwunderung über das Schwankende und die Verworrenheit der Anklage aus, daß sie bald den Priester Makarius, bald den Bischof Athanasius anklagten, als hätte er den Kelch mit den Händen zerbrochen, und erklärt dann die Melitianer für Verleumder, dagegen den Athanasius für ganz schuldlos. Denn wie sind die Melitianer nicht Verleumder, und vor Allem Johannes?36 Dieser war in die Kirche aufgenommen worden und war mit uns in Gemeinschaft getreten. Er hatte sein eigenes Verfahren verurtheilt und Nichts mehr in Betreff des Kelches unternommen. Da sah er, daß die Anhänger des Eusebius den Ariomaniten ergeben seien, es aber nicht wagten, offen mit ihnen zu halten, sondern sich anderer Personen zu bedienen suchten, und so übernahm er eine Rolle wie ein Schauspieler bei den heidnischen Theatern. Das Stück hatte zum Gegenstand den Kampf der Arianer, der Grundgedanke war, ihnen zum Siege zu verhelfen, ihr Hinterhalt und ihre Wachposten Johannes mit seinem <s 74> Anhang. Damit die Gönner der Arianer, indem sie diese vorschieben, scheinbar als Richter die Feinde der Gottlosigkeit zurückdrängen, die Gottlosigkeit befestigen und die Arianer in die Kirche einführen, suchen sie, die die Gottesfurcht verdrängen wollen, auch durch Gottlosigkeit den Sieg zu erzwingen. Und die der Gottlosigkeit gegen Christus sich ergeben haben, suchten die Feinde der Gottlosigkeit als gottlos aus dem Wege zu räumen, und sie reden uns von einem zerbrochenen Kelche, damit es scheine, daß auch Athanasius gleich ihnen gegen Christus gottlos sei. Wie kommen sie nur dazu, von einem heiligen Kelch Erwähnung zu thun? Woher kommt den Fahnenträgern der Gottlosigkeit gegen Christus der fromme Sinn in Betreff eines Kelches? Woher ist denen, die Christus nicht kennen, der Kelch Christi bekannt? Warum entehren die, welche sich stellen, als ob sie einen Kelch ehrten, den Gott des Kelches? Oder warum suchen die, welche wegen eines Kelches Lärm schlagen, den Bischof zu morden, der in ihm die heilige Handlung vollbringt? Sie hätten ihn ja getödtet, wenn es in ihrer Macht gestanden wäre. Und warum suchen sie, da sie den mit bischöflichem Schmucke gezierten Thron beweinen, den Bischof zu tödten, der ihn einnimmt? Damit der Thron den Bischof vermisse und das Volk der frommen Lehre beraubt werde? Es hat sie also weder ein Kelch noch ein Mord noch sonst irgend eine von ihnen gemeldete Schauderthat, sondern die bereits erwähnte Gottlosigkeit der Arianer hiezu verleitet, wegen der sie den Athanasius und andere Bischöfe verfolgten und jetzt noch die Kirche bekriegen. Denn von wem sind denn die Mordthaten und Verbannungen in Wahrheit ausgegangen? Nicht von diesen? Wer verfolgt die Bischöfe, indem er sich der weltlichen Macht bedient? Sind es nicht vielmehr die Eusebianer, statt Athanasius, wie sie selbst schreiben? Haben nicht vielmehr von ihnen Athanasius und Andere zu dulden gehabt? Denn auch vier Priester37 aus Alexandria, die doch nicht einmal nach Tyrus <s 75> gekommen waren, sind in jener Zeit von ihnen in die Verbannung geschickt worden. Wer verdient beweint und betrauert zu werden? Nicht die, welche das Erste vollbrachten und Neues hinzuzufügen nicht verschmähten und alle Intriguen spielten, um einen Bischof zu verderben, der sich für ihre gottlose Häresie nicht gewinnen ließ? Daher stammt die Feindschaft der Eusebianer, daher stammen die Umtriebe in Tyrus, daher die vorgeblichen Richtersprüche, daher auch jetzt ihr Schreien ohne Richterspruch, wie wenn sie überzeugt wären, daher ihre Verleumdungen beim Vater der Kaiser und bei den gottesfürchtigen Kaisern selbst.

    18.

    Denn ihr müßt erfahren, was auch jetzt gegen unsern Amtsgenossen Athanasius ausgesagt worden ist, damit ihr auch hieraus von ihrer Schlechtigkeit euch überzeugt und einsehet, daß sie nichts Anderes beabsichtigen, als den Mann zu ermorden. Vom Vater der Kaiser wurde Getreide gespendet theils zum Unterhalte der libyschen, theils auch einiger ägyptischen Wittwen. Dieses empfangen bis in die Gegenwart Alle, und Athanasius erlangte davon für sich Nichts, als daß er nur mit ihnen die Mühe hatte. Und abschon jetzt die, welche es empfangen, keine Beschwerde führen, sondern bekennen, daß sie es empfangen, so hat man doch den Athanasius verleumdet, als ob er das ganze Getreide verkaufe und den Erlös für sich einstecke. Und diese Beschuldigung erhob in Folge der geschehenen Verleumdungen der Kaiser in einem Schreiben. Welches sind nun die Verleumder? Nicht die, welche das Erste vollbrachten und die folgenden Umtriebe nicht verschmähten? Wer hat dieses Schreiben veranlaßt, das, wie man sagt, vom Kaiser kam? Nicht die Arianer in ihrem Eifer, die gegen den Mann alles Mögliche zu reden und zu schreiben sich unterfangen? Denn Niemand möchte sie, da sie so Großes vollbracht haben, für unschuldig halten und Andere in Verdacht haben. Auch tritt der Beweis ihrer Verleumdung ganz deutlich an den Tag. Sie suchen nämlich, auf die Verleumdung gestützt, der Kirche das Getreide zu entziehen und es den Arianern zu verschaffen. Das fällt weitaus am <s 76> meisten den Urhebern des Planes und ihren Häuptern zur Last, die es weder verschmäht haben, mit Mordthaten gegen den Mann aufzutreten, als sie beim Kaiser lügenhaft gegen ihn Anklage erhoben, noch den Wittwen der Kirche die Nahrungsmittel zu entziehen, um eigentlich den Häretikern einen Gewinn zu verschaffen.

    19.

    Wir übersenden euch auch das Zeugniß unserer Amtsgenossen in Libyen, der Pentapolis und aus Ägypten,38 damit ihr auch daraus die gegen Athanasius gespielten Intriguen kennen lernet. Das aber thun sie, damit die, welche der gottesfürchtigen Lehre huldigen, von nun an aus Furcht schweigen sollen und die Häresie der gottlosen Arianer Eingang finde. Auch euerer Frömmigkeit, Geliebte, sei Dank gesagt, daß ihr oft in eueren Schreiben die Arianer mit dem Anathem belegtet und ihnen die Aufnahme in die Kirche nicht gewährt habt. Die Widerlegung der Eusebianer liegt nahe. Denn sehet, nach ihrem ersten Schreiben über die Arianer, von dem wir euch die Abschrift senden, hetzen sie nunmehr offenbar die von der ganzen katholischen Kirche mit dem Anathem belegten Ariomaniten gegen die Kirche auf, und sie stellten für sie einen Bischof auf39 und spalten durch ihre Drohungen und Schrecknisse die Kirchen, um überall Genossen ihrer Gottlosigkeit zu haben. Denn sie senden auch Diakonen zu den Ariomaniten, die offen bei ihnen ihre Zusammenkünfte halten und an sie schreiben und von ihnen Schreiben erhalten, dabei in die Kirche Spaltungen bringen, mit ihnen in Gemeinschaft stehen und überallhin Briefe senden, worin sie ihre Häresie befürworten und von der Kirche sich lossagen. Das werdet ihr aus dem abnehmen können, was sie an den römischen Bischof und wohl auch an euch schrieben. Daß nun das nicht <s 77> ungestraft bleiben kann, sehet auch ihr ein, Geliebte! Denn es ist schrecklich und der Lehre in Christus fremd. Deßhalb haben wir uns gemeinschaftlich versammelt und an euch geschrieben, und wir bitten euere Klugheit in Christus, ihr möget diese gemeinsame Erklärung gütig aufnehmen und unserm Mitbischof Athanasius euer Mitleid schenken und gegen die Anhänger des Eusebius euer Mißfallen zeigen, die Solches unternehmen, damit nie mehr eine solche Verkehrtheit und Schlechtigkeit in der Kirche einreisse. Denn euch rufen wir als Rächer dieser Ungerechtigkeit an, indem wir euch an das Wort des Apostels erinnern: „Nehmt den Bösen weg aus euerer Mitte!“40 Denn böse fürwahr und der Gemeinschaft unwürdig ist, was sie vollbracht haben. Achtet also nicht mehr darauf, wenn sie wieder gegen den Bischof Athanasius an euch schreiben, — denn Alles, was sie bringen, ist erlogen, ― und nicht einmal, wenn sie Namen ägyptischer Bischöfe in ihren Briefen eintragen sollten. Denn gewiß sind sie nicht von uns geschrieben, sondern von Melitianern, die beständig Schismatiker sind und jetzt noch die Kirchen in Verwirrung setzen und Aufstände erregen. Denn sie unternehmen unvernünftige Einsetzungen von fast heidnischen Männern und vollbringen solche Thaten, daß wir sie uns zu schreiben schämen, die ihr aber von denen erfahren könnt, die wir senden, und die euch auch den Brief überbringen.

    20.

    Dieß schrieben also die Ägyptier an alle Bischöfe und an den Bischof Julius in Rom. Die Eusebianer aber schrieben gleichfalls an Julius, und in der Absicht, uns zu erschrecken, baten sie ihn, er möge eine Synode berufen, und Julius möge selbst, wenn es ihm beliebe, die Sache entscheiden. Als wir nun nach Rom gegangen waren, so schrieb Julius natürlich auch an die Eusebianer. Er sendete zugleich zwei seiner Priester ab, den Elpidius und Philoxenus. Als Jene von uns vernahmen, erschracken sie, weil <s 78> sie nicht erwartet hatten, daß wir hinreisen würden, und sie lehnten es ab, indem sie unglaubwürdige Entschuldigungen vorbrachten, im Grunde aber fürchteten, sie möchten dessen überführt werden, was Ursacius und Valens eingestanden haben. Es traten nun über fünfzig Bischöfe da zusammen, wo der Priester Vito seine Versammlungen hielt, stimmten unserer Rechtfertigung bei und beschloßen, uns Gemeinschaft und Liebe zu gewähren. Sie drückten ihren Unwillen über Jene aus und baten den Julius, Folgendes an die Eusebianer zu schreiben, die auch an ihn geschrieben hatten, und er schrieb und sandte den Brief durch den Comes Gabianus.

    Brief des Julius.

    Julius dem Darius,41Flacillus, Narcissus, Eusebius, Maris, Macedonius,Theodor und ihren Genossen, die von Antiochia an uns geschrieben haben, den geliebten Brüdern, Gruß im Herrn!

    21.

    Ich las den Brief, der mir durch meine Priester Elpidius und Philoxenus überbracht wurde, und es befremdete mich, daß ihr, während wir mit Liebe und dem Bewußtsein der Wahrheit schrieben, mit Zank und nicht in geziemender Weise uns geantwortet habt. Denn Übermuth und Ruhmredigkeit verriethen die Briefschreiber in ihrem Briefe. Das ist aber dem Glauben in Christus fremd. Denn was mit Liebe geschrieben war, hätte eine gleiche liebevolle und nicht zanksüchtige Erwiderung finden sollen. Oder ist es nicht ein Zeichen der Liebe, Priester zu senden, um den Leidenden Beileid auszudrücken, die, welche schrieben, einzuladen, daß sie kommen sollen, damit Alles rascher <s 79> gelöst und geordnet werden könne und weder unsere Brüder mehr leiden, noch euch Jemand verleumde? Aber ich weiß nicht, was euch in eine solche Stimmung versetzt hat, daß wir auf den Gedanken kommen, ihr möchtet auch die Worte, mit denen ihr uns zu ehren scheinet, mit einer gewissen Verstellung in einem andern Sinne gebraucht haben. Denn auch die abgesandten Priester, die mit Freude hätten zurückkehren sollen, kehrten im Gegentheil mit Schmerz zurück über das, was sie dort haben vor sich gehen sehen. Und was mich betrifft, so habe ich, nachdem ich das Schreiben gelesen hatte, die Sache lange bei mir überlegt und den Brief bei mir behalten, indem ich glaubte, es würden doch Einige kommen, und ich bedürfe des Briefes nicht, damit er nicht, wenn er öffentlich bekannt würde, hier Viele in Schmerz versetzte. Als ich aber, da Niemand kam, ihn doch vorzeigen mußte, so wunderten sich, ich gestehe es euch, Alle, und sie konnten es fast nicht glauben, daß das überhaupt von euch geschrieben worden sei. Denn der Brief enthielt mehr Zank als Liebe. Hat aber der Verfasser des Briefes nur geschrieben, um seine Beredsamkeit zum Besten zu geben, so geziemt sich ein solches Streben für Andere. Denn in kirchlichen Dingen handelt es sich nicht um den Prunk der Beredsamkeit, sondern um die apostolischen Vorschriften und darum, daß man sich bemühe, in der Kirche Keinen von den Kleinen zu ärgern. Denn es ist nach dem Ausspruch der Kirche besser, daß Einem ein Mühlstein an den Hals gebunden und er ins Meer versenkt werde, als daß man auch nur Einen von den Kleinen ärgert.42 Wenn aber, weil Einige aus gegenseitiger Engherzigkeit sich gekränkt fühlten, — denn ich möchte nicht behaupten, daß Alle diese Gesinnung theilen, — dieser Brief entstanden ist, so hätte man entweder überhaupt dem Gefühle der Kränkung sich nicht hingeben oder wenigstens die Sonne über seinen Groll nicht untergehen lassen sollen.43 Wenigstens hätte man sich nicht <s 80> so weit treiben lassen sollen, daß man demselben schriftlich Ausdruck gab.

    22.

    Doch was ist denn vorgekommen, das Groll zu erzeugen geeignet war? Oder was von dem, was wir schrieben, war geeignet, euern Groll zu erregen? Vielleicht, daß ich euch einlud, euch zu einer Synode einzufinden? Aber das hättet ihr eben mit Freude aufnehmen sollen. Denn die, denen ihre Thaten oder, wie sie selbst sagen, ihre Entscheidungen Zuversicht einflößen, nehmen es nicht übel auf, wenn die Entscheidung von Andern geprüft werden will, sondern sie zeigen Muth, weil die gerechte Entscheidung niemals ungerecht werden kann. Deßhalb haben auch die in der großen Synode von Nicäa versammelten Bischöfe nicht ohne göttliche Führung zugegeben, daß die Beschlüsse der ersten Synode in einer zweiten untersucht würden,44 damit die Richter, indem sie die spätere zweite Untersuchung vor Augen haben, mit aller Genauigkeit forschen, und damit die, über welche der Urtheilsspruch gefällt wird, fest glauben, daß sie nicht wegen des Hasses der früheren Richter, sondern nach Gerechtigkeit gerichtet werden. Wenn aber das eine alte Gewohnheit ist, die in der großen Synode erwähnt und schriftlich gemeldet wird, und ihr nicht wollt, daß sie bei euch zur Geltung komme, so ist eine solche Zurückhaltung ungeziemend. Denn was einmal in der Kirche zur Gewohnheit geworden und von den Synoden bestätigt worden ist, kann nicht mit Recht von Einigen abgeschafft werden. Aber auch ausserdem können sie sich hierin nicht mit Recht gekränkt fühlen. Denn als die, die von euch Eusebianern mit Briefen abgesendet worden waren, nämlich der Priester Makarius und die Diakonen Martyrius und Hesychius, hieher gekommen waren und den angekommenen Priestern des Athanasius nicht <s 81> Stand halten konnten, sondern in Allem beschämt und überführt wurden, da baten sie uns, eine Synode zu berufen und sowohl an den Bischof Athanasius in Alexandria zu schreiben, als auch zu schreiben an die Eusebianer, damit in Gegenwart Aller die gerechte Entscheidung getroffen werden könne. Denn damals versprachen sie auch, Alles gegen Athanasius beweisen zu wollen. Denn öffentlich waren Martyrius und Hesychius mit ihren Begleitern von uns überführt worden, und die Priester des Bischofs Athanasius widerstanden unerschüttert. Die Begleiter des Martyrius aber, um die Wahrheit zu sagen, wurden in Allem beschämt, weßhalb sie auch auf den Zusammentritt einer Synode drangen. Hätte ich nun, ohne daß Martyrius und Hesychius mit ihren Begleitern auf den Zusammentritt einer Synode gedrungen hätten, wegen unserer Brüder, die über erlittenes Unrecht klagten, aufgemuntert, die Briefschreiber nicht leicht durchzulassen, so wäre selbst dann die Aufmunterung gerechtfertigt und gerecht gewesen, denn sie ist kirchlich und Gott wohlgefällig. Da aber die, welche ihr Eusebianer selbst eueres Vertrauens für würdig hieltet, uns um die Berufung baten, so wäre es für die Gerufenen billig gewesen, sich nicht gekränkt zu fühlen, sondern vielmehr bereitwillig zu kommen. Daraus geht also hervor, daß der angenommene Groll der Gekränkten grundlos, ihre Ablehnung aber, da sie nicht kommen wollten, ungeziemend und verdächtig sei. Erhebt Jemand über das, was er an sich selbst billigt, eine Anklage, sobald er es einen Andern thun sieht? Denn wenn, wie ihr schreibt, jede Synode eine Giltigkeit hat, an der man nicht rütteln darf, und der Richter entehrt wird, sobald Andere den Richterspruch untersuchen, so erwäget, Geliebte, wer die Synode entehrt, und wer die Entscheidungen der früheren Richter umstößt. Damit es aber nicht den Anschein gewinne, als wollte ich durch Erforschung des Einzelnen jetzt Jemand lästig fallen, so genügt, was zuletzt geschehen ist, bei dessen Anhörung man schaudern möchte, um einen Begriff von all dem zu geben, was wir übergehen.

    23.

    <s 82> Die Arianer, die von Alexander seligen Andenkens dem ehemaligen Bischof von Alexandria, wegen Gottlosigkeit excommunicirt wurden, sind nicht bloß in allen Städten ausgewiesen, sondern auch von Allen, die auf der großen Synode zu Nicäa sich gemeinsam versammelt hatten, mit dem Anathem belegt worden. Denn nicht einen gewöhnlichen Fehler hatten sie begangen noch gegen einen Menschen gesündigt, sondern gegen unsern Herrn Jesus Christus selbst, den Sohn des lebendigen Gottes. Und gleichwohl heißt es jetzt, daß die, welche vom ganzen Erdkreis ausgestoßen und in der ganzen Kirche gebrandmarkt wurden, Aufnahme gefunden haben, und ich glaube, daß auch ihr bei dieser Nachricht ungehalten sein müßt. Wer also entehrt die Synode? Nicht die, welche die dreihundert Stimmen für Nichts achten und die Gottlosigkeit der Gottesfurcht vorziehen? Denn die Häresie der Ariomaniten wurde überall von allen Bischöfen verurtheilt und verboten. Den Bischöfen Athanasius und Marcellus aber stehen Mehrere zur Seite, die für sie sprechen und schreiben. Denn von Marcellus wurde uns bezeugt, daß er auch auf der Synode in Nicäa den Gesinnungsgenossen des Arius widersprochen hat. Von Athanasius aber wurde uns bezeugt, daß er nicht einmal in Tyrus verurtheilt werden konnte, in der Mareotis aber nicht anwesend war, wo das Beweismaterial gegen ihn gesammelt worden sein soll. Ihr wißt aber, Geliebte, daß einseitiges Vorgehen keine Giltigkeit hat und verdächtig erscheint. Obschon aber Dieß so sich verhält, so habe ich der gründlichen Untersuchung wegen weder euch, noch denen, die für sie geschrieben haben, den Vorzug gegeben, sondern die, welche geschrieben hatten, eingeladen zu kommen, damit, da Mehrere für sie geschrieben haben, Alles auf einer Synode untersucht und so weder der Unschuldige verurtheilt noch der Schuldige als schuldlos angesehen würde. Nicht also von uns wird eine Synode entehrt, sondern von denen, die willkürlich und ohne Umstände und ohne Zustimmung der Richter die von Allen verurtheilten Arianer aufgenommen haben. Denn die meisten derselben sind bereits aufgelöst bei Christus, einige <s 83> aber werden auch jetzt noch in diesem Leben geprüft und sind gehalten, daß man ihren Richterspruch umgestoßen hat.

    24.

    Dieß haben wir auch von denen erfahren, die in Alexandria waren. Denn es sind auch ein gewisser Karpones, der von Alexander wegen der Häresie des Arius excommunicirt worden war, und Einige, die gleichfalls wegen der nämlichen Häresie excommunicirt worden waren, von einem gewissen Gregorius gesendet, hieher gekommen. Zugleich haben wir durch den Priester Makarius und durch die Diakonen Martyrius und Hesychius Nachricht erhalten. Bevor nämlich die Priester des Athanasius angelangt waren, forderten sie uns auf, an einen gewissen Pistus in Alexandria zu schreiben, als noch der Bischof Athanasius in Alexandria war. Von diesem Pistus aber erklärten die anwesenden Priester des Athanasius, daß er ein Arianer und von dem Bischof Alexander und der Synode in Nicäa excommunicirt, von einem gewissen Secundus aber geweiht worden sei, den die große Synode als einen Arianer excommunicirte. Dieß widersprachen selbst Martyrius und seine Begleiter nicht, und sie stellten nicht in Abrede, daß Pistus von Secundus die Weihe empfangen habe. Ermesset also auch hieraus, wer wohl mit Recht Tadel verdiene, wir, daß wir uns nicht verleiten ließen, an den Arianer Pistus zu schreiben, oder die, welche uns riethen, die große Synode zu entehren und an die Gottlosen wie an Gottesfürchtige zu schreiben. Denn auch der Priester Makarius, der von Eusebius im Gefolge des Martyrius abgesendet worden war, reiste, wie er von der Anwesenheit der Priester des Athanasius vernommen hatte, während wir auf seine Ankunft warteten, mit Martyrius und Hesychius und ihren Begleitern zur Nachtszeit ab, obschon er unpäßlich war. Daraus konnten wir mit Recht schließen, daß er abzog, weil er sich der Überweisung des Pistus schämte. Denn unmöglich konnte die Weihe durch den Arianer Secundus in der katholischen Kirche giltig sein. Denn das ist in Wahrheit eine der Synode und den auf ihr versammelten <s 84> Bischöfen zugefügte Schmach, wenn das, was mit so großer Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit wie in der Gegenwart Gottes geschah, als ungiltig umgestoßen wird.

    25.

    Sollen nun, wie ihr schreibt, die Beschlüsse der Synoden nach dem Beispiel des Novatus und Paul von Samosata zu Recht bestehen,45 so hätte man um so mehr den Beschluß der Dreihundert nicht umstoßen, es hätte die katholische Synode von einigen Wenigen nicht entehrt werden sollen. Denn Häretiker sind die Arianer wie Diese,46 und die Beschlüsse gegen sie sind den Beschlüssen gegen Diese ähnlich. Da also Dieß gewagt worden ist, wer ist es, der die Flamme der Zwietracht angezündet hat? Denn ihr habt uns in eurem Schreiben diese That vorgeworfen. Haben also wir Zwietracht gestiftet, die wir den Schmerz mit den leidenden Brüdern theilten und in Allem nach dem kirchlichen Gesetze handelten, oder die, welche aus Zanksucht und gegen die kirchliche Vorschrift den Beschluß der Dreihundert umstießen und in Allem die Synode mißachteten? Denn es wurden nicht nur die Arianer aufgenommen, sondern es haben auch die Bischöfe die Gewohnheit angenommen, von einem Ort zu einem andern überzusiedeln.47 Wenn ihr nun die Würde der Bischöfe in Wahrheit für die gleiche und die nämliche haltet und nicht nach der Größe der Städte, wie ihr schreibt, die Bischöfe beurtheilt, so sollte der, welcher mit einer kleinen betraut worden ist, in der ihm anvertrauten ausharren und nicht mit Geringschätzung des anvertrauten Gegenstandes zu einer ihm nicht übergebenen übergehen, um die ihm von Gott anvertraute zu mißachten und eitlem Menschenruhme nachzustreben. <s 85> Ihr hättet also, Geliebte, kommen und nicht ablehnen sollen, um die Sache zu Ende zu führen; denn das ist vernünftig. Aber vielleicht hinderte euch der festgesetzte Termin? Denn das habt ihr in euerm Schreiben bemängelt, daß wir einen zu kurzen Termin für die Synode angesetzt hätten. Aber auch das, Geliebte, ist eine Ausrede. Denn wenn Einigen, da sie auf der Reise begriffen waren, die Zeit zu kurz geworden wäre, so wäre es ein Beweis, daß eine zu kurze Zeit als Termin festgesetzt wurde. Wenn sie aber, während sie selbst nicht kommen wollten, auch die Priester48 bis zum Monat Januar zurückhielten, so verräth die Ausrede, daß sie keine Zuversicht hatten. Denn sie wären, wie gesagt, gekommen, wenn sie Zuversicht gehabt hätten, ohne sich um den weiten Weg zu kümmern oder sich vom Termin beirren zu lassen, indem sie vielmehr auf die Gerechtigkeit und Billigkeit ihrer Sache vertraut hätten. Aber vielleicht kamen sie wegen der Zeitumstände nicht? Denn das habt ihr mir wieder schriftlich mitgetheilt, wir sollten im Hinblick auf die gegenwärtigen Zustände im Orient euch nicht zumuthen, zu erscheinen. Wenn ihr aber wegen dieser Zustände nicht gekommen seid, wie ihr sagt, so hättet ihr zuerst im Hinblick auf diese Zustände keine Spaltung, noch Jammer und Thränen in den Kirchen veranlassen sollen. Nun aber haben die, welche Dieß thaten, bewiesen, daß nicht die Zeitumstände die Schuld trugen, sondern der freie Entschluß, weil sie nicht kommen wollten.

    26.

    Ich wundere mich auch über eine Stelle des Briefes, daß ihr schreiben mochtet, ich allein habe den Eusebianern49 allein und nicht an euch alle geschrieben; denn <s 86> man kann in diesem Tadel eher Leichtsinn als Wahrheit finden. Denn da ich von keiner andern Seite einen Brief gegen Athanasius empfangen hatte als von Martyrius und Hesychius und ihren Begleitern, so mußte ich an die schreiben, die gegen ihn geschrieben hatten. Es hätten daher entweder die Eusebianer nicht allein ohne euch Alle schreiben, oder ihr hättet es nicht übel aufnehmen sollen, daß ich nicht an euch schrieb, während ich an die schrieb, die auch ihrerseits schrieben. Denn hätte ich an euch alle schreiben sollen, so hättet auch ihr mit Jenen schreiben sollen. Nun aber haben wir in folgerichtiger Weise an die geschrieben, die auch mit uns in schriftlichen Verkehr getreten sind. Hat es euch aber verletzt, daß ich allein an Jene geschrieben habe, so müßt ihr auch ungehalten sein, daß sie an mich allein geschrieben haben. Aber auch in dieser Beziehung haben wir eine glaubwürdige und gegründete Entschuldigung, Geliebte! Ich muß euch nämlich zugleich mittheilen, daß, wenn ich auch allein schrieb, Dieß doch nicht allein meine Meinung, sondern die Meinung aller Bischöfe in Italien und in diesen Gegenden ist. Und ich wollte nicht, daß sie alle schrieben, damit sie nicht durch ihre Menge lästig fielen.50 Es sind jedoch trotzdem zur festgesetzten Zeit Bischöfe zusammengetreten und haben sich in dieser Ansicht geeinigt, die ich euch wieder schriftlich mittheile. Wenn ich euch also auch allein schreibe, Geliebte, so erkennet, daß das die Meinung Aller sei. So viel nun darüber, daß Einige von euch nicht vernünftige, sondern ungerechtfertigte und verdächtige Entschuldigungen vorbringen.

    27.

    Daß wir aber unsere Mitbischöfe Athanasius und Marcellus nicht leichtsinnig und in ungerechter Weise in unsere Gemeinschaft aufgenommen haben, glauben wir, <s 87> obschon das bereits Gesagte genügen würde, noch in Kürze nachweisen zu sollen. Es schrieben zuerst die Eusebianer gegen Athanasius mit seinem Anhang. Jetzt aber habt auch ihr geschrieben, und es haben sehr viele Bischöfe aus Ägypten und den übrigen Eparchien für Athanasius geschrieben. Erstens nun sind euere Schreiben gegen ihn mit sich selbst in Widerspruch, und das zweite stimmt mit dem ersten nicht überein, vielmehr wird in vielen Dingen das erste vom zweiten aufgehoben, und das zweite vom ersten angeklagt. Wenn aber die Briefe nicht übereinstimmen, so verdient deren Inhalt keinen Glauben. Ferner, wenn ihr wollt, daß man glaube, was ihr schreibt, so muß man auch denen, die für ihn geschrieben haben, den Glauben nicht verweigern, zumal ihr in der Ferne seid, Jene aber auf dem Schauplatz sind und den Mann kennen und über die dortigen Ereignisse schreiben, indem sie seinem Leben Zeugniß geben und versichern, daß in Allem gegen ihn intriguirt worden sei. Auch hieß es einmal von einem Bischof Arsenius, er sei von Athanasius getödtet worden. Aber von diesem erfuhren wir, daß er lebe, ja sogar mit ihm in Freundschaft stehe. Jene Aufnahme des Beweismaterials, die in der Mareotis geschah, ist nach seiner Versicherung einseitig geschehen. Denn es sei dort weder der angeklagte Priester Makarius noch sein Bischof Athanasius selbst anwesend gewesen. Und das erkannten wir nicht bloß aus seinen Worten, sondern haben es auch aus dem Beweismaterial erkannt, das uns Martyrius und Hesychius überbrachten. Denn beim Durchlesen fanden wir, daß der Ankläger Ischyras dort war, nicht aber Makarius noch der Bischof Athanasius, ebenso, daß die Priester des Athanasius zu erscheinen wünschten, aber mit ihrer Bitte abgewiesen wurden. Es hätte aber, Geliebte, wenn man bei der Untersuchung sich um die Wahrheit gekümmert hätte, nicht bloß der Ankläger, sondern auch der Angeklagte zugegen sein sollen. Denn wie in Tyrus der angeklagte Makarius zugegen war und sein Ankläger Ischyras, und Nichts bewiesen wurde, ebenso hätte auch nach der Mareotis nicht bloß der Ankläger, sondern auch der <s 88> Angeklagte abgehen sollen, damit er in seiner Anwesenheit entweder überführt worden wäre oder, konnte er nicht überführt werden, das Intriguennetz hätte nachweisen können. Da aber das nun nicht geschah, sondern der Ankläger mit denen, die Athanasius ablehnte, allein hinging, so erscheint die Sache verdächtig.

    28.

    Er erhob auch Beschwerde, daß die, welche nach der Mareotis abgingen, ohne seine Zustimmung dahin abgegangen seien. Er sagte nämlich, daß sie den Theognius, Maris, Theodor, Ursacius, Valens und Macedonius, die verdächtig waren, abgesendet hätten. Und das wies er nicht nur in seinen Reden, sondern auch aus dem Briefe Alexanders, des ehemaligen Bischofs von Thessalonich, nach. Er zeigte nämlich seinen Brief vor, den er an Dionysius, den Comes auf der Synode, geschrieben hatte, und in dem er kund gibt, daß gegen Athanasius offenbar Intriguen gespielt worden seien.51 Auch wies er einen ächten ganz von der Hand des Anklägers Ischyras geschriebenen Brief vor, in dem er den allmächtigen Gott zum Zeugen anrief und behauptete, es sei weder ein Kelch zerbrochen noch ein Tisch umgestürzt worden, sondern er sei von Einigen angestiftet worden, diese Anklage zu erdichten. Auch Priester, die von der Mareotis gekommen waren, versicherten, daß weder Ischyras ein Priester der katholischen Kirche sei noch Makarius so Etwas verbrochen habe, wie Jener ihn beschuldigte. Die Priester und Diakonen aber, die hieher kamen, bezeugten nicht Weniges, sondern Vieles zu Gunsten des Bischofs Athanasius und versicherten, daß Nichts von dem wahr sei, was gegen ihn vorgebracht werde, und daß gegen ihn intriguirt worden sei. Und alle Bischöfe Ägyptens und Libyens versicherten in ihrem Schreiben, daß sowohl seine Weihe gesetzlich und kirchlich vor sich gegangen als auch Alles, was ihr gegen ihn ausgesagt habt, erlogen sei. Denn es sei weder ein Mord geschehen, noch sei seinetwegen <s 89> Jemand getödtet noch ein Kelch zerbrochen worden, sondern Alles sei erlogen. Und aus dem in der Mareotis einseitig gesammelten Beweismaterial zeigte der Bischof Athanasius, daß ein Katechumen auf gestellte Frage gesagt habe, er sei drinnen bei Ischyras gewesen, als Makarius, der Priester des Athanasius, nach ihrer Angabe sich am Orte befand, ebenso, daß von Andern, die verhört wurden, der Eine ausgesagt hätte, daß Ischyras in einer kleinen Kammer, ein Anderer, daß er neben der Thüre lag und damals krank war, als nach ihrer Angabe Makarius dorthin kam. Aus dem, was er sagte, machen natürlich auch wir uns unsere Gedanken: Wie konnte der, welcher krank an der Thüre lag, aufrecht stehen und den Gottesdienst feiern und opfern? Oder wie konnte die Opferung stattfinden, wenn die Katechumenen drinnen waren? Denn waren die Katechumenen drinnen, so war noch nicht die Zeit der Opferung. Das sagte, wie gesagt, der Bischof Athanasius und wies aus dem Beweismaterial unter Beistimmung seiner Begleiter nach, daß er weder überhaupt jemals Priester in der katholischen Kirche gewesen noch als Priester jemals bei einer Versammlung in der Kirche erschienen sei. Denn nicht einmal, so behaupteten sie, als Alexander gemäß der Milde der großen Synode die Anhänger des melitianischen Schismas wieder aufnahm, sei er von Melitius unter den Seinigen genannt worden, woraus ganz deutlich hervorgeht, daß er auch zu den Priestern des Melitius nicht gehöre. Denn wenn er dazu gehörte, so müßte auch er unter ihnen aufgezählt werden. Ausserdem wurde auch in andern Dingen dem Ischyras von Athanasius aus dem Beweismaterial seine Lügenhaftigkeit bewiesen. Denn da er ihn angeklagt hatte, als seien zur Zeit, da nach ihrer Angabe Makarius erschien, Bücher verbrannt worden, wurde er von den von ihm selbst vorgeführten Zeugen als Lügner überführt.

    29.

    Da also Dieß in dieser Weise ausgesagt wurde und so viele Zeugen zu seinen Gunsten sprachen und er so Vieles zu seiner Rechtfertigung vorbrachte, was hätten wir thun sollen? Oder was verlangt das Kirchengesetz <s 90> anders, als den Mann nicht zu verurtheilen, sondern ihn vielmehr aufzunehmen und als Bischof zu betrachten, wie wir auch thaten? Denn abgesehen von all dem blieb er hier ein Jahr und sechs Monate und wartete auf euere Ankunft oder die Ankunft derer, die kommen wollten. Durch sein Erscheinen aber beschämte er Alle, weil er nicht erschienen wäre, wenn er keine Zuversicht gehabt hätte. Denn er ist nicht aus eigenem Antrieb gekommen, sondern weil er von uns eine schriftliche Einladung empfangen hatte, wie wir auch an euch schrieben. Und gleichwohl habt ihr trotz so Vielem uns getadelt, als hätten wir gegen die Kirchengesetze gehandelt. Erwäget nun, wer gegen die Kirchengesetze gehandelt hat, wir, die wir bei so vielen Beweisen den Mann aufgenommen haben, oder die, welche in einer Entfernung von sechsunddreissig Stationen52 in Antiochia einen Fremdling zum Bischof ernannten und mit Militärmacht nach Alexandria sandten? Das geschah nicht einmal damals, als er nach Gallien in die Verbannung geschickt wurde. Es wäre aber auch damals geschehen, wenn er wirklich überführt worden wäre. Er fand darum ja auch bei seiner Rückkehr eine verwaiste und auf ihn harrende Kirche.

    30.

    Jetzt aber weiß ich nicht, in welcher Weise das Geschehene geschehen ist. Denn erstens, wenn man die Wahrheit sagen soll, hätte Niemand dem Urteilsspruch der Synode vorgreifen sollen, wenn wir zu einer Synode einluden. Ferner hätte nicht eine solche Neuerung in der Kirche stattfinden sollen. Denn was ist das für ein Kirchengesetz oder was für eine apostolische Überlieferung, daß, obschon die Kirche ruhig ist und so viele Bischöfe mit Athanasius, dem Bischof von Alexandria, in Eintracht leben, man den Gregorius hinsendet, welcher der Stadt fremd, in derselben nicht <s 91> getauft und den Meisten unbekannt ist, ohne von den Priestern, ohne von den Bischöfen, ohne vom Volk verlangt worden zu sein, daß man ihn vielmehr in Antiochia weiht und nach Alexandria sendet, nicht mit Priestern, nicht mit Diakonen der Stadt, nicht mit Bischöfen aus Ägypten, sondern mit Soldaten? Denn darüber sprachen und beschwerten sich die, welche hieher kamen. Denn hätte man auch den Athanasius nach der Synode schuldig gefunden, so hätte die Weihe nicht in so gesetzwidriger Weise und im Widerspruch mit den Kirchengesetzen geschehen, sondern es hätten in der Kirche selbst, aus dem Priesterstande selbst, aus dem Klerus selbst die Bischöfe in der Eparchie einen Bischof weihen, und es hätten nicht die apostolischen Vorschriften umgangen werden sollen. Denn hättet ihr, wenn gegen Einen von euch so Etwas geschehen wäre, nicht euere Stimme erhoben, hättet ihr nicht Bestrafung verlangt, weil die Kirchengesetze verletzt seien? Geliebte, wie in Gottes Gegenwart sprechen wir der Wahrheit gemäß es aus und sagen, daß das nicht gottesfürchtig ist, noch gerecht, noch kirchlich. Denn auch, was von Gregor bei seinem Einzug geschehen sein soll, läßt erkennen, wie es mit seiner Weihe bestellt ist. Denn in so friedlichen Zeiten, wie die selbst meldeten, die von Alexandria kamen, und wie die Bischöfe53 schrieben, gab es in der Kirche einen Brand, wurden Jungfrauen entblößt, Einsiedler mit Füßen getreten, Priester und viele Laien mißhandelt und ihnen Gewalt angethan, Bischöfe ins Gefängniß geworfen, Viele herumgeschleift. Die heiligen Geheimnisse, wegen deren sie den Priester Makarius beschuldigten, wurden von den Heiden geplündert und auf die Erde geworfen, damit Einige sich der Einsetzung des Gregorius fügten. Solche Dinge aber zeigen, wer die Kirchengesetze verletze. Denn wäre die Weihe gesetzlich gewesen, so hätte er nicht in ungesetzlicher Weise die zum Gehorsam genöthigt, die ihm nach dem Gesetze den Gehorsam verweigerten. Und obschon Dieß geschah, schreibt ihr doch, <s 92> daß tiefer Friede in Alexandria und Ägypten geherrscht habe. Da müßte wahrlich das Geschäft des Friedens ein anderes geworden sein, wenn ihr solche Zustände Frieden nennt.

    VI. Von seinem dritten bis zu seinem vierten Exil. Als Athanasius Alexandria verließ, dachte er zunächst daran, sich persönlich an Constantius zu wenden, der die späte Empörung hoffentlich nicht hätte billigen können. Die Nachricht, dass ein Leid dem anderen folgte, ließ ihn jedoch abschrecken (Ap. Ad Const. 27, 19). Bischöfe des Westens, die sich geweigert hatten, ihn zu verleugnen, litten unter Tyrannei oder waren ins Exil gebracht worden. Zu der letzteren Klasse gehörte der römische Bischof selbst, der sowohl Gaben als auch Drohungen mannhaft verworfen hatte (Theod. II. 16); und Hosius war, weil er an Constantius eine von erbärmlicher Würde geprägte Äußerung gerichtet hatte, nach Sirmium geschickt worden, um dort inhaftiert zu werden. Dann kamen Nachrichten, die Athanasius näher berührten. Es wurde herausgegeben, dass ein George, ein Kappadokier von bösem Ruf und rücksichtslosem Temperament, kommen würde, um ihn zu verdrängen; und dass ein vages Glaubensbekenntnis, das angeblich nur aus der Schrift stammt, die Nicen-Doktrin jedoch ignoriert, für die Akzeptanz seiner Suffragans vorgeschlagen werden sollte. Dieser letzte Bericht veranlasste ihn sofort, mit charakteristischer Schnelligkeit und Energie an einem Brief an den ägyptischen und den libyschen Bischof zu arbeiten. Aber er musste bald von einer Wiederholung der Sakrilegien und Brutalitäten der Tage Gregors hören. Nach wie vor war Lenti der Zeitpunkt für die Ankunft des Usurpators. Ostern brachte eine Zunahme der Schwierigkeiten bei der Verfolgung von Prälaten, Geistlichen, Jungfrauen, Witwen, Armen und sogar gewöhnlichen katholischen Haushalten mit sich. Am Abend des Sonntags nach Pfingsten, als sich "die Brüder" außer den Arianern auf dem Friedhofsgelände zum Gottesdienst getroffen hatten, befand sich ein militärischer Kommandeur namens Sebastian, ein temperamentvoller Manichäer, dessen Sympathien mit George gingen. kamen mit mehr als 3000 Soldaten an den Ort und fanden einige Jungfrauen und andere, die noch im Gebet waren, nachdem sich die Generalversammlung aufgelöst hatte. Als sie sich weigerten, den Arianismus anzunehmen, ließen sie sich ausziehen und wurden so schwer geschlagen oder verwundet, dass einige von ihnen an den Folgen starben und ihre Leichen ohne Bestattung aufbewahrt wurden. Es folgte die Verbannung von sechzehn Bischöfen, ohne Zweifel, weil sie das neu gemachte Glaubensbekenntnis abgelehnt hatten. mehr als dreißig flohen, andere fürchteten sich vor einer offensichtlichen Übereinstimmung, und die geräumten Kirchen wurden Männern überlassen, deren moralische Disqualifikation für ein religiöses Amt durch ihr arianistisches Bekenntnis entschädigt wurde. Tragisch wie diese Nachrichten, hielt Athanasius immer noch an seinem Vorsatz fest, sich vor Constantius zu präsentieren, bis er erfuhr, dass ein kaiserlicher Brief ihn als einen flüchtigen Verbrecher denunziert hatte, der den Tod verdient hatte, und ein anderer die beiden äthiopischen Fürsten ermahnte, Frumentius nach Alexandria zu schicken , dass George ihn in der Kenntnis des „höchsten Gottes“ unterrichtet. k

    Dann war es der Athanasius, der die Position eines verbotenen Mannes annahm, der das Leben als Flüchtling brauchen musste, sich "wieder zurückwandte", wie er sagte, "in Richtung Wüste" und sich inmitten der unzähligen Klosterzellen um Aufnahme und Schutz bemühte. Anfang des Jahres war Antonius gestorben, in dem Wunsch, ihm einen abgetragenen Schaffellmantel (das übliche Oberkleid des Mönchs) zurückzugeben, der, als er neu war, das Geschenk von Athanasius gewesen war (Vit. Ant. 91). Aber viele "Äbte", die den Geist von Antonius aufgesogen hatten, hielten entweder ihre coenobitischen Siedlungen nur für zu graziös, indem sie ihren Erzbischof als Leidenden um der Wahrheit willen empfingen. und mancher junge Mönch würde denken, dass die „Disziplin“, die er angenommen hatte und die Athanasius in fernen Ländern propagiert hatte, einen neuen Reiz gewann, während sich die Person, die er am meisten verehrte, tatsächlich in die Routine des Gebets und der Psalmodie mischte. Meditation und manuelle Arbeit. Da Athanasius offenbar heimliche Besuche in Alexandria gemacht hat, verbrachte er wahrscheinlich einige Zeit unter den Einsiedlern von Unterägypten, auf dem Nitrian-Berg oder in der „Wildnis der Zellen“ weiter im Landesinneren oder in der noch weiter entfernten Scetis. Er besuchte aber zweifellos auch das, was Villemain "die pfadlosen Einsamkeiten, die Oberägypten umgeben, und die Klöster und Einsiedeleien der Thebai" nennt. und das Interesse wurde durch die romantischen Vorfälle verstärkt, die sich natürlich aus den Versuchen der Regierung ergaben, ihn aufzuspüren und zu ergreifen. Wenn die Verfolgung heiß war, würde es einen schnellen und gut organisierten Flug von einer Zuflucht zur nächsten geben, der wahrscheinlich „haarsträubend“ sein würde "Landschaften" und seltsame Verdeckungen, die die Erfahrung eines Jacobite oder eines Vendean vorwegnehmen könnten. Wenn er vergleichsweise ungestört wäre, wäre er immer noch voller kirchlicher und theologischer Aktivitäten. Das „königlichherzige“ Exil, der „unsichtbare Patriarch“, regierte seine Kirche immer effektiv, tröstete oder regte die Gläubigen an, hielt ein Netz von Korrespondenz in seinen Händen und schickte Botschaften und Befehle, die so loyal wie gebracht eingingen von einem Diakon des alexandrinischen Throns. Und mit dieser wunderbaren Kraft der Selbstanpassung, die unter den paulinischen Qualitäten, auf die Dean Stanley in diesem majestätischen Charakter, Athanasi, so gut hingewiesen hat, eine herausragende Rolle spielt wir haben diese sechs Jahre der Abgeschiedenheit für literarische Werke der umfangreichsten Art zugänglich gemacht, sowohl für kontroverse als auch für historische. Die Bücher, die er jetzt zu schütten begann, waren anscheinend in Hütten oder Höhlen geschrieben, wo er, wie jeder Mönch, auf einer Matte aus Palmblättern saß, mit einem Bündel Papyrus neben sich, inmitten des intensiven Lichts und der Stille der Wüste , p (Kingsley's Hermits. p. 130, 19), was durchaus mit seinen Meditationen und seinen Gebeten harmonieren könnte. Die Vorliebe von Athanasius für die Darstellung von „Licht und Strahl“ ist bekannt. Er beendete seine Entschuldigung an Constantius, eine Arbeit, die er für einige Zeit in der Hand hatte und die er hoffte, in besseren Tagen in der Gegenwart des Kaisers noch liefern zu können. Er begegnete den Verspottungen der „Feigheit“, die die Arianer gegen ihn richteten, mit einer Entschuldigung für seine Flucht, in der er sich auf das Gebot und Beispiel Christi und auf das Verhalten herausragender Heiliger stützte. Gleichzeitig wird die Wut der Verfolgung ausgeweitet und auf die Verbannung orthodoxer Bischöfe verwiesen. Zur gleichen Zeit gehört der Brief an die Mönche mit der Arianischen Geschichte (die nicht mehr als Ganzes erhalten ist), den sie einführt (und gegen den es schwierig ist, dem Eindruck zu widerstehen, dass zumindest ein Teil davon geschrieben wurde unter Athanasius 'Aufsicht von einem Freund oder Sekretär); ein Brief an Serapion, Bischof von Thmuis, in dem über den Tod von Arius berichtet wird, dessen Einzelheiten er von seinem Presbyter Macarius erfahren hatte, als er selbst in Treves lebte, und vor allem über die großen Reden oder Reden gegen Arius die Arianer. Letztere wurden von Montfaucon als "die Quellen beschrieben, aus denen Argumente von allen entlehnt wurden, die seitdem im Namen der Göttlichkeit des Wortes geschrieben haben", und obwohl nicht zu leugnen ist, dass ein moderner Leser in einigen Einzelheiten ihrer Argumentation erkennen wird was irrelevant oder erzwungen oder auf andere Weise unbefriedigend erscheint und dass die enge Argumentation, die Erasmus und andere Schriftsteller zu Recht bei Athanasius bewundert haben, gelegentlich durch Formen des polemischen Redens verschönert wird, wie es der Geschmack dieses Zeitalters in Betracht ziehen würde, aber alle aufrichtigen Leser werden schätzen den Reichtum und die Fülle der Exegese der Schrift; das beständige Erfassen der großen Idee der wahren und göttlichen Sohnschaft Christi, an der die gesamte katholische Lehre beteiligt war; die scharfe Durchdringung, mit der arianische Einwände analysiert werden, y die zufällige Aufdeckung früherer Häresien wie der von Paulus von Samosata, z die "eindeutigen und leuchtenden Proteste durch Vorwegnahme gegen" spätere Häresien wie die von Nestorian und Eutychian; und die feierliche Ernsthaftigkeit, mit der die orthodoxen Schlussfolgerungen als Dienst an den tiefsten Bedürfnissen der christlichen Seele gezeigt werden. Der erste Diskurs befasst sich mit der Darstellung der Größe der in Rede stehenden Frage; mit Beweisen für die Ewigkeit und Unschöpfung des Sohnes, mit Erörterung von Einwänden und mit Kommentaren zu Texten, die angeblich den Arianismus stützen (d. h. Phil. 2: 9, 10; Ps. 45: 7, 8; Heb. 1: 4). Die zweite, die nach einiger Zeit verfasst wurde, folgt dieser Bemerkung, insbesondere zu einem Text, der von Arianern in der LXX dringend empfohlen wurde. Version (Sprichwort 8:22) .c Der Dritte erklärt die Texte in den Evangelien und stellt dabei den Christus der Kirche als Einheit in sich selbst dar, wahre Gottheit und wahre Menschheit; und dann geht es zur Betrachtung einer anderen arianischen Aussage über, dass die Sohnschaft ein Ergebnis des bloßen Willens Gottes war. Im Unterschied zu anderen Schriftstellern betrachtet Dr. Newmanf den vierten Diskurs als eine unverdaute Sammlung von Notizen oder Memoranden über mehrere Häresien, hauptsächlich das, was, wie wir gesehen haben, "seinem Freund Marcellus und mit ihm verbundenen Personen zugeschrieben" wurde, eine Zuschreibung, die Athanasius, etwa 360, für unverdient hielt, obwohl er, als ob er das Beste hoffen wollte verzichtete darauf, Marcellus zu nennen, während er sich dem widersetzte, was man Marcellianismus nennen könnte. Leser, die sich nicht gegen die Theologie der Diskurse aussprechen, mögen den Eindruck haben, dass diese Zärtlichkeit gegenüber einem alten Mitarbeiter (den Athanasius bei einer anderen Gelegenheit ausstellen wird) in auffallendem Kontrast zu dem Überschwang an Objurgation steht, der den arianischen „Verrückten“ verliehen wurde "Und" Feinde Christi ". Aber um nicht zu betonen, dass das 4. Jahrhundert keine Regeln der kontroversen Höflichkeit hatte und dass die Schärfe der griechischen Disputation und die Persönlichkeiten der römischen Gesellschaft oft zu viel Einfluss auf den Ton der christlichen Argumentation hatten, man muss bedenken, dass Athanasius nicht alle Mitglieder der arianischen Gemeinschaft angreift, sondern Vertreter derselben, die aufgefallen waren, nicht nur wegen der Heterodoxy, sondern wegen der Säkularität in ihrer schlimmsten Form, wegen Skrupellosigkeit und wegen Gewalt. Und wenn sich einige Elemente menschlicher Leidenschaft mit seiner Empörung über das vermischten, was er als Abfall von Christus ansah, dann muss sicherlich die Position eines Mannes berücksichtigt werden, auf den diese Partei seit dreißig Jahren mit einer anhaltenden Energie des Hasses gestreikt hatte. wer wusste, dass unter einer allgemeinen Verfolgung sein Leben jetzt besonders gesucht wurde

    (De Fugâ, 9; vgl. Stanley, East. Ch. S. 282); Wer als Sechzigjähriger vom Thron eines Fürsten unter den Bischöfen unter dem Verbot eines bösartigen Autokraten in die Gesetzlosigkeit getrieben wurde, scheint menschlich gesehen keine bessere irdische Perspektive zu haben, als ein paar weitere Jahre des gefährlichen Umherwanderns, um von einer Vertiefung betrübt zu werden Bewußtsein der Niederlage und des Todes in irgendeiner "Wildnis der Zellen". Doch es wäre Athanasius dem Großen sehr unähnlich gewesen, der Mutlosigkeit nachzugeben oder zu glauben, er habe "seine Kraft für nichts" in eine Sache gesteckt was sein Glaube ihm sagte, hatte alle Elemente des endgültigen Sieges. Der Geist, in dem er einen Psalm des Dankes als Antwort seiner Kirche auf den Lärm eines heftigen Ansturms gewählt hatte, ermöglichte es ihm, durch die gegenwärtige Dunkelheit zu schauen, die Zukunft mit menschlicher Hoffnung vorauszusehen, seinen Geist auf jede Anstrengung vorzubereiten und zu genießen von ganzem Herzen den Trost freundlicher Briefe und die vier Briefe an Serapion von Thmuis, seinen "geliebten und ersehnten" Freund, um seine Diskurse fortzusetzen, von denen der zweite die Lehre der Diskurse kurz wiederholte, während die anderen gegen eine Theorie gerichtet waren wurde ihm dann von Serapion als entsprungen gemeldet und später als Mazedonismus bezeichnet; das, indem es die arianische Position in Bezug auf den Sohn aufgab, mit singulärer Widersprüchlichkeit danach strebte, sie in Bezug auf den Geist beizubehalten, von dem es erklärte, dass er weder eine göttliche Person noch ein göttliches Attribut sei, sondern eine dienende Kreatur, „die sich nur im Grad unterscheidet von die Engel. “Athanasius begegnete diesem Fehler, indem er für eine„ echte und ungeteilte Dreifaltigkeit “kämpfte, in der der Geist mit dem Vater und dem Sohn verbunden war. und antwortete auf die spitzen Höhlen, die jetzt im eristischen Stil der alten Arianer gegen Seine gleichberechtigte Persönlichkeit gerichtet waren.

    Der allgemeine Aspekt der Angelegenheiten der Kirche war sehr hoffnungslos. In Konstantinopel hatte erneut eine arianische Verfolgung eingesetzt. Aber die Trennung von Hosius im Jahr 357 und Liberius im Jahr 358, die Athanasius nach hartem Druck und grausamem Einsatz bewundert hatte, musste ihn ins Herz getroffen haben. Dennoch spricht er von ihnen mit charakteristischer und großzügigster Zärtlichkeit und unter voller Anerkennung der Prüfungen, denen sie nachgegeben hatten (Hist. Ar. 45, 41; Apol. 89; De Fugâ, 5) .k Hosius in der Tat, obwohl er unterschrieb eine streng arianische Formel, die zweite von Sirmium, die gemeinhin als "Blasphämie" bezeichnet wird und vom Potamius-Bischof von Lissabon verfasst wurde. und Liberius, obwohl er seine Kommunion aufgrund dieser angeblichen Anschuldigungen ablehnte, akzeptierte ein Glaubensbekenntnis von weniger ausgeprägter Heterodoxy. Aber in der Person seines Chefs wurde die römische Kirche vorübergehend entehrt; und im nächsten Jahr 359 wurde das allgemeine Gremium der westlichen Bischöfe im Konzil von Ariminum teilweise schikaniert und teilweise betrogen, um ein zweideutiges, aber wirklich arianisches Geständnis zu verabschieden, das auch zu Beginn des Jahres 360 von den Legaten der Ariminum angenommen wurde Östlicher Rat von Seleukia.m Ein Bericht über die früheren Arbeiten dieser beiden Räte wurde in Form eines Schreibens von Athanasius verfasst, der mit wenigen Worten zur Eröffnung dieses Schreibens über die Räte von Ariminum Stellung nahm und Seleucia, ist von Tillemont und Gibbon gedacht worden, um jedenfalls am letzteren Platz anwesend gewesen zu sein. Dies ist jedoch sehr unwahrscheinlich; und die fraglichen Wörter (ἅπερ ἑώρακα) können in einem weniger wörtlichen Sinn genommen werden. Die Abhandlung ist bemerkenswert für seine Rücksichtnahme auf die Semi-Arianer, deren Einwände gegen das Nicene-Glaubensbekenntnis eher verbal als real waren, während das zweite Glaubensbekenntnis von Sirmium sie in eine offene Feindschaft gegen die Arianer getrieben hatte, die sie als solche bezeichnet hatten Athanasius, der damals ausdrücklich seinen Führer Basilius von Ancyra nannte, heißt sie als Brüder willkommen, die im Wesentlichen das bedeuten, was die Kirchenmänner bedeuten. Er wird die Homoousion vorerst nicht auf sie drängen. Er ist sicher, dass sie es mit der Zeit akzeptieren werden, um die Lehre von der essentiellen Sohnschaft Christi zu sichern, die ihr eigenes Symbol „Homoiousion“ nicht angemessen schützen konnte (De Syn. 41). Aber während er diese großmütige Geduld und Nachsicht zeigt, ist er vorsichtig, um die lange Reihe der arianischen Glaubensbekenntnisse mit dem einen unveränderlichen Standard der Orthodoxen zu vergleichen: die einzige Zuflucht vor unruhigen Variationen wird in einer offenen Annahme des Glaubensbekenntnisses von Nicäa zu finden sein ( ib. 32; vgl. Ad Afros, 9).

    Ende 360 war die arianische Partei zu künstlich, um dauerhaft zu sein. Die Semi-Arianer waren in Ungnade gefallen mit Constantius, ihrem einstigen glühenden Schüler, aber jetzt unter dem Einfluss der Männer, die, wie Neander es nannte, die "vapide" und unbestimmte Formel von Ariminum trugen und denen heimlich in die Hände spielten gründliche Ultra-Arianer, denen sie es für den Augenblick bequem fanden, es abzulehnen. Sie hatten einen Punkt gewonnen, indem sie in Konstantinopel einen Mann eingesetzt hatten, der zu einer singulären Obszönität fähig war und Eudoxius hieß, der zuvor Bischof von Antiochia gewesen war . Anfang 361 folgte ihm Meletius nach, ein armenischer Bischof von bekannter Mäßigung, siegreicher Beredsamkeit und beeindruckender Frömmigkeit. Dieser Prälat überraschte und provozierte seine Gönner bald nach seiner Errichtung mit einer Predigt von Ehrfurcht und Rechtschaffenheit, die von Epiphanius bewahrt wurde (Haer. 73, 29). Er wurde sofort abgesetzt, verbannt und von Euzoius abgelöst, der bei seiner ursprünglichen Exkommunikation mit Arius in Verbindung gebracht worden war. Aber die orthodoxen Mitglieder der so genannten Established Church of Antiochia wurden, während sie Euzoius verabscheuten, von den Eustatianern abgestoßen (Soz. Iv. 28), die für ihren Pastor einen Presbyter namens Paulinus hatten; und eine offene Spaltung zwischen zwei Gemeinden im Wesentlichen des gleichen Glaubens war die unglückliche Folge. Euzoius wurde im folgenden Herbst von Constantius besucht, der am Vorabend seines Marsches nach Westen eine lange aufgeschobene Taufe erhielt, um, wie er hoffte, den Aufstand seines Cousins Julian niederzuschlagen. Aber am Fuße des Berges Taurus wurde er vom Fieber niedergeschlagen. und sein Tod am 4. November 361 gab das Reich an einen Prinzen weiter, der lange Zeit im Verborgenen auf das Christentum verzichtet und sich kürzlich zum Heidentum bekannt hatte.

    Am 30. November wurde der Beitritt von Julian in Alexandria offiziell proklamiert. Hocherfreut hielten die Heiden es für an der Zeit, sich an dem arianischen Bischof zu rächen, den sie zuvor wegen unterdrückenden und gewalttätigen Verhaltens, insbesondere wegen seiner Angriffe auf den heidnischen Gottesdienst, ausgetrieben hatten Nach seiner Rückkehr hatten sie ihre Wut wieder entfacht, indem sie drohten, einen Tempel unter dem abscheulichen Beinamen eines "Grabes" zu zerstören. Sie erhoben sich mit unwiderstehlicher Gewalt, warfen George ins Gefängnis und zogen ihn am 24. Dezember barbarisch durch die Stadt auf einem Kamelrücken, und nachdem er verbrannt war, warf er die Asche ins Meer. Die Arianer stellten einen Lucius an seiner Stelle auf; Aber Julian erlaubte allen Bischöfen, die sein Vorgänger ins Exil geschickt hatte, in ihre Heimat zurückzukehren, um seine überhebliche Verachtung für die Auseinandersetzungen der „Galiläer“ oder seine Ablehnung der Erinnerung an Constantius zu demonstrieren. und Athanasius, der dieses Edikt ausnutzte, erschien in Alexandria zur Freude seines Volkes am 22. Februar 362 wieder.

    Eine seiner ersten Handlungen war die Abhaltung eines Rates zur Regelung mehrerer dringender Fragen. (1.) Es gab viele Bischöfe, die ihre schwachen oder gedankenlosen Zugeständnisse in Ariminum zutiefst bedauerten: Wie sollten sie behandelt werden? (2.) Es war dringend notwendig geworden, Paulinus und seiner Herde in Antiochia einen Rat zu erteilen, da Meletius 'Rückkehr die bestehende Schwierigkeit vergrößert hatte, während Paulinus wegen Euzoius' Respekt für seinen hohen Charakter in a amtieren durfte kleine Kirche in der "Neustadt", besetzte Meletius "die Apostelkirche" in der "Altstadt" durch die Orontes. (3.) Zwischen zwei Gruppen von Kirchenleuten war ein Streit über das Wort "Hypostase" aufgetreten. Eine beträchtliche Anzahl, einschließlich derjenigen, die aus dem Semi-Arianismus hervorgegangen waren, hatte die Gewohnheit, "drei Hypostasen" in der Gottheit zu behaupten. Die Mehrheit hielt jedoch an der älteren Formulierung „eine Hypostase“ fest. Letztere beschuldigte die erstere des Arianisierens und wurde im Gegenzug des Sabellianisierens beschuldigt: Konnte etwas getan werden, um einen Verstoß zu verhindern? (4.) Schließlich wurde angenommen, dass einige Personen die Inkarnation auf eine Assoziation zwischen dem Wort und einem heiligen Menschen reduzieren, während andere geneigt zu sein scheinen, das menschliche Element im Mysterium zu minimieren, indem sie eine vernünftige Seele aus der Männlichkeit Christi ausschließen. Die Arbeit vor dem Konzil war die der Harmonisierung und Versöhnung - eine Arbeit, die, wie Gregory Nazianzen sagt, Athanasius und dem ausgezeichneten westlichen Bischof Eusebius von Vercellae am besten zusagt, der auf dem Weg vom Exil in die Thebai nach Hause war und dessen Die Anwesenheit in Alexandria war eine unmittelbare Ursache für die Versammlung der Synode gewesen. Sein Begleiter Luzifer von Caliaris, ein sehr ernsthafter, aber rigoroser und ungestümer Mann, hatte es vorgezogen, nach Antiochia weiterzufahren. Es wurde beschlossen (1), dass alle Personen, die auf ihr Recht auf Kirchengemeinschaft verzichtet hatten, es wiedererlangen könnten, indem sie einfach das Nicene-Glaubensbekenntnis bekennen und die damaligen Häresien verurteilen; u (2) dass unter diesen Bedingungen die Gemeinde in der „Altstadt“ "Könnte mit der anderen Gemeinschaft verbunden sein, die als Vertreter der gläubigen" Eustathianer "galt. In Bezug auf die angesprochenen theologischen Punkte erwiesen sich gegenseitige Erklärungen als das Ergebnis von Missverständnissen. Diejenigen, die von drei Hypostasen sprachen, bedeuteten drei „tatsächlich existierende Personen“. Diejenigen, die von einer Hypostase sprachen, verwendeten den Begriff als Entsprechung zu „Essenz“ (Epiphan. Haer. 73, 17). Der Rat schlug vor, dass die Nicene-Sprache einfach von beiden Seiten übernommen werden sollte.x Auch hier schien es nicht möglich zu sein, die tatsächliche Inkarnation des Wortes oder die von ihm angenommene Vollständigkeit der Männlichkeit zu leugnen. Ein von Athanasius verfasster synodaler Brief an die Antiochener (d. H. An Paulinus und seine Herde) ist eines der edelsten dokumente, die jemals von einem rat ausgegangen sind. Aber es war zu spät, um in Antiochia Frieden zu schließen. Statt auf die Entscheidung des Konzils zu warten, hatte Luzifer Paulinus als legitimen Bischof von Antiochia geweiht und damit die Spaltung fortgeführt, die seine weiseren Brüder zu heilen hofften. während seine Empörung gegen die "Ariminier" ihn zu einem eigenen Schisma machte, anstatt sich mit ihrem Eingeständnis zur Gemeinschaft auf einer anderen Grundlage als der von Laienbüßern abzufinden. Die Linie, die er einschlug, musste Athanasius betrübt haben, der ihn als Leidenden des Glaubens hoch geschätzt hatte

    Die Heiden von Alexandria waren von Julian wegen des Mordes an George zurechtgewiesen worden; Aber er war bereit, Athanasius als einen Mann anzuprangern, dessen Einfluss ihre Religion zerstören würde. Er versicherte ihnen, dass er nie beabsichtigt hatte, Athanasius wieder auf den "bischöflichen Thron" zu setzen; er befahl unermüdlich, Alexandria zu verlassen; und in einem anderen an den Präfekten Ecdicius gerichteten Brief bedrohte er den "Feind der Götter, der es in seiner Regierungszeit gewagt hatte, griechische Damen zu taufen" (anspielend auf Bekehrungen aus dem Heidentum, die Athanasius seit seiner Rückkehr bewirkt hatte), mit eine härtere Strafe, die nach seiner Vertreibung verhängt werden muss.a Das kaiserliche Edikt wurde Athanasius am 23. Oktober von Pythiodorus, einem heidnischen Philosophen, mitgeteilt (= Paophi 27, Fest. Ind., Fragm. Maff.). Die Gläubigen versammelten sich um ihn und weinten. "Sei guten Herzens", sagte er; „Es ist nur eine Wolke; es wird bald vorübergehen. «Er schiffte sich sofort ein, den Nil hinaufzugehen. Aber Julians implizite Befehle wurden nicht vergessen. Einige Regierungsagenten verfolgten sein Schiff. Sie trafen ein Boot, das den Fluss hinunterfuhr, und fragten nach Neuigkeiten von Athanasius. "Er ist nicht weit weg", lautete die Antwort. Das Boot war sein eigenes - er selbst vielleicht der Sprecher (Theod. III. 9). Seine Informationsquellen hatten ihn vor der Gefahr gewarnt, und seine Geistesgegenwart hatte sie verwirrt. Er segelte weiter in Richtung Alexandria, versteckte sich jedoch in Chaereu, der ersten Station der Hauptstadt. ging dann weiter nach Memphis, wo er seinen Festbrief für 363 schrieb; und machte sich dann auf den Weg zum Thebaid.


    VII. Von seinem vierten Exil bis zu seinem Tode. Wahrscheinlich wurde Athanasius um diese Zeit, kurz vor Ostern 363, von Theodor von Tabenne getroffen, als er sich Hermopolis näherte. Als der Erzbischof sah, dass die Ufer des Nils von Bischöfen, Geistlichen und Mönchen überfüllt waren, rief er in Jesajas Worten aus: "Wer sind diese, die wie eine Wolke fliegen und wie die Tauben zu ihren Cotes?" Nachdem Athanasius von Bord gegangen war, stieg er auf einen Esel, den Theodore führte, und folgte seinem Weg inmitten eines riesigen Körpers von Mönchen, die Laternen und Fackeln trugen und Psalmen sangen. "Nicht wir sind Väter", sagte er begeistert. "Es sind diese Männer, die sich der Demut und dem Gehorsam verschrieben haben." Er blieb einige Zeit in Hermopolis und Antinoe, um zu predigen. dann ging es südwärts nach Tabenne, beobachtete alles, auch die Sitze der Mönche, und lobte den Abt herzlich. "Erinnern Sie sich an uns", sagte Theodore, "in Ihren Gebeten." Die Antwort war charakteristisch. "Wenn ich dich vergesse, Jerusalem!" Im Hochsommer war er nach einer anderen Erzählung in Antinoe, besorgt, verhaftet und getötet worden zu sein, als Theodore und ein anderer Abt namens Pammon zu ihm kamen und ihn überredeten, sich zu begeben mit ihnen in Theodores dicht gedeckten Boot, um sich in Tabenne zu verstecken. Der Wind war gegen sie; Theodores Mönche begannen das Boot abzuschleppen; Athanasius war im Gebet, aufgeregt von der Aussicht auf das Martyrium, aber erlangte durch seinen lebendigen Glauben Gelassenheit. „Auch wenn ich getötet werde“, sagte er - hier lächelten sich die beiden Äbte an; und Theodore, gemäß der Geschichte, versicherte ihm, dass Julian in dieser Stunde in seinem persischen Krieg getötet worden war. Der Tag von Julians Tod war der 26. Juni 363.

    "Die Wolke war vergangen", und Athanasius kehrte nachts nach Alexandria zurück. Nach seiner Ankunft, die geheim gehalten wurde, erhielt er einen Brief des neuen Kaisers Jovian, in dem er gebeten wurde, seine Funktionen wieder aufzunehmen und eine Erklärung des katholischen Glaubens zu verfassen. Sofort versammelte Athanasius ein Konzil und formulierte einen synodalen Brief, in dem das Nicene-Glaubensbekenntnis verkörpert und dessen Schriftlichkeit bekräftigt wurde, und die große Mehrheit der Kirchen (einschließlich der Briten) bezeichnete dies als Bekenntnis: Der Arianismus wurde verurteilt, der Semi-Arianismus Ausgesprochen unzureichend, erklärte die Homoousion als Ausdruck der wahren Sohnschaft Christi, die Gleichheit des Heiligen Geistes in Begriffen, die teilweise die Sprache des Glaubensbekenntnisses von Konstantinopel vorwegnehmen. Am 5. September segelte Athanasius mit diesem Brief nach Antiochia. Er wurde sehr gnädig aufgenommen, während der rivalisierende Bischof Lucius und seine Gefährten vom stumpfen Soldatenprinzen, der sich jedoch während seiner kurzen Regierungszeit als ebenso tolerant wie orthodox zeigte, mit etwas Humor und etwas Ungeduld abgewiesen wurden. Die allgemeinen Aussichten der Kirche müssen jetzt besser gewesen sein als je zuvor seit 330. Liberius gab bekanntlich eine vollständige Erklärung der Orthodoxie ab; und viele westliche Bischöfe, die auf die Appelle von Eusebius und den berühmten Hilary of Poictiers reagierten, hatten eifrig auf das ariminianische Glaubensbekenntnis verzichtet und sich zum Nicene bekannt. Aber die lokalen Probleme von Antiochia waren beunruhigend; Athanasius war zunächst geneigt, Meletius anzuerkennen, aber dieser ärgerte sich zutiefst über die Weihe des Paulinus (obwohl Luzifer allein für dieses Vorgehen verantwortlich war), hielt sich von allen Vorschlägen zur Unterbringung fern oder schob Athanasius mit vagen Versprechungen ab (Basil, Ep 89, 258). Die Folge war, dass Athanasius, der ihnen seit seiner Verehrung mit den Eustathianern im Jahr 346 sein warmes Mitgefühl ausgesprochen hatte, ihren Bischof nun als das wahre Oberhaupt der antiochenischen Kirche anerkannte, als er seiner Unterzeichnung des Bandes ein vollständiges anhängte und orthodoxe Erklärung, die nach Epiphanius (Haer. 77, 20) Athanasius selbst gerahmt hatte.

    Nachdem Athanasius in Antiochia seinen Festbrief für 364 geschrieben hatte, traf er anscheinend am 13. Februar, einige Tage vor Jovians Tod, zu Hause ein. Valentinian I. gelang es und bald darauf übertrug er den Osten seinem Bruder Valens. Die alexandrinische Kirche war von diesem Wechsel der Monarchen zunächst nicht betroffen; und 364–5 könnten das wahrscheinliche Datum für die Veröffentlichung des Lebens des Antonius sein, das Athanasius „an die Mönche im Ausland“ richtete, d. h. an die in Italien und Gallien. Den ägyptischen Dokumenten zufolge war es das Frühjahr 365g, als Valens einen Befehl zur Ausweisung aller unter Constantius ausgewiesenen Bischöfe erließ, die unter Julian abberufen worden waren, und damit verkündete, er wolle der arischen Politik von Constantius folgen . Das Maffeianische Fragment berichtet, dass dieser Befehl am 5. Mai Alexandria erreichte und eine Volksgärung auslöste, die erst am 8. Juni durch das Versprechen des Präfekten, den Fall Athanasius an den Kaiser zu verweisen, zum Erliegen gebracht wurde. Wenn wir seine Aussage mit der von Sozomen (der diese Ereignisse jedoch in einem späteren Jahr einordnet) kombinieren, sollten wir annehmen, dass der Präfekt nur seine Zeit einschränkte; und in der Nacht vom 5. Oktober, Athanasius, der

    Zweifellos war er vorgewarnt, verließ seinen Wohnsitz im Bezirk der St. Dionysius-Kirche und floh in ein Landhaus in der Nähe des New River. Es war keine Stunde zu früh: Der Praefekt mit einem Militärbefehlshaber bedrängte die Kirche Nacht, brach die äußeren Tore auf und durchsuchte das Gebäude, sogar bis zum Dach, vergebens. Die Verschleierung des Erzbischofs dauerte vier Monate. bis Barasides oder Bresidas, ein kaiserlicher Notar, der einen Befehl für seine Rückkehr gegeben hatte, mit einer großen Menge zum Landhaus kam und Athanasius am 1. Februar (Mechir 7) 366 in seine Kirche zurückführte. Seine Stille war es nicht erneut beunruhigt, außer durch Ereignisse wie einen heidnischen Aufstand am 21. Juli 366, bei dem die von George kurz vor seinem Tod fertiggestellte cäsarische Kirche verbrannt wurde; oder der Versuch von Lucius, sich am 23. September 367 in einer anderen Kirche niederzulassen, was zur Folge hatte, dass die Magistrate ihn in die Hände der Militärmacht legten, um ihn vor der Bevölkerung zu retten "Aus Ägypten entfernt werden." Athanasius war frei, sich seiner eigentlichen Arbeit zu widmen, sei es schriftlich oder administrativ. Sein Festbrief für 367 - bekannt aus der griechischen MSS. lange vor der Entdeckung der Reihe - enthielt eine Liste der Bücher der Schrift, die, was das Neue Testament betrifft, genau mit unserer übereinstimmt (siehe auch De Decr. 18). Die kanonischen Bücher werden als „Heilsbrunnen, durch die allein“ (eine bei Athanasius übliche Redeweise) „der Religionsunterricht weitergegeben wird“; eine zweite Klasse von Büchern wird als „gelesen“ in der Kirche erwähnt religiöse Erbauung; Der Name "apokryphen" ist für eine dritte Klasse reserviert, der Ketzer eine fiktive Würde zugewiesen haben (Westcott, On the Canon, S. 487, 520). Diesem Zeitraum ist der Kommentar zu den Lehrtexten zugeordnet, der als Abhandlung über die Menschwerdung und gegen die Arianer bezeichnet wird, wobei jedoch seine gesamte Echtheit in vernünftiger Weise angezweifelt werden kann. denn es wird der Ausdruck „Drei Hypostasen“ verwendet, k während sein nächstes Werk Hypostase mit Essenz identifiziert (Ad Afros, 4), und es bezieht sich auch auf Johannes 14:28, nicht wie er es in Orat getan hatte. ich. 58, zur göttlichen Sohnschaft, aber, wie Didymus, Cyril und die Latiner, zur angenommenen Menschheit. Ungefähr 369 hielt er in Alexandria ein Konzil ab, um Briefe von einem römischen Konzil zu erhalten, das unter Damasus, dem Nachfolger von Liberius, und auch von anderen westlichen Prälaten, die Ursacius und Valens exkommunizierten und die Autorität des Nicene-Glaubens erzwangen, stattfanden. Daraufhin kontrastiert Athanasius in einem an die Afrikaner gerichteten Synodenschreiben, dh an diejenigen auf karthagischem Gebiet, die „zehn oder mehr“ synodischen Formeln des Arianismus mit dem Nicene-Glaubensbekenntnis, gibt einen Bericht über seine Entstehung und enthüllt den vergeblichen Versuch seiner Entstehung präsentieren Gegner, um die Autorität für das spätere zu beanspruchen, im Gegensatz zu den früheren Verfahren des Ariminianischen Rates. Ein weiterer Brief an Damasus drückte die Überraschung aus, dass Auxentius, der arianische Bischof von Mailand (siehe Hist. Ar. 75), nicht mit Ursacius und Valens unter dasselbe Verbot gestellt worden war. und der Vorschlag wurde von einer späteren römischen Synode und von anderen in Spanien und Gallien angenommen.

    Es scheint, dass Athanasius, der im Mai des vergangenen Jahres mit dem Wiederaufbau der Kaiserkirche begonnen hatte, am 22. September 369 den Grundstein für eine andere Kirche legte, die später nach seinem eigenen Namen benannt wurde (Fest. Ind.). Ungefähr zu dieser Zeit bewies er in zwei bemerkenswerten Akten, einerseits seine Überlegenheit gegenüber dem bloßen technischen Formalismus und andererseits seinen Entschluss, "kirchliche Disziplin" in "der Sache der moralischen Gerechtigkeit" durchzusetzen (Dr. Freemans zu leihen) in seiner normannischen Eroberung über Anselm). Die Bewohner zweier Städte in Pentapolis - Palaebisca und Hydrax - wollten einen eigenen Bischof in der Person eines jungen Laien namens Siderius. Der alte Prälat der Diözese, der sie angehörten, wurde zur Zustimmung überredet; und Siderius wurde tatsächlich von einem einzigen Bischof geweiht, und ohne irgendeine Genehmigung vom „evangelischen Thron“. Doch Athanasius, der hoffte, dass die praktischen Fähigkeiten des jungen Bischofs in einem vom Arianismus geplagten Bezirk zum Guten verurteilt werden könnten, übersah nicht nur die doppelte Unregelmäßigkeit von der Weihe, beförderte aber später Siderius zu einem wichtigeren See (Synesius, Ep. 77). Wir stellen wieder fest, dass Athanasius einen grausamen und zügellosen Gouverneur in Libyen exkommuniziert und die Tat durch Rundschreiben bezeichnet. Eine davon wurde an Basil gesandt, der gerade Exarch oder Erzbischof von Cäsarea in Kappadokien geworden war und zu dieser Zeit von Athanasius eine förmliche Mitteilung über die Beratungen des Rates von 362 erhalten hatte (Ep. 204). . Er verkündete sofort seinem eigenen Volk das in Ägypten ausgesprochene Urteil; das starke Gefühl der Einheit der Kirche machte einen solchen Schritt sowohl regelmäßig als auch natürlich und er schrieb, um Athanasius zu versichern, dass der Täter von den Gläubigen in Cäsarea als absolut fremd von der christlichen Gemeinschaft angesehen werden würde (Ep. 60). Dies führte zu einer Korrespondenz,

    Basil, der Probleme aller Art hatte, suchte Hilfe in Bezug auf eines von ihnen - das unglückliche Schisma von Antiochia - aus „der scharfen Einsicht, der praktischen Energie, dem evangelischen Mitgefühl“ von der weithin verehrte Mann, der mit besonderer Schärfe den Kontrast zwischen früherem Frieden und gegenwärtiger Verwirrung empfinden muss (Ep. 66). Er wollte, wie er in seinem nächsten Brief ausführlicher erklärte, dass Athanasius die Anerkennung von Meletius als rechtmäßigem Bischof von Antiochien durch die Westlichen fördern und Paulinus zu Verhandlungen veranlassen sollte war Dorotheus, Meletius 'Diakon, den Athanasius wahrscheinlich um Ostern 371 mit einem seiner eigenen Priester zurückschickte, um Basil seine Antwort zu übermitteln. Im Herbst schrieb Basil wieder (Ep. 69), und der Ton, den er Athanasius gegenüber annahm, ist sehr bemerkenswert. Er nennt ihn die vorderste Person (wörtlich Gipfel) der ganzen Kirche, den Mann von „wahrhaft großer und apostolischer Seele, der seit seiner Kindheit ein Sportler in Sachen Religion war“ - „einen geistlichen Vater“, den er sich sehnte Ernsthaft zu sehen, und dessen Gespräch würde alle Leiden eines Lebens in ausreichendem Maße ausgleichen (Ep. 69, 80, 82). Aber obwohl Athanasius sich bereit erklärte, als Medium zwischen Basilius und den Westlern zu agieren (Ep. 90), konnte er weder konsequent noch würdevoll direkt für Meletius eintreten, dessen Haltung im Jahr 363 seine friedlichen Bemühungen enttäuscht hatte Sogar Basilius 'Freunde, östliche Bischöfe gleicher Vorfahren, wünschten sich, dass Athanasius ihnen als Leiche schreiben würde, als sie wünschten, dass dies zu viel verlangte (Ep. 82). und im Großen und Ganzen, wie Dr. Newman es ausdrückt (Church of the Fathers, S. 73), "kam nichts von dem Antrag;", aber als sich einige kappadokische Mönche über Basils reservierte Sprache bezüglich der Göttlichkeit des Heiligen Geistes, Athanasius, beschwerten tadelte sie in einem Brief an Johannes, Antiochus und Palladius, dessen Inhalt aus seinen erhaltenen Briefen hervorgeht. Er bestand darauf, dass Basilius einer war, dem man vertrauen könnte, denn er war einer, auf den die Kirche in der Tat stolz sein könnte; o es war fesselnd, sich ein unklares Motiv für seine vorsichtige und schrittweise Aufdeckung der Wahrheit vorzustellen.

    Aber einer dieser Briefe von Basil (Ep. 69) hatte anscheinend ein bemerkenswertes Ergebnis. Er beklagte sich über das Antlitz, das die Westler Marcellus noch gaben, und das daher im Osten als gleichgültig gegenüber jeglicher Häresie angesehen wurde, die zufällig kein Arianismus war. Athanasius hatte, wie wir gesehen haben, gegen die dem Marcellus zugeschriebenen Ansichten geschrieben und begonnen, ihn zumindest mehr oder weniger argwöhnisch zu betrachten; Nun aber verstärkt sich Marcellus aufgrund des Briefes von Basilius (siehe Mont Faucon, Slg. II. Nov., S. 71 ff.; Newman, Ath. Treat. II. 503) mit Empfehlungsschreiben von Athanasius 'Freunden, den Bischöfen von Griechenland und Mazedonien sandten seinen Diakon Eugenius zusammen mit anderen als Stellvertreter nach Athanasius. Bei ihrer Ankunft stellte Athanasius ihnen natürlich Fragen zur Lehre. Als Antwort präsentierten sie ihm im Namen von Marcellus "und einer großen Menge", die an ihm festhielten, eine Aussage, die ausdrücklich in allen Punkten außer einer, der Beständigkeit der Menschlichkeit und des Reiches Christi, enthalten war. Dieser Punkt könnte jedoch in den Rest einbezogen werden: Athanasius könnte nur zu gern diese Darstellung des Glaubens seines ehemaligen Freundes als zufriedenstellend akzeptieren, der sich nun dem Ende eines verlängerten und unruhigen Lebens näherte. Es ist wahrscheinlich ein Zufall, dass sein eigener "Name nicht unter den erhaltenen Unterschriften" (Newman) auftaucht, mit denen vier ägyptische Prälaten die Aussage mit "Amen" akzeptierten.

    Aber wenn seine endgültige Meinung über Marcellus so nachsichtig war, war er weit davon entfernt, in den letzten Jahren seines Lebens irgendwelche Theorien zu tolerieren, die eindeutig heterodox wirkten, was die menschliche Seite der Inkarnation genannt werden könnte. Wenn er in seinem Brief an Adelphius eine bestimmte Klasse von Arianern verurteilte und gegen ihre Höhlen die Verehrung bestätigte, die der Menschheit Christi, das heißt seiner inkarnierten Person, zuteil wurde; wenn er in seinem Brief an Maximus diejenigen anprangerte, die von dem Menschen Christus als einfach einem Heiligen sprachen, mit dem das Wort in Verbindung gebracht worden war; In seinem Brief an Epiktet war er auch Bischof von Korinth - ein Traktat, das durch eine Mitteilung von Epiktet hervorgerufen wurde - am ernstesten gegen einige, die, während sie "im Nicene-Geständnis ruhmten", den Leib Christi als nicht wirklich menschlich darstellten, aber gebildet aus dem Wesen der Gottheit. Dies war in der Tat der zweite Satz der Häresie, der Apollinarian genannt wurde; Das erste war das, was die Aufmerksamkeit des Konzils von 362 auf sich gezogen und von jenen abgelehnt hatte, die das Konzil untersuchen konnte - als ob es in Christus keine vernünftige Seele gäbe, die das Wort liefern sollte Ort. Diese Ansichten waren aus einem unausgewogenen Bestreben heraus entstanden, die Würde des Erlösers zu erheben, aber die großen Bewahrer des nicenischen Glaubens

    dass sie mit Seiner Männlichkeit und Seiner Herrschaft unvereinbar waren, dass sie den Doketismus praktisch zurückbrachten und dass einer von ihnen auf jeden Fall eine entkräftete Vorstellung von Gottheit beinhaltete. Im nächsten Jahr, 372, bekämpfte er beide Sätze mit "der Schärfe und dem Reichtum des Denkens, die seine Schriften im Allgemeinen auszeichnen" (siehe Newman, Church of the Fathers, S. 162; Praef. Ed. Ben. II. 7) zwei Bücher mit dem Titel Against Apollinaris. Er erwähnte jedoch nie den Namen seines alten Freundes, des Bischofs von Syrien Laodizea (siehe Epiph. Haer. 77, 2), der für einen dieser Fehler verantwortlich war; sein Wunsch, das Beste von allen zu glauben, die er geliebt oder mit denen er gehandelt hatte, hat ihn möglicherweise verdächtig zurückgewiesen, was sich als nur zu gerecht herausstellte. Diese Bücher sind bemerkenswert für die meisterhafte Unterscheidbarkeit, mit der der eine Christus als „perfekter Gott und perfekter Mensch“ dargestellt wird (i. 16): wenn Wörter in ii vorkommen. 10 was auf den ersten Blick den Monothelitismus zu begünstigen scheint, lässt den Kontext erkennen, dass der göttliche Wille in Christus den Menschen beherrschte: Wenn im nächsten Kapitel die Redewendung „Gott hat durch das Fleisch gelitten“ unskriptural genannt wird, heißt das: „Gott hat durch das Fleisch gelitten“ Das ganze Argument zeigt, dass er gegen die Passierbarkeit der Gottheit des Erlösers kämpft. So ungenau einige seiner Phrasen auch sein mögen, der allgemeine Sinn seiner Lehre zu diesem großen Thema ist unverkennbar; es ist, wie er in Orat sagt. iii. 41, dass Christus „sehr Gott im Fleisch und sehr Fleisch im Wort“ war. In Wahrheit schließen diese späteren Abhandlungen, wie die großen Diskurse, durch Vorwegnahme beide Formen der Häresie in Bezug auf die Person und die Natur Christi aus , was die Kirche in den nächsten drei Jahrhunderten beunruhigte. (Siehe insbesondere i. 11, ii. 10.) Athanasius war in den Früchten seines Werkes „in Wahrheit der Unsterbliche“ (Christus, Erinnerung xxxvii. 206): Er pflanzte fortwährend „Bäume, unter denen später Männer pflanzten“ Alter könnte sitzen. “Man könnte in der Tat von ihm sagen, dass er„ in seiner Arbeit alt geworden ist “(Ecclus. 11:20); aber die Arbeitszeit für ihn - eine Zeit, die seit seiner Jugendzeit bei Alexander so loyal und unermüdlich war - ging im Frühjahr 373 zu Ende. Die Diskussionen über das Jahr seines Todes können als praktisch abgeschlossen angesehen werden; Der Festal Index, obwohl seine Chronologie manchmal fehlerhaft ist, kann als Bestätigung des Datums 373 angesehen werden, das im Maffeian Fragment angegeben ist, von anderen antiken Autoritäten unterstützt und von verschiedenen Schriftstellern akzeptiert wird. Der genaue Tag war, wie wir vielleicht glauben, der Donnerstag, der 2. Mai, an dem Athanasius in der Westkirche verehrt wird. Er hatte auf dem alexandrinischen Thron gesessen, wie sein großer Nachfolger Cyril in einem Brief an die Mönche von Ägypten, "sechsundvierzig vollständige Jahre"; wenn er ein paar Wochen länger gelebt hätte, wären die Jahre seines Episkopats siebenundvierzig gewesen. Nachdem er Peter, einen seiner Presbyter, zur Wahl an seiner Stelle vorgeschlagen hatte, starb er „nach vielen Kämpfen“, wie Rufinus (2, 3) sagt, „in Ruhe in seinem eigenen Haus und nachdem seine Ausdauer so manche Krone gewonnen hatte“. inmitten von Schwierigkeiten, die Tillemonty wagt, ein fortwährendes Martyrium zu nennen.

    So war die Karriere von Athanasius dem Großen, wie er in der nächsten Generation genannt wurde. Möhler hat Grund zu der Feststellung, dass „die Erzählung seines Lebens eine Panegyrik ist, die Worte nur schwächen können.“ Und dennoch würde man die Worte, in denen sich viele große Schriftsteller gezwungen fühlten, einem solchen Leben zu huldigen, nicht „freiwillig sterben lassen“ so eine Seele. Wenn die Laudatio von Gregory Nazianzen für den modernen Geschmack zu rhetorisch ist, wird Hooker leben, während Englisch gesprochen wird. und Gibbons Bewunderung für solch offensichtliche Adeligkeit (iii. 70) ist bedeutsam als Kontrast zu seiner allgemeinen Antipathie gegenüber kirchlichen Helden. (Stanley, East. Ch. S. 276.) Vier Punkte sollten vielleicht besonders in unser Gedenken eingehen: (1) die tiefe Religiosität, die alle seine Studien und Kontroversen durch ein Gefühl seiner Beziehung als Christ zu seinem Erlöser erhellte ; (2) die Beständigkeit, die bei einem so bemerkenswert ist, dessen natürliches Temperament sehr empfindlich war; (3) die Kombination von Gaben, "Beständigkeit mit Diskretion und Diskriminierung", wie Newman es ausdrückt, die es ihm ermöglichte, während er sich nie von seinem großen Gegenstand abwandte, zu sein, wie Gregor Nazianzen den apostolischen Ausdruck "alle Dinge auf alle" anwendet men; ”und in engem Zusammenhang damit (4) die Zärtlichkeit, die ihn als Freund so zärtlich und als Friedensstifter so tatkräftig machte, was ihm eine so begeisterte Treue einbrachte und den großen Theologen und Kirchenherrscher mit der Kräfte, die einem wirklich liebenswerten Mann eigen sind. Dass er nicht makellos war, - dass seine Worte bei Kontroversen etwas zu scharf oder bei der Ansprache eines Despoten etwas unwirklich sein könnten, dass er nicht immer wohltätig bei der Auslegung des Verhaltens seiner Gegner war oder dass seine Opfer bei einer Gelegenheit scheint die gesunde Strenge des heiligen Augustinus gefehlt zu haben, - das mag und ist zugegeben worden; aber schließlich werden wir, wenn wir den ganzen Mann betrachten, nicht extravagant sein, wenn wir seinen Namen als den größten aussprechen

    in der postapostolischen Geschichte der Kirche.

    Die Liste seiner echten Schriften würde neben denjenigen, die in diesem Bericht über sein Leben erwähnt wurden, seine Psalmenausstellung enthalten; seine Arbeit an den Titeln der Psalmen, eine Reihe von kurzen exegetischen Kommentaren, Vers für Vers; zwei Briefe an die Mönche; der größere Glaubensdiskurs (den Newman als „kaum mehr als eine Reihe kleiner Fragmente aus seinen anderen Werken“ beschreibt) und zahlreiche exegetische, homiletische, polemische und historische Fragmente. Von diesen Fragmenten muss es in der Literatur der nächsten Zeitalter viele Exemplare und Sammlungen gegeben haben. "Wenn Sie sich mit einem Spruch von Athanasius treffen", sagte Abt Cosmas im sechsten Jahrhundert, "und kein Papier haben, um es zu kopieren, kopieren Sie es auf Ihre Kleidung."

    Unter jenen Schriften, die ihm zugeschrieben wurden, aber von zweifelhafter Echtheit sind, befindet sich ein kleiner Abschnitt über die Menschwerdung, der den Ausdruck enthält, der später zu Kontroversen führte: „Ein Mensch von Gott, dem Wort.“ B [CYRIL.] Aber Montfaucon und Möhler sind nach Leontius von Byzanz geneigt, es als Fälschung zu betrachten; und Tillemont neigt sich auf diese Weise (obwohl er sagt, "Quelque parti que l'on prenne dans cette difficulte, il y a partout beaucoup d'embarras", Mem. viii. 717). Von den zweifellos unechten Schriften ist das Quicunque-Vult mit Abstand das herausragendste; im Mittelalter glaubte man, der Heilige habe es in einem Brunnen oder einer Höhle in Treves komponiert. Aber auch die Predigt über die Verkündigung, die früher von römisch-katholischen Kontroversen zitiert wurde, kann angeführt werden. und die Synopse der Heiligen Schrift kann als sicher betrachtet werden, zu dieser Klasse zu gehören. (Westcott, On the Canon, S. 520.)

    Bezüglich der Ausgaben von Athanasius 'Werken erschien 1482 eine lateinische Fassung einiger seiner Schriften. Zwei echte und viele falsche Werke wurden 1520 in Paris veröffentlicht. Erasmus gab 1527 einige in lateinischer Sprache heraus (er lehnte den ersten der Lehrbriefe an Serapion nach seiner eigenen Ansicht über interne Beweise ab). Eine weitere Ausgabe, die jene von 1520 und 1527 vereinte, erschien 1532 in Lyon. Eine lateinische Version von Nannius, die einen viel größeren Teil des gesamten Werks ausmachte, erschien 1556. Die erste griechische Ausgabe war die Commelinian in Heidelberg im Jahr 1532 1600. Bald darauf bearbeitete Peter Felckmann viele Athanasianische Fragmente mit großer Genauigkeit. 1608 und 1612 folgten lateinische Ausgaben. Der griechische Text mit einer lateinischen Fassung, Paris 1627, „warf alle früheren Ausgaben in den Schatten“, aber das Werk wurde lose ausgeführt. Eine weitere fehlerhafte Ausgabe erschien 1681 bei Leipsic. Dann kam die große Benediktinerausgabe von 1698, angereichert durch das Leben aus der Feder von Montfaucon, die 1707 in einem der Bände seines Nova Patrum und Scriptorum Graecorum Collectio weitere Überreste sammelte von seiner Branche. Die Arbeit an den "Titeln der Psalmen" wurde von Nic. Antonelli in Rom, im Jahre 1746; und im Jahr 1777 erschien in Padua eine Ausgabe in vier Bänden Folio, die die Arbeiten der früheren Herausgeber kombiniert.

    Einige englische Übersetzungen einiger von Athanasius 'Werken waren vor der Veröffentlichung eines Teils der "Väterbibliothek" erschienen, aber der Band "Historische Traktate des hl. Athanasius" und die beiden Bände "Kontroverse Abhandlungen mit dem hl Arians, veröffentlicht in dieser Reihe in Oxford in den Jahren 1843 bis 1844 unter der Leitung von Dr. Newman, muss (mit Ausnahme einiger Stellen in den Aufzeichnungen) immer zu den reichsten Schätzen der englischen patristischen Literatur gezählt werden.

    III. Von seinem ersten Exil bis zu seinem zweiten. Sein Leben in Treves, das fast zweieinhalb Jahre umfasste, war eine Pause zwischen den Stürmen der Vergangenheit und den Stürmen der Zukunft, die dringend gebraucht und zweifellos belebend war. Er musste jetzt „stehen und warten“ - eine neue Erfahrung für ihn. Und die Szene war sehr neu: Plötzlich nach Norddeutschland verlegt, das ihm "wie das Ende der Welt" vorkam, befand er sich in einer Stadt, die bereits ehrwürdig und in gewisser Weise imperial war - dem "domicilium principum clarum" von Ammianus (xv. Ii. 9) - der ihm in ihrer Frische viele Merkmale römischer Herrlichkeit zeigte, von denen einige dem modernen Besucher in ihrem Verfall noch zeigen. Er ging unter der riesigen „Porta Nigra“ hindurch, besuchte die Bäder, die Basilika des Palastes und das Amphitheater, in dem der regierende Kaiser sein barbarisches „Ludi“ ausgestellt hatte, und die heutige Kathedrale behielt vielleicht einen Teil der Kirche Das sah er auf Festen von der christlichen Bevölkerung wegen seiner Geräumigkeit verwendet, bevor es aus den Händen des Erbauers war (Apol. ad Const. 15). Er wurde "reichlich mit allem Nötigen versorgt" (Konstantin II. In Apol. 87); Er hatte die Freundschaft von Maximin, dem orthodoxen Bischof von Trier, der danach heiliggesprochen wurde, er hatte einige ägyptische "Brüder" mit sich und führte einen Briefwechsel mit seinen Freunden zu Hause, obwohl er das Risiko hatte, seine Briefe beschlagnahmen zu lassen finde frische Angelegenheit für die Anklage. Er mag oft unter diesen „breiten Mauern“ oder an der „ruhigen Mosel“ (Ausonius, Nob. Urb. 4) gelaufen sein und über die Nachricht nachgedacht haben, dass es seinen Alexandrianern gerade gelungen ist, sich gegen die Rückkehr von Arius zu wehren, oder über ihr Scheitern ( und Antony's) in seiner eigenen Bitte (Soz. ii. 31); vom schrecklichen Ende des Häresiarchen; Er schrieb an die Presbyter von Alexandria und forderte sie auf, die Worte des Apostels aufzugreifen: "Nichts wird uns von der Liebe Christi trennen." schrieb einen Festbrief, in dem er das bevorstehende Osterfest ankündigte, das er mit seiner Herde in einer geistigen Gemeinschaft aufbewahren würde, die zu real war, als dass die lokale Trennung ihn stören könnte (Fest. Ep. 10; vgl. Hist. Ar. 40). An einer Stelle davon scheint er seinen ganzen Geist in seinen Glauben, seine Zärtlichkeit und sein Heldentum zu gießen und erinnert sein „geliebtes“ Volk daran, dass der Weg zum Trost durch Bedrängnis führte; diese antichristliche Feindseligkeit war zu erwarten; aber dass der Mann, der in Christus lebte, den Sieg gewinnen würde.

    Konstantins Tod bewirkte mehr als ein Jahr lang keine Veränderung in Athanasius 'Position. aber am 17. Juni 338 schrieb Konstantin II., der in der Teilung des Reiches einen gewissen Vorrang vor seinen Brüdern Konstantius und Constans hatte, den Herrschern des Ostens und Italiens, von Trier aus an die Katholiken von Alexandria gab bekannt, er habe sich in Erfüllung der Absicht seines Vaters entschlossen, Athanasius zurückzuschicken, dessen Charakter er hoch bewunderte (Apol. 87). Hierin scheint er die Zustimmung seines Bruders vorausgesetzt zu haben und Athanasius dann mit nach Viminacium, einer wichtigen Stadt von Moesia Superior, an der Landstraße nach Konstantinopel genommen zu haben. Hier hatten die drei Kaiser ein Treffen, und alle waren sich einig bei der Wiederherstellung von Athanasius, der Constantius nach seiner Durchquerung von Konstantinopel ein zweites Mal zu einem weiteren Zeitpunkt auf seiner Heimreise in Cäsarea in Kappadokien sah (Apol. Ad Const. 5; Hist. Ar. 8). Seine Ankunft in Alexandria im November 338 wurde vom Jubel der Bevölkerung gefeiert: Die Kirchen waren von Danksagungen erfüllt, und die Geistlichen hielten es für den „glücklichsten Tag ihres Lebens“. K Aber seine Feinde bewegten sich und „scheuten sich nicht vor langen Reisen zurück ", Um auf die Kaiser neue Anklagen gegen ihn zu drücken - dass er den Mais, der vom verstorbenen Kaiser für wohltätige Zwecke in Ägypten und Libyen gewährt wurde, falsch eingeschätzt hatte und dass der Tag seiner Rückkehr durch Blutvergießen signalisiert worden war. Constantius schrieb ihm wütend und nahm die Wahrheit der früheren Anklage an *, aber Athanasius war erfolgreich darin, beides zu widerlegen. Constantius, der so bald „seine Geißel und Qual“ sein sollte (Hooker, Vers 42, 2), geriet jedoch immer mehr unter den Einfluss seines großen Feindes Eusebius, der nun von Nikomedia nach Konstantinopel versetzt wurde war durch die zweite Vertreibung des orthodoxen Paulus gewaltsam geräumt worden. Die Eusebier nahmen nun ein Projekt wieder auf, das sich als undurchführbar erwiesen hatte, als Konstantin lebte; Dies sollte auf den „evangelischen Thron“ gesetzt werden. Ein Arianer namens Pistus, der unter Alexander Priester gewesen war, wurde von ihm abgesetzt, weil er an Arius festhielt, und war, wie es scheint (Apol. 24), von einem berüchtigten Arianer geweiht worden Bischof namens Secundus. Es wurde argumentiert, Athanasius habe gegen alle kirchlichen Grundsätze verstoßen, indem er sein Urteil gegen das Tyrianische Urteil und aufgrund rein weltlicher Autorität wieder aufgenommen habe. Die Anklage kam nicht gut von einer Partei, die sich so sehr auf den Gerichtshof und den Staat gestützt hatte; aber es muss erlaubt sein, dass Athanasius zurückkehrt hatte dem Einspruch etwas Farbe verliehen, obwohl er zweifellos der Ansicht war, dass die Versammlung in Tyrus jegliches moralische Recht, als Rat geachtet zu werden, verwirkt hatte. Um Athanasius zu schikanieren, machten die Eusebier Ischyras anscheinend zu einem Bischof, nachdem sie im Namen des Kaisers den Befehl erhalten hatten, eine Kirche für ihn zu bauen - ein Befehl, der ihm keine Gemeinde verschaffte (Apol. 12, 85).

    Und jetzt haben sich die Eusebier im Namen ihres Kandidaten Pistus an den Westen gewandt. Drei Geistliche traten als Gesandte vor Julius, dem Bischof von Rom, auf. Auf der anderen Seite sandte Athanasius Presbyter nach Rom, um seinen Fall darzulegen, und eine Enzyklika - das unschätzbare Dokument, das uns so viele Informationen geliefert hat - von der „heiligen Synode“, die in Alexandria aus Ägypten, Thebais, Libyen und Pentapolis versammelt war. "Zusammengesetzt, sagt Athanasius, aus fast 100 Prälaten. Er hatte bereits eine eigene (inzwischen verlorene) Enzyklika verfasst, die aus vielen ausländischen Bischöfen ein Anathema gegen seinen beabsichtigten Rivalen gezogen hatte (Apol. 6). In Rom gaben seine Gesandten den Pistus so zu Protokoll, dass der Ältere der eusebischen Gesandten trotz Unbehaglichkeit nachts das Lager aufschlug. Seine Gefährten baten Julius, einen Rat einzuberufen und, wenn er wollte, als Richter zu fungieren. Er lud dementsprechend beide Parteien zu einem Konzil ein, das an einem Ort abgehalten werden sollte, den Athanasius wählen sollte.

    Zu Beginn des Jahres 340 beunruhigte eine neue Ankündigung die alexandrinische Kirche. In einem förmlichen Erlass über den Präfekten wurde mitgeteilt, dass nicht Pistus, sondern ein Kappadokier namens Gregor vom Hofe kommen würde, um als Bischof eingesetzt zu werden (Enzykl. 2). Dies, sagt Athanasius, galt als unerhört falsch. Die Kirchen waren drängender denn je: Die Menschen riefen mit großer Aufregung und leidenschaftlichem Aufschrei die Magistrate und die ganze Stadt an, um zu bezeugen, dass dieser Angriff auf ihren rechtmäßigen Bischof aus der bloßen Willkür des arianischen Hasses hervorging. Sie wussten, dass Gregor ein Arianer war und daher für die Eusebische Partei akzeptabel war. Er war ein Landsmann von Philagrius. Gregory Nazianzen zufolge hatte er einmal in Alexandria studiert und war freundlicherweise von dem Prälaten behandelt worden, den er jetzt ablösen sollte. Die Zurückhaltung war vergeblich. Philagrios griff die Kirche des Hl. Quirinus an und ermutigte einen Mob der niedrigsten Stadtbewohner und der wilden Bauern, grausame Grausamkeiten und Entweihungen zu begehen. Im Baptisterium wurden scheußliche Orgien durchgeführt, Kirchenbücher verbrannt, der Heilige Tisch durch heidnische Opfer beschmutzt, die Vorräte an Wein, Öl und Kerzen geplündert und Mönche, Jungfrauen und Witwen misshandelt oder sogar getötet. Athanasius residierte in die Bezirke der Kirche des hl. Theonas: Er wusste, dass er speziell darauf ausgerichtet war, und in der Hoffnung, weitere Empörung zu verhindern, zog er sich aus der Stadt zurück (nachdem zunächst nach dem Festal Index, Taufe Manyr) an einen Ort von Verheimlichung in der Nachbarschaft, wo er sich bemühte, eine Enzyklika zu verfassen, um über diese Schrecken zu berichten. Dies war am 19. März. Vier Tage später soll Gregor die Stadt als Bischof betreten haben. Die Fastenzeit war eine Zeit der arianischen Verfolgung: Gregor bestrafte am Karfreitag die Abscheu, die er bei seinem Eintritt in eine Kirche zeigte indem er Philagrius veranlasste, 34 Frauen zu geißeln, eine von ihnen mit dem Psalter in der Hand. Und der Ostertag wurde zur Freude der Heiden ausgewählt, um die Katholiken ins Gefängnis zu bringen. Kapitäne von Schiffen wurden gefoltert, um Gregors "Kommunionbriefe" zu übermitteln. Geistliche wurden daran gehindert, sich taufen zu lassen oder Kranke zu besuchen. Laien konnten nicht ungestört in ihren eigenen Häusern beten; Eine von Heiden und Arianern unterzeichnete Anklageschrift, in der Athanasius der Hauptverbrechen beschuldigt wurde, wurde Philagrius zur Vorlage an den Kaiser übergeben. Athanasius segelte in der Ostersaison 340 einige Wochen nach Konstantin II. Nach Rom, nachdem er seine Enzyklika hastig vervollständigt und abgesandt hatte. war während seiner Invasion in Italien getötet worden.


    IV. Von seinem zweiten Exil bis zu seiner zweiten Rückkehr. Nachdem Julius Athanasius empfangen hatte, sandte er im Frühsommer 340 zwei Presbyter, Elpidius und Philoxenus, um seine Einladung an die Prälaten von Eusebius zu wiederholen und den nächsten Dezember endgültig als den festzusetzen Zeit des vorgeschlagenen Konzils und Rom als Ort. “Athanasius sagt mit einer noblen Einfachheit über sich selbst:„ Als ich meine Sache vor die Kirche gestellt hatte “(in Rom),„ das war mein einziges Thema der Angst, das ich verbracht habe meine Zeit in den Gottesdiensten. “Er erhielt viel Freundlichkeit von der Tante des Kaisers, Eutropion, von zwei Personen, genannt Abuterius und Sperantius, und von vielen anderen (Ap. ad Const. 417; vgl. Fest. Ep. 13). Er wurde durch Briefe aus Ägypten „erfrischt“; und er hatte zwei ägyptische Mönche mit sich, von denen einer, Ammonius, kein Interesse an römischen Gebäuden gezeigt haben soll, außer der „Kirche“ von St. Peter und St. Paul. Aber ihre Anwesenheit in der Stadt und Athanasius 'Begeisterung für Antonius und andere Arten von Mönchsheiligkeit hinterließen einen starken Eindruck auf die Gesellschaft der römischen Kirche und beseitigten die dort bestehenden Vorurteile gegen den Namen des Mönchs und den Ekel vor einem unhöflichen und seltsamen Wesen Außen. In der Tat hatte Athanasius 'dreijähriger Aufenthalt in Rom zwei großartige historische Ergebnisse. (1.) Die lateinische Kirche, die sowohl sein "Gelehrter" als auch sein "treuer Partisan" wurde, wurde durch den Zauber seines "Meistergeistes" in seiner Anhaftung an die Orthodoxie bestätigt, obwohl sie den theologischen Geist nicht von ihm aufnahm Und (2) als Gibbon sagt, dass "Athanasius das Wissen und die Praxis des Mönchslebens in Rom eingeführt hat", zeichnet er die Entstehung einer großen europäischen Bewegung auf und repräsentiert das große alexandrinische Exil als den geistigen Vorfahren Benedikts, des Bernhard und von den unzähligen Gründern und Reformern „religiöser“ Gemeinschaften im Westen.

    In der Zwischenzeit hatten Elpidius und Philoxenus ihren Auftrag erledigt. Die Eusebier in Antiochien stellten fest, dass Athanasius in Rom war und dass der Rat, zu dem sie eingeladen wurden, eine freie kirchliche Versammlung sein würde, hielten die römischen Legaten über die festgelegte Zeit hinaus fest und entließen sie mit der Entschuldigung, mit der Constantius beschäftigt war sein persischer Krieg. Gleichzeitig haben sie Philagrius und Gregor zu neuen Härten angeregt. Orthodoxe Bischöfe wurden gegeißelt und eingesperrt; Potammon erholte sich nie von seinen Streifen; Sarapammon, ein weiterer Beichtvater-Bischof, wurde ins Exil geschickt (Hist. Ar. 12). Die Briefe der Alexandriner an Athanasius, die als Zeichen ihrer Zuneigung trösteten, berichteten traurig über Folter und Raub, über Hass gegen sich selbst, der sich in der Verfolgung seiner Tante zeigte und über das Antlitz Gregors durch den „Herzog“ Balacius. und einige dieser Probleme waren in seinem Kopf, als er Anfang 341 seinen Festbrief für das Jahr „aus Rom“ schrieb. Dieses Jahr hatte begonnen, ohne dass sein Fall geklärt worden war, wie es in Rom erhofft worden war. Der Dezember war vergangen, und es konnte kein Konzil abgehalten werden, denn die Eusebier waren nicht angekommen. Der Januar kam, und endlich kehrten die Legaten zurück, die nicht bereit waren, einen so beleidigenden Brief zu überbringen, dass Julius „beschlossen hatte, ihn für sich zu behalten, in der Hoffnung, dass noch einige Eusebier eintreffen würden“ (Apol. 24) und die öffentliche Lesung durchführten davon unnötig. Niemand kam. Im Gegenteil, die Eusebier beschlossen, die bevorstehende Einweihung einer neuen Kathedrale in Antiochia, der „Goldenen Kirche“, zu nutzen, um dort einen Konzil abzuhalten. Dementsprechend versammelten sich 97 Bischöfe, von denen viele eher negativ als positiv heterodox waren, bei dieser Gelegenheit, anscheinend im August 341. Constantius war anwesend. Das Urteil von Tyre wurde bestätigt; mehrere Kanone wurden verabschiedet; und drei Glaubensbekenntnisse wurden formuliert, und zwar in einer Sprache, die teilweise vage und allgemein ist, teilweise so gut wie alle, dass sie den nicenischen Standard nicht erreichen (vgl. Newman, Arians, c. 4, s. 1; vgl. Ath. Treatises, i. 105 sq.). Dieses Geschäft dauerte notwendigerweise einige Zeit; und keine Information über dieses Konzil hatte Rom erreicht, als Athanasius im November, nachdem er nun achtzehn Monate in Rom gewartet hatte (Apg. 29), das lange verspätete Konzil, bestehend aus mehr als fünfzig Bischöfen, in der Kirche von Rom versammelte der Presbyter Vito. Der eusebische Brief wurde gelesen; Athanasius 'Fall wurde vollständig untersucht; Die Berichte der Mareotic-Kommission, die zwei Jahre zuvor von den drei eusebischen Gesandten nach Rom gebracht worden war, wurden vor die Versammlung gelegt. und Priester aus Ägypten gaben Hinweise auf die jüngsten Grausamkeiten des arianischen Eindringlings. Athanasius wurde offiziell für unschuldig erklärt; Sein Recht auf brüderliche Behandlung und Kirchengemeinschaft, das vom römischen Bischof e von Anfang an anerkannt wurde, wurde vom italienischen Konzil feierlich anerkannt. Marcellus von Ancyra, der im Zuge seiner Ablehnung des Arianismus beschuldigt worden war, die Persönlichkeit des Logos, die Ewigkeit der Sohnschaft, die Realität und die Beständigkeit der Inkarnation geleugnet zu haben, wurde abgesetzt und verbannt und blieb in Rom ein Jahr und drei Monate, wurde nun aufgrund von Aussagen, die er abgegeben hatte und die t befriedigten, für orthodox erklärt die westlichen Bischöfe. Andere Prälaten und Geistliche aus verschiedenen Ländern haben von Arianisierern bezeugt, dass sie Unrecht getan haben. Auf Wunsch des Konzils schrieb Julius an die Eusebier ein würdevolles Schreiben, zu dessen Schlussfolgerung er angedeutet hatte, dass der römische Stuhl zunächst über etwaige Beschwerden gegen den Bischof von Alexandrien informiert werden sollte

    Das Jahr 342 ist in der Athanasianischen Geschichte nicht ereignisreich. Über die Eröffnung machten die Eusebier, die den Widmungsrat geleitet hatten, einen Versuch, dem jungen westlichen Kaiser Constans Ehre zu machen. Er hatte (vielleicht unerwartet, seit Konstantin II. In einen Bürgerkrieg mit ihm geraten war) sich Athanasius gegenüber freundlich gezeigt, der ihm auf seine Bitte hin einige gebundene Exemplare der Schrift aus Alexandria geschickt hatte (Ap. Ad Const. 4). Narcissus, Maris und zwei andere Prälaten erschienen vor Constans in Treves, sprachen zur Unterstützung der Entscheidungen gegen Athanasius und stellten ein Glaubensbekenntnis vor, das auf den ersten Blick alles andere als ein Bekenntnis zur „Homoousion“ sein könnte. Aber Constans schwankte zweifellos von Bischof Maximin, der die östlichen Gesandten nicht zur Kommunion zulassen wollte, entließ sie aus seiner Anwesenheit (Ath. de Syn. 25; Soz. III. 10; Hil. Fragm. III. 27).

    Athanasius blieb bis zum Sommer 343 in Rom, als er „im vierten Jahr“ nach seiner Ankunft einen Brief von Constans erhielt, mit dem er angewiesen wurde, ihn in Mailand zu treffen (Ap. Ad Const. 3, 4). Überrascht von der Vorladung erkundigte er sich nach der wahrscheinlichen Ursache; und erfuhr, dass einige Bischöfe Constans aufgefordert hatten, Constantius die Versammlung eines neuen Rates vorzuschlagen, in dem Ost und West vertreten sein könnten. Als er in der großen Hauptstadt Norditaliens ankam, die so denkwürdig mit dem Kampf zwischen Kirche und Arianismus in Verbindung gebracht werden sollte, wurde er zusammen mit dem Protasius-Bischof von Mailand hinter den Vorhang des Audienzsaals gesetzt und mit „viel Freundlichkeit“ aufgenommen "Von Constans, der ihm mitteilte, dass er bereits an seinen Bruder geschrieben hatte," um die Abhaltung eines Konzils zu ersuchen. "Sofort danach verließ Athanasius Mailand auf Wunsch von Constans, nach Gallien zu kommen, um den verehrten Bischof Hosius zu treffen von Córdoba und begleiten ihn zum Konzil in der moesischen Stadt Sardica, zu dem sich beide Souveräne nun bereit erklärt hatten, sich an der Grenze ihres Reiches zu versammeln. Und dort trafen sich gegen Ende des Jahres 343 etwa 170 Prälaten, eine kleine Mehrheit waren Westler.

    Es stellte sich bald heraus, dass eine gemeinsame Aktion unmöglich war. Die Mehrheit, die die Konzile von Tyrus und Antiochia ignorierte und den ganzen Fall als offen ansah, konnte Athanasius nur als unschuldig oder zumindest als noch nicht schuldig betrachten. und er „feierte mit ihnen die göttlichen Geheimnisse“ (Hil. Fragm. III. 14). Die Minderheit hatte bei ihrer Ankunft in Sardica lediglich ihre Ankunft angekündigt und sich dann in den für sie vorgesehenen Unterkünften im Palast eingeschlossen. Sie weigerte sich, sich ihren Brüdern anzuschließen, bis den Personen, die sie als verurteilte Männer anprangerten, die Sitze im Palast entzogen worden waren Rat. Die Antwort lautete, der Rat sei bereit, alle ihm vorzulegenden Fälle zu prüfen: Jede Partei könne sich an die andere wenden. Zeugen waren bereit, die Leiden der Orthodoxen zu bezeugen, von gefälschten Briefen und vom organisierten Terrorismus zu erzählen; sogar um Wunden und Hände zu zeigen, die von eusebischer Gewalt gefesselt wurden. Obwohl die eusebischen Bischöfe aufgefordert waren, sich ihren Gegnern zu stellen, und sogar versicherten, sie könnten ihren Fall dem vorsitzenden Bischof Hosius privat vortragen, zogen sie sich unter einem müßigen Vorwand aus Sardica zurück und etablierten sich trotz einer förmlichen Aufforderung durch diese Mehrheit als Ein Konzil auf Philippopolis im östlichen Reich erneuerte die Strafen gegen Athanasius, stellte neue gegen Julius, Hosius und andere auf, verfasste eine Enzyklika und nahm ein Glaubensbekenntnis an (Apol. 48, 36; Hist. Ar. 15; Apol 45; Hist. Ar. 44; HA 16: Hil. De Syn. 34; Fragm. 3). Die Prälaten von Sardica gingen ihrer Untersuchung nach und erkannten in der Folge die Unschuld von Athanasius und exkommunizierten elf eusebische Bischöfe als Männer, die "den Sohn vom Vater trennten und so die Trennung von der katholischen Kirche verdienten". einschließlich des berühmten, der unter bestimmten Umständen einen Verweis auf „Julius Bischof von Rom“ zu „Ehren von Peters Andenken“ vorsieht, damit er Vorkehrungen für die Wiederholung der Sache eines Prälaten treffen kann. Es muss kaum hinzugefügt werden, dass sie kein Glaubensbekenntnis außer dem Nicene hätten. Sie schrieben den Suffraganen von Athanasius und den Kirchenleuten von Alexandria Beileidsschreiben und forderten die Gläubigen auf, „ernsthaft für den gesunden Glauben und die Unschuld von Athanasius zu kämpfen“ und sich daran zu erinnern, „obgleich die katholische Kirche schon so manche Empörung erlitten hatte Wer bis zum Ende durchgehalten hat, sollte gerettet werden. “k

    Die kühne Linie in Sardica provozierte die Berater von Constantius zu neuen Härten; und die alexandrinischen Richter erhielten den Befehl, Athanasius zu enthaupten, oder bestimmte von seinem Klerus ausdrücklich genannt, ob sie in die Nähe der Stadt kommen sollen. Fünf alexandrinische Geistliche wurden nach Armenien verbannt. Uns wird erzählt, dass viele Katholiken Angst hatten, ihren Glauben zu zerstreuen. viele flohen in die Wüste, um der dominierenden Partei auszuweichen (Hist. Ar. 19, 18, 20). Der Rat, unterstützt von Constans, bemühte sich, Constantius zu bewegen, indem er zwei Delegierte, Vincent, Bischof von Capua, und Euphrat von Köln, zu ihm sandte. Sie erreichten Antiochia zu Ostern 344. Stephen, der arianische Patriarch von Antiochia, entwarf eine grausame Verschwörung gegen Euphrat. Es wurde entdeckt und von seiner Ablagerung aufgesucht; und Constantius, in einer ehrlichen Abneigung gegen das Gefühl, erinnerte sich an den verbannten Klerus aus Armenien und schrieb, um die Verfolgung von Athanasius 'Anhängern zu beenden (Hist. Ar. 20, 21). Athanasius, der immer noch unter dem Verbot des Kaisers stand, war auf Einladung von Constans von Sardica nach Naissus und von dort nach Aquileia gezogen. Dort wurde er in Begleitung des Bischofs Fortunatian (denn er stellte fest, dass er Constans nie allein gesehen hatte) zu mehr als einem Publikum zugelassen; und wann immer Constans Constantius erwähnte, erwiderte er diesbezüglich respektvoll. Von seinem Aufenthalt in dieser Stadt, an deren Mauern Konstantin II. Nachdem er sein tragisches Ende gefunden hatte, lesen wir, dass eine große Kirche, obwohl sie noch nicht engagiert war, einmal von einer großen Gemeinde besetzt war, einschließlich Constans, der trotz seiner moralischen Verschlechterung den Respekt vor der Religion bewahrte, der sich mit seiner persönlichen Güte verband Athanasius 'Beurteilung seines Charakters zu beeinflussen (Ap. ad Const. 4, 3, 15, 7; Hist. Ar. 44). Er hatte seinen Bruder mutwillig und trotz drohender Bürgerkriege aufgefordert, Athanasius wieder einzusetzen (Soc. II. 22). Der Tod Gregors - nach Theodoret der Mord - um den Februar 345 (Hist. Ar. 21) gab Constantius Anlass, diesen Punkt zu besprechen. Er schrieb daher an Athanasius, um die Zustimmung des westlichen Kaisers zu einer Handlung seiner eigenen freien Gnade zu erbitten. Er schrieb zwei weitere Briefe (Apol. 51; Hist. Ar. 22) und verwendete sechs „Zählimpulse“, um dem Exil Mut zu machen; und Athanasius, nachdem er diese Briefe in Aquileia erhalten hatte, entschied sich schließlich, auf diese Zusicherungen zu reagieren; aber nicht bevor Constantius Constans sagen konnte, dass er "Athanasius seit einem Jahr erwartet" hatte. Von Constans nach Treves eingeladen, machte Athanasius eine Ablenkung auf seiner Reise, um Rom wiederzusehen; Vor ungefähr sechs Jahren war er von Julius herzlich empfangen worden, der nun sein großzügiges Herz in einem Glückwunschschreiben an die Alexandrische Kirche ausstieß, eines der schönsten Dokumente in der gesamten Athanasianischen Reihe. Julius lebte von dem altbewährten Wert Athanasius, von seinem eigenen Glück, einen solchen Freund zu gewinnen, von dem festen Glauben, den die Alexandriner an die Entrückung, mit der sie seine Rückkehr feiern würden, gezeigt hatten; und schlossen damit, dass er für seine „geliebten Brüder“ den Segen anrief, „den das Auge weder gesehen noch gehört hatte“. m Athanasius reiste gegen Mittsommer nach Norden; besuchte Constans, durchquerte Hadrianopel (Hist. Ar. 18), ging nach Antiochia und sah Constantius zum dritten Mal (Ap. ad Const. 5). Der Empfang war gnädig: Der Kaiser schätzte sein teilnahmsloses Auftreten (Ammian. Xvi. 10). Athanasius, ohne seine Feinde zu verunglimpfen, wollte unbedingt, dass er ihnen entgegentritt (Ap. Ad Const. L. C .; Hist. Ar. 22, 44). "Nein", sagte Constantius, "Gott weiß, ich werde solche Anschuldigungen nie wieder gutschreiben; und alle Aufzeichnungen vergangener Anklagen werden gelöscht. “Dieses letztere Versprechen erfüllte er sofort durch Befehle, die an die Behörden in Ägypten geschickt wurden; und er schrieb Briefe zugunsten des Erzbischofs an den Klerus von Ägypten und die Laien von Alexandria. Eines bat er, dass Athanasius den alexandrinischen Arianern eine einzige Kirche erlauben würde. Athanasius erwiderte prompt, dass er dies tun würde, falls in Antiochia eine Kirche für die „Eustathianer“, die sich von dem krypto-arischen Bischof Leontius fernhielten und deren Gottesdienste in einem Haus stattfanden, an dem er teilgenommen hatte, gewährt würde. Der Kaiser hätte dem zugestimmt, aber seine Berater standen ihm im Weg

    Von Antiochia aus ging Athanasius nach Jerusalem, wo sich ein orthodoxer Rat traf, um ihm Ehre zu erweisen und seiner Kirche zu gratulieren. Und jetzt musste er nur noch nach Hause zurückkehren und die Begrüßung genießen, die diese Kirche geben wollte. Dies tat er laut Festal Index am 21. Oktober (Paophi 24, 346). Wir sehen in Gregory Nazianzens Panegyricp ein Bild der riesigen Masse der Bevölkerung, die in mehrere Klassen aufgeteilt ist und wie ein anderer Nil „hervorströmt“. ", Um ihn in einiger Entfernung von Alexandria zu treffen; q die Gesichter, die von jeder Eminenz auf die bekannte Form blicken, die Ohren, die gespannt sind, um seine Akzente zu fangen, die Stimmen, die in emulgierendem Lob steigen, die Hände klatschen, die Luft, die mit Weihrauch duftet, die Stadtfest mit Banketten und strahlenden Lichtern - all das machte die Rückkehr von Athanasius zu einem Standard für jede großartige Volksausstellung. Bezeichnenderweise ist der gutherzige Gregory Das sanfte Verhalten seines Helden gegenüber alten Gegnern und sein friedensschaffender Eifer, Fehden zu lindern, machen es ihm leicht. Die 'Arianische Geschichte' (25) sagt wenig über die äußere Brillanz seiner Restaurierung aus, lebt jedoch von der Schönheit des Stils und des Tons in Bezug auf die praktischen Ergebnisse, die in der Vervielfachung von Nächstenliebe, in der Vertiefung des religiösen Ernstes und in der Heiligung des Familienlebens bei gleichzeitiger Belebung bestehen außergewöhnliche Selbsthingabe



    V. Von seiner zweiten Rückkehr in sein drittes Exil. Sein 19. Festbrief für 347 beginnt mit einem Dank für die „Verbringung aus fernen Ländern“ und endet mit Informationen über die jüngsten Ernennungen von Bischöfen, zu denen auch Arsenius gehörte. jetzt kanonisch gegründet bei Hypsele; andere waren zweifellos Katholiken, die der Erzbischof an die Stelle der Arianer gesetzt hatte. Die ägyptischen Prälaten erhielten im Rat die Dekrete von Sardica. Mehr als 400 Bischöfe verschiedener Länder, einschließlich Großbritanniens, waren jetzt in Gemeinschaft mit Athanasius; er hatte eine Vielzahl ihrer "Friedensbriefe" zu beantworten. Viele Menschen in Ägypten, die sich auf die Seite der Arianer gestellt hatten, kamen nachts mit ihren Ausreden zu ihm: Es war eine Zeit „des tiefen und wunderbaren Friedens“ (Hist. Ar. 25), die einige Jahre dauerte. Valens und Ursacius hatten den Arianismus anscheinend bereits vor einem Konzil in Mailand anathematisiert; aber sie hielten es für zweckmäßig, mehr zu tun. 347 erschienen sie in Rom und überreichten Julius einen demütigen, entschuldigenden Brief, der Athanasius bereits in einer anderen Form geschrieben hatte und ankündigte, dass sie „mit ihm in Frieden“ seien. T Er glaubte zu der Zeit, dass sie aufrichtig waren; sie schrieben ihre Tat danach der Angst vor Constans zu (Hist. Ar. 29). Dieses Motiv wurde, falls es existierte, schon lange entfernt; Der Aufstand von Magnentius brachte Constans im Februar 350 zu einem schändlichen Tod am Fuße der Pyrenäen.

    Diese Tragödie war ein schwerer Schock für Athanasius. In der Tat erhielt er Briefe von Constantius, die ihm die weitere Gunst zusicherten und ihn ermutigten, seine bischöfliche Arbeit fortzusetzen. Den alexandrinischen Behörden wurde auch befohlen, jegliche „Verschwörung gegen Athanasius“ zu unterdrücken. Daraufhin forderte Athanasius in Gegenwart hoher Staatsbeamter, einschließlich der Träger dieser Briefe, sein in der Kirche versammeltes Volk auf, „für die Sicherheit der Ordensleute zu beten Constantius Augustus. “Die Antwort lautete sofort:„ O Christus, hilf Constantius! “(Ap. Ad Const. 9, 10, 23; Hist. Ar. 24, 51). Er hatte Zeit zum Schreiben von Über die nicole Definition des Glaubens und über die Meinungen von Dionysius, seinem großen Vorgänger im 3. Jahrhundert, dessen Sprache, die im Widerspruch zum Sabellianismus verwendet wurde, zu Unrecht zur Unterstützung des Arianismus zitiert worden war Er brachte zu dieser Zeit das heraus, was man seine Entschuldigung gegen die Arianer nennt, obwohl er es später ergänzte. Es mag ungefähr zu dieser Zeit gewesen sein, als er den blinden Gelehrten Didymus wählte, der bereits für sein umfangreiches und vielfältiges Lernen bekannt war Vorsitz über die "Katechetische Schule". [DIDYMUS.] Als Magnentius Gesandte zu Constantius sandte, besuchte einer von ihnen Alexandria; und Athanasius, als er von Constans sprach, brach in Tränen aus. Er hatte zuerst ein gewisses Gefühl der Gefahr von Magnentius; aber es wurde bald klar, dass seine wirkliche Gefahr von den arianisierenden Beratern von Constantius ausging. Valens und Ursacius, die jetzt ihren Widerruf widerrufen hatten, waren bereit, neue Pläne zu weben; und Liberius, der neue Bischof von Rom, wurde mit Briefen gegen ihn belegt, die nach dem Urteil einer römischen Synode von einer Enzyklika von 80 ägyptischen Prälaten aufgewogen wurden; und Rom blieb seiner Sache treu. (Siehe Liberius 'Brief an Constantius, Hil. Fragm. 5. Ein anderer Brief, in dem Liberius behauptet, er habe Athanasius aus seiner Kommunion ausgeschlossen, weil er sich geweigert habe, nach Rom zu kommen, wird zu Recht als Fälschung angesehen.) war im Jahr 352; und Athanasius hielt es im Mai 353 für ratsam, fünf Bischöfe, von denen einer sein Freund Serapion von Thmuis war, und drei Presbyter zu entsenden, um Constantius schlechte Eindrücke in Bezug auf sein Verhalten zu entkräften. Fünf Tage später, am 23. Mai, kam Montanus, ein „Silentiary“ oder Palastkämmerer, mit einem kaiserlichen Brief an, der ihm die Entsendung von Gesandten untersagte, der jedoch vorgab, einen Antrag von ihm auf Besuch des Mailänder Hofes zu stellen. Als Athanasius bemerkte, dass er versucht hatte, ihn zu täuschen, erwiderte er, dass er es nicht für richtig halten könne, eine Erlaubnis zu verwenden, die er aufgrund eines Missverständnisses erhalten hatte. aber dass, wenn der Kaiser ihm einen bestimmten Befehl schickte, er sofort darlegen würde (Ap. ad Const. 19–21). Montanus reiste ab; und die nächste Nachricht, die Athanasius aus Europa erhielt, ließ ihn jede persönliche Gefahr vergessen. Der westliche Usurpator war im August endgültig gestürzt worden; und Constantius, der für den Winter in den Widder gegangen war, wurde von den Arianern veranlasst, dort statt in Aquileia den Rat abzuhalten, zu dessen Zusammenkunft Liberius und viele italienische Bischöfe ihn aufgefordert hatten. Das Ereignis war katastrophal: Vincent, der römische Legat wurde veranlasst, zusammen mit anderen Prälaten Athanasius zu verurteilen; aber Paulinus von Treves hatte Maximins Standhaftigkeit geerbt und zog das Exil dem Verrat einer gerechten Sache vor.

    In der Fastenzeit 354 waren die alexandrinischen Kirchen so überfüllt, dass einige Menschen schwer litten, und das Volk forderte Athanasius auf, den Ostergottesdienst in einer noch unvollendeten großen Kirche, dem Kaiserschnitt, abzuhalten. Der Fall war eigenartig (Ap. Ad Const. 15; Epiph. Haer. 69, 2): die Kirche wurde auf dem Boden des Kaisers gebaut. Eine vorzeitige Nutzung ohne seine Erlaubnis könnte als zivilrechtliche Straftat angesehen werden. es vor der Widmung zu gebrauchen, eine kirchliche Unanständigkeit. Athanasius versuchte die Menschen davon zu überzeugen, die bestehenden Unannehmlichkeiten in Kauf zu nehmen: Sie antworteten, sie würden Ostern lieber auf freiem Feld verbringen. Unter diesen Umständen gab er nach. Die Arianizer waren gewöhnlich Höflinge und bereit, gelegentlich auch Formalisten zu sein; und dieser Gebrauch der undedizierten Reichskirche war einer von mehreren Vorwürfen, die jetzt vor Gericht gegen ihren Gegner erhoben und in seiner Entschuldigung an Constantius behandelt wurden; Die anderen waren, dass er Constans zum Streit mit seinem Bruder angeregt hatte, Magnentius korrespondiert hatte und dass er nicht nach Italien gekommen war, als er den Brief von Montanus erhalten hatte. Besonders interessant ist ein Brief, den er vor dem Osterfest dieses Jahres oder vielleicht von 355 schrieb; er versucht sich an Dracontius zu erinnern, einen Mönch, der in ein Bistum gewählt worden war und schwach von seinen neuen Pflichten geflohen war. Die Ernsthaftigkeit, der gesunde Menschenverstand und die Zärtlichkeit dieses Briefes sind sehr charakteristisch für Athanasius. Er geht wiederholt auf das Gleichnis von den Talenten ein, erinnert Dracontius an feierliche Verpflichtungen und warnt ihn davor, sich das Klosterleben als die einzige Sphäre der christlichen Selbstverleugnung vorzustellen Der hohe Anspruch an die Ausdauer der christlichen Menschen entspricht genau der „Einsicht“ in die „Zeichen“ von 354–5, an der Athanasius nicht gefehlt haben kann.

    Denn im Frühjahr 355 hörte er von Constantius 'Erfolg bei der Terrorisierung der großen Mehrheit eines großen Stadtrats in Mailand, der auf dringenden Wunsch von Liberius einberufen worden war. Einige gläubige Männer, wie Eusebius von Vercellae, Luzifer von Caliaris, Dionysius von Mailand nach einer kurzen Schwäche und Maximus von Neapel, der zu dieser Zeit an Krankheit litt, weigerten sich allein, Athanasius zu verurteilen (Hist. Ar. 32– 34); und um sich gegen die unheilbare Tyrannis des Cäsarismus zu behaupten, wie dies gezeigt wurde, muss man sich sowohl für die Ziviljustiz als auch für die Nicene-Orthodoxie eingesetzt gefühlt haben

    Dass ein Staatsstreich über Athanasius nachgedacht wurde, muss nicht nur aus dem leidenschaftlichen Bestreben des Kaisers, ihn verurteilen zu lassen, und aus der wirklich brutalen Verfolgung, die im ganzen Reich gegen diejenigen zu toben begann, die an seiner Kommunion festhielten (Hist Nach dem Erscheinen eines kaiserlichen Notars namens Diogenes in Alexandria im Juli oder August 355, der, obwohl er keine ausdrücklichen Befehle übermittelte und kein Interview mit Athanasius führte, alle erdenklichen Anstrengungen unternahm, um ihn zu bekommen außerhalb der Stadt. Geschieht dies nicht, reiste er im Dezember ab; und am 5. Januar 356 trat Syrianus, ein General mit einem anderen Notar namens Hilarius, in Alexandria ein. Die arianische Partei freute sich über ihren bevorstehenden Triumph: Athanasius fragte Syrianus, ob er einen Brief vom Kaiser mitgebracht habe. Er sagte, er hätte nicht. Der Erzbischof verwies ihn auf die Sicherheitsgarantie, die er selbst erhalten hatte; und die Presbyter, die Laien und die Mehrheit aller Einwohner unterstützten ihn darin, zu fordern, dass ohne einen neuen kaiserlichen Brief keine Änderungen vorgenommen werden sollten - vielmehr, dass sie sich darauf vorbereiteten, eine Deputation an Constantius zu senden. Der Präfekt Ägyptens und der Provost von Alexandria waren bei diesem Interview anwesend; und Syrianus versprach schließlich "durch das Leben des Kaisers", dass er der Forderung nachkommen würde. Dies war am 18. Januar; und seit mehr als drei Wochen war alles ruhig. Aber am Donnerstag, dem 8. Februar, gegen Mitternacht, als Athanasius in der St. Theonas-Kirche einen nächtlichen Mahnwachengottesdienst abhielt, versammelten sich Syrianus und Hilarius und Gorgonius, der Chef der Polizei, um die Kirche eine große Anzahl von Soldaten. „Ich setzte mich“, sagt Athanasius, „auf meinen Thron“ (der sich am äußersten Ende der Kirche befinden würde), „und bat den Diakon, den Psalm zu lesen“ (unseren 136.), „und das Volk, darauf zu antworten Denn seine Barmherzigkeit währt für immer, und dann müssen alle nach Hause. “Dieser majestätische„ Akt des Glaubens “wurde kaum beendet, als die Türen aufgezwungen wurden und die Soldaten mit einem heftigen Schrei hereinstürmten, ihre Arme zusammenstießen und ihre entließen Pfeile und schwenkten ihre Schwerter im Licht der Kirchenlampen. Einige der Leute im Kirchenschiff waren bereits abgereist, andere wurden mit Füßen getreten oder tödlich verletzt; andere riefen dem Erzbischof zu, er solle fliehen. „Ich sagte, ich würde es nicht tun, bis sie alle sicher davongekommen sind. Also stand ich auf und rief zum Gebet auf und wünschte, dass alle vor mir ausgehen würden ... und als der größte Teil gegangen war, traten die Mönche, die dort waren, und einige der Geistlichen, auf mich zu und trugen mich weg. “F Und dann, fügt er hinzu, ging er unbemerkt durch die Masse seiner Feinde und dankte Gott, dass er in erster Linie die Sicherheit seines Volkes und danach seine eigene hatte gewährleisten können. Wie früher hielt er es für seine Pflicht, zu akzeptieren eine Fluchtmöglichkeit, besonders wenn das Opfer seines Lebens der Sache der Kirche in Ägypten verderbt gewesen wäre (siehe Augustinus, Ep. 228, 10); und deshalb reparierte er sich an einen Ort des Versteckes im Land und "versteckte sich", wie die arianische Geschichte, c. 48 verwendet die Worte des Propheten, "für einen kleinen Moment, bis die Empörung vorbei sein sollte."

    ATHANASIUS (ST.), Erzbischof von Alexandria. Das Material für die Biographie dieses großen Prälaten kann folgendermaßen beschrieben werden: (1) Seine eigenen Memoiren, wie sie genannt werden, oder "Historische Traktate", wie sie in der "Bibliothek der Väter" genannt werden, einschließlich seiner große Entschuldigung (sog.) gegen die Arianer, zwei Enzykliken, die Entschuldigung für Constantius, die Entschuldigung für seine Flucht, ein Brief an Serapion, ein Brief an die Mönche als Präfix für eine Geschichte der Arianer; dazu müssen viele Stellen in anderen Schriften von ihm hinzugefügt werden, die seine Geschichte veranschaulichen. (2.) Mitteilungen zeitgenössischer Väter wie Hilary, Basil, Gregory Nazianzen und Epiphanius; In Bezug auf einige dieser Aspekte ist jedoch Vorsicht geboten, z. Gregory ist historisch nicht genau, und Epiphanius stützte sich zu sehr auf einige fragwürdige Informationen. (3.) Chroniken oder Fragmente von Chroniken, wie der Index, der seinen kürzlich entdeckten Festbriefen vorangestellt ist, und das Fragmentum Maffeianum, das 1742 von Maffei aus der Kapitelsammlung von Verona herausgegeben wurde und von Mansi als lateinische Version angenommen wird von Annalen, die um 385 n. Chr. in Alexandria geschrieben wurden. So wertvoll diese sind, sie enthalten einige offensichtliche Fehler. (4.) Nachfolgende Kirchenhistoriker wie Sulpicius Severus, Rufinus, Sokrates, Sozomen, Theodoret. Montfaucon sagt (in Vit. Ath. Monitum), dass die Mitteilungen von Sulpicius über das Thema dürftig und von geringem Wert sind, und dass Rufinus leichtgläubig und „fahrlässig nominiert verdächtig“ ist. Wir können hinzufügen, Sokrates - obwohl es nicht richtig wäre, anzurufen er ist ein reiner Nachahmer von Athanasius - verdient keineswegs implizites Vertrauen, wenn seine Erzählung eine andere Linie nimmt; Tatsächlich werden, wie Montfaucon feststellt, "Quantam in ordine et tempore perturbationem attulerit pluribus est alias commonstratum" und seine Daten, die früher als sichere Orientierungspunkte galten, heute vielfach in Frage gestellt. Montfaucon spricht sich mehr für Sozomen aus, als es vielleicht üblich ist; und stellt seine Autorität weit über die von Sokrates, da er der Ansicht ist, dass er Zugang zu einigen wertvollen Memoranden hatte. Aus einem ähnlichen Grund weist er der im Allgemeinen kurzen und verwirrten Erzählung von Theodoret (der wir ein Fragment eines der Briefe von Athanasius verdanken) einen gewissen Wert zu. Er beschreibt Gelasius von Cyzicus als "im Allgemeinen unbedeutend, aber als etwas dienend". Von dem viel früheren "Leben von Pachomius" als Beitrag zu einigen Materialien spricht er sehr viel: Von den griechischen Leben von Athanasius ist sein Urteil natürlich verächtlich : Einer, von einem anonymen Schriftsteller, ist völlig wertlos - der, der von Photius gelesen und in seine "Bibliothek" aufgenommen wurde und den er als "eher zur Nachlässigkeit als zur Genauigkeit neigend" beschrieb, ist "quisquiliae sine pari:" des "Vita ex Metaphraste" urteilt er nachsichtiger, hält es aber für nutzlos. Ein arabisches Leben, das von Renaudot übersetzt und von ihm an Montfaucon weitergegeben wurde, zeichnet sich durch die „erstaunliche Ignoranz und Albernheit“ der Kopten aus, für die es verfasst wurde. The Bollandist Life (2. Mai) spricht in ähnlicher Weise von diesen griechischen Produktionen als „einfügungsunwürdig“: „Lässt den Arbeitsfehler aus.“ Montfaucons eigenes lateinisches Leben steht unter den guten Biografien an erster Stelle. Tillemonts 8. Band von Mémoires enthält ein kunstvolles Leben mit Noten. Cave hat eine vollständige Erinnerung an den heiligen Athanasius in seinem Leben der Väter. ein kürzerer in seiner Historia Literaria. Möhlers 1827 veröffentlichter Band über Athanasius den Großen ist eher eine Darstellung seiner Arbeit als Theologe als eine Aufzeichnung seines Lebens: Er wird vom englischen Übersetzer seines Symbolismus bewundernswert beschrieben. Die Verweise in der folgenden Darstellung beziehen sich auf die Benediktinerausgabe, die zusammen mit ergänzenden Informationen in Mignes Reihe enthalten ist.

    Das Leben des Athanasius teilt sich auf natürliche Weise in sieben Abschnitte auf, die jeweils durch (1) seine Weihe beendet werden; (2) sein erstes Exil; (3) sein zweites Exil; (4) seine zweite Rückkehr; (5) sein drittes Exil; (6) sein viertes Exil; (7) sein Tod.

    I. Von seiner Geburt bis zu seiner Weihe. - Er wurde anscheinend in Alexandria geboren; ein Brief von Konstantin, der ihn aus seinem zweiten Exil zurückruft, scheint diese Stadt als seine „Heimat“ zu bezeichnen (Apol. c. Ar. 51). Von seinen familiären Verhältnissen wissen wir nur, dass seine Tante während seines zweiten Exils viel unter arianischer Grausamkeit litt; dass er nach eigenen Angaben Konstantins nur über geringe private Mittel verfügte; und dass sich das Grab seines Vaters in einiger Entfernung von der Stadt befand. (Hist. Ar. 13; Ap. C. Ar. 9; Socr. IV. 13.) Wir müssen seine Geburt um ca. 296 datieren. nicht früher, weil er keine persönliche Erinnerung an die Verfolgung unter Maximian im Jahr 303 hatte (Hist. Ar. 64) und vergleichsweise ein junger Mann war, als er kurz nach dem Konzil von Nicene zum Bischof geweiht wurde; nicht später, weil er einige theologische Belehrungen von Personen erhielt, die unter der Verfolgung unter Maximin II. litten. 311 (De Incarn. 56), und die ersten beiden seiner Abhandlungen scheinen vor 319 geschrieben worden zu sein. Von seiner Jugend gibt es eine Geschichte, die zuerst von Rufinus (I. 14) und nach ihm von anderen Autoren erzählt wurde, und was viele englische Leser durch ein Gedicht in Kebles Lyra Innocentium wissen. Ein Alexander, Bischof von Alexandria, sah eines Tages aus den Fenstern eines Hauses, das ihm in der Nähe des Meeres gehörte, und sah einige Jungen am Strand Wie es schien, spielte er bei einer Nachahmung eines kirchlichen Zeremoniells. Nachdem er sie einige Zeit mit Interesse beobachtet hatte, begann er zu glauben, dass ihr Spiel die besonders heiligen Dinge zu sehr berührte; er rief sie in Gegenwart eines Geistlichen vor sich her und stellte fest, dass einer der Jungen, Athanasius genannt, die Rolle eines Bischofs gespielt und als solcher einige seiner Gefährten getauft hatte, die noch nicht getauft worden waren. Alexander beschloss nach Rücksprache mit seinem Klerus, diese Taufe als gültig anzuerkennen; und empfahl dem Jungen-Bischof und anderen Jungen, die als Diener gehandelt hatten, ihre jeweiligen Beziehungen, um für den tatsächlichen Dienst der Kirche geschult zu werden. Die Geschichte, die von mehreren hohen Autoritäten beiseite gelegt wurde, wird von Dean Stanley als "wahrheitsgetreu" angesehen (Lect. East. Ch. S. 264.). Abgesehen von jeglichen Schwierigkeiten bei der Auflösung, die zugeschrieben werden Alexander, der chronologische Einwand erscheint ziemlich fatal. Als Alexander 313 zum Episkopat kam, muss Athanasius etwa siebzehn Jahre alt gewesen sein, und innerhalb von sechs Jahren trat er als Theologe auf. Aber die Legende, wenn wir so darüber nachdenken, kann durchaus so viel Wahres darstellen, dass der junge Athanasius das Versprechen einer hohen Berufung zeigte; und dass Alexander, mit welchen Mitteln auch immer er zuerst unter seine Kündigung kam, ihn als wahrscheinlich dazu bestimmt ansah, große Dinge für die Sache Christi zu tun. Es kann keinen Grund geben, daran zu zweifeln, dass Athanasius bald als sein Begleiter und Sekretär ein Insasse des Hauses des guten Prälaten wurde (Soz. Ii. 17). Die Position brachte große Vorteile mit sich. Der Platz, den Alexander als „Nachfolger des hl. Markus“ und Bewohner des „evangelischen Thrones“ innehatte, war in der christlichen Hierarchie der zweite: Wir können die Bischöfe von Alexandria im 4. Jahrhundert der Einfachheit halber als Erzbischöfe oder Patriarchen bezeichnen Obwohl der erstere Name damals nur sehr selten und der letztere überhaupt nicht verwendet wurde und sie häufig benannt wurden, obwohl dies nicht im Widerspruch zu allen anderen Prälaten stand, z. B. mit dem Titel Papas (Papst) oder „lieber Vater“. Ihre Macht in den Kirchen von Ägypten, Libyen und Pentapolis war nach altem Brauch, den das Nicene-Konzil später bestätigte, fast monarchisch und erstreckte sich über etwa hundert Bischöfe, die ihre Urteile als die Entscheidungen des römischen Stuhls verehrten in Italien. In die Intimität des „Papstes“ aufgenommen zu werden, war für Athanasius ein großes Privileg; und um "als Sohn mit Vater" unter dem Dach eines "geliebten wegen der Süße seiner Gesinnung" zu leben, muss er ein Glück gewesen sein, an das man sich in den Stürmen und Konflikten des Nachlebens oft erinnert. Und der junge Sekretär war einer, der andere Gelegenheiten zum Nachdenken, Beobachten und Lernen genossen hatte, die er sorgfältig verbessert hatte. Von Kindheit an hatte er in einer Stadt gelebt, die „ein Zentrum für den Austausch von Ideen und Spekulationen war, zusammen mit den Produkten verschiedener Kulturen und Branchen.“ Hier drängten sich verschiedene Nationalitäten und verschiedene Gedankenströme nebeneinander. Er war mit dem Heidentum in verschiedenen Formen vertraut: Die hoch aufragende Masse des Serapeion würde für ihn eine Verkörperung eines einheimischen Götzendienstes sein, der, wenn er stirbt, noch nicht in der Nähe seines Todes war; Osiris wurde immer noch jährlich beklagt, und Isis, Apis und der Nil wurden immer noch verehrt; Hadrians Besuch in Alexandria wurde in Erinnerung gerufen; Die Apotheose der römischen Kaiser wäre für Athanasius eine Illustration der euhemerischen Theorie, die er über den Ursprung der Götter der Heide angenommen zu haben gelernt hatte. Er muss das Judentum in seiner eigensinnigsten und selbstbewusstesten Stimmung gesehen haben. in zwei der fünf Regionen der Stadt niedergelassen.l Er muss Echos von gehört haben der Neuplatonismus des Plotinus: er hatte sich wahrscheinlich mit den Manichäern angefreundet: m seine Studien der „Grammatik“ und der „Rhetorik“ hatten ihn mit Homern und Platon bekannt gemacht und, wie Möhler bemerkt, seine logischen Fähigkeiten trainiert: er gewöhnte sich an die Berücksichtigung solcher Hypothesen wie Pantheismus und Materialismus: Er wurde ein Enthusiast für das Argument vom Design zum Schöpfer und für den Beweis einer Seele aus den instinktiven Sehnsüchten nach Unsterblichkeit das des römischen Gesetzes. Es ist jedoch offensichtlich, dass alle diese dem großen Ziel untergeordnet waren, „ein Schreiber zu werden, der dem Himmelreich unterwiesen wurde“: q Die christliche Theologie bildete sein Hauptinteresse, und ihm wurde die hohe Begabung verliehen, die es konnte allein macht Vielseitigkeit und vielfältige Kultivierung wirklich wertvoll - eine befehlende und erhebende Einfachheit des Ziels. Und für dieses besondere Werk seines Lebens hatten ihn seine Vorfahren bereits vorbereitet. Er hatte gesehen, wie eine heidnische Verfolgung aussah, besonders wenn sie von einem so wilden wie Maximin II. Betrieben wurde: Er hatte als Junge von vierzehn oder fünfzehn Jahren am Leben von Lehrern gehangen, die in Kürze ihren Unterricht mit Blut besiegeln sollten . Wenn er zu jung war, um den Märtyrer-Bischof Phileas von Thmuis persönlich zu kennen, der die Göttlichkeit des Gekreuzigten so ernsthaft bekennt, muss er einige gesehen und gesprochen haben, die seinen Geist aufgenommen hatten und in seine Fußstapfen getreten waren; und vielleicht hat er gelernt, die Konstanz seines eigenen Bischofs Petrus mit der Hingabe an den Tod zu verbinden, der als "von Natur aus Gott von Natur aus Mensch" wurde (S. Petr. Alex. Ap. Routh, Rel. Sacr. IV. 48) Athan, Orat, III, 41, 51, Apollin, I, 7). Der Verkehr mit solchen heldenhaften Seelen würde dazu neigen, im jungen Zuhörer den Heroismus zu formen, der weder weniger wahr noch weniger religiös ist und der ihn durch die „lange Tragödie“ (Hooker, Vers 42, 5) seiner eigenen Zukunft so gut ertragen sollte: es würde ihn ein für alle Mal mit einem tiefen Sinn für die Realitäten des Christentums erfüllen; und seine Karriere wird am besten gewürdigt, wenn wir den Geist des Beichtvaters in ihm erkennen (siehe Ep. ad Ep. Aeg. 21). Sogar nach dem Ende der Verfolgung würde er ständige Beweise für die Schwere des Kampfes haben, den das Christentum noch führen musste. Diese harten alexandrinischen Verspottungen, die Hadrian so beißend gefunden hatte, wurden gnadenlos auf eine Religion gerichtet, die eine Inkarnation und ein Kreuz ausrief (De Incarn. 41, 48) und deren Wähler in letzter Zeit in Massen zu einem Tod der Schande und Folter gebracht worden waren. Und eine Erfahrung anderer Art, deren Folgen am fruchtbarsten waren, war Athanasius 'Bekanntschaft mit dem großen Einsiedler Antonius. Er erzählt uns in seinem Leben des Antonius, dass er ihn oft gesehen hat; und obwohl die Lektüre des Schlusses des Vorworts, aus der hervorgeht, dass "er selbst einige Zeit an ihm teilgenommen und Wasser auf seine Hände gegossen hat", als zweifelhaft angesehen werden kann, wissen wir doch, dass er später als "der" bezeichnet wurde asketisch “, und als er Jahre später in den Zellen der ägyptischen Mönche Zuflucht suchte, fühlte er sich wie zu Hause. Er bekam eine Bewunderung für das Mönchtum, die diejenigen nicht überraschen wird, die sich an die spirituelle Intensität des Ordens erinnern Das christliche Leben hatte in einem Leben, das von Männern geführt wurde, die wie Antonius aus einer Gesellschaft geflohen waren, die über alle modernen Vorstellungen hinaus verdorben und brutalisiert war, einen überaus nachdrücklichen, wenn auch einseitigen Ausdruck gefunden. Die Selbstaufopferung des Mönchs schien mit der Selbsthingabe des Beichtvaters verwandt zu sein; und die krankhaften und exzentrischen Elemente in der aufstrebenden Institution waren in Antonys eigenem Fall weniger zu beobachten als in vielen anderen. Der energetische christliche Eifer des alten Einsiedlers, sein praktischer Sinn und seine nüchterne Gesinnung, nicht mischbar mit Humor, sein heiterer Mut, seine tiefe Zärtlichkeit, sogar der äußere Charme eines Gesichtes, das nie seine strahlende Ruhe verlor und das besonders strahlend schien, wenn in den letzten Tagen der Verfolgung stand er, auffällig an seinem frisch gewaschenen weißen Umhang, genau auf dem Weg des Präfekten von Alexandria - all diese Vereinigung von Süße und Stärke würde unwiderstehlich auf die Vorstellungskraft und Zuneigung von Athanasius einwirken (Vit. Ant. 67) 46); Es ist auch nicht fatal, zu glauben, dass er in späteren Schwierigkeiten oft „Gott gedankt und Mut gefasst hat“, wenn er sich an Antonios Gefühl erinnerte, das einst in koptischer Sprache für jüngere Mönche zum Ausdruck kam der Zeitalter und der Krone “(Vit. Ant. 16).

    Die beiden Aufsätze von Athanasius, Gegen die Heiden und Über die Menschwerdung, die ein vollständiges Werk bilden, das sich an einen Konvertiten aus dem Heidentum richtet, können nicht später als Ende 318 datiert werden. denn sie beziehen sich nicht auf die arianische Kontroverse, die 319 ausbrach. Dorner hat in seinem Werk über die Person Christi eine Zusammenfassung ihrer Argumentation zum dreifachen Thema von Gott, Mensch und dem inkarnierten Wort gegeben; und Möhler nennt das Buch über die Menschwerdung „den ersten Versuch, das Christentum und die Hauptumstände des Lebens Jesu Christi unter einem wissenschaftlichen Aspekt darzustellen. Durch den sicheren Takt seiner edlen und christlichen Natur wird alles auf die Person des Erlösers bezogen: Alles ruht auf Ihm; Er erscheint überall. “Diese Worte erklären die theologische Größe, die der junge Autor erlangt hat, der um diese Zeit zum Diakon geweiht worden zu sein scheint und unter den alexandrinischen Diakonen die Position des Chefs innehatte. So in noch engere Beziehungen zu seinem Bischof hineingezogen, war er für ihn zweifellos das, was St. Laurence für Sixtus II. War. von Rom; und gab ihm wirksame Hilfe, als Arius, einer der Pfarrer, während er Alexander mit Sabellianismus besteuerte, ausdrücklich bestritt, aus Gründen, die rationalistisch genannt werden können: (1) die Ewigkeit, (2) die Unschöpflichkeit des Sohnes Gottes. [ALEXANDER; ARIUS.] Unter den Geistlichen, die sich dem Erzbischof anschlossen, um Arius zum Rückzug aufzufordern, und die später seiner Absetzung zustimmten, befand sich der junge Erzdiakon von Alexandria. (Siehe den Bencdictine Athanasius, i. 396 sq.) Die Linie zuzuschreiben, die er zum loyalen Gefühl für einen gütigen Vorgesetzten, zur bloßen polemischen Parteilichkeit oder zum bloßen kirchlichen Konservatismus nahm, würde sein Charakter falsch verstehen und die Lehre von verlieren sein Leben. Die Größe des Themas fehlte ihm nie. Die Affinität der arianischen Hypothese zu älteren Häresien und in einer Hinsicht zu ethnischen Denkgewohnheiten (De Syn. 50; Orat. III. 16); seine bemerkenswerte Inkohärenz, wenn man von den Prämissen ausgeht: "Ein Vater muss vor einem Sohn sein" und eine Schlussfolgerung präsentiert, die den Sohn vom Wesen des Vaters trennt (vgl. Orat. c. Ar. i. 26); seine seltsame Tendenz, die Ehrfurchtlosigkeit zu fördern und sich mit unheiligen Waffen durchzusetzen - all dies sah er: Aber seine Feindseligkeit gegenüber dem Arianismus lässt sich am besten zusammenfassen, indem er mit Dorner sagte: „Es war seine intuitive Wahrnehmung des Erlösers in seiner Gesamtheit Das hat Athanasius die Richtung aufgezeigt, die er einschlagen sollte. “- und in diesem Sinne besuchte er Alexander 325 im Nicene-Konzil.

    Und in dieser großen Versammlung wird er von Gregor von Nazianzum (Orat. 21) als "der Erste unter den Bischöfen" und als "der Beste, um die Seuche zu bekämpfen" dargestellt. Y Wir können uns ihn so vorstellen, wie er stand vorwärts, mit der winzigen Gestalt, über die Julian später spottete, und dem schönen Gesicht, das Gregor mit dem eines Engels verglich; seine scharfen Augen beobachteten die Arianizer, die auf einer hastigen Privatkonferenz Ausweichmanöver arrangierten, in denen sie die von der Mehrheit vorgeschlagenen Sätze akzeptieren konnten (De Decr. 20; Ad Afr. 5); Seine Bereitschaft als Streitsüchtiger und sein Reichtum als Schriftinterpret machten ihn bereits in einer großen Krise zu einer großen Macht. Seine Schriften können uns das Argument versichern, das er beibehalten würde; dass die wahre Göttlichkeit des Erlösers (1) an vielen Stellen der Schrift behauptet wurde, (2) an der Vorstellung seiner einzigartigen Sohnschaft beteiligt war, z (3) von der göttlichen Erlösungsökonomie gefordert wurde und (4) vom Unendlichen bezeugt wurde Bewusstsein der Kirche. Und obwohl sich das Konzil, wie er selbst mitteilt, freiwillig auf rein biblische Begriffe beschränkt hätte (De Decr. 19), wenn ihr berechtigter Sinn hätte zugegeben werden können; Auch wenn er sich keineswegs vorstellen konnte, dass jede Form oder jeder Ausdruck menschlichen Denkens ein göttliches Mysterium adäquat darstellen würde, gingen seine Überzeugungen doch gründlich mit der Annahme des Begriffs „Homoousion“ oder „co-essential“ einher, wie es erklärt wurde. b in einem Sinn, der es einfach gleichbedeutend mit „wahrhaftigem Sohn Gottes“ machte und als Test für die Einhaltung der biblischen Christologie vorschlug. Und wenn wir seine Meinung am Ende des Konzils verstehen wollen, müssen wir sagen, dass er sein Vorgehen als etwas betrachtete, das tatsächlich „für die rechtmäßige Ehre Jesu“ getan wurde. C Nichts war für ihn sicherer als das, was Jesus war In der vollen Kraft der Worte inkarnierte Gott. dass der Arianismus im Wesentlichen eine Verleugnung und die "Homoousion" das jetzt authentifizierte Symbol für diesen Anspruch auf die absolute Hingabe der Menschen war; und dass es sich unendlich gelohnt hat, jede Menge Arbeit oder Leiden zu verrichten, um eine solche Wahrheit und die Sache eines solchen Meisters zu verteidigen.Weitere Arbeiten standen bevor, und das Leiden war nicht mehr fern. Eine Passage in Athanasius 'Entschuldigung gegen die Arianer (ca. 59) wurde normalerweise genommen, um den Tod von Alexander innerhalb von fünf Monaten nach dem Ende des Nicene-Konzils, d. H. Im Januar 326, zu bestimmen. aber wenn es so verstanden werden könnte, als ob Alexander die meletianischen Sektierer [MELETIUS] in die Kirche aufgenommen hätte, so könnten wir nach einer Nicene-Resolution das von den koptischen Behörden festgelegte Datum, den 22. von Pharmuthi, oder den 17. April, übernehmen. in der Osterflut von 326 n. Chr. hatte Alexander anscheinend für das Jahr, in dem er starb, bereits eine vom Nicene Council auferlegte jährliche Pflicht erlassen - die Ankündigung der Tage, an denen nach alexandrinischer Wissenschaft Die Fastenzeit würde beginnen und Ostern würde hereinbrechen, zuerst durch einen „Festbrief“ an sein eigenes Volk und dann auch an den Bischof von Rom, der, wie Leo der Große später ausdrückte, „weiter entfernte Kirchen“ informieren sollte. (Leo, Ep. 121; Le Quien, II. 377). Ein ernster und berührender Vorfall in Alexanders letzten Augenblicken hängt mit der Geschichte von Athanasius zusammen, der damals in Alexandria abwesend war, vielleicht auf Mission des Erzbischofs selbst beim Gerichtshof, es sei denn, wir gehen davon aus, dass er absichtlich in den Ruhestand getreten ist, um eine Wahl als Nachfolger zu vermeiden . Der sterbende Mann, während sein Klerus um ihn stand, rief nach Athanasius. Einer der Anwesenden, der auch diesen Namen trug, antwortete, wurde jedoch vom Erzbischof nicht bemerkt, der den Namen erneut wiederholte, und fügte hinzu: „Sie denken, dass Sie fliehen könnten - aber es kann nicht sein.“ Es scheint einige Zeit zwischen seinem Tod vergangen zu sein und die Versammlung der ägyptischen Bischöfe, um einen Nachfolger zu weihen. Von ihren Verfahren haben wir einerseits einen mehr oder weniger detaillierten arianischen Bericht; wie, dass sieben Prälaten, trotz ihres Versprechens, in der offenen Synode zu wählen, heimlich Hände auf Athanasius legten; oder, dass er mit einigen Anhängern bei Nacht eine Kirche eroberte, zwei Bischöfe, die er dort fand, zwang, ihn zu weihen, beschaffte durch Betrug eine kaiserliche Sanktion seiner Ernennung und setzte die zivile Macht ein, um seine Rache an denen zu üben, die vor ihnen zurückschreckten seine Kommune (Soz. II. 17; Philostorg. II. 11). Auf der anderen Seite wurde in einem Enzyklika-Brief dieser ägyptischen Prälaten - von denen Gibbon sagt, dass sie kaum "eine öffentliche Lüge" (D. und F. c. 21) feierlich bezeugt haben dürften, die das ganze Christentum ankündigte, einige Jahre später, dass eine Mehrheit von ihnen Athanasius in Gegenwart und unter dem Beifall der ganzen alexandrinischen Laien gewählt hatte, die tagelang darauf aushielten, ihn als "den guten, frommen, asketischen Christen" zu fordern, der sich als einen beweisen würde "Echter Bischof" und betete laut zu Christus, um ihren Wunsch zu erfüllen (Apol. C. Ar. 6). Es wurde gewährt; und dann, nach den Worten Gregors, „wurde Athanasius durch die Suffrage des ganzen Volkes und nicht durch diese abscheulichen Methoden, die später vorherrschend waren, von Gewalt und Blutvergießen, sondern auf apostolische und spirituelle Weise auf den Thron von Markus erhoben, Einige Zeit nach Anfang Mai 326 und höchstwahrscheinlich am 14. Payni oder 8. Juni - dem Tag des Monats, wenn auch nicht dem Jahr, das im Index der Festbuchstaben angegeben ist. (Zur Frage der Art der Ernennung der alexandrinischen Patriarchen siehe ALEXANDER: Es genügt hier zu sagen, dass die 600 Jahre später von Eutychius erzählte Geschichte, dass ein Presbyterkollegium die Hände auf die Vorgänger von Athanasius legt, anscheinend eine falsche Form ist von Jeromes Aussage zur Wahl der frühen Bischöfe dazu vgl.)

    II. Von seiner Weihe bis zu seinem ersten Exil. - Es ist üblich, die Organisation der Kirche in Äthiopien oder Abessinien zu Beginn seines Erzbischofs zu stellen. Er saß mit anderen Prälaten in einer Synode, als eine Person, die gerade aus diesem Land gekommen war, eine Anhörung beantragte. Er hieß Frumentius. Er und sein Bruder Aedesius, Christen von Tyrus, hatten einige Jahre zuvor, als sie in ihrer Kindheit waren, ihren Verwandten, einen Philosophen namens Meropius, auf einer Reise nach Äthiopien begleitet. Ihr Schiff war bei ihrer Rückkehr in einen Hafen im Roten Meer eingelaufen. und sie allein waren dem Tod durch wilde Eingeborene entkommen, waren als Sklaven an den König verkauft worden und waren seine vertraulichen Diener geworden. Nach seinem Tod war Frumentius zum Hüter seines Sohnes ernannt worden und hatte in dieser Position sein Möglichstes getan, um seinen im Land ansässigen Mitchristen zu Handelszwecken Kultstätten zur Verfügung zu stellen und die Verbreitung christlicher Ideen unter den Bürgern zu erleichtern Menschen. Der junge König hatte nun die Regierung übernommen, und die Brüder, die der Bitte seiner Mutter und seiner Mutter, in Äthiopien zu bleiben, widerstanden hatten, waren in die „römische Welt“ zurückgekehrt. Aber während Aedesius nach Hause eilte, hatte Frumentius das Gefühl, dass es so war Nicht das Recht, das Werk des Herrn zu verbergen “, war gekommen, um zu bitten, dass die Kirche von Alexandria einen Bischof senden würde, um eine Kirche in dem Land aufzubauen, das er geliebt hatte. "Und wer", antwortete Athanasius, "kann für ein solches Werk so geeignet sein wie Sie selbst?" Mit der Zustimmung der anderen Prälaten wurde Frumentius sogleich geweiht. Er kehrte nach Abessinien zurück, ließ sich in Axum nieder, wurde bei seiner Mission von den Fürsten unterstützt, denen er gedient hatte, und hinterließ in der abessinischen Kirche einen Namen, der seit Ewigkeiten als „Fremonatos“ und als „Abba Salama“ verehrt wurde in Äthiopien die Pracht des Lichts Christi. “

    Ein weiteres Ereignis dieser vergleichsweise ruhigen Zeit war Athanasius 'Besuch der Thebais, einer Region, in der die Arianer und die Meletianer, die sich seinen ernsthaften Bemühungen widersetzten, ihre separatistische Tendenz zu unterdrücken, große Schwierigkeiten bereiteten. Pachomius, der erste Organisator von das coenobitische Leben kam aus seinem Kloster in Tabenne (oder Tabennesus) mit einem Mönchschor, um den Erzbischof zu begrüßen; Als er jedoch feststellte, dass ein mögliches Ergebnis seine eigene Erhebung zum Priestertum wäre, veranlasste ihn seine Demut, sich in der Menge zu verstecken und Athanasius unbeobachtet „in navi exsistentem“ anzusehen. „Cognovit“, fügt der Biograf hinzu, „esse verum Dei Famulum “, der im Sinne des Glaubens große Durchhaltekräfte besaß.

    Und nun begannen die Schwierigkeiten, die diese Kräfte aufs Äußerste erprobten, und von denen Hooker mit wenig Übertreibung sagt, dass „die Arianer Athanasius bis zur letzten Stunde seines Lebens auf dieser Welt nie leiden mussten, um den Trost eines Opfers zu genießen friedlicher Tag “(Eccl. Pol. v. 42. 2). Es war wahrscheinlich im Jahr 330, dass er seine ersten schweren Erfahrungen mit ihrem Hass hatte. Konstantin „der Große“ war nicht besonders anfällig für gegensätzliche Einflüsse. Eusebius von Nicomedia, dessen Verdienst bei seiner Schwester ihm eine starke Position am Hof eingeräumt hatte, hatte zu Beginn der arianischen Kontroverse den Kaiser dazu gebracht, (bis zu seiner letzten Krankheit, ungetauft) einen Anti-Ton anzunehmen -dogmatischer Indifferenzismus (siehe seinen Brief an Alexander und Arius, Soc. I. 7). Nach dem Nicene-Konzil war er ein Eiferer für Orthodoxie geworden; oder besser gesagt, er hatte versucht, durch Strafgesetze gegen den Arianismus Frieden in der Kirche zu schaffen. Eusebius war in dieser Hinsicht seinem Missfallen verfallen und ins Exil geschickt worden. Aber er hatte seinen Rückruf von orthodoxen Berufen erhalten; es kann sein, dass Arius selbst zurückgerufen wurde, vielleicht im November 330; und er wurde jetzt der Urheber der weltlichen und unaufrichtigen Politik, die es so erfolgreich machte, den Arianismus (Newmans Arianer, c. 3, § 2) zu "verschönern" und seinen wahren Charakter vor dem Unauffälligen zu verbergen. Er schloss sich nun mit den Meletianern Ägyptens zusammen, deren Oberhaupt ein Bischof namens John Arcaph war. "Er kaufte sie", sagt Athanasius, "durch große Versprechungen, und veranlasste, dass sie ihm in jedem Notfall helfen sollten" durch jene Maschinerie falscher Anschuldigungen, die sie bereits gegen drei Erzbischöfe eingesetzt hatten. Die Anklage sollte nicht theologisch sein: Athanasius 'Lehre anzugreifen, würde bedeuten, sich gegen die Nicene-Doktrin auszusprechen, und dies war ein Schritt, den Eusebius nicht wagen konnte. Zunächst schrieb er Athanasius im Namen von Arius und drängte darauf, dass er als ein Mann, dessen Ansichten ernsthaft falsch dargestellt worden waren, in der Gerechtigkeit zur Kirchengemeinschaft aufgenommen werden müsse. Athanasius 'Antwort zeigt den Grund, auf dem er Stellung bezogen hat, und beweist (wenn Beweise fehlen), dass seine Bereitschaft, sich der Welt für seinen Glauben zu stellen, völlig unabhängig vom religiösen Individualismus war. “Es kann nicht richtig sein, Personen zur Kommunion zuzulassen die eine der Wahrheit zuwiderlaufende Häresie erfunden haben und vom Ökumenischen Rat anathematisiert wurden. “Es ist wahrscheinlich, dass (wie Fleury denkt, obwohl Tillemot und Neander datieren dies viel später). Wir sollten auf diesen Zeitraum, den Besuch von Antonius in Alexandria (Vit. Ant. 69), verweisen, als er den Bericht der Arianer verwechselte, dass er ihnen „zustimmte“, indem er die von ihm angezogenen Menschenmengen ermahnte Präsenz, um keine Gemeinschaft mit Leugnern der Ewigkeit des Wortes zu halten. Dies wäre eine großartige Unterstützung für Athanasius. Eusebius griff jedoch, obwohl er bisher verblüfft war, auf Konstantin zurück, der daraufhin Athanasius befahl, "alle, die es wünschten" in die Kirche aufzunehmen, weil er schlicht und einfach die Möglichkeit hatte, sich von seinem Sehvermögen zu entfernen Konstantin seine eigenen Ansichten über seine Pflicht vorlegen. "Es konnte keine Gemeinschaft geben", schrieb er, "zwischen der katholischen Kirche Christi und der Häresie, die gegen ihn kämpfte" - ein Satz, der in seinen kontroversen Werken häufig mit großer Bedeutung wiederholt wird. Dies befriedigte vorläufig Konstantin; aber wir können der Eröffnung von Athanasius 'Festbrief von 331 entnehmen, dass ihm eine ärgerliche Anschuldigung - wahrscheinlich die von faktischen Motiven, die Eusebius bereit wäre, ihm zuzuschreiben - zu diesem Zeitpunkt einige Schwierigkeiten bereitet hatte. Nicht lange danach erschienen, gemäß den Anweisungen von Eusebius, drei Meletianer, Ision, Eudaemon und Callinicus vor dem Kaiser, dann bei Nicomedia, mit der Anklage gegen Athanasius, er habe die Befugnisse der Regierung übernommen, indem er Ägypten besteuerte, Wäsche zu liefern vestmentso für die Kirche von Alexandria. Aber zwei von Athanasius 'Priestern, die zufällig am Hof waren, widerlegten sofort diese Verleumdung. und Konstantin schrieb an Athanasius, verurteilte seine Ankläger und rief ihn zu Nicomedia. Eusebius überredete die Ankläger jedoch, ihn bei seiner Ankunft mit einer mutigeren Anklage als der des tatsächlichen Verrats zu treffen; "Er hatte einen Beutel mit Gold an Philumenus, einen Rebellen, geschickt." Diesem Umsturz folgte sofort die berühmte Geschichte vom zerbrochenen Kelch. Ein gewisser Ischyras hatte einige Jahre lang vorgetäuscht, ein Presbyter zu sein, obwohl ein alexandrinischer Rat ihn als Laien bezeichnet hatte, der nicht von einem Bischof, sondern von einem schismatischen Presbyter namens Colluthus zum Priester geweiht worden war (Apol. 12, 74, 76) ) .p Er beharrte darauf, in einem kleinen Weiler namens "Frieden von Sacontarurum" in den Mareotis zu amtieren; Seine Gemeinde bestand aus wenigen Personen, einschließlich seines Vaters und seiner nahen Verwandten, und die Gottesdienste wurden im Haus eines Waisenjungen abgehalten. Als Athanasius während einer Besichtigungstour darüber informiert wurde, sandte er einen Priester namens Macarius mit dem tatsächlichen Pastor des Distrikts, um Ischyras vor sich her zu rufen. Als sie feststellten, dass er krank war, übermittelten sie den bischöflichen Vorwurf durch seinen Vater; Als sich Ischyras jedoch erholte und seine Freunde sich weigerten, ihre Unterstützung fortzusetzen, schloss er sich den Meletianern an, die sich freuten, in den Mareotis Fuß zu fassen. Sie beschlossen nun, ihn als Werkzeug und durch Drohungen und sogar Schläge zu benutzen , ließ ihn erklären, dass Macarius ihn in der Kirche gefunden hatte, indem er „die Opfergaben darbrachte“, den heiligen Tisch niedergeworfen, den Kelch zerbrochen und die Kirchenbücher verbrannt hatte; von welchem Sakrileg Athanasius die Verantwortung teilen sollte. Aber er konnte vor Constantine, der sowohl diese als auch die vorangegangene Anklage in einem Vorort von Nicomedia namens Psammathia hörte, beweisen, dass es sich Punkt für Punkt um eine Lüge handelte. Es gab keine Kirche im Weiler; der fragliche Tag hätte keine Feier der Eucharistie geben können, selbst wenn Ischyras fähig gewesen wäre zu feiern, denn es war ein gewöhnlicher Wochentag, und er lag krank in seiner Zelle; und schließlich war er nicht kompetent, denn er war kein Priester durch rechtmäßige Ordination. Das Ergebnis berichtet Athanasius nicht nur in seiner Entschuldigung, sondern auch in seinem vierten Festbrief, der zu Beginn „vom Hofe“ geschrieben wurde Teil von 332, aber etwas später als üblich. Er war lange krank gewesen; aber er freute sich, seinen Brüdern in Ägypten mitteilen zu können, dass seine meletianischen Angreifer als verurteilte Verleumder vertrieben worden waren. Gegen Mitte der Fastenzeit kehrte er nach Hause zurück, mit einem Brief von Konstantin, in dem er seine Feinde zurechtwies und ihn als „Mann Gottes“ lobte. Dann kam Ischyras zu ihm und bat, in die Kirche aufgenommen zu werden ihn auf eine Lüge zu behaupten. In Anwesenheit von dreizehn Geistlichen unterzeichnete er eine Erklärung, in der er die gesamte Anklage ablehnte und erklärte, dass er sie sozusagen unter Zwang gemacht habe. Aber seine Buße wurde nicht für vertrauenswürdig gehalten; er wurde nicht zur Kommunion zugelassen; und die Geschichte, vielleicht in der Folge, wurde bald in einer erschwerten Form wiederbelebt - Athanasius selbst wird jetzt der Täter der Empörung genannt (Apol. 62, 64, 28, 74, 17, 65, 68).

    Es folgte jedoch eine dunklere Handlung. John Arcaph überredete einen meletianischen Bischof namens Arsenius, sich zu verstecken. Es wurde dann das Gerücht verbreitet, er sei von Athanasius zum Zwecke der Magie ermordet und zerstückelt worden; als Beweis zeigten die Meletianer "mit vorgetäuschten Klagen" die Hand eines Toten in einer Holzkiste (Apol. 63, 42; Soc. I. 27; Soz. II. 25; Theod. I. 30). Der Kaiser hörte davon und war überzeugt, es für einen Untersuchungsfall zu halten. Athanasius erhielt von Dalmatius den Zensor, Konstantins Halbbruder, eine förmliche Aufforderung, in Antiochia aufzutreten und seinen Prozess zu bestehen. Zuerst hatte er es abgelehnt, irgendwelche Schritte zu unternehmen; "Seitdem der Kaiser umgezogen ist", wie er selbst mitteilt, schrieb er anscheinend auf einer Rundreise durch Pentapolis und Ammoniak an seine "Amtskollegen in Ägypten" und sandte einen Diakon, um nach dem vermissten Arsenius zu suchen . Der Diakon ging zu Thebaid, dem Land von Arsenius, und stellte fest, dass Arsenius in einem Kloster in Ptemencyrcis auf der Ostseite des Nils verborgen war. Bevor er dort ankommen konnte, war Pinnes, der Vorgesetzte, gewarnt worden und hatte Arsenius sofort nach Unterägypten geschickt; aber er selbst wurde von dem Diakon verhaftet, der vor einem der ägyptischen „Herzöge“ (siehe Gibbon, II. 320) in Alexandria befördert worden war und zu einem Geständnis verpflichtet war - wie er John Arcaph in einem einzigartigen Brief mitteilte, der Athanasius irgendwie in die Hände fiel - "dass Arsenius am Leben war und nicht ermordet wurde." Der nächste Punkt war, den Toten lebend aufzuspüren, und ein unbedeutender Vorfall führte zu seiner Entdeckung. In Tyrus hörten die Bediensteten des Konsulats Archelaos zufällig in einer Taverne, dass Arsenius in einem der Häuser der Stadt versteckt war. Sie markierten das Gesicht des Sprechers und sagten es ihrem Meister. Der Hinweis wurde aufgegriffen, das Haus durchsucht und ein Mann gefunden, der bestritt, dass er die gesuchte Person war, bis er vor das Tribunal von Paulus gestellt wurde, dem Bischof, der Arsenius von früher gekannt hatte; woraufhin Konstantin, wie Tillemont es urkomisch formuliert, das Verfahren in Antiochia einstellte, als er von dieser Enthüllung erfuhr, und Athanasius einen häufig in der Öffentlichkeit zu lesenden Brief schickte, in dem die Meletianer davor gewarnt wurden über ihre erneuten Verstöße würde der Kaiser persönlich und gemäß dem Zivilgesetz (Apol. 9, 68) entscheiden.

    Der verleumdete Erzbischof hatte jetzt eine Atempause. Alexander, der betagte Bischof von Thessaloniki, ein rechtschaffener, wenn auch etwas schwacher Mann, der im Nicene-Rat gesessen hatte, sandte seinem "lieben Herrn und Sohn" ein Glückwunschschreiben; Er habe sich gefreut zu hören, dass der Verleumder Arcaph (ὁ συκοφάντης) in Ungnade gefallen sei. Arcaph selbst "kam in die Kirche", wurde zur Kommunion zugelassen, beschuldigte sein eigenes Verhalten, verkündete Konstantin seine Versöhnung mit Athanasius und erhielt eine gnädige Antwort; während Arsenius seinem „gesegneten Papst“ in seinem eigenen Namen und dem seines Klerus einen förmlichen Verzicht auf Schisma und ein Versprechen des kanonischen Gehorsams gegenüber „der Kirche, über die Sie durch die Gnade Gottes den Vorsitz führen“ sandte: a Versprechen, das er hielt (Apol. 66, 17, 70, 69, 8, 27).Aber die Fraktion hatte nicht bereut. Eusebius überzeugte Constantine, dass solche ernsten Skandale wie die neuen Anklagen in einem Rat überprüft werden sollten; und dass Cäsarea, der Namensgeber des Historikers, der passende Ort wäre. Dort wurde dementsprechend Anfang 333 ein Rat einberufen; aber es traf sich nicht bis 334. (Siehe Tillemont, Ath. a. 15; vgl. Festal Epp. Index für A.D. 334). Athanasius erwartete keine Gerechtigkeit von einer unter solchen Umständen abgehaltenen Synode und bestand darauf, sagt Sozomen (2, 25), "dreißig Monate lang" in seiner Weigerung, daran teilzunehmen. Dies wurde natürlich als Kontumacy dargestellt; und schließlich wurde er von Konstantin zwangsweise aufgefordert, an einem Konzil teilzunehmen, das in Tyrus stattfinden sollte (kurz vor der geplanten Einweihung der neuen Auferstehungskirche in Jerusalem), und er gehorchte im Sommer 335 und wurde von etwa fünfzig Teilnehmern besucht von seinen Suffraganen, die bei ihrer Ankunft empört waren, "nicht von Diakonen, sondern von einem Standesbeamten der Anklagen" in die Versammlung aufgenommen zu werden, und mit Athanasius 'Mund gegen mehrere Bischöfe protestierten, die als parteipolitisch disqualifiziert anwesend waren, Richter seiner zu sein Ursache. (Apol. 8, 78; siehe Hooker, Vers 42. 2.) Obwohl zu der großen Versammlung mehrere gehörten, die keine Arianizer waren, sah Athanasius sofort, dass seine Feinde dominierten; der vorsitzende Bischof, Flacillus von Antiochia, war einer der Nachfolger der Arianer. Macarius wurde in Ketten vor das Konzil gezogen; er selbst musste als Angeklagter aufstehen, und nach Epiphanius (Haer. 68. 7) fragte Potammon, ein alter ägyptischer Bischof, der bei der großen Verfolgung ein Auge verloren hatte, Eusebius von Cäsarea mit einer bitteren Verspottung: Wie er es wagte, als Richter über "den unschuldigen Athanasius" zu sitzen. Der Graf Dionysius, der vom Kaiser ernannt wurde, um die Ordnung zu wahren, war größtenteils von eusebischen Einflüssen beeinflusst. Ischyras erschien unter den Anklägern. Zu den alten Anklagepunkten kamen neue hinzu, von denen sich einige auf die Zeit der Wahl von Athanasius bezogen. Er soll auch einen bischöflichen Stuhl hingeworfen haben (wie üblich mit Leinen bezogen, Apol. 17); Ischyras inhaftiert zu haben, weil er die Statuen des Kaisers beworfen hatte, x einen Bischof namens Callinicus beraubt, exkommuniziert und militärischen Grausamkeiten ausgesetzt zu haben, weil er ihn im Fall des Kelches verdächtigt hatte; das Amt einem Priester übertragen zu haben, der abgesetzt worden war, und andere Bischöfe dafür misshandelt zu haben, dass sie seine Autorität verleugnet hatten. Es wurde ein Dokument vorgelesen, in dem die Abneigung der alexandrinischen Laien zum Ausdruck gebracht wurde, sich ihm bei der Anbetung anzuschließen. Einige der Anklagen, die Athanasius auf einmal bestritt; für andere verlangte er Zeit. Seine Suffragane wurden unterbrochen, als sie Beweise für ihn vorlegten, während selbst verurteilte Verleumder Nachsicht fanden. Unglaublich, wie es scheinen mag, die Hand des Toten in der Schachtel wurde wieder ausgestellt. Ein Schreckensschrei ertönte, und Athanasius fragte ruhig: „Hat hier jemand Arsenius gekannt?“ Viele antworteten: „Wir kannten ihn.“ Athanasius führte einen Mann mit niedergeschlagenem Gesicht vorwärts, eng gedämpft. Dann bat er ihn, den Kopf zu heben, sah sich um und fragte: „Ist das nicht Arsenius?“ Die Identität war nicht zu leugnen. Er zog zuerst eine Hand hinter dem Umhang hervor und dann nach einer Pause die andere; und bemerkte mit triumphaler Ironie: „Ich nehme an, niemand denkt, dass Gott einem Mann mehr Hände als zwei gegeben hat.“ In der folgenden Verwirrung lief John Arcaph aus dem Gericht: Seine Mitarbeiter, mit mehr Geistesgegenwart, zuerst stieß einen Schrei der "magischen Illusion" aus und richtete sich gegen Athanasius, einen Wutausbruch, vor dem er gerade durch die Intervention von Dionysius gerettet wurde; und versuchten später, ihren "Fehler" über Arsenius durch eine lahme Geschichte von Grausamkeiten zu erklären, die er auf Athanasius 'Befehl hin begangen hatte, von dem er es erfunden hatte, zu fliehen. Der Fall des zerbrochenen Kelches blieb nun bestehen: Es wurde beschlossen, eine Untersuchungskommission an die Mareotis zu schicken; und trotz der Vorwürfe der ägyptischen Bischöfe hatte die dominierende Partei (vier Tage nachdem bestimmte Meletianer ausgesandt worden waren, um Beweise vorzubereiten) sechs Kommissare ausgesandt, alle gründliche Eusebianer, von denen zwei, Valens und Ursacius, "in ihren Händen hatten" Die Anfänge, die Arius unterwies, waren vom Priestertum degradiert worden “und, obwohl sie noch jung waren, zu Bischöfen in Pannonien ernannt worden,„ wegen ihrer Gottlosigkeit “, wie Athanasius es ausdrückt (Athan. ad Ep. Aegypt. 7, vgl. Apol. 13) - für ihren Eifer in der arianischen Sache. Macarius wurde in Tyrus unter Bewachung gelassen: Ischyras begleitete die Kommissare als "Teilhaber an Unterkunft, Verpflegung und Weinschale"; sie eröffneten ihren Hof im Mareotis, und Ungläubige wurden zu einer Untersuchung zugelassen, "die den Tisch und den Kelch respektierte". von den christlichen Mysterien, während Presbyter beharrlich ausgeschlossen wurden (Apol. 72, 14, 31). Philagrios, ein Abgesandter des Arianismus in Ägypten, war mit seinem heidnischen Soldaten dort, um die Zeugen einzuschüchtern. Unter diesen befanden sich Juden und Katechumenen, von denen keiner an einer angeblichen Eucharistiefeier hätte teilnehmen können; dennoch erschien es als Beweis dafür, dass Es waren keine Bücher verbrannt worden, und dieser Ischyras war - wie er einst selbst zugab - zu krank gewesen, um am Tag des angeblichen Sakrilegs amtieren zu können viertens empörte Proteste des alexandrinischen und des mareotischen Klerus, von denen eines das Datum des 10. Thoth, dh den 7. September 335, trägt. Die Kommissare, ohne Rücksicht auf den Vorwurf, nachdem sie das Exil von vier alexandrinischen Priestern beschafft und den heidnischen Gesindel zugelassen hatten Fast in ihrer Gegenwart und an einem Fastentag, um die alexandrinischen Katholiken zu beleidigen, kehrte sie nach Tyrus zurück (Apol. 27, 73–76, 17, 15).

    Athanasius hatte sich bei Dionysius beschwert, sobald sie nach Ägypten aufgebrochen waren, dass genau die Männer, gegen die er Einwände erhoben hatte, in die Kommission geschickt wurden. Seine Suffragane forderten den Grafen auf, den Fall für die eigene Anhörung des Kaisers zu reservieren. und einige von ihnen beklagten sich leidenschaftlich bei Alexander von Thessaloniki, dass „die wilden Tiere auf sie losstürmen würden“. Daraufhin schrieb er an Dionysius, bedauerte die Ernennung der Kommissare und sprach von Athanasius als Opfer einer Verschwörung; und Dionysius fühlte sich verpflichtet, die Eusebier davor zu warnen, dass das Vorgehen des Rates durch Ungerechtigkeit beeinträchtigt wird (Apol. 78-81). Aber Athanasius betrachtete sie als bereits betrübt (Apol. 82); und beschloss, ohne auf das Urteil einer solchen Versammlung zu warten (deren herrschende Geister Dionysius bald in eine Linie der gewaltsamen Ungerechtigkeit zurückzogen, Apol. 9), „ein kühnes und gefährliches Experiment zu machen, ob der Thron für die unzugänglich war Stimme der Wahrheit. “b Von fünf seiner Suffraganen begleitet, nahm er das erste Schiff nach Konstantinopel und stellte sich plötzlich mitten auf der Straße vor, als der Kaiser in die Stadt ritt. Da Konstantin ihn auf den ersten Blick nicht erkannte, versuchte er, schweigend an ihm vorbeizugehen, als er erfuhr, wer er war und was sein Auftrag war. aber Athanasius stand fest auf seinem Boden. "Entweder fordern Sie einen gesetzlichen Rat ein, oder geben Sie mir Gelegenheit, meine Ankläger in Ihrer Gegenwart zu treffen." Die Bischöfe des Konzils hatten Athanasius nach Erhalt des Berichts ihrer Kommissare mehrheitlich verurteilt, die Meletianer als Kirchenmänner anerkannt, zur feierlichen Einweihung nach Jerusalem abgeschoben und dort auf der Grundlage einer fünf Jahre zuvor abgegebenen Doktrin den orthodoxen Arius ausgesprochen als sie von einem kaiserlichen Brief überrascht wurden, in dem sie ihren Verdacht äußerten und nach Konstantinopel gerufen wurden. Viele von ihnen flohen erschrocken nach Hause; aber die beiden Eusebii, Theognis, Patrophilus, Valens und Ursacius, die vor Gericht repariert worden waren und nichts von "dem Kelch" oder dem Bericht der Kommission sagten, legten eine neue Anklage vor, wie die früheren quasipolitischen - die Athanasius geredet hatte Konstantinopel durch Verhinderung des Segelns von alexandrinischen Maisschiffen in Bedrängnis zu bringen. "Wie könnte ich als Privatperson und als Arme etwas in dieser Art tun?", fragte Athanasius. Eusebius von Nicomedia versicherte mit einem Eid, dass Athanasius reich und mächtig sei und alles tun könne. Der Kaiser unterbrach Athanasius 'Verteidigung mit einem Ausdruck der Empörung. und vielleicht nicht aus echtem Glauben an die Anklage, sondern um den Fall loszuwerden und die Feinde des Erzbischofs in seinem eigenen Interesse zum Schweigen zu bringen, verbannte er ihn in die ferne Stadt Trier oder Treves, dem Regierungssitz seines ältesten Sohnes Konstantin , der das Exil mit großer Freundlichkeit empfing, im Februar 336.

    Der ARIANISMUS, eine der mächtigsten und hartnäckigsten Häresien in der Geschichte der Kirche, so genannt von Arius (Ἄρειος), einem Presbyter von Alexandria, der die Lehre zunächst auf einen klaren Ausdruck reduzierte und sie in der Kirche zum Gegenstand öffentlicher Agitation machte und Staat. [ARIUS.] Es geht um die Frage nach der Göttlichkeit Christi und seiner Beziehung zum Vater und indirekt um das ganze Dogma der Dreifaltigkeit. Dies führte zu einer Reihe heftiger Kontroversen, die das Römische Reich im 4. Jahrhundert, insbesondere im Osten, erschütterten, aber zu einer unbezahlbaren Erkenntnis und symbolischen Aussage über die Lehre von der göttlichen Natur Christi führten. Es war keineswegs eine fruchtlose Logik, die sich um ein griechisches Jota dreht (ὁμο-ούσιος, ὁμοι-ούσιος, ἑτερο-ούσιος), sondern das Herzstück der christlichen Religion. Das arianische System war eine verfeinerte Form des Heidentums und ersetzte den ewigen ungeschaffenen Logos durch einen geschaffenen Halbgott. es erniedrigte das Christentum zu einem bloßen relativen Wert; es trennte Gott und die Welt durch eine unüberwindliche Kluft und machte eine wirkliche Versöhnung und Versöhnung unmöglich; es vertrat das Erastische Prinzip und verband sich mit der säkularen politischen Macht, ohne die es bald seine Vitalität verlor; Ihre unwiderstehliche Tendenz geht zurück zum Sozianismus, Unitarismus und Rationalismus, bis die unhaltbare Vorstellung eines sekundären Gottes, der vor der Welt aus dem Nichts entstanden ist, der Vorstellung von Christus als bloßem Menschen Platz macht. Die Sache der christlichen Zivilisation war mit dem Untergang des Ariauismus und dem Triumph der Nicenischen Lehre von der Heiligen Dreifaltigkeit verbunden. (Vgl. Die bemerkenswerten Zugeständnisse von Baur und Bancroft zur Bedeutung und Tragweite der arianischen Kontroverse in Schaffs Kirchengeschichte, III. 641 und 644.)


    I. DAS SYSTEM DES ARIANISMUS. - Der Vater allein ist Gott; Er allein ist ungeboren, ewig, weise, gut, unveränderlich. Er ist durch eine unendliche Kluft vom Menschen getrennt, und es gibt keine wirkliche Vermittlung zwischen ihnen. Gott kann die Welt nicht direkt erschaffen, sondern nur durch einen Agenten, den Logos, der selbst erschaffen wurde, um die Welt zu erschaffen. Der Sohn Gottes ist vor der Zeit und der Welt (πρὸ χρχνων καὶ αἰώνων) und vor allen Kreaturen (πρωτότοκος πάσης κτίσεως) existent, ein Mittelwesen zwischen Gott und der Welt, das vollkommene Bild des Vaters, des Vollstreckers Seiner Gedanken, ja sogar der Schöpfer der Welt der Materie und des Geistes. In einem sekundären oder metaphorischen Sinn kann er Gott, Logos und Weisheit genannt werden (θεὸς, λόγος, σοφία). Andererseits ist Christus selbst eine Kreatur (κτίσμα, ποίημα), die erste Kreatur Gottes, durch die der Vater andere Kreaturen ins Dasein gerufen hat. er ist nicht aus dem Wesen des Vaters (ἐκ τῆς οὐσίας), sondern aus dem Nichts (ἐξ οὐκ ὄντων - daher wurden die Arianer auch Exukontianer genannt) oder aus dem Willen des Vaters vor aller vorstellbaren Zeit, aber in der Zeit ; er ist daher nicht ewig, und es gab eine Zeit, in der er nicht war (ἦν ποτε ὅτε οὐκ ἦν, ἀρχὴν ἔχει, οὐκ ἦν πρὶν γενηθῇ, ἤτοι κτισθῇ); beides ist nicht veränderbar, sondern unterliegt den Wechselfällen eines geschaffenen Wesens (τρεπτὸς φύσει ὡς τὰ κτίσματα). Im letzten Punkt änderte sich Arius, nachdem er zunächst die Unveränderlichkeit des Sohnes (ἀναλλοίωτος, ἄτρεπτος ἱό υἱός) behauptet hatte, es sei denn, wir retten seine Beständigkeit durch eine Unterscheidung zwischen moralischer und physischer Unveränderlichkeit: Der Sohn ist seiner Natur nach veränderlich (φύσει), bleibt aber moralisch gut (καλός) durch eine Handlung seines Willens. Mit der Begrenzung der Dauer Christi ist zwangsläufig eine Begrenzung seiner Kraft, Weisheit und Erkenntnis verbunden. Es wurde ausdrücklich von den Arianern behauptet, dass der Sohn den Vater nicht perfekt kennt und ihn daher nicht perfekt offenbaren kann. Er ist wesentlich anders als der Vater (ἑτεροούσιος τῷ Πατρί), und - wie Aetius und Eunomius - anders ausgedrückt als die orthodoxe Formel ὁμοούσιος, und das semi-arische ὁμοιούσιος (daher auch der Name Hetero-ousiasts) Vater (ἀνἀμοιος κατʼ οὐσίαν. [ANOMOEANS.] In Bezug auf die Menschheit Christi schrieb Arius ihm nur einen menschlichen Körper mit einer tierischen Seele (ψυψ ἄλογος) zu, keine vernünftige Seele (νοῦς, πνεῦμα), und in diesem Punkt erwartete er Apollinarius, der den menschlichen Grund durch den göttlichen Logos ersetzte, jedoch aus dem entgegengesetzten Grund, die Einheit der göttlichen Persönlichkeit Christi zu retten. [APOLLINARIUS DER JÜNGERE]

    Die darauffolgende Entwicklung des Arianismus durch Aetius [AETIUS] und Eunomius [EUNOMIUS] brachte keine neuen Merkmale hervor, mit Ausnahme vieler Inkonsistenzen und Widersprüche sowie der negativen und abnehmenden Tendenz des christologischen Irrtums. Die Kontroverse degenerierte zu einem herzlosen und unfruchtbaren metaphysischen Krieg. Die achtzehn oder mehr Glaubensbekenntnisse, die der Arianismus und der Halbarianismus zwischen dem ersten und dem zweiten Ökumenischen Konzil hervorgebracht haben (325–381), sind Blätter ohne Blüten und Zweige ohne Früchte.

    Die Arianer unterstützten ihre Lehre aus den Bibelstellen, die Christus in irgendeiner Weise auf eine Stufe mit dem Geschöpf zu stellen scheinen (insbesondere aus Prov. 8: 22–25; Apostelgeschichte 2:36; Kol. 1:15, wo πρωτότοκος nicht darf) gleichgesetzt werden mit πρωτόκτιστος oder πρωτόπλαστος, aber in dem Sinne geboren, der aus dem Wesen des Vaters hervorgegangen ist, bevor irgendetwas gemacht wurde, dh aus der Ewigkeit) oder der dem inkarnierten Christus (nicht dem existierenden Logos) in seinem Zustand zugeschrieben wird der Demütigung, des Mangels an Wissen, des Wachstums an Wissen, der Müdigkeit, des Kummers und anderer sich ändernder Neigungen und Geisteszustände (Lukas 2:52; Markus 13:32; Heb. 5: 8, 9; Johannes 12:27, 28; Matt 26:39), oder die eine Art Unterordnung des Sohnes unter den Vater lehren (insbesondere Johannes 14:28, „der Vater ist größer als ich“, die sich auf den Demütigungszustand des λόγος ἔνσαρκος bezieht und seinen impliziert Göttlichkeit, denn im Mund eines bloßen Mannes oder sogar eines erschaffenen Halbgottes wäre eine solche Behauptung sinnlos und absurd). Die dogmatischen und philosophischen Argumente waren in erster Linie negativ und rationalistisch und betrugen: - Die nicene Sicht der wesentlichen Gottheit oder des theμο-ουσία von Christus mit dem Vater ist unvernünftig, unvereinbar mit dem Monotheismus, mit der Würde und Absolutheit des Vaters und führt zwangsläufig zum Sabellianismus oder zu den gnostischen Emanationsträumen.

    Andererseits wurde der Arianismus durch eine Reihe von Schriftstellen widerlegt, die direkt oder indirekt die Göttlichkeit Christi und seine Gleichheit mit dem Vater lehren. Es zeigte sich, dass seine Vorstellung von einem geschaffenen Schöpfer, der vor der Welt existierte und doch selbst zu existieren begann, widersprüchlich und unhaltbar war. Es kann kein mittleres Wesen zwischen dem Schöpfer und der Kreatur geben. keine Zeit vor der Welt, da die Zeit selbst Teil der Welt oder der Form ist, unter der sie sukzessive existiert; noch kann die Unveränderlichkeit des Vaters, auf die Arius großen Wert legte, aufrechterhalten werden, außer auf dem Grund der Ewigkeit seiner Vaterschaft, was natürlich die Ewigkeit der Sohnschaft impliziert. Athanasius beschuldigte den Arianismus des Dualismus und sogar des Polytheismus und der Zerstörung der gesamten Heilslehre. Denn wenn der Sohn ein Geschöpf ist, bleibt der Mensch nach wie vor von Gott getrennt; Keine Kreatur kann andere Kreaturen erlösen und sie mit Gott vereinen. Wenn Christus nicht göttlich ist, können wir noch weniger Teilhaber der göttlichen Natur sein und im wahrsten Sinne des Wortes Kinder Gottes.

    Die philosophischen Beziehungen des Arianismus wurden unterschiedlich dargelegt. Baur, Newman (Die Arianer, S. 17) und andere brachten es in Verbindung mit Aristoteles und Athanasianismus mit Platon; Petavius, Ritter und Voigt leiten im Gegenteil die arianische Gottesidee aus dem Platonismus und dem Neuplatonismus ab. Die empirische, rationale, logische Tendenz des Arianismus ist sicherlich mehr aristotelisch als platonisch, und Baur und Newman haben bisher recht; Aber alles hängt davon ab, ob Offenbarung und Glaube oder Philosophie und Vernunft der Ausgangspunkt und die herrschende Kraft der Theologie sind. Mit dem Glauben an unseren Führer können die aristotelische Logik und Dialektik wie im Mittelalter zur Magd der Orthodoxie gemacht werden; Ohne Glauben und das geschriebene Wort kann der Platonismus mit all seiner hohen idealen Tendenz zu allen möglichen gnostischen und mystischen Fehlern führen. Der Arianismus ging von der menschlichen Vernunft aus und war in Geist und Tendenz überwiegend intellektuell oder rationalistisch. während die Theologie des Nikens aus der Schrift und dem Glauben der Kirche hervorging.

    II. GESCHICHTE DES ARIANISMUS. - Die Wurzeln des arianischen Konflikts liegen tief in den Unterschieden der Ante-Nicene-Doktrin des Logos, insbesondere in den widersprüchlichen Elementen der Origenes-Christologie, die von beiden Parteien nicht ohne triftigen Grund behauptet wurden. Der große Origenes wird einerseits der Ewigkeit Christi und anderen göttlichen Attributen zugeschrieben, die mit logischer Notwendigkeit zur nicenischen Lehre von der Identität der Substanz führen (ὁμοουσία); Andererseits lehrte er in seinem Eifer für die persönlichen Unterscheidungen in der Gottheit mit gleichem Nachdruck eine getrennte Essenz und die Unterordnung des Sohnes unter den Vater und nannte ihn einen sekundären Gott, δεύτερος θεός oder θεός ohne den Artikel , während der Vater ὁ θεός oder αὐτόθεος ist, Deus an sich. Er lehrte die ewige Generation des Sohnes aus dem Willen des Vaters, stellte sie aber als die Kommunikation einer sekundären göttlichen Substanz dar. Athanasius betonte das erste, Arius das zweite Element in der Christologie des Origenes.

    1. Geschichte des Arianismus von 318 bis zum Konzil von Nicäa, 325. - Die Kontroverse brach um 318 in Alexandria aus. Nach dem Bericht von Sokrates (I. c. 5) gab Alexander den ersten Anstoß, indem er darauf bestand, in a Klerikertreffen zur Ewigkeit des Sohnes, woraufhin Arius offen dagegen war und ihn des Sabellianismus beschuldigte. Er überlegte: Wenn der Vater den Sohn zeugte, musste er älter sein als der Sohn, und es gab eine Zeit, in der der Sohn es nicht tat; daraus folgt weiter, dass der Sohn seine Substanz (ὑπόστασιν) aus dem Nichts hat. Der Bericht von Sozomenus und Epiphanius unterscheidet sich darin, dass sie den Konflikt aus Diskussionen zwischen den Presbytern und Laien datieren, und Sozomenus repräsentiert Alexander, wie er zunächst zwischen den beiden Meinungen schwankt. Im Jahr 321 berief Alexander in Alexandria einen Rat von etwa hundert ägyptischen und libyschen Bischöfen ein, der Arius und seine Anhänger für ihre offene Ablehnung der wahren Gottheit Christi exkommunizierte. Er gab auch eine Reihe von Rundschreiben gegen die Häresie heraus. Aber Arius verbreitete seine Ansichten umso eifriger in einem unterhaltsamen halb-poetischen Werk, Thalia, dem Bankett, von dem in Athanasius nur Fragmente übrig sind. Er fand mächtige Freunde in Eusebius von Nikomedia, Eusebius von Cäsarea und anderen Bischöfen, die seine Ansicht teilten oder sie zumindest für unschuldig hielten. In kurzer Zeit wurde die gesamte Ostkirche zu einem metaphysischen Schlachtfeld. Konstantin neigte zunächst dazu, die Kontroverse als bloße Logomachie zu betrachten, und verstand ihre tiefere Bedeutung nie. Aus politischen Erwägungen und im Interesse der Einheit und des Friedens des Reiches rief er wahrscheinlich auf Vorschlag einiger Bischöfe ("ex sacerdotum sententia", wie Rufinus sagt) die erste Ökumenische Synode der Kirche zur Ansiedlung auf die arianische Kontroverse zusammen mit der Frage nach der Osterzeit und dem meletianischen Schisma in Ägypten.

    2. Der Rat von Nicäa, 325. (Comp. ATHANASIUS.) - Der erste Ökumenische Rat in Nicäa, Bithynia (heute ein elendes türkisches Dorf, Is-Nik), bestehend aus 318 Bischöfen (etwa ein Sechstel aller Bischöfe des Griechisch-Römischen Reiches) führten zur formellen Verurteilung von Arius und zur Annahme des sogenannten [CREEDS], das die Lehre von der ewigen Gottheit Christi in diesen Worten unmissverständlich bekräftigt: „(Wir glauben ) in einem Herrn Jesus Christus, dem einzigen Sohn Gottes, der vom Vater gezeugt wurde [der einziggezeugte, dh vom Wesen des Vaters, ἐκ τῆς ουσίας τοῦ Πατρός, Gott Gottes], Licht des Lichts, sehr Gott von sehr Gott (ΘεΘν ἀληθινὸν ἐκ Θεοῦ ἀληθινοῦ), gezeugt, nicht hergestellt, aus einer Substanz mit dem Vater (γεννηθέντα, οὐ ποιηθέντα, ὁμούσιον τῷ Πατρί); von wem alles gemacht wurde [im Himmel und auf Erden]; wer für uns Menschen und für unser Heil herabkam und inkarniert und zum Menschen gemacht wurde; Er litt und am dritten Tag stand er wieder auf und stieg in den Himmel auf. von da an kommt er, um die Schnellen und die Toten zu richten. “a) Dem Glaubensbekenntnis wird das folgende Anathema hinzugefügt: -„ Und diejenigen, die sagen: Es gab eine Zeit, als er (der Sohn) nicht war; und: er wurde aus nichts oder aus einer anderen Substanz oder einem anderen Gegenstand gemacht, oder der Sohn Gottes ist erschaffen oder veränderbar oder veränderbar; - sie werden von der heiligen, katholischen und apostolischen Kirche verurteilt. "

    Das Glaubensbekenntnis wurde von fast allen Bischöfen unterzeichnet, Hosius an der Spitze, sogar von Eusebius von Cäsarea, dem Historiker, der vorher und nachher eine mittlere Position zwischen Athanasius und Arius einnahm. Dies ist der erste Fall einer solchen Unterzeichnung eines Lehrsymbols. Eusebius von Nicomedia und Theognis von Nicäa unterzeichneten das Glaubensbekenntnis, nicht jedoch die beigefügte Verurteilungsformel; und dafür wurden sie für kurze Zeit abgesetzt und verbannt. Nur zwei ägyptische Bischöfe, Theonas und Secundus, weigerten sich beharrlich zu unterschreiben und wurden mit Arius nach Illyria verbannt. Dies ist das erste Beispiel für die zivile Bestrafung der Häresie, die vor der Vereinigung von Kirche und Staat nur mit kirchlicher Tadel und Exkommunikation aufgesucht worden war und die lange Ära der Verfolgung für alle Abweichungen vom katholischen Glauben eröffnete. Die Bücher von Arius wurden verbrannt und seine Anhänger als Feinde des Christentums gebrandmarkt. Das Nicene-Glaubensbekenntnis hat alle nachfolgenden Stürme überlebt, und in der verbesserten Form, die es in Konstantinopel im Jahr 381 erhalten hat, ist es bis heute das am meisten verbreitete Glaubensbekenntnis der Christenheit und - wenn wir das spätere lateinische Einfügungsfilioque weglassen - ein Band von Vereinigung der griechischen, der römischen und der orthodoxen protestantischen Kirche.

    3. Vom Konzil von Nicäa, 325, bis zum Konzil von Konstantinopel, 381. - Nach dem Konzil von Nicäa fand eine arianische und eine semi-arianische Reaktion statt, und für eine Weile erlangte sie den Aufstieg im Römischen Reich. Der Arianismus trat nun in die Phase seiner politischen Macht ein. Dies war eine Zeit der größten Aufregung in Kirche und Staat: Konzil wurde gegen Konzil abgehalten; Glaubensbekenntnis wurde gegen Glaubensbekenntnis aufgestellt; Anathema wurde gegen Anathema geschleudert. "Die Autobahnen", sagt der unparteiische Heidenhistoriker Ammianus Marcellinus, "waren mit galoppierenden Bischöfen übersät." In Intoleranz und Gewalt übertrafen die Arianer sogar die orthodoxen. Die Einmischung der Kaiser und ihres Hofes schüttete nur Öl auf die Flamme und erhöhte die Bitterkeit der Auseinandersetzung, indem sie die geistige Bestrafung der synodalen Exkommunikation durch Beschlagnahme und Exil verstärkte. Der unerschütterliche Führer der orthodoxen Partei war der reine und erhabene Charakter von Athanasius, der im Konzil von Nicäa als jugendlicher Erzdiakon in Gesellschaft mit Bischof Alexander von Alexandrien auftrat und nach seinem Tod sein Nachfolger wurde (328) immer wieder vom imperialen Despotismus abgesetzt und zwanzig Jahre im Exil verbracht. Er war ein theologischer Charakter, der alles seiner Überzeugung opferte und den Mut hatte, sich dem Reich mit Waffen gegen ihn zu stellen (Athanasius contra mundum). Er war ein Mann mit einer Idee und einer Leidenschaft - der wahren Gottheit Christi -, die er zu Recht als Eckpfeiler des christlichen Systems betrachtete und mit überlegenem Verstand gegen alle Angriffe der Arier und Halb-Arier verteidigte. [Siehe ATHANASIUS und Gibbons bemerkenswert positive Einschätzung von ihm.] Der politisch-kirchliche Führer der arianischen Partei war Eusebius von Nikomedia, später Bischof von Konstantinopel, der Konstantin auf seinem Sterbebett taufte. Kurz vor seinem Tod wandte sich Konstantin günstig an Arius. und auf der Grundlage eines kunstvoll konstruierten und ausweichenden Geständnisses, begleitet von einem feierlichen Eid, rief er ihn aus dem Exil zurück und befahl, ihn feierlich in die Gemeinschaft der katholischen Kirche in Konstantinopel zurückzubringen. Aber am Tag vor seiner beabsichtigten Wiederherstellung starb der Ketzer plötzlich (336) auf eine Weise, die dem intoleranten Geist der Zeit die Schlussfolgerung eines direkten Urteils über Gott [ARIUS] zu rechtfertigen schien. Im folgenden Jahr starb Konstantin selbst und sein Sohn Konstantin II. erinnerte sich an Athanasius aus seinem ersten Exil, in das ihn sein Vater geschickt hatte. Aber im Osten, wo Constantius, der zweite Sohn von Konstantin dem Großen, regierte, setzte sich der Arianismus durch und wurde mit fanatischem Eifer vom Hof und von Eusebius von Nikomedia, der jetzt nach Konstantinopel versetzt wurde (seit 338), aufrechterhalten. Athanasius wurde ein zweites Mal abgesetzt und suchte Zuflucht bei Julius von Rom (340), der sich mit dem großen Körper der westlichen Kirche auf die Seite des Nicenischen Glaubens stellte und sich in Athanasius als Märtyrer der christlichen Wahrheit pries.
    Es ist unnötig, das unterschiedliche Schicksal der beiden Parteien und die Geschichte der Räte, die sich gegenseitig neutralisierten, zu verfolgen, ohne die Streitpunkte wesentlich voranzutreiben. Die wichtigsten sind die Synode von Antiochia 341, die ein orthodoxes Glaubensbekenntnis darlegte, aber Athanasius absetzte; das orthodoxe Konzil von Sardica, 343 v. Chr. (nicht 347, wie früher angenommen, siehe Hefele, Conciliengeschichte, I. 515 q.); und die arianische Gegensynode von Philippopolis; die Konzile von Sirmium, 351, Arles, 353, Mailand, 355; der zweite Rat in Sirmium, 357; der dritte 358; in Antiochia 358; in Ancyra, 358; zu Konstantinopel, 360. Mit Hilfe von Konstantius erlangte der Arianismus unter der modifizierten Form, die durch den Begriff homoi-ousion repräsentiert wird (im Wesentlichen ähnlich, im Unterschied zu der nicenischen homo-ousion und der streng arianischen hetero-ousion), die Macht im Reich ; und sogar der päpstliche Stuhl in Rom wurde während des arianischen Interregnums von Felix II. für eine Weile durch Häresie entweiht. Aber der Tod von Constantius im Jahr 361, die Gleichgültigkeit seines Nachfolgers, Julian des Apostaten, gegenüber allen theologischen Auseinandersetzungen, die Toleranz Jovians (gest. 364) und insbesondere die inneren Zwistigkeiten der Arianer bereiteten den Weg für einen neuen Triumph von Orthodoxie. Die Eusebier oder Halb-Arier lehrten, dass der Sohn dem Vater inhaltlich ähnlich war (ὁμοιούσιος), während die Aëtier (von Aëtius, einem Diakon von Antiochien) und die Eunomier (von Eunomius, Bischof von Cyzicus in Mysien) ihn lehrten war von einer anderen Substanz (ἑτεροούσιος) und anders als (ἀνἀμοιος) zum Vater (daher die Namen Hetero-ousiasts und Anomoeans). Eine Reihe von Synoden und Kompromissbekenntnissen widmete sich der Heilung dieser Meinungsverschiedenheiten, jedoch ohne dauerhafte Wirkung. Auf der anderen Seite haben die Verteidiger des Nicene-Glaubens, der große Athanasius, und nach seinem Tod (373) die drei kappadokischen Bischöfe Basilius der Große, Gregor von Nazianzum und Gregor von Nyssa die katholische Doktrin triumphierend gegen alle Argumente verteidigt der Opposition. Als Gregor von Nazianz 379 nach Konstantinopel berufen wurde, gab es in der Stadt nur eine kleine Gemeinde, die nicht Arianer geworden war; Aber seine fähigen und beredten Predigten über die Gottheit Christi, die ihm den Titel des Theologen einbrachten, trugen maßgeblich zur Auferstehung des katholischen Glaubens bei und zwei Jahre später leitete er den zweiten Ökumenischen Rat. Der zunehmende Einfluss des Mönchtums, insbesondere in Ägypten, hing mit der Sache von Athanasius zusammen, der das Leben des heiligen Antonius, des Patriarchen der Mönche, verherrlicht hatte. und der konservativere Teil der Halbarener näherte sich allmählich den Orthodoxen trotz der Verfolgungen des gewalttätigen arianischen Kaisers Valens.

    4. Der endgültige Triumph der nicenischen Orthodoxie unter Theodosius dem Großen, 381. - Dieser Kaiser war ein gebürtiger Spanier und wuchs im nicenischen Glauben auf. Während seiner langen und mächtigen Regierungszeit (379–395) vollendete er äußerlich den bereits erreichten geistigen und intellektuellen Sieg der Orthodoxie. Nach der Eroberung der Goten berief er den zweiten Ökumenischen Rat in Konstantinopel 381 ein, der nach dem Ausschluss von sechsunddreißig semi-arischen Mazedoniern oder Pneumatomachen aus nur einhundertfünfzig Bischöfen bestand und dessen Vorsitz nacheinander Meletius, Gregor von Konstantinopel, innehatte Nazianzum und Nektarius von Konstantinopel. Das Konzil verurteilte die pneumatomachische Häresie, die die Göttlichkeit des Heiligen Geistes leugnete, nahm mit einigen wichtigen Ergänzungen das Nicene-Glaubensbekenntnis wieder auf und vervollständigte das orthodoxe Dogma der Heiligen Dreifaltigkeit. [CREED, NICENE.]

    Der Kaiser gab den Lehrentscheidungen und den Disziplinarkanonen rechtliche Wirkung und erließ im Juli 381 ein Gesetz, wonach alle kirchlichen Güter denen überlassen werden sollten, die an die gleiche Göttlichkeit von Vater, Sohn und Heiligem Geist glaubten. Nach vierzigjähriger Regierungszeit wurde der Arianismus aus allen Kirchen Konstantinopels vertrieben und im ganzen Reich allgemein verboten. Die letzten Spuren finden wir in Konstantinopel unter Kaiser Anastasius, 491–518.

    Nach Theodosius existierte der Arianismus nicht mehr als organisierte treibende Kraft in der Theologie und Kirchengeschichte, sondern erschien von Zeit zu Zeit als isolierte theologische Meinung, insbesondere in England. (Emlyn, Whiston, Whitby, Samuel Clarke, Lardner und viele, die zu den Soziikanern und Unitariern zählen, hatten arianische Gefühle. Aber Milton und Isaac Newton, obwohl sie sich der arianischen Auffassung über das Verhältnis des Sohnes zum Vater nähern, unterscheiden sich stark voneinander Arianismus in Geist und Ziel.)

    5. Arianismus unter den Barbaren. - Die kirchliche Gesetzgebung des Theodosius beschränkte sich natürlich auf die Grenzen des römischen Reiches. Unter den Barbaren des Westens, besonders in Gallien und Spanien, die unter Kaiser Valens das Christentum in Form des Arianismus empfangen hatten, hielt es sich zwei Jahrhunderte länger, wenn auch eher zufällig als zufällig Wahl und Überzeugung. Die Ostgoten blieben bis 553 Arier; die Westgoten bis zur Synode von Toledo im Jahre 589; die Suevi in Spanien bis 560; die Vandalen, die 429 Nordafrika eroberten und die Katholiken bis 530 wütend verfolgten, als sie von Belisarius vertrieben wurden; die Burgunder bis zu ihrer Eingliederung in das Frank-Reich im Jahre 534; die Langobarden in Italien bis zur Mitte des 7. Jahrhunderts. Alarich, der erste Eroberer Roms, Genserich, der Eroberer Nordafrikas, Theoderich der Große, König von Italien und Held des Niebelungenliedes, waren Arier, und die erste germanische Übersetzung der Heiligen Schrift, von der wichtige Fragmente erhalten sind, stammte aus der Arianischer Missionar Ulfilas (vgl. Revillout, De l'Arianisme des Peuples Germaniques: Paris, 1850).

    (Ἄρειος), der Vater des Arianismus, wurde nach anderen Berichten in Alexandria um die Mitte des 3. Jahrhunderts (256) in Libyen geboren. Er wurde von Peter zum Diakon und von Achillas von Alexandria zum Presbyter geweiht. Arius leugnete die Ewigkeit und die wesentliche Göttlichkeit Christi; aber hielt fest, dass Christus ein sekundärer Gott war, von einer anderen Substanz, geschaffen vom Vater vor der Welt, durch eine freie Handlung und aus dem Nichts, und dass er die Welt schuf und von der Jungfrau Maria inkarniert wurde. [Siehe ARIANISMUS.] Im Jahr 313 wurde er mit der alleinigen Pflege einer Kirche namens Baukalis (Epiphanius, Haer. 68, c. 4) betraut, in der er sehr beliebt war; und nach dem Tod von Achillas wurde er fast zum Patriarchen Alexandrias über seinen Rivalen Alexander gewählt (Theodoret, H. E. i. c. 2). Ungefähr 318 begann seine Kontroverse mit Alexander über die Gottheit Christi, die bald die ganze Kirche betraf, und erregte sie fast ein Jahrhundert lang. [ARIANISMUS.] Er wurde 321 von einer Provinzsynode von 100 ägyptischen und libyschen Bischöfen in Alexandria und 325 vom Ökumenischen Rat von Nicäa wegen Häresie exkommuniziert Christus und seine Gleichheit (ὁμοουσία) mit dem Vater. [CREEDS.] Constantine verbannte den Ketzer nach Illyria; aber als er unter dem Einfluß seiner Schwester Constantia und des Bischofs Eusebius von Nikomedia zu Arius neigte und sich aufgrund eines kunstvoll ausgearbeiteten Glaubensbekenntnisses, das durch einen feierlichen Eid bestätigt wurde, von seiner wesentlichen Rechtschaffenheit überzeugte, rief er ihn zurück und befahl seine öffentliche Restaurierung im Jahr 331. Athanasius weigerte sich, Arius in die Gemeinschaft der Kirche von Alexandria aufzunehmen (Athanas. Apol. § 59). 336 hatte Arius ein zweites Interview mit dem Kaiser in Konstantinopel, der trotz des Protests von Bischof Alexander Anweisungen gab, dass Arius an einem Sonntag durch eine feierliche Prozession vom Kaiserpalast zur Apostelkirche zur vollen Kommunion empfangen werden sollte . Aber am vorhergehenden Samstag, gegen Abend, starb er plötzlich im Alter von über achtzig Jahren, zu einer Zeit und auf eine Weise, die der orthodoxen Partei als direkte Einfügung der Vorsehung und als Verurteilung seiner Lehre während seiner Amtszeit erschien Freunde führten den Tod auf Gift zurück. Athanasius berichtet in einem Brief an Serapion über die Autorität eines Priesters, Macarius von Konstantinopel (De Morte Arii, Opera, Hrsg. Benedikt Tom. I, S. I, 340), und wagt es, die Vorsehung im Gemeinnützigen zu interpretieren Stil seines Alters, aber nicht ohne eine gewisse Zurückhaltung seitens seines besseren christlichen Gefühls. Epiphanius (Haer. 68, c. 7) vergleicht seinen Tod mit dem des Verräters Judas. Sokrates (Hist. Eccl. I. 38) berichtet wie folgt: „Als er aus dem kaiserlichen Palast ausging, der von einer Menge eusebischer Partisanen wie Wachen besucht wurde, zog Arius stolz die Aufmerksamkeit aller auf sich Menschen. Als er sich dem Ort namens Constantines Forum näherte, wo die Porphyrsäule errichtet wurde, ergriff ihn ein Schrecken, der sich aus dem Bewusstsein seiner Bosheit ergab, begleitet von einer gewaltsamen Entspannung des Darms. Er erkundigte sich daher, ob es einen geeigneten Ort in der Nähe gäbe, und eilte dorthin, nachdem er auf die Rückseite von Constantines Forum verwiesen worden war. Bald darauf überkam ihn eine Ohnmacht, und zusammen mit den Entleerungen ragte sein Darm hervor, gefolgt von einer reichlichen Blutung und dem Abstieg des Dünndarms. Außerdem wurden Teile seiner Milz und Leber im Blutstrom abtransportiert, so dass er ist fast sofort gestorben. “Sozomen (SE 2, 30) gibt einen ähnlichen Bericht; und fügt hinzu, dass für eine lange Zeit jeder mit Entsetzen die Stelle vermieden hat, an der Arius starb, bis ein reicher Arian den Platz der Öffentlichkeit kaufte und ein Haus an der Stelle baute, damit es kein ewiges Denkmal für seinen Tod geben könnte.

    Arius wird beschrieben als ein Mann von großer Statur, volkstümlichen Manieren, beträchtlicher Gelehrsamkeit, ernstem, sogar strengen Charakter und asketischen Gewohnheiten, aber unnachgiebigem Stolz und streitsüchtiger Gesinnung (Epiph. Haer. 69, c. 3). C Vor dem Ausbruch des Arian Kontroverse hatte er zweimal von Peter von Alexandria für die Verteidigung der Sache des schismatischen Meletius exkommuniziert worden (Epiphanius, Haer. 68, c. 4). Sein Verstand war scharfsinnig und mit den Künsten der Debatte vertraut, aber ohne Tiefe. Neander (Ch. Hist. Iv. 685) schreibt ihm "einen kontrahierten Intellekt ohne die intuitive Fähigkeit" zu. Er scheint in der Schule des Presbyter Lucianus von Antiochia erzogen worden zu sein (zumindest spricht er Bischof Eusebius von Nikomedia als συλλουκιανιστής an). , die eine freie grammatikalische und semi-rationalistische Exegese im Gegensatz zur allegorischen und spiritualistischen Methode Alexandrias befürwortete. Sein Hauptwerk namens Θάλεια, The Banquet, das er während seines Aufenthalts bei Eusebius bei Nicomedia verfasste, war eine Verteidigung seiner Lehre in einer unterhaltsamen populären Form, halb Poesie, halb Prosa, im effeminaten Stil von Sotades und der sogenannten Sotadic Meter; aber mit Ausnahme einiger Fragmente in den Gebieten von Athanasius ist es verloren. Ein Brief an Eusebius von Nikomedia und ein Brief an Alexander von Alexandria sind noch vorhanden. (Siehe Fabricius, Biblioth. Gr. Viii. S. 309.) Zu den Lehren über die Gottheit Christi und seine Beziehung zum Vater, die ihm eine weit über seine Talente und sein Wissen hinausgehende Bekanntheit verliehen haben, siehe ARIANISMUS und ATHANASIUS.

    Quelle:A Dictionary of Christian Biography, Literature, Sects and Doctrines

    Das Mönchtum, die Völkerwanderung und Augustin


    Das Mönchtum als Antwort auf die Verflachung in der Volkskirche. Die Völkerwanderung. Die Gründe für die wachsende Trennung zwischen West- und Ostkirche. Augustin – der große Theologe des Westens.


    Lernziele

    1. Sie lernen die Ausbreitung des Mönchtums als Antwort auf die Verflachung der Volkskirche kennen.

    2. Die erhalten einen Überblick über die Völkerwanderung und der Zerbruch des Römischen Reiches.

    3. Sie lernen das Leben und Wirken des Kirchenvaters Augustin als Vertreter der westlichen Theologie kennen.

    4. Sie erfahren die Gründe, warum West- und Ostkirche immer stärker getrennte Wege gehen und worin die Gründe für diese Entwicklung liegen?

    Das Mönchtum

    Allgemeine Einleitung

    Innerhalb der christlichen Kirche war die Askese nicht neu. Immer wieder zogen sich Gläubige zurück, um zu fasten und zu beten. Zum eigenständigen Mönchtum wurde die Askese erst, als sie die dauernde soziale Trennung von der großen Masse vollzog. Zunächst zogen Einzelpersonen, wie etwa Antonius (um 250 in Mittelägypten geboren), in die Einsamkeit („Mönch“ vom Griech.: „der Einsame“). Antonius hat seine Erfahrungen als Einsiedler ausführlich dokumentiert. Die in die Einsamkeit ziehenden Einzelmönche nennt man Eremiten oder Anachoreten. Das Motiv ihres Weggangs in die Einsamkeit war, den Kampf mit dem „Fleisch“ und den Dämonen aufzunehmen und so zum reinen Leben in der Gemeinschaft mit Gott vorzudringen. Der Eremit wollte näher bei Gott leben und dabei sollte er auch die Gemeinde vertreten.

    Daneben sammelten sich Mönche in Gruppen, die Schüler um sich scharten. Die gemeinschaftlich lebenden Mönche werden Koinobiten genannt. Das klösterliche Leben wurde etwa 320 durch Pachomius (292-346) historisch fassbar begründet.

    Insgesamt verdankt die Kirche dem Mönchtum entscheidende Impulse, z. B. Bibelüberlieferung, Theologie, Bildungs- und Schulwesen, Krankenpflege und Forschung. Im Lauf der Jahrhunderte kam es immer wieder zu neuen Ordensgründungen, die versuchten, besonderen Herausforderungen ihrer Zeit zu begegnen (Missionsorden, Bettelorden). Die Gemeinschaften mit fester Ordnung und intensivem Frömmigkeitsleben erwiesen sich als widerstandsfähig, einsatzbereit, kreativ und beweglich. Gelegentlich kam es zu Entgleisungen in ungesunde und schwärmerische Bahnen.

    Die Abbildung 32 zeigt Entstehung, Ausbreitung, Vielfalt und Hauptpersonen des Mönchtums in geografischer und zeitlicher Zuordnung bis zum 7. Jahrhundert.

    Die rasche Ausbreitung des Mönchtums im 4. Jahrhundert lässt sich als Antwort auf die geistliche Verflachung der großen Kirche verstehen.

    Das Mönchtum breitete sich von Ägypten her vor allem im Bereich der Ostkirche aus. Ihre besondere Prägung erhielten die ostkirchlichen Klöster durch Basilius von Caesarea (303-379). Sie entstanden zunächst in relativer Freiheit und siedelten oft in Stadtnähe an. Der diakonische Gedanke war im ostkirchlichen Mönchtum wichtig. An der 4. Ökumenischen Synode in Chalcedon (451) wurden die Klöster stärker in die Kirchenorganisation eingebunden: Einzelklöster wurden dem jeweiligen Lokalbischof unterstellt. Daneben griff aber auch der Kaiser immer wieder unmittelbar ins klösterliche Leben ein. Einige Zeit später erfuhr die ostkirchliche Klostertradition durch Theodor Studites († 826) eine weitreichende Reform. Ihm war das Gemeinschaftsleben besonders wichtig, der einzelne Mönch ging praktisch in der Gemeinschaft unter. Kennzeichnend für die Ostklöster blieb ihre Konzentration auf diakonische Arbeit.

    Im Westen entstand das klösterliche Leben nicht nur deutlich später, es fehlte auch eine einheitliche Struktur. Erst Benedikt von Nursia (480-547, s. Abbildung 33) gründete 529 ein Kloster auf dem Monte Cassino und stellte die nach ihm benannte Benediktinerregel (Regula Benedicti) auf. Sie wurde im 8.-12. Jahrhundert zum Standard für westliche Klöster. Typisch für diese Regel war die Ortsgebundenheit, das Gelübde und der Gehorsam gegenüber dem Abt. Der Benediktinerorden hat enorme Kulturarbeit geleistet, die nach dem Motto „ora et labora“ viel Gutes für die Umgebung brachte. Jene Zeit ist ohne den Einfluss des Mönchtums überhaupt nicht zu verstehen. Das Bildungswesen lag fast völlig in der Hand von Klöstern. Mitunter kam es zu Spannungen zwischen Kirchenleitung und Kloster, denen man am Konzil (452) begegnen wollte. Unter der Aufsicht von Bischöfen wurden nun die Klöster zu Orten einer höheren Stufe der Ethik. Im Unterschied zu den ostkirchlichen Klöstern siedelten die westlichen Mönche eher in Distanz zur Zivilisation, hier stand der Gedanke der Stille im Vordergrund.

    Zu den kirchengeschichtlich bedeutenden Förderern des Mönchtums gehören Athanasius (295-373), Gregor von Nazianz (330-390), Hieronymus (345-420), Johannes Chrysostomos (345-407), Basilius d. Gr. (330-379, Begründer der für die Ostkirche verbindlichen Mönchsregel) und Benedikt von Nursia.

    Zur Vertiefung eignet sich: Hans Urs von Balthasar, Die großen Ordensregeln, Einsiedeln, Johannes-Verlag 1994

    Der Teilung des Römischen Reiches und die Völkerwanderung

    Politische Lage im Römischen Reich

    Theodosius übernahm die Herrschaft über das Römische Reich als 33 Jähriger. Der alte Grenzverlauf war nicht wieder herzustellen, aber Theodosius nutzte die Möglichkeit, die Goten im Donauraum anzusiedeln und durch Verträge als Schutztruppe in den Dienst des Reiches zu stellen. Der Tod von Theodosius (395) bedeutete einen Wendepunkt, das Imperium brach politisch definitiv auseinander in ein ost- und weströmisches Reich. Im Osten hielt sich der Römerstaat durch eine wechselvolle Geschichte noch über ein Jahrtausend, während im Westen die Germanen einfielen und eine Auflösung der Reichskirche bewirkten (Reichskirche meint die Mehrheitskirche, die sich bis dahin reichsumfassend an den großen Konzilien getroffen und die dort gefällten Entscheidungen befolgt hatte). Nach dem politischen Niedergang des Westreiches konnte nur die Stärkung der Position des römischen Bischofs die westliche Kirche vor der Zersplitterung bewahren. Zudem wuchs der Bischof von Rom in eine politische Machtstellung hinein. Er war die Konstante im zerfallenden Westreich.

    Die Völkerwanderung

    Seit dem Ende des 4. und dem Beginn des 5. Jahrhunderts n. Chr. brach über den Westen die „Völkerwanderung“ herein. Von den aus dem Osten heranrückenden Hunnen vorwärtsgetrieben, bewegten sich Völker und Ethnien in Richtung Westen. Sie lösten eine Migrationsbewegung mit bis dahin unbekanntem Ausmaß aus. Ebenso schoben die Völker nördlich des Römischen Reiches (heutiges Frankreich, Deutschland) ihre Posten auf römisches Gebiet vor. Die Gründe für deren Südbewegung werden in klimatischen Veränderungen, Überbevölkerung, Missernten und Hungersnöten vermutet. Als Folge der Völkerwanderung änderten sich nicht nur die Siedlungsgebiete größer Stämme, vielmehr ging das Römische Reich unter, genauer das Westreich.

    Der Einfall der Hunnen

    Die Hunnen, ein schlagkräftiges, mongolisches Reitervolk aus Zentralasien, drangen 375 n. Chr. über die Wolga in den Balkan ein, wo sie das Reich der Ostgoten in der Region der heutigen Ukraine zerstörten. Während die Ostgoten von den Hunnen unterworfen wurden, verließen die westgotischen Stämme ihre Siedlungsgebiete an der Mündung der Donau. Sie erhielten zunächst das Einverständnis des römischen Kaisers Valens, um sich auf römischem Reichsgebiet anzusiedeln und sich so in Sicherheit zu bringen. Doch bald schon führte der Migrationsdruck der vordringenden Westgoten zur offenen Auseinandersetzung mit Rom. Als die Römer die eindringenden Westgoten zwei Jahre lang hinhielten und ihnen Siedlungsgebiete verweigerten, eroberten die Westgoten 378 n. Chr. das Land mit Waffengewalt und drangen unter ihrem König Alarich weiter nach Süden vor. Im Jahr 410 belagerten und plünderten sie schließlich die Stadt Rom. In den folgenden Jahren zogen die Westgoten weiter und begründeten ihr Herrschaftsgebiet auf französischem und spanischem Boden, wo sie sich von der Loire bis zur Meerenge von Gibraltar niederließen.

    Innerhalb weniger Jahrzehnte wurde die europäische Landkarte völlig verändert. Kelten, Germanen und Slawen gingen auf die Suche nach neuen Siedlungsräumen. Sie annektierten Landstriche, die ihrerseits von den ursprünglichen Bewohnern verlassen wurden, um sich in Sicherheit zu bringen. Die Vandalen, ihrerseits aus Gebieten östlich der Oder nach Gallien und Spanien vorgedrungen, wichen den einwandernden Goten nach Nordafrika aus. Dort eroberten sie unter ihrem Anführer Geiserich Karthago, damals die Kornkammer Roms, und kontrollierten somit die Getreidezufuhr nach Italien. Sie beherrschten das westliche Mittelmeer und kehrten nach Rom zurück, das sie im Jahr 455 belagern und plündern konnten.

    Die Schlacht auf den katalaunischen Feldern

    Während das Römische Reich (nach Kaiser Theodosius 395 n. Chr. unter seinen beiden Söhnen Arcadius und Honorius in West- und Ostrom geteilt), im Niedergang begriffen war, erstarkten die germanischen Völkerschaften. Aus kleinen Stammesgruppen bildeten sich allmählich Völker heraus: Neben den Goten zum Beispiel die Alemannen, Franken, Vandalen, Burgunder, Thüringer und Sachsen. Die römischen Einwohner versuchten unter der Leitung fähiger Feldherren, durch wechselnde Koalitionen die vordringenden Volksgruppen gegeneinander auszuspielen. Berühmt geworden ist der römische Anführer Aetius, der mit Hilfe des gefürchteten Hunnenkönigs Attila 443 n. Chr. erfolgreich gegen die Burgunder vorging. Die Burgunder, ursprünglich aus östlicher Gegend nicht weit vom heutigen Berlin entfernt herkommend, hatten sich in der Gegend von Worms und Mainz niedergelassen und dort ihr eigenes Reich gegründet. Nach der siegreichen Schlacht siedelte Aetius die Überlebenden der burgundischen Stämme im oberen Rhônetal an, einem Gebiet, das daraufhin ihren Namen annehmen sollte – und ihn bis heute behalten hat.

    Nur wenige Jahre später führte Attila die Hunnen im Kampf gegen Gallien. Aetius stellte ihm ein Heer aus den römischen Bewohnern Galliens und Westgoten entgegen. 451 n. Chr. kam es zur großen Schlacht auf den katalaunischen Feldern in der Nähe von Paris: Die Hunnen wurden durch Aetius und seine germanischen Verbündeten vernichtend geschlagen.

    Theoderich der Große: Gotischer Herrscher auf dem römischen Thron

    Während die Vormacht der Hunnen endgültig gebrochen war und die Reiterheere sich nach Osten in die heutige Gegend von Ungarn zurückzogen, waren die nach Westen orientierten Migrationsströme der Germanen immer noch aktiv. Ihre Söldnerführer hatten am weströmischen Kaiserhof längst Einfluss gewonnen. Schließlich rissen sie die Macht an sich. Odovakar setzte 476 n. Chr. den letzten römischen Kaiser Romulus ab und ernannte sich selbst zu dessen Nachfolger. Das antike Rom war endgültig zerfallen.

    Am oströmischen Hof machte sich daraufhin der junge König der Ostgoten Theoderich bereit, im Auftrag des oströmischen Kaisers Zenon gegen Odovakar nach Italien zu ziehen, um diesem die Herrschaft über das ehemalige Westrom zu entreißen. Theoderich hatte von Kind auf als königliche Geisel in der Obhut des oströmischen Hofes eine hervorragende Erziehung genossen und war in alle Bereiche der römischen Verwaltung, Politik, Kultur sowie ins Militärwesen eingeführt worden. Es gelang ihm, 493 n. Chr. Odovakar zu besiegen. Als vom oströmischen Kaiser ernannter Statthalter über das westliche Rom konnte er in der Folgezeit seine Herrschaft über Italien festigen. Theoderich bekam den Beinamen „der Große“. Er bemühte sich um Rechtssicherheit und Ausgleich zwischen italienischen und gotischen Bevölkerungsgruppen. Er betrieb Straßenbau, förderte den Ausbau der Infrastruktur und tolerierte eine Vielzahl von Religionen.

    Auf dem Gebiet des ehemaligen römische Westreichs entstanden Staatengebilde, die religiös teils heidnisch-germanisch, teils arianisch (durch Missionierung) geprägt waren.

    Um 500 war von der römischen Herrschaft im Westen nichts mehr vorhanden. Der Frankenkönig Chlodwig beseitigte 486 die letzten Überreste der Römerherrschaft, indem er das nördliche Gallien (unter Syagrius) besiegte.

    Die Karte (Abbildung 34) zeigt Herkunft und Wanderungsbewegung der unterschiedlichen Stämme. Es ist schwierig, die ursprünglichen Siedlungsgebiete und das Ziel der Wanderung genau zu bestimmen. Die Grafik lehnt sich an die Darstellung in dtv-Atlas zur Weltgeschichte, Hrsg. Hermann Kindler/Werner Hilgemann, Köln 1976, 12. Aufl. an.

    Die Abbildung 35 zeigt die großen Völkergruppen, die sich in den Jahrzehnten nach der Völkerwanderung herausbildeten. Auch hier handelt es sich um eine grobe Übersicht.

    Augustin (354-430)

    Einer der größten kirchlichen Denker prägte diese Zeit des Umbruchs in der westeuropäischen Welt: Augustin (354-430, s. Abbildung 36), der große Theologe der Westkirche. Die Reichsteilung von 395 hatte eine unterschiedliche Entwicklung im Westen und Osten zur Folge. Konstantinopel (alternativ: Byzanz, der alte Name der Hauptstadt des Oströmischen Reiches) war zur Metropole der östlichen Reichshälfte aufgestiegen und konnte mit Erfolg die herandrängenden Völker abwehren. Ins weströmische Reich (Hauptstadt zunächst Mailand, dann Ravenna) drangen gotische, bzw. germanische Völker ein. Augustin war Zeitzeuge dieser gewaltigen Umwälzungen. In seinem Todesjahr war sein Wirkungsort Hippo Regius bereits von Vandalen belagert. Neben den politischen Herausforderungen standen theologische: Die Auseinandersetzung mit den Donatisten, deren Name von Donatus kommt, dem Führer der afrikanischen Kirche, der sich für eine heilige Kirche einsetzte und Weihehandlungen von Geistlichen nicht anerkannte, wenn sie nicht moralisch einwandfrei lebten, und mit Pelagius, einem Theologen, der hinsichtlich des freien Willens ein andere Ansicht vertrat als Augustin.


    Stationen seines Lebens

    Aurelius Augustinus wurde 354 in Thagaste in Nordafrika geboren. Der Vater Patricius war nicht gläubig, während die Mutter Monica Christin war. Die eigene Mutter war Vorbild und Problem zugleich. Augustin begann das Studium in Karthago mit dem Berufsziel des Rhetors (Redekunst, meist waren Rhetoren in der Politik tätig). Zwei Dinge fesselten sein Leben: Das Theater und die Sexualität.Zum besseren Verständnis der Biografie von Augustinus wird die Lektüre seines Werkes „Die Bekenntnisse“ empfohlen.

    Mit 19 Jahren wurde er Vater eines Sohnes (Adeodatus), hervorgegangen aus der Beziehung zu einer Geliebten. In seine 20er Jahre fielen erste Schritte hin zur Bibel, die ihm aber verschlossen blieb. Besonders das Alte Testament machte ihm Probleme. Die kirchliche Frömmigkeit konnte ihn nicht überzeugen. In diese Zeit des Suchens fiel auch die Begegnung mit dem Manichäismus, einer philosophischen Form des Christentums mit gnostischen Grundzügen. Beeindruckt war Augustin vom Gedanken, dass die Seele des Menschen, von Natur aus an die materielle Leiblichkeit gebunden, durch Verzicht auf geschlechtlichen Verkehr und Einhaltung von besonderen Speisevorschriften den Weg der Erlösung in die göttliche Lichtwelt finden kann.

    Von Faustus, einem Bischof der Manichäer, war Augustin zunächst beeindruckt, später verfasste er eine Schrift gegen ihn. In Mailand begann der innere Loslösungsprozess vom Manichäismus (ab 384). Er konnte nicht mehr daran glauben, dass Gott von seinem Gegenspieler ernsthaft in Gefahr gebracht werden kann. Vom Neuplatonismus übernahm er die Sicht, dass das Böse keine eigene Größe ist, sondern nur ein Mangel an Sein, bzw. der Raub des Guten. Zudem beeindruckten ihn die Predigten des Mailänder Bischofs Ambrosius. Dessen allegorische Auslegung der Bibel führte ihn zur Überwindung der Menschlichkeit seines bisherigen Gottesbildes. Gott konnte ein rein geistiges Wesen sein.

    Zugleich wuchs die Erkenntnis, dass man Glauben und Erkennen nicht aus sich selbst heraus kann, sondern nur aus dem Rückgriff auf die Gottesoffenbarung in der Heiligen Schrift. Ein eigentliches Bekehrungserlebnis (386) brachte Augustin zu einem neuen Lebensabschnitt: Er bejahte die Askese (beeindruckt von Antonius, Römer 13,13) und verzichtete auf Heirat und Karriere. Fortan sollte sein Leben Gott gehören und in dessen Dienst stehen. 387 empfing er die Taufe durch Ambrosius. Mit den „Confessiones“ (dt.: Bekenntnisse) verfasste Augustin 397/98 die bedeutendste Selbstbiografie des Mittelalters. In der dann folgenden Periode seines Lebens beschäftigte sich Augustin mit dem Problem des Bösen und Guten im Blick auf seine eigene Seele. Die menschliche Seele musste seiner Überzeugung nach unsterblich sein. Indem der Mensch rein geistige Wahrheiten erkennen kann, nimmt er an der Ewigkeit dieser Wahrheiten teil. Gott ist der Schöpfer der (guten) Welt, aber es gibt eine Abstufung im Guten.

    Augustin erkannte mit Ambrosius auch die Notwendigkeit der kirchlichen Autorität. Die nächste Station seiner inneren Entwicklung führte zu Paulus und damit zur Erkenntnis, dass das Böse nicht ein Prinzip ist, wie es die Manichäer lehrten, sondern im Innern des Menschen, in seiner Auflehnung gegen Gott wurzelt. Zunächst arbeitete er in der Kirche in Hippo Regius mit, einer antiken Küstenstadt im heutigen Ostalgerien. Dann wurde er Leiter der Gemeinde. Inzwischen hatte er zum freien Willen des Menschen durch das Studium des Römerbriefs eine neue Sicht gewonnen: Den freien Willen als autonome Möglichkeit, sich für oder gegen Gott zu entscheiden, gab es für ihn nicht.

    Theologische Eckpunkte

    Christliche Lehre

    Augustin hat wohl als erster Theologe eine ausführliche Darlegung der Grundsätze einer geordneten Bibelauslegung (Hermeneutik) formuliert. Vom Leser forderte Augustin, dass er sich der Heiligen Schrift unterstellt. Schwierige Stellen sollen mit der durch weniger schwierige Stellen gewonnenen Klarheit erklärt werden. Den Umfang der kanonischen Schriften sollte man von der Mehrheitskirche übernehmen: 1-5 Mose, Josua, Richter, Rut, 1/2 Samuel, 1/2 Könige, 1/2 Chronik, Hiob, Tobith, Esther, Judith, 1/2 Makkabäer, Esra, Nehema, Psalmen, Sprüche, Hohelied, Prediger, Hose, Joel, Amos, Obadja, Jona, Micha, Nahum, Habakuk, Zefania, Haggai, Maleachi, Weisheit, Sirach, Jesaja, Jeremia, Hesekiel, Daniel (insgesamt 44 Bücher). Das NT entsprach dem, das auch wir kennen. Für unbekannte Begriffe sollte der Sprachkundige die Ursprachen nutzen, wer die alten Sprachen nicht beherrscht, vergleicht unterschiedliche Übersetzungen. Die Erklärungen christlicher Fachleute waren für Augustin eine wichtige Grundlage der Bibelauslegung. Wo es um Sachfragen geht, kann man auch die Werke von Nichtchristen heranziehen. Bleiben Zweifel über das Verständnis einer Bibelstelle bestehen, hat das kirchliche Lehramt die letzte Entscheidung. Augustin betonte, dass beim Lesen der Bibel auch unterschiedliche Stilrichtungen beachtet werden müssten. Wenn in der Bibel von Gott und Gläubigen Schandtaten beschrieben werden, dann liegt eine bildliche Redeweise vor, die sorgfältig ausgelegt werden muss. Für christliche Verkündiger empfahl Augustin die Aneignung rhetorischer Fähigkeiten aus der säkularen Wissenschaft.

    Die Kirche

    Augustin erkannte innerhalb der sichtbaren Anstalt Kirche die Gemeinschaft der wirklich Berufenen (lat.: communio sanctorum). Diese Gemeinschaft der Heiligen umfasste für ihn auch die schon verstorbenen Gläubigen. Die wahren Gläubigen wandern als Fremdlinge durch diese Welt der ewigen Heimat entgegen. In seinem Werk „De civitate Dei“ (dt.: Vom Gottesstaat, s. Abbildung 37) sah Augustin die ganze Menschheitsgeschichte unter dem Kampf zweier Bürgerschaften: denen, die Gott lieben und denen, die Gott hassen. In seinen Worten: Civitas Dei, der Herrschaftsbereich Gottes und Civitas Diaboli, der Herrschaftsbereich des Teufels) Das irdische Abbild dieser beiden Reiche sind Kirche und Staat, aber die irdische Kirche ist nicht identisch mit der „Civitas Dei“. Der Staat ist grundsätzlich notwendig, um Frieden und Gerechtigkeit unter den Menschen zu gewährleisten.

    Freier Wille

    Der sogenannte Pelagianische Streit (411-431) entstand, als Pelagius (brit. Mönch, 350-420) mit seinem Freund Caelestius (beide vertraten die gleichen Ansichten, später wird nur noch von Pelagius gesprochen) von Rom aus nach Karthago kam. Pelagius zog weiter nach Jerusalem, aber zwischen Caelestius und Augustin kam es zur Auseinandersetzung um das Problem der Erbsünde und der Möglichkeit, sündlos zu leben. Caelestius vertrat die Ansicht, kleine Kinder seien unschuldig und die Taufe müsse bei ihnen keine Erbsünde abwaschen. Die Synode in Karthago (411) verurteilte Caelestius. Pelagius lehrte, dass die Gottebenbildlichkeit durch den Sündenfall verloren gegangen sei, in der Taufe aber wieder hergestellt werde. Von da ab könne der Mensch gerecht leben, wenn er nur wolle. Der Mensch könne also sein Heil durch eigenes Tun erreichen. Augustin widersprach der Lehre vom freien Willen, indem er die Erbsündenlehre begründete. Der Mensch war demzufolge mit Adam von Gott abgefallen und nicht mehr in der Lage, nicht zu sündigen. Die Gnade Gottes allein kann den Menschen aus dieser Lage retten. Wenn beim Heilsgeschehen auch nicht sauber zwischen Gottes und menschlichem Handeln zu trennen ist, so ist der Anteil Gottes auf jeden Fall größer („unwiderstehliche Gnade“).

    Die Idee der Erwählung kam nun ins Spiel und schuf Raum für weitere Diskussionen. Pelagius konnte im Osten durch zwei Synoden Unterstützung finden (415). Auch Bischof Zosimus (Rom, † 480) stellte sich auf die Seite von Pelagius, was die Nordafrikaner zu heftigem Protest veranlasste. Kaiser Honorius (395-423) war hingegen von der Richtigkeit der Argumente Augustins überzeugt. In Rom nahm man die kaiserliche Auffassung an und Pelagius wurde 418 während der Synode von Karthago verurteilt. Der Streit zog sich aber hin, weil jetzt abgewandelte Formen vertreten wurden, der so genannte Semipelagianismus (Vertreter: Julian von Eclanum, Johannes Cassianus, Vincentius von Lerinum). Im Semipelagianismus (von „semi“ – halb, wörtlich: Halbpelagianismus) wirken göttliche Gnade und freier Wille des Menschen zusammen, wobei die Gnade nicht unwiderstehlich ist und Gott niemanden zur Verdammnis vorherbestimmt. Erst auf der Synode von Orange (529) wurde auch der Semipelagianismus verurteilt.

    Sünde und Gnade

    Augustin setzte sich intensiv mit dem Verhältnis von Schuld und Erlösung auseinander. Seiner Überzeugung nach hatte der Mensch im Anfang die Freiheit, nicht zu sündigen und die Gabe, nicht sterben zu müssen. Durch die Wahl des Bösen verlor er diese Freiheit und fiel in Sünde. Die grundlegenden Kennzeichen der Sünde waren für ihn Überheblichkeit und Begehrlichkeit. Sie wird als Anlage von Generation zu Generation vererbt und im jeweils einzelnen bewusst bestätigt. Die Menschheit steht unter dem Zwang, sündigen zu müssen. Unser Wille ist nicht in der Lage die Forderung Gottes (Gesetz) zu erfüllen. Das Gesetz kann nur überführen. Gottes Gnade allein kann Befreiung schaffen. Die Gnade hatte für Augustin zwei Aspekte: Vergebung und Gerechtmachung. Im Glauben befähigt die Gnade zu guten Werken, am meisten aber zur Liebe. In späteren Jahren konnte Augustin von der unwiderstehlichen Gnade sprechen und eine Prädestinationslehre (Lehre von der Vorherbestimmung) formulieren.

    Die Dreieinigkeit Gottes

    Allein zum Thema Trinität hat Augustin 15 Bücher geschrieben. Es stand für ihn fest, dass Vater, Sohn und Heiliger Geist wesensgleich sind. Es sind drei Personen, aber ein göttliches Wesen. Augustins Vorstellung entspricht am ehesten der eines Dreiecks mit Analogie und Nicht-Analogie. Die trinitarische Sicht teilte Augustin mit dem Konzil von Nicäa. Christologisch hat Augustin den irdischen Jesus etwas in den Hintergrund treten lassen. Drei „Bestandteile“ seien in Christus, die zwei Naturen angehören: Seele (anima) mit Verstand und Fleisch (carne) und Deo, die göttliche Natur. In der Inkarnation (nicht in der Auferstehung!) vollbrachte Jesus die Durchbrechung des Todes; er nahm Anteil an unserer Sterblichkeit, um uns Anteil an Gott zu geben. Erlösung ist Aufstieg der Einzelseele zu Gott. Dieser Weg wird begleitet durch die Gnade Gottes und „Gnadeneingießungen mittels der Sakramente“, die von der Kirche verwaltet werden.

    Augustin wurde der große Westtheologe, der in lateinischer Sprache schrieb und durch sein umfassendes Schaffen und seine Gründlichkeit das theologische Denken im Westen für Jahrhunderte prägte. Sein breites theologisches Schaffen ließ kaum ein Thema unbearbeitet. Wegweisend wurde seine Zwei-Reiche-Lehre, weil sie Christen Orientierung bot, als die staatliche Macht kaum mehr ordnende Funktion hatte. Für Luther ist die Sünden- und Gnadenlehre von Augustinus zur Ausgangsbasis der Rechtfertigungslehre geworden.

    Die Entwicklung im Osten

    Kirche in Westasien

    Als Ergebnis der christologischen Auseinandersetzungen wurde die Kirche in Westasien in drei Richtungen gespalten: Im westlichen Teil Westasiens war die chalcedonensische Orthodoxie verbreitet. Im mittleren Westasien hing die Mehrheit der Christen dem Monophysitismus an. Die Christen im östlichen Westasien (Persien, Arabien, Indien und Mittelasien) waren Anhänger des Nestorianismus (s. u.). Nachfolgend eine paar regionale Streiflichter, die etwas von der Dynamik der Kirchen in den östlichen Regionen außerhalb des Römischen Reiches deutlich machen.

    In Antiochia formierte sich die neue Zentrale einer selbstständigen syrisch-orthodoxen, nicht-chalcedonensischen Kirche. In Alexandria entstand die Koptisch-Orthodoxe Kirche, von der die Nubische Kirche (heute: Sudan) abhängig war. Die Armenisch-Apostolische Kirche war zwar schon um 300 entstanden, verlor ihre Selbstständigkeit, bis sie 505/506 wieder Position in einer anti-chalcedonensischen Aussage bezog. Im 8. Jh. kam es dann zur Verständigung mit der Syrisch-Orthodoxen Kirche.

    In Indien sind frühe christliche Gottesdienste bezeugt. 345 ließ Kaiser Konstantius eine Gesandtschaft u. a. nach Indien reisen. Diese Gesandtschaft berichtete von indischen Gottesdiensten und syrischen Gewohnheiten bei den Christen Indiens. Für das 5. Jahrhundert ist die Teilnahme indischer Christen am Leben der ostsyrischen Kirche Persiens bezeugt. Für die Christen im Süden Indiens verwendet man heute noch den Namen „Thomas-Christen“, um daran zu erinnern, dass der Apostel Thomas dort als erster das Evangelium verkündete.

    Spätestens um das Jahr 300 wurde in Armenien eine Staatskirche gegründet, die anfangs noch aus dem Westen und durch die syrische Kirche beeinflusst war. Als 406 durch Mesrop Maschtots (360-440) das armenische Alphabet geschaffen wurde und die armenische Sprache zur Schriftsprache wurde, war die Voraussetzung zu einer armenischen Identität geschaffen. 435 erschien eine armenische Bibelübersetzung.

    In Georgien verlief die Entwicklung ähnlich wie in Armenien. Die griechische Kirche hatte das Evangelium nach Westgeorgien gebracht. Am Konzil von Nicäa ist die Teilnahme eines Gesandten aus Westgeorgien bezeugt. Ostgeorgien wurde 330 von einer Frau namens Nino (325-361) missioniert, die dem georgischen König die christliche Botschaft brachte, worauf dieser Christ wurde. Auf die Bekehrung des Königs hin wurde in Georgien das Christentum zur Staatsreligion.

    Die „nestorianische Kirche“

    Schon früh waren christliche Gemeinden jenseits der Ostgrenze des römischen Reiches im Reich der Perser entstanden. Anders als im Rest des römischen Imperiums blieb hier der Zoroastrismus die tragende Religion. Die Konstantinische Wende führte für die Christen in Persien zur Verfolgung, weil man die Christen mit der feindlichen Macht identifizierte (ähnlich wie die Russlanddeutschen in der UdSSR). Bei der Synode von Seleucia-Ktesiphon formierte sich die persische Christenheit 410 als selbstständige Kirche, dabei kam es auch zu einer Vereinbarung mit dem persischen Staat. Man darf sich die Entwicklung im Osten aber grundsätzlich nicht so vorstellen wie im Westen. Im Osten war das Christentum nie Staatsreligion. Man baute zum Beispiel keine großen Kirchen, sondern traf sich mehrheitlich in Privathäusern und erlebte immer wieder Bedrängnis und Verfolgung, als die Kirche im Westen schon lange umfassende Privilegien genoss. Man konnte sich im Osten immer weniger als Teil der Kirche empfinden, die in Rom ihre neue Zentrale fand. 424 erklärte sich diese Kirche formell als unabhängig von der Kirche des Römerreiches:

    „Wir bestimmen, dass die Orientalen nicht befugt sind, an die westlichen Patriarchen gegen ihren eigenen Patriarchen zu appellieren … .“

    Der persische König begrüßte diese Abkoppelung und gewährte den Christen entsprechenden Freiraum. An der Ostsyrischen Synode von 486 wurde auch dogmatisch ein Trennstrich gezogen. Die dort formulierte Zwei-Naturen-Lehre wollte nicht das Chalcedonense aufnehmen, wo zwar auch von zwei Naturen, aber nur von einer Hypostase (Erscheinungsform) gesprochen wurde, nein, die Ostsyrer dachten konsequent dyophysitisch (zwei Naturen in Christus), indem sie zwei Hypostasen (Erscheinungsformen) vertraten: Die göttliche des Logos und die des Menschen. Die Ostkirche folgte damit dem 431 verurteilten Nestorianismus und galt für die Reichskirche (Kirche, die sich nun um die Bischöfe von Rom und Konstantinopel formierte) als häretisch. Die persische Kirche blieb auch unter dem Islam bestehen und wirkte missionarisch – den Handelswegen entlang – bis nach China. Das Zentrum des Reichs der Mitte erreichte der erste persische Missionar (ein Mönch namens A-lo-pen) im Jahr 635. Ein Edikt hält fest:

    „A-lo-pen aus dem Reich Ta-chin, der mit sich Sutras (heilige Schriften) und Bilder brachte, kam von ferne herbei und legte sie in unserer Hauptstadt vor. Nach sorgfältiger Prüfung des Umfangs seiner Lehre erkennen wir sie als geheimnisvoll geistlich und von stiller Wirkung. Wir haben ihrer hauptsächlichen und wichtigsten Aussagen wahrgenommen und sind zu der Überzeugung gekommen, dass sie alles umgreifen, was im Leben höchst bedeutsam ist … Diese Lehre ist hilfreich für alle Geschöpfe und vorteilhaft für jedermann. So möge sie freie Bahn haben im Reich.“ (zit. in: Wolfgang Hage, Das Christentum im frühen Mittelalter, S. 39). Ausblick: Dieser missionarische Anfang hinterließ zwar zahlreiche Spuren, konnte der Wende in der chinesischen Politik im 9. Jh. aber nicht wirklich standhalten, als alle Fremden des Landes verwiesen wurden.

    Die Entwicklung in den östlichen Regionen macht deutlich, wie eng politische und religiöse Ansichten miteinander verbunden waren. Die Gründe für das Auseinandergehen der West- und Ostkirchen liegen einerseits in theologischen Streitfragen, andererseits unterstützte die Politik Christen im eigenen Land nur dann, wenn sie auf deren Loyalität zählen konnte. Eine Kirche mit einer Zentrale in Konstantinopel oder Rom erschien gefährlich.

    Im Unterschied zu den Kirchen des Westens kannten diese Ostkirchen kein gemeinsames, überregionales Oberhaupt.

    Die missionarische Ausrichtung der Kirche in Persien weist eine erstaunliche Dynamik auf und zeigt, dass der Ferne Osten schon im Mittelalter mit der christlichen Botschaft erreicht wurde.

    Vertiefung

    1. Können Sie dem klösterlichen Leben auch Positives abgewinnen? Was könnten die Nachteile sein?

    2. Analysieren Sie die Karte „Christentum 300-400“ (Abbildungen 39 und 40) und notieren Sie Auffälligkeiten. Prägen Sie sich die Regionen der Völkerschaften Europas ein.

    3. Welche Überraschungen brachte das letzte Kapitel für Sie?

    4. Wenn Sie jetzt zurückblicken auf den Gesamtkurs: Was hat Sie am meisten beeindruckt? Wo sind Lücken geblieben? Haben Sie Verbesserungsvorschläge?

    F Bei welchen Fragen stimmen Sie mit Augustin überein? Bei welchen Fragen sind Sie anderer Meinung als Augustin? (F)

    K Fassen Sie die Gründe für die wachsenden Spannungen zwischen Ost- und Westkirche zusammen? (K)

    Die konstantinische Wende und der Streit um die Trinität

    Die Konstantinische Wende – das Christentum wird Staatsreligion mit allen positiven und negativen Folgen. Die großen theologischen Auseinandersetzungen um die Trinität.


    Lernziele

    1. Die verfolgte Kirche wird staatlich bevorzugte Kirche. Diese Wende wird „Konstantinische Wende“ genannt, weil sie verknüpft ist mit dem römischen Kaiser Konstantin. Sie lernen die Hintergründe dieser Entwicklung verstehen.

    2. Kritische Anfragen von außen machen eindeutige Stellungnahmen erforderlich. Wer ist Jesus, Mensch und/oder Gott? Die sogenannte Christologische Frage bestimmte die theologische Diskussion bis in 9. Jh. n. Chr. Sie lernen einige Positionen und die Bedeutung der ersten Konzile kennen.

    3. Sie erkennen, dass die Konstantinische Wende nicht nur Vorteile für die Kirche bringt, denn sie fördert Mitläufertum und das Anhäufen von Reichtum.

    Konstantin – die große Wende

    Vorbereitende Schritte

    Auf die letzte große Christenverfolgung, die von Diokletian (245-312, Kaiser von 284 bis 305) und seinen Nachfolgern mit besonderer Systematik und Brutalität unternommen worden war, folgte ein Umschwung: die „Konstantinische Wende“. Sie beschreibt den Wechsel von der verfolgten christlichen Kirche zur bevorzugten Staatsreligion. Dieser Wechsel erfolgte nicht auf einmal, sondern über mehrere Stufen. Das Edikt von Mailand (bereits 311 vom todkranken Galerius verkündet) verschaffte den Christen schon eine Reihe von Erleichterungen. Die Wende der kaiserlichen Religionspolitik erfolgte 313 durch Konstantin und Licinius.

    Über die Stufe der Duldung wurde das Christentum nach und nach die Staatsreligion unter Theodosius d. Gr.. Die Übersicht zeigt die Reihenfolge der römischen Herrscher vor und nach Konstantin. So lassen sich die nachfolgend erwähnten Herrschernamen besser ordnen.

    Die verwaltungstechnische Aufteilung des Reiches geht zurück auf Diokletian, der 293 zwei Augusti (je einen für das Ost- und Westreich) eingeführt hatte, die von je einem Cäsar (Juniorkaiser) unterstützt werden sollten, um so eine größere Stabilität zu gewinnen. Abbildung 28 zeigt die Übersicht der römischen Augusti und Cäsaren von 284-565).

    Konstantin der Große

    Konstantin der Große (306-337, s. Abbildung 29) lenkte die Politik dahin, dass das Christentum zur Staatsreligion wurde, duldete aber heidnische Kulte weiterhin. Umstritten ist die Motivation von Konstantin: War er überzeugter Christ, kluger Staatsmann oder beides? Die spätere Ermordung von Frau, Sohn und zahlreichen anderen lässt Zweifel am Glauben Konstantins aufkommen. Für die Geschichte bedeutend wurde der Sieg gegen Maxentius, den Beherrscher Roms (damals Augustus, also Ehrenkaiser von Italien, Spanien und Nordafrika). Zur Ermutigung seiner Soldaten ließ Konstantin (damals Augustus von Gallien und Britannien) Christuszeichen auf die Schilde der Kämpfer malen – und sie gewannen die Schlacht an der Milvischen Brücke (28. Okt. 312)!

    Unmittelbar nach dem Sieg begann Konstantin die christliche Mehrheitskirche (nicht die Sondergruppen!) zu begünstigen und erließ z. B. den Geistlichen die Steuer. 321 wurde die Feier des Sonntags gesetzlich verordnet. Vier Jahre später wurden die Gladiatorenkämpfe als Strafe für Christen verboten. Prunkvolle Kirchenbauten, allen voran die Kirche (Hagia Sophia) der neuen Hauptstadt Konstantinopel (330), folgten. Der Sieg Konstantins reduzierte die Zahl der regierenden Augusti auf zwei, einen im Westen (Konstantin) und einen im Osten (sein Schwager Licinius). Die Taufe Konstantins kurz vor seinem Tod ist historisch umstritten. Grund für den Umschwung war wohl nicht allein die Entscheidung Konstantins. Der Christenglaube hatte sich so stark entfaltet, dass man nicht mehr daran vorbeigehen konnte und sich zwangsläufig damit arrangieren musste.

    Man sollte sich den Übergang von der verfolgten zur privilegierten Kirche nicht ruckartig, sondern als Prozess vorstellen. Es brauchte einige Jahrzehnte, bis sich die römische Gesellschaft mit den neuen Gegebenheiten arrangiert hatte. Der über Jahrhunderte gewachsene Umgang der Römer und Griechen mit Religion führte nicht über Nacht vom Polytheismus zum monotheistischen Christentum. Erste Änderungen, wie etwa das Ende von Christenverfolgungen, waren natürlich unmittelbar spürbar. Viele Christen waren für die Erleichterungen dankbar, die sie nach Jahren unterschiedlich starker Bedrängnis jetzt genießen konnten. Wer sollte daran denken, welche negativen Folgen es haben würde, wenn das Christentum zur Staatsreligion wird?

    Die negativen Folgen

    So erleichternd die neue Politik für viele gewesen sein mag, schon bald wurden auch schwierige Folgen deutlich: Die Staatskirche musste dem Ziel der politischen Einheit dienen. Die römische Verwaltungskunst hielt Einzug in die Kirche: Zu den „Errungenschaften“ der Konstantinischen Wende zählt auch die Ausbildung des Synodalwesens, also der Versammlung von Kirchenleitern zur Regelung von Lehr- und Strukturfragen der Kirche. Der Begriff kommt vom griech. synodus und bedeutet: Zusammenkunft, gemeinsamer Weg. Man unterschied die „Reichs- oder ökumenische Synode“, wobei der Unterschied zum heutigen Ökumene-Begriff zu beachten ist: Damals meinte „ökumenisch“ die reichsweite Versammlung der Kirchenleiter, die unter kaiserlicher Führung stand und deren Beschlüsse Reichsgesetze wurden, im Unterschied zu „Provinzialsynoden“, die für den Zusammenhalt in den Regionen bedeutsam waren.

    Durch die Verbindung von Kirche und Staat war die Entwicklung des Klerus (die Hauptamtlichen der Kirche) zu einem besonderen bürgerlichen Stand vorgezeichnet. Der Bischof wurde unumschränkter Herr seiner Gemeinde. Er hatte auch das Verfügungsrecht über das Gemeindevermögen. Gewählt wurde der Bischof damals noch von den Laien. Die Kleriker wurden durch eine Ordination eingesetzt, wobei deren Ausbildung in den Händen der Metropoliten lag, der regionale Führer. Allmählich wurde es auch Sitte, die Geistlichen vom Kirchengut zu bezahlen.

    Rasch wuchs der Reichtum der Kirche: Kostbare Kirchengeräte, liturgische Gewänder, reiche Liturgie, glänzende Feste, prächtige Gebäude – all das sollte die heidnischen Tempelkulte überbieten und die Häretiker (Falsch-Gläubige, vom Mehrheitsglauben Abweichende) unattraktiv erscheinen lassen.

    Durch den Zustrom der Massen, die nun plötzlich Kirchenmitglieder sein wollten oder auch mussten, kamen Vorstellungen und Gebräuche mit in die Kirche, die dem Heidentum entnommen waren. So bestand bei vielen der Polytheismus fast ungebrochen innerhalb der christlichen Kirche fort. Die heidnischen Lokalgötter wurden einfach durch christliche „Heilige“ (meist Märtyrer) ersetzt. Das Anzünden von Kerzen ersetzte das frühere Räuchern, um die Dämonen zu vertreiben. Elemente aus Mysterienkulten drangen in die Kirche ein und führten zur Vertiefung magisch-sakramentaler Vorstellungen in Reliquien- und Bilderverehrung, in Messopfer und Wallfahrt. Die ausgelassenen heidnischen Feste fanden eine Entsprechung in Märtyrer-Gedenkfesten.

    Der Donatistenstreit

    In die Regierungszeit Konstantins fiel der sogenannte Donatistenstreit. Seinen Namen erhielt der Streit durch Donatus, Bischof von Karthago. Die Auseinandersetzung entzündete sich im Rahmen einer Bischofswahl in Karthago. Einer der Kandidaten hatte mit den Verfolgern des christlichen Glaubens zusammengearbeitet. Manche waren der Meinung, wenn ein ehemaliger „Verräter“ echte Reue gezeigt habe, könne er wieder seinen Dienst verrichten. Donatus lehnte das ab. Die afrikanische Kirche folgte Donatus. Sie wollte keine Gemeinschaft mit „Todsündern“ (also z. B. solchen, die einmal vom Glauben abgefallen waren, indem sie dem Kaiser opferten), zumindest innerhalb des Klerus. Der Streit eskalierte, als Konstantin versuchte, die Afrikaner mit Gewalt zu unterwerfen. Dieser Versuch schlug fehl. Die Donatisten blieben ihrer Linie treu. Die restliche Christenheit erklärte nun die Donatisten zu „Schismatikern“ (organisatorisch und verfassungsmäßig getrennt, im Unterschied zu den „Häretikern“, die auch lehrmäßig andere Wege gingen). Mit den Abweichlern ging Konstantin nicht zimperlich um. Im Häretikergesetz von 326 heißt es:

    „Erkennt nun durch dieses Gesetz, ihr Novatianer, Valentianer, Marcioniten, Paulianer, ihr, die ihr nach den Phrygiern zubenannt seid, kurz, alle, die durch ihre besonderen Versammlungen die Sekten bilden, in welche Lügen eure Torheit sich verstrickt hat und mit welch tödlichem Gift eurer Lehre die Gesunden zur Krankheit, die Lebenden zum ewigen Tode gebracht werden … Was sollen wir länger solche Frevel dulden? Unsere lange Nachsicht bewirkt ja nur, dass auch die Gesunden wie von einer pestartigen Krankheit befallen werden … Um aber dieser Heilung den notwendigen Nachdruck zu verleihen, haben wir Befehl gegeben, alle Versammlungsstätten dieses Aberglaubens … zu beschlagnahmen und ohne Einspruchsmöglichkeit und Zeitverzug der katholischen Kirche zu übergeben; die übrigen Örtlichkeiten aber dem Fiskus zuzuführen und euch in Zukunft keinerlei Möglichkeit zu belassen, euch zu versammeln.“

    Der Umgang mit den Donatisten Nordwestafrikas bleibt eine wichtige Frage für den weiteren Verlauf der Kirchengeschichte. War das Heiligungsstreben der Donatisten generell zu radikal für eine Volkskirche? Anders als in Ägypten kannte man in Nordwestafrika keine Mönchsbewegung. Die ägyptische Kirche konnte durch die Mönchsbewegung wesentlich besser mit Heiligungsbewegungen umgehen. Scheiterten die Donatisten an der Ungeschicklichkeit ihrer Leiter oder an Strukturfragen? Im Unterschied zu anderen Regionen des Römischen Reiches fanden die Versammlungen der Christen in den Häusern der Bischöfe statt. Bischöfe wurden jeweils von den Ältesten einer Ortsgemeinde gewählt. Dies führte zu einer Vielzahl von Bischöfen (rund 300) mit der Folge einer Zersplitterung der nordwestafrikanischen Kirche. Daran änderte die Zusammenlegung von fünf Bischofssitzen in Karthago (4./5. Jh.) nichts.

    Letztlich wurden die Donatisten von Konstantius (einer von Konstantins Söhnen, unterstützt durch Augustin) als Häretiker behandelt. Der Besuch einer donatistischen Versammlung wurde durch Androhung der Todesstrafe verboten. Die Bewegung, die für eine heilige Kirche kämpfte, wurde schließlich ausgelöscht. Die Mehrheitskirche setzte sich durch und „bewältigte“ die erste größere Kirchenspaltung mit Gewalt. War diese Kirchenspaltung einer der Gründe für den Untergang des christlichen Afrika in der Zeit islamischer Eroberungen?

    Buchempfehlung zur weiteren Auseinandersetzung: „Wenn Kirchen sterben“ von Bernd Brandl.

    Konstantins Nachfolger

    Von den drei Söhnen Konstantins erlangte nur Konstantius größere Bedeutung. Er schränkte die Freiheit der nicht christlichen Kulte grundsätzlich ein.

    Unter Julian (361-363) erfolgte noch einmal eine kurze heidnische Phase. Unter anderem befahl Kaiser Julian den Ausschluss der Christen von der literarischen Bildung durch ein Schulgesetz (362).

    Seine Nachfolger fanden wieder zur christenfreundlichen Politik zurück, ließen aber den Kulten die bisherige Freiheit. Erst unter Theodosius d. Gr. (379-395 im Westen, s. Abbildung 30) und Gratianus (375-383 im Osten) kam es zu Einschränkungen der heidnischen Freiheit. Das Religionsedikt von 380 forderte von allen Römern die Annahme des „von dem Apostel Petrus den Römern überlieferten“ Glaubens. Allerdings hielten die senatorischen Familien weiterhin an den alten Kulten fest. Drei Jahre später ließ er ein umfassendes Häretikergesetz folgen. Im Jahr 389 schwor der römische Senat feierlich dem alten Glauben ab. Allmählich verlor das Heidentum an Einfluss.

    Ob die Konstantinische Wende positiv oder negativ für die Kirche war, wurde und wird unterschiedlich beurteilt. Tatsache ist, dass die Entwicklung auch problematische Erscheinungen mit sich brachte: Die Kirche nahm die kaiserliche Herrschaft über die Kirche in Kauf. Der Kaiser war interessiert an der kirchlichen Einheit und dieses Interesse wirkte sich aus im Umgang mit Lehrfragen. Als Folge des Staatskirchentums und der damit verbundenen Verflachung der Frömmigkeit muss auch die rasche Ausbreitung des Mönchtums und die Entstehung von Alternativkirchen (Messalianer, Paulikianer, Bogomilen) gesehen werden. Im Lauf der Zeit kam es zur Verschmelzung des Christentums mit antiker Kultur und Religion.

    Der trinitarische (arianische) Streit (318-381)

    Vorgeschichte (Monarchianischer Streit)

    Blicken wir kurz zurück: Den theologischen Hintergrund bilden die Aussagen von Johannes 1,1-14; Philipper 2,5-11; Römer 8,29; 2 Korinther 4,4; Kolosser 1,15; Johannes 14,17+26; 2 Korinther 13,13; Matthäus 28,19. Die Apologeten hatten die griechische Logosvorstellung (Weltvernunft, Weltgesetz) auf Christus übertragen. Damit wollten sie einerseits die Vernünftigkeit des christlichen Glaubens herausstellen, andererseits stand dann die Frage nach Präexistenz des Logos im Raum. Welche Eigenständigkeit kommt dem Logos (also Christus) vor der Menschwerdung zu? Gibt es eine Zwei- oder gar Dreiheit von Gottwesen? Gegen die Logos-Lehre der Apologeten standen die Monarchianer auf. Sie betonten die Einheit Gottes und lehnten jede weitere Spekulation ab. Allerdings spalteten sich die Monarchianer dann auch in zwei Richtungen auf: Der sogenannte dynamische Monarchianismus (kurz: Dynamismus, auch Adoptianismus genannt) und der modalistische Monarchianismus (kurz: Modalismus).

    Tertullian (Karthago, 150-230) hatte klare Begriffe geprägt: Una substantia – tres personae. In der einen „Substanz“ leben drei Personen, und doch ist Gott eine Einheit. Heilsgeschichtlich wird eine Dreiheit sichtbar.

    Origenes (Alexandria, 185-254) formulierte als erster eine immanente (schon immer bestehende, nicht nur heilsgeschichtliche) Trinitätslehre: Gott bringt den Sohn in einem ewigen Akt hervor. Aus Vater und Sohn geht der Geist hervor. Damit steht der Sohn unter dem Vater und der Geist unter dem Sohn (Subordinationismus). Für die drei Personen der Gottheit benutzte Origenes den Begriff „hypostase“, d. h. individuelle Wesenheit. Im Blick auf die Hypostase sind Sohn und Geist unterschieden vom Vater, im Willen sind sie eins.

    Der Begriff „Sohn“ beschreibt sowohl das, was mit Gott verbindet, als auch das, was von Gott unterscheidet. Dieser – noch vage – Begriff wollte definiert werden. Dazu benutzte man die Kategorien Substanz/Wesen/Natur und Ursprung. Inwiefern also hat der Sohn Anteil am Wesen des Vaters? Wann ist diese Teilhabe zustande gekommen – in der Ewigkeit, bei der Zeugung, bei der Geburt, bei der Taufe, bei der Auferstehung, bei der Himmelfahrt? Oder gehört Jesus wie wir Menschen zur von Gott erschaffenen Welt? Das Neue Testament macht deutlich, dass Jesus wie der Vater angebetet werden muss.

    Um 250 hatten die Adoptianer die Auffassung entwickelt, der Jesus bei seiner Taufe verliehene Geist sei Grund für die Adoption als Sohn Gottes. Sie hielten diese Ansicht für unumgänglich, weil ansonsten Gottes Einzigkeit und das wahre Menschsein von Jesus fragwürdig erschienen wäre.

    Die Doketisten (vom griech.: “dokeo“ – scheinen) waren zur Überzeugung gelangt, dass der Leib von Jesus nur ein Scheinleib gewesen sein kann. Sie wollten auch die Frage nach dem Gottsein Gottes beantwortet haben: Wird Gottes Einzigkeit nicht gefährdet, wenn neben ihm ein zweiter Gott auftritt?

    Der dynamische Monarchianismus verstand das Göttliche an Jesus als eine Kraft, die bestimmte Fortschritte machte und bei der Taufe durch Johannes zur Adoption von Jesus als Sohn Gottes führte. Gott ist nur einer, die Beziehung zwischen Vater und Sohn ist eine dynamische, nicht eine Beziehung des Wesens (Vertreter: Paul von Samosata – Bischof von Antiochien, 3. Jh.).

    Die modalistischen Monarchianer verstanden Vater und Sohn als zwei verschiedene Erscheinungsformen des einen Gottes. In der Konsequenz konnte diese Auffassung bis zur Identifizierung von Christus mit Gott-Vater führen (Vertreter: Noëtus, Praxeas, Sabellius).

    Noëtus (Bischof in Kleinasien, 3. Jh.) verneinte die personhafte Verschiedenheit von Vater und Sohn, denn Jesus musste Gott sein, weil sonst die Erlösung nicht göttlich war. Praxeas (2./3. Jh.) entwickelte eine Form des Modalismus, in der die Formulierung, dass der Vater selbst gelitten habe, vermieden wurde. Dazu erklärte er den Begriff „Sohn Gottes“. Er unterschied das Göttliche und das Leibliche in Jesus. Nur das Fleisch sei von Maria geboren, nur dieses Fleisch habe gelitten, nicht der Vater. Dieses Fleisch werde in der Bibel „Sohn Gottes“ genannt. Das Göttliche im Erlöser sei dagegen personhaft identisch mit dem höchsten Gott. Sabellius (aus Libyen?, 3. Jh.) beschrieb die personhafte Einheit Gottes in drei Masken bzw. Rollen (griech.: prosopa), die sich in der Heilsgeschichte nacheinander offenbarten. Diesem ökonomischen (heilsgeschichtlichen) Trinitarismus stand eine immanente (von Ewigkeit her in Gott selbst bestehende) Trinitätslehre gegenüber.

    Die Schwierigkeiten der bisher genannten Positionen liegen auf der Hand: Beim dynamischen Monarchianismus war Jesus im Vollsinn weder Mensch noch Gott. Der Modalismus sah vom geschichtlichen Bild Jesu völlig ab, wenn er die Unterschiede zwischen Vater und Sohn beseitigte.

    Der arianische Streit entstand an der Frage nach der Gottheit Jesu. Betonte man das Menschliche an Jesus, so drohte man dessen Einzigartigkeit zu verwischen. Dann konnte jeder, der ein vorbildliches Leben führte und als Märtyrer starb, als Erlöser gelten. Auf der Gegenseite erhob sich die Frage, ob nicht die Betonung der Göttlichkeit von Jesus der heidnischen Vielgötterei nahe kommt. Sind Gott-Vater und Gott-Sohn nicht bereits zwei Götter? Die Entwicklung der Trinitätslehre wurde beschleunigt durch das Auftreten des Priesters Arius.

    Weiterer Verlauf der Auseinandersetzung

    Der alexandrinische Priester Arius (260-336, von ihm erhielt der Streit seinen Namen) sprach sich dafür aus, dass Christus erschaffen wurde, es also eine Zeit gegeben hat, in der er nicht existierte. Damit unterschied sich Christus von Gott, egal wie vollkommen er auf dieser Erde lebte. Arius formulierte: „Gott war allein und es gab keinen Logos und keine Weisheit. Als aber dann Gott uns erschaffen wollte, schuf er zuerst den Einen und nannte ihn Logos, Weisheit und Sohn, damit er uns durch ihn schaffen sollte.“ Von Origenes übernahm er dessen Vorstellung des „einen Wesens (lat.: substantiae/griech.: hypostase) Gottes, aber der Sohn und der Geist hatten nur eine abgeleitete Gottheit. Ein mit dem Vater wesenseiner Sohn war für Arius undenkbar.

    Für die Gegner von Arius war klar, dass Arius Christus für einen bloßen Menschen hielt. Gegen Arius trat Bischof Alexander von Alexandrien auf, der das Geheimnis der Gottheit von Jesus gegen alle philosophischen Spekulationen verteidigte. Auf der Synode von Alexandrien 318/19 wurde Arius mit einigen Freunden verurteilt. Er flüchtete zu Bischof Eusebius von Nikomedien. Die Bischöfe im Osten unterstützten ihn, der Streit weitete sich aus. Da beschloss Kaiser Konstantin einzugreifen und lud ein zu einer Synode nach Nicäa 325, das sogenannte „Erste Ökumenische Konzil“. „Ökumenisch“ bedeutete damals: Die gesamte Reichskirche umfassend (im Gegensatz zu Regionalsynoden). Hier wurde ein älteres Bekenntnis angenommen, dessen entscheidende Aussagen lauteten: Der Sohn ist „aus dem Wesen des Vaters gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater“.

    Hier der Wortlaut des Bekenntnisses:

    „Wir glauben an einen Gott, den allmächtigen Vater, den Schöpfer alles Sichtbaren und Unsichtbaren; und an einen Herrn Jesus Christus, den Sohn Gottes, der als Einziggeborener aus dem Vater gezeugt ist, d. h. aus dem Wesen (usia) des Vaters, Gott aus Gott, Licht aus Licht, wirklicher Gott aus wirklichem Gott, gezeugt, nicht geschaffen, wesenseins (homousion) mit dem Vater, durch den alles geworden ist, was im Himmel und auf Erden ist, der wegen uns Menschen und wegen unseres Heils herabgestiegen und Fleisch geworden ist, Mensch geworden ist, gelitten hat und am dritten Tage auferstanden ist, aufgestiegen ist zum Himmel, kommen wird, um Lebende und Tote zu richten; und an den Heiligen Geist.

    Diejenigen aber, die sagen: »es gab [eine Zeit], da er nicht war« und »er war nicht, bevor er gezeugt wurde«, und er sei aus Nichtseiendem geworden, oder die sagen der Sohn Gottes stamme aus einer anderen Hypostase oder Wesenheit, oder er sei geschaffen oder wandelbar oder veränderlich, die verdammt die katholische Kirche.“

    Der im Bekenntnistext verwendete Begriff „katholische Kirche“ meint noch nicht die römisch-katholische Kirche, wie sie sich später entwickelte, sondern beschreibt die damalige Mehrheitskirche, zu der die Ostkirche innerhalb des Imperium Romanum auch dazugehörte. Der griechische Begriff „homo usios“ (eines Wesens) entsprach etwa dem „Substanz-Begriff“ von Tertullian. Weil der Begriff zwischen „wesenseins“ und „wesensgleich“ lag, konnte man sich auf der Synode einigen. Für Arius und seine Anhänger war der Beschlusstext jedoch inakzeptabel. Sie verweigerten die Unterschrift und wurden verurteilt bzw. verbannt. Die Formulierung „eines Wesens mit dem Vater“ hatte in Nicäa die Bedeutung von „gezeugt, nicht geschaffen“, d. h., er meinte die volle Gottheit des Sohnes. Damals wurde nicht versucht, die Frage der göttlichen Einheit und der Verschiedenheit der Personen zu klären. Deshalb entstanden jetzt zwei neue Fragen:

    • Wie verhalten sich die verschiedenen göttlichen Personen zueinander?

    • Wie ist die bezeugte Gottheit von Jesus mit dem irdischen Jesus der Evangelien vereinbar?

    Die Entscheidung von Nicäa war für die meisten Bischöfe des Ostens (sie waren durch Origenes geprägt) eine Herausforderung, weil sie die Unterschiede zwischen den göttlichen Personen stärker betonten. Sie dachten im Grund arianisch.

    Der alexandrinische Bischof Athanasius (295-373) wurde zum theologischen Gegner dieser antinicänischen Christen. Er formulierte (in: Vier Reden gegen die Arianer, I.16):

    „Es ist also nicht unglaublich, dass Gott einen Sohn habe, die Zeugung seines eigenen Wesens. Und wir denken daher auch nicht an ein Leiden oder eine Teilung des Wesens Gottes, wenn wir von Sohn und Zeugung reden, sondern wir haben vielmehr diesen Glauben, indem wir das Echte, Wahre und Eingeborene an Gott erkennen. Da diese Wahrheit so herausgestellt und bewiesen ist, dass diese Zeugung aus dem Wesen des Vaters der Sohn ist, so ist es wohl niemand mehr zweifelhaft, sondern ganz klar, dass diese die Weisheit und das Wort des Vaters ist, in dem und durch das er alles erschafft und macht, und sie ist sein Abglanz, in dem er alles erleuchtet und sich offenbart, wem er will. Sie ist sein Ausdruck und Abbild, in dem er geschaut und erkannt wird, weshalb auch er und der Vater eins sind. Denn wer ihn sieht, sieht auch den Vater. Diese Zeugung ist Christus, in dem alles erlöst wurde, und in dem er die Schöpfung wieder erneuert hat. Da also der Sohn so beschaffen ist, so schickt es sich nicht, sondern ist gar sehr verhängnisvoll zu sagen, dieser sei ein Geschöpf aus dem Nichtseienden, oder „er war nicht, bevor er geboren wurde“. Denn wer sich über das, was dem Wesen des Vaters eigen ist, so ausspricht, der lästert wider den Vater selbst, indem er über ihn Ähnliches denkt, was er auch von seiner Zeugung zusammenspinnt und lügt.“

    Für Athanasius war die Göttlichkeit des Sohnes vor allem deshalb wichtig, weil nur so die Vollkommenheit der Erlösung schlüssig begründet werden konnte. Ein menschlicher Jesus konnte nicht genug tun und deshalb keine Erlösungsgewissheit schaffen.

    Seit 350 war Kaiser Konstantius Alleinherrscher im Gesamtreich und verhalf dem Arianismus zum Durchbruch.

    Die lehrmäßigen Hauptgruppierungen beim theologischen Dauerthema waren seit 325 folgende:

    • Radikale Arianer („Anhomöer“ – Anhänger der Wesensungleichheit),

    • Homoiusianer (Anhänger der Wesensähnlichkeit),

    • Homöer (Anhänger der Wesensgleichheit),

    • Homousianer (Anhänger der Wesenseinheit).

    Die meisten Anhänger hatte die zweite Gruppe. Dieser Flügel brachte an der Synode von Konstantinopel 353 eine Formulierung ein, welche die Gottheit des Sohnes weniger schroff formulierte.

    Während der Regierungszeit von Kaiser Julian (361-63) entspannte sich die theologische Streitlage und 362 kam es auf der Synode von Alexandrien zur Einigung: Gott ist ein Wesen in drei Hypostasen.

    Nach dem Tod von Kaiser Julian präzisierten drei Theologen aus Kappadokien durch genaue Begriffe das trinitarische Bekenntnis. Die vermittelnde Position dieser sogenannten Kappadokier (Basilius d. Gr., Gregor von Nyssa, Gregor von Nazianz) sah Vater und Sohn wesensgleich (homousios), aber im Sohn eine besondere Erscheinungsform des Vaters (hypostase). So wie drei Personen (Hypostasen) die gemeinsame Eigenschaft des Menschseins (Ousia) tragen können, so kann Gott seinem Wesen nach eins, seiner Erscheinung nach drei sein. Gelegentlich wird für diese Vorstellung der Vergleich des Wassers genutzt, das in drei unterschiedlichen Formen vorkommt: fest, flüssig und dampfförmig. Mit dieser Definition war die Grundlage für das Konstantinopolitanum von 381 geschaffen. In Nicäa war nur die Wesensgleichheit zwischen Vater und Sohn festgelegt worden, jetzt wurde der Heilige Geist ausdrücklich als gleich anbetungswürdig genannt.

    „Wir glauben an einen Gott, den allmächtigen Vater, den Schöpfer des Himmels und der Erde und alles Sichtbaren und Unsichtbaren;

    und an einen Herrn Jesus Christus, den Sohn Gottes, den Einziggeborenen, der aus dem Vater vor allen Äonen gezeugt wurde, Licht aus Licht, wirklicher Gott aus wirklichem Gott, gezeugt, nicht geschaffen, wesensgleich (homousion) mit dem Vater, durch den alles geworden ist,

    der wegen uns Menschen und wegen unseres Heils vom Himmel herabgestiegen und aus dem Heiligen Geist und der Jungfrau Maria Fleisch geworden ist und Mensch geworden und für uns gekreuzigt worden ist unter Pontius Pilatus und gelitten hat und begraben worden ist und am dritten Tage auferstanden ist nach den Schriften und aufgestiegen ist zum Himmel und sitzt zur Rechten des Vater und wieder kommen wird in Herrlichkeit, um Lebendige und Tote zu richten, dessen Herrschaft kein Ende haben wird;

    und an den Heiligen Geist, den Herrn und Lebensspender, der vom Vater ausgeht, der mit dem Vater und dem Sohn zusammen angebetet und gepriesen wird, der durch die Propheten gesprochen hat; an eine heilige, katholische und apostolische Kirche. Wir bekennen eine Taufe zur Vergebung der Sünden. Wir erwarten die Auferstehung der Toten und das Leben des kommenden Äons. Amen.“

    Der orientalische Teil der christlichen Kirche blieb von dieser Regelung unbefriedigt. Der Streit schwelte im Untergrund weiter und wurde mit Entschiedenheit jahrelang weitergeführt. Die theologischen Meinungsverschiedenheiten zwischen Ost- und Westkirche in der Trinitätsfrage wurden im Lauf der Geschichte immer tiefer.

    Wir haben bisher erst den Anfang der großen dogmatischen Auseinandersetzung bis 381 kennengelernt. Wir machen hier einen Schnitt, um uns einem neuen Thema zuzuwenden. Auf den Christologischen Streit kommen wir zurück. Die Übersicht zeigt den Verlauf der ganzen, über 250 Jahre dauernden, Auseinandersetzung. Am Ende stand die Erkenntnis, dass das Geheimnis um Jesus mit dem Verstand nicht fassbar ist, sondern nur paradox formuliert werden kann: Ungetrennt und unvermischt! Die folgende Grafik zeigt schon den weiteren Verlauf der Klärung. Zunächst behalten wir den „Trinitarischen Streit“ im Blick (s. Abbildung 31).

    Der christologische Streit

    Beim christologischen Streit ging es um die Frage, in welchem Zusammenhang die menschliche und die göttliche Natur in Christus stehen.

    In der christlichen Theologie benutzte man den aus der griechischen Philosophie vertrauten Begriff „Logos“, wobei die griechischen Philosophen unter diesem Begriff den bei der Schöpfung aus Gott herausgetretenen Weltgedanken bzw. die Weltvernunft verstanden. Christliche Theologen identifizierten Jesus Christus mit dem Logos, indem sie ihn als Abglanz der göttlichen Vollkommenheit und deshalb als ein Mittelwesen zwischen Mensch und Gott verstanden.

    Apollinaris von Laodizea († 390) betrachtete den Logos als Seele des Körpers (Fleischesleibd) von Jesus. Die Erwähnung der Seele von Jesus (Matthäus 26,38) ließ ihn zu einer Dreiteilung kommen: Vernunft, Seele und Fleisch. Bei Christus liegt nach seiner Meinung nicht die gleiche Art von Geschöpflichkeit vor wie bei anderen Menschen: Christus besaß den göttlichen Geist an Stelle der Vernunft. Die Einheit von Gott und Mensch in Christus wurde möglich, weil der Logos bei der Inkarnation sich der Göttlichkeit entäußerte. Kritisiert wurde Apollinaris, als er in Christus also ein Mittelwesen zwischen Mensch und Gott postulierte. Diese Erklärung schien ihm jedoch nötig, weil die zwei Naturen Christus ansonsten „zerrissen“ seien.

    Als um das Jahr 400 herum Gespräche über die christologische Frage Klärung schaffen sollten, wehrte sich die ägyptische und die griechische Kirche, an den Verhandlungen teilzunehmen.

    Diodor von Antiochien († 394) sah Christus ähnlich wie Apollinaris und bezeichnete den Logos als das göttliche Prinzip in Christus. Johannes Chrysostomos († 407) beharrte auf der Trennung von menschlicher und göttlicher Natur (gegen Apollinaris), da Leiden und Tod nicht von einem leidensunfähigen Gott erfahren werden können. Der Logos wohnte seiner Überzeugung nach im Menschen Jesus wie in einem Tempel. Sein Geistempfang geschah bei der Taufe. Die verborgene göttliche Natur gab der sichtbaren menschlichen Natur den Geist. Beide Naturen sind eine Einheit, aber unvermischt.

    Theodor von Mopsuestia († 428) vertrat die Trennungschristologie, machte aber Aussagen über die Art der Verbindung zwischen göttlicher und menschlicher Natur (griech.: Physis). Der Logos nimmt nicht nur den Leib, sondern den ganzen Menschen an. Wenn der Geist nicht betrübt wird, bewohnt er die Seele und dann den Körper eines Menschen und führt ihn zur Auferstehung. In Christus sind göttliche und menschliche Natur untrennbar miteinander verbunden, er ist eine Person in zwei Naturen.

    Nestorius (381-451), Bischof von Konstantinopel, ging davon aus, dass in Christus beide Naturen verbunden waren, Maria aber nur „zuständig“ war für die menschliche Natur. Aus diesem Grund lehnte er die Bezeichnung „Gottesgebärerin“ ab und billigte Maria nur den Titel „Christusgebärerin“ zu. Nicht einverstanden mit Nestorius waren die Mönche, denn sie neigten als Nachahmer von Christus zur monophysitischen Christologie, die Christus ganz erfüllt von der einen göttlichen Natur sah.

    Cyrill von Alexandrien († 444) betonte die Logospersönlichkeit: Der Logos selbst war Träger der Person in Christus und nahm bei der Inkarnation (Mensch-/wörtl.: Fleischwerdung) einen menschlichen Leib mit einer vernünftigen Seele an. Damit stand er als Alexandriner, deren theologische Zentrale in Alexandrien lag, den „Antiochenern“ gegenüber, so nannte man die Vertreter der theologischen Richtung mit Zentrum in Antiochien. Die Antiochener betonten grundsätzlich mehr das Menschsein und das Vorbild von Jesus, die Alexandriner betonten mehr die himmlische Dimension. Als Alexandriner betonte Cyrill die volle Herrschaft des göttlichen Logos über den beseelten Leib, blieb aber wie die Antiochener dabei, dass die beiden Naturen unvermischt und unwandelbar bestanden. Aus zwei Naturen ist also ein Christus entstanden (das ist nicht monophysitisch), die Einheit wird als Herrschaft des göttlichen Logos über die Menschennatur gedacht.

    Stellen wir die beiden Modelle noch einmal nebeneinander: Die Antiochener sahen in Christus einen von Gottes Geist durchströmten Menschen, Cyrill sah in Christus den Geist Gottes, der menschliche Gestalt angenommen hat. Innerhalb der christlichen Gemeinden fand die Ansicht Cyrills eine breite Anhängerschaft.

    Im Jahr 430 erklärte die römische Synode unter Leitung von Bischof Coelestin und eine darauf folgende Synode in Antiochia die Ansichten von Nestorius für ketzerisch. Im November 430 berief Theodosius II. das Konzil von Ephesus an Pfingsten 431 ein. Das Konzil konnte keine Einigung erzielen und brach auseinander. Nestorius wurde verurteilt. Im Frühjahr 433 wurde zwischen den Alexandrinern und den Antiochenern vereinbart, Christus sei nach seiner menschlichen Natur „gleichen Wesens mit uns“, die beiden Naturen seien „vereinigt“, Maria gelte als Gottesgebärerin. Wer Christus in zwei Personen teilte, galt fortan als „nestorianischer Ketzer“.

    Nach dem Tod Cyrills entzündete sich der Streit von neuem. Theodosius berief 449 erneut ein Konzil in Ephesus ein (bekannt als „Räubersynode“), wobei Dioskur die Leitung hatte, der Nachfolger Cyrills und Gegner der Kompromissformel. Man beschloss, die Glaubensformeln von Nicäa und Ephesus 431 gelten zu lassen, nicht aber die Kompromissformel von 433. Nach dem Tod von Theodosius II. musste ein weiteres Konzil einberufen werden. Dieses Mal tagte die Versammlung in Chalcedon 451, weshalb das dort ausgearbeitete Bekenntnis den Namen Chalcedonense erhielt.

    Verworfen wurde der Beschluss von 449 und zugestimmt wurde einer Formulierung, die weder nestorianisch noch monophysitisch ausgelegt werden konnte: Christus wird betont in seiner Einheit und darin differenziert. In Chalcedon wurden die Aussagen des Glaubens in Form einer paradoxen Formulierung festgehalten. Die Vernunft des Menschen kann nicht eindringen in das Geheimnis des Christus. Hier das Bekenntnis von Chalcedon:

    „Wir folgen also den heiligen Vätern und lehren alle einmütig, einen und denselben Sohn zu bekennen, unseren Herrn Jesus Christus. Derselbe ist vollkommen in der Gottheit und derselbe vollkommen in der Menschheit, derselbe wirklich Gott und wirklich Mensch aus einer vernünftigen Seele und einem Körper. Er ist vom Vater wesensgleich nach der Gottheit und derselbe uns wesensgleich nach der Menschheit, in jeder Hinsicht uns ähnlich, ausgenommen die Sünde. Vor aller Zeit wurde er aus dem Vater der Gottheit nach gezeugt, in den letzten Tagen aber wurde derselbe um unseret- und unseres Heiles willen aus der Jungfrau und Gottesgebärerin Maria der Menschheit nach geboren. Wir bekennen einen und denselben Christus, den Sohn, den Herrn, den Einziggeborenen, der in zwei Naturen, unvermischt, ungewandelt, ungetrennt, ungesondert geoffenbart ist. Keineswegs wird der Unterschied der Naturen durch die Einigung aufgehoben, vielmehr wird die Eigenart jeder Natur bewahrt, und beide vereinigen sich zu einer Person und einer Hypostase. Wir bekennen nicht einen in zwei Personen gespaltenen oder getrennten, sondern einen und denselben einziggeborenen Sohn, den göttlichen Logos, den Herrn Jesus Christus, wie vorzeiten die Propheten über ihn und Jesus selbst uns unterwiesen haben und wie es das Glaubensbekenntnis der Väter uns überliefert hat.“

    Die syrische Kirche konnte mit dem Chalcedonense nicht konform gehen und erkannte nur das Nicänum an. Später ging auch die ägyptische Kirche den Weg des Monophysitismus. Auch hier wollte man nicht über das Bekenntnis von 381 hinausgehen. Hauptgedanke dieser Kirchen blieb, dass in der Trinität nichts Geschaffenes vorhanden sein kann (weil Gott unwandelbar ist). Deshalb konnte sich die Natur des Logos bei der Menschwerdung nicht ändern. Der Logos durchdringt den Menschen Jesus so stark, dass radikale Denker nicht mehr von zwei Naturen sprechen wollten. Ja, der Logos war Mensch geworden, ohne den Vater zu verlassen, er hatte nur zusätzlich vom Menschen Besitz ergriffen. So konnte sich der monophysitisch denkende Christ auch ganz von Christus umfangen fühlen, eine Mystik war möglich, die in der emotionalen Fülle des Augenblicks das Vereinigtsein mit Christus erleben konnte. Jesus ist als Mensch mit uns wesenseins, als Logos mit dem Vater wesenseins. Die Jahre nach Chalcedon zeigten, dass der Riss zwischen Ost und West nicht mehr überbrückbar war.


    Vertiefung

    1. Welche Vorteile hat die Glaubensfreiheit heute? Gibt es auch Nachteile?

    2. Wie sollte nach Ihrer Meinung das Verhältnis von Kirche und Staat geregelt sein?

    3. Bewerten Sie die Konsequenzen der Entscheidung in der Donatistenfrage für die weitere Entwicklung der Kirche in Nordwestafrika.

    4. Versuchen Sie, die Abbildung 31 auszuwerten. Sind theologische Fragen nach der Dreieinigkeit notwendig? Was ist ihre persönliche Meinung? Wie würden Sie einem Nichtchristen den christlichen Gott erklären?

    5. Wie weit darf menschliches Fragen nach dem „Geheimnis Gottes“ gehen?

    6. Das Bekenntnis von Chalcedon – hilfreich oder schwammig? Was ist Ihre Meinung?

    7. Wer ist Jesus Christus für Sie? Beschreiben Sie Ihr Grundverständnis mit eigenen Worten

    F Verfolgung von Christen: Warum hat dieses Thema durch 2000 Jahre nicht an Aktualität verloren? (F)

    K Welche Gruppen verneinen heute, dass Jesus wahrer Gott und wahrer Mensch ist? (K)

    Die nachapostolischen Väter und Apologeten


    Die Generation der nachapostolischen Väter mit den besonderen Herausforderungen, denen sie gegenüberstanden. Die Arbeit der Apologeten.

    Lernziele

    1. Sie lernen die wichtigsten nachapostolischen Väter und ihre theologische Arbeit kennen.

    2. Aus der Defensive in die Offensive: Sie lernen die Arbeit der Apologeten verstehen.

    3. Herausforderungen durch Kulte und Philosophie: Sie lernen die wichtigsten Irrlehren in der Anfangszeit der christlichen Kirche kennen.

    Die nachapostolischen Väter und die Apologeten

    Die nachapostolischen Väter

    Die Zeit vom Ende des 1. bis zur Mitte des 2. Jahrhunderts bezeichnet man als die „Zeit der nachapostolischen bzw. frühkatholischen Väter“. In dieser Phase vollzog sich der Übergang des Christentums aus der jüdischen in die griechisch-römische Welt. Die Apostel waren gestorben, der Tempel in Jerusalem zerstört, aber die Kraft der christlichen Gemeinde ungebrochen. Allerdings lässt sich auch schon in dieser frühen Phase feststellen, dass an manchen Punkten die Akzente verschoben wurden. Diese Verschiebungen zu entdecken, ist unsere nächste Aufgabe. Wir gehen einige wichtige Schriften aus dieser Zeit durch und analysieren den Inhalt. So können wir die theologischen Streitfragen erkennen und aus den gegebenen Antworten Rückschlüsse auf die Entwicklung die Theologie der frühkatholischen Väter ziehen. Für ein vertiefendes Studium empfiehlt sich „Gestalten der Kirchengeschichte“ von Martin Greschat (Hrsg.).

    Wir beginnen mit dem Bischof Clemens von Rom. Von ihm ist ein Brief an die Gemeinde in Korinth bekannt (1. Clemensbrief), der vermutlich im Jahr 95 verfasst wurde (der 2. Clemensbrief um 150). Gemeindestreitigkeiten hatten zu Problemen geführt und die Gemeinde ernsthaft gefährdet. Seine geistliche Überzeugung war, dass Gott ein Gott der Ordnung ist. Deshalb rief er die Gemeinde zur Ordnung: „Ordnet euch unter, legt ab den prahlerischen und stolzen Eigensinn eurer Zunge!“ Manche Historiker bezeichnen diesen Brief als frühestes Dokument des römischen Papsttums, davon kann allerdings am Ende des ersten Jahrhunderts noch keine Rede sein. Übrigens weist der Clemensbrief auch darauf hin, dass der Apostel Paulus Spanien erreicht habe. Dieser Sachverhalt ist aber umstritten. Unbestritten hingegen ist, dass Paulus in Rom als Märtyrer starb.

    Ignatius, der zweite Bischof von Antiochien, schrieb um 110 n. Chr. auf seinem Abtransport nach Rom sieben Briefe an Gemeinden in Kleinasien und an die Gemeinde in Rom. Ignatius steht gewissermaßen als Bindeglied zwischen der Apostelzeit und der frühkatholischen Phase (so nennt man den Abschnitt der Kirchengeschichte, in dem die Umrisse der späteren römisch-katholischen Kirche deutlicher sichtbar werden). Er betrachtete Jesus als den Geist Gottes. Ignatius berichtete von Wirkungen des Heiligen Geistes und betonte die Notwendigkeit des Gehorsams gegenüber dem Vorsteher (Bischof) der Gemeinde, in dem sich das Verhältnis zu Christus ausdrückt. Das Abendmahl verstand Ignatius als „Medizin zur Unsterblichkeit für den einzelnen Gläubigen“, die Taufe fand in seinen Schriften wenig Beachtung. Die Sehnsucht nach ganzer Erlösung und Einheit mit Christus, ließ das Martyrium für ihn wünschenswert scheinen, obwohl ein Vorgeschmack der Erlösung schon hier auf dieser Erde möglich ist.

    Bischof Polykarp von Smyrna, 155 hingerichtet, war bei seinem Tod 86 Jahre alt, hatte also in seiner Jugend noch direkten Kontakt zur Apostelgeneration. Durch Polykarp bekommen wir u. a. Einblick in die Auseinandersetzung in der Frage nach dem richtigen Ostertermin. Die Gemeinden Kleinasiens feierten die Auferstehung „nach der Sitte der Apostel“, also getreu dem jüdischen Kalender am Passahfest (14. Nisan) unabhängig vom Wochentag. Die westlichen Gemeinden feierten mit der Gemeinde in Rom das Fest erst am darauf folgenden Sonntag. Polykarp hielt an seiner Version fest, was jedoch damals noch nicht zum Streit führte. 40 Jahre später kam es darüber zur Auseinandersetzung, die erst 325 beigelegt wurde. Auf dem Konzil von Nicäa einigte man sich auf die heutige Variante: Ostern ist am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond nach dem 21. März. Außerdem verbreitete Polykarp die Briefe von Ignatius und fügte eigene Briefe hinzu, wobei nur sein Brief an die Philipper erhalten blieb (nicht zu verwechseln mit dem Brief von Paulus an die Christen in Philippi). Er ermahnte darin zum rechten Glauben und zitierte zahlreiche Paulusstellen, die für ihn autoritatives Gotteswort waren.

    Aus der nachapostolischen Zeit sind weitere Schriften bekannt:

    Im Barnabas-Brief (um 130, 21 Kapitel, Verfasser: unbekannt), einer außerbiblischen theologischen Abhandlung, wurde die allegorische (sinnbildliche) Auslegung des Alten Testaments vertreten. Die Christen wurden aufgefordert, mit den Juden zu brechen, da die Juden des Alten Bundes nicht würdig seien. Vermutlich ist der Autor unter ägyptischen Christen zu suchen, die damals der Allegorese zuneigten. Die Weltgeschichte gliederte er in sechs Jahrtausende. Mit der sichtbaren Herrschaft von Jesus auf der Erde beginnt für ihn das siebte Jahrtausend (analog zum 7. Tag der Schöpfung). Das 1000-jährige Reich findet demnach auf der Erde statt.

    Auf Visionen beruht der „Der Hirte“, eine apokryphe Schrift von Hermas, einem römischen Christen, der um 140 n. Chr. wirkte. Der Inhalt wandte sich an Christen und rief sie zur wahren Buße vor der Wiederkunft Jesu auf (zur Vergebung und Kraftbegabung). Nach der Taufe müssen seiner Auffassung nach Christen heilig leben. Nur ein einziges Mal werde in der Taufe Vergebung gewährt. Allerdings wird dann zwischen bewusster und unbewusster Sünde unterschieden. „Sünde“ gilt als Zustand der Blindheit bzw. Knechtschaft. Wenn Christus wiederkommt, richtet er u. a. die Kirche.

    Von Papias, Bischof von Hierapolis (erste Hälfte des 2. Jh.), sind Briefteile aufgetaucht, die Auslegungen von Jesusworten enthalten. Der Historiker Eusebius von Caesarea zitierte daraus (S. 188 ff.):

    „Markus hat die Worte und Taten des Herrn, an die er sich als Dolmetscher des Petrus erinnerte, genau, allerdings nicht ordnungsgemäß, aufgeschrieben. Denn er hatte den Herrn nicht gehört oder begleitet; wohl aber folgte er später, wie gesagt, dem Petrus, welcher seine Lehrvorträge nach den Bedürfnissen einrichtete, nicht aber so, dass er eine zusammenhängende Darstellung der Reden des Herrn gegeben hätte.“

    Von Matthäus berichtete Papias:

    „Matthäus hat in hebräischer Sprache die Reden zusammengestellt. Ein jeder übersetzte dieselben, so gut er konnte.“

    Papias zählt zu jenen, die noch direkt Kontakt zu den Aposteln gehabt haben. Später bezog sich Irenäus auf Papias und Polykarp, um zu zeigen, dass durch den Kontakt zu ihnen eine geradlinige Überlieferung zu ihm gekommen sei. Manche Historiker bezweifeln jedoch diese Aussage.

    Eine alte Kirchenordnung, die Didache (auch „Zwölf-Apostel-Lehre“ genannt, ca. 80-120 n. Chr.), empfahl z. B., die Taufe in fließendem, kaltem Wasser durchzuführen. Vor der Taufe sollten Täufer und Täufling fasten (1-2 Tage). Am Abendmahl durften nur die Getauften teilnehmen. Älteste (Bischöfe) und Diakone sollten gewählt werden, weil sie den Dienst der Propheten und Lehrer versehen (Didache, Hrsg. N. Brox u.a., Freiburg 1991, Bd. 1, S. 119).

    Die theologischen Schwerpunkte dieser Zeit lassen sich in folgenden Punkten zusammenfassen:

    • Jesus blieb die oberste Autorität mit der Betonung, dass er Sohn Davids und Sohn Gottes ist, durch Auferstehung als Kyrios erwiesen. Christus ist der Offenbarer wahrer Sittlichkeit und Weltenrichter, seine Ethik ist die Freiheit vom jüdischen Zeremonialgesetz. Aber die Praxis des christlichen Lebens erhielt neue Akzente:

    • Die Christen achteten auf eine klare Ethik, aber sie kippten allmählich auf die Seite der Gesetzlichkeit. Man sprach immer noch von der Gnade Gottes, aber diese Gnade umfasste nicht mehr das ganze Leben.

    • Gnade konzentrierte sich auf die Taufe, die als Bad der Wiedergeburt verstanden wurde, das von Sünde reinigt. Danach musste der Christ nach den Geboten leben. Von der Gemeinde in Rom ist bekannt, dass sie unter der Last des Gesetzes litt. Viele hielten die vollkommene Heiligung nicht durch.

    • Das Abendmahl erhielt ebenfalls eine neue Akzentuierung. Ignatius sah darin das Mittel, um das Heil der Unsterblichkeit zu erlangen. Das Abendmahl empfahl er zum häufigen Gebrauch, die Kräfte Satans würden dadurch zerstört. Da lag es natürlich nahe, die Kirche bzw. den Abendmahlstisch als Opferplatz zu bezeichnen. Aus dem Dankeszeichen des Abendmahls wurde so ein Instrument des Einwirkens auf Gott und ein (magisch) wirksames Mittel.

    • Eine weitere Verschiebung betraf das Bischofsamt. Bei Ignatius war ein Abendmahl nur noch dann „gültig“, wenn der Bischof anwesend war. Der Bischof wurde zum Monarchen der Gemeinde, dem Gehorsam zu leisten war. Gut hundert Jahre später galt dann der Satz: „Wo der Bischof ist, da ist die Kirche!“ Gemeinde war nicht mehr die Gemeinschaft der Erlösten, sondern das Herrschaftsgebiet des Bischofs. Die Bischöfe erhielten mehr und mehr Kompetenz in Lehrfragen und schlossen sich regional in sogenannten Metropolitanverbänden zusammen, die dann wieder einen neuen Chef, den Metropoliten brauchten. Amt und Sukzession traten an die Stelle geistlicher Vollmacht.

    Im Jahr 250 kannte man in Rom eine ganze Stufenleiter kirchlicher Ämter, aufgeteilt in niedrigere (Türsteher, Schriftleser, Exorzist, Kerzenträger, Hilfsdiakon) und höhere Weihen (Diakon, Priester, Bischof).

    Verständlich wird die Gesamtentwicklung zur Bischofskirche auf dem Hintergrund der Bedrängnis. Die Gemeinden brauchten zum Überleben den Schutz und die straffe Führung.

    Das Verhältnis zwischen Juden und Christen entwickelte sich spannungsvoll. Um 90 n. Chr. verfassten jüdische Lehrer den Separatistenfluch im 18-Bitten-Gebet („Den Verleumdern sei keine Hoffnung, und alle Ruchlosen mögen im Augenblick untergehen …“). Jerusalem wurde als christliche Metropole bedeutungslos, andere Gemeinden lebten z. T. mit antijüdischem Bewusstsein. Das Christentum ging in den griechischen Kulturraum über.

    Die Apologeten

    Das Anliegen der Apologeten

    Der Begriff „Apologeten“ wird verwendet, um Theologen zu beschreiben, die den christlichen Glauben mit dem Werkzeug der Logik verteidigen. Die Apologeten wirkten erstmals in der Zeit 150-200 n. Chr. Sie kämpften gegen Verleumdungen durch die heidnische Umwelt, gegen Unterdrückung durch die römische Staatsgewalt und setzten sich mit Anfragen aus dem Judentum auseinander. Meistens waren die Schriften an römische Beamte gerichtet.

    Die Vorwürfe aus der Umwelt waren u. a.:

    • Der christliche Glaube ist unwissenschaftlich, gerade recht für primitive Leute.

    • Die Christen betreiben einen abscheulichen Kult.

    • Christen heiraten Brüder und Schwestern, sie begehen also Inzest.

    • Christen sind Atheisten, sie glauben nicht an einen Gott. Dies zeigt sich darin, dass sie kein Bild von ihm haben.

    • Christen sind eine Gefahr für den Staat, weil sie den Kaiserkult ablehnen.

    Die Apologeten wollten das Christentum als die wahre Philosophie herausstellen. Es sei, so betonten sie, ein vollkommener Ersatz für die griechische Philosophie und für den jüdischen Glauben. Was die Philosophen suchen, könne allein das Christentum geben. Vier „Beweise“ spielten für die Apologeten eine wichtige Rolle:

    1. Der Wunderbeweis: Jesus erweist sich durch seine vollmächtigen Taten als Gott.

    2. Der Weissagungsbeweis: Jesus ist die Erfüllung alttestamentlicher Prophetie.

    3. Der Altersbeweis: Mose ist älter als Homer und alle griechische Weisheit. Alles, was die Philosophen lehrten, hat seine Vorläufer bei den Propheten.

    4. Der praktische Beweis: Christen haben die Wahrheit nicht nur erkannt, sondern sie leben auch danach. Christliches Leben ist erfülltes Leben und zugänglich für alle.

    Die wichtigsten Apologeten

    Quadratus von Athen (gest. 129, Schüler von Paulus und Johannes?) war der erste bekannte christliche Apologet. Er behauptete, einige von Jesus Geheilte selbst getroffen zu haben und verteidigte den Glauben gegenüber Kaiser Hadrian. Seine Schriften gingen zwar verloren, wurden jedoch von Eusebius zitiert.

    Aristides, ein athenischer Philosoph, war zum christlichen Glauben übergetreten. Seine Verteidigungsschrift (Apologie, s. BKV), gerichtet an den Kaiser Antonius Pius (138-161), wurde 1889 im Katharinenkloster am Sinai entdeckt. Aristides unterschied vier Geschlechter: die Barbaren, Griechen, Juden und Christen. Die Barbaren verehrten vergängliche Elemente (Erde, Wasser, Feuer, Sonne, Wind). Die Griechen hatten ihre Götter mit menschlichen Schwächen und Leidenschaften. Die Juden beachteten Engel, Sabbate, Neumonde und andere Äußerlichkeiten. Die Christen dagegen haben seiner Überzeugung nach den wahren Gottesbegriff. Sie haben auch die höchste Ethik.

    Justin („der Märtyrer“ – Abbildung 20), geboren um 100 in Sichem († um 165), war der bedeutendste Apologet des zweiten Jahrhunderts. Sein wichtigstes Werk ist sein Dialog mit dem Juden Tryphon. Er vertiefte sich zunächst in die griechische Philosophie, blieb aber unbefriedigt. Erst als er einem Vertreter des christlichen Glaubens begegnete, fand er die gesuchten Antworten. Er wurde Christ, bewegte sich aber weiterhin unter den Gelehrten.

    In seinen Schriften argumentierte er gegenüber den Behörden mit dem Hinweis, ein Staat könne nur gedeihen, wenn Regierung und Regierte Freunde der Weisheit seien. Die Christen seien keineswegs gottlos, sondern Anhänger des wahren Gottes. Christen seien bereit, Rechenschaft über ihren Glauben abzulegen. Sie seien zudem die besten Verbündeten für den Frieden. Jeder Hass gegen sie sei unbegründet. Für die Wahrheit des christlichen Glaubens argumentierte er mit dem Hinweis auf sein hohes Alter. Moses und die Propheten, die auch schon über Christus lehrten, seien älter als Platon. In der Bibliothek von Antiochien könne man öffentlich nachlesen, dass Christus die Verheißungen des Alten Testaments erfüllt habe.

    Justin verurteilte die Lehren von Platon und anderen Philosophen nicht, er sah sie als Vorläufer von Jesus, die Anteil an seiner Wahrheit haben. Nach Auffassung der Stoiker haben alle Menschen Anteil an der Weltvernunft, dem sogenannten Logos. Also, so folgerte Justin, haben alle Menschen kraft ihrer Vernunft Anteil an Jesus, denn er sei nach dem Johannesevangelium der Logos. In allen Menschen ruhe also der Logos wie ein Samenkorn. Dies zeige sich darin, dass der Mensch auf der Suche nach Wahrheit sei. Insofern sei auch Sokrates ein Vorläufer von Jesus Christus, nur noch kein bewusster Christ. Vor der Geburt Jesu konnte überhaupt keiner zur vollen Wahrheitserkenntnis gelangen. Nun aber müssten alle vernünftigen Menschen Christen werden.

    Exkurs: Eine Schilderung Justins (Erste Apologie, Abschnitt 67) liefert einen Einblick in das gottesdienstliche Leben seiner Zeit: „An dem Tage, den man Sonntag nennt, findet eine Versammlung aller statt, die in Städten oder auf dem Lande wohnen; dabei werden die Denkwürdigkeiten der Apostel (= Evangelien, BT) oder die Schriften der Propheten vorgelesen, solange es angeht (fortlaufende Lesung, BT). Hat der Vorleser aufgehört, so gibt der Vorsteher in einer Ansprache eine Ermahnung und Aufforderung zur Nachahmung all dieses Guten. Darauf erheben wir uns alle zusammen und senden Gebete empor. wenn wir mit dem Gebete zu Ende sind, werden Brot, Wein und Wasser herbeigeholt, der Vorsteher spricht Gebete und Danksagungen mit aller Kraft, und das Volk stimmt ein, indem es das Amen sagt. Darauf findet die Ausspendung statt, jeder erhält seinen Teil von dem Konsekrierten (Geweihtes, BT); den Abwesenden aber wird er durch die Diakonen gebracht. Schließlich legen die Gläubigen Gaben zusammen für Witwen, Waisen und Arme … Teilnahmeberechtigt am Abendmahl ist nur, wer das Reinigungsbad für die Vergebung der Sünden und zur Wiedergeburt empfangen hat (Justin, Erste Apologie, Abschnitt 66).“

    Der Apologet Tatian (auch: „der Assyrer“, † um 170 n. Chr.) verfasste unter anderem zwei wichtige Schrifen: die „Rede an die Hellenen“ und „Diatessaron“ (= Leben von Jesus anhand der vier Evangelien). Er vertrat die Ansicht, der Christenglaube sei der griechischen Philosophie und dem griechischen Götterglauben überlegen, die Vorwürfe wegen Unmoral seien haltlos. Tatian selbst hat 20 Jahre in der Gemeinde Roms gelebt. Dort kam es 172 n. Chr. zum Streit. Als Missionar zog er daraufhin nach Edessa. Irenäus (135-202, Kirchenvater in Lyon) hielt ihn für einen gnostischen Irrlehrer (Contra Haereses, Kap 28,1).

    Athenagoras (tätig in Athen, Bekehrung um 163 n. Chr.) verteidigte Christen (Apologia pro Christiana, München 1913) gegen gängige Vorurteile (Orgien) und machte Kaiser Marc Aurel das Christentum als staatserhaltende Macht schmackhaft. Christentum bedeute Wohlstand und Segen für den römischen Staat. In seinen Schriften finden sich Hinweise auf die Dreieinigkeit (er benutzte das Wort „Trias“).

    Theophilus (von Antiochia, † um 185, bedeutende Schriften: Apologie an Autolycos, Schrift gegen Marcion, katechetische Literatur, Kommentare) legte dar, dass der christliche Glaube älter sei als die griechische Philosophie.

    Weitere Apologeten waren zum Beispiel Hermias (lt. Bibliothek der Kirchenväter um 200), der in seinem Werk „Gentilium philosophorum irrisio“ die nicht-christlichen Philosophen kritisierte, indem er auf ihre Widersprüche hinwies. Minutius Felix (um 200) schildert in „Octavius“ (Frühchristliche Apologeten, Bd. 2, München 1913, in BKV) einen Dialog zweier Freunde, die unter allen damals möglichen Religionen die „wahre“ im Christentum finden.

    Die Zeit der Apologeten lässt sich folgendermaßen zusammenfassen:

    Die Arbeit der Apologeten war wertvoll, aber sie stand in der Gefahr, den Denkrahmen der Philosophen und Christus-Kritiker zu übernehmen. Christus wurde mit der Logos-Lehre (Logos = Weltvernunft) identifiziert und als Lehrer der Gotteserkenntnis verstanden. Heil wurde intellektuell, weniger im Sinn der Rechtfertigungslehre des Paulus definiert. Der Glaube wurde so zu einer intellektuellen und moralischen Sache, die Botschaft vom Gekreuzigten verblasste zugunsten von Jesus, dem Lehrer und Philosophen.

    Herausforderungen durch Kulte und Philosophie und die Antwort der christlichen Gemeinde

    Nicht nur der politische Druck machte den christlichen Gemeinden zu schaffen. Zusätzliche Verunsicherungen entstanden durch die Konzepte fremder Lehren und philosophischer Überlegungen. In besonderer Weise waren die Gemeinden Kleinasiens durch philosophische Konzepte herausgefordert. Dabei bestand die Gefahr, Evangelium und philosophische Spekulationen zu einer gesellschaftlich akzeptablen Mischung zu verschmelzen und dabei die Botschaft vom gekreuzigten Erlöser abzuschwächen. Für die Gemeinden war zu klären, ob die fremde Lehre noch mit dem apostolischen Evangelium übereinstimmte oder als Irrlehre abzulehnen war. Nachfolgend die wichtigsten Bewegungen, mit denen sich die Gemeinden in der Anfangszeit auseinandersetzen mussten. Erstaunlich ist, dass die Auseinandersetzung mit Irrlehren so früh einsetzte.

    Wichtige Kulte und Irrlehren in nachapostolischer Zeit

    Die Gnosis

    Der griechische Begriff „Gnosis“ meint zunächst „Erkenntnis“, später wurde er als Bezeichnung für eine religiöse Bewegung verwendet. Als Name für eine religiöse Grundströmung eignete sich der Begriff, weil die Vertreter dieser Bewegung davon überzeugt waren, dass sie die wahre Erkenntnis (das Wahre/Absolute im Sinn von persönlichem Erfahrungswissen) gefunden hätten. Der Gnostizismus war beeinflusst vom griechischen Philosophen Platon. Für Platon war die geistliche Welt getrennt und allem Materiellen weit überlegen, die menschliche Seele war gefangen im Körper. Die gnostische Frömmigkeit nahm außerdem intuitive Elemente auf, indem sie das persönliche religiöse Erlebnis betonte. Frauen waren in der entsprechenden Glaubenspraxis und Theologie gleich wichtig wie die Männer.

    Vorteil der Gnosis im Vielerlei des griechisch-römischen Götterhimmels war ihre integrative Grundausrichtung, weil sie alle Religionen als Echo auf die absolute Wahrheit verstand und wenig eigene Festlegungen brauchte. In der Begegnung mit dem neu entstehenden Christentum lautete die Herausforderung an Christen etwa so: „Euer Glaube ist nicht schlecht. Schön, dass ihr auch unterwegs seid auf der Suche nach dem Göttlichen, das verbindet uns. Aber die Idee mit dem stellvertretend getöteten Jesus passt nicht so recht. Wir führen euch auch ohne die Sache mit dem Kreuz weiter in ein wirklich erlebtes, höheres und beglückendes Leben individueller Spiritualität – egal, ob Mann oder Frau. Jeder fühlt selbst, was ihm gut tut. Der wahre Glaube steckt schon im Menschen, dazu braucht man keine Dogmen und keine Kirche. Kurz: Die gnostische Kirche ist die wirklich geistliche Kirche, die Jesus eigentlich gemeint hat.“

    Jeder wichtige gnostische Lehrer hatte seine eigene Speziallehre. Gemeinsam gingen sie davon aus, dass alle Religionen der Welt nichts anderes sind als das Echo auf die eine große Wahrheit.

    Basilides (125-155) war der früheste alexandrinische Gnostiker, den wir kennen. Seine Werke sind nur in kritischer Verarbeitung bei seinen Gegnern erhalten. Basilides war überzeugt, er sei Teil einer geheimen Tradition, die zurückgehe auf Petrus oder Matthäus. Gott sei so grundsätzlich verschieden von Menschen, dass man gar nichts über ihn aussagen könne. Gott schuf die „Mächte“, wie z. B. den Verstand und das Wort, die wiederum erschufen die Engel, diese schufen den ersten Himmel. Weitere Mächte erschufen den zweiten Himmel. Unsere Erde sei das Werk der niedrigsten Kräfte und bildet die Welt Nr. 365. Durch „magische Sprüche“ glaubten Gnostiker, diese Welten durchdringen zu können und Zugang zu Gott bzw. zum Göttlichen zu bekommen. Basilides verfasste in Ägypten einen 24-bändigen Evangelien-Kommentar, wobei er sich auf eine Geheimlehre berief, die Jesus vor seiner Himmelfahrt dem Apostel Matthias anvertraut habe. Am Kreuz sei seiner Überzeugung nach nicht Jesus, sondern Simon von Kyrene gestorben.

    Valentinus (100-160) war der berühmteste Gnostiker in Alexandria. Auch er glaubte sich in der Spur einer geheimen Tradition, die zurückgehe auf Theudas, einen Schüler von Paulus. Zu dieser geheimen Tradition gehörten mystische Erfahrungen. Valentinus behauptete, ein neugeborenes Kind in einer Erscheinung gesehen zu haben, das ihm erklärte, es sei „der Logos“. Daraufhin habe es ihm die Geheimnisse des gnostischen Erkenntniswegs dargelegt. Alle menschlichen Analogien zu Gott verwarf Valentinus. Für ihn war Gott „der Abgrund bzw. die Tiefe“ (Bythos). Diese Tiefe erzeugte Stille, die dann seine Braut wurde. Gemeinsam entstand aus ihnen der Verstand/das Denken. Stille brachte Erkenntnis aus den Tiefen des Unterbewusstseins hervor. So entstanden 28 Geistwesen, Äonen genannt. Das jüngste dieser Wesen war Sophia (die personifizierte Weisheit). Weil Sophia direktes Wissen aus der Tiefe haben wollte, was ihr eigentlich verwehrt war, wurde sie zur Mutter von formlosen Monstern bzw. der Materie. Sie wurde aus der himmlischen Gemeinschaft wegen ihres gefallenen Wesens ausgeschlossen und später ergänzt durch Christus und den Heiligen Geist. Die materielle Welt, alle Menschen und der Demiurg (Weltschöpfer) entstanden aus Sophia. Diese Wesen wussten nichts mehr von der Welt der geistigen Wesen. Sie waren gefangen in der sichtbaren Welt.

    Valentin entfaltete seine Lehrtätigkeit um 135 n. Chr. ebenfalls in Ägypten und lehrte während 20 Jahren u. a. auch in Rom. Sein „Evangelium der Wahrheit“ ist erhalten geblieben. Darin übernahm er die Ansicht, die Menschheit bestehe aus drei Klassen: 1. Hyliker (verlorene Weltmenschen), 2. Psychiker (große Masse der Christen mit niedriger Stufe der Erlösung) und 3. Pneumatiker (= wahre Christen). Man kann sich gut vorstellen, welche Probleme diese Grundhaltung im Gemeindealltag schuf.

    War die Gnosis zunächst an spezielle Lehrer gebunden, so entwickelte sich später eine schriftlich fixierte allgemeine Lehre mit folgendem Inhalt (s. Abbildung 21): Die Welt kann nur eine Mischung von Licht und Finsternis sein. Der Mensch weiß sich darin eingeschlossen, indem er Sehnsucht nach Liebe und Licht in sich spürt und zugleich (manchmal schmerzhaft) das Dunkel dieser Welt erlebt. Alles muss einen guten Anfang gehabt haben – das Reich des Lichts. Im Lichtreich wohnt der wahre Gott des Lichts und der Liebe, der Erlösergott, das sogenannte Pleroma (griech.: Fülle). Aus diesem Lichtgott stammen alle anderen Wesen wie Engel und Seelen, sie sind seine Emanationen (griech.: Ausflüsse).

    Durch Rebellion oder Ungehorsam von Engeln bzw. Geistwesen kam es nach dieser Überzeugung zu einer Gegenwelt des Bösen und zur Entstehung der Welt. Die Welt ist nicht die ursprüngliche Lichtwelt, sondern Schöpfung eines gefallenen Engels (= Demiurg, den manche Gnostiker mit JehovaJahwe aus dem Alten Testament gleichsetzten). Das Grundübel menschlichen Daseins besteht darin, dass der Geist, ein Bestandteil der himmlischen Lichtwelt, im „Gefängnis“ des Leibes ist. Erlösung bedeutet demnach die Rückkehr der gefangenen Lichtwesen in die himmlische Heimat. Aber die Herauslösung des Lichts aus der Materie ist ein langer Prozess, denn „Mächte der Finsternis“ halten die Lichter in ihrer Gewalt. Schritte der Befreiung können durch spirituelle Erfahrung (z. B. vermittelt in kultischen Feiern) gewonnen werden, echte Erlösung kommt durch allmähliches Verstehen wahrer Weisheit. Dieser Prozess verläuft von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Einige Menschen sind Pneumatiker, wahre Geistmenschen. Nur die Pneumatiker können das Göttliche erleben und haben die Fähigkeit zu wahrer Erkenntnis. Die höchste Stufe der in dieser Welt möglichen Befreiung bildet die Ekstase, der zeitweilige Austritt der Seele aus dem Körper. Endgültige Erlösung bringt erst der Tod. Leibliche Auferstehung war in der Gnosis unerwünscht.

    Eine verchristlichte Gnosis, die sich aus der Begegnung von Anhängern der Gnosis mit Christen entwickelte, konnte aus Christus die größte Emanation des Pleroma machen, der die Menschen an ihre Herkunft erinnert. Der „christliche“ Gnostiker Cerinth behauptete (1. Jh. n. Chr.), der Weltschöpfer sei nicht der höchste Gott, sondern ein Engelwesen (Demiurg). Jesus sei nicht Sohn Gottes, sondern gewöhnlicher Mensch, nur gerechter und weiser. Bei der Taufe sei der Geist auf ihn herabgekommen, worauf Jesus Wunder getan und den unbekannten Gott verkündet habe. Der (leidensunfähige) Christus-Geist habe sich dann wieder von Jesus getrennt. Jesus habe gelitten und sei danach auferstanden. Zentren christlicher Gnosis entstanden in Syrien, Ägypten, später auch in Rom.

    In angepasster Form konnte die Gnosis auf Gemeindeebene zur Ablehnung der Ehe und zum Verbot von Fleisch- und Weingenuss führen. Wegen der Geringschätzung des Materiellen zog sich das zur Gnosis neigende Christentum gelegentlich ganz aus der Weltverantwortung zurück. Gnostiker konnten aber auch als „erlöste Geistesmenschen“ den sogenannten „Libertinismus“ (Denkrichtung, die keine Regeln akzeptiert) lehren und in völliger moralischer Freiheit leben. Jesus Christus hatte im System der Gnostiker keinen wirklichen Leib, sondern nur einen Scheinkörper. Er rief einige Pneumatiker in seine Nachfolge, stiftete die reinigenden Rituale (Taufe und Abendmahl) und bahnte für die Seinen einen Weg zurück zum Licht. Jesus war aber nicht der menschgewordene Gott, nicht das Lamm, das die Sünde der Welt trug (vgl. 1 Kor 1,20-23; 1. Joh 4,20-21).

    Schwierig für die Gemeinden war, dass es in manchen Punkten Überschneidungen zwischen Evangelium und Gnosis gab und christliche Gnostiker die gleichen Vokabeln benutzten, sie jedoch anders füllten. In manchen Gemeinden bildeten sich zwei Klassen, die „einfachen“ Christen und die „erleuchteten“, die den Durchblick hatten. Die gnostischen Schriftsteller scheuten sich nicht, für ihre Ansichten Apostelnamen zu gebrauchen und setzten eine Flut von Literatur unter dem Namen von Petrus, Paulus etc. in Umlauf, wie die im Dezember 1945 entdeckte Bibliothek von Nag Hammadi (Ägypten) zeigt (z. B.: Ägypter-, Ebioniäer-, Hebräer-, Nazoräer-, Thomas-, Petrus-, Philippus- und Thomasevangelium, Jakobus- und Petrusapokalypse).

    Die Auseinandersetzung mit der Gnosis wurde zum mühsamen Kampf, der erst entschieden werden konnte, als klar war, was echte Apostelschrift und Evangelium war.

    Zusammenfassung der Grundüberzeugungen der Gnosis:

    • Gnostizismus lehnt den biblischen Schöpfungsglauben ab. Materielles stammt nicht aus der Hand Gottes. Das Alte Testament und definierter Dogmenglaube werden verurteilt.

    • Der Mensch braucht keine Erlösung von Schuld und keinen gekreuzigten Erlöser, sondern Erkenntnis und Befreiung auf einem individuellen spirituellen Weg.

    • Jesus ist nur einer von mehreren Propheten, die Erkenntnis bringen.

    Der Marcionismus

    Marcion (ca. 85-160), reicher Reeder und Sohn des Gemeindeleiters der christlichen Gemeinde von Sinope, wurde wohl vom eigenen Vater aus der Gemeinde in Sinope ausgeschlossen. Danach zog er nach Rom und lebte dort längere Zeit zurückgezogen, bis er eines Tages seine Lehre den Leitern der Gemeinde vorstellte und zur Annahme empfahl. Marcion lehnte das Alte Testament als überholt ab, weil er der Überzeugung war, der Gott des Alten Testaments sei ein ganz anderer als der Vater von Jesus Christus. Wenn Christus „das Ende des Gesetzes“ (Galater 3,23-25) sei, dann müsse das Alte Testament und Judentum als überwunden betrachtet werden. Gesetz und Evangelium passten nach Marcions Meinung nicht zusammen. Schon im Schöpfungsbericht werde deutlich, wie unvollkommen der „jüdische“ Gott sei, die Existenz des Menschen sei ein Bild des Jammers. Der (böse) Schöpfergott halte die Welt nur durch Drohungen (alttestamentliche Gesetze) zusammen – bis Jesus den ewig guten Gott (also ein ganz anderer als JehovaJahwe) auf der Erde bekannt machte, dafür vom jüdischen Gott und seinen Anhängern ans Kreuz gebracht wurde. Dadurch wurde Christus aber nicht beseitigt. Sein Tod wirkte als Freikauf, indem Christus den vom (bösen) Schöpfergott verfluchten Tod starb.

    Erlöst werde der Mensch durch das Vertrauen in Jesus. Solange der Mensch in der Materie gefangen sei (die als wertlos gilt, vgl. Gnosis), gelte es, manchen Schmerz auszuhalten, u. a. den Widerstand der Anhänger des Schöpfergottes. Jesus könne unmöglich ein wirklicher Mensch gewesen sein, seine äußere Erscheinung war nur scheinbar. Diese Überzeugung wird Doketismus genannt, von griech. „dokeo“ (scheinen). Nur Paulus habe – wenigstens einigermaßen – verstanden, was Christus gewollt hatte. Vom Neuen Testament akzeptierte Marcion nur einen Teil (Teile von Lukas und zehn Paulusbriefe), das Alte Testament „reinigte“ er von allem, was an den Schöpfergott erinnert.

    Marcion lebte damit einen tiefen Antisemitismus und eine Form der Selbsterlösung. Zunächst versuchte Marcion, in Rom Anhänger zu finden. Als wohlhabender Mann konnte er große Beträge (nach heutigem Wert: 200.000 Euro) spenden. Die römische Gemeinde schloss ihn aber aus (144 n. Chr.) und gab seine Spende zurück. Daraufhin zog er es vor, einen eigenen Gemeindeverband zu gründen. Diese Gemeinden erlebten stürmisches Wachstum bis ins 3. Jh. Bis zum 6. Jh. hielten sich Marcionisten. Marcion forderte die christliche Gemeinde heraus: Sie musste klar Stellung beziehen und dabei begründen, woher und wie sie verbindliche Aussagen machen kann, ob sie Marcions Trennung von Schöpfer und Erlöser akzeptieren und wie sie die Frage nach dem Sinn der Leiblichkeit und Menschlichkeit von Jesus beantworten würde. Die christliche Gesamtkirche verurteilte Marcion als Irrlerhrer und hielt daran fest, dass Altes und Neues Testament zusammengehören. Der

    Manichäismus

    Der Manichäismus ist benannt nach seinem Stifter Mani (216-276, Babylonien), dessen Anhänger Manichäer genannt werden. Er wuchs in einer judenchristlichen Täufergemeinde auf. Mit zwölf Jahren erhielt er eine erste Offenbarung, der mit 24 Jahren eine weitere entscheidende Offenbarung folgte. Aufgrund dieser Offenbarung trennte er sich von seiner bisherigen Gemeinde und begann eine eigene Kirche zu gründen. Zu den wichtigen Werken Manis gehören das große Evangelium des Mani, der Schatz des Lebens, die Pragmateia, das Buch der Mysterien, das Buch der Giganten und Briefe in koptischer Sprache.

    Mani (s. Abbildung 22) behauptete, ein Gesandter Gottes zu sein und das wahre Christentum zu lehren (242 n. Chr.). Seine Lehre verstand sich als die Lehre von den zwei Prinzipien und den drei Zeiten. Die zwei Prinzipien sind Licht und Finsternis, Gut und Böse, Geist und Materie. Lichtreich und Finsternis waren ursprünglich strikt getrennt. Die drei Zeiten verstand er so: Unsere jetzige Welt ist eine Vermischung. Diverse Lichtgestalten (u. a. Jesus) bringen den Menschen die Botschaft ihres göttlichen Ursprungs und ziehen sie damit auf den Weg der Erlösung, was die allmähliche Befreiung von der Vermischung bedeutet. Am Ende der Zeit kommt es zum Kampf. Jesus erscheint als Richter auf der Erde und trennt die Guten von den Bösen. Auch im Kosmos kommt es danach zur Trennung von Licht und Finsternis, wobei die Erlösten ins Lichtreich eingehen. Die Mächte der Finsternis bleiben sich selbst überlassen. Innerhalb christlicher Gemeinden traten Manichäer als Reformer auf, die alle Lauheit überwinden wollten. Besonders in China, Indien, Persien und Syrien, aber auch Oberägypten und Nordafrika fand der Manichäismus fruchtbaren Boden.

    Die allgemeine Kirche hat den Manichäismus verurteilt und im 6. Jh. n. Chr. aus dem römischen Reich vertrieben. Eusebius (Theologe in Caesarea, † 340) schreibt: „Seine lügnerischen und gottlosen Lehren … stückte er aus zahllosen, längst erloschenen gottlosen Häresien zusammen und übertrug sie wie ein todbringendes Gift vom Perserland auf das unsere“ (VII, 31,2; Übers. v. Ph. Haeuser/H.A. Gärtner, zit. in Lexikon für Theologie und Kirche S. 1267).

    Der Montanismus

    Um 150 n. Chr. war die Zeit der Urgemeinde endgültig vorbei. Das von der ersten Christengeneration täglich erwartete Weltende war nicht gekommen. Hermas (Bruder des Bischofs Pius I. von Rom, Mitte 2. Jh. n. Chr.) hatte noch gelehrt, dass Gott die Wiederkunft von Jesus aufgeschoben habe, um die Chance einer zweiten Buße zu geben. Langsam setzte sich der Gedanke durch, die Wiederkunft und das Gericht komme nach einer unbestimmten Frist. Man lebte nicht mehr so, als ob jeder Tag der letzte sei, sondern richtete es sich behaglich ein.

    Das hatte Folgen für die praktische Lebensgestaltung und das Gemeindeleben. Damit wollten sich nicht alle Christen abfinden. Im Jahr 156 trat in Kleinasien Montanus auf, ein zum Christentum bekehrter Priester des Kybele-Kultes (ab 6. Jh. v. Chr. verbreiteter Geheimkult um die „Mutter der Götter“). Er verkündete, aus ihm spräche der Geist Gottes. Die Prophetinnen Maximilla und Priscilla schlossen sich ihm an und verkündeten mit ihm, das himmlische Jerusalem stehe in Pepuza unmittelbar bevor. Die Montanisten forderten – als vom Geist Gottes Erleuchtete – angesichts dieser Dringlichkeit entschiedene Christen auf, ihre Ehen aufzulösen und mit Buße und Fasten den Herrn zu erwarten.

    Als charismatische Heiligungsbewegung verbreiteten sich die Montanisten rasch. Sie wurden in ihrer Hauptlehre von den restlichen Christen zunächst nicht als Irrlehrer betrachtet. Das Warten auf ein baldiges Weltende verzögerte sich jedoch. Als auch die letzte Prophetin Maximilla 179 n. Chr. starb und die Wiederkunft von Jesus immer noch ausstand, folgte der langsame Zusammenbruch der Bewegung. Allerdings hielten sich in den Gemeinden noch über längere Zeit montanistische Gruppen. Ekstatisches Reden, prophetische Bußpredigten, Gesetzlichkeit und regelmäßiges Fasten standen im Mittelpunkt ihrer Frömmigkeit. Montanisten fielen auf durch strenge Gemeindezucht, was sie besonders gegen Ende des zweiten Jahrhunderts attraktiv machte. Tertullian (Kirchenvater und Theologe in Karthago, † 220 n. Chr.) trat aus Protest gegen die nach seiner Ansicht inkonsequente Gemeinde zum Montanismus über, kehrte jedoch kurz vor seinem Tod zur Mehrheitskirche zurück.

    Im 4. Jahrhundert wurde der Montanismus verboten, sämtliche Bücher wurden vernichtet. Die Ablehnung des Montanismus fiel den Christen schwer, da der Montanismus das Alte Testament nicht ablehnte, die Gottheit Jesu nicht bezweifelte und in ethischen Fragen durchaus christlich war. Manche Kirchengeschichtler sehen in den Montanisten eine charismatische Bewegung, die das wahre Erbe der ersten Christen bewahrte.

    Die Abbildung 23 zeigt die zeitliche Einordnung von Verfolgungswellen und Herausforderung durch Kulte und Philosophie.

    Vertiefung

    1. Werden heute noch Apologeten gebraucht? Begründen Sie Ihre Meinung.

    2. Beschreiben Sie die Merkmale des Gnostizismus in Stichworten. Wo gibt es Schnittmengen mit dem Evangelium? Wo liegen die Unterschiede?

    3. Gibt es „Gnostizismus“ in abgewandelter Form auch heute? Wenn ja, wo findet man ihn und wie sollte man damit umgehen?

    4. Was war das „Sympathische“, was das „Gefährliche“ an Marcion? Gibt es ähnliche Auseinandersetzungen auch heute in der christlichen Kirche?

    5. Welche Schlussfolgerungen lassen sich aus dem Montanismus ziehen?

    6. Werten Sie die Grafik „Entwicklung der Kirche … 0-400“ aus und prägen sich die Hauptereignisse auf der Zeitachse ein.

    F Welchen lehrmäßigen und ethischen Herausforderungen sieht sich die Kirche/Gemeinde heute gegenüber? (F)

    K Welche Verschiebungen im Vergleich zwischen „Anfangszeit“ und „Nachapostolischer Zeit“ lassen sich feststellen? Welche Gründe gibt es für diese Veränderungen? Wie kann man die Verschiebungen aus heutiger Sicht bewerten? (K)

    5. Die frühkatholischen Väter

    Die Generation der frühkatholischen Väter und ihre theologischen Schwerpunkte.

    Lernziele

    1. Sie lernen die wichtigsten alt- oder frühkatholischen Väter und ihre theologische Arbeit kennen.

    2. Sie verstehen die Antwort der Kirche auf die Herausforderung durch Kulte und Philosophie .

    3. Sie erkennen die ersten Konturen der späteren katholischen Kirche.

    Die alt- oder frühkatholischen Väter

    Den nachapostolischen Vätern folgten die „Altkatholischen Väter“. Gegen die Anfragen von außen brauchte man Klarheit von innen. Diese innere Klarheit wurde durch Bibel, Bischof und Bekenntnis (die drei „B“ bzw. „Katholische Normen“) gewonnen.

    Die Kanonfrage: Was gehört zur Bibel?

    Jede Lehraussage hat ihren Ausgangspunkt in den kanonischen, also verbindlichen Schriften. Marcion hatte eine eigene Bibelausgabe geschaffen, in der alle alttestamentlichen Bezüge fehlten. In der Frage nach den verbindlichen Schriften musste nun auch offiziell Klarheit geschaffen werden. Wie diese Klarheit gewonnen wurde, ist für uns in den Einzelheiten nicht nachvollziehbar. Es gibt aber Hinweise, die den Glauben stützen, dass der Klärungsprozess schon relativ früh abgeschlossen war und eben nicht zurückgeht auf Synodenbeschlüsse, sondern auf das Wirken des Heiligen Geistes.

    Um es vorwegzunehmen – es gilt der Satz: Ohne die Heilige Schrift gäbe es keine Gemeinde, nicht aber dessen Umkehrung. Die christlichen Gemeinden erkannten die Geistgewirktheit der Evangelien, Briefe usw. und gingen entsprechend damit um. Dieser Prozess beanspruchte recht kurze Zeit. Während dieser Klärungszeit gab es an einzelnen Stellen Unklarheit. Wenig Diskussionsstoff lieferte die Frage nach dem Umfang des Alten Testamentes, denn hier lag vom Beginn der christlichen Gemeinde an ein klarer Kanon vor. Das Alte Testament galt im Judentum in dem Umfang als Gottes Wort, wie wir es heute kennen – allerdings ohne die Apokryphen/Spätschriften, die erst in der Auseinandersetzung mit der Reformation von der römisch-katholischen Kirche als kanonisch erklärt wurden. Lediglich die Reihenfolge war etwas anders. Diskutiert wurde hingegen die Frage nach dem Kanon des Neuen Testaments.

    Von Anfang an las man die Schriften der Apostel und die Evangelien in dem Wissen, dass es sich hier um verbindliches Gotteswort handelt. Das bestätigt die rasche und flächendeckende Verbreitung und die Art und Weise des Umgangs mit den Texten. Bereits im frühen 2. Jahrhundert gab es weitgehende Übereinstimmung in der Kanonfrage. Das sogenannte „Muratorische Fragment“ aus der Zeit um 200 erkannte die Schriften an, die auch heute zum Neuen Testament gehören. Es fehlen: Mt und Mk (wobei Lk und Joh als drittes und viertes Evangelium erwähnt werden), Hebr, 1/2Petr, Jak und 3Johannes Zusätzlich zu den kanonischen Schriften sind das Buch der Weisheit erwähnt und die Petrusapokalypse (nicht alle waren mit der Lektüre in den Gemeinden einverstanden). Das Fragment weist darauf hin, dass man damals die Zeiten der Apostel und Propheten für abgeschlossen hielt und andere Literatur, so wertvoll sie auch sein mag, nicht verbindliche Gottesoffenbarung sein könne.

    Die Aussagen des Muratorischen Fragmentes (s. Abbildung 24) decken sich mit dem, was die nachapostolischen Väter bezeugten. Origenes (185-254) beschäftigte sich ausführlich mit der Kanonfrage und stellte klar, dass z. B. die „Didache“ (Kirchenordnung aus der Zeit um 100 n. Chr.), „Der Hirte“ von Hermas (oder auch: „Hirte des Hermas“) etc. nicht zu den verbindlichen Schriften zu rechnen seien. Ganz klar gehören auch das bereits erwähnte Ägypter-, Matthias- und Thomasevangelium etc. in die Reihe der Fälschungen. Zeitweise gab es vor allem in den östlichen Gemeinden Verunsicherung durch gnostische oder montanistische Schriften. Längere Zeit bewegte man hier die Frage nach der Johannesoffenbarung, im Westen wurden Fragen bezüglich des Hebräerbriefes gestellt. Ende aller Unklarheiten brachte für den Osten der 39. Osterfestbrief von Bischof Athanasius im Jahr 367, in dem er alle heutigen Schriften als allein verbindlich bezeichnete (Matthäus bis Offenbarung, zusammen 27 Bücher). Auf der römischen Synode 382 wurde unter der Leitung von Bischof Damasus der gleiche Schriftkanon bestätigt, aber eben nur bestätigt und nicht festgelegt.

    Klarheit in Glaubensfragen – Bekenntnis

    Die Gemeinden brauchten in der Auseinandersetzung mit Kulten und Splittergruppen ein Fundament, von dem aus argumentiert werden konnte. Man benötigte eine Richtschnur des Glaubens (eine Bibel mit klar definiertem Umfang, griech.: „Kanon“: allgemeiner Maßstab). Unentbehrlich wurde eine verbindliche Definition des Glaubens. Ein Bekenntnis, um sich positiv („das glauben wir“) und negativ („das glauben wir nicht“) abgrenzen zu können. Schließlich brauchte man klare Autoritätsverhältnisse, um angemaßte Autorität zurückweisen zu können (Bischof). Diese drei „B“ stehen für die damalige Abwehrstrategie der Gemeinden: Bibel – Bischof – Bekenntnis.

    Schon im Neuen Testament begegnen wir Bekenntnisformeln (u. a. 1 Korinther 8,6):

    „So haben wir doch nur einen Gott, den Vater, von dem alle Dinge sind und wir zu ihm; und einen Herrn, Jesus Christus, durch den alle Dinge sind und wir durch ihn.“

    Im Romanum ist uns ein Bekenntnis aus der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts erhalten geblieben (Altrömisches Taufbekenntnis, beschrieben durch Marcell von Ancyra, um 340 n. Chr., zit. in: Hans Streubing (Hrsg.), Bekenntnisse der Kirche, Wuppertal 1977, S. 16):

    Ich glaube an Gott, den allmächtigen Vater, und an Christus Jesus, seinen Sohn, den einzig geborenen, unsern Herrn, den vom heiligen Geist und Maria der Jungfrau Geborenen, den unter Pontius Pilatus Gekreuzigten und Begrabenen, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel sitzend zur Rechten des Vaters, von wo er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten; und an den Heiligen Geist, eine heilige Kirche, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches. Amen.

    Deutlich sind die Aussagen gegen die Gnosis: Der der fleischgewordene, in menschliche Geschichte gekommene Erlöser wird bekannt. Das Romanum wurde im 4./5. Jahrhundert zum Apostolischen Glaubensbekenntnis (Apostolicum) weiterentwickelt.

    Die Frage nach der Leitungsautorität („Bischof“)

    Wie bereits deutlich wurde, lebte die Urgemeinde ohne große Ämterhierarchie. Bald schon bildeten sich jedoch Führungsämter heraus. In den Gemeinden mussten Entscheidungen getroffen werden, Irrlehrer ausgeschlossen und falsche Lehre verurteilt werden. Bald schon leitete man die Autorität davon ab, ob man durch Handauflegung durch einen Apostel eingesetzt worden war. Wer dieses Vorrecht hatte, konnte von seiner Vollmacht wieder an andere weitergeben. Im Kampf gegen gnostische und andere Irrlehrer war dieses Mittel zwar wirksam, gleichzeitig schuf es die Trennung zwischen Geistlichen und Laien, die sich bis heute gehalten hat.

    Wichtige Vertreter

    Zu den altkatholischen Vätern wird Irenäus gezählt. Er lebte von 135-202 n. Chr., war ab 177 Bischof von Lyon und wurde durch seine Widerlegung der Gnosis zum Vater der christlichen Dogmatik. Irenäus ist deshalb von besonderem Interesse für die Kirchengeschichtsforschung, weil er direkten Kontakt zu den „Alten“ (Polykarp, Papias) hatte, jenen Christen also, die noch Beziehungen zur ersten Generation der Jesusleute hatten.

    Zwei Hauptwerke hat Irenäus der Nachwelt hinterlassen: Adversus haeresis (Gegen Irrlehre) und die Darstellung der apostolischen Verkündigung. Seine Betonung: Schöpfung und Erlösung gehören zusammen. Damit wandte er sich gegen die Gnosis. Irenäus legte Bibel wörtlich (nicht sinnbildlich) aus und entwickelte die erste heilsgeschichtliche Theologie. Gott ist für ihn in Christus wirklich Mensch geworden. Die Mitte seiner Theologie ist die Erlösung durch Christus am Kreuz als die Vollendung der Schöpfung! Ewiges Leben bedeutete für ihn den Anteil an Gottes Unvergänglichkeit und Vergottung der menschlichen Natur. Christus ist für ihn also der neue Adam (Epheser 1,10), der die Schöpfung wieder herstellt.

    Tertullian (etwa 160-220, Bekehrung um 190, dann Wechsel nach Rom, s. Abbildung 26), genoss eine juristische und rhetorische Ausbildung und war geprägt von der römischen Kultur. Geboren in Karthago und aufgewachsen in einer Offiziersfamilie, wirkte er zunächst als Jurist. Im Alter von etwa 30 Jahren wurde er Christ und nahm den Kampf auf gegen eine lau gewordene Christenheit, gegen den christenfeindlichen römischen Staat und gegen die Irrlehrer. Seine wichtigsten und in der Sprache meist messerscharfen Schriften sind: Apologeticum (Verteidigung des Glaubens), Adversus Marcionem (Gegen Marcion), De praescriptione haereticorum (Beschreibung der Häretiker) und Adversus Praxean (Gegen Praxeas). Die Bibliothek der Kirchenväter (BKV) bietet allein 21 Tertullian-Werke zur Lektüre an.

    Für Tertullian war die Philosophie Quelle der gnostischen Irrlehre, Glaubenserkenntnis stehe gegen die spekulierende Vernunft. Gegen den ungreifbaren Gott der Philosophen stellte Tertullian die Menschwerdung Gottes in Christus heraus. Tertullian wandte sich vehement gegen die Verweltlichung der Kirche und rief dazu auf, die Wiederkunft des Herrn in den Mittelpunkt des Glaubens zu rücken. So war es nur folgerichtig, dass Tertullian 207 Montanist wurde. Bei der allgemeinen Kirche gab es jede Menge Christen, die in der Verfolgung einknickten und den Glauben verleugneten. Die Montanisten hingegen gingen ohne Zögern in den Tod.

    Wesentliche Impulse kamen von Tertullian hinsichtlich der Trinitätslehre. In der Auseinandersetzung mit Praxeas verteidigte Tertullian die christliche Trinitätslehre von dem einen Gott in drei Personen. Praxeas stammte aus Kleinasien und war Vertreter des „Modalistischen Monarchianismus“.

    Exkurs: Monarchiansismus

    Was zu Beginn der christlichen Kirche nicht im Detail durchdacht wurde, musste im Lauf der Auseinandersetzung mit den Irrlehrern klar formuliert werden. Wer ist Jesus? Ist er ein Mensch? Wie kann er dann vollkommen erlösen? Ist er Gott, wie kann man dann an einen einzigen Gott glauben? Die „Lösung“ der Monarchianer ging in zwei Richtungen. Die „modalistischen Monarchianer“ (auch: Modalisten) lehrten: Es gibt nur einen Gott. Jesus ist eine Erscheinungsform (Modus) von Gott. Die logische Folgerung dieser Lehre: Dann hat der Vater selbst am Kreuz gelitten. Später verwendete man für Vertreter dieser Lehre den Begriff „Patripassianer“, aus den lateinischen Worten für „Vater“ und „leiden“. Die „dynamistischen Monarchianer“ (auch: „Dynamisten“) lehrten: Es gibt nur einen Gott. In Jesus wohne durch die Taufe die göttliche Kraft (von griech: Dynamis). Er sei aber ein Mensch.

    Tertullian formulierte gegen den modalistischen Monarchianismus: Vater, Sohn und Geist sind „unum, non unus“ (eins, aber nicht einer), sie sind wohl wesenseins, doch nicht ein Wesen. Mit der Formel „tres personae, una substantia“ (drei Personen, ein Wesen) nahm er das Bekenntnis von Konstantinopel (381) vorweg. Vater, Sohn und Heiliger Geist sind verschiedene Personen, „in Gott selbst ist ein Werden“. D. h. Gott ist nicht statisch, sondern dynamisch. Die Gottheit entfaltet sich im Lauf der Heilsgeschichte, um schließlich wieder eins zu werden. Die drei „Personen“ von Gott sind unterschiedlich in der Entwicklungsstufe, der Form und der Art, aber nicht im Grundwesen: Drei Personen, ein Wesen.

    Wegweisend wurde Tertullians Sünden- und Gnadenlehre. Er lehrte in einer Art Erbsündenlehre. Der Mensch sei eine Mischung aus Gutem und Bösem. Die Seele sei von Natur aus gut, das Mangelhafte liege im fleischlichen Körper. Kleine Kinder waren für ihn noch unschuldig, sie sind auch nicht zu taufen. Auch der sündige Mensch behält die Freiheit des Willens. In der Taufe werden die bisherigen Sünden vergeben. Die Gnade ist nicht nur wirksam in der Vergebung, sondern auch in der spürbaren Hilfe des Heiligen Geistes im Christenleben. Ziel der Erlösung ist das Leben nach den Geboten Gottes, wobei er Jesus als zentralen Lehrer sah. Das Verhältnis zwischen Gott und dem Erlösten nimmt für Tertullian rechtliche Formen an. Einerseits leisten die Menschen Genugtuung, andererseits nimmt Gott diese Leistung an. Die höchste „Leistung“ sei das Martyrium, es garantiere den sofortigen Eingang ins Paradies. Die kirchliche Autorität fand bereits bei Tertullian starke Betonung und wurde gegen Marcion mit der Apostolizität begründet.

    Clemens von Alexandrien (Mitte des 2. Jahrhunderts, wahrscheinlich in Athen geboren) kam nach Alexandrien und war dort an einer Schule tätig. Damals gab es schon zahlreiche Christen in Alexandrien und es war lange noch nicht klar, welche Stadt die für den christlichen Glauben wichtigere war: Konstantinopel oder Alexandrien. Anfang des 3. Jahrhunderts verließ er im Zusammenhang mit einer Verfolgung (durch Kaiser Septimus Severus) diese Stadt. 215 n. Chr. starb er in Kappadokien.

    Clemens stützte seine Arbeit auf die Bibel und bekannte sich klar zum Alten Testament. Aber griechische Philosophie und Bibel mussten nach seiner Ansicht keine Gegensätze sein, er wollte beide zusammenbringen. Also folgerte er: Der göttliche Logos ist in Christus Mensch geworden. Die Hauptschriften von Clemens sind Protreptikos (Verteidigung des Glaubens gegenüber gebildeten Griechen), Paidagogos (christliche Ethik), Stromateis (wörtlich: Teppiche, weil das menschliche Leben wie ein Teppich verwoben ist). Seiner Überzeugung nach ist das Glaubenserkenntnis ist nicht Theorie, sondern auf persönliche Erfahrung gegründet. Ein vollkommener Christ ist zudem ein vollkommener Gnostiker, der keine menschlichen Lehrer mehr braucht, weil er schon hier in der Gemeinschaft mit Gott lebt. Zur vertiefenden Lektüre wird die Bibliothek der Kirchenväter (BKV) mit vier Clemens-Werken empfohlen.

    Einschub: Politische Lage

    Den Verfolgungswellen im 2. Jahrhunderts folgte eine ruhige Phase in der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts. Der christliche Glaube fand mehr und mehr Anerkennung und verbreitete sich auch in ländlichen Gebieten. Kaiser Decius (um 190-251) nutzte im schwächer werdenden Imperium Romanum aber die 1000-Jahr-Feier des Reiches zu einer erneuten und planmäßigen Christenverfolgung.

    Origenes (185-254, s. Abbildung 27) aus Alexandrien verdient als Kirchenvater besondere Beachtung, weil er die kirchliche Theologie des dritten Jahrhunderts maßgeblich prägte. Origenes’ Vater Leonides war bekennender Christ, Anfang des 3. Jh. fiel er einer Christenverfolgung zum Opfer. Origenes kam früh zum Glauben. Er muss außerordentlich begabt und fleißig gewesen sein, denn im Alter von 18 Jahren wurde er bereits in verantwortliche Stellung an der alexandrinischen Katechetenschule eingesetzt. Er war vor allem als Lehrer tätig, der tagsüber unterrichtete und nachts studierte. Weit über Alexandria hinaus wurde er durch sein Wissen zum gefeierten Lehrer. In Ambrosius fand er einen wohlhabenden Unterstützer, der es ermöglichte, dass Origenes die nötige Büroinfrastruktur zur Verfügung gestellt wurde.

    Nach einer Auseinandersetzung mit Bischof Demetrius von Alexandrien, der die Aufsicht über die Katechetenschule wollte, verlegte Origenes seinen Wirkungsort nach Cäsaräa und entfaltete dort eine außergewöhnlich umfangreiche schriftstellerische Tätigkeit. Im Unterschied zu Tertullian und Irenäus (westliche Theologen) bekämpften die Osttheologen (Origenes und Clemens waren „Alexandriner“) die Gnosis, indem sie die Abgrenzung nicht so kategorisch vornahmen, sondern nach Gemeinsamkeiten suchten und diese auch betonten. An der Katechetenschule in Alexandrien schuf man so etwas wie eine Synthese zwischen Christentum und griechischer Philosophie. Gnosis, also Erkenntnis, war für die Alexandriner eben auch ein positives christliches Ziel, das über den „gewöhnlichen“ Glauben hinausging.

    Schwerpunkt seiner Arbeit blieb die Auslegung der Heiligen Schrift. Um eine möglichst genaue Übersetzung zu haben, entwarf er die Hexapla (griech. Ἑξαπλᾶ ‚die Sechsfache‘), eine um 245 herausgegebene, mehrsprachige Synopse des alttestamentlichen Textes in sechs Spalten. Sie verfolgte das Ziel, die Übereinstimmung des griechischen Textes der Septuaginta mit dem hebräischen Text nachzuweisen oder ggf. herzustellen. Den eigentlichen Sinn eines Bibeltextes sah Origenes erst dann gefunden, wenn er den tieferen Sinn hinter den Buchstaben(Allegorese) entdeckt hatte. Systematisch unterschied er zwischen dem somatischen (wörtlich, geschichtlich), dem psychischen (moralisch, philosophisch) und dem pneumatischen (mystisch, geistlich) Sinn eines Bibeltextes. Wirklich tiefe Erkenntnisse seien nur auf Ebene drei möglich. Hier flossen die gnostischen Ideen in die Lehre des Origenes ein. Origenes gilt als Begründer der Christus-Braut-Mystik, die einen Höhepunkt in der Vermählung der Seele mit Christus erlebt.

    Zu den Favoriten des Origenes gehörte auch Platon, dessen Ansichten er in sein eigenes System einflocht. Seine theologische Konzeption sieht folgendermaßen aus: Gott ist jenseits von Vernunft und Sein, er ist der Urgrund, über den hinaus nichts gesagt oder gedacht werden kann. Weil er die Güte ist, teilt er sich mit, d. h. er lässt den Logos (Christus) aus sich heraustreten wie das Licht den Glanz. Der Logos ist zwar gleichen Wesens, jedoch niedriger. Nur der Vater ist Gott, der Sohn ist zweiter Gott. Der Logos ist ewig gezeugt und geschaffen (Emanation). Der Sohn Logos ist der Mittler. Er steht zwischen dem ungezeugten Gott und der geschaffenen Welt. Durch den Sohn-Logos schafft Gott ewig die ganze Welt der Geister. Auf Rang drei steht der Heilige Geist. Er ist das erhabenste durch den Sohn geschaffene Wesen. Diese drei Stufen bilden bei Origenes die „angebetete Dreifaltigkeit“.

    Da unter dem Heiligen Geist noch die Engel, die Menschenseelen, die Dämonen und der Teufel folgen, ist die Trinität nach unten offen. Die Seelen sind auf jeden Fall präexistent (sie existierten schon vor der Menschwerdung). Noch vor dieser Zeit und Welt geschah der Ur-Sündenfall. Der oberste Engel wollte Gott gleich werden. Der sich so Empörende wurde aber mit seiner Anhängerschaft von Gott in den Abgrund gestoßen. Gott hatte dennoch Erbarmen und stoppte den „freien Fall“, indem er den Fallenden Orte des Wohnens zuwies: die sichtbare Welt, die Luftregion, die Unterwelt. Die sichtbare Welt ist also der erste Akt der Erlösung. Allerdings entwickelte Origenes keine totale Ablehnung der Leiblichkeit, sondern sah das Ziel der Leiblichkeit in deren Vergeistigung, was er übrigens auch für die gesamte Schöpfung als Ziel betrachtete. Christus brachte die Erlösung durch seine Menschwerdung. Er predigte, lud Menschen ein, siegte über die Dämonen, gab seine reine Seele als Lösegeld. Er wurde wie unsereiner, wir werden wie er. Nach dem Tod kommt für die Glaubenden die eigentliche Erlösung. Doch zunächst erfolgt das Gericht, das die Guten ins Paradies, die Bösen in die Hölle bringt. Die Guten dringen danach höher durch weitere Sphären und Äonen der Vervollkommnung bis zur Vollendung. Schließlich werden auch die Bösen, ja selbst der Satan, zu Gott zurückgeführt, was einer Allversöhnung entspricht.

    Verschaffen Sie sich weitere Einblicke durch das Tondokument „Origenes gegen Celsus.mp3“

    Es ist schwierig, diesen Mann zu würdigen. Auf der einen Seite stehen wichtige Verdienste, auf der anderen Seite bleiben Fragen. Von der Kirche wurde Origenes durch die Synode von Konstantinopel 553 verurteilt. In seiner Zeit fand er jedoch zahlreiche Schüler und Nachfolger, die seine Gedanken verbreiteten. Bis heute berufen sich Mystiker auf diesen Mann der alten Kirche.

    Cyprian (von Karthago, 200?-258) war der kirchengeschichtliche Kollege von Origenes, hervorgegangen aus der nordafrikanischen Kirche, ebenfalls Jurist und Rhetor. Um 245 ließ er sich taufen, verschenkte einen großen Teil seines Vermögens, studierte die Bibel und die Schriften Tertullians. Cyprian glaubte, das Dunkle dieser Welt wie Mord, Krieg, Unzucht, Korruption, Gladiatorenkämpfe etc. sei nur durch die Taufe überwindbar. Hier werde der Schmutz abgewaschen und die Kraft zur Überwindung der bösen Mächte geschenkt. Die Glaubensprüfung durch die durch Kaiser Decius veranlasste Verfolgung brachte eine enorme Zahl von Christen, die bereit waren, dem Glauben abzusagen.

    Auch Cyprian ergriff die Flucht und wurde von einigen dafür angeklagt, ein Verräter zu sein. Er blieb jedoch dem Glauben treu, wenn auch im Exil. Die große Frage nach dem Abflauen der Decischen Verfolgung war die, wie mit den „Abgefallenen“ zu verfahren sei. Sind diejenigen, die bereit waren, dem Glauben zu entsagen, einfach wieder in die Gemeinden aufzunehmen oder nicht? Die Kirchenzuchtfrage wurde zentral. Eine zweite Buße erlaubte, für schwere Sünden noch einmal Vergebung zu erlangen. Ausgenommen waren die Todsünden: Mord, Ehebruch und Hurerei und Abfall vom Glauben. Todsünder mussten ihr Leben lang im Bußstand bleiben. Für „Verräter des Glaubens“ wurde es nun doch ermöglicht, wieder in die Kirchengemeinschaft aufgenommen zu werden, besonders wenn man Märtyrer als Fürsprecher vorweisen konnte. Man erlaubte es auch abgefallenen Geistlichen, wieder zurückzukehren, verlangte aber den Verzicht auf ein Amt. Wer geopfert hatte, musste auf der Bußbank bleiben. Wer seine Opferbescheinigung durch Bestechung beschafft hatte (ohne selbst zu opfern) wurde freigesprochen.

    Cyprian hinterließ bleibende Spuren durch seine Arbeiten am Thema „Kirche“. Ihm ging es darum, einen klaren Kirchenbegriff zu haben, der zur Festlegung führte, dass Heil nur innerhalb der Kirche zu finden sei. Im sogenannten „Ketzertaufstreit“ wurde die Frage diskutiert, ob die Taufe von „Ketzern“ eine wirksame Taufe sei. Cyprian sprach sich dafür aus, dass eine Taufe nur gültig sei, wenn sie von einem rechtmäßigen, moralisch korrekten Amtsträger der Mehrheitskirche vollzogen wurde. Cyprian begründete wohl als Erster die Autorität Roms mit der Petrusnachfolge des Bischofs von Rom.

    In Rom gab es in der Folge der Decischen Verfolgung eine Spaltung durch Novatian (um 200 – 258, (Gegen-)Bischof in Rom), der eine strenge Linie verfolgte und keine Gemeinschaft mit „Todsündern“ duldete, also solche, die während der Verfolgung den Glauben verleugneten, dazu Mörder, Diebe, Ehebrecher. Novatian war mit Cyprian der Meinung, dass nur moralisch einwandfrei lebende Priester wirksame Segenshandlungen durchführen können. Sein Kollege, der an Novatians Stelle gewählte, großzügigere Bischof Cornelius in Rom setzte sich jedoch durch. Cyprians und Novatians Ansicht wurde verworfen (Novatianisches Schisma) und festgestellt, dass die Weihe- oder Segenshandlungen von kirchlichen Amtsträgern in jedem Fall wirksam sind. Diese Ansicht hat sich bis heute gehalten.

    Die Novatianer bildeten bis ins 7. Jahrhundert eine mächtige Konkurrenzkirche und verbreiteten sich von Spanien bis Syrien. Cyprian selbst wurde 258 hingerichtet, er starb als Märtyrer.

    Hinweis: Für ein Studium der Originaltexte wird die „Bibliothek der Kirchenväter“ empfohlen (http://www.unifr.ch/bkv/awerk.htm).

    Versucht man die Haupterrungenschaften der altkatholischen Väter zusammenzufassen, ergibt sich folgendes:

    • Heil und Rettung gibt es für sie nur innerhalb der sichtbaren Heilsanstalt der allgemeinen Kirche. Diese Kirche gründet sich auf das Fundament der Bischöfe. Hier allein gibt es die Wahrheit des Glaubens: Heilige Schriften, Bekenntnis, mündliche Überlieferung.

    • Gott ist einer. Schöpfergott und Erlöser sind eins.

    • Auch das Alte Testament hat Gültigkeit in der Kirche.

    • Gott schuf die Welt durch sein Wort aus dem Nichts.

    • Christus, der Logos, wurde Fleisch (geg. Doketismus – nur scheinbar Mensch).

    • Nicht nur die Seele, auch der Leib wird auferstehen.

    • Die Taufe ist das Bad der Wiedergeburt, die Vergebung der Sünden, sie vermittelt den Heiligen Geist. Verdienstvoll sind Fasten, Ehelosigkeit und Martyrium.

    Vertiefung

    1. Welche der in dieser Einheit aufgeworfenen theologischen Fragen der frühen Christenheit sind heute noch aktuell?

    2. Auf welche Herausforderungen antwortete das „Romanum“?

    3. Was beeindruckt Sie an der Arbeit von Tertullian? Beziehen Sie die Erkenntnisse aus dem Tondokument bitte in Ihre Bewertung mit ein.

    4. Unterscheidet sich Ihr Verständnis vom dreieinigen Gott von dem Tertullians?

    5. Wie beurteilen Sie die Theologie von Origenes? Bestimmen Sie je zwei positive und zwei negative Aspekte.

    6. Können Sie Cyprians Kirchenverständnis teilen? Begründen Sie ihre Meinung.

    F Was sind die Vor- und Nachteile von Glaubensbekenntnissen? Auf welche Fragen müsste ein Glaubensbekenntnis heute eingehen? (F)

    K Welche wichtigen Akzentverschiebungen lassen sich zwischen nachapostolischen und frühkatholischen Vätern beobachten? Wie kam es dazu? Was ist daran problematisch? (K)

    Die erste christliche Gemeinde

    Die erste christliche Gemeinde – ihre Entstehung, Ausbreitung und Verfolgung.

    Lernziele

    1. Sie können die Anfänge der christlichen Gemeinde an Pfingsten nachvollziehen.

    2. Sie werden die Kennzeichen, die Botschaft und die Organisation der ersten christlichen Gemeinden erkennen.

    3. Sie erarbeiten sich die Ausbreitung des Christentums in den ersten Jahrzehnten .

    4. Sie werden die Anstrengungen des römischen Staats verstehen, das Christentum zu kontrollieren.

    Die erste Gemeinde in Jerusalem

    Pfingsten

    Der Zeitpunkt von Pfingsten um 33 n. Chr. (s. Abbildung 12) war nicht nur aus strategischer Sicht wegen der Anwesenheit so vieler unterschiedlicher Menschen in Jerusalem besonders geeignet, sondern muss im größeren Zusammenhang der Geschichte gesehen werden. Mehrere Gründe begünstigten die Ausbreitung des Glaubens:

    1. kulturelle, politische und sprachliche Einheit im Römischen Reich

    2. gut ausgebaute Handelswege

    3. die religiöse Toleranz der Politik und Gesellschaft

    4. das Eindringen syrischer und persischer Religionen, sowie Offenheit für Geheimkulte und Mystik

    5. die Demokratisierung der Gesellschaft und das weit verbreitete römische Vereinswesen als organisatorischer Türöffner für eine neue Kirche

    6. die Verbreitung des Judentums (vgl. Adolf Harnack, Die Mission und Ausbreitung des Christentums in den ersten drei Jahrhunderten, Leipzig 1906, Bd. 1, S. 17-20)

    Dem Auftrag von Jesus gehorchend blieben die Jünger nach den Auferstehungsereignissen in Jerusalem und warteten auf das Kommen des Heiligen Geistes. Wie die Apostelgeschichte berichtet, erfolgte am Pfingsttag die Sendung des Heiligen Geistes. Dieses Geschehen blieb in der Stadt nicht unbemerkt. Den zusammenströmenden Volksmassen verkündigte Petrus die Nachricht von Jesus. Nach seinen Worten war mit dem Pfingstereignis die zweite große göttliche Offenbarung (nach der Gabe des Gesetzes) gekommen. Es erfüllte sich die Prophetie des Joel (Joel 3,1ff.). Die Heilszeit war angebrochen. Was nun mit den Christen und der Gemeinde geschah, stand ganz unter dem Zeichen dieser Tatsachen. Im Anschluss an die Pfingstpredigt von Petrus ließen sich 3.000 Menschen taufen. Sie waren zum Teil über große Distanz zum Fest nach Jerusalem gereist und wurden nun die ersten Missionare. Die Karte (Pfingsten – idealer Zeitpunkt) gibt eine Übersicht der Herkunftsorte. Jerusalem war die erste Gemeinde und Missionsstation der christlichen Gemeinde.

    „Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden aus Galiläa? Wie hören wir denn jeder seine eigene Muttersprache? Parther und Meder und Elamiter und die wir wohnen in Mesopotamien und Judäa, Kappadozien, Pontus und der Provinz Asien, Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und Einwanderer aus Rom, Juden und Judengenossen, Kreter und Araber: wir hören sie in unseren Sprachen von den großen Taten Gottes reden“ (Apostelgeschichte 2,7-11).

    Der Beginn der christlichen Gemeinde (und damit der Kirchengeschichte) wurde also ausgelöst durch ein Wunder: Die Ausgießung des Heiligen Geistes an Pfingsten. Die Apostel verstanden Pfingsten als die Erfüllung der Prophetie aus Joel 3 und damit als Zeichen der Ankunft des Gottesreichs, in dem alle Sprachbarrieren überwunden werden. Die Gemeinde lebte als „endzeitliche Heilsgemeinschaft, in der die Völkerverständigung schon Realität ist und auf den verheißenen Völkerfrieden (Jesaja 2,2ff; Micha 4,1-5) vorausweist“. (s.a. Artikel über die Jerusalemer Urgemeinde in Wikipedia)

    Die ersten Christen waren Judenchristen, die nach ihrer Bekehrung und Erfüllung mit dem Heiligen Geist weiterhin den Tempel besuchten und die Vorschriften des Gesetzes einhielten. Sie trafen sich in Synagogen und Privathäusern und bildeten eine Gemeinschaft, die das ganze Leben umfasste. Zur Gemeinde gehörten Männer und Frauen, die schon in Galiläa zu den Nachfolgern von Jesus gehörten. Dazu kamen Juden, griechisch-sprachige Proseylten und später „gottesfürchtige Heiden“ (Apostelgeschichte 11,20). Ob die zwölf Apostel gemeinsam als Leitung der Gemeinde in Jerusalem auftraten, muss offen bleiben. Paulus erwähnt in Galater 2,9 nur noch Jakobus, Petrus und Johannes. Nach dem Bericht in 1. Korinter 15 erlebte Jakobus, der leibliche Bruder von Jesus, eine eigene Christuserscheinung. So wurde er zum Apostel und Leiter der Gemeinde in Jerusalem.

    Die Gemeinde in Jerusalem fühlte sich dem alttestamentlichen Gesetz verpflichtet. Nach 1 Korinther 12 gehörte die Ausübung von besonderen Geistesgaben zur frühchristlichen Gemeinde. Über die Mitgliederzahl gibt Apostelgeschichte 2,41 eine erste Auskunft. Demzufolge waren es mehr als 3.000 Christen.

    Das Leben in der ersten christlichen Gemeinde

    Die Gemeinschaft tätiger Liebe war Markenzeichen jener ersten Gemeinde. Lukas nennt zwei Treffpunkte der Jesusbekenner in Jerusalem: erstens das Obergemach und zweitens das Haus der Maria, der Mutter des Johannes Markus. Wie das Leben der Gemeinde im Alltag aussah, beschreiben folgende Passagen der Apostelgeschichte sehr anschaulich: (Übersetzung – Neue Genfer Übersetzung):

    „Sie alle beteten anhaltend und einmütig miteinander. Auch eine Gruppe von Frauen war dabei, unter ihnen Maria, die Mutter von Jesus; Jesu Brüder gehörten ebenfalls dazu.“ Apostelgeschichte 1,14

    „Was das Leben der Christen prägte, waren die Lehre, in der die Apostel sie unterwiesen, ihr Zusammenhalt in gegenseitiger Liebe und Hilfsbereitschaft, das Mahl des Herrn und das Gebet. “ Apostelgeschichte 2,42

    „Nachdem sie in dieser Weise gebetet hatten, bebte die Erde an dem Ort, an dem sie versammelt waren. Sie wurden alle mit dem Heiligen Geist erfüllt und verkündeten die Botschaft Gottes weiterhin frei und unerschrocken. Die ganze Schar derer, die ‚an Jesus‘ glaubten, hielt fest zusammen; alle waren ein Herz und eine Seele. Nicht ein Einziger betrachtete irgendetwas von dem, was ihm gehörte, als sein persönliches Eigentum; vielmehr teilten sie alles miteinander, was sie besaßen. Vollmächtig und kraftvoll bezeugten die Apostel, dass Jesus der auferstandene Herr ist. Und die ganze Gemeinde erlebte Gottes Gnade in reichem Maß. Es gab unter ihnen auch niemand, der Not leiden musste. Denn ‚wenn die Bedürfnisse es erforderten,‘ verkauften diejenigen, die ein Grundstück oder ein Haus besaßen, ihren Besitz und stellten den Erlös ‚der Gemeinde‘ zur Verfügung, indem sie das Geld vor den Aposteln niederlegten. Davon wurde dann jedem das zugeteilt, was er nötig hatte.“ Apostelgeschichte g 4, 31-35

    „Durch die Apostel geschahen unter dem Volk zahlreiche Wunder und viele außergewöhnliche Dinge. Alle, ‚die an Jesus glaubten,‘ trafen sich regelmäßig und einmütig in der Salomohalle. Von denen jedoch, die nicht bereit waren, an ihn zu glauben, wagte keiner, in engeren Kontakt mit ihnen zu treten. Aber jedermann sprach mit Hochachtung von ihnen, und die Gemeinde wuchs ständig; Scharen von Männern und Frauen kamen zum Glauben an den Herrn. Und überall, wo Petrus hinkam, trug man die Kranken auf die Straße und legte sie dort auf Betten und Matten in der Hoffnung, dass wenigstens sein Schatten auf den einen oder anderen von ihnen falle.“ Apostelgeschichte 5,12-15

    „Die Botschaft Gottes breitete sich immer weiter aus, und die Zahl der Jünger in Jerusalem stieg sprunghaft an. Auch zahlreiche Priester nahmen das Evangelium an und glaubten an Jesus.“ Apostelgeschichte 6,7

    „Die Gemeinde in ganz Judäa, Galiläa und Samarien erlebte nun eine Zeit der Ruhe und des Friedens. Die Christen wurden im Glauben gefestigt und lebten in Ehrfurcht vor dem Herrn. Und weil der Heilige Geist ihnen zur Seite stand, wuchs die Gemeinde ständig weiter.“ Apostelgeschichte 9,31

    In den Predigten von Petrus ist die missionarische Botschaft zusammengefasst. Aufnahmebedingung in die Gemeinde war der Glaube, der in der Taufe öffentlich wurde und dessen bleibender Ausdruck das Befolgen der Lehre des Auferstandenen war. Das Teilen von Besitz scheint nach Apostelgeschichte 5,4 und 12,12 freiwillig gewesen zu sein. Gebet, Abendmahl (mit vorausgehendem gemeinsamem Essen), Anbetung, Bekenntnis, Diakonie, Evangelisation und Bereitschaft, das eigene Leben hinzugeben, gehörten zu den Grundelementen des frühchristlichen Gemeindelebens.

    Markenzeichen „Lehre“

    Die Lehre der Apostel, also die Botschaft von der notwendigen Umkehr und von der Annahme des Heils in Christus, bildete das Fundament der Arbeit. Angeboten wurde das Heil. Heil bedeutete Vergebung der Sünden, Empfang des Heiligen Geistes, Rettung aus der Gemeinschaft derer, die gegen Gott rebellieren, Eingliederung in die Gemeinde und Befreiung von Krankheit und dämonischer Besessenheit. Jesus wurde als der Kyrios, der Herr der Welt erlebt. Zur Lehre der Apostel gehörte auch die Einführung in die Jesusnachfolge.

    Markenzeichen „Gemeinschaft“

    Gemeinschaft ist das geschwisterliche Zusammenhalten der Gemeindeglieder, durch den Heiligen Geist in Liebe verbunden. Die Gemeinschaft äußerte sich im Verkauf von Besitz zu Gunsten der Ärmeren. Diese Entscheidung wurde jeweils freiwillig getroffen und nicht gefordert. Es sollte niemand hungern oder verkümmern. Diese tiefe Gemeinschaft war wohl am ehesten in kleinen Einheiten möglich.

    Markenzeichen „Brot brechen“

    Man pflegte gemeinsame Mahlzeiten, in Privathäusern und im Tempel. Ob beim Essen auch das Abendmahl gefeiert wurde, beantwortet Lukas nicht. Offensichtlich gehörten normales Essen und Abendmahl aber eng zusammen. Gemeinsame Mahlzeiten fanden täglich statt, die Feier des Abendmahls nicht notwendigerweise.

    Markenzeichen „Gebet“

    Die Pluralform (in Gebeten) im griechischen Text macht deutlich, dass oft gebetet wurde. Möglicherweise beteiligte sich die Gemeinde auch an den regelmäßigen Gebeten im Tempel.

    Markenzeichen „Wachstum“ und „Übernatürliche Zeichen“

    Nicht nur die einzelnen Christen wuchsen in ihrer Beziehung zu Jesus, auch die Anzahl der Jünger vermehrte sich durch die Gemeinde, es kamen weitere Menschen dazu. Das Markenzeichen „Wachstum“ wird zwar in Apostelgeschichte 2 nicht erwähnt, ergibt sich aber aus den anderen Berichten. Von außergewöhnlichen Geschehnissen berichtet Lukas im Zusammenhang mit der Geschichte der Urkirche immer wieder, wobei diese fast beiläufig genannt sind und im Vergleich zu Jesus Christus ein deutliches Gefälle aufweisen.

    Die Gemeinschaft der ersten Christen war weniger eine perfekte Organisation als vielmehr ein lebendiger Organismus. Die Zugehörigkeit zur Kirche bzw. Gemeinde wurde definiert durch die persönliche und innere Zugehörigkeit des einzelnen Menschen zu Christus. Es handelte sich um eine Gruppe von Menschen, in der jeder bekennender Christ war. Durch den Heiligen Geist wurden Menschen verändert und zu einer Gemeinschaft geformt, die Gottes heilsame Herrschaft darstellen konnte. Sie war qualitativ anders als andere religiöse Gemeinschaften. Eine nicht zu planende Dynamik wirkte nach außen und erreichte andere Menschen mit der rettenden Botschaft und der dazu passenden Tat. Christliche Gemeinde war die göttliche Alternativgesellschaft, die „Stadt auf dem Berg“ als Vorbote der Gottesherrschaft.

    Die verkündigte Botschaft

    Die Orte, an denen verkündigt wurde, waren der Tempel, Synagogen und Plätze, wo Gemeinschaft gelebt wurde. Die Botschaft machte klar, dass nur Jesus das Heil bringen kann. Die Überzeugung, dass im Glauben an Jesus Christus die alleinige Heilschance für jeden Menschen liegt, egal wo und wann er lebt, ist Basis für die christliche Mission. Die Jünger waren überzeugt, dass mit dem Tod und der Auferstehung von Jesus, dem verheißenen Messias, die Zeit des Heils angebrochen war, in der Gott nach dem Zeugnis der Propheten die Nationen sammeln würde. Diese Sammlung hatte warten müssen, bis der „Dienst am Haus Israel“ erfüllt war.

    Die Jünger verstanden ihren Dienst als Aufgabe für die Zeit vor der Wiederkunft von Jesus und der endgültigen, sichtbaren Aufrichtung der Königsherrschaft Gottes. Jesus hatte sie von Anfang an in seine Nachfolge berufen, damit sie als Menschenfischer andere Menschen für seine Botschaft gewinnen (Markus. 1,17). Er hatte sie vorbereitet für diese Aufgabe (Markus 6,7-13; Matthäus 10,1-15; Lukas 9,1-6). Vor seiner Himmelfahrt hatte Jesus den Auftrag der weltweiten Verkündigung der Botschaft (in der Zeit vor der Aufrichtung des Reiches für Israel) bekräftigt (s. Apostelgeschichte 1,8), und die Jünger hatten verstanden, wie es die Berufung von Matthias zeigt. Die Verkündigung von Jesus, dem Messias, würde die Nationen unter die gute Herrschaft Gottes führen. Davon waren die Jünger überzeugt.

    Organisation

    Für die Formierung und Ausbreitung einer Bewegung ist die Organisation von zentraler Bedeutung. Gibt es eine Führerperson? Ist die Struktur autoritär oder eher demokratisch? Gibt es eine Zentralverwaltung oder existieren autonome Einheiten? Es fällt auf, dass die neutestamentlichen Hinweise auf Organisation eher gering sind.

    Die Zwölf

    In Apostelgeschichte 1,26 und 6,2 ist von „den Zwölf“ die Rede. Ansonsten kommt der Begriff „Apostel“ auch in breiterer Verwendung vor. Die Aufgaben der Zwölf waren:

    1. Lehre und Gebet (6,4);

    2. Evangelisation (1,8);

    3. Verantwortung für die missionarische Entwicklung in anderen Gebieten (8,14-25; 9,32-35);

    4. Entscheidungen im Blick auf Entwicklungen in der Heidenmission (11,1-18, 22-24);

    5. Entscheidungen in Disziplinfragen (5,1-11);

    6. Beauftragung von Gemeindehelfern (6,1-6).

    Sie waren die Leiter der Gemeinde in Jerusalem, wobei Petrus der Hauptverantwortliche war. Daran änderte sich auch durch die Verfolgung in den Jahren 30/31 nichts. Die Geschichte der Jerusalemer Gemeinde ging 41/42 n. Chr. zu Ende, als es unter Herodes Agrippa I. zu einer erneuten Verfolgung kam, in der Jakobus umgebracht und andere gefoltert wurden. Petrus wurde inhaftiert. Von „den Zwölf“ ist danach nicht mehr die Rede. In Apostelgeschichte11,30 treffen Barnabas und Paulus nur noch „die Ältesten“ der Gemeinde in Jerusalem, wobei Jakobus, der leibliche Bruder von Jesus, jetzt die Hauptverantwortung trug (12,7; 15,13; 21,18). Galater 2,1-10 setzt keine an Jerusalem gebundene Autorität mehr voraus. Die Geschichte der Kirche ist also nicht an Jerusalem gebunden.

    Die Sieben

    Apostelgeschichte 6,1-7 erwähnt „die Sieben“, wobei Stephanus wohl Erster unter Gleichen war. Hauptaufgabe dieser Sieben war die Verwaltung und Diakonie in der Gemeinde. Zumindest Stephanus und Philippus verkündigten aber auch das Evangelium. Wenn wir über Aufgabenteilung in der Urgemeinde nachdenken, dürfen wir unsere heutige Ämteridee nicht schon dort finden wollen. Paulus war überregional tätiger Missionar, Evangelist, Gemeindepastor, Seelsorger, Koordinator in überregionalen Fragen, Leiter eines Missionsteams, Lehrer von Mitarbeitern, Lehrer für Neubekehrte, Theologe, Schriftsteller und Zeltmacher. Das legt folgenden Schluss nahe: Die frühe Kirche packte die anstehenden Aufgaben an und grenzte nicht Verantwortlichkeiten mit verschiedenen Ämtern ab. Dass es zu organisatorischen Schwierigkeiten kam, zeigt Apostelgeschichte 6, aber ebenso auch, wie mit gutem Willen, persönlicher Flexibilität und Konzentration auf das Wesentliche Lösungen gefunden werden können.

    Älteste

    Ab Apostelgeschichte 11,30 erscheinen „Älteste“ als Gremium neben den Aposteln, die inzwischen Jerusalem wohl verlassen hatten. Nichts deutet darauf hin, dass die Sieben damit identisch sind. Diese „presbyteroi“ sind der Gemeindevorstand, der möglicherweise wieder aus zwölf Personen bestand. Jakobus war wohl der Leiter der Gemeinde in Jerusalem (Apostelgeschichte 21,18). Die in 1 Timotheus 3 zusätzlich erwähnten Diakone scheinen in der Gemeinde keine leitende, sondern unterstützende Funktion gehabt zu haben. Grundsätzlich wurde Organisation offensichtlich pragmatisch und flexibel gehandhabt.

    Keine ausgeprägte Ämterhierarchie

    Die Ämterhierarchie der späteren Staatskirche war in der Anfangszeit unbekannt. Die Leitung funktionierte nicht zuerst über Amtsautorität, sie konnte mit flachen Hierarchien leben – was nicht die Aufhebung von Autorität bedeutete! Das Ordnungsprinzip war die präsente Herrschaft Gottes durch den Heiligen Geist. Übergemeindliche Autorität lässt sich zwar aus den neutestamentliche Berichten ableiten (Paulus nahm sich zum Beispiel das Recht heraus, in die Situation von Ortsgemeinden zu sprechen), aber die örtliche Gemeinde blieb jeweils eine selbstständige Einheit, die sich eigenständig organisierte. Ob man die erwähnte „Kollekte für Jerusalem“ (Galater 2,10) als Zeichen dafür verstehen sollte, dass Jerusalem die Chefgemeinde war, ist nicht eindeutig. Tatsache ist, dass die Gemeinde in Jerusalem relativ früh zerfiel und dies keine Auswirkung auf die weitere Entwicklung der christlichen Gemeinden hatte. An manchen Orten (Rom, Korinth) gab es mehrere Gemeinden, die sich insgesamt aber als „die christliche Gemeinde“ verstanden.

    Schwierigkeiten und Lösungen

    Nach Apostelgeschichte 6,1-7 traten erstmalig Spannungen mit dem griechisch-sprachigen Teil der Gemeinde in Jerusalem auf, weil Witwen bei der täglichen Armenversorgung übersehen wurden. Die Lösung: Die gerechte Versorgung sollte durch Diakone gewährleistet werden. In Galater 2,10 und Apostelgeschichte 11,29 wird von einer Kollekte berichtet, die aus kleinasiatischen Gemeinden an die Gemeinde von Jerusalem überwiesen wurde. Notsituationen wurden offensichtlich gesamtkirchlich geschultert. Zwischen Christen mit jüdischer Herkunft, die sich dem Gesetz verpflichtet fühlten und Christen aus nichtjüdischem Hintergrund, kam es aber auch zu Spannungen. Getragen wurde diese Auseinandersetzung von leitenden Brüdern: Paulus und Barnabas als Vertreter der „Heiden“, Jakobus als Vertreter der „Judenchristen“. Eine drohende Spaltung wendete man durch eine gemeinsame Beratung ab (Apostelkonzil, Apostelgeschichte 15). Die gesetzesfreie Heidenmission wurde gemeinsam beschlossen, wobei die Einhaltung des jüdischen Ritualgesetzes auch später immer wieder Streitthema war.

    Die Erfüllung des Missionsauftrags

    Nach Ostern gab Jesus den Auftrag, weltweit zu missionieren (Jerusalem, Judäa, Samarien, Ende der Welt, s. Apostelgeschichte 1,8). Lukas schildert in der Apostelgeschichte genau diese Vorgehensweise: erst Jerusalem (Kap. 2-7), dann Judäa/Samarien (8-9) als Mission unter den Juden. Paulus verstand sich als „Apostel der Heiden“, predigte aber immer zuerst in der Synagoge. Damit machte er prinzipiell deutlich, dass Juden immer Adressaten der Frohbotschaft sind! Neben den im NT genannten Missionaren gab es zahlreiche weitere.

    Die Mission unter Nichtjuden war keine Idee des Paulus, sondern bereits im AT und bei Jesus Realität. Dass Heiden zum Volk Gottes hinzugefügt werden, beschreibt Paulus als Geheimnis (Epheser 3,5-6; Kolosser 1,26-27), als Erfüllung des endzeitlichen Plans Gottes, der das ganze Universum einbezieht und ausgewählten Menschen offenbart wurde.

    Das Geheimnis bestand darin, …

    • dass die zu Jesus bekehrten Heiden „Miterben“ werden, sie also Teilhaber des Segens von Abraham werden und als Kinder angenommen sind,

    • dass sie zum gleichen Leib gehören,

    • dass sie „Teilhaber der gleichen Verheißung“ sind, d. h. den Geist erhalten,

    • dass die Heiden den Segen in Jesus Christus, d. h. im „Raum Israels“ erhalten und

    • dass die Grundlage all dessen das Evangelium, die Botschaft vom Tod und der Auferstehung Jesu ist, der die Feindschaft zwischen Juden und Christen beseitigt hat (Ephesr 2,14-17).

    Den Menschen früherer Zeit war dieses Geheimnis nicht bekannt: Juden und Heiden erhalten das Heil durch den Glauben an den gekreuzigten und auferstandenen Messias Jesus Christus und werden so Teil der Heilsgemeinde.

    Von Jesus hatten die Jünger gelernt, zu den Menschen zu gehen und dabei alle Menschen anzusprechen. So viele Menschen wie möglich sollten von der Wahrheit der Botschaft Jesu, von der Bedeutung seiner Person, seines Wirkens und Sterbens und seiner Auferstehung überzeugt werden. Im Namen Jesu wurde verkündigt und geheilt, Menschen sollten zu Jüngern werden und in Gemeinschaft leben. Wort und Tat gehörten von Anfang an zusammen.

    Die missionarischen Vorstöße waren im Allgemeinen gut überlegt. Städte spielten eine wichtige Rolle bei der Planung von Stützpunkten. Paulus nutzte die bekannten Handelsstraßen und besuchte gewöhnlich die größeren Städte an der Strecke, um Orte im Hinterland kümmerten sich andere Missionare.

    Frauen hatten in der urchristlichen Mission eine eigenverantwortliche Rolle als Missionarinnen. Das Neue Testament erwähnt einige von ihnen: Priska, Töchter des Philippus, Lydia, Euodia, Syntiche, Phöbe, Maria, Tryphäna, Tryphosa, Persin und Julia. In den späteren gnostischen oder montanistischen Kreisen (s. u.) spielten Frauen als Prophetinnen und Priesterinnen eine tragende Rolle (Sierszyn, Kirchengeschichte, Neuhausen-Stuttgart 1995, Bd. 1., S. 56).

    Die christliche Gemeinde kannte spätestens ab 100 n. Chr. den Stand der Diakonin (vgl. Lib. 10.96, Plinius Traiano Imperatori), vom römischen Senator und Anwalt Plinius d. J. wurden sie „ministri“ genannt. Lutz von Padberg (Feminismus, Wuppertal 1985, S. 32) weist auf einen „hohen Anteil der Frauen in den Gemeinden des 2. u. 3. Jahrhunderts“ hin, und Sierszyn beschreibt, dass dieser „Frauenüberhang“ zu sozialen Problemen führte: „Christliche Frauen aus gehobenen Gesellschaftsschichten heirateten heidnische Männer oder lebten in außerehelichen Sexualbeziehungen, weil sie keine christlichen Männer ihres gesellschaftlichen Standes fanden.“ Sierszyn weist darauf hin, dass „Bischof Calistus von Rom (um 220) den jungen Frauen gestattete, einen freigelassenen Mann oder einen christlichen Sklaven zu nehmen, ohne eine staatliche Ehe einzugehen, wobei die Kirche/Gemeinde dies als gültige Ehe anerkannte.“ Die Missionssituation brachte es mit sich, dass in zahlreichen Ehen einer der Partner Christ, der andere Heide war (vgl. 1 Petrus 3,1). Unter dem Einfluss des Neuplatonismus (Sierszyn, S. 58), sowie jüdischer und römischer Tradition (Padberg, S. 32 ff.) kam es im 3. Jh. zu einer Herabsetzung der Würde von Frauen.

    Die konkrete Bekehrung kannte man in der antiken Welt nicht. Man konnte sich nicht vorstellen, das jemand seine ursprüngliche Religion aufgab, um sich einem exklusiven, von allen anderen Religionen unterschiedenen Glauben anzuschließen.

    In den ersten Tagen waren es also die Apostel, ihre Schüler und Helfer, die das Evangelium verbreiteten (s. Abbildung 13). Ihre Namen kennen wir: Jakobus, Petrus, Johannes (Galater 2,9), Andreas, Philippus, Thomas, Bartholomäus, Matthäus, Jakobus, Simon Zelotes und Judas (Apostelgeschichte 1,13). Sie alle hatten die Himmelfahrt Jesu erlebt und den Missionsauftrag erhalten. Später kamen außer sechs Diakonen noch Paulus, Barnabas, Markus, Lukas, Silas, Timotheus, Titus, Priscilla und Aquila hinzu. Diese Hauptzeugen waren aber nur ein kleiner Teil der ersten Missionare. Die Tausende von Parthern, Medern, Elamitern, Kleinasiern, Ägyptern, Libyern, Arabern, Römern etc., die am Pfingsttag Christen wurden, waren auch Missionare, welche die Botschaft vom auferstandenen Christus verbreiteten. Sehr schnell kam es einerseits zu Spannungen mit dem Judentum, andererseits entstanden Gemeinden jenseits der Provinzgrenzen des Römischen Reiches.

    Spätestens in den vierziger Jahren wurde Rom von der Jesusbewegung erreicht. Kleinasien wurde im Jahr 48 und Griechenland im Jahr 49 erreicht. Dass Jesu Herrschaft die Grenzen des Judentums sprengte, musste von der Kerngemeinde in Jerusalem und den messiasgläubigen Juden erst einmal „verdaut“ werden. Zu groß waren die Überraschungen, zu plötzlich die Veränderungen. Aber schon im sogenannten Apostelkonzil in Jerusalem wurde die Frage nach dem Zusammenhang zwischen Jesusnachfolge und jüdischem Gesetz geklärt und damit der Weg freigemacht für die Heidenmission.

    Für politischen Widerstand in Judäa sorgte Herodes Agrippa I. Er ordnete an, dass der erste Apostel umgebracht wurde (Jakobus). Der Versuch, Petrus auch umzubringen, wurde durch ein übernatürliches Eingreifen vereitelt (Apostelgeschichte 12). Unaufhaltsam breitete sich der christliche Glaube in alle Himmelsrichtungen aus. Späterer außerbiblischer Überlieferung zufolge waren die Apostel Träger einer weltmissionarischen Bewegung, die bis in die hintersten Winkel der Erde reichte (s. Karte: „Die Reisen der Apostel“ nach: Patrick Johnstone, The Future of the Global Church, S. 23).

    Der Übergang von der Judenmission zur Evangelisation unter Griechen und anderen Nichtjuden hat wohl einen längeren Prozess durchlaufen. Stephanus und Philippus gehörten auf jeden Fall zur Gruppe der griechisch geprägten Judenchristen. Philippus wird in Apostelgeschichte 8 als Missionar unter den Samaritern beschrieben. Im Fall der Samariter verzögerte sich der Geistempfang, was außergewöhnlich war und deshalb erwähnt wird. Der Grund dafür war, dass allen klar wird: Diese Menschen gehören jetzt auch vollwertig dazu. Eine Besonderheit beim Geistempfang tritt im Rahmen der neutestamentlichen Kirchen- bzw. Missionsgeschichte immer dann auf, wenn eine neue Menschengruppe mit dem Evangelium erreicht wird.

    Beim weiteren Verlauf der christlichen Mission fällt Folgendes auf:

    • Missionare sind bereit, sich auch in Gebieten aufzuhalten, wo sie nicht mit Sympathie oder Neutralität rechnen konnten,

    • Missionarische Gelegenheiten sind nicht immer geplant,

    • Missionare lassen sich durch Berührung mit Dämonie nicht aufhalten und entwickeln keine spezielle Strategie dagegen,

    • Missionare lassen sich von lokalen Machthabern nicht beeindrucken,

    • Missionare dürfen mit Massenbekehrungen rechnen (sie bleiben aber eine Ausnahme),

    • Nicht alle Bekehrungen sind echt,

    • Prominente Bekehrte werden nicht automatisch Leiter einer Gemeinde,

    • Mission führt zur Versöhnung verfeindeter Gruppen (Bsp.: Juden-Samariter). In Apg 8,26-40 wird davon berichtet, wie erstmalig ein „Heide“ mit dem Evangelium erreicht wurde.

    Wichtig ist die Gründung der Gemeinde in Antiochien und die Mission des Paulus und Barnabas. Gemeinsames Merkmal der missionarischen Bewegung ist, dass die urchristliche Gemeinde nicht wartete, bis jemand zu ihr kam, sondern von sich aus zu den Menschen ging und sie ansprach. Für Heidenchristen waren weder Beschneidung, noch Opfer, noch Speisegesetze bindend. Allein der Glaube an Christus fügte Menschen zum Volk Gottes hinzu.

    Über der Frage nach der Verbindlichkeit alttestamentlicher Vorschriften dürfte es in Rom zu Spannungen in der Gemeinde gekommen sein. Der Kaiser reagierte darauf mit einem Ausweisungsbefehl gegenüber allen Juden in Rom. Die Gemeinde in Rom überlebte, weil Heidenchristen bleiben durften. Die etwa fünf Jahre später wieder zurückkehrenden Judenchristen mussten sich dann in eine heidenchristliche Gemeinde integrieren. Die Aufforderung von Paulus in Römer 12,14 u. 17-21 zeigt, wie wichtig die öffentliche Erscheinung der christlichen Gemeinde in der Stadt ist: Sie soll keinen Streit mit zurückkehrenden Juden pflegen, sondern verzeihen.

    Nachfolgend eine Übersicht wichtiger Daten aus der Zeit der Urgemeinde (über die genauen Daten bestehen unter Fachleuten zum Teil unterschiedliche Ansichten):

    30 od. 33

    Kreuzigung und Auferstehung von Jes; Pfingsten, Ausgießung des Heiligen Geistesus

    32 od. 35

    Bekehrung des Saulus von Tarsus

    37-41

    Kaiser Caligula

    35 od. 38

    Paulus erster Besuch in Jerusalem (Galater 1,18)

    41-44

    Herodes Agrippa I. – König von Judäa (Apostelgeschichte 12,1-21)

    41-54

    Kaiser Claudius (Apostelgeschichte 11,28; 18,2)

    44-58

    Hungersnot unter Claudius (Apostelgeschichte 11,28)

    46

    Paulus zweiter Besuch in Jerusalem

    47-48

    Paulus erste Missionsreise

    48/49

    Apostelkonferenz in Jerusalem (Apostelgeschichte 15), Paulus zum dritten Mal in Jerusalem

    49/50

    Juden werden aus Rom vertrieben (Apostelgeschichte 18,2)

    48/49 (51/52)

    Zweite Missionsreise des Paulus, vierter Besuch in Jerusalem (Apostelgeschichte 18,22)

    50-ca. 93

    Herodes Agrippa II. (Apostelgeschichte 25,13)

    51/52

    Gallio als Prokonsul von Achaja (Apostelgeschichte 18,12)

    51-58/60

    Felix als Prokonsul von Judäa (Apostelgeschichte 23,24)

    52-56/58

    Dritte Missionsreise des Paulus

    54-68

    Kaiser Nero

    58/60

    Paulus in Jerusalem – Verhaftung

    56-58 (58-60)

    Paulus – Haft in Cäsaräa (Apostelgeschichte 24,27)

    58-60 (60-62)

    Felix – Prokonsul von Judäa (Apostelgeschichte 24,27)

    58/59 (60/61)

    Paulus reist nach Rom

    59-61 (61-63)

    Paulus als Gefangener in Rom (Apostelgeschichte 28,30)

    64/67

    Paulus stirbt den Märtyrertod in Rom

    69-79

    Kaiser Vespasian

    70

    Zerstörung Jerusalems durch Titus


    Weitere geografische Ausbreitung

    Das Evangelium erreichte nicht nur Griechenland und Rom, sondern auch Ägypten. Nach frühchristlicher Tradition war Markus der erste Ägyptenmissionar. Ebenso gelang es nach Nordafrika, mehrfach sind Christen aus Kyrene erwähnt – 800 km westlich von Alexandria! Auch in Indien und Parthien wurde die Botschaft von Jesus verbreitet. In Indien lebt eine lange Tradition der sogenannten Thomas-Christen, nach dem Apostel Thomas, der dort missioniert haben soll. Eusebius berichtet von der Verkündigung des Evangeliums in Babylonien und Skythien (Schwarzmeerküste). In China lassen sich archäologische Funde aus dem Jahr 625 n. Chr. nachweisen, die auf den christlichen Glauben hinweisen. Ebenso breitete sich das Evangelium in Arabien, Syrien und Kylikien aus (hier war Paulus nach seiner Bekehrung 11 Jahre lang aktiv, Lukas berichtet davon, ebenso Galater 1,17; 2 Korinther 11,32-33, Galater 1,21+23; Apostelgeschichte 15,31), Kleinasien, Griechenland und Spanien.

    Bereits 100 n. Chr. war die Gemeinde in Rom die wichtigste Gemeinde der Christenheit. Für diese Zeit liegen keine Zahlenangaben vor. Fachleute gehen von 1000 – 5000 Gemeindemitgliedern aus. Adolf von Harnack schätzt die Größe der Gemeinde in Rom für das Jahr 250 auf 30.000 Glieder, etwa 2-3 Prozent der Gesamtbevölkerung. Vierzig Gotteshäuser benutzte die Gemeinde zu dieser Zeit (Harnack, Die Mission und Ausbreitung des Christentums …, Bd. 2, Leipzig 19153, S. 256).

    Neben Rom bildete Antiochia ein Zentrum des christlichen Lebens. Der Einfluss des dortigen Bischofs reichte bald bis nach Kappadozien, Armenien und Persien. Im Zweistromland gab es allerdings auch ein eigenständiges Zentrum, welches das Missionszentrum für Assyrien und zum Teil auch Indien wurde, die Stadt Edessa.

    Ephesus bildete die kleinasiatische Metropole. In dieser Region lag längere Zeit das Zentrum der missionarischen Bemühungen von Paulus.

    In Alexandria und Karthago gab es – wie im gesamten nordafrikanischen Mittelmeerraum – ebenfalls blühende christliche Gemeinden. Die Abbildungen 14-16 zeigen die Ausbreitung des Christentums.

    Die Abbildungen 14/15 zeigen die geografische Ausbreitung, Abbildung 16 zeigt wichtige Orte.

    Im zweiten Jahrhundert n. Chr. drang die Christusbotschaft von den Küstengebieten ins Landesinnere vor. Zuerst nutzte man die schiffbaren Flüsse und erreichte so Marseille, Vienne, Lyon. Rheinaufwärts fand die Botschaft ihren Weg nach Köln und Mainz. Nicht ganz sicher ist, ob Missionare bereits im 2. Jahrhundert nach England kamen, jedenfalls werden auf der Synode von Arles (314) nachweisbar Gesandte aus London erwähnt.

    Im dritten Jahrhundert n. Chr. schließlich gelangte der Glaube auch in kleinere Orte, zu den Landbewohnern. In Gallien breitete sich das Evangelium nach Norden aus. In Germanien wurden Städte wie Augsburg, Regensburg, weiter südlich Genf und Augst (am Rhein bei Basel) erreicht. In Spanien entstanden ebenfalls christliche Gemeinden.

    Die ägyptische Kirche wurde schon in der zweiten Hälfte des dritten Jahrhunderts zum Zentrum einer Mönchtumsbewegung. Kleinasien blieb ein wichtiges Zentrum christlicher Mission. Von hier aus zogen Missionare bis ins Rhônetal. Armenien war am Ende des dritten Jahrhunderts offiziell christianisiertes Land. Ostwärts breitete sich der christliche Glaube mit der gleichen Dynamik aus, bleibt aber im Rahmen dieses Kurses unberücksichtigt.

    Verfolgung der Christen

    Wie bereits angedeutet, kam es rasch zu Auseinandersetzungen mit den Vertretern des Judentums in Jerusalem. Nach der Eroberung des Tempels im Jahr 70 n. Chr. gab es im Judentum eine Neuorientierung und Sammlung. Die führte dazu, dass man sich von den Jesusjüngern distanzierte – was die christliche Gemeinde bis ins 3. Jh. hinein jedoch nicht hinderte, missionarisch unter Juden zu wirken. Zuerst musste Petrus (s. Abbildung 17) die Gemeinde verlassen, dann wurde sein Nachfolger, Jakobus, der leibliche Bruder von Jesus, im Jahr 62 schmachvoll umgebracht. Unter diesem Eindruck verließ die erste Christengemeinde die Stadt, um nach Pella (östlich des Jordans) zu ziehen. Die Brennpunkte der Jesusbewegung lagen danach in Antiochia und Rom, später kam Ephesus hinzu.

    Die erste große Verfolgungswelle durch die politische Obrigkeit erlebte die christliche Gemeinde unter Kaiser Nero (Abbildung 18). Im Sommer des Jahres 64 wütete ein gewaltiger Brand in der Stadt Rom. Man vermutete, dass Nero selbst den Befehl gegeben hatte, um Platz zu schaffen für neue Prunkbauten. Der aber suchte einen Sündenbock für das „Unglück“ und fand ihn in den Christen. Es handelte sich also um einen reinen Willkürakt. Dennoch war damals das gesellschaftliche Klima offensichtlich schon so stark negativ gegen die Christen gerichtet, dass es keine Probleme gab, als sie massenhaft zur Hinrichtung geführt wurden. Der römische Historiker und Senator Tacitus (um 58 – 120 n. Chr.) berichtet (Ann. XV.44): „Bei ihrer Hinrichtung steckte man sie in Tierhäute und ließ sie entweder durch Hunde zerfleischen oder heftete sie an Kreuze oder zündete sie nach Einbruch der Dunkelheit an, damit sie als Fackeln dienten.“ Wir können davon ausgehen, dass Petrus und Paulus im Rahmen dieser Verfolgung umgekommen sind.

    Kaiser Domitian (81-96) ließ erstmals systematisch Christen hinrichten. Abbildung 19 zeigt eine typische öffentliche Hinrichtung als Spektakel in der Arena.

    Ab etwa 100 n. Chr. wurde den römischen Behörden endgültig klar, dass der Christenglaube nicht eine jüdische Splittergruppe, sondern eine eigenständige Bewegung war, die nicht verharmlost werden durfte. Sie verweigerten jedes Opfer und waren damit – aus der Sicht der römischen Verwaltung – schlimmer als Juden, also Menschen dritter Klasse. Auf die Zugehörigkeit zu dieser Religion stand ab 100 n. Chr. die Todesstrafe. Sierszyn weist darauf hin, dass „die Zahl der Märtyrerinnen nicht geringer als die der Männer“ gewesen sei und erwähnt Bischof Clemens von Rom, der um 95 n. Chr. die „Seelenstärke der Blutzeuginnen rühmte“ (Sierszyn, Kirchengeschichte, Bd. 1, S. 56).

    Mehr oder weniger starke Einschränkungen beendeten die Phase intensiver Mission. Aber auch ohne öffentliche Mission blieben die Christen nicht unbeachtet. Sierszyn (Bd. 1, S. 24 ff.) berichtet, dass Christen durch ihr Verhalten auffielen. Anscheinend waren es besonders die Frauen, die in schlichter Aufmachung einen Kontrast zum römischen Prunk bildeten. Man pflegte einfache Mahlzeiten (ohne aufwendige Tafelmusik). Wenn Theaterstücke schamlose Ehebruchszenen enthielten (was oft der Fall war), mieden Christen solche Aufführungen. Christen beweinten ihre Toten nicht (anders als die damals verbreitete Trauerzeremonie). Sie verzierten die Türen nicht zum Geburtstag des Kaisers und verweigerten den Opferkult. Stattdessen kümmerten sie sich um gefangene Mitchristen und unterstützten Witwen und Arme. Christen verwarfen die Abtreibung und lehnten Betrug ab. Sie hielten Wort, setzten keine Kinder aus und lehnten die Homosexualität ab. Der besondere Lebensstil ließ viele Nichtchristen die Frage stellen, woher Christen die Kraft dafür nehmen (vgl. Eusebius von Caesarea, Kirchengeschichte, München 1981, VII 22,8 ff.)

    Eine Entscheidung des Kaisers Trajan im Jahr 111 war von besonderer Bedeutung für das Leben der Christen. Zunächst hatte sein Statthalter Plinius an verschiedenen Orten Kontakt zu Christen aufgenommen. Man sagte den Christen bereits damals merkwürdige Dinge nach: Sie feierten geheime Riten, hielten sexuelle Orgien ab, veranstalteten rituelle Festmahle mit Menschenfleisch. Nachforschungen von Plinius konnten keine dieser Anschuldigungen erhärten. Dennoch ließ er die Christen eines Ortes – auf Klage vonseiten gewisser Bürger – zusammenrufen und befragte jeden, ob er ein Christ sei (vgl. Robert Wilken, Die frühen Christen, Graz 1986, S. 36 ff.). Dabei machte er jeden Befragten darauf aufmerksam, falls er mit „ja“ antworte, würde er hingerichtet werden. Wer auch beim dritten Mal seine Zugehörigkeit zu den Christen bestätigte, wurde zur Hinrichtung abgeführt. Sein Vorgehen begründete der Beamte folgendermaßen: „Die Sache, zu der sie sich bekennen, sei welche sie wolle, aber die Hartnäckigkeit und der unbeugsame Starrsinn (in ihnen) muss bestraft werden.“ Als Antwort auf eine Anfrage von Plinius erließ Kaiser Trajan folgende Vorschriften:

    • Christen sind nicht aufzuspüren.

    • Anonyme Anzeigen sollen nicht beachtet werden.

    • Hartnäckige Christen sollen auf Anzeige hin mit dem Tod bestraft werden.

    • Reuige Christen, die widerrufen und den Tatbeweis des Opferns (im Rahmen des Kaiserkultes) erbringen, sind unverzüglich freizulassen.

    • Über ihre Vergangenheit sind keinerlei Nachforschungen anzustellen.

    Die Folge dieses Erlasses war ein Ansteigen der Prozesse gegen Christen, weil sich die Bürger nun, da die juristische Regelung klar war, ermutigt fühlten, gegen Christen vorzugehen. Gleichzeitig war es so einfach, zu überleben! Für die Christen war der Erlass eine besondere Herausforderung zur Treue: Nur ein kleiner Satz, nur ein rasches Opfer – und schon wäre man frei gewesen!

    Eine Zeit relativer Ruhe wurde 202 durch Kaiser Severus beendet. Er verbot bei schwerer Strafe den Übertritt zum Judentum. Die gleiche Anordnung traf er auch für das Christentum. Bedrängt wurden die Christen aber nicht flächendeckend, sondern abhängig vom jeweiligen Provinzverwalter. Der Historiker Clemens von Alexandria musste z. B. berichten (zit. in: J. Alzog, Universal-Kirchengeschichte, Mainz 1866, S.139): „Täglich sehen wir viele Märtyrer vor unseren Augen verbrennen, kreuzigen, enthaupten.“ In anderen Regionen scheint es weniger dramatisch gewesen zu sein.

    Zwischen 220 und 250 erlebten die Christen eine Zeit relativer Ruhe. Allmählich wurde der Christenglaube salonfähig. Kaiser Decius allerdings erkannte in den Christen eine Gefahr für die Einheit des Reiches. Er versuchte, sie wieder „auf Linie“ zu bringen und verordnete ein allgemeines Opfern. Wer seine Loyalität gegen den Kaiser verweigerte, wurde liquidiert. Aus Sicherheitsgründen verbot sein Nachfolger Valerian 257 alle christlichen Versammlungen in Häusern und Katakomben. Trotzdem breitete sich der Glaube weiter aus.

    Hören Sie das folgende Tondokument „Verfolgung 250nChr.mp3“ an und werten Sie die zusätzlichen Informationen zum Thema Christenverfolgung aus.

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    Vertiefung

    1. Lokalisieren Sie die in Apg 2,7ff. erwähnten Volksgruppen auf einer Karte.

    2. Wenn die fünf oben erwähnten Merkmale der ersten christlichen Gemeinde grundlegend für alle christlichen Gemeinden aller Zeiten sind, worauf sollten Kirchen/Gemeinden dann den Schwerpunkt legen?

    3. Welche Konsequenz ergibt sich für Christen heute, wenn wir die von den Christen der Anfangszeit verkündigte Botschaft als richtig/verbindlich/zeitlos beurteilen?

    4. Vergleichen Sie die Karten „100-200“ und „200-300“ und markieren Sie die Unterschiede.

    5. Christenverfolgung – gibt es das heute noch? Wenn ja, wo? Wie lauten die heutigen Gründe?

    6. Welche Stimmung herrschte im Volk gegenüber den Christen?

    7. Warum erwiesen sich Verfolgungszeiten als Segenszeiten für die christliche Kirche?

    8. Was nehmen Sie als neuer Erkenntnis aus diesem Kapitel mit? Was fordert Sie heraus? Was ist noch unklar?

    F Sind die Bibeltexte aus der Anfangszeit der christlichen Kirche/Gemeinde nur beschreibend oder normativ für alle Zeiten? Begründen Sie Ihre Meinung. Was ergäbe sich aus unterschiedlichen Ansätzen? Welche der geschilderten Grundsätze halten Sie heute noch für gültig? Warum? (F)

    K Welche Begründung bewegten die römische Obrigkeit zur Verfolgung von Christen? Wie ging die Politik gegen Christen vor? Welchen Erfolg hatten die politischen Maßnahmen? (K)


    1. Lokalisieren Sie die in Apg 2,7ff. erwähnten Volksgruppen auf einer Karte.

    2. Wenn die fünf oben erwähnten Merkmale der ersten christlichen Gemeinde grundlegend für alle christlichen Gemeinden aller Zeiten sind, worauf sollten Kirchen/Gemeinden dann den Schwerpunkt legen?

    3. Welche Konsequenz ergibt sich für Christen heute, wenn wir die von den Christen der Anfangszeit verkündigte Botschaft als richtig/verbindlich/zeitlos beurteilen?

    4. Vergleichen Sie die Karten „100-200“ und „200-300“ und markieren Sie die Unterschiede.

    5. Christenverfolgung – gibt es das heute noch? Wenn ja, wo? Wie lauten die heutigen Gründe?

    6. Welche Stimmung herrschte im Volk gegenüber den Christen?

    7. Warum erwiesen sich Verfolgungszeiten als Segenszeiten für die christliche Kirche?

    8. Was nehmen Sie als neuer Erkenntnis aus diesem Kapitel mit? Was fordert Sie heraus? Was ist noch unklar?

    • Sind die Bibeltexte aus der Anfangszeit der christlichen Kirche/Gemeinde nur beschreibend oder normativ für alle Zeiten? Begründen Sie Ihre Meinung. Was ergäbe sich aus unterschiedlichen Ansätzen? Welche der geschilderten Grundsätze halten Sie heute noch für gültig? Warum? (F)

    • Welche Begründung bewegten die römische Obrigkeit zur Verfolgung von Christen? Wie ging die Politik gegen Christen vor? Welchen Erfolg hatten die politischen Maßnahmen? (K)

    Die Hintergründe der Entstehung des Christentums



    Die politischen, religiösen und gesellschaftlichen Hintergründe für die Entstehung des Christentums.

    Lernziele

    1. Die Kirchengeschichte hat ihre Vorläufer in der alttestamentlichen Heilsgeschichte und ihre Grundlage in dem, was Jesus Christus getan hat. Sie erkennen die Kirchengeschichte als Teil der Heilsgeschichte.

    2. Sie erkennen, dass die gesellschaftlichen und politischen Hintergründe zur Zeit der Entstehung des Christentums vieles von dem transparent machen, was beim bloßen Lesen des Neuen Testaments unklar bleibt.

    3. Ihnen wird die Lehre und das Wirken von Jesus Christus in seiner historischen Einzigartigkeit bewusst.

    Beginn der Kirchengeschichte

    Politische Hintergründe

    Schauplatz der frühen Kirchengeschichte ist die östliche Hälfte des römischen Reiches, ein Imperium unterschiedlicher Rassen und Kulturen. Die einheitliche politische, militärische und wirtschaftliche Organisation schwächte jedoch die Unterschiede ab und führte zu einer Vermischung. Hinzu kam die Vereinheitlichung der Sprache durch das Koine-Griechisch. Das riesige Reich war eingeteilt in Provinzen, die entweder direkt oder durch Konsuln vom Kaiser in Rom verwaltet wurden (s. Abbildung 6).

    Die Gegend, in der die Kirchengeschichte ihren Anfang nahm, würden wir heute als multikulturell bezeichnen. Eine Reihe von kulturellen und gesellschaftlichen Entwicklungen, die in vorchristlicher Zeit stattfanden, waren Wegbereiter für die Verkündigung der Frohbotschaft und sollen deshalb kurz genannt werden: Innerhalb der griechischen Welt hatte nach der Rückkehr der Juden aus der babylonischen Gefangenschaft ein Prozess der Neuorientierung stattgefunden. Alle bisherigen Überlieferungen wurden hinterfragt und gesellschaftliche Strukturen kritisch beleuchtet. So wandten sich griechische Philosophen auch gegen den griechischen Götterkult mit seinen allzu menschlichen Auswüchsen. Dieser Prozess der Neuorientierung führte im Bereich der Religion zur Offenheit für den Monotheismus oder zur grundsätzlichen Frage, ob es Götter überhaupt gibt. An diese Entwicklung konnte Paulus in seiner Areopag-Rede – wie es die Apostelgeschichte festhält – anknüpfen.

    Die griechische Kultur, besonders die Denkarbeit der Philosophen, prägte den ganzen Mittelmeerraum. Die Zeit der Blüte des griechischen Weltreichs unter Alexander dem Großen (356-323 v. Chr.) war gefolgt vom Zerfall des Reiches. Das zerfallende, politische Gebilde wurde dann aber nicht mehr von den Griechen, sondern von den Römern zusammengehalten. Als Jesus Christus geboren wurde, war seine Heimat politisch gesehen römisch, kulturell gesehen griechisch und religiös gesehen jüdisch. Neben dem Hebräischen stand das Griechische als Sprache zur Verfügung, das von einer Vielzahl von Menschen verstanden wurde.

    Damit war sowohl philosophisch der Boden vorbereitet für die Ausübung einer Religion als auch politisch ein rechtsstaatliches System dafür vorhanden.

    Religiöse und kulturelle Hintergründe

    Religion


    Die religiöse Lage bot ein buntes Bild. Zahlreiche Kulte existierten nebeneinander. Es gab nur wenig, was von der Regierung verboten wurde. Die römischen Bürger und alle übrigen Völker des Reiches erkannten gegenseitig ihre Götter an. Man lebte pluralistisch und tolerant. Kennzeichen römischer Kultur wurde der Kaiserkult, der unterschiedlich gefeiert wurde. Man sah sich jedenfalls abhängig vom Kaiser und erbat im Kaiserkult den Schutz der Götter für diesen wichtigen Mann.

    Nach ihrem Tod wurden die Kaiser in die Reihen der Götter aufgenommen. Augustus nannte sich erstmals „Sohn Gottes“, wahrscheinlich primär aus politischen Gründen. In der Folge wurde er als „Retter“ (Sotär) des Menschengeschlechts und als Friedensstifter verehrt. Im Kaiserkult wurden aber nicht die Kaiser als Personen, sondern ihr Genius verehrt. Die nach ihrem Tod vergöttlichten Kaiser nahmen eine Mittelstellung zwischen Göttern und Menschen ein. Geopfert wurde also nicht dem Kaiser, sondern zugunsten des Kaisers. Das jährliche Opfer war Staatspflicht. Dabei war es egal, bei welchem Gott das Opfer gebracht wurde. Für Christen ergab sich daraus nicht das Problem der Verehrung des Kaisers, die Schwierigkeit bestand in ihrer Ablehnung jeder Form von Opfern.

    Die Juden lehnten den Staatskult ab und verweigerten konsequent die bildliche Darstellung ihres Gottes. Diese Exklusivität legte man ihnen als Mangel an Gemeinsinn aus und bezeichnete sie deshalb als Bürger zweiter Klasse (Christen waren Bürger dritter Klasse!). Immerhin kannten Juden noch den Opferdienst (der wurde zwar seit der Zerstörung des Tempels nicht mehr praktiziert, bestand aber als theoretische und erstrebte Möglichkeit weiter), galten deshalb gegenüber Christen als das kleinere Übel und waren offiziell als Religion anerkannt. Innerhalb ihrer Provinz (Judäa) wurde den Juden weitreichende Selbstständigkeit zugestanden. Es gab außerdem über das römische Reich verteilt zahlreiche jüdische Gemeinden und das Judentum wirkte durch seinen Monotheismus und seine Ethik attraktiv. Die für die Ausbreitung des Christentums vorbereitende Arbeit des Judentums darf nicht unterschätzt werden. (vgl. A. Harnack, Die Mission und Ausbreitung des Christentums in den ersten drei Jahrhunderten, Leipzig 1906, Bd. 1, S. 14)

    Volksglaube

    Bei aller religiösen Vielfalt bestand Einigkeit im Glauben, dass Glück und Unglück, Freude und Leid Gaben der Götter sind. Deshalb gewann der Kult der Zeus-Tochter Tyche an Einfluss. Tyche war Göttin des Schicksals und Spenderin von Glück und/oder Unglück. Gleichzeitig war der Mensch lernfähig und verantwortlich. Deshalb konnte er gewissen Einfluss auf sein Schicksal nehmen. Grundsätzlich herrschte Furcht vor den Göttern, sie galten als Mächte, auf die man wenig Einfluss hatte. Wer korrekt seine Opfer brachte, brauchte allerdings nur wenig Angst zu haben. Die stoischen Philosophen (philosophische Denkrichtung ab 300 v. Chr., die den Menschen als Teil des Universums verstand und ihr Ideal darin sah, in Übereinstimmung mit den Gesetzen des Universum zu leben und dabei Ruhe und Gelassenheit zu wahren) wandten sich nicht nur gegen die Angst vor Göttern, sondern generell gegen die Angst. Die Mehrheit der Bevölkerung war aber nicht Anhänger der Stoiker. Man glaubte an ein Weiterleben nach dem Tod und machte sich Gedanken über Vergeltung im Jenseits. In wichtigen Lebensfragen wandte man sich an die Götter und erhielt etwa im Traum oder im Orakel eine Antwort. Verfehlungen konnte man durch Opfer sühnen.

    Statistik

    Man schätzt die Bevölkerung des Imperium Romanum zur Zeit der Urchristen auf 50 – 80 Mio., wobei nur 7 Mio. römische Bürger waren. Rom hatte 600.000 – 1 Mio. Einwohner, andere Großstädte 50.000 – 100.000. Die meisten Orte hatten nur 2.000 – 3.000 Einwohner. In Rom lebten etwa 15.000 – 40.000 Juden (2-6 Prozent), in Ägypten 150.000 – 200.000 (3 Prozent), in Damaskus etwa 18.000. Die Zahl der in der Zerstreuung lebenden Juden wird auf ca. 5 Mio. geschätzt.

    Die Lebenserwartung war gering, die Kindersterblichkeit hoch. Wohl 25% der Neugeborenen überlebten das erste Lebensjahr nicht. Nur 43 Prozent aller Menschen erreichten das 15. Lebensjahr und nur 7,5 Prozent wurden 65 Jahre alt. Wer 15 Jahre alt war, konnte damit rechnen, ca. 46 Jahre zu werden. Ein 45-Jähriger konnte damit rechnen, 60 Jahre alt zu werden. Ein 60-Jähriger durfte statistisch mit 69 Jahren rechnen. Die durchschnittliche Kinderzahl pro Familie wird auf 5,3-8 geschätzt.

    Römische Gesellschaft

    Die römische Gesellschaft war bestimmt vom Prinzip der Ungleichheit. Es gab die herrschende Schicht, die Grundbesitz besaß. Zu dieser Gruppe zählten Kaiser, Senatoren (600 – 5000), Ritter (bis 20.000) und die städtische Aristokratie (100.000 – 150.000), insgesamt etwa 1 Prozent. Die Oberschicht genoss Privilegien und wurde mit besonderem Respekt behandelt. Gegenüber den Untertanen pflegte die Oberschicht idealerweise patriarchale Verantwortung, man sorgte für die Bürger. Im Römerstaat galt Opferbereitschaft für die Gesellschaft als große Tugend. Das Leben in der Unterschicht verglichen Geschichtsschreiber mit dem eines Hasen, der sich Haken schlagend rettet oder wegduckt, wenn ein Stärkerer kommt.

    Römische Vollbürger hatten im Blick auf die Versorgung mit Land, im Steuerrecht, im Privatrecht und im Strafrecht Sonderrechte. Ein römischer Bürger konnte nur durch das Gericht des Kaisers in Rom zum Tod verurteilt werden. Für die Verleihung des Bürgerrechts war die Kenntnis der lateinischen Sprache Voraussetzung. Aufsteigen konnten auch Fremde, indem sie besondere Dienste taten. Unterhalb der rats- und amtsfähigen Bürger rangierten die Nicht-Bürger, wobei auch hier unterschiedlicher Status herrschte. Man unterschied die Freigeborenen (Nicht-Sklaven ohne Stimmrecht) von den Freigelassenen. Die Freigeborenen stellten den größeren Teil der Bauern, Handwerker, Gewerbetreibenden und Händler. Unter den Freigelassenen standen Sklaven als Sachgüter zum Verkauf. Auch innerhalb der Gruppe der Sklaven gab es große Unterschiede. Lehrer etwa lebten recht gut.

    Das Leben spielte sich auf der Straße ab. Hier wurde gekauft, verkauft, gegessen, getratscht, gespielt, Wasser geholt und die Religion ausgeübt. Die Häuser selbst waren vielfach unbequem und dunkel. Tausende von Statuen säumten die Straßen: Götter, Politiker, Dichter, Redner, Schauspieler und Athleten wurden abgebildet, verehrt, gewaschen, gesalbt und feierlich durch die Stadt getragen.

    Im Blick auf die Götterverehrung konnte jede Stadt eigene Wege gehen. Man achtete aber darauf, den unterschiedlichen Göttern gleiche Ehre zukommen zu lassen.

    Betrachtet man die technischen Errungenschaften der Römer, dann fällt auf, dass sie hervorragende Fachleute für den Alltagsbedarf waren, die mit bewundernswerter Präzision und Sorgfalt ein Riesenreich verwalteten. Straßenbau und Wasserleitungen (s. Abbildung 7), Häuserbau (Abb. 8), Nachrichtensysteme, Hygiene, Medizin, alles war für die damalige Zeit beeindruckend. Besonders gut verstanden sich die Römer auch auf die Kriegsführung. Die Disziplin der Soldaten war weltbekannt und ihre Schlagkraft gefürchtet. Wenn römische Soldaten eine Stadt belagerten, gab es kaum ein Entrinnen.


    Jesus Christus

    Seine Heimat

    Jesus und seine Jünger kamen aus Galiläa. Damals lebten etwa 2,5 Mio. Menschen in der Provinz Judäa (ca. 800.000 Juden, ca. 500.000 Samaritaner, Griechen und Nabatäer). Galiläa wurde zur Zeit von Jesus durch Herodes Antipas regiert, dem zweiten Sohn von Herodes dem Großen. Im Jahr 40 n. Chr. wurde Galiläa an Herodes Agrippa I. übertragen. Nach vier Jahren seiner Herrschaft kam Galiläa unter direkte römische Verwaltung.

    Galiläa hatte fruchtbare Böden und war wohl dichter besiedelt als der Rest des Landes. Man lebte von Olivenölproduktion, Getreide-, Wein-, Feigen-, Gemüse- und Pilzanbau, Schafzucht, Ziegen, Wollproduktion, Dattelpalmen und der Geflügelzucht. Viele Menschen arbeiteten im Handel, Handwerk und Tonwarenbereich. Im Großraum Jerusalem blühte zudem der Tourismus.

    Steuern waren auch damals schon zu bezahlen: die Tempelsteuer, der Zehnte, Kopfsteuer, Gewerbe- und Vermögenssteuer, Tribut, Salzsteuer, Verkaufssteuer, Zoll – insgesamt eine schwere Last. Es gab Reiche und Arme, Offiziere und Hausierer, Sklaven und Prostituierte, Hirten und Banditen. Die herodianische Herrscherfamilie war verhasst.

    Der Alltag war gezeichnet durch politische Demütigungen für die Juden, ebenso von wirtschaftlicher Not. Man hielt Feste, aß (als Jude) keine unreinen Tiere, hoffte auf die Wiederherstellung Israels und war bereit, für seinen Glauben Unannehmlichkeiten zu erdulden. Die religiöse Gruppe der Pharisäer strebte nach Gerechtigkeit, die Sadduzäer betonten die Eigenverantwortung. In den Städten konnten 2-15 Prozent der Bevölkerung lesen und schreiben, auf dem Land höchstens einer von hundert. Nachrichten gingen trotzdem hin und her. Die mündliche Überlieferung spielte dabei eine wichtige Rolle.


    Leben und Auftrag

    Die Menschwerdung des Gottessohns bildet den Angelpunkt der Weltgeschichte. Dies wurde aber erst im Nachhinein klar. Für die Zeit seines Auftretens galt für Jesus (Johannes 1,10f.): „Er kam in sein Eigentum und die Seinen nahmen ihn nicht auf.“ Kindheit und Jugend sind mit Ausnahme der spektakulären Ereignisse um die Geburt äußerlich unscheinbar und von der Öffentlichkeit unbeachtet geblieben. Trotzdem lag bereits über seiner Geburt ein Geheimnis: Während das Leben eines gewöhnlichen Menschen mit der Zeugung und Geburt beginnt, trat Jesus zwar als Mensch erst mit seiner Empfängnis und Geburt ins irdische Dasein, existiert hat er nach biblischer Überzeugung jedoch als Person schon von Ewigkeit her.

    Seine irdische Geburt war deshalb kein absoluter Anfang, sondern wie Johannes in seinem Evangelium formuliert, das Kommen des ewigen Wortes Gottes in diese Welt („Das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns“ (Johannes 1, 14). Nachdem Jesus durch Johannes am Jordan getauft worden war, zog er sich zunächst in die Wüste zurück, um danach am Jordan seine ersten Jünger zu berufen und sie zu Menschenfischern auszubilden.

    Mit diesen zwölf Jüngern ging Jesus hinauf nach Galiläa, wo er auch das erste Wunder (Wasser wurde zu Wein) bewirkte (Johannes 2, 1-12). Damit wurde von Anfang an deutlich, dass er nicht nur ein (Buß-)Prediger war wie Johannes, sondern der, der Leben und Freude bringt. Die darauf folgende Tempelreinigung ließ aufhorchen! (Johannes 2, 13-25) Zwar war klar, dass der Messias das Recht hatte, den Tempel zu reinigen. Aber wenn Jesus von Nazareth der Messias war, musste er sich legitimieren. Seine Legitimation bestand im Hinweis: „Brecht diesen Tempel ab, und in drei Tagen werde ich ihn aufrichten.“ Dies konnte natürlich nicht ohne weiteres verstanden werden. Die Art und Weise des Auftretens von Jesus stellte die Vorstellungen und Erwartungen der Juden in vieler Hinsicht in Frage. Zunehmend offenbarte er sich in seinen Worten und in seinem Verhalten anders, als die Mehrheit es erwartet hatte.

    Jesus selbst wusste sich von Gott gesandt, die verlorenen Schafe Israels zu sammeln. Der Anspruch, mit dem er auftrat, ging weit über alles hinaus, was das alte Israel vom verheißenen Messias erhoffte. Er zog durch Dörfer und Städte und verkündete die Botschaft vom anbrechenden Reich Gottes. Er rief zur Umkehr und zum Glauben, wobei er sich als der von Gott Gesalbte sah, der durch Lehre, Heilung und Befreiung die befreiende Macht des Reiches Gottes sichtbar machte.

    Dieses Reich hat einen gegenwärtigen und einen zukünftigen Aspekt. Jesus kam, um den Vater zu offenbaren, er kam um Kranke zu heilen, Sünde zu vergeben, um zu retten und Leben wieder herzustellen. Er ist Arzt, Hirte und Erlöser. Das Evangelium ist die Nachricht von der sich verwirklichenden Gottesherrschaft. Jesus rief konkret zur Buße, Abkehr vom Alten, hin zum Neuen (griech.: „metanoia“ und „pisteuein“). Wer umkehrt, ob Jude oder Heide, gehört zum wahren Volk Gottes, er wird ein Kind Abrahams. Glaube bedeutete: Folge Jesus nach, vertraue Gottes gnädiger Herrschaft und vertraue, dass sie durch Jesus zu uns kommt. Gib deine Möglichkeiten preis und lebe im Horizont der angebrochenen Herrschaft Gottes.

    Die Zeit der Wunder Jesu in Galiläa brachte Bewegung ins Volk. Die religiösen Führer konnten ihn nicht mehr übersehen. Einerseits bestätigte Jesus mehr und mehr, dass er der Messias war und legte in der Bergpredigt die Grundsätze seines Reiches dar. Andererseits wuchs der Widerstand der religiösen Führerschaft. Wir müssen bedenken: In der jüdischen Messiaserwartung konnte der Messias wohl ein außergewöhnlicher Mensch, aber niemals Gott sein. Seit Jahrhunderten bekannte Israel: „Höre, Israel, der Herr unser Gott, der Herr ist einer.“ Wie sollte da der Sohn mit dem Vater in diese Einheit gesetzt werden und schließlich noch durch eine dritte Person „komplett“ werden? Um genau dieses Anspruchs willen (nicht in erster Linie wegen des messianischen Anspruchs) wurde Jesus den Juden ein Ärgernis. Der Durchbruch zur Erkenntnis, dass Jesus der Messias und Gottessohn war, geschah für die Jünger (und wie der Schluss des Matthäusevangeliums zeigt, nicht einmal für alle) endgültig erst durch die Auferstehung. Sie bekannten ihn als Herrn und Gott und beteten ihn an.)

    Die außergewöhnlichen Taten von Jesus konnten und wollten auch die Gegner von Jesus nicht leugnen, sie legten sich aber darauf fest, dass Jesus mit dem Teufel zusammenarbeite. Die Auseinandersetzungen spitzten sich zu und führten zu seiner Gefangennahme, Verurteilung und Hinrichtung.

    Das Zentrum seiner Verkündigung hatte in der Lehre bestanden, er selbst sei das Sühnopfer für die ganze Welt. Das Leiden und Sterben von Jesus bildete damit den Mittelpunkt seines Wirkens auf der Erde. „Musste nicht der Messias dieses leiden und so in seine Herrlichkeit eingehen?“ fragten die Jünger von Emmaus (Lukas 24, 16). Theologisch gesprochen: Gottes Liebe ging in Christus den Weg des Leidens, um so den Weg zur Herrlichkeit zu öffnen. Der Sühnetod Jesu gilt nicht nur dem jüdischen Volk, sondern der ganzen Welt. Deshalb wurde nach der Auferstehung die gesamte Menschheit zum Adressaten der Evangeliumsverkündigung.

    Die Regierung glaubte, das Thema „Jesus“ mit seiner Hinrichtung erledigt zu haben. Aber spätere Kritiker des christlichen Glaubens bestätigten (Tacitus, Ann. 15,44,2-5): „Der für den Augenblick unterdrückte, verderbliche Aberglaube (der Glaube an den Messias Jesus, BT) brach wieder auf und verbreitete sich sogar in der Hauptstadt (Rom, BT), wo alles Scheußliche und Schändliche von überallher zusammenströmt und Anklang findet.“ Hintergrund dieser Aussage war nichts anderes als die Auferstehung.

    Die wissenschaftliche Forschung hat beim Osterereignis immer wieder die Frage nach der Geschichtlichkeit gestellt. Handelt es sich bei den Berichten um glaubwürdige Darstellungen? Manche sind zum Schluss gekommen, dass die Bibel nur vom Osterglauben der Jünger berichten kann. Nach den Regeln der historischen Forschung gibt es jedoch keinen zwingenden Grund, die Geschichtlichkeit des leeren Grabes abzulehnen. Die Berichte sind aus unterschiedlicher Perspektive geschrieben und bieten durchaus Schwierigkeiten beim Zusammensetzen der Puzzlestücke. Aber gerade diese Spannung macht die Berichte glaubwürdig. Nur ein Ereignis von der Tragweite der Auferstehung kann den weiteren Verlauf der Geschichte der Kirche erklären. Die leibliche Auferstehung des Herrn ist Grundlage der Kirchengeschichte. Seine Herrschaft ist nicht Vergangenheit, sondern ständige Gegenwart. Jesus ist Herr der Geschichte und das lebendige Haupt seiner Gemeinde.

    Mit Pfingsten und dem Missionsauftrag beginnt die Zeit der Gemeinde – und damit die Zeit der Kirchengeschichte.

    Vertiefung

    1. Wie lässt sich auf dem Hintergrund dieses Kapitels die Aussage von der „erfüllten Zeit“ für das Kommen von Jesus (Galater 4,4) erklären?

    2. Was unterscheidet den christlichen Glauben von anderen Religionen?

    3. Welche Rolle spielt der Kreuzestod von Jesus in der Verkündigung des Evangeliums?

    4. Warum steht die Person von Jesus Christus im Mittelpunkt der Kirchengeschichte?

    5. Welche wichtigen neuen Erkenntnisse haben Sie gewonnen? Notieren Sie drei wichtige Details

    F Wo gibt es Parallelen in der römischen Gesellschaft zum modernen

    Westeuropa? (F)

    K Welche Umstände begünstigten die Ausbreitung des Christentums?

    Welche waren eher hinderlich? (K)

    Glauben heißt Vertrauen

    Der Glaube an beziehungsweise das Vertrauen in die bedingungslose Sinnhaftigkeit des Lebens und damit auch auf Gott als den Schöpfer und Lenker dieses Lebens gehört für mich untrennbar zusammen. Viktor Frankl ging es ähnlich. Zwar hatte er keine persönliche Beziehung zu Jesus Christus, aber er war als Jude geprägt von einem persönlichen Glauben an den Gott des Alten Testaments und bezeugt diesen auch in seinen Büchern.

    Er schreibt zum Beispiel: „Der Glaube darf nicht starr sein – er soll fest sein. Starrer Glaube macht fanatisch – fester Glaube tolerant. Wer nicht fest in seinem Glauben steht, klammert sich mit beiden Händen am starren Dogma an; wer hingegen fest im Glauben steht, hat die Hände frei – und reicht sie den andern, mit denen er in existentieller Kommunikation steht.“

    Echter Glaube gibt Sinndeutung. Dieser Glaube lässt sich nicht manipulieren oder erzwingen, sondern braucht immer einen „glaubwürdigen“ Grund und Inhalt, an den es sich zu glauben lohnt. Man kann ebenso wenig glauben „wollen“ wie man auf Befehl lachen kann – für einen echten Heiterkeitsausbruch muss man einen Grund zum Lachen haben.

    Das für wahr Halten von konfessionellen Regeln ist immerhin ein Glaube, der dazu führt, dass Menschen sich zusammen finden, die an die Existenz Gottes glauben. Ihre Sicht der Welt, des Menschen und ihre Auffassung von Gut und Böse decken sich; sie bilden eine Gemeinschaft. Dieser Glaube ist gut, aber er ist nicht genug. Denn erst die bewusste Entscheidung, das persönliche Bekenntnis zu Gott als dem Ursprung der eigenen Existenz ist echter und gelebter Glaube, der auch in Krisensituationen nicht schwindet, sondern Halt gibt. Ein solches Bekenntnis erwächst aus innerer Stärke und macht den Gläubigen noch stärker. Es öffnet den Blick auf den Sinn des Lebens und motiviert zum Annehmen der Realität. Es ist der mutige Schritt in die Selbstverantwortung und das Ausharren darin.

    Dieser Glaube ist absolut bedingungslos, denn Gott lässt nicht mit sich handeln. Als sehr eindringliches Beispiel hierzu führt Viktor Frankl den Massenmord im Holocaust an, den er selbst nur knapp überlebte, und stellt fest: „Ich bestreite aufs Entschiedenste, dass es möglich ist, sich auf ein Handeln einzulassen, zu sagen: lieber Gott, pass einmal auf, bis 526.000 ins Gas gegangener Juden behalte ich meinen Glauben an dich, aber nicht einen einzigen mehr lasse ich zu. Dass du 5 oder 6 Millionen hast umkommen lassen – daraufhin ziehe ich meinen Glauben an dich zurück. Handeln kann man nicht. Und siehe da, der Glaube, der wirkliche Glaube, besteht auch dann noch fort.“

    Mit einem solch unerschütterlichen Glauben gibt es letztlich nichts Sinnloses. Dann ist nichts vergebens. Viktor Frankl geht ebenso wie ich persönlich davon aus, dass individuelle Sinnfindung für den Menschen in jeder Situation möglich ist, mag sie vordergründig auch noch so sinnlos erscheinen. Denn, so Viktor Frankl: „Das ist nämlich das Geheimnis der bedingungslosen Sinnträchtigkeit des Lebens: dass der Mensch gerade in Grenzsituationen seines Daseins aufgerufen ist, gleichsam Zeugnis abzulegen davon, wessen er und er allein fähig ist. So hört denn das Leben buchstäblich bis zu seinem letzten Augenblick, bis zu unserem letzten Atemzug, nicht auf, Sinn zu haben.“

    Angesichts dieser bedingungslosen Sinnhaftigkeit des Lebens an sich muss es nach Frankl einen „Sinn des Ganzen“ geben, von dem der individuelle Sinn ableitbar ist. Dieser Gesamtsinn des Lebens übersteigt das menschliche Erkenntnisvermögen. Er lässt sich daher nicht beweisen, sondern muss geglaubt werden.

    Viktor Frankl schreibt dazu: „Je umfassender der Sinn ist, umso weniger fasslich ist er. Wo es gar um den letzten Sinn geht, entzieht er sich zumindest einem bloß intellektuellen Zugriff vollends. Was un-wiss-bar ist, braucht aber nicht un-glaub-lich zu sein. Angesichts der Frage, ob alles einen, wenn auch verborgenen Sinn hat oder aber die Welt ein einziger großer Unsinn ist, muss das Wissen das Feld räumen – es ist der Glaube, der da zu einer Entscheidung aufgerufen ist.“

    Wenn wir also in einem tragischen Ereignis nur schwer einen Sinn entdecken können, dann dürfen wir auch bitterlich klagen. Doch trotz aller Verzweiflung sollten wir uns davor hüten, aus einer Situation, deren Sinn sich uns nicht erschließt, auf eine absolute Sinnlosigkeit des Lebens und der Schöpfung zu schließen.

    Die folgende kleine Geschichte frei nach Novalis mag das verdeutlichen: „Stell dir vor, du bist eine Schnecke auf einer schönen glatten Straße, du kriechst vor dich hin, alles ist wunderbar! Was du aber aufgrund deiner eingeschränkten Sicht nicht sehen kannst, ist, dass du in Lebensgefahr bist. Du siehst die Autos nicht, die an dir vorübersausen! Da kommt eine Hand und setzt dich auf den Seitenstreifen … er ist steinig und unbequem, die Hand allein schon tut dir weh und du wehrst dich. Du willst nicht, der Seitenstreifen tut dir weh … aber … diese Hand, die dir (scheinbar) so viel Unbehagen bereitet, rettet dir dadurch das Leben.“

    Auch wir Menschen werden wohl erst am Ende unseres Lebens vollständig begreifen, was der Sinn unseres Daseins war und wovor Gott uns so manches Mal bewahrt hat, denn:

    Gedanken aus der Bibel:

    So wie diese Schnecke werden auch wir Menschen wohl erst am Ende unseres Lebens vollständig begreifen, was der Sinn unseres Daseins war und wovor Gott uns so manches Mal bewahrt hat. Solange wir leben, wird sein Handeln für uns manchmal unverständlich bleiben. In solchen Situationen kommt der Glaube ins Spiel. Er hält sich daran fest, dass Gott größer ist als unser Denken und unser Möglichkeiten. Und er setzt darauf, dass alles trotz allem einen Sinn ergibt:

    „Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HERR, sondern so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.“

    (Jesaja 55,8-9)

    Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.

    (Hebräer 11,1)

    Fragen zum Weiterdenken:

    • Wie sieht Ihr eigener Glaube aus? Gibt es Zweifel, Unsicherheiten oder Ängste in Ihrer Beziehung zu Gott? Sich das einzugestehen ist keine Schande, dieses Gefühl kennt wohl jeder Christ. Auch Gott hat Verständnis dafür und Sie können ihm ruhig im Gebet davon erzählen.
    • Haben Sie schon erlebt, wie das Vertrauen zu Gott und Jesus in scheinbar ausweglosen Situationen Trost und Hoffnung gibt?

    Die vollen Scheunen der Vergangenheit

    Der Tod ist für uns Menschen oft absolut sinnlos, denn schließlich raubt er uns scheinbar jede sinnvolle Entscheidungs- oder Handlungsmöglichkeit. Viktor Frankl stellt fest, dass der Tod und die Vergänglichkeit von den meisten Menschen missverstanden werden, und sagt:

    „Er [der Mensch] sieht nur das Stoppelfeld der Vergänglichkeit – aber er sieht nicht die vollen Scheunen der Vergangenheit. Er will, dass die Zeit stillstehe, auf dass nicht alles vergänglich sei; aber er gleicht darin einem Manne, der da wollte, dass eine Mäh- und Dreschmaschine stille steht und am Platz arbeitet, und nicht im Fahren; denn während die Maschine übers Feld rollt, sieht er – mit Schaudern – immer nur das sich vergrößernde Stoppelfeld, aber nicht die gleichzeitig sich mehrende Menge des Korns im Innern der Maschine. So ist der Mensch geneigt, an den vergangenen Dingen nur zu sehen, dass sie nicht mehr da sind; aber er sieht nicht, in welche Speicher sie gekommen. Er sagt dann, sie sind vergangen, weil sie vergänglich sind – aber er sollte sagen: vergangen sind sie; denn: »einmal« gezeitigt, sind sie »für immer« verewigt.“

    Viktor Frankl richtet hier den Blick weg vom bedrohlichen „Sensenmann“, der die Ähren vom Erntefeld unseres Lebens hinwegmäht, hin zur bewahrenden Scheune, in der das eingefahrene Korn unseres Lebens beschützt und behütet ruht. Selbst wenn sämtliche Spuren von uns im Sand der Geschichte verweht werden und niemand sich mehr an unser Leben erinnert, wird doch wahr bleiben, was wahr gewesen ist. Was wirklich sinnvoll war, wird immer sinnvoll bleiben.

    Eine Ehe, die 30 Jahre lang gehalten hat, ruht in der Scheune der Vergangenheit zweier Menschen. Selbst wenn beide schon tot sind, wird sie immer noch eine 30-jährige Ehe gewesen sein und nicht nur eine dreijährige. Und wenn sie gut war, wird sie immer noch eine gute Ehe gewesen sein und keine schlechte. Der Tod kann kein Jahr von ihr abschneiden, ebenso wenig kann er ihre Qualität mindern. Angesichts der ewigen Wahrheit ist der scheinbar mächtige Tod ohnmächtig.

    Was bedeutet diese Erkenntnis nun für die Zeit, die noch vor Ihnen liegt? Was bedeutet sie für Ihr Suchen nach einem sinnvollen Leben? Lassen Sie sich von der Endlichkeit Ihres Lebens nicht irritieren! Was Sie mühevoll leisten, was Sie täglich an Einsatz für eine sinnvolle Sache aufbringen oder in eine wertvolle Beziehung investieren, ist nicht umsonst, sondern Korn für Ihre persönliche Lebensscheune. Ihre vergangenen Glücksmomente sind auch nicht ein für alle Mal vorbei, sondern die Perlen Ihrer Lebensernte. Bringen Sie beständig ein, was Sie noch vom Feld holen können: ein Stück Liebe, ein Stück Arbeit oder ein Stück aufrichtiges Mitleiden, je nachdem. Was Sie in diese Scheune Sinnvolles über und für sich selbst gesammelt haben, das fällt dort nicht mehr heraus, das gehört für immer Ihnen.

    Nun kann man dem zu Recht entgegen halten, dass in der Vergangenheit ja auch alle negativen und leidvollen Ereignisse unauslöschlich aufbewahrt und damit nicht mehr korrigierbar sind. Elisabeth Lukas formuliert dazu ein wunderschönes Gleichnis, entnommen aus ihrem Buch „Kleines 1×1 der Seelenheilkunde“, S. 169f:

    Angenommen, jemand habe eine Schale mit 7 schwarzen und 4 weißen Steinen. Die Schale sei seine Lebensvergangenheit. Die Steine seien unveränderliche Geschehnisse darin: die schwarzen Steine negative, die weißen Steine positive. Die Wahrheit kann nicht revidiert werden. Was schwarz war, war schwarz, und was weiß war, war weiß.

    Aber das Verhältnis von schwarz zu weiß kann immer noch revidiert werden! Wie? Nun, es steht 7:4. Fügt der Betreffende in seinem gegenwärtigen Moment einen weißen Stein hinzu, wandelt sich das Verhältnis von schwarz zu weiß auf 7:5. Fügt der Betreffende im nächsten gegenwärtigen Moment wieder einen weißen Stein hinzu, wandelt sich das Verhältnis von schwarz zu weiß auf 7:6, und so fort. Es kann auf 7:100, ja, auf 7:1000 hoch ge-»weißelt« werden! Und mit einer Vergangenheit, die 7 negative Geschehnisse und 1000 positive enthält, lässt sich leben!

    Das ist das Wunder des gegenwärtigen Moments. Soll es vergeudet werden für Klagen über Gewesenes? (Noch ein schwarzer Stein dazu?) Für Zittern vor Werdendem? (Noch ein schwarzer Stein dazu?) Es wäre unendlich schade. Wohlan, holen wir einen weißen Stein aus dem Sortiment unserer Möglichkeiten und rollen wir ihn in die Wirklichkeit hinein! Die Kindheit war schlecht? Rollen wir die mutige Selbsterziehung dazu. Der Freund hat uns betrogen? Rollen wir die barmherzige Verzeihung dazu. Die Krankheit verkürzt unsere Lebenserwartung? Rollen wir ein sorgfältiges und kreatives Gestalten unserer Spielräume dazu. Die Schale füllt sich … womit, ist ein einziges Mal unser: jetzt! Und bedenken wir: sie wird mitsamt ihrem Inhalt für alle Zeiten unsere Schale bleiben. Eine zweite, leere, bekommen wir nicht mehr zum Füllen.

    Natürlich gibt es leidvolle Situationen im Leben, in denen beim besten Willen kein Sinn mehr erkennbar ist. Dennoch muss das nicht heißen, dass es diesen Sinn nicht gibt. Wie wir darauf vertrauen können, auch wenn wir an die Grenzen unseres eigenen Erfassungsvermögens stoßen, wird das Thema unserer letzten Einheit sein.

    Gedanken aus der Bibel:

    Leid, Tod und Angst werden in der Bibel nicht klein- oder schöngeredet. Gleichzeitig werden wir Menschen dazu ermutigt darauf zu vertrauen, dass Gott größer ist und diese Welt und unser Leben in seiner Hand hält. Selbst der Tod ist für ihn kein unüberwindbares Hindernis:

    Jesus Christus spricht: „Das habe ich mit euch geredet, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“

    (Johannes 16,33)

    Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?

    (1. Korinther 15,55)

    Fragen zum Weiterdenken:

    • Welche weißen Steine in Ihrer Lebensschale leuchten besonders hell? Machen Sie sie sich ruhig wieder einmal bewusst, dann ist es leichter, sie zu vermehren.
    • Gibt es schwarze Steine, die Sie lieber verstecken würden? Was haben Sie aus diesen dunklen Momenten gelernt? Jede Einsicht daraus ist schon wieder ein neuer weißer Stein! Würde Gott das genauso sehen wie Sie?

    Leiden ist Leistung

    Es gibt Momente im Leben, da erscheint uns die Frage nach dem Sinn wie Hohn! Wenn wir verzweifelt, mutlos und hoffnungslos sind und keinen Ausweg mehr wissen – wenn alles sinnlos erscheint. Gutgemeinte Ratschläge wie „Das wird schon wieder“ oder „Du wirst sehen, irgendwann verstehst du den tieferen Sinn von alldem“ werden dann eher als Schläge empfunden denn als Trost.

    Krisen erleben wir in der Regel dann, wenn wir Verluste erleiden. Solche Verluste können sein: der Verlust der eigenen Beweglichkeit und Kraft durch Krankheit, die Trennung von einem geliebten Menschen durch Scheidung, Tod oder das Zerbrechen einer Freundschaft, der Verlust von Anerkennung und materieller Sicherheit durch Arbeitslosigkeit oder auch der Verlust des eigenen Selbstvertrauens durch einen nicht behebbaren Fehler. All diese Verluste sind schlimm, besonders für denjenigen, der sie gerade erleidet.

    Deshalb ist es wichtig, sich zunächst einmal genug Zeit für Trauer und Klage zu lassen. Denn schon mitgeteiltes Leid ist halbes Leid! Das wussten die Menschen bereits zu biblischen Zeiten und drückten ihre Verzweiflung und Wut im Gebet aus. Die Bibel beschönigt das nicht, sondern überliefert uns diese Hilferufe in den Klage- und sogar Rachepsalmen.

    Besonders eindrücklich schildert die Bibel den Kampf eines leidenden Menschen im Buch Hiob. Mir persönlich hilft diese Geschichte immer sehr, wenn Gott allzu fern zu sein scheint. Sie macht deutlich, dass wir mit all unseren Klagen und unserem Zorn zu Gott kommen können. Er hält das aus. Hauptsache wir wenden uns nicht ganz von ihm ab.

    Das Interessante: Hiob hadert mit Gott, ringt um Antworten und ist alles andere als demütig und duldsam. Und Gott nimmt ihm das nicht übel. Im Gegenteil. Er lobt Hiob, weil er nicht aufgegeben hat. Ganz anders Hiobs Freunde. Sie versuchen sich mit ihren begrenzten menschlichen Mitteln eine Begründung zu überlegen, warum Hiob so leiden muss. Sie suchen vorschnell nach Sinn hinter seinem Leid. Sie glauben Hiobs Schicksal erklären zu können. Damit aber nehmen sie zum einen Hiobs Leid nicht ernst und reduzieren zum anderen Gottes Souveränität auf menschliche Maßstäbe. Das ist viel schlimmer als Hiobs Klage!

    Dennoch ist es wichtig in der Verzweiflung der Krise nicht stecken zu bleiben! Denn ursprünglich meint das Wort Krise (von griech. krisis) Entscheidung beziehungsweise entscheidende Wendung. Zunächst ist jede Krise ein Bruch in der Normalität und Kontinuität des Lebensverlaufs. Ob aus diesem Bruch ein Zusammenbruch oder ein Aufbruch wird, hängt von der Einstellung und damit der Entscheidung des Betroffenen ab. Denn den Inhalt der Krise können wir uns nicht aussuchen. Was wir aber daraus für die Gestaltung unseres Lebens entnehmen, welchen Sinn wir darin sehen, das ist unsere Sache und unsere Chance.

    Krisenbewältigung beginnt also mit der Bereitschaft, sich schrittweise von der lähmenden Wirkung der Krise zu lösen und sich auf die Krisenfolgen zu konzentrieren. Denn solange eine Krise als sinnlos erlebt wird, beherrscht uns die Verzweiflung und schlimmstenfalls geben wir sogar ganz das Leben auf. Gelingt es uns dagegen, uns im Leid nicht mehr die Frage nach dem „Warum“, sondern nach dem „Wozu“ zu stellen, so verwandelt sich die Krise in eine Aufgabe. Es kommt zu einem Lernprozess und zur Entwicklung. Dann können wir das Krisenereignis rückblickend als Auslöser für einen Neuanfang werten. Mit einem einfachen Gebet kann sogar Gott in diesen Prozess einbezogen werden. Zum Beispiel: „Gott, hilf du mir zu erkennen, wozu das alles dient – damit ich nicht mehr nach dem Warum fragen muss.“

    Viktor Frankl spricht vom „Leiden als Leistung“ und meint damit, dass es auf die Haltung beziehungsweise Einstellung ankommt, die der Mensch seinem Leid gegenüber einnimmt. Diese Fähigkeit bekommt der Mensch nicht in die Wiege gelegt, sondern muss sie sich im Laufe seines Lebens erst erwerben. „Erst unter den Hammerschlägen des Schicksals, in der Weißglut des Leidens an ihm, gewinnt das Leben Form und Gestalt. Das Schicksal, das ein Mensch erleidet, hat also erstens den Sinn, gestaltet zu werden – wo möglich –, und zweitens, getragen zu werden – wenn nötig.“

    Andererseits macht Viktor Frankl unmissverständlich deutlich: Erst wenn der Mensch keine Möglichkeit mehr hat, einen leidvollen Tatbestand zu verändern, erst dann hat es einen Sinn, sein „Kreuz auf sich zu nehmen“. Unnötiges Leiden auszuhalten wäre nämlich keine Leistung, sondern Mutwille.

    Schicksalhaft notwendiges Leiden hat nach Viktor Frankl dagegen eine mehrfache Bedeutung für den Menschen, der es in aufrechter Weise erträgt. Leiden ist nach ihm Leistung, die zu Wachstum und Reifung führt und schließlich zur Bereicherung werden kann. Den Sinn eines Leids aber muss immer der Betroffene selbst entdecken, er darf nie von außen aufgedrängt werden.

    Zum Abschluss dieser Einheit möchte ich dazu noch ein Beispiel schildern. Lassen Sie es einfach auf sich wirken.

    Gabriele – so nenne ich sie hier – ist seit ihrer Geburt schwer mehrfachbehindert. Sie kann weder sitzen noch sich alleine bewegen, ja nicht einmal mit dem Kopf nicken oder diesen schütteln. Sie wird über eine Magensonde künstlich ernährt, weil ihr Schluckreflex nicht funktioniert und trägt Windeln. Das alles erlebt sie bei vollem Verstand mit, denn ihr Intellekt ist wach! Verständigen kann sie sich nur, indem sie mit den Augen zwinkert. Einmal zwinkern ja, zweimal nein. Nach demselben System buchstabiert sie auf einer Alphabet-Tafel, die man ihr vors Gesicht hält. Man fährt mit dem Finger die Reihen und Spalten auf der Tafel entlang und an der richtigen Stelle zwinkert sie.

    Wenn Gabriele eine CD hören möchte, fixiert sie so lange ihre Stereoanlage, bis es auch der langsamste Gesprächspartner begriffen hat. Die Wahl des Musikstücks erfolgt dann wieder nach dem altbewährten Prinzip von Frage und Antwort beziehungsweise deuten und zwinkern. Auf meine Frage „Sag mal, fällt es dir nicht manchmal schwer, dass du so gar nichts alleine machen kannst?“ buchstabierte sie mir vor langer Zeit mühsam, aber deutlich „Wieso gar nichts? Ich kann doch immer noch hören und sehen.“

    Gabriele versteht es, die Schönheit der Welt um sie herum zu erkennen und zu genießen. Sie jauchzt vor Freude, wenn ich ihr mein Meerschweinchen auf den Schoß setze oder wenn einer meiner Hunde ihr die Hände leckt. Ein simpler Spaziergang zaubert ein Strahlen auf ihr Gesicht. Weil sie die Seiten eines Buches nicht selbst umblättern kann, bittet Gabriele oft darum, vorgelesen zu bekommen. Gezielt fragt sie dann gerade Menschen, von denen sie spürt, dass sie ein Problem mit sich herum tragen. Damit erreicht sie einerseits Ablenkung und vermittelt dem Vorleser auch das Gefühl, gebraucht zu werden.

    Aber Gabriele leistet noch mehr. Sie wählt Texte aus, die nicht SIE interessieren, sondern die zur Situation ihres Gegenübers passen. Selbst kann sie keine Trostworte sprechen, aber sie weiß genau, wo sie zu finden sind. Sie klagt nur selten darüber, dass sie schwerbehindert zur Welt kam und ist meist fröhlich und dankbar für alles, was das Leben ihr bietet. Damit ist sie eine Aufmunterung für ihre Umgebung, denn ihr herzliches Lachen ist so ansteckend, dass man eigene Kümmernisse schnell vergisst. Sie weiß um diese „Vorbildfunktion“ und nimmt sie als Lebensaufgabe ernst. Wenn sie also im eigentlichen Sinne auch keine schöpferischen Taten in die Welt setzen kann, so hinterlässt sie doch prägende Spuren in den Herzen anderer Menschen.

    Unsere Seele kann nicht nur Krankheiten sinnvoll gestalten, ihr kann nicht einmal der Tod als größte Tragik des Lebens etwas anhaben. Warum das so ist, werden wir in der nächsten Einheit sehen.

    Gedanken aus der Bibel:

    Die folgenden beiden Aussagen zeigen Hiobs Verzweiflung und zugleich sein unbedingtes Festhalten an Gott in seiner tiefsten Lebenskrise:

    Vor lauter Seufzen kann ich nichts mehr essen, meine Klagen strömen aus mir wie Wasser. Was ich immer gefürchtet habe, ist eingetreten; wovor ich entsetzt zurückschrak, ist mir zugestoßen. Ich hatte noch keinen Frieden, keine Rast, keine Ruhe, da brach schon der nächste Sturm los.

    (Hiob 3,24-26)

    Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der Letzte wird er über dem Staub sich erheben.

    (Hiob 19,25)

    Fragen zum Weiterdenken:

    • Gab es bereits Krisen in Ihrem Leben? Wie haben Sie sie bewältigt?
    • Haben Sie schon einmal erlebt, dass Sie für ein vermeintliches Unglück im Nachhinein dankbar waren?